Cash or Crash
Was Hitze und Trockenheit für unsere Geldbörse bedeuten
Im heutigen Podcast geht es um die wirtschaftlichen Folgen der seit Frühjahr anhaltenden Dürre und der Hitzeperioden in diesem Sommer. Bei Getreide wird es laut Landwirtschaftskammer zu einem spürbaren Ernterückgang kommen. Auch die Stromerzeugung durch Wasserkraft ist wegen der Niedrigwasserstände beeinträchtigt. Das alles hat Auswirkungen auf unsere Geldbörse. Denn Dürre und Hitze sind keine Ausnahmen mehr, sondern inzwischen dauerhafte Klimaerscheinungen.
Hallo zusammen, schön, dass ihr bei meinem Podcast "Cash or Crash" wieder dabei seid. Heute reden wir über das Wetter, und zwar über die aktuellen Hitzeperioden in diesem Sommer und über die Trockenheit. In den sogenannten sozialen Medien wird darüber ja intensiv diskutiert; die einen meinen, dass die traditionellen Medien da stark übertreiben und Panik verbreiten würden. Hitzewellen hätte es schließlich schon immer gegeben. Die anderen kontern dann und beschimpfen die Ersteren als Klimawandelleugner. So kommen wir als Gesellschaft natürlich nicht weiter, meines Erachtens, und ich möchte mich daher heute auch nicht großartig auf diese Ebene begeben und das inhaltlich thematisieren, was da richtig oder falsch ist. Ich möchte vielmehr versuchen, eine möglichst objektive Analyse vorzunehmen. Egal, wie oft uns nämlich eine Dürreperiode oder eine Hitzewelle heimsucht, die Folgen sind immer unmittelbar spürbar. Und um diese Folgen geht es heute, und zwar konkret um die wirtschaftlichen Folgen. Die Folgen von Dürre und Hitze können wir ja alle heuer gut sehen, und zwar insbesondere in der Landwirtschaft. Da ist jetzt schon klar, dass es durch die anhaltende Dürre seit dem Frühjahr und durch einzelne Hitzewellen jetzt im Sommer zu massiven Ernteausfällen kommen wird. Das kann man, wie gesagt, mit freiem Auge beobachten, wenn man durch Ostösterreich oder Südostösterreich fährt. Da trifft man dann ziemlich häufig auf ausgedörrte Felder und Wiesen. In Ostösterreich hat es ja allein heuer im Frühjahr um 50 Prozent weniger geregnet als im Vorjahr. Und bei Getreide wird das laut Landwirtschaftskammer zu einem spürbaren Ernterückgang führen, und zwar konkret um 15 Prozent. Und bei Winterweizen wird sogar ein Rückgang von 20 Prozent erwartet. Getreide ist bekanntlich das wichtigste Grundnahrungsmittel der Welt. Man braucht es aber nicht nur für Brot und Backwaren, sondern auch für die Herstellung von Futtermitteln. Weniger Getreide bedeutet auch weniger Futtermittel, die muss man dann importieren, und die sind dann teurer. Und in der Industrie wird Getreide unter anderem auch gebraucht, und zwar als Verdickungsmittel in der Papier- und Pharmaindustrie.
Ja, Rückgänge dürfte es aber nicht nur beim Getreide geben, sondern ziemlich sicher auch bei Erdäpfel, Erbsen und Zuckerrüben. Und dort noch in einem höheren Ausmaß als beim Getreide nämlich. Hier dürften die Rückgänge sogar 20 Prozent betragen. Jetzt werden einige von euch sagen: "Ja, eh, so weit so schlecht, aber die fehlenden Mengen kann man ja importieren." Das stimmt, aber diese Mengen musst du erst einmal nämlich bekommen. Denn anderswo in Europa und auf der Welt ist es auch zu trocken und auch zu heiß, und dort kommt es ebenfalls zu Ernteausfällen. Und wenn man doch irgendwie dann an die fehlenden Mengen kommt, dann sind die Importe natürlich viel teurer als die Ernte aus der heimischen Produktion.
