Bühneneingang
Der Kulturkampf der Tech-Bros – mit Eveline Steinberger

Eveline Steinberger, Unternehmerin, Investorin und Jury-Mitglied von „2 Minuten 2 Millionen“, spricht in Folge 89 über den Kulturkampf der Tech-Bros: Wie Silicon-Valley-Eliten mit neuen Kulturtechniken Politik und Medien beeinflussen, warum Europa deren Narrative übernimmt – und wie sie selbst im Spannungsfeld von Technologie, Kapital und Demokratie ihren Kompass setzt. Thematisiert werden Lobbyismus, Deregulierung, „Werk vs. Person“, die Rolle von Kultur im Widerstand gegen algorithmische Weltbilder – und die Frage, was passiert, wenn sich Ex-Politiker wie Sebastian Kurz in der Tech- und Investment-Szene als neue Visionäre inszenieren.

Fabian Burstein
Hallo und herzlich willkommen am Bühneneingang. Mein Name ist Fabian Burstein, ich bin Kulturmanager und Autor, und in diesem Podcast zeige ich euch den Kulturbetrieb von innen, so wie er wirklich ist.
Mein heutiger Gast ist Eveline Steinberger. Als Unternehmerin, Venture-Capital-Investorin und Gründerin der Blue Minds Company arbeitet sie mit Start-ups an technologiegetriebenen Lösungen, insbesondere für die Energiewende. Viele kennen sie auch als Investorin in der PULS4-Show "2 Minuten, 2 Millionen", wo sie gemeinsam mit anderen Geldgeber*innen über die Zukunft junger Unternehmen mitentscheidet.
In dieser Bühneneingang-Folge sprechen wir darüber, wie aus dem medial lancierten Gründerkult eine gefährliche Ideologie werden kann. Wir gehen der Frage nach, wie die US-amerikanischen Tech-Eliten gegen Medien, Wissenschaft und demokratische Institutionen mobilisieren, und warum die europäische Politik und Start-up-Szene diese Figuren nach wie vor idealisiert.
Außerdem denken wir über die Rolle ehemaliger Spitzenpolitiker in der Tech-Welt nach und darüber, wie Eveline Steinberger im Spannungsfeld von Technologiebegeisterung, Kapital und politischer Verantwortung ihren eigenen Kompass setzt.
Eveline, vielen lieben Dank, dass du wieder am Bühneneingang vorbeischaust. Du warst ja schon mal hier.
Eveline Steinberger
Ja, ich war schon hier, und ich freue mich, wieder hier zu sein.
Fabian Burstein
Ich habe damals viel Feedback bekommen, tatsächlich auf unsere Folge, weil diese Verbindung zwischen unseren Welten nicht so naheliegend ist, wie wir das vielleicht denken würden oder wie wir das auch in dem Gespräch empfunden haben. Und deshalb möchte ich kurz erklären, warum ich dich wieder einladen wollte.
Ich möchte dir meinen Trigger-Moment darlegen. Ich höre viele Podcasts, gerade aus der Gründer*innenszene, und dabei ist mir ein Phänomen aufgefallen. Nämlich dass insbesondere junge Gründer, männliche Gründer, schwerpunktmäßig zum Beispiel aus der Fintech-Szene, aus meiner Sicht sehr befremdliche Haltungen haben, eben zu diesem ganzen Themenkomplex rund um Elon Musk, rund um die Trump-Administration etc.
Also da sehr viele positive Dinge rausdestillieren, die meiner Meinung nach der Kern des tobenden Kulturkampfes sind. Und wissend, dass du ein Homo-Politicus bist und dich da auch immer wieder zu Wort meldest, habe ich mir gedacht, das möchte ich mit dir mal diskutieren.
Eveline Steinberger
Eines der spannendsten Themen, die wir derzeit so sehen, oder?
Fabian Burstein
Ich finde auch. Ja, ja, absolut. Und vor allem so ein ambivalentes Thema, weil man ja zum einen die Ideen schätzt, aber zum anderen sich ja wünscht, dass Ideen auch mit einer gewissen Haltung hinterlegt sind. Wie handhabst du das in deiner unternehmerischen Praxis?
Eveline Steinberger
Ich habe mir unlängst wieder diese Frage gestellt, wie ich damit umgehe. Ich kann das ja auch nicht ausblenden. Ich meine, Silicon Valley ist einfach ein bestimmender Faktor für alle, die im Bereich Innovation oder Tech zu Hause sind. Und ich frage mich natürlich auch, wie diese ganz Key Player, nennen wir sie mal so, die da auf der Weltbühne auch Einfluss üben, auf jeden Fall gesehen werden. Und zwar nicht nur aufgrund ihrer Innovationen oder bahnbrechenden Technologien, sondern auch, weil sie ein Stück weit die Öffentlichkeit und die Meinung vieler beeinflussen.
