Cash or Crash
Wie es mit der Inflation weitergeht und wer die Paketsteuer zahlt
Die Inflation in Österreich steigt und steigt. Im Mai lag sie bei 3,7 Prozent. Politischer Hintergrund ist der Iran-Krieg. Typisch ist natürlich wieder, dass die Inflation in Österreich höher liegt als in der EU. Aber auch in der EU liegt sie mittlerweile bei 3,2 Prozent. Deshalb läuten auf europäischer Ebene die Alarmglocken. Und deshalb wird die Europäische Zentralbank EZB den Leitzins ziemlich sicher erhöhen. Die EZB ist der Kernreaktor der Banken im Euro-Raum. Unter anderem legt sie fest, wie hoch die Zinsen sind. Derzeit liegt der Leitzins bei zwei Prozent. Eine Anhebung bedeutet, dass die Kredite teurer werden. Das soll die Konjunktur abkühlen und die Inflation einbremsen. In Österreich gibt es dafür wieder eine neue Steuer. Die Paketsteuer. Eigentlich sollen diese Steuer die großen internationalen Onlineplattformen wie Amazon bezahlen. Am Ende werden es die Kunden sein. Und: Neue Steuern kurbeln immer die Inflation an.
Hallo zusammen, schön, dass ihr wieder dabei seid bei meinem wöchentlichen Podcast "Cash or Crash". Heute habe ich zwei Themen für euch vorbereitet. Einmal geht es um die Inflation und dann um den Onlinehandel und die neue Paketsteuer. Aber beginnen wir bei der Inflation. Die Inflation ist in Österreich im Mai um 3,7 % gestiegen. Das ist Jahresrekord. Politischer Hintergrund ist der Irankrieg. Durch den Irankrieg sind die Öl- und Gaspreise gestiegen und damit die Spritpreise an den Tankstellen und in Summe also die Energiekosten insgesamt. Dabei muss man sagen, dass nicht einmal Benzin und Diesel jetzt die großen Treiber waren im Mai bei der Inflation, sondern ausschlaggebend für den Anstieg der Teuerungsrate waren vor allem Dienstleistungen. Die sind gleich um 4,4 % deutlich höher gestiegen, also als die Gesamtinflation. Laut Statistik Austria waren vor allem die Fluglinien daran schuld. Die Flugpreise sind nämlich zuletzt auch wegen der gestiegenen Energiekosten deutlich in die Höhe geschnellt. Typisch ist natürlich wieder einmal, das muss man sagen, dass die Inflation in Österreich höher liegt als im EU-Durchschnitt. Aber auch in der Europäischen Union liegt die Inflation mittlerweile bei über 3 %, und zwar konkret bei 3,2 %.
Was bedeutet das jetzt eigentlich für unsere Geldbörse? Da muss man einmal sich natürlich die Frage stellen: Wie geht es eigentlich jetzt überhaupt mit der Inflation weiter? Und da ist ganz klar, die Teuerung wird anhalten. Tut mir also leid, also ich habe da keine bessere Nachricht für euch, aber das ist ziemlich klar: Selbst wenn der Irankrieg morgen aus wäre, würde die Inflation nicht gleich wieder sinken, weil der Schaden nun einmal schon angerichtet ist, wie man so sagt. Denn die Inflationsspirale hat sich also längst weltweit zu drehen begonnen, und die Unternehmen haben jetzt oder beginnen jetzt eben, die höheren Energiepreise an ihre Kunden weiterzugeben. Und in Österreich rechne ich damit, dass jetzt dann sicher die Lebensmittel um einiges noch teurer werden.
So, jetzt kommt natürlich die nächste Frage: Bleibt die Inflation heuer noch bei diesem Level? Geht sie höher oder wird sie sinken? Na ja, eines ist klar: Die Inflation wird heuer sicher nicht mehr unter 3 % sinken. Das sagen alle Analysten, die sich damit beschäftigen. Und in Österreich halte ich es sogar für wahrscheinlich, dass die Inflation heuer noch auf über 4 % klettern wird. Aber auch auf europäischer Ebene läuten natürlich die Alarmglocken, und deshalb wird die Europäische Zentralbank nächste Woche auch den Leitzins ziemlich sicher erhöhen. Die Europäische Zentralbank ist, wie der Name schon sagt, der Kernreaktor der Banken im Euroraum, und unter anderem legt sie fest, wie hoch die Zinsen sind. Derzeit liegt der Leitzins bei 2 %, und es gilt als ziemlich sicher, dass dieser Leitzins angehoben wird, wahrscheinlich auf 2,25 %, denn die EZB muss nämlich dafür sorgen, dass die Inflation nicht explodiert.
