Cash or Crash
Wie es ist, wenn man zum Betrugsopfer wird

In diesem Podcast erzähle ich die Geschichte von Frau Fuchs (Name geändert). Sie muss sich seit einiger Zeit mit Betrügern herumschlagen, die ihr immer wieder Post zukommen lassen. Wirksame Hilfe gab es bislang nur von der Polizei. Die Konsumentenschutzorganisationen Arbeiterkammer und VKI konnten Frau Fuchs nicht weiterhelfen. Wobei es sich bei dem Fall von Frau Fuchs um eine neue Betrugsmasche handeln dürfte. Erstaunlich ist dabei, dass im Zusammenhang mit dieser Causa auch eine große Versicherung auf die Betrüger hereingefallen sein dürfte. So wie Frau Fuchs geht es immer mehr Menschen. Die Methoden der Betrüger sind dabei höchst vielfältig. Sie reichen von falschen SMS über Anrufe von vermeintlichen Polizisten bis hin zu fingierten Liebesbeziehungen auf den diversen Dating-Plattformen.

Hallo zusammen, schön, dass ihr bei meinem Podcast "Cash or Crash" wieder dabei seid. Heute möchte ich euch keine Wirtschaftsanalyse liefern, sondern eine Geschichte erzählen. Und zwar geht es hier um einen Betrugsfall. Es geht aber hier nicht um einen großen Firmenskandal oder so, sondern einfach um eine Geschichte, in der ich erzähle, wie es einem so geht, wenn man als normale Bürgerin oder Bürger von Betrügern schikaniert wird. Es handelt sich dabei um Frau Fuchs. Der Name ist natürlich nicht ihr wirklicher Name, und Frau Fuchs hat auch gemeint, sie hätte kein Problem damit, weil die Betrüger ihren echten Namen ja auch kennen. Aber das zählt nicht zu den Regeln hier bei Missing Link, dass wir in so einem Fall den echten Namen bekannt geben. Was ich auch noch sagen möchte, ist, dass ich Frau Fuchs schon seit vielen Jahren kenne und auch sie weiß, was ich tue, dass ich Journalist bin und diesen Podcast hier gestalte. Und ich erzähle ihre Geschichte deshalb, weil ich am Ende doch den Eindruck hatte, dass man als normale Staatsbürgerin, normaler Staatsbürger fast ziemlich alleine auf weiter Flur ist, wenn man eben von Betrügern heimgesucht wird.

Begonnen hat alles Ende April. Da hat Frau Fuchs einen eingeschriebenen Brief aus Ungarn erhalten - von der Polizei. Und darin wurde ihr auf Ungarisch zunächst mitgeteilt, dass sie am 23. April auf einer Straße also viel zu schnell unterwegs war, nämlich mit 80 statt mit 50 km/h, und dass sie deshalb eine Strafe von 80 € bezahlen müsste. Das Schreiben war auch mit einem Stempel versehen, aber dieser Stempel war ehrlich gesagt kaum erkennbar. Ja, und dann gab es noch zwei Seiten deutsche Erklärung zum ungarischen Schreiben, aber so klein, dass man also das fast nicht ohne Brille lesen konnte. Und dieses Schreiben war auch sehr seltsam. Da möchte ich euch ein Zitat liefern, damit ihr wisst, was einem alles so hereinflattert, wenn man von Betrügern konfrontiert wird.

