Ist das wichtig?
Familienbeihilfe & Familienbonus mit 75/25-Pflicht: Wie die Koalition bei den Familien 280 Millionen Euro holt
- hochgeladen von Georg Renner
Die Regierung hat sich auf die Grundzüge des Doppelbudgets 2027/28 geeinigt – und 280 Millionen Euro sollen bei den Familienleistungen eingespart werden. Was heißt das konkret? Die Valorisierung der Familienbeihilfe wird erneut ausgesetzt, das Geld wird also durch die Inflation weniger wert. Und der Familienbonus von 2.000 Euro muss künftig zwischen beiden Elternteilen aufgeteilt werden – wer wenig oder gar nicht arbeitet, verliert dabei. Georg erklärt, wie Familienbeihilfe und Familienbonus funktionieren, wen die Änderungen treffen und warum die Regierung gleichzeitig mehr Geld in Kindergärten steckt.
Wollt Ihr mehr wissen?
- Das Gespräch mit Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) gibt es hier:
https://ganzoffengesagt.simplecast.com/episodes/29-2026-wie-man-zu-dritt-ein-budget-verhandelt-mit-barbara-eibinger-miedl - Mein Reddit-Post über die derzeit bekannten Budgetmaßnahmen:
https://www.reddit.com/r/Austria/comments/1sy27n2/unternehmen_pensionen_homeofficepauschale/?utm_source=share&utm_medium=web3x&utm_name=web3xcss&utm_term=1&utm_content=share_button
Transkript
Hi, grüß euch, herzlich willkommen bei „Ist das wichtig?" vom 29. April. Wir haben gestern schon darüber geredet: Am Montagabend hat sich die Regierungskoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS auf die Outline des Doppelbudgets 2027 und 2028 geeinigt, also auf den groben Plan, wo der Bund, die Republik Österreich, in den nächsten beiden Jahren mehr Geld einnehmen will, also Steuern erhöhen will, wo sie weniger ausgeben will und wo sie doch ein bisschen mehr Geld als bisher hineininvestieren möchte.
Und die Regierungskommunikation zu dem Thema war ein bisschen chaotisch. Das ist der Schnelligkeit dieser Einigung geschuldet und der Tatsache, dass man erst einmal in den einschlägigen Ministerien, vor allem im Finanzministerium, das alles in eine klare Form bringen muss, worauf man sich da eigentlich geeinigt hat. Und außerdem wird dieses Budget ja erst in einem Monat im Detail wirklich fertiggestellt. Aber es kristallisieren sich eben mehr und mehr Details heraus.
Und mir persönlich, weil ich selber Familienvater bin und das für ein enorm wichtiges Thema finde, war besonders wichtig die Frage: Wie geht es mit den Familienleistungen weiter? Es ist da ein bisschen herumgegeistert: Die Familienleistungen werden gekürzt, der Familienbonus, die Familienbeihilfe sollen irgendwie angepasst werden, da wird geschraubt. Das war bisher nicht wirklich klar. Ich habe aber gestern das große Vergnügen gehabt, mit der Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl ein längeres Gespräch zu führen für meinen Schwesterpodcast „Ganz offen gesagt". Und da habe ich auch ein bisschen nach diesen Familienleistungen gefragt. Und mit Zusatzinformationen aus dem Finanzministerium ist mir da jetzt vieles klarer.
In den nächsten paar Minuten werden wir also darüber reden, wie es mit diesen Familienleistungen weitergeht, was diese Familienleistungen – Familienbeihilfe, Familienbonus und so weiter – eigentlich sind, und ja, was die Ratio dahinter ist, bei diesem Thema zu kürzen oder eben nicht zu kürzen. Wir werden das jetzt in unseren üblichen sieben Fragen aufgliedern. Und ja, ihr wisst ja: Mein Name ist Georg Renner, ich bin seit 18 Jahren politischer Journalist, und das hier ist „Ist das wichtig?" – Politik für Einsteiger. Ein Podcast, in dem wir jeden Tag über aktuelle politische Entwicklungen so sprechen, dass man sie auch nebenbei gut verstehen kann.