Wie du auch sagst, es gibt auch hierzulande eine Szene, die durchaus in meiner Industrie zu finden ist, die das gut finden, die sich ein Beispiel daran nehmen, die sie als Role Model sehen. Ich habe unlängst einen Podcast auch gehört, da ging es um Peter Thiel, einer jener, die du wahrscheinlich ansprichst. Und ich war fasziniert, als ich da tiefer eingetaucht bin, dann auch sehr viel darüber gelesen habe, was da alles auch Meinung an Denkkonzepten, vielleicht sogar schon an eigener Religion, ins Spiel gebracht wird. Es ist natürlich irgendwo nachvollziehbar, dass jeder dieser bekannten Tech-Gründer irgendwo die Welt revolutionieren wollte, als er gestartet hat. Dazu gehört Elon Musk genauso wie Sam Altman und andere.
Aber mit welcher Agapé und Ende dann schon fast Obsession diese Herren, und mir ist jetzt im Moment keine Frau irgendwo geläufig, die da mitspielen würde, in einer Art und Weise, dass sie für uns alle weltweit sichtbar wird. Also in einer Art und Weise, wie obsessiv diese Herren da mit umgehen. Und bin da ein bisschen eingetaucht, auch in Erklärungsmuster rundherum. Und eines dieser Erklärungsmuster ist tatsächlich in der europäischen Theologie zu finden. Das spielt so weit, dass hier Allmachtsfantasien angestrengt werden, die irgendwo eine Apokalypse am Ende des Tages sehen, wo es dann auch wieder Figuren aus der Theologie benötigt, wie einen Katechon, der diesen Weltuntergang aufhält.
Und viele dieser Player, die vorne mit dabei sind, die sehr viel Geld schon gemacht haben mit ihren Erfindungen oder Geschäftsmodellen, die sie weltweit ausgerollt haben, sehen sich irgendwo hier im Driving Seat. Und da lohnt es sich schon, genauer hinzusehen. Ich war teilweise auch schockiert, ein bisschen, davon, was das auch mit mir macht. Will ich das? War meine erste Frage. Wenn nein, wovon auszugehen ist, wenn ich mich mit dieser Frage befasse, was kann man eigentlich tun, um das in eine andere Richtung zu bringen?
Und für mich ist eine kurze Antwort, aber wahrscheinlich noch nicht die erfüllende Antwort, ein Narrativ zu finden, zu leben, zu propagieren und zu verbreiten, das dem widerspricht. Weil am Ende des Tages bei all dieser Befassung mit diesen Allmachtsfantasien, dass Technologie die Welt beherrscht und dass wir, um das ein bisschen genauer auch für die Zuhörer auszuführen, dass wir diese Regeln, diese Fehlen und diese Regulierung, vor allem in Europa, noch mehr als in den USA oder in Asien, dass wir die aufbrechen müssen, weil die Technologie wird sozusagen all unsere Probleme lösen. Das ist Bullshit. Und das wollen wir am Ende des Tages auch nicht erreichen.
Was wollen wir mit Innovation und Kreativität erreichen? Wir wollen einfach ein besseres Leben. Zumindest ist das mein Antrieb, Tech-Investorin zu sein. Und insofern soll Technologie nie eine Rolle kriegen, um alles sozusagen zu steuern, zu managen oder überhaupt auch zu überwachen und zu bestimmen. Jetzt bin ich schon sehr lange, aber vielleicht noch ein abschließender Satz dazu. Ich glaube, dass das letztlich dazu führen würde, unsere ganzen demokratischen Errungenschaften über Bord zu werfen. Und dagegen muss es doch wohl viele geben, die aufstehen und sagen: "Nein, das will ich nicht." Ich möchte nicht von einzelnen Tech-Pros, wie du sie nennst, geguided werden, gemanaged, geführt oder von denen bestimmt werden.
Fabian Burstein
Jetzt gebe ich zu, dass ich, wie du es ja auch ein bisschen jetzt in deinem letzten Satz rausgearbeitet hast, auch ich bin dann natürlich, ich segle da oder ich surfe da auf einer Welle mit, insofern, dass das Problem der Tech-Pros, das habe ich jetzt nicht auf dem Tisch erfunden, sondern das schwelgt so gerade im medialen Diskurs.
Da sagt man klassischerweise, da gehören eben dazu der Elon Musk, da gehört dazu der Mark Zuckerberg, der Sam Altman von OpenAI, der Jeff Bezos von Amazon und so weiter und so fort.