Ich zitiere: "Mit ihrem Kraftfahrzeug wurde am 15:44 Uhr, 23. Tag, 4. Monat 2026 speeding offence of 80 kilometers instead of maximum allowed speed of 50 kilometers was committed. Damit wurde ein Verstoß gegen § 21 Absatz 1 Punkt regarding the maximum allowed speed des Gesetzes Nummer 1 aus dem Jahre 1988 über den öffentlichen Straßenverkehr begangen." Ja, also dieses deutsch-englische Ostblock-Schreiben, ihr ahnt es schon, ist natürlich ziemlich sicher ein Fake. Und dazu muss man natürlich, glaube ich, nicht extra erwähnen: Frau Fuchs war am 23. April natürlich nicht in Ungarn. Sie war in den letzten Jahren überhaupt nicht in Ungarn und sie ist auch nicht die Besitzerin des angegebenen Fahrzeugs. Interessant ist übrigens, dass das Fahrzeug ein Wiener Kennzeichen hatte. Ja, abgesehen von der Tatsache, dass die Betrüger ihren Namen und ihre Adresse hatten, war Frau Fuchs nicht sonderlich beeindruckt, bis sie ein paar Tage später wieder Post bekommen hat, und zwar dieses Mal von der Allianz Versicherung in Wien.

Und demnach hatte Frau Fuchs eine Autoversicherung abgeschlossen, und zwar auf das Auto mit dem Kennzeichen, mit dem sie kurz zuvor angeblich in Ungarn zu schnell unterwegs gewesen war. Die Allianz Versicherung schreibt: "Mit Abschluss dieses Versicherungsvertrages haben Sie eine wichtige Entscheidung getroffen. Wir freuen uns, dass Sie die Allianz Elementarversicherungs Aktiengesellschaft zu Ihrem Partner gewählt haben und werden uns stets bemühen, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen. Mit diesem Schreiben erhalten Sie Ihre Versicherungsurkunde und wir ersuchen Sie, den auf dem Zahlschein ausgewiesenen Betrag innerhalb von 14 Tagen einzuzahlen."

Man muss dazu sagen, dass das alles ziemlich echt ausgesehen hat, sowohl das Schreiben als auch die Versicherungspolizze. Ja, und zu diesem Zeitpunkt eben hat sich Frau Fuchs an mich gewandt. Und tatsächlich stellte sich heraus, das Schreiben war echt. Stellten sich natürlich sofort mehrere Fragen, nämlich: Wie kam Frau Fuchs bei der Allianz in den Genuss einer Kfz-Versicherung für ein Auto, das sie gar nicht besaß? Und wer hat diese Versicherung überhaupt abgeschlossen? Denn Frau Fuchs war es natürlich nicht. Ja, und Recherchen haben dann ergeben, dass einige Wochen zuvor ein Herr bei einem Makler der Allianz Versicherung aufgetaucht ist, der für Frau Fuchs die Versicherung abgeschlossen hat. Und wie geht so was? Na, mit einer Vollmacht. Und diese Vollmacht war natürlich gefälscht. In Österreich ist es also möglich, mit einer Vollmacht zu einer Versicherung zu gehen und dort für eine Person X eine Versicherung abzuschließen. Na ja, bei der Allianz wären sie natürlich jetzt intern checken müssen, wie es möglich ist, dass man hier mit einer gefälschten Vollmacht auftauchen kann.

Frau Fuchs ging dann zur Polizei und hat dort eine Anzeige wegen Urkundenfälschung getätigt. Ja, das ist überhaupt gescheit. Wie gesagt, kurzer Sidestep: Wenn man mit solchen Dingen konfrontiert ist, dann ist es sehr klug, sofort zur Polizei zu gehen. Soweit, so gut. Frau Fuchs hat gedacht, dass damit ihr Fall erledigt ist. Nur dann erhielt sie wieder ein Schreiben, wieder einen eingeschriebenen Brief, und zwar dieses Mal aus Bratislava. Ja, wieder auf vier Seiten. Auf Slowakisch zunächst wurde ihr mitgeteilt, dass sie dieses Mal auf der Autobahn ohne Vignette unterwegs gewesen sei. Und sie wurde dann aufgefordert, wieder Strafe zu bezahlen, 150 €, wobei ihr dann in einem deutschen angehängten Schreiben, das auch vier Seiten lang war, erklärt wurde, dass sie nur 100 € bezahlen muss, wenn sie gleich bezahlt. Das ist interessant, dass man also mit den Behörden in der Slowakei offenbar irgendwie handeln kann oder verhandeln kann. Na ja, jetzt war sich Frau Fuchs doch etwas unsicher und dachte sich: "Was machen wir jetzt?"

Der nächste Schritt war, dass sie die Arbeiterkammer kontaktiert hat. Und eine Mitarbeiterin bei der Arbeiterkammer hat sich also wirklich sehr interessiert für den Fall und sich das alles angehört, hat aber dann gesagt: Na ja, sie kennt sich da am Ende des Tages auch nicht aus und weiß auch nicht, wie sie weiter tun soll. Und Frau Fuchs möge sich doch an den VKI, an den Verein für Konsumenteninformationen, wenden. Das hat Frau Fuchs dann getan. Auch dort hat sie also Kontakt aufgenommen, hat den Sachverhalt geschildert. Ja, und auch dort hat sich eine Mitarbeiterin den Fall interessiert angehört, hat aber dann gesagt: Na ja, dass sie sich da auch nicht auskennt." Und Frau Fuchs möge doch online um ein Beratergespräch ansuchen. Und für dieses Beratergespräch müsste Frau Fuchs dann 30 € bezahlen. Na ja, Frau Fuchs hat sich gedacht: Na ja, 30 € für ein Beratergespräch, sie hat eigentlich gedacht, dass ein Erstgespräch gratis ist.

Das wollte sie nicht tun. Also habe ich dann als Journalist eine offizielle Anfrage gestellt bei der Presseabteilung des VKI, ebenfalls den Sachverhalt geschildert. Und dazu wollte ich noch wissen, wie man also Name und Adresse überhaupt technisch hacken kann, ja, und ob ähnliche Fälle eigentlich bekannt sind dem VKI und was man überhaupt damit tun kann und was man dagegen unternehmen kann. Die Antwort der VKI-Pressestelle war sehr kurz. Sie lautete: "Sehr geehrter Herr Unterhuber, derartige Fälle sind uns nicht bekannt, daher können wir Ihnen bei diesem Thema leider nicht weiterhelfen." Ja, Zitat Ende. Ende der Durchsage. Fazit also, das können wir bei diesem Fall feststellen: Weder Arbeiterkammer noch VKI waren hier hilfreich und kennen sich mit einem solchen Fall nicht aus. Und Frau Fuchs war also bis auf die Hilfe bei der Polizei hier, muss man sagen, allein auf weiter Flur.

Ja, was heißen solche Fälle für unsere eigene Geldbörse? Zunächst einmal müssen wir sagen, Frau Fuchs hat eigentlich alles richtig gemacht. Weil auf beiden Schreiben aus Ungarn und der Slowakei waren Telefonnummern zu erkennen. Und Frau Fuchs hat natürlich nicht dort angerufen, weil es kann natürlich sein, dass man sehr schnell in Panik verfällt, wenn man so eine eingeschriebene Post von der Polizei oder von einer Behörde bekommt und dort anruft. Nur ist es dann so, dass die Betrüger also auch gleich einmal die eigene Telefonnummer haben. Ja, gut, dann war bei beiden Schreiben ein Erlagschein immer dabei. Klar, damit wollten die Betrüger an die Bankdaten kommen, nämlich an die IBAN-Nummer, weil wenn man den Erlagschein ausfüllt, dann gibt man natürlich auch die IBAN-Nummer an, ja, beziehungsweise es waren auch Bankdaten angegeben, wo man das Geld hätte hinüberweisen können. Und den beiden Schreiben war dann auch immer ein Antwortformular beigefügt, falls man gegen die Strafe Einspruch erheben will. Na ja, und da hätte Frau Fuchs also unterschreiben müssen und dann hätten die Betrüger in Zukunft also die Unterschrift von Frau Fuchs nicht mehr fälschen müssen, erfinden müssen, sondern sie hätten die echte Unterschrift gehabt. Tatsächlich dürfte es sich, wie mir die Polizei dann mitgeteilt hat, um eine relativ neue Methode handeln. Klar ist also, die Betrüger wollten hier an Bankdaten, Telefonnummer oder echte Unterschrift kommen. Und es gibt ja mittlerweile aber viele andere gängige Methoden, mit denen man als Bürgerin und Bürger konfrontiert ist.

Und da würde ich euch noch gerne die gängigsten Methoden aufzählen, wo ihr wirklich aufpassen müsst. Ja, üblich ist, dass man oft eine SMS bekommt mit einer Warnung drauf, wonach gerade also das Online-Bankkonto, das man hat, gehackt wird und dass man sofort also die Zugangsdaten bekanntgeben muss, weil sonst wäre das Geld weg. Ja, und manche machen das. Ich kenne eine Person, die das gemacht hat, und dann war das Geld nämlich wirklich weg. Ja, also alles klar, auf solche SMS oder Nachrichten darf man nicht einmal im Geringsten reagieren. Und dann gibt es auch immer wieder Mails von Paketdienstleistern, die einen zu einer Nachzahlung auffordern mit einem Link dabei. Ja, und es versteht sich von selbst, dass man natürlich diesen Link nicht anklicken soll und das Mail soll man auch löschen.

Ja, häufig sind leider oder immer häufiger werden Schockanrufe von Polizisten, Bankbeamten oder Behörden. Ja, die behaupten dann ebenfalls also per Telefon, nicht per SMS, dass gerade mit dem Bankkonto was nicht stimmt und dass man schnell also die Daten bekanntgeben soll. Ja, auch das ist klar. Die Polizei ruft nicht an, die Bank ruft auch nicht an. In Wirklichkeit also sofort auflegen. Es ist auch so, dass es manchmal Anrufe gibt, wo falsche Polizisten behaupten, dass gerade ein Familienangehöriger in U-Haft sei, ja, weil er angeblich in einen tödlichen Unfall oder so verwickelt ist und man müsse eben rasch eine Kaution überweisen. Auch da ist klar, dass es sich hier um Betrug handelt.

Eine ältere Methode, die ist bekannt, ja, die wird aber trotzdem noch immer angewandt: Ja, da wird einem per Mail mitgeteilt, dass man irgendwo, weiß ich nicht, von einer reichen Tante oder einem reichen Onkel aus Amerika ein paar Millionen geerbt hat. Und um dieses Erbe überwiesen zu bekommen, muss man vorher eine Gebühr von mehreren 1.000 € Höhe überweisen. Klar, dass man das nicht tun soll. Leider gibt es immer wieder Fälle, wo das schon passiert. Dann relativ häufig sind auch Mails von Jobangeboten, die man bekommt, und da drinnen sind relativ easy Jobangebote. Da wird einem mitgeteilt, dass man also nur zu Hause sitzen muss und angeblich ein paar Texte für die KI überarbeiten soll. Ja, wenn man das macht, kriegen natürlich die Betrüger gleich einmal Zugang natürlich zu den ganzen Daten, die man so hat. Und alles klar, diese Mails soll man natürlich auch löschen.

Und sehr häufig kommt das sogenannte Love Scamming vor. Ja, da werden also über Datingplattformen falsche Liebesbeziehungen simuliert, bis der oder die Angebetete dann irgendwann um einen höheren Geldbetrag ersucht, weil er oder sie in eine Notlage geraten ist. In all diesen Fällen natürlich gilt: Nicht reagieren. Das ist die beste Methode oder ansonsten, wie das Frau Fuchs getan hat, relativ rasch auch zur Polizei zu gehen. Das war's für heute. Ich hoffe, ihr kommt nie in so eine Situation. Deshalb alles Gute und bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt: Cash or Crash.

Autor:in:

Wolfgang Unterhuber

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