Und wie immer: Wenn ihr Fragen habt, Feedback, Anregungen, Kritik, dann freue ich mich, wenn ihr mir das unter podcast@istdaswichtig.at zukommen lasst. Und ich freue mich wirklich, wirklich darüber, wenn ihr „Ist das wichtig?" weiterempfehlt. Wir haben in den letzten Tagen einen ziemlich guten Zuwachs gehabt. Die Folge über das Budget war eine der besten seit Bestehen von „Ist das wichtig?", und ich würde mich freuen, wenn es so weitergeht. Also, wenn euch dieser Podcast nützt, dann erzählt Freundinnen und Freunden davon, empfehlt ihn auf Social Media weiter, hilft mir wirklich sehr. Und jetzt geht es los mit der heutigen Folge.
Also Georg, was ist passiert?
Die Bundesregierung hat sich ja auf die Grundzüge des Doppelbudgets für 2027 und 2028 geeinigt. Das ist momentan einmal nur eine politische Einigung zwischen den drei Parteien in der Bundesregierung: ÖVP, SPÖ und NEOS. Wir haben über die grobe Outline eh schon gestern gesprochen. Es geht im Wesentlichen im Jahr 2028 dann um 5,1 Milliarden, in denen sich das Budget 2028 vom aktuellen Budget 2026 unterscheiden soll.
Die Hälfte davon, etwa 2,5 Milliarden Euro, sollen in die Konsolidierung des Budgets fließen, also die Differenz zwischen Ausgaben und Einnahmen reduzieren. Und die andere Hälfte, 2,6 Milliarden, sind sogenannte Offensivmaßnahmen, wie die Regierung das nennt. Die sollen investiert werden in Gebiete, die diesen drei Parteien jeweils wichtig sind: Lohnnebenkostensenkung, dass Arbeit billiger wird für Unternehmen in Österreich. Es soll in Kindergärten investiert werden, in die Arbeitsmarktpolitik, in die Pflege.
So, das sind die Grundzüge. Im Groben wird das Budget also sehr ähnlich ausschauen wie jetzt. Derzeit haben wir Einnahmen von etwa 100 Milliarden Euro auf Bundesebene, die vor allem durch Steuern hereinkommen, und knapp 120, ein bisschen über 120 Milliarden Euro Ausgaben. Das heißt, wir haben ein Defizit von etwas über 20 Milliarden Euro derzeit, die der Staat mehr ausgibt, als er einnimmt, das heißt, neue Schulden macht. Das wird auch in diesen beiden Jahren, um die es da jetzt geht, 2027 und 2028, so sein, aber eben ein bisschen weniger. Diese 2,5 Milliarden, die ich erwähnt habe, die sollen konsolidiert werden, und die sollen Einnahmen und Ausgaben wieder zusammenrücken. Der Staat wird aber weiterhin hohe Schulden machen in zweistelliger Milliardenhöhe.
So, das ist die Outline. Jetzt hat die Regierung, hat das Finanzministerium das für uns Journalistinnen und Journalisten auf eine ganze Reihe von Kategorien heruntergebrochen, wo diese Einsparungen stattfinden sollen oder zusätzliche Einnahmen, wo es mehr Einnahmen für den Staat durch neue Steuern geben soll. Da wird jetzt jeden Tag ein bisschen mehr bekannt. Der Standard zum Beispiel hat heute Früh berichtet, dass der Sachbezug für Elektroautos, also eine indirekte Förderung für Elektroautos, schon 2027 gestrichen wird. Es werden jetzt in den nächsten Wochen immer weitere Sparmaßnahmen oder Steuererhöhungen hereinkommen. Aber es gibt jetzt ungefähr einmal diese grobe Auflistung, wo diese 5,1 Milliarden Euro herkommen sollen. Und da ist mit 280 Millionen Euro, also etwa ein Zwanzigstel dieses Betrages, angesetzt: Beitrag Familienleistungen. Und das heißt effektiv, dass Familienleistungen irgendwie gekürzt werden sollen.
In dieser Auflistung, die das Finanzministerium gestern am Dienstagnachmittag ausgeschickt hat, stehen da zwei Maßnahmen unter diesem Titel „Konsolidierungsbeitrag Familienleistungen". Einerseits: Die Valorisierung der Familienleistungen wird auch 2028 ausgesetzt. „Zusätzliche Mittel in der Kinderbetreuung sorgen aber für bessere Vereinbarkeit", das schreibt das Finanzministerium dazu, damit es da keinen Aufstand der Familien gibt. Weil es wird ja tatsächlich in die Elementarpädagogik, also in die Kindergärten in Österreich, mehr Geld hineininvestiert. Dafür hat sich die Regierung einen dreistelligen Millionenbetrag reserviert, der in die Kindergärten fließen soll. Und auf der anderen Seite, zweite Maßnahme in diesem Bereich „Konsolidierungsbeitrag Familienleistungen", ist: Der Familienbonus wird gerechter gestaltet, indem jene Familien belohnt werden, wo beide Elternteile berufstätig sind. Ausnahme: Eltern von null- bis dreijährigen Kindern.
Brechen wir das herunter. Was heißt das? Einerseits: Valorisierung der Familienleistungen wird auch 2028 – und 2027, nur in diesem Dokument geht es nur ums Budget 2028 – ausgesetzt. Ganz kurz: Die wichtigste Familienleistung in Österreich ist die Familienbeihilfe. Die bekommen alle Eltern von Kindern, für die sie unterhaltspflichtig sind, also in der Regel Kinder bis 18 Jahre, bei Studentinnen und Studenten auch noch bis 26. Das ist ein monatlicher Barbetrag, der vom Finanzministerium direkt überwiesen wird in aller Regel. Und es sind ein paar hundert Euro, ist gestaffelt nach Alter des Kindes und Zahl der Kinder. Je mehr Kinder man hat, desto höher wird die Familienbeihilfe für jedes einzelne Kind, und je älter die Kinder werden, desto höher wird diese Familienbeihilfe.
Die ursprüngliche Idee der Familienbeihilfe war, die Belastung von Eltern, die finanzielle Belastung, ein bisschen zu lindern, indem man ihnen eben bar Geld überweist für die Ausgaben, die man mit Kindern halt so hat, von Schulsachen über Essen, alles, was einen so als Eltern eben belastet. Davon sind wir natürlich weit weg. Die Kosten von Kindern sind in der Regel weit höher als diese Familienbeihilfe, aber die Familienbeihilfe ist im Wesentlichen seit Jahrzehnten gleich geblieben. Und eigentlich sollte die Familienbeihilfe seit ein paar Jahren jedes Jahr an die Inflation angepasst werden.
Wir haben ja Inflation, das heißt, unser Geld wird jedes Jahr ein bisschen weniger wert. In der Regel, im Idealfall so um zwei Prozent, also nicht viel, aber es ist doch ein Wertverlust. Und an sich gibt es für alle Sozialleistungen in Österreich die Regel seit fünf Jahren, dass die automatisch an die Inflation angepasst werden. Also wenn die Inflation zum Beispiel drei Prozent hoch ist, bekomme ich ab nächstem Jahr eine drei Prozent höhere Familienbeihilfe und so weiter. Das ist eigentlich ein automatischer Prozess. Den gibt es bei vielen Sozialleistungen, zum Beispiel auch bei Pensionen und der klassischen Sozialhilfe. Aber bei Familienleistungen soll er eben in den nächsten beiden Jahren aus Einsparungsgründen ausgesetzt werden.