Eveline Steinberger
Ich würde vor allem aber auch Peter Thiel nennen.
Fabian Burstein
Und der natürlich auch, genau. Wer sind diese Figuren aus deiner Sicht? Weil mehr könnte ich dir auch tatsächlich auch dann gar nicht mehr sagen. Aber du mit deinem Einblick in diese Szenen, die sich ja auch zwischen Europa und Amerika ja immer wieder austauschen und gegenseitig beleben. Wer sind da die entscheidenden Akteure, die an dieser komischen Tech-Wende im Sinne einer radikalen Übermacht der Technologie mitschrauben?
Eveline Steinberger
Auch dazu habe ich einige Überlegungen. Diese Machtausübung ist ja nur möglich, wenn ein Geschäftsmodell, das von diesen Benannten kreiert wird, auch global ausrollbar ist und Kunden findet, Anhänger, Follower, wie auch immer wir das heute definieren. Auch in Lebenswelten hinein, wo auch Abhängigkeiten entstehen.
Du weißt, wie sehr wir heute daran hängen, dass wir online sind und offline macht uns oft schon nervös. Also das ist eine Form von Abhängigkeit, die uns alle längst erreicht hat, von dieser Form von Technologien. Das heißt, einerseits ein Geschäftsmodell, das ganz, ganz viele wunderbar finden und davon abhängig werden.
Zweitens haben diese Herren sehr viel Geld schon damit verdient. Kapital macht schon einen Unterschied. Und besonders in den USA ist es ja so, dass politische Strukturen auch immer wieder beeinflusst werden von viel Kapital, von Geld.
Und wenn ich Einzelne dabei unterstütze, den Weg nach oben zu finden, wie wir ja zum Beispiel auch anhand des jetzigen US-Präsidenten Donald Trump sehen, oder vielleicht sein potenzieller Nachfolger oder auf jeden Fall in seinem Team mitkämpfend JD Vance, dann wissen wir, dass genau diese Tech-Community im Silicon Valley diese Männer auch unterstützt hat oder dabei weiterhin unterstützt, an der Macht zu bleiben.
Und wie man weiß, wenn ich wo einzahle, wenn ich Sponsor einer Idee oder eines Projektes bin, dann möchte ich auch irgendwo etwas davon haben. Das ist nicht nur altruistisch. Das ist oft auch damit verbunden, dass ich mir einen Vorteil erhoffe, vielleicht weniger Regeln, weniger Regulierung, weniger Auflagen.
Fabian Burstein
Lobbyismus.
Eveline Steinberger
Lobbyismus.
Fabian Burstein
Also eigentlich eine korrupte Form von Lobbyismus.
Eveline Steinberger
Könnte man auch so sagen, ja. Natürlich, andere haben nicht die Möglichkeit, in dem Ausmaß Kapital einzuzahlen, um diese Vorteile zu generieren. Wir sehen ja auch, was an den Börsen passiert mit den Aktienkursen großer Technologieunternehmungen, je nachdem, wie die politische Stimmungslage an diesem Tag ist. Wir sehen zum Beispiel auch, dass gewisse Medien den Eigentümer wechseln. Zufälligerweise kommen die teilweise auch aus dieser Tech-Welt. Also da verschiebt sich schon ein Werte-Korsett dann am Ende des Tages auch.
Ich glaube aber dennoch, dass das in Europa so nicht schon passiert ist und wahrscheinlich in der Form auch nicht nachahmbar ist. Da hilft zum einen, dass wir in der EU 27 sehr unterschiedliche Länder vereint haben mit unterschiedlichen Kulturen und auch Strukturen, wie hier regiert wird. Auch wenn wir in einzelnen Ländern schon ähnliche Muster sehen oder ähnlichere, glaube ich trotzdem nicht, dass das hier wiederholbar ist. Weil auch unsere ganze Industriebasis und Wirtschaftsbasis anders aufgestellt ist.
Wir wären gerne in dieser ganzen AI-Welt vorne mit dabei, sind wir aber nicht. Wir rennen hinterher. Wenn wir allein Deutschland anschauen, ja, eine Industrienation, immer noch die Schwergewichte in vielen Sektoren beheimatend, aber trotzdem im Bereich AI schon abgeschlagen. Auch wenn junge Unternehmungen nachkommen und aufholen, glaube ich, dass allein die Vielfältigkeit, die Komplexität und eben dieses historische Fundament so etwas nicht gleichlautend zulassen würde.
Fabian Burstein
Jetzt will ich deinen Optimismus teilen und habe auch ein gewisses Grundvertrauen tatsächlich in die Checks and Balances, die die europäische politische Ordnung hervorgebracