Die Dunkelkammer History
Reza Pahlavi: Ein Wiedergänger
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Von Christa Zöchling. Ein Kronprinz stünde bereit: Reza Pahlavi. Dem ältesten Sohn des verstorbenen Schahs, traut man im rechten wie linken Lager zu, das Mullah-Regime im Iran abzulösen. Von Korruption und Folter des Schah-Regimes hat er sich nie wirklich distanziert. Kann das gutgehen?
Christa Zöchling
Guten Tag, hier ist Christa Zöchling mit einer neuen Dunkelkammer aus der Reihe "History". Die Situation im Iran lässt mich an ein Pendel denken. An ein Etwas, einen Körper, der unter dem Einfluss der Schwerkraft um eine Ruhelage hin und herschwingt, in diesem Fall mit sehr großer Amplitude, nämlich von der autoritären Herrschaft des Schahs zum Terror des Mullah-Regimes und nun vielleicht wieder zurück.
Reza Pahlavi, der älteste Sohn des ehemaligen Schahs von Persien, der 1979 vor der islamistischen Revolution ins Ausland geflüchtet und wenig später im Exil an Krebs gestorben war, stünde bereit, im Iran eine Führungsrolle zu übernehmen, sagt er. Das ist nicht ganz neu, Reza Pahlavi hat schon mehrmals so etwas angekündigt, seit dem Aufstand der Frauen im September 2022, als ein Mädchen in Polizeigewahrsam starb, weil es den Schleier nicht nach Vorschrift der Sittenwächter in die Stirn gezogen hatte, ist Reza Pahlavi von den USA aus medial sehr präsent. Er lässt Statements über ein Exilradio und soziale Medien verbreiten, er trifft Israels Premier Netanjahu und betet an der Klagemauer, und er sagte im Sommer 2025, er trete an, um das Mullah-Regime abzulösen und einen nationalen Übergang einzuleiten, und er habe einen Plan.
Programm, Werbemittel, Imagebildung werden unter anderem mit Geldern der trumpschen MAGA-Bewegung finanziert. Recherchen der israelischen Zeitung "Haaretz" legen nahe, dass an Social-Media-Kampagnen für Pahlavi auch israelische Stellen beteiligt sind. Ja, und der politische Aktivist Pahlavi lebt wohl auch von seinem Vermögen. Auf Bildern von Demonstrationen in Teheran sieht man immer öfter junge Menschen, die Plakate in der Höhe halten, auf denen Reza Pahlavi zu sehen ist. Der heute 60-Jährige ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Als er am 6. Jänner 2026 seine Landsleute aufforderte, sich um 20 Uhr Ortszeit in den Straßen Teherans und anderen iranischen Städten zu sammeln, sind Hunderttausende dem Aufruf gefolgt. Vielleicht hätten sie das ja bei jedem gemacht, der die Initiative ergreift, vielleicht taten sie es aber auch, weil es vom Kronprinzen kam.
Diese Generation im Iran leidet unter den Mullahs. Das Schah-Regime haben sie nie erlebt. In geschönter Rückblende bedeutet es für sie vielleicht die Befreiung der Frau, westliche Konsumgüter und individuelle Freiheiten und keine Kleidervorschriften. Als ich bei einem Treffen von Wiener Exiliranern war, das liegt jetzt schon etwas länger zurück, und hörte, dass ernsthaft über Reza Pahlavi diskutiert wird, war ich sprachlos. Da saßen linke, linksliberale, ehemalige Kommunisten und Konservative beieinander und hielten dem Kronprinzen, der seit nahezu 50 Jahren hauptsächlich in den USA lebt und nie wieder in den Iran zurückgekommen ist, für eine realistische Option. Selbst in dezidiert linken Zeitungen wird Pahlavis Wiederkehr positiv kommentiert. Wer ist eigentlich dieser Mann?
Der designierte Kronprinz kam im Oktober 1960 in Teheran zur Welt. Die Nachricht seiner Geburt war in der Regenbogenpresse eine Sensation. Um ihn rankten sich Liebesdramen, Schicksal, Verrat und Palastintrigen. Besonders in deutschsprachigen Illustrierten waren der Schah ein eleganter Lebemann und dessen Frauen ein Dauerbrenner. Der märchenhafte Reichtum, das große Unglück, dass es lange keinen männlichen Nachfolger gab, der Pfauenthron, auch so ein Mythos, ursprünglich ein goldener, mit tausenden Juwelen besetzter Thron, der zu Pahlavis Zeiten allerdings gar nicht mehr existierte, sondern nur eine billigere Nachahmung.
