Cash or Crash
Das Geschäft mit der Fußball-WM und wer davon profitiert
Am 11. Juni beginnt die Herrenfußball-WM in Nordamerika. 48 Mannschaften nehmen daran teil. Der Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, Gianni Infantino, hat angekündigt, dass die WM „das größte Sport-Ereignis werden wird, dass die Menschheit je gesehen hat“. Wie auch immer. Eines steht jedenfalls schon fest: Diese WM wird für die FIFA die lukrativste aller Zeiten.Der Weltfußballverband FIFA rechnet aktuell mit rund 9,3 Milliarden Euro an Einnahmen. Das ist mehr als doppelt so viel wie die Einnahmen bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris. Der Verkauf der weltweiten Fernsehrechte ist die größte Einnahmequelle der FIFA. Dazu kommen die Einnahmen von den Ticketverkäufen und die Gelder von den Sponsoren. Auch der Österreichische Fußball-Bund profitiert von seiner Teilnahme am Großereignis sowie der Handel und die Wettanbieter.
Hallo zusammen noch einmal, schön, dass ihr wieder dabei seid. Am 11. Juni beginnt die Herrenfußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika. Konkret wird sie in Kanada, den USA und Mexiko ausgetragen. Stellt sich gleich einmal die erste Frage: Warum wird die WM in drei Ländern ausgetragen? Na ja, weil das Teilnehmerfeld erweitert wurde. Statt bisher 32 Mannschaften nehmen dieses Mal gleich 48 teil.Das macht 104 Spiele, und das erfordert natürlich eine brauchbare Infrastruktur. Das beginnt beim Umbau und Ausbau der Stadien und endet natürlich bei den Hotels und Verkehrstransportmitteln für die Fans. Und das alles kostet Geld, und diese Kosten teilt man sich dann lieber doch auf, als dass man sie alleine trägt. Wir erinnern uns zum Beispiel an das Jahr 2008, an die Europameisterschaft. Da wurde auch der Bewerb aus dem Grund nämlich in zwei Ländern ausgetragen, nämlich in Österreich und der Schweiz.
In vier Jahren werden es dann überhaupt übrigens sechs Länder auf drei Kontinenten sein, die die Fußball-WM veranstalten. Da ist die Fußball-WM nämlich dann 100 Jahre alt. Und weil die erste Weltmeisterschaft 1930 in Uruguay stattfand, wird die Weltmeisterschaft 2030 ebenfalls in Uruguay starten. Dann sind Spiele in Paraguay und Argentinien geplant, dann in Marokko und schlussendlich in Portugal und Spanien.
Aber bleiben wir jetzt einmal bei der heurigen Weltmeisterschaft. Der Präsident des Weltfußballverbandes, der FIFA, der Italo-Schweizer Gianni Infantino, hat angekündigt, dass die WM, Zitat, "das größte Sportereignis werden wird, das die Menschheit je gesehen hat". Zitat Ende. Wir werden sehen. Die Spiele werden jedenfalls in 16 Städten ausgetragen, elf in den USA, drei in Mexiko und zwei in Kanada.So, und jetzt kommen wir zum Geld. Auf jeden Fall nämlich wird für die FIFA diese Weltmeisterschaft die gewinnbringendste aller Zeiten werden. Die FIFA rechnet aktuell mit rund 9,3 Milliarden Euro an Einnahmen, und damit ist die Weltmeisterschaft das weltweit lukrativste Sporteinzelereignis. Zum Vergleich: Die gesamten Einnahmen sind damit mehr als doppelt so hoch wie die bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris. Und wenn wir jetzt die 9,3 Milliarden hernehmen nur für diese Weltmeisterschaft, muss man sich fragen: Gibt es eigentlich noch vergleichbare Gelddruckmaschinen? Ja, schon, in Amerika. Die dortige Football League oder Baseball League oder Basketball League, ja, die kommen auf ähnliche Einnahmen, so zwischen 10 und 20 Milliarden Euro im Jahr, also doch viel mehr, aber eben über das ganze Jahr.
Nächste Frage: Womit verdient die FIFA eigentlich ihr Geld bei der Weltmeisterschaft? Da muss man sagen: Der Verkauf der weltweiten Fernsehrechte ist die größte Einnahmequelle der FIFA. 3,7 Milliarden werden dafür heuer an Einnahmen budgetiert. Vor vier Jahren in Katar, wo damals die Weltmeisterschaft stattgefunden hat, waren es knapp 3 Milliarden gewesen. Jetzt werdet ihr euch fragen, warum dieses große Plus? Na ja, die Steigerung der Einnahmen hat damit zu tun, dass das Teilnehmerfeld, wie schon gesagt, von 32 auf 48 erhöht wurde. Das bedeutet eine Erhöhung der Spiele auch, von 64 auf 104.Mehr Spiele, mehr Cash. Cash, den die TV-Sender aufbringen müssen. Und in Österreich zeigen der ORF und Servus TV jeweils genau die Hälfte der Spiele. Die teilen sich also auch die Kosten für die Übertragungsrechte. Die Kosten für die Übertragungsrechte sind übrigens immer streng geheim, aber es gibt eine Schätzung von Experten. Bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren hat nämlich Servus TV den ORF ausgestochen und dafür laut Schätzungen eben 25 Millionen Euro hingeblättert. Für die diesjährige Weltmeisterschaft wird es natürlich schon viel mehr sein.