Trockenheit und Hitze können wir aber noch an einem anderen Faktum festmachen, nämlich an den Waldbränden. In Österreich gab es davon heuer bereits ziemlich viele. Allein in der Steiermark gab es heuer schon 50 Waldbrände. Dahinter folgen Kärnten mit 24, Niederösterreich mit 28, und Oberösterreich mit 14 Waldbränden. Besonders dramatisch waren zwei Brände Ende April. Im Kärntner Lesachtal brannten 110 Hektar Wald ab, und in Eisbach-Rhein in der Steiermark waren es 67 Hektar.
Ja, das Gegenteil von Feuer ist Wasser. Und auch da können wir aktuell alle mit freiem Auge erkennen, wie niedrig die Wasserstände in den Bächen und Flüssen heuer sind. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Tierwelt und auf die Natur, sondern eben auch auf die Wirtschaft. Wasser ist ja ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In der Industrie geht ohne Wasser so gut wie gar nichts. Und auch in jedem Haushalt in Österreich werden täglich rund 130 Liter Wasser verbraucht. Mehr als 30 Liter davon gehen in die Klospülung runter. Trinkwasser, übrigens. Ja, Wasser ist in Österreich aber auch der wichtigste Stromlieferant. Die Wasserkraft deckt hierzulande über 60 Prozent der gesamten heimischen Stromerzeugung ab. Ja, und die anhaltende Trockenheit macht sich da natürlich spürbar. Und das trifft vor allem den Stromkonzern, den Österreichischen Verbundkonzern, das ist ja der größte Stromkonzern hierzulande. Die Laufkraftwerke des Verbunds liefern heuer nämlich deutlich weniger Strom als sonst, und zwar konkret um knapp 30 Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt, weil durch das Niedrigwasser eben die Produktion gedrosselt werden muss. Aber ich will hier auch Entwarnung geben: Die Stromversorgung ist nicht in Gefahr, weil wir Gott sei Dank schon genug Photovoltaikanlagen haben, und die liefern jetzt natürlich enorme Strommengen. Die können aber natürlich den Ausfall bei der Wasserkraft nicht ganz kompensieren, und deswegen importieren wir natürlich auch Strom. Im Übrigen, das darf man nicht laut sagen, ist aber ein Faktum, ist bei diesem Importstrom auch Atomstrom dabei.
Nun gut, gibt es eigentlich verlässliche Zahlen zu den wirtschaftlichen Folgen einer Hitze- und Dürreperiode? Ja, die gibt es, und zwar von den Banken und Versicherungen. Die können das Klima nämlich nicht durch die politische oder ideologische Brille sehen, die sehen das Thema durch Zahlen. Und eine aktuelle Analyse zum Thema Hitze und Dürre gibt es etwa vom Kreditversicherer Allianz Trade in Deutschland. Das Unternehmen schützt als Kreditversicherer Firmen vor Forderungsausfällen, wenn Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlen können, ja, und die untersuchen aber auch immer wieder sozusagen, welche Folgen durch Klimakatastrophen entstehen können. Ja, konkret hat sich die Allianz jetzt einmal angesehen, wie sich eine Hitzewelle auf die Wirtschaft eben auswirkt. Und da hat man sich zunächst einmal die Baustellen vorgenommen und die Logistik oder die Arbeit im Freien grundsätzlich, wie etwa im Tourismus. Warum? Weil ab 30 Grad die körperliche Leistungsfähigkeit und damit die Produktionsfähigkeit sinkt. Dazu kommen dann die Schäden in der Landwirtschaft und in der Infrastruktur, weil Straßen aufbrechen und sich Schienen verbiegen. Und nicht zuletzt steigt ja auch der Stromverbrauch, nicht nur durch die Klimaanlagen in den Büros, sondern auch durch die Kühlsysteme, in der Lebensmittelproduktion, im Handel oder in den Rechenzentren.
So, und zu welchem Ergebnis ist die Allianz da jetzt gekommen? Die Analysten bei der Allianz sagen, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden fünf Jahren durch Hitze und Dürre einen volkswirtschaftlichen Schaden von über 110 Milliarden Euro erleiden könnte, also etwas über 20 Milliarden Euro pro Jahr. Ist das jetzt viel oder wenig? Da gibt es natürlich sofort eine Diskussion dazu in Deutschland. Die Summe höre sich auf den ersten Blick groß an, sei relativ zum Bruttoinlandsprodukt jedoch eher gering, sagt etwa Joachim Ragnitz. Wer ist Joachim Ragnitz? Ja, ein ziemlich berühmter deutscher Wirtschaftswissenschaftler, also eine große Nummer. Und der sagt eben: "Ja, ja, die Wirtschaftsleistung, also das BIP in Deutschland, beträgt jährlich 4.700 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu sind die 20 Milliarden also überschaubar." Da gibt es natürlich dann andere Meinungen, die sagen: "Na ja, diese 20 Milliarden sind aber eigentlich exakt 20 Milliarden zu viel."