Aus der ersten Ehe des Schahs mit einer ägyptischen Prinzessin entstand eine Tochter. Die zweite Ehe ging, was die Nachkommenschaft betraf, tragisch aus. Die schöne, doch traurige Soraya, sie hatte eine deutsche Mutter, was die Klatschpresse besonders anspornte, wurde verstoßen, weil sie ihm keinen Sohn gebar. Erst die dritte Ehe mit der jungen Studentin aus der iranischen Oberschicht, Farah Diba, konnte den Dienst am Land, das sind die Worte des Schahs, erfüllen. Der Älteste ihrer vier Kinder ist eben jener, Reza Pahlavi.
Nach einer Allensbach-Umfrage 1961 war Soraya bei den Deutschen damals die beliebteste Prominente, knapp gefolgt von Farah, dahinter erst kamen Sophia Lorraine, Brigitte Bardot und Marilyn Monroe. Nach den Memoiren von Farah Diba, die für eine ganze Generation von Frauen zur Mode- und Stilikone wurde - meine Mutter ließ sich beim Friseur eine solche Frisur machen - nach diesen Memoiren wurde Pahlavi gewissenhaft auf sein Herrscherdasein vorbereitet. Die Kindheit verbrachte er, betreut von einer französischen Gouvernante und Hauslehrerin, abgeschottet hinter den Mauern des Niavaran-Palastes in Teheran, in einem eigenen Haus innerhalb eines riesigen Komplexes mit großen Parks. Im Alter von sieben Jahren wurde das Kind zum Kronprinzen designiert, in einem aufwendigen Zeremoniell, an dem das ganze Land teilhatte und in dem auch Farah Diba vom Schah zur Königin gekrönt wurde.
Sie schreibt in ihren Memoiren, die 2004 erschienen sind, ich zitiere: "Beim Anblick des kleinen Prinzen, der uns in seiner eigenen Kutsche mit dem Chef der kaiserlichen Garde folgte, brach die Menge auf den Straßen in Jubel aus. Reza hatte sich alle meine Ratschläge aufmerksam angehört, hatte gelernt, wie man salutiert, und all die Gebärden, die von ihm erwartet wurden, geduldig wiederholt. Sehr ernst und feierlich ging er uns im Blitzlichtgewitterter Reporter aus aller Welt in den prunkvollen Palast voraus. Die ausländischen Zeitungen berichteten, der Kronprinz habe in dieser Zeremonie durch sein Verhalten wie ein aufgehender Stern geleuchtet." Ja, das war die Sprache der Klatschpresse.
Die Pahlavis waren ein Jet-Set-Paar, man traf sich mit anderen Königen, Fürsten, Prinzessinnen, beim Skifahren in St. Moritz, am Adelberg oder an der Côte d'Azur oder noch woanders. Einmal im Jahr gab es einen Familienurlaub mit Kindern und Hofstaat. Reza ging wie schon seine Mutter zu den Pfadfindern, das war so ziemlich das bodenständigste Detail, das ich gefunden habe. Er war noch keine 13 Jahre alt, als er allein eine Maschine flog und den Pilotentest bestand. Mit 15 begann er in Texas eine Ausbildung zum Kampfpiloten. Als 16-Jähriger flog er bereits einen Düsenjäger.
1976 wurden Reza und seine Mutter in die Staatsgeschäfte eingewiesen. Im Jahr 1980, im Alter von 20 Jahren, hätte er übernehmen sollen. Da waren seine Eltern aber schon geflüchtet, und er selbst lebte schon längere Zeit in den USA. Die islamische Revolution war den Pahlavis zuvorgekommen. Als Kind hatte Reza Pahlavi vermutlich nichts von den anschwellenden Protesten gegen den Schah im Ausland wahrgenommen, von der Jagd auf Linke und Mullahs im eigenen Land, von der Knebelung der Presse, der Verfolgung von Künstlern und Intellektuellen und auch nichts von den Folterkellern des Geheimdiensts SAVAK.
Das SAVAK war allgegenwärtig, auch im Königspalast. Der Schah, der in den 70er-Jahren immer paranoider wurde, ließ selbst alte Schulfreunde und Vertraute abhören. Wenn man die Memoiren von Farah Diba liest, denke ich mir, sie muss mental auf dem Mond gelebt haben. Über Folter, Mord und Bespitzelung durch den SAVAK sagt sie gar nichts, nur dass einzelne Geheimdienstmitarbeiter etwas übereifrig ihr Quäntchen Machthabe auskosten wollen.