Das heißt, Familien bekommen auf dem Papier nicht weniger Geld überwiesen. Das Finanzministerium wird 2027 und 2028 die gleichen Beträge überweisen, die es auch schon in den Jahren davor überwiesen hätte. Aber das Geld wird halt weniger wert durch diese schleichende Geldentwertung, die Teuerung, die praktisch alle wirtschaftlichen Systeme haben und wir in Österreich in den letzten Jahren halt sehr hoch hatten. Das heißt, effektiv wird die Familienbeihilfe gekürzt, auch wenn sie auf dem Papier gleich hoch bleibt.
Und man muss noch dazusagen, weil das für mich irgendwie immer ein großes Thema ist: Pensionen, eine andere Sozialleistung, die halt ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger bekommen, die werden schon erhöht. Die werden zwar unter der Inflation erhöht, also auch ein bisschen entwertet, aber während die Familienbeihilfe komplett um diese Inflation entwertet wird, soll es bei den Pensionen dem Vernehmen nach nur um 0,5 Prozent, 25 Prozent unter der Inflation, entwertet werden. Also Pensionen werden weniger entwertet als die Familienbeihilfe. Das ist die eine Seite.
Diese Valorisierung der Familienleistungen, allen voran die Familienbeihilfe, wird in den nächsten Jahren wieder ausgesetzt. Und die Begründung, die das Finanzministerium da mitliefert, ist: Wir investieren ja eh in die Kindergärten, und damit wird die Vereinbarkeit von Familie und Arbeitsleben zum Beispiel eh einfacher, weil die Kindergärten besser werden. Aber diese Familienbeihilfe wird effektiv gekürzt, auch wenn sie auf dem Papier gleich bleibt.
So, erste Maßnahme. Zweite Maßnahme: Der Familienbonus wird gerechter gestaltet. Und da kommt dieses Gespräch mit der Staatssekretärin Eibinger-Miedl von der ÖVP ins Spiel, das ich gestern geführt habe. Da gab es viel Diskussion in den letzten Tagen: Was passiert mit dem Familienbonus? Kurzer Schritt zurück: Der Familienbonus ist eine andere indirekte Förderung für Familien, vor allem für Familien von Menschen, die zumindest durchschnittlich gut verdienen. Das ist ein Steuerabsetzbetrag, ein Betrag von 2.000 Euro im Jahr, den sich Familien mit unterhaltspflichtigen Kindern, also Kindern, für die Familienbeihilfe bezogen wird, von der Einkommensteuer abziehen dürfen am Ende der Steuerberechnung. Also, wenn man, Hausnummer jetzt, im Jahr 10.000 Euro Steuern zahlen würde, aber ein Kind hat, für das man unterhaltspflichtig ist, zahlt man am Ende nur 8.000 Euro Steuern. Ist natürlich auch wieder eine Einnahme, auf die der Staat verzichtet, aber das hat man sich 2018, als man diesen Familienbonus beschlossen hat, gedacht: Okay, wir wollen irgendwie den Familien im Land unter die Arme greifen und das finanziell attraktiver machen, Eltern zu sein.