Aber die FIFA verkauft übrigens nicht nur die Rechte an die TV-Sender, sondern auch an die sozialen Medien TikTok und YouTube, und zwar für die Übertragung der ersten zehn Minuten der Spiele. Man hofft dadurch, dass die jüngeren Fans, die auf diesen sozialen Medien unterwegs sind, so für die Fernsehübertragung gewonnen werden können. Ja, an zweiter Stelle dann nach den Übertragungsrechten verdient die FIFA an den Ticketverkäufen. Da rechnet man für heuer mit 2,5 Milliarden Euro an Einnahmen. Vor vier Jahren im Vergleich dazu waren das nur läppische 800 Millionen. Warum also diese doch eklatante Steigerung? Na ja, weil eben 104 Spiele mehr sind als 64. Und der zweite Grund ist der: Die Tickets sind teurer als vor vier Jahren, und das wurde übrigen auch schon in den Medien hinlänglich kritisiert. Laut FIFA wurden angeblich 7 Millionen Tickets verkauft, ja, und das würde dann doch einen Durchschnittspreis von 350 Euro ergeben pro Spiel. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Die FIFA passt die Preise ja ständig an. Ja, für die Spiele in den Gruppenphasen wird man wahrscheinlich nicht diesen Preis überall hinlegen müssen, aber dann natürlich ab dem Sechzehntelfinale wird es teuer und teurer. Und laut dem britischen Guardian kostet die teuerste Karte für das Finale rund 9.000 Euro.
Übrigens: 7 Millionen Tickets, die laut FIFA verkauft wurden, dividiert durch 104 Spiele, das wären dann pro Spiel rund 67.000 Zuschauer in einem Fußballstadion. Zum Vergleich: Das Ernst-Happel-Stadion hat ein Fassungsvermögen von knapp über 50.000. Na ja, und diese 67.000 Zuschauer, ja, die Amerikaner haben diese Stadien von dieser Größenordnung, und das würde bedeuten, dass jedes Spiel durchaus ausverkauft ist.
Eine weitere Einnahmequelle für die FIFA, das sind die Sponsoren. Und da gibt es mehrere Kategorien. Da gibt es einmal die Top-Sponsoren und dann die offiziellen Sponsoren. Und die Top-Sponsoren, ja, die können wir uns schon näher anschauen. Da sind zum Beispiel dabei Adidas, der deutsche Sportartikelhersteller, dann Coca-Cola, dann der börsennotierte Kreditkartenkonzern Visa, die Fluglinie Qatar Airways, dann der Autoriese Hyundai aus Südkorea und der chinesische Technologiekonzern Lenovo ist auch dabei und der saudische Ölriese Aramco. Übrigens: Die Weltmeisterschaft 2034 wird dann in Saudi-Arabien stattfinden, und die können das ganz alleine finanziell stemmen.Offizielle Sponsoren gibt es dann auch noch, wie ich schon gesagt habe. Das sind, da will ich jetzt nicht alle groß einzeln aufzählen, aber dabei ist natürlich der größte Brauereikonzern der Welt, Anhäuser Busch und natürlich McDonald's. Wie viel jetzt die Sponsoren jeweils einzeln einzahlen, ist natürlich auch geheim und unbekannt, aber das kann man sich irgendwo ja ausrechnen. Wenn also insgesamt mit Sponsoreneinnahmen von zweieinhalb Milliarden gerechnet wird, dann werden die einzelnen Sponsoren so zwischen 50 und 150 Millionen Euro auf den Tisch legen dafür. So, wir stehen jetzt insgesamt schon einmal bei einer Rechnung von 8,6 Milliarden Euro. Da fehlen also noch ein paar 100 Millionen, 700 Millionen, und die nimmt die FIFA dann noch über die Lizenzrechte ein. Die FIFA vergibt ja Lizenzen für den Markennamen, offizielle Fanartikel oder Videospiele. FIFA Sports nehme ich einmal an, kennen sicherlich viele von euch.
Kommen wir zur nächsten Frage: Wohin fließt denn dann das ganze Geld, die 9,3 Milliarden Euro, die die FIFA mit dieser Weltmeisterschaft verdient? Na ja, zunächst einmal muss die FIFA ja auch diese Weltmeisterschaft veranstalten. Deine Weltmeisterschaft ist teuer, und diese Weltmeisterschaft dürfte so an die 3,3 Milliarden Euro unmittelbar kosten. Der größte Teil fließt in die Organisation des Turniers natürlich. Darin enthalten sind Kosten für die Ausrichtung des Turniers, der Betrieb der Infrastruktur, Schiedsrichter, die Sicherheit muss auch bezahlt werden und natürlich der gesamte Spielbetrieb vor Ort.Ja, enthalten in den 3,3 Milliarden Euro sind aber auch die Preisgelder, und insgesamt werden 744 Millionen Euro an die 48 Teams ausgeschüttet. Ja, die bekommen gleich einmal ein Startgeld und auch ein Geld für die Vorbereitung, und jedes Team erhält damit einmal vom Start weg, sage ich einmal, 10 Millionen Euro ungefähr. Pro Spiel gibt es dann natürlich weitere Prämien, und der Weltmeister am Ende kassiert eine Prämie von 50 Millionen Euro. Ja, und wohin gehen eigentlich dann die anderen Milliarden? Na ja, wie es so schön heißt bei der FIFA: In die Entwicklungsprojekte für den Fußball rund um den Globus. Jetzt muss man wissen, die FIFA ist eine gemeinnützige Organisation, das heißt, sie muss alle Gewinne wieder ausschütten, und zwar an ihre Mitglieder. Und insgesamt hat die FIFA 211 nationale Mitgliedsverbände rund um den Globus, die also von den Mehreinnahmen profitieren.
Was bedeutet das jetzt für unsere Geldbörse? Na ja, für diejenigen, die nach Nordamerika reisen, um sich die Spiele vor Ort anzusehen, wird das sicher kein billiger Spaß, muss man einmal sagen. Hierzulande ist das sicher vor dem Fernseher oder beim Public Viewing sicher günstiger. Aber schauen wir uns einmal an, wer hier von der Weltmeisterschaft eigentlich profitiert. Ich habe es eh schon gesagt, also die Nationalmannschaft selber, sprich der Österreichische Fußballbund, der bekommt einmal für die Teilnahme und die Vorbereitung 10 Millionen Euro von der FIFA. Geld von der FIFA bekommen übrigens auch die Vereine, die Spiele für die Weltmeisterschaft abstellen, also quasi so eine Art Entschädigungsgebühr.Sehr stark von der Weltmeisterschaft profitieren wird der Handel, weil immerhin jeder zweite Einwohner hierzulande schaut sich im Schnitt die Weltmeisterschaft an. Da profitiert zum Beispiel der Lebensmittelhandel einmal davon, weil die Leute kaufen vermehrt Snacks und Getränke für das Public Viewing oder für die privaten TV-Feiern quasi zu Hause. Auch der Elektrohandel profitiert. Es gibt tatsächlich viele Menschen, die die WM zum Anlass nehmen, sich ein neues TV-Gerät anzuschaffen. Ja, und auch der Sportartikelhandel freut sich, weil der verkauft Trikots und andere Fanartikel.
Die Gastronomie dürfen wir auch nicht vergessen. Ja, vor allem die Betreiber von Biergärten werden profitieren, sowie die Public Viewing-Veranstalter. Und nicht zuletzt sind auch die Wettanbieter erfreut sicherlich über die WM, weil das bringt höhere Wettvolumina. Und schlussendlich müssen ja Servus TV und der ORF also wieder eigentlich die Kosten für die TV-Rechte, für die Übertragungsrechte reinbringen. Und wie gesagt, ich hoffe, am Ende können sie sich freuen, nämlich über die erhöhten Werbeeinnahmen.
Gibt es dazu auch Zahlen zu den ganzen Profiteuren? Das ist ein bisschen schwierig, weil die natürlich auch jetzt nicht einzeln nachgewiesen werden können so im Detail. Aber der Österreichische Handelsverband hat ausgerechnet, dass die Fußball-Europameisterschaft der österreichischen Wirtschaft branchenübergreifend geschätzte Zusatzeinnahmen von rund 200 Millionen Euro gebracht hat. Ja, diese 200 Millionen natürlich wurden quasi von uns ausgegeben. Ja, und gerechnet durch die Zahl der erwachsenen Bevölkerung würde demnach jeder Einzelne von uns ungefähr 25 Euro für so ein Ereignis ausgeben wie die Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft. Schauen wir mal, wie viel es diesmal dann sein wird am Ende des Tages.Ja, bleiben wir aber noch bei den 200 Millionen. Da gibt es einen Fußballspieler wahrscheinlich, der darüber nur müde lächeln kann. Ja, und das ist der bestbezahlte Spieler derzeit, der 40-jährige Cristiano Ronaldo. Der verdient nämlich in Saudi-Arabien, wo er derzeit spielt, jährlich so um die 220 Millionen Euro. Aber wie gesagt, das ist nicht nur einmal, sondern eben jährlich.
Ja, das war es für heute. Schön, dass ihr wieder dabei wart. Ich hoffe, ihr freut es euch schon auf die WM, und ich hoffe, sie wird spannend, und natürlich hoffen wir alle, dass Österreich auch möglichst weit kommt. Schönen Tag noch, bis zum nächsten Mal.
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Autor:in:Wolfgang Unterhuber |