Die Fälle, die sie schildert und die sie empörten, sind geradezu lächerlich. Einmal habe das SAVAK eine Gästeliste für eine Galerieeröffnung verlangt, da habe sie protestiert. Ein andermal sei ein Künstler wegen seiner langen Haare festgenommen und kahlgeschoren worden, das habe sie empört. Und ein Unternehmer, der bei ihr zum Tee war im Palast, war abgehört worden, das hat sie fassungslos gemacht.
In Wirklichkeit war SAVAK die eiserne Klammer des Regimes: 20.000 Beamte, so wird geschätzt, unterstützt von 180.000 besoldeten Denunzianten. Laut Beobachtung einer Juristenkommission im Auftrag von Amnesty hat das SAVAK nach dem damals neuesten Stand gefoltert, um Geständnisse zu erpressen. Er hat Killerkommandos ins Ausland geschickt und iranische Studentenorganisationen im Ausland unterwandert.
Gegründet wurde das SAVAK 1953 mithilfe von Spezialisten der CIA und des israelischen Geheimdiensts Mossad. Er arbeitete mit Elektroschocks, Scheinhinrichtungen, Vergewaltigungsszenarien, heißen Kochplatten, Säuren ins Gesicht schütten und so weiter. Das war sozusagen Routine und wurde je nach Schwere der vermuteten Verfehlung bei den Vernehmungen eingesetzt.
Amnesty schätzte 1976 die Zahl der politischen Gefangenen im Iran zeitweise auf bis zu 100.000 Menschen. Trotzdem war Iran in diesen Jahren Gastgeber einer internationalen Konferenz zu Menschenrechten. Die Geschäfte waren dem Westen wichtiger. Iran war ein großer Abnehmer von Elektrogeräten und Waffen.
Über die Beurteilung des Schahs schieden sich damals die Geister. Studenten im Westen und auch die Exiliraner gingen gegen ihn auf die Straße, wo immer der Schah hinkam. Die Politiker jedoch umwarben ihn. Die Studentenbewegung der 1968er-Jahre wurde unter anderem durch ein Buch des Exiliraners Bahman Nirumand aufgerüttelt, der die sogenannte Weiße Revolution des Schah, das war Landreform, Modernisierung der Wirtschaft, Befreiung der Frauen, auf Daten und Fakten prüfte.
Von den Frauen abgesehen blieb da nicht viel. Kleinbauern hatten wenig von der Aufteilung des Bodens. Der Anteil des Großgrundbesitzes verringerte sich kaum. Milliarden an Entwicklungshilfe versickerten in der Familie des Schah und ihren Freunden. Ebenso die Einnahmen aus der Erdölförderung. Korruption war ein struktureller Bestandteil des Wirtschaftslebens.
Bei Michel Foucault, der einen Text 1978 verfasst hat, kommt ein iranischer Ökonom zu Wort, ich zitiere, er sagt: "Korruption ist keine Begleiterscheinung, keine bloße Schwäche der Dynastie, sie ist das Regime." Und er erklärt: Schah Reza, ein unbekannter General, also der Vater des jetzigen politischen Aktivisten, der nur durch ausländische Hilfe an die Macht gekommen war und die Dynastie der Pahlavis begründete, war nach Art der Sieger sofort über die Wirtschaft des Landes hergefallen und hatte riesige Flächen fruchtbaren Bodens am Kaspischen Meer konfisziert.
Später bediente man sich modernerer Methoden mit staatlichen Krediten, Bankkonten und der Pahlavi-Stiftung. Der Ökonom führt weiter aus: Konzessionen werden an Verwandte, an Günstlinge vergeben, Immobilien gehen an einen der Brüder, der Handel mit Medikamenten an die Zwillingsschwester, der Antiquitätenhandel an deren Sohn, der Zucker an einen Cousin, die Waffen an einen weiteren, der Kaviar an einen dritten Vertrauten. Der Ökonom nennt übrigens auch die Namen, aber ich habe sie jetzt weggelassen, weil sie uns allen vermutlich nichts sagen. Selbst die Pistazien seien in dieser Art vergeben worden.
Der Ökonom, der anonym bleiben muss, weil die Situation für ihn gefährlich ist, sagt weiter: Die ganze Modernisierung erweist sich als ein gewaltiger Raubzug. Dank der Omran Bank verschwinden die Gewinne aus der Landreform in den Händen des Schahs und seiner Familie. Der Bau ganzer Stadtviertel von Teheran wird als Beute verteilt. Die Conclusio ist: Eine kleine Gruppe von Nutznießern schaltet und waltet in Unternehmungen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Die Regierung erhält die gesamten Öleinnahmen, die ihr die ausländischen Ölgesellschaften überlassen. Damit finanzieren sie Polizei und Armee und schließen wiederum gewinnbringende Verträge mit westlichen Firmen.
