Cash or Crash
Hitze und Trockenheit: Was wir von Singapur, Israel und Australien lernen sollten
In weiten Teilen von Österreich war es diesen Sommer extrem heiß. Speziell in den größeren Städten sorgt aber nicht nur das Klima für die hohen Temperaturen, sondern auch Asphalt und Beton. Jetzt rächt sich die jahrelange Verbauung des Landes und das Zubetonieren der Städte. Dazu kommen die Klimaanlagen. Durch Klimaanlagen kann sich die Temperatur in einer Stadt um bis zu 2,4 Grad erhöhen. Das noch größere Problem ist aber die seit April nahezu ununterbrochene Trockenheit. Der Schaden für die Landwirtschaft beträgt bereits eine Milliarde Euro. Es wäre also höchst an der Zeit, dass sich Österreich und andere europäischen Länder an Singapur, Israel, Australien oder auch Spanien orientieren. Sie zeigen, wie man mit Hitze und Trockenheit umgehen muss.
Hallo zusammen noch einmal, schön, dass ihr bei meinem Podcast wieder dabei seid. In weiten Teilen von Österreich war es diesen Sommer bisher bekanntlich sehr heiß. Heiß geht es aber auch in den Sozialen Medien her: Die einen werfen den traditionellen Medien nämlich Hysterie und Panikmache vor, heiß sei es im Sommer immer wieder gewesen, und die anderen meinen, das sei typisch für die Leugnung des Klimawandels. Der Politik ist dann auch etwas dazu eingefallen: So hat Vizekanzler Babler angekündigt, dass es für Mieter künftig leichter werden soll, eine Klimaanlage einzubauen. Bisher brauchen Mieter nämlich dafür die Einverständniserklärung des Vermieters, und das soll künftig leichter gehen. Ja, wer sich jetzt von euch fragt, warum sich ausgerechnet Vizekanzler und Sportminister Babler dazu gemeldet hat: Er ist nämlich auch Wohnungsminister. Das habe ich auch gelernt, dass Österreich nämlich einen Wohnungsminister hat, habe ich irgendwie verdrängt.
Nun zurück zur Klimaanlage. Also, die Idee mit den Klimaanlagen ist natürlich naheliegend, sie wird nur das Problem nicht lösen. Wir haben nämlich in Österreich ein paar hausgemachte Probleme, die unser Land, oder besser gesagt unsere Städte, bei einer Hitzewelle gleich noch einmal um ein paar Grad heißer machen. In Österreich blühen nicht die Landschaften, muss man sagen, sondern Asphalt und Beton. Österreich ist eine der dicht-verbautesten Regionen Europas, und so hat Österreich zum Beispiel auch die höchste Dichte an Supermärkten. Jeden Tag werden in Österreich 11 bis 12 Hektar zubetoniert oder zu-asphaltiert. Das sind so, damit ihr euch was darunter vorstellen könnt, 15 Fußballfelder. Ja, und wozu wird so viel Boden zubetoniert oder asphaltiert? Na ja, entweder für neue Straßen, dann für Wohnungen auf dem Land, für Gewerbeparks, für Einkaufszentren und für Bürokomplexe. Zugleich aber stehen umgekehrt extrem viele Gewerbe- und Industrieflächen leer, und zwar im Ausmaß von der Größe von Wien, das hat die Hagelversicherung einmal berechnet. Die umzubauen wäre aber wahrscheinlich teurer als Boden zu versiegeln. Weil bei einer Umwidmung der leerstehenden Gebäude müssten ja natürlich die Eigentümer zustimmen und auch entschädigt werden. Ja, und wie gesagt, der Umbau käme auch extrem teuer.