So, was bedeutet es eigentlich, wenn der Leitzins angehoben wird? Das bedeutet, dass die Kredite teurer werden. Und wenn die Kredite teurer werden, dann bedeutet das natürlich, dass weniger Kredite aufgenommen werden von den Menschen, von den Unternehmen, von den Konsumenten. Und das bedeutet dann wiederum, dass weniger ausgegeben wird und daher die Wirtschaft allgemein abkühlt und dann die Preise sinken. Und so am Ende soll auch die Inflation wieder zurückgehen. Aber jetzt muss natürlich die Europäische Zentralbank aufpassen, dass die Wirtschaft nicht zu sehr abkühlt, weil in Europa haben wir nämlich derzeit nur ein sehr geringes Wachstum. Und da muss die EZB sehr vorsichtig sein, dass sie sozusagen dieses zarte Wachstumspflänzchen nicht aushungert und wir dann sogar in eine Wirtschaftskrise schlittern.
Eine Anhebung der Zinsen ist natürlich für all die schlecht, die einen Kredit mit variablen Zinsen laufen haben, weil da kann natürlich dann eure Hausbank hergehen und die Zinsen erhöhen. Und in guten Zeiten mit niedrigen Zinsen und niedriger Inflation sind Kredite mit variablen Zinsen natürlich eine super Sache, weil sie günstiger sind als die Kredite mit einem fixen Zinssatz. Und weil es heuer zu Jahresbeginn vor dem Irankrieg eigentlich noch super ausgesehen hat, da war die Inflation ja bei 2 %, da haben natürlich viele Konsumenten und Unternehmen noch Kredite zu variablen Zinsen aufgenommen. Und jetzt müssen sie natürlich damit rechnen, dass die Zinsen steigen. Aber ich habe auch eine gute Nachricht, weil es kann sich darüber auch jemand freuen, nämlich die Sparer. Ja, zumindest ein wenig, weil ein höherer Leitzins bedeutet auch etwas mehr höhere Zinsen bei der Bank, obwohl man jetzt ganz ehrlich sagen muss, dass eine Zinserhöhung bei der Bank immer sehr zeitverzögert ankommt, also über Wochen und Monate, bis das dann dort der Fall ist. Aber nachfragen solltet ihr schon einmal auf alle Fälle und euren Bankberater um einen Gesprächstermin bitten.
Kommen wir zum zweiten Beitrag, das ist der Onlinehandel. Ja, wir müssen eben sparen, und weil es billiger ist und auch einfacher geht, kaufen die Österreicherinnen und Österreicher immer mehr im Internet ein. Und das hat die Einnahmen im Onlinehandel zuletzt sogar auf ein neues Rekordhoch getrieben. Also der Umsatz, um euch eine Zahl zu nennen, stieg im Vorjahr um knapp 10 % auf 11,5 Milliarden € im Onlinehandel. Das hat übrigens das Institut für Österreichs Wirtschaft berechnet. Ja, wenn ihr wissen wollt, was Herr und Frau Österreicher eigentlich am liebsten online einkaufen: Am liebsten kaufen wir Pflegeprodukte online ein, dann Kosmetikartikel, Schuhe, Kleidung, Lebensmittel, auch Elektrogeräte und Bücher.
Schauen wir uns jetzt aber vielleicht einmal kurz an, über welche Plattformen Herr und Frau Österreicher am liebsten einkaufen und wer hinter diesen Plattformen eigentlich steckt. Erste Adresse, und das wird jetzt euch wenig überraschen, wo wir alle gerne online shoppen, ist hierzulande natürlich Amazon. Amazon hat einen Marktanteil von ungefähr 30 %, also knapp ein Drittel, und ist also eindeutig hier in Österreich führend. Amazon ist übrigens börsennotiert, aber Amazon hat nach wie vor einen ziemlich mächtigen, großen, einflussreichen Einzelaktionär, und das ist der Gründer, und den kennt ihr alle, das ist Jeff Bezos. Sein Vermögen wird ja derzeit auf über weit über 200 Milliarden € geschätzt, und damit ist Jeff Bezos auch einer der reichsten Menschen weltweit, wobei nicht der Reichste, das ist momentan Elon Musk, aber Jeff Bezos rangiert ungefähr derzeit auf Platz 4, glaube ich. Wie schaut es mit der Aktie aus? Ja, seit 2023 steigt die Aktie kontinuierlich. Anfang 2026, also heuer im Februar, ist sie aufgrund des Irankriegs zuerst einmal eingebrochen,
Ja, an zweiter Stelle rangiert in Österreich Temu. Temu ist chinesisch, und das Unternehmen wurde von einem ehemaligen Google-Mitarbeiter gegründet, dem Chinesen Colin Huang. Und er ist zwar nicht so reich wie Jeff Bezos, aber er ist mittlerweile auch einer der reichsten Chinesen. Hauptsitz von Temu in Europa ist übrigens Dublin in Irland. Warum das? Weil Irland günstige Unternehmenssteuersätze hat. Temu hat übrigens zuletzt von der Europäischen Union eine ziemliche Strafe ausgefasst. Die müssen nämlich 200 Millionen € Strafe zahlen. Warum? Weil sie immer wieder gefälschte, gefährliche und sogar giftige Waren über ihre Plattform verkaufen, zum Beispiel Babyspielzeug mit gefährlichen Chemikalien drin.
