Cash or Crash
Was eine Zuckersteuer bringt - und was nicht
Deutschland will eine Zuckersteuer auf Softdrinks einführen. Wie genau ist noch offen. Deutschland will damit anderen Ländern folgen. In der EU hat schon fast jedes zweite Land eine Zuckersteuer. Auch in Ö wird immer wieder darüber diskutiert. Allerdings hat die Regierung bislang dazu keine konkreten Pläne. Die heimische Lebensmittelindustrie warnt dennoch vor einer Zuckersteuer. Sie sagt, dass eine solche Steuer zu höheren Preisen und zu zusätzlichen Belastungen für die heimische Produktion führen würde. Eine Zuckersteuer würde Lebensmittel verteuern, die Kaufkraft schwächen und den Produktionsstandort belasten. Befürworter einer Zuckersteuer erwarten sich hingegen durch eine Steuer weniger Zucker in Getränken und Lebensmitteln, ein verändertes Konsumverhalten und langfristig weniger Übergewicht und Folgeerkrankungen und damit weniger Kosten für das Gesundheitssystem. In meinem Podcast werfe ich daher einen Blick ins Ausland. Wirkt eine solche Steuer überhaupt. Trinken die Menschen dann wirklich weniger zuckergesüßte Getränke? Oder ist das ganze nur ein Schmäh der Politik, um die Staatskasse zu füllen?
Hallo zusammen noch einmal, schön, dass ihr bei meinem Podcast "Cash or Crash" auch diese Woche wieder dabei seid. Heute geht es um die Zuckersteuer: Deutschland will ja eine Zuckersteuer auf Softdrinks einführen. Wie genau das funktionieren soll, ist noch offen. Deutschland will damit aber vor allem anderen Ländern folgen. In der Europäischen Union hat schon fast jedes zweite Land nämlich eine Zuckersteuer. Und auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine solche Abgabe als Teil eines größeren gesundheitspolitischen Maßnahmenpakets, sozusagen. Die WHO hofft, dass durch eine Zuckersteuer die Konsumentinnen und Konsumenten einfach weniger zuckergesüßte Getränke konsumieren und dadurch einfach auch ein wenig gesünder leben. Die entscheidende Frage bleibt aber trotzdem: Wirkt eine solche Steuer tatsächlich? Trinken die Menschen dann wirklich weniger zuckergesüßte Getränke, oder ist das Ganze nur ein Schmäh der Politik, um die Staatskasse zu füllen?Auch in Österreich wird ja immer wieder über eine Zuckersteuer diskutiert. Allerdings hat die Regierung bislang dazu keine konkreten Pläne vorgelegt. Die heimische Lebensmittelindustrie warnt dennoch vor einer solchen Steuer. Sie sagt, dass eine Zuckersteuer zu höheren Preisen und zu einer zusätzlichen Belastung für die heimische Wirtschaft führen würde. Eine Zuckersteuer würde Lebensmittel verteuern, die Kaufkraft der Konsumentinnen und Konsumenten damit schwächen und den Produktionsstandort belasten. Klingt also ziemlich dramatisch. Die Befürworter einer Zuckersteuer sehen das anders: Sie erwarten sich durch eine solche Abgabe weniger Zucker in Getränken und Lebensmitteln, ein verändertes Konsumverhalten und langfristig weniger Übergewicht und Folgeerkrankungen und damit weniger Kosten für das Gesundheitssystem. Ja, ich habe anfangs schon gesagt, es gibt zahlreiche Länder in der Europäischen Union, die so eine Zuckersteuer schon vor vielen Jahren eingeführt haben. Also schauen wir ins Ausland.
Besonders häufig wird ja Großbritannien hier als Vorbild genannt. Dort gibt es seit 2018 eine Zuckersteuer auf Softdrinks. Ja, und da kann man sich eigentlich die Ergebnisse schon ziemlich genau ansehen. Bis 2024 sank der durchschnittliche Zuckergehalt der von der Abgabe erfassten Softdrinks laut britischer Regierung um 47 Prozent. Und in den letzten Jahren gab es dann noch einmal einen ziemlichen Sprung. Heute liegen schon knapp 90 Prozent der verkauften Softdrinks unterhalb der Schwelle für die Steuer. Das heißt, die Hersteller der Softdrinks haben den Zuckergehalt in den Drinks massiv reduziert, um keine Steuer bezahlen zu müssen. Das ganze System hat aber ein bisschen einen Haken, weil in Großbritannien wird nur der Zucker besteuert, aber nicht die Süßstoffe. Und die Hersteller haben einfach den Zucker durch Süßstoffe ersetzt. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind daher überschaubar. Es gibt trotz zahlreicher Studien keinen Beweis, dass das Übergewicht in der britischen Bevölkerung gesunken ist. Untersuchungen zeigen, dass Kinder jetzt täglich um 3 Gramm und Erwachsene um etwa 5 Gramm weniger Zucker konsumieren. Das entspricht ungefähr 12 bzw. 21 Kilokalorien. Und das wiederum entspricht nur rund 1 Prozent des täglichen Energiebedarfs. Die Einnahmen aus der Zuckersteuer sind übrigens nicht zweckgebunden. Sie können also für alles und jedes verwendet werden. Allerdings, so wie die gesundheitlichen Auswirkungen, sind auch sie eher bescheiden. Ja, also die Einnahmen aus der Zuckersteuer lagen in Großbritannien im Finanzjahr 2024/25 bei 380 Millionen Euro. Das ist in Relation zum Gesamtbudget in Großbritannien also nicht mehr als vielleicht ein Tropfen auf den heißen Stein.