Und dieser Familienbonus, der soll in gleicher Höhe erhalten bleiben mit diesen 2.000 Euro. Aber was mir die Staatssekretärin Eibinger-Miedl erklärt hat: Er wird nicht gekürzt, aber er wird so gestaltet, dass er in Zukunft zwischen den Eltern aufgeteilt werden muss, und zwar mindestens im Ausmaß 75 Prozent zu 25 Prozent. Das heißt, man konnte schon bisher diesen Familienbonus entweder ein Elternteil in Anspruch nehmen – wenn zum Beispiel, klassisches Familiensetting, der Vater Gutverdiener ist und die Frau nicht oder nur wenig arbeitet, sodass sie eh selber keine Einkommensteuer oder nur wenig Einkommensteuer zahlt. Dann hat einfach der Vater bisher diese 2.000 Euro von der Einkommensteuer abgezogen, und die sind der Familie komplett zugutegekommen. In Zukunft, ab 2027 oder 2028 – das genaue Umsetzungsdatum wissen wir noch nicht –, soll das so sein, dass man diesen Familienbonus zumindest in diesem 75-zu-25-Verhältnis aufteilen muss. Das heißt, der Vater kann sich in so einer Familie, wie wir sie beschrieben haben, mit einem Einzelverdiener, Alleinverdiener, 1.500 Euro abziehen von der Steuer, und die Mutter könnte sich ebenfalls 500 Euro von der Steuer abziehen. Wenn sie aber selber noch keine Einkommensteuer zahlt, weil sie weniger oder gar nichts verdient selber, dann fällt die Familie um diese 500 Euro Familienbonus um. So soll das in Zukunft funktionieren. Ausgenommen sind aber Kinder null bis drei Jahre, weil, sagt die Staatssekretärin, die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder oft noch nicht so gegeben sind und deswegen Eltern mit jungen Kindern tendenziell eher daheimbleiben und noch nicht so viel verdienen. Das heißt, diese Verteilung gibt es erst, diese Pflichtverteilung des Familienbonus 75 zu 25 gilt erst ab einem Alter von vier Jahren der Kinder oder darüber hinaus.
Und wer sind die alle?
Ich werde das jetzt ein bisschen kurz halten, weil die Einleitung eh schon relativ lang war. Es geht im Wesentlichen wieder um diese drei Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS, die Österreich regieren, weil sie sich nach der Nationalratswahl 2024 auf eine Koalition geeinigt haben und damit im Nationalrat, dem wichtigeren Teil unseres Parlaments, entscheiden können darüber, wie viel Geld der Staat wofür ausgibt, was er fördern will, wo er höhere Steuern einhebt, wo er auf Steuern verzichtet und so weiter. Und die drei haben sich unter Ägide von Finanzminister Markus Marterbauer von der SPÖ und Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl, seiner Stellvertreterin im Finanzministerium von der ÖVP, eben jetzt auf diese Grundeinigung beim Budget, wo sie sparen wollen, geeinigt. Und einer dieser Punkte ist eben diese 280 Millionen Euro, die durch Einsparungen bei den Familien hereinkommen sollen.
Und warum diskutieren die da darüber?
Ich werde jetzt nicht das Ganze wieder runterbeten, warum die Republik sparen muss. Wir haben einfach ein großes Defizit, zu groß für die EU-Regeln und zu groß für nachhaltige Finanzen. Irgendwann wird es einfach teurer, sich Geld auszuborgen. Also Österreich muss irgendwie sein Budget konsolidieren und gleichzeitig irgendwie die Wirtschaft in Gang bringen. Und da setzt die Regierung mit diesen sogenannten Offensivmaßnahmen dagegen, indem sie eben Arbeit billiger macht, indem sie die Lohnnebenkosten senkt. Das kostet halt sehr viel, und man muss sich überlegen, wo man dann Leistungen einspart, und das trifft eben auch die Familienleistungen.
Und da gibt es eine Diskussion, die selten wirklich offen geführt wird bei den Familienleistungen, die aber tatsächlich sehr, sehr essenziell ist. Nämlich: Österreich hat in den letzten Jahrzehnten wirklich sehr fleißig die Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Österreich ausgebaut. Es ist noch immer nicht perfekt, vor allem die Öffnungszeiten am Nachmittag sind nachbesserungsfähig. Da gibt es auch große Unterschiede zwischen den Bundesländern und einzelnen Regionen in den Bundesländern. Aber im Großen und Ganzen ist dieses Betreuungsangebot um sehr viel Geld ausgebaut worden.