Ja, auf Platz 3 rangiert dann in Österreich Zalando. Zalando ist auch börsennotiert und wurde in Deutschland gegründet von den Herren Robert Genz und David Schneider. Ja, und die halten zusammen auch noch immer ein kleineres Aktienpaket. Da muss man sagen, vor fünf Jahren war die Aktie noch ein ziemlicher High Flyer, da lag der Kurs bei über 100 €. Seither ging es aber stetig bergab, und ja, die Aktie, muss man sagen, dümpelt seither auch dahin und liegt derzeit bei ungefähr 23 €, ist also kein Burner. Ganz anders eBay. eBay ist auch börsennotiert in den USA und wurde gegründet von einem Franzosen, von Pierre Omidyia, der hat sich aber mittlerweile zurückgezogen. Und dort, wie schon gesagt, geht es mit der Aktie seit drei Jahren ziemlich bergauf. Vor drei Jahren war die Aktie irgendwo bei Zalando sozusagen zwischen 30 und 40 $ oder herum, und jetzt liegt sie bereits jenseits der 110 $. Ja, und Platz 5 liegt ein Unternehmen, das der älteren Generation vielleicht mehr sagt als der jüngeren, nämlich da befindet sich Otto Versand. Otto Versand ist ein Unternehmen, das es schon seit 1949 gibt und auch heute noch im Besitz der Familie Otto aus Hamburg ist.
So, spannend, wie es mit dem Onlinehandel weitergeht, wird es jedenfalls ab Oktober. Warum? Weil dann gibt es in Österreich nämlich eine neue Steuer, die Paketsteuer, und die soll jährlich 280 Millionen € bringen. Warum gibt es diese Steuer überhaupt? Die Regierung und Finanzminister Matterbauer argumentieren so, dass sie ja die Umsatzsteuer auf Grundnahrungsmittel ab Juli von 10 auf 5 % halbieren. Die Umsatzsteuer kassieren aber nicht die Supermärkte, wie wir alle wissen, sondern der Staat. Und durch die Halbierung der Umsatzsteuer auf gewisse Nahrungsmittel gehen dem Staat 400 Millionen € verloren, und die will der Finanzminister zumindest teilweise zurückholen. Außerdem sagt Finanzminister Marterbauer, dass er mit der Steuer den stationären Handel unterstützen will, weil der durch den Onlinehandel immer mehr unter Druck gerät. Tja, das stimmt zum Teil auch, muss man sagen. Wenn man sich die Pleite-Statistiken der Kreditschutzverbände anschaut, dort liegt der Handel tatsächlich nach Gastronomie und Bau auf Platz 3, und der Onlinehandel ist sicher einer der Gründe, warum der stationäre Handel eben oder die kleinen Händler vor allem unter Druck geraten.
Konkret, das habt ihr sicher schon gehört, soll die Steuer 2 € pro Paket betragen. Ja, und der Gedanke ist, dass also die großen internationalen Onlineplattformen diese Steuer bezahlen. Da gibt es aber einen Haken: Es zahlen nämlich auch heimische Unternehmen diese Steuer, wenn sie ihre Produkte über diese großen Plattformen, also Amazon und Co., verkaufen. Damit trifft also die neue Steuer nicht nur von der Idee her also die internationalen Großkonzerne, sondern auch österreichische Händler, die diese Plattformen, Amazon und Co., als Vertriebskanal benutzen. Und das sind gar nicht so wenige. Laut Handelsverband sind das 4000 österreichische Händler, die das schon tun, und deswegen
Was heißt das jetzt für unsere Geldbörse? Na ja, es wird euch wenig wundern, wenn ich sage, am Ende des Tages werded natürlich ihr, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, diese Steuer bezahlen. Ja, weil speziell also für die kleinen österreichischen Händler sind die Margen im Onlinehandel ohnedies schon ziemlich gering. Die werden die Abgabe natürlich an die Konsumenten weitergeben. Ja, und Amazon, Temu, Zalando und Co. werden sich auch etwas einfallen lassen, damit nicht sie diese Steuer bezahlen, sondern eben die Konsumenten und Kunden. Was wir uns also im Supermarkt sparen ab Juli zahlen wir im Onlinehandel ab Oktober wieder drauf. Linke Tasche, rechte Tasche sozusagen. Nur die Bürokraten freuen sich vielleicht, weil die Abwicklung einer neuen Steuer ja ist ein zusätzlicher bürokratischer Aufwand. Jetzt wird es wahrscheinlich welche geben, die sagen: "Na ja, das betrifft mich eh nicht, weil ich kaufe online ja gar nichts ein." So ganz ist das nicht der Fall. Wir wissen aus der Vergangenheit und aus der Erfahrung: Neue Steuern kurbeln auch immer die Inflation an, womit wir eigentlich jetzt wieder am Anfang dieses Podcasts sind, nämlich bei der Inflation. Ja, das war es für heute. Ich wünsche euch, wo immer ihr auch seid, alles Gute, eine schöne Zeit und bis nächste Woche, wenn es wieder heißt: Cash or Crash.
Autor:in:Wolfgang Unterhuber |