Schauen wir uns Frankreich an. Frankreich hat bereits 2012 eine Zuckersteuer eingeführt. Dort sind die Einnahmen zweckgebunden. Die Einnahmen aus der Zuckersteuer kommen also der Krankenversicherung für Beschäftigte in der Landwirtschaft zugute. Nur sind die Einnahmen aus der französischen Zuckersteuer ebenfalls überschaubar. Sie betragen derzeit rund ungefähr 440 Millionen Euro pro Jahr. Und welche Auswirkungen hat die Steuer gehabt? Na ja, die Getränkepreise sind teurer geworden, wenn auch nicht dramatisch. Der Zuckergehalt in den Getränken wurde von den Herstellern übrigens nicht reduziert. Und trotzdem ging der Konsum dieser Getränke auch nur wenig zurück. Das ist eine Untersuchung übrigens des französischen Parlaments von 2023. Das heißt, zusammengefasst kann man sagen: Ja, die Franzosen zahlen ungefähr eine halbe Milliarde mehr Steuern im Jahr, aber die gesundheitlichen Auswirkungen in der Bevölkerung sind eigentlich, ja, Richtung Null.
Portugal hat ebenfalls eine Zuckersteuer, und zwar seit 2017. Nach der Einführung der Steuer ist dort der Absatz der betroffenen Erfrischungsgetränke um immerhin ein Fünftel zurückgegangen. Daraufhin haben die Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte gesenkt, um in eine niedrigere Steuerklasse zu kommen. Und seit der Einführung der Steuer auf zuckerhaltige Getränke betragen die Einnahmen dort gerade einmal so 50 Millionen Euro im Jahr. Ungarn hat eine sehr umfassende Zuckersteuer eingeführt, und zwar schon 2011 unter dem damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der erst heuer abgewählt wurde. Die Zuckersteuer dort ist die Chips-Steuer. Klingt seltsam, aber die Steuer betrifft dort mehrere Produkte, nämlich eben die Chips, alle Snacks, zuckerhaltige Süßwaren, Erfrischungsgetränke und auch andere süße Produkte. Die Einnahmen aus dieser sogenannten Chips-Steuer sind zweckgebunden und fließen wirklich in die staatliche Gesundheitskasse. Und die Gesamteinnahmen sind relativ hoch in Relation zur Größe des Landes. Die betragen jährlich ungefähr 230 bis 240 Millionen Euro.
Die gesundheitliche Auswirkung in der Bevölkerung aber ist trotzdem begrenzt. Eine Studie für 2010 bis 2018 hat nachgewiesen, dass es zunächst zwar zu einem Rückgang beim Konsum der betroffenen Produkte gegeben hat, später aber ist der Verbrauch wieder gestiegen, weil die ungarische Bevölkerung einfach über ein höheres Einkommen verfügt hat. Das heißt, wenn man es sich leisten kann, dann haben die Ungarinnen und Ungarn trotzdem also die zuckerhaltigen Getränke konsumiert. Und deshalb sind die gesundheitlichen Auswirkungen auch in Ungarn eher überschaubar bzw. gleich null. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch in anderen Ländern. Also Abgaben oder eine Zuckersteuer kann also den Absatz der besteuerten Produkte reduzieren. Ja, daraus folgt aber nicht automatisch ein entsprechender Rückgang von Übergewicht, zum Beispiel, in der Bevölkerung.
Zurück nach Österreich. Also die österreichische Lebensmittelindustrie, die möchte ich wieder zitieren, sagt eben, dass der Zuckerkonsum in Österreich auch ohne Steuer schon seit Jahren zurückgeht. Das ist also eine durchaus relativ interessante Behauptung. Und demnach, also laut Lebensmittelindustrie, ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker in Österreich seit Mitte der 1990er Jahre um rund 30 Prozent gesunken, also um knapp ein Drittel. Und außerdem würde Österreich weit unter dem EU-Durchschnitt liegen, was den Zuckerverbrauch angeht. Und hier nennt die Lebensmittelindustrie auch eine konkrete Zahl, und wir wollen jetzt einmal diesen Angaben vertrauen. In Österreich werden also jährlich 26,8 Kilogramm Zucker konsumiert pro Kopf und Nase gegenüber 33,2 Kilogramm im EU-Durchschnitt. Außerdem behauptet also gerade die Getränkeindustrie, dass sie den Zuckergehalt in ihren Produkten in den vergangenen 20 Jahren um ein Drittel reduziert hat, also auch ohne Steuer.
Tatsache ist jedenfalls, und das belegen auch zahlreiche Untersuchungen und Medienberichte, dass vor allem die Lebensmittelhandelskette Spar den Zuckergehalt in den Eigenmarken stark reduziert hat, und das schon seit 2017. Bis Ende 2025, also nach acht Jahren, wurden laut Spar bei mehr als 380 Eigenmarken insgesamt 5.300 Tonnen Zucker eingespart. Bemerkenswert ist dabei auch der Umgang mit Zuckerersatz. Den versucht Spar nämlich zu vermeiden. Ja, also man reduziert den Zucker, ohne dass andere Süßstoffe hier dann eingesetzt werden. Spar hat übrigens heuer auch eine Studie zum Zuckerkonsum in Auftrag gegeben, und dabei erklärten 48 Prozent der Befragten, ihren Zuckerkonsum reduzieren zu wollen.
Was heißt das jetzt für unsere Geldbörse? Na ja, eine Steuer ist eine Steuer. Ja, und die Beispiele Großbritannien, Ungarn, Frankreich und Portugal zeigen, dass die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung enden wollend ist. Zudem aber gibt es, wie gesagt, wirtschaftliche Konsequenzen, wenn eine neue Steuer eingeführt ist oder wenn eine neue Steuer eingeführt wird. So muss man es sagen, weil, und da muss man der Lebensmittelindustrie, glaube ich, schon ein wenig recht geben: Eine Zuckersteuer auf zuckerhaltige Getränke würde die Wirtschaft von den Rübenbauern über die Zuckerwirtschaft bis hin zu den Getränkeherstellern und Händlern durchaus belasten. In Österreich gibt es übrigens nur noch eine Zuckerfabrik. Die sichert nicht nur den heimischen Rübenbauern die Abnahme ihrer Ernte, sondern sorgt auch dafür, dass Österreich noch zu 100 Prozent sich selbst mit Zucker versorgen kann. Selbstversorgung von Lebensmitteln ist in Österreich übrigens nicht selbstverständlich. Das gibt es nur noch bei ganz wenigen Agrarrohstoffen. Also neben Zucker gibt es das noch bei Milch und Rindfleisch. Ansonsten muss Österreich viel mehr Lebensmittel importieren, als hierzulande verbraucht werden.
Ja, und dann muss man auch eines noch sagen: Zucker hat ja nicht nur eine süßende Eigenschaft, sondern hat technisch gesehen auch eine andere Eigenschaft, nämlich durch Zucker werden die Lebensmittel haltbarer. Wird Zucker also reduziert, müssen im Herstellungsprozess andere Mittel, Konservierungsmittel, eingesetzt werden. Und damit werden die Produkte eigentlich teurer. Also zusammengefasst noch einmal: Eine Zuckersteuer würde sicher Lebensmittel erneut verteuern und damit auch die Konsumentinnen und Konsumenten treffen. Das muss man sagen. Gleichzeitig, und das zeigen also die Untersuchungen aus vielen Ländern, sind die gesundheitlichen Auswirkungen einer Zuckersteuer durchaus überschaubar.
Na ja, in Deutschland wird jetzt, wie eingangs schon erwähnt, heftig darüber diskutiert. Die Einnahmen, das haben jetzt einige Studien belegt, würden 4 Milliarden Euro im Jahr betragen. Ja, das sind natürlich Einnahmen, die wiederum von den Konsumentinnen und Konsumenten, ja, bezahlt werden müssten. Und darum wird hier heftig in Deutschland gestritten, ob eine Zuckersteuer tatsächlich etwas bringt oder eben nicht. Ich werde euch natürlich über den Fortgang und den Ausgang dieser Diskussion weiterhin informieren. Eine schöne Woche noch. Bis zum nächsten Mal.
Links:
https://www.journalmed.de/news/gesundheitspolitik/was-bringt-die-zuckersteuer-in-anderen-laendern
Autor:in:Wolfgang Unterhuber |