Cash or Crash
Was ein EU-Beitritt von Island für unsere Geldbörse bedeuten würde
Island stimmt über die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen ab. Die Stimmen für das Referendum am 29. August können bereits abgegeben werden. Island war 2008/09 voll von der Finanzkrise betroffen, hat sich davon aber sehr rasch erholt. Schon damals fanden EU-Beitrittsgespräche statt, die aber gescheitert sind. Hauptgrund dafür war das Thema Fischfang vor der isländischen Küste. Durch die zahlreichen Wirtschaftsabkommen mit der EU würden die Beitrittsverhandlungen vermutlich sehr rasch ablaufen. Ob die Bevölkerung in Island aber tatsächlich in die EU will, steht noch in den Sternen.
Beim zweiten Beitrag heute geht es um Betrug im Urlaub. Im Visier der Betrüger sind dabei Reisende, die mit dem Auto unterwegs sind. Wer seinen Urlaub also noch vor sich hat, sollte besonders auf den Autobahnen in Kroatien, Italien und Spanien vorsichtig sein. In diesem Podcast verrate ich euch die Tricks der Betrüger und wie ihr euch und eure Geldbörse davor schützen könnt.
Hallo zusammen noch einmal, schön, dass ihr bei meinem Podcast auch heute wieder dabei seid. In meinem Podcast geht es ja häufig über Themen, die die Medien nicht so wirklich am Radar haben, die aber trotzdem gerade aktuell stattfinden und über die ihr meines Erachtens daher auch unbedingt Bescheid wissen solltet. Und deshalb geht es heute über Island. In Island läuft derzeit nämlich eine Abstimmung über einen möglichen EU-Beitritt, wobei zunächst einmal darüber abgestimmt wird, ob überhaupt Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden sollen. Die Abstimmung läuft noch bis 29. August. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum die Isländer überhaupt über einen EU-Beitritt abstimmen. Na ja, das hat ganz einfach gesagt mit Donald Trump zu tun. Vielen Isländern ist der amerikanische Präsident nämlich unheimlich. Der hat nämlich immer wieder betont, vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass er das benachbarte Grönland annektieren möchte. Und da hat sich die Regierung in Island gedacht, dass es vielleicht besser sein könnte, vorsichtshalber der EU beizutreten, vereinfacht gesagt, bevor sich Trump vielleicht auch noch Island schnappen will. In Island gibt es derzeit eine Regierung aus Sozialdemokraten, Liberalen und einer populistischen Partei. Die Sozialdemokraten und Liberalen sind eher pro EU eingestellt, die derzeit konservative Opposition ist eher gegen die EU.Was muss man jetzt eigentlich über Island wissen? Na ja, Island ist einmal die größte Vulkaninsel der Erde, und die Vulkane, wie wir alle wissen, sind auch noch aktiv. Island ist ein wenig größer als Österreich, hat aber nur knapp 400.000 Einwohner. Ein amüsantes Detail vielleicht zu Island: Island ist ja überwiegend protestantisch von der Religion her, aber seit einigen Jahren ist dort auch wieder der alte germanische Götterglaube zugelassen, und immerhin eineinhalb Prozent der isländischen Bevölkerung glaubt also an Wotan und auch Elfen. Historisch ist die Insel seit dem 9. Jahrhundert besiedelt. Die Wikinger haben die Insel damals entdeckt, und im Mittelalter wurde Island zunächst eine norwegische Kolonie und dann eine dänische. Unabhängig ist Island erst seit 1944. Island hat keine eigene Armee, ist aber trotzdem Mitglied der NATO. Das bedeutet, dass NATO-Länder dort im Kriegsfall also Stützpunkte errichten dürfen.
Zur Wirtschaft: Island hat einen der höchsten Lebensstandards der Welt. Das kann man am BIP pro Kopf messen. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf beträgt in Island 90.000 Euro. Damit ihr euch etwas darunter vorstellen könnt: Zum Vergleich, in Österreich beträgt die Wirtschaftsleistung pro Kopf 60.000 Euro. Island war übrigens voll von der Finanzkrise 2008 und 2009 betroffen. Die drei größten Banken des Landes sind damals zahlungsunfähig geworden, sind also in die Insolvenz geschlittert. Diese Banken wurden dann verstaatlicht, aber der Staat hat die Banken nicht auf Kosten der Steuerzahler gerettet, sondern die Banken eben in die Pleite geschickt. Das heißt, die ausländischen Gläubiger bekamen nichts zurück. Das heißt aber trotzdem nicht, dass die isländischen Steuerzahler von der Krise verschont wurden. Jeder zehnte Isländer war damals arbeitslos, und vor allem die heimische Währung, die isländische Krone, musste massiv abgewertet werden. Das bedeutet, dass die Importe extrem teuer wurden. Und Island ist sehr auf Importe angewiesen, weil in Island kann zum Beispiel kaum Agrarwirtschaft betrieben werden. Das heißt, es müssen so ziemlich alle Lebensmittel importiert werden, und die wurden damals empfindlich teurer. Die Inflation stieg in Island 2009 auf 18 Prozent.