Ich denke mir, es ist kein Zufall, dass die Korruption im heutigen Mullah-Regime ganz ähnlich funktioniert, über Staatsunternehmen und eine Unzahl von staatlichen religiösen Stiftungen, an deren Spitze fast immer die Revolutionsgarde steht. Auch der Terror zeigt seine Verwandtschaft. Ein Gutteil der unteren Chargen im SAVAK hat nach der islamistischen Revolution 1979 die Folteragenden der Mullahs bereichert.
Ja, Farah Pahlavi verliert natürlich kein Wort in ihren Memoiren über den Staatsbesuch in Westberlin 1967. Kein Wort, zumindest über die Anti-Schah-Demonstration der Studenten, die von zivilen SAVAK-Schlägern aufgemischt wurde. Man nannte sie die Prügelperser. Ein Student kam bei dieser Demonstration am 2. Juni 1967 ums Leben, erschossen von einem deutschen Polizisten, von dem sich Jahrzehnte später herausstellte, dass er auch für die Stasi der DDR gearbeitet hat. Dieser Tag, das sagen viele, war die Initialzündung für die 68er-Bewegung.
Bei aller Militärhilfe für den Iran hielt die CIA den Schah und seine Familie dennoch unter genauer Beobachtung. Die charakterliche Beurteilung des Schahs fiel nicht besonders gut aus. Er habe zwar mit großem Geschick, ich zitiere, "die gesamte Macht in seinem Land an sich gerissen, doch werde er immer größenwahnsinniger und sei paranoid". Er glaube, er habe eine von Gott gelenkte Mission und dulde keinen Rivalen, heißt es in einem zusammenfassenden Bericht im Jahr 1973. Diese Dokumente sind übrigens öffentlich zugänglich, online.
Studenten und Opposition, so geht es weiter, lebten in Angst vor der skrupellosen und effizienten Sicherheitsorganisation SAVAK, der der Schah zu sehr sein Ohr schenke. Mit dem Machtzuwachs des SAVAK sei auch die Korruption gestiegen. Korruption sei einer der Hauptgründe für die Kritik am Regime und Repressalien. Ein längerer Wirtschaftsaufschwung scheine, ich zitiere wieder, "dem Schah ein Gefühl der Unfehlbarkeit verliehen zu haben, das an Größenwahn grenzt".
In einem Bericht macht sich die CIA auch Gedanken über die Zukunft des Iran, und da schreiben sie: "Vieles in der Zukunft wird von der Persönlichkeit des Kronprinzen abhängen. Über den Prinzen selbst, einen zwölfjährigen Jungen, ist leider nur sehr wenig bekannt." Damals setzte die CIA als Nachfolger des Schahs noch auf General Khatami, einem angeheirateten Familienmitglied der Pahlavis, doch der starb schon 1975. Zum Zeitpunkt seines Todes wurde das Vermögen des überaus korrupten Generals auf 100 Millionen US-Dollar geschätzt.
1979 wurde das Gesamtvermögen der königlichen Familie auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. Heute soll Farah Pahlavi über rund 150 Millionen Euro verfügen. Über das Vermögen von Reza Pahlavi, der mit seiner Frau und drei Töchtern in Washington, D.C., lebt, habe ich nichts Valides gefunden. Von den heute lebenden Pahlavis sind keine kritischen Einsichten und Reflexionen über ihre Rolle in den 70er-Jahren bekannt, auch nicht von Reza Pahlavi.
Dem Magazin "Politico" sagte er im vergangenen Sommer, man habe den vielen Mitläufern unter den Mullah-Milizen eine Amnestie angeboten, wenn sie sich registrieren ließen und die Volksbewegung unterstützten. Im Juni seien bereits 50.000 Personen registriert gewesen. Einen Beweis dafür gibt es nicht.
Und Trump habe er, Pahlavi, darauf aufmerksam gemacht, ich zitiere, "dass der Iran das größte unerschlossene Potenzial für ausländische Investitionen darstelle." Nun dann, dann wäre doch alles möglich. Und damit verabschiede ich mich von Ihnen, Ihre Christa Zöchling. Bis zum nächsten Mal. Dankeschön.
Autor:in:Christa Zöchling |