Warum erzähle ich das? Weil wir also lieber Boden zubetonieren und asphaltieren. Asphalt und Beton heizen sich bei Sonne tagsüber aber so richtig auf, und bei Nacht geben sie die Wärme dann wieder ab, da kommt die Hitze dann sprichwörtlich von unten. Deshalb kann es in Städten, das wurde wissenschaftlich erhoben, um 1 bis 5 Grad wärmer sein als auf dem umliegenden Land. Und das kann man auch zum Beispiel in Wien ganz gut beobachten und erleben. Also, bei Hitze kann man gerne einmal vom ersten Bezirk in den angrenzenden Wienerwald fahren, dort ist es dann wirklich nämlich um einige Grad kühler. Apropos Wien: In Wien hat in der Stadtplanung in den vergangenen Jahren doch zumindest ein leichtes Umdenken begonnen, was die Errichtung von neuen Wohn- und Bürokomplexen angeht. In der neuen Wienerberg-City zum Beispiel sieht man wirklich sehr viel Grün an den Fassaden und auf den Dächern. Beim Areal im Umfeld des Hauptbahnhofs ist das, das sieht man auch mit freiem Auge, eher nicht so gelungen. Statt Grünflächen wurde da in den vergangenen Jahren eine ganz neue Bürostadt hochgezogen, und zum Teil besteht diese Bürostadt sogar noch immer aus altmodischen, muss man sagen, Glastürmen. Und Glas ist bekanntlich auch ein richtiger Hitzeverstärker. Drinnen ist es natürlich kühl, weil die Klimaanlagen die Gebäude natürlich abkühlen. Und da sind wir wieder bei dem Thema Klimaanlage. Die heizen eine Stadt nämlich richtig auf, weil Klimaanlagen bekanntlich in Wahrheit nichts abkühlen, sondern nur die Wärme von den Innenräumen nach außen ableiten. Die Temperatur kann sich somit durch Klimaanlagen in einer Stadt um bis zu 2,4 Grad erhöhen. Das haben wissenschaftliche Untersuchungen rund um den Globus ergeben.
Was also tun? Na ja, ein Vorbild ist da zum Beispiel Singapur. Der Stadtstaat in Südostasien hat nämlich ein echtes Problem: Die Temperaturen dort sind in den vergangenen 60 Jahren doppelt so schnell gestiegen wie im globalen Durchschnitt. Und momentan stellt sich sogar die Frage, ob Singapur in 30, 40, 50 Jahren überhaupt noch bewohnbar ist. Deshalb hat die Regierung internationale Wissenschaftler in die Stadt geholt. Die arbeiten jetzt am Projekt "Cooling Singapur". Ich war in den vergangenen Jahren zweimal in Singapur und habe mich zu diesem Thema unter anderem mit Experten von der Technischen Hochschule Zürich unterhalten, die dort auch an diesem Projekt beteiligt sind. Und in Singapur gibt es ein paar, finde ich, interessante Dinge zu berichten gegen die Hitze. So sieht man auch mit freiem Auge, aber das ist auch wissenschaftlich belegt, überdurchschnittlich viele Dächer und sogar Fassaden von Wolkenkratzern, die grün bepflanzt sind. Singapur pflanzt übrigens derzeit auch eine Million zusätzliche Bäume in der Stadt. Warum? Weil Bäume in einer Stadt einen Temperaturunterschied von 2 bis 4 Grad ausmachen können. Dann gibt es ein Gesetz auch in Singapur, das sehr interessant ist: Für jede Grünfläche, die verbaut wird, muss irgendwo dieselbe Fläche begrünt werden. Also entweder durch grüne Gebäudefassaden oder man reißt Beton- und Man stelle sich jetzt nur vor, jeden Tag müssten in Österreich also 11 bis 12 Hektar Beton- oder Asphaltfläche re-naturiert werden.
Es gibt in Singapur übrigens auch ein sehr ausgeklügeltes Fernkältesystem. Ja, das ist ein unterirdisches Leitungssystem, durch das eiskaltes Wasser fließt. Und an dieses Leitungssystem sind also Bürokomplexe, Einkaufszentren und auch Hotels angeschlossen. Ja, ich bin jetzt kein Techniker, aber soweit ich das verstanden habe, funktioniert das so: Also im Gebäude fließt dann dabei sehr vereinfacht jetzt, wie gesagt, das Kaltwasser durch einen Wärmetauscher, und der saugt die Raumwärme des Gebäudes auf. Dabei erwärmt sich natürlich das Wasser, aber das fließt ja dann zurück in die Kältezentrale. Und dort wird die Wärme des Wassers wieder in Energie umgewandelt, die es für die Abkühlung braucht - des Wassers. Übrigens, auch Wien baut ein Fernkältesystem auf. Das wusste ich nicht, aber das habe ich gelernt für diesen Podcast. Das AKH zum Beispiel wird bereits damit gekühlt. Aber bleiben wir noch kurz bei Singapur. Dort hat man auch den privaten Autoverkehr massiv eingeschränkt. So ernst ist die Lage, muss man sagen. Privater Autobesitz ist dort nämlich wirklich verdammt teuer. Damit ihr euch etwas darunter vorstellen könnt: Bevor man ein Auto kaufen darf, muss man eine Lizenz dafür erwerben, und die kostet viel Geld. Derzeit so zwischen 80.000 und 90.000 Euro. Das muss man sich also auch in Singapur erst einmal leisten können. Und erst dann darf man das Auto kaufen. Und das Auto darf man dann aber nur 10 Jahre besitzen, und dann muss man es zurückgeben an den Staat. Dieses System funktioniert dort aber ohne Aufstand von Seiten der Bevölkerung, weil Singapur auch ein unglaublich dichtes, modernes, sauberes und sehr sicheres U-Bahnsystem hat, muss man sagen. Außerdem ist Singapur ein Stadtstaat, wo man also relativ oft kurze Pendelwege hat. Das kann man also nicht mit Österreich vergleichen. Das habe ich aber nur als Beispiel gebracht, um zu zeigen, wie ernst eben die Lage in Singapur ist.
Einen Vorteil aber hat die Stadt noch gegenüber Österreich: Es regnet dort viel, nämlich mindestens jeden zweiten Tag. Das ist deshalb der Fall, weil Singapur eben am Äquator, sprich in der tropischen Zone, liegt. Ja, aber damit kommen wir jetzt zurück zum Hauptproblem hierzulande. Das ist nämlich in Wahrheit nicht die Hitze, sondern die anhaltende Trockenheit. Zwar gibt es immer wieder jetzt örtliche Gewitter und auch Regenfälle, aber die sind sozusagen nur der Tropfen auf den heißen Stein. Die Trockenheit ist heuer wirklich sehr massiv und hält ja eigentlich schon seit April an, und das könnte bald zu einer dramatischen Wasserknappheit führen. Und ohne Wasser geht bekanntlich nichts, weil die Industrie braucht Wasser, die Landwirtschaft braucht Wasser und die Haushalte brauchen auch Wasser. 130 Liter Trinkwasser verbraucht ein Haushalt in Österreich pro Tag für die Waschmaschine, den Geschirrspüler und die Toilette. Über 30 Liter Trinkwasser wandern jeden Tag die Klospülung runter.
Ja, ich habe das Problem mit der Trockenheit heuer ja bereits zweimal in meinem Podcast beleuchtet. Leider muss ich sagen, dass inzwischen die Lage immer schlimmer wird. Der Ausfall bei Getreide beträgt inzwischen über 20 Prozent, und auch bei Mais, Kürbis, Soja und Erdäpfeln werden sicher massive Ertragseinbußen erwartet. Und bei Futter ist die Lage übrigens inzwischen eigentlich schon katastrophal. Landwirte müssen bereits Notschlachtungen durchführen. Das haben verschiedene Medien eh schon berichtet, weil es kein Futter mehr gibt. Und importieren ist auch schwierig, weil die Trockenheit in Europa ja flächendeckend ist und es anderswo den Bauern auch nicht besser geht und die also auch kein Futter haben, das wir dort kaufen könnten.
Das alles wird die Preise natürlich für die Lebensmittel eklatant steigen lassen. Ja, Brot, Gebäck, Obst, Gemüse werden sicher teurer werden. Und die Frage ist, ob nicht auch der Strom bald teurer wird, weil er knapp wird. Weil in ganz Süd- und Mitteleuropa sinken die Wasserstände der Flüsse, und die Wasserkraftwerke, auch in Österreich, müssen ihre Leistungen zurückfahren. Und von Frankreich bis Rumänien werden zudem bereits zahlreiche Atomkraftwerke abgeschaltet, weil es zur Kühlung der Brennstäbe bekanntlich Wasser braucht. Da muss man die AKWs dann abschalten, weil sonst kommt es zur Kernschmelze.
Na ja, das alles zeigt, wie wenig wir in Österreich und in Europa eigentlich auf Wasserknappheit und Trockenheit vorbereitet sind. Da stellt sich jetzt wieder die Frage: Was tun? Ja, und nicht nur was tun hier in Österreich, sondern in ganz Mittel- und Zentraleuropa. Ja, und da kann man sagen: Lernen von den anderen. Von Israel zum Beispiel, von Australien oder auch von Spanien. Diese Länder betreiben zum Beispiel ein hervorragendes Abwasserrecycling. Israel ist weltweit beim Wiederaufbereiten von Abwasser inzwischen führend und recycelt schon fast das ganze Abwasser für die Landwirtschaft. Man muss aber auch sagen, sonst wäre Landwirtschaft dort auch aufgrund der chronischen Trockenheit gar nicht möglich.
Dann betreiben Israel und Australien auch Meerwasserentsalzungsanlagen. Die gibt es natürlich auch schon in anderen EU-Ländern, aber ich rede hier wirklich flächendeckend von solchen Anlagen. Die decken in diesen Ländern bereits bis zu 80 Prozent des Trinkwasserbedarfs ab. Spanien hat dann in Andalusien ein hochmodernes Leitungsnetz für die Bewässerung der Felder eingeführt. Das lässt sich digital steuern. Und in Spanien natürlich wird auch Abwasser gereinigt und für die Landwirtschaft verwendet. In Australien wird übrigens zusätzlich der private Wasserverbrauch bei Trockenheit sehr streng reguliert. Da werden dann zum Beispiel gleich einmal die Autowaschstraßen geschlossen. Und der Wasserpreis in Australien wird nicht linear erhöht wie bei uns, sondern stufenweise. Wenn ein Haushalt also mehr als der Durchschnitt verbraucht, zahlt er nicht etwas mehr wie bei uns, sondern gleich das Vielfache für das Wasser. Und in Australien ist es auch so, dass in Neubauten der Einbau von Zisternen zum Speichern von Wasser Pflicht ist. Ja, und Trinkwasser für die Klospülung gibt es in diesen Ländern, also Israel, Australien oder Spanien, schon lange nicht mehr.
Was heißt das jetzt alles für unsere Geldbörse? Was bedeuten Hitze und Trockenheit für eine Volkswirtschaft? Na ja, das Potsdam-Institut für Klimaforschung in Deutschland hat gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank dazu vor zwei, drei Jahren eine Studie durchgeführt. Und dabei hat man sich die Entwicklung bis zum Jahr 2035 angesehen. Ergebnis: Durch die weltweit steigenden Temperaturen wird es weltweit immer stärker zu Ernteausfällen kommen. Ja, so logisch, leider schlechte Nachricht. Dadurch werden aber die Nahrungsmittel im Supermarkt immer teurer werden. Und das haben also dann die Experten von der EZB auf die Inflation umgelegt und sind zu folgendem Ergebnis gekommen, dass die Inflation demnach allein durch die immer teurer werdenden Lebensmittel um 1,2 Prozentpunkte zusätzlich steigen wird, und das pro Jahr. Was heißt das? Oder anders gesagt, im Vorjahr, nur ein Beispiel, lag die Inflation in Österreich bei 3,6 Prozent. Ja, im Jahr 2035 wäre das schon weitaus höher, weil da können wir die 1,2 Prozentpunkte gleich dazurechnen. Das wären also im Vorjahr dann 4,8 Prozent gewesen. Dazu kommen dann noch die unmittelbaren Schäden durch Hitze und Dürre. Ja, die liegen mittlerweile in Österreich so im Schnitt bei 1,4 Milliarden Euro jährlich. Heuer wird es aber sicher leider einen neuen Rekord geben, weil der Gesamtschaden in der Landwirtschaft lag schon bis Mitte August bei einer Milliarde Euro. Das hat die Hagelversicherung neulich mitgeteilt. Ja, und betroffen von der Dürre sei ganz Österreich, sagt die Hagelversicherung, und sämtliche landwirtschaftliche Kulturen, also Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse, Soja, Getreide sowieso.
Wollen wir also hoffen, dass es bald einmal lange und ausgiebig regnet und nicht so endet wie im Jahr 1540. Ja, da regnete es in Europa neun Monate nicht. Das wissen wir aus Aufzeichnungen, aus zeitgenössischen Aufzeichnungen von den Klöstern. Flüsse wie der Rhein trockneten damals nahezu vollständig aus. Und der Bodensee auch, ja, der lag so tief, das Wasser, der Wasserstand, dass man direkt von Bregenz nach Lindau gehen konnte. Und durch die Ernteausfälle aber herrschte natürlich eine große Hungersnot, und Wasser wurde zu einem Luxusgut. Ja, nur die Weinbauern freuten sich. Der Wein des Jahres 1540 war einer der besten des ganzen 16. Jahrhunderts. Und am Ende aber kostete ein Liter Wasser mehr als ein Liter Wein.
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Autor:in:Wolfgang Unterhuber |