Und damals, also 2009, begannen die Isländer zum ersten Mal über einen Beitritt mit der EU zu verhandeln. Island hat sich aber dann relativ schnell, nämlich 2011, wieder von der Krise erholt, und 2015 wurden die Beitrittsgespräche dann abgebrochen. Allerdings gibt es zahlreiche Wirtschaftsabkommen zwischen Island und der EU. Sollte also die isländische Bevölkerung jetzt für eine Neuaufnahme der Beitrittsgespräche stimmen, dann würden die Beitrittsverhandlungen jedenfalls schnell ablaufen. Außerdem ist Island bei weitem zum Beispiel nicht so korrupt wie die Ukraine, mit der gerade vor ein paar Wochen die Beitrittsverhandlungen gestartet wurden. Allerdings ist in Island der Beitritt alles andere als fix. Laut aktuellen Umfragen steht es derzeit so fifty-fifty.
Warum ist das so? Ein großer Streitpunkt ist nämlich die Fischerei. Die ist nämlich ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig in Island. Die Fischgründe vor der Küste gehören nämlich zu den ergiebigsten und reichsten Meeresgebieten der Welt. Die isländischen Fischgründe reichen übrigens 200 Seemeilen ins Meer, das sind also 370 Kilometer. Und jedes Jahr werden dort rund bis zu 1,5 Millionen Tonnen Fisch gefangen. Und die Fischereiwirtschaft macht auch einen großen Teil des gesamten Exports des Landes aus. Das Wichtige ist jetzt, dass die Isländer in ihrer Fischereizone so viel fischen können, wie sie wollen und wann sie wollen. Und bei einem EU-Beitritt wäre es damit natürlich vorbei. Die EU schreibt nämlich Fangquoten vor, und außerdem dürften dann auch andere EU-Staaten dort Fischfang betreiben. Ja, für viele Isländer, besonders für diejenigen, die in der Fischereiwirtschaft tätig sind, geht das natürlich gar nicht. Sie wollen sich also weder Fangquoten von Brüssel vorschreiben lassen, noch wollen sie andere Fangflotten vor ihrer Küste haben. Der Streit darüber hat auch zum Abbruch der Verhandlungen 2015 mit der EU geführt, übrigens.
Was würde es jetzt für unsere Geldbörse bedeuten, wenn Island der EU beitreten würde? Und da habe ich einmal eine gute Nachricht für euch: Im Unterschied zu den anderen Beitrittskandidaten am Westbalkan müssten wir für Island nichts einbezahlen in den gemeinsamen EU-Topf. Denn Island wäre so wie Österreich ein Nettozahler. Das heißt, die Isländer würden so wie wir mehr einzahlen, als sie am Ende an EU-Förderungen wieder zurückbekommen würden. Und der Fisch aus Island, den wir alle auch im Supermarkt beziehen, würde auch nicht teurer werden, sondern gleich viel kosten wie bisher, weil er nämlich schon zollfrei importiert wird. Im Vergleich dazu eine Zahl aus der oder über die Ukraine, von der ich ja schon kurz gesprochen habe: Ein Beitritt der Ukraine zur EU würde die Europäer 20 Milliarden Euro kosten, und das im Jahr. Und weil Österreich Nettozahler ist, würden wir also für die Ukraine wieder einmal ganz schön tief in die Tasche greifen müssen. Für Island, wie gesagt, wäre das nicht der Fall. Bis 29. August also, das habe ich eh schon erwähnt am Anfang, läuft die Abstimmung in Island noch, dann werden wir wissen, ob überhaupt Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden. Und ich halte euch natürlich darüber auch am Laufenden.