Und schon vor ein paar Jahren hat der damalige Präsident des Gemeindebunds gesagt: Eigentlich, wenn wir Gemeinden und die Länder und der Bund viel Geld in die Hand nehmen für diesen Ausbau der Kinderbetreuung, müssten wir halt irgendwann einmal die finanziellen Leistungen für Familien kürzen, um das zu finanzieren. Das hat damals niemand aufgegriffen, aber die Diskussion schwelt natürlich ein bisschen vor sich hin. Österreich hat relativ großzügige finanzielle Leistungen für Familien, eben zum Beispiel die Familienbeihilfe und diesen Familienbonus, und baut jetzt relativ großzügige Sachleistungen für Familien auch aus. Und da gibt es schon das Argument: Irgendwann wird sich das nicht mehr ausgehen.
Aber natürlich, auf der anderen Seite ist die Frage: Bei welchen Bevölkerungsgruppen spart man am meisten? Bei den Pensionisten, bei der Erwerbsbevölkerung, bei den Familien, bei den – weiß nicht – Studenten, irgendwas? Man kann schon sagen, es gibt eh in diesem Budget für jeden neue Belastungen, für jeden Einsparungen bei staatlichen Leistungen. Aber bei den Familien sind es eben diese 280 Millionen von 5,1 Milliarden Euro angesetzt. Und das ist einfach die Entscheidung, auf die sich die Regierung in diesen Verhandlungen geeinigt hat.
Okay, und wie betrifft das uns?
Na ja, uns – wir haben zwei Kinder – betrifft das insofern, als einerseits die Familienbeihilfe entwertet wird. Also wir bekommen zwar das gleiche Geld, das wir jetzt schon bekommen hätten, für unsere Kinder weiter, aber wir werden uns weniger darum kaufen können, weil einfach alles teurer wird und die Familienbeihilfe nicht mitsteigt.
Beim Familienbonus hängt es sehr stark von der Familiensituation ab. Familien, wo beide Elternteile im gleichen Ausmaß arbeiten oder der weniger arbeitende Elternteil auch schon gut verdient und mehr als 500 Euro Einkommensteuer zahlen muss, für die wird sich nichts verändern, weil die bekommen weiterhin diesen Abzugsbetrag von 2.000 Euro, den sie sich von der Einkommensteuer abziehen können.
Wo es sich allerdings ändern wird, sind Familien, wo ein Elternteil, in der Regel die Mutter, so viel weniger verdient oder gar nichts verdient, dass sie gar keine Einkommensteuer zahlen muss. Bei niedrigen Einkommen wird ja noch keine Einkommensteuer fällig. Also wenn man, ich glaube, derzeit sind es irgendwo um die 12.000 Euro im Jahr, verdient oder weniger, zahlt man keine Einkommensteuer. Und für Elternteile, die da drunter fallen, für die fällt halt dieser Betrag in Zukunft weg. Bisher hat sich der besser verdienende Elternteil diese 2.000 Euro selber abziehen können. Der kann sich halt nur noch 1.500 Euro abziehen in Zukunft.
Und ja, das ist die Folge. Das kann man grundsätzlich auch argumentieren, weil es nicht nur eine Einsparungsmaßnahme ist. Das ist natürlich das Hauptmotiv der Regierung, warum sie das macht. Aber es ist halt auch ein bisschen ein Anreiz, dass man beide Elternteile in die Arbeit nicht zwingt, aber doch Anreize setzt, dass beide Eltern so viel arbeiten, vor allem, dass Mütter stärker wieder am Erwerbsleben teilnehmen, weil sie dann diesen Absetzbetrag doch wieder geltend machen können. Wenn sie eben mehr als dieses einkommensteuerfreie Gehalt beziehen, dann bekommen sie halt diese 500 Euro. Das wird jetzt für sich nicht das große Motiv sein für die meisten Familien, aber Anreize wirken tendenziell schon, und man kann das durchaus argumentieren, dass man das so macht. Es ist halt ein Anreiz, mehr zu arbeiten für beide Eltern, wenn man diesen Familienbonus komplett lukrieren will.
Und ist das schon fix?
Nein, ich weiß das Ganze eigentlich nur aus meinem Gespräch mit der Finanzstaatssekretärin. Und das Ganze muss erst beschlossen werden. In der Regel passiert das in einem großen Budget- und Budgetbegleitgesetz. Das soll im Juni erst ins Parlament kommen. Dort wird dann noch einmal ein paar Wochen darüber beraten. Und wenn sich alle Parteien da einig sind, die Regierungsparteien vor allem, also ÖVP, SPÖ und NEOS – wovon ich ausgehe nach dieser Einigung –, dann wird das im Juli beschlossen und soll mit 2027 realistischerweise in Kraft treten.
Und dann werden wir das alle im Geldbörsel spüren.
Und woher weißt du das eigentlich?
Einerseits, wie gesagt, habe ich mit der Finanzstaatssekretärin gestern gesprochen. Das Gespräch im Rahmen des Podcasts „Ganz offen gesagt" könnt ihr bei „Ganz offen gesagt", wherever you get your podcasts, nachhören. Ich verlinke es euch natürlich auch in den Shownotes. Andererseits habe ich Informationen, vor allem aus dem Finanzministerium, aber aus mehreren Regierungsbüros bekommen, wie sich diese Einsparungen, diese 5,1 Milliarden Euro, zusammensetzen. Da werden wir in den nächsten Tagen und Wochen sicher noch öfter darauf zurückkommen. Wenn es euch interessiert: Ich habe die grobe Auflistung in einem Reddit-Post zusammengeschrieben, den verlinke ich euch ebenfalls in den Shownotes.
Also ist das wichtig?
Ich finde schon. Man kann einerseits diese Diskussion führen: Will man Familien, wenn man die sogenannten Sachleistungen, also die Kinderbetreuungsmöglichkeiten, ausbaut, weiterhin relativ großzügig finanziell fördern als Republik, oder kann man da sparen? Und andererseits ist es natürlich eine Verteilungsfrage, wenn man so will eine Gerechtigkeitsfrage. Wem valorisiert man die Sozialleistungen? Pensionistinnen und Pensionisten bekommen einen kleinen Abschlag bei der Entwertung ihrer Bezüge, während Familien eben komplett entwertet werden. Da schlägt die Inflation voll durch.
Und das kann man schon argumentieren, aber es ist eine Diskussion, die man in einer politischen Republik führen kann. Bei wem spart man, für wen gibt man mehr Geld aus, für wen nimmt man mehr Geld in die Hand, für wen weniger? Und da spielt das natürlich alles hinein.
Und das war es mit dieser Folge. „Ist das wichtig? – Politik für Einsteiger." Die Idee dieses Podcasts ist, ein Einsteigerprogramm für Menschen zu bieten, die sich zwar für Politik interessieren, aber sich nicht jeden Tag damit beschäftigen. Ich freue mich über euer Feedback an podcast@istdaswichtig.at oder per Sprachnachricht an die WhatsApp-Nummer in den Shownotes.
Und falls ihr in diesem Umfeld Werbung machen wollt, wendet euch bitte an office@missing-link.media. Wenn ihr euch für Formate für Fortgeschrittene interessiert, möchte ich euch noch meine beiden E-Mail-Newsletter ans Herz legen: den Leitfaden, in dem ich immer dienstags aktuelle politische Themen für das Magazin Datum kommentiere, und „Einfach Politik", eine sachpolitische Analyse für die WZ, die jeden Donnerstag erscheint. Die Links zur kostenlosen Anmeldung für beide stelle ich euch in die Shownotes.
Und falls ihr mehr hören wollt: Ich gehöre auch zum Team von „Ganz offen gesagt", Österreichs bestem Gesprächspodcast für Politikinteressierte. „Ist das wichtig?" ist ein Podcast von mir, Georg Renner, in Kooperation mit Missing Link. Produziert hat uns Konstantin Kaltenegger. Die zusätzliche Audiostimme ist von Maria Renner, Logo und Design von Lilly Panholzer. Danke für Titel und Idee an Andreas Sator, Host des Podcasts „Erklär mir die Welt".
Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Adieu.
Autor:in:Georg Renner |