So, gibt es auch Zahlen zu den Folgeschäden von Hitze und Dürre in Österreich? Ja, die gibt es. Die Hagelversicherung kann da anhand der Schadensfälle genaue Berechnungen durchführen. Wobei die Hagelversicherung nicht nur Hagelschäden berechnet, wie der Name vermuten lassen würde, sondern alle Unwetterschäden in der Landwirtschaft. Und für das Vorjahr hat die Hagelversicherung da auch schon eine konkrete Zahl heuer präsentiert. Also im Vorjahr betrugen die Schäden in der Landwirtschaft durch Unwetter und Klimakapriolen also 100 Millionen Euro. Und davon wurden exakt 70 Millionen Euro durch Hitze und Dürre verursacht. Also Hitze und Dürre verursachen den höchsten Schaden in der Landwirtschaft, und zwar mit Abstand. Die Hagelversicherung führt auch Studien durch und kommt zum Schluss, dass diese Schäden in der Landwirtschaft in den kommenden Jahren steigen werden, und zwar auf bis zu 250 Millionen jährlich. Und auch da würden also Hitze und Dürre den größten Anteil ausmachen. Jetzt reden wir aber immer nur von der Landwirtschaft. Da stellt sich jetzt natürlich auch die Frage: Wie hoch ist der Schaden für die gesamte Wirtschaft? Gibt es da Untersuchungen? Ja, schon vor vier Jahren gab es da eine erste Wissenschaftsstudie, die dazu veröffentlicht wurde. Und demnach beträgt der gesamtwirtschaftliche Schaden durch Wetterextreme rund 1,4 Milliarden Euro pro Sommerperiode. Also da hat man sich genau die Sommerperiode angeschaut und Hitze, Dürre und natürlich dann auch Überschwemmungen, wenn es sie gibt, berechnet.
So: Wie ist man aber auf diese 1,4 Milliarden Euro speziell jetzt bei Hitze und Dürre gekommen? Na ja, man hat sich ähnlich wie die Deutsche Allianz einmal die Produktionsausfälle in der Bauwirtschaft angesehen, im Dienstleistungsbereich wie etwa im Gastgewerbe, ja, und auch in der Logistik. Zweiter Punkt waren dann die Ernteausfälle in der Landwirtschaft, von denen ich heute schon gesprochen habe. Und dann hat man sich natürlich auch die Wasserknappheit angesehen, weil durch Wasserknappheit müssen ja in der Industrie dann ja zum Teil auch die Produktionen gedrosselt werden. Und nicht zu vergessen, die Gesundheitskosten, ja, speziell ältere Menschen leiden unter der Hitze ja besonders und müssen dann zusätzlich medizinisch behandelt werden, und das nimmt natürlich unser Gesundheitssystem zusätzlich in Anspruch. Und so ist man in Summe auf die 1,4 Milliarden pro Jahr gekommen. Kann man sich natürlich wieder die Frage stellen: Ist es jetzt viel oder wenig? Gemessen an unserer gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung, die beträgt knapp 500 Milliarden Euro im Jahr, klingen die 1,4 Milliarden natürlich nicht dramatisch, aber man kann dem entgegnen, dass man sagt: "Na ja, aber die sind jetzt immer da und bilden sozusagen eine zusätzliche Belastung."
Aber schauen wir uns jetzt überhaupt einmal an, was Hitze und Dürre für unsere Geldbörse unmittelbar bedeuten. Und da komme ich wieder auf die Ernteausfälle zu sprechen, weil die treiben natürlich die Lebensmittelpreise nach oben. Und da gibt es sogar schon einen Fachbegriff dafür, und dieser Fachbegriff lautet Klimaflation. Vielleicht habt ihr davon schon gehört, ja. Mir ist das relativ neu, muss ich ehrlich sagen. Das ist ein Begriff, der also schon bei Banken und Vversicherungen und auch bei Klimaforschern verwendet wird, weil die extreme Hitze und Dürre ja nicht nur bei uns stattfindet, sondern weltweit, und das verknappt also überall global die Ernteerträge. Und auch da gibt es schon Berechnungen, ja.
Was heißt das jetzt für unsere Geldbörse, wenn sozusagen die Ernteerträge laufend sinken und die Lebensmittelpreise dadurch eben kontinuierlich steigen? Und das Potsdam-Institut für Klimaforschung in Deutschland hat das gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank ausgerechnet. Und die sind zum Schluss gekommen, dass die Nahrungsmittel im Supermarkt durch die weltweit steigenden Temperaturen bis zum Jahr 2035 um bis zu 3,2 Prozentpunkte pro Jahr steigen könnten. Ja, die haben das dann umgelegt auf die Gesamtinflation, ja, und sind zum Schluss gekommen, dass also die gesamte Inflation würde um knapp 1,2 Prozentpunkte jährlich allein durch globale Hitze und Dürrekatastrophen steigen. Ja, was heißt das jetzt? Ja, schauen wir uns das aktuell an. Aktuell liegt bei uns in Österreich die Inflation bei 3,2 Prozent. Der Bereich der Nahrungsmittel trug aber zuletzt im Juni nur mit 0,2 Prozentpunkten zur Gesamtteuerung bei, ja. Und nehmen wir jetzt her, stellt euch vor, also statt dieser 0,2 Prozentpunkte würden die Lebensmittel also um 1,2 Prozentpunkte anheben, na ja, dann hätten wir eine Inflationsrate von über 4 Prozent. So, bemerkt haben wir die globalen Klimakatastrophen, ja, zum Beispiel schon beim Kaffee. Der Kaffee ist in den vergangenen Jahren ja erheblich und sehr empfindlich teurer geworden. Das hängt eben einfach damit zusammen, dass es in den Anbaugebieten immer wieder zu Hitze und Dürrekatastrophen gekommen ist. Aber auch heimische Produkte können durch Ernteausfälle kurzfristig ziemlich teuer werden, und zwar bis zu 30 Prozent bei bestimmten Obst- und Gemüsesorten wie zum Beispiel Kartoffeln, Äpfeln oder Gurken. Das hat es schon gegeben.
Neben den Nahrungsmitteln natürlich steigen auch die Energiekosten bei Hitze und Dürre, ja. Die Kühlung von Wohnungen, Büros und den ganzen Lagerhallen in der Industrie und im Handel, ja, all das treibt den Stromverbrauch natürlich in die Höhe und damit auch den Strompreis, ja. Und dazu kommen dann natürlich noch die Kosten für den Wasserverbrauch, ja, weil die Bewässerung von Garten- und Grünflächen schlägt natürlich auch direkt durch auf die Wasserrechnung. Das merkt man auch. Und nicht zuletzt dürfen wir die Bauschäden bei den Häusern und bei den Wohnungen außer Acht lassen, die durch eine länger anhaltende Dürre oder immer wiederkehrende Dürre, sage ich einmal, entstehen können.
Das heißt, in Summe muss man sagen, dass wir das Thema auf alle Fälle im Auge behalten müssen, ja. Dürre und Hitzekatastrophen oder eben extreme langanhaltende Trockenheit, wie wir sie in Ostösterreich eigentlich immer wiederkehrend jetzt haben, haben durchaus also ihre Auswirkungen auf unsere Geldbörse, und das ehrlich gesagt nicht zu knapp. Trotzdem wünsche ich euch noch einen schönen Tag, ja, einen schönen Sommertag vielleicht, und ich freue mich, wenn ihr das nächste Mal wieder dabei seid, wenn es heißt: "Cash or Crash". Das war's für heute, liebe Hörerinnen und Hörer. Danke, wenn ihr "Cash or Crash" weiterempfehlt und abonniert. Wenn ihr mir schreiben wollt, schickt mir bitte eine Mail an cashorcrash@missing-link.media. Für Anregungen, Fragen und auch Kritik bin ich dankbar.
LINKS:
https://blog.de.erste-am.com/wie-hitzewellen-zum-wirtschaftsfaktor-werden/
https://www.heute.at/s/wetter-extreme-14-mrd-euro-schaden-in-oesterreich-120130976
Autor:in:Wolfgang Unterhuber |