Ich habe für euch heute noch einen zweiten Beitrag vorbereitet, und da geht es um Betrug im Urlaub. In der Reisezeit haben nämlich nicht nur Touristiker Hochsaison, sondern auch Betrüger. Und das betrifft vor allem Urlauber, die mit dem Auto unterwegs sind. Und viele von euch haben ja den Urlaub vielleicht noch vor sich. Deshalb gebe ich euch jetzt einen Überblick über die häufigsten Betrugsmethoden. Da gibt es einmal erstens den Pannenhilfe-Trick. Wie gehen die Betrüger da vor? Na ja, das geht so: Man hat eine Panne und bleibt natürlich am Pannenstreifen stehen auf der Autobahn. Zufällig dann taucht relativ rasch ein Pannenhilfewagen auf, und darüber ist man natürlich meistens froh und nimmt die Hilfe sicherlich auch dankend an. Doch anstatt dann mit seinem Fahrzeug jetzt bei der nächstgelegenen Werkstätte zu landen, bringen die Pannenhilfedienste einen dann weiß Gott wohin. Ja, und das kostet natürlich. Und auch die Werkstatt ist dann plötzlich ziemlich teuer. Der Witz bei der Sache ist die, dass der Pannenhilfedienst und auch die Werkstatt also schon echt sind, ja, aber die haben da sozusagen ein Abkommen. Die Pannenhilfedienste patrouillieren da regelrecht auf der Autobahn und halten Ausschau, also nach Opfern. Das ist vor allem laut den beiden Autofahrerclubs ÖAMTC und ARBÖ in Kroatien der Fall. Also wenn ihr derzeit in Kroatien unterwegs seid mit dem Auto, besonders auf der Autobahn, dann bitte Vorsicht vor solchen Pannenhilfediensten. Was sollt ihr stattdessen tun? Na ganz einfach, ich nehme an, dass ihr alle von ÖAMTC und ABE auch einen Schutzbrief habt, und da natürlich sind Nothilfe- und Notrufnummern im Ausland angegeben und die soll man bei einer Panne dann anrufen. Da kommt auch verlässlich ein Abschleppdienst, und der wird für eure Geldbörse sicherlich nicht so viel kosten, wie das bei den Betrügern der Fall ist.
Dann gibt es noch einen zweiten Trick, nämlich der mit den Reifen, die entweder zerstochen sind oder wo plötzlich die Luft draußen ist. Wie geht das? Na ja, man macht eine Pause auf einer Raststation und lässt das Auto natürlich unbeaufsichtigt zurück. Fährt man dann weiter, hat man plötzlich eine Reifenpanne, weil, wie gesagt, der Reifen entweder zerstochen wurde oder die Luft draußen ist. Kaum aber bleibt man am Pannenstreifen stehen, hält dann auch schon ein Fahrzeug an, ja, doch anstatt zu helfen, wird die Lage natürlich ausgenutzt und das Fahrzeug wird ausgeraubt, und dann bleibt man oft ohne Bargeld zurück. Was soll man dagegen tun? Na ganz einfach, wenn man von der Pause an der Raststation zurückkommt, sollte man also sein Fahrzeug kontrollieren, besonders die Reifen, ob da eh noch genug Luft drinnen ist. Und schließlich, drittens, gibt es noch, wie ich ihn nenne, den Panik-Trick. Ja, da taucht auf der Nebenspur auf der Autobahn plötzlich ein Auto auf, in dem die Leute ganz wild gestikulieren, sodass man glauben soll, dass man mit dem eigenen Auto ein Problem hat. Dann bleibt man natürlich stehen, ja, und wird ebenfalls ausgeraubt. Also auch hier empfiehlt sich, wie schon bei Punkt zwei, bevor ihr in das Auto einsteigt, unbedingt einen Check machen, ob alles damit in Ordnung ist.
Ja, diese Tricks finden nicht nur in Kroatien auf der Autobahn statt, sondern laut den beiden Autofahrerclubs auch in Italien kann einem das passieren und auch in Spanien. Also noch einmal Achtung, wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid: Vorsichtig sein, bei einer Panne unbedingt die Nothilfenummern anrufen und bei einer Radstation dann unbedingt vor dem Weiterfahren das Auto noch einmal checken, ob alles damit in Ordnung ist. In diesem Sinne wünsche ich euch allen noch einen schönen Urlaub, den ihr noch vor euch habt, und alle, die den Urlaub schon hinter sich haben, einen schönen Tag noch, viel Spaß, bis zum nächsten Mal.
LINKS:
https://orf.at/stories/3437405/
https://www.oeamtc.at/thema/reiseplanung/betrug-im-ausland-vorsicht-vor-diesen-tricks-45930771
Autor:in:Wolfgang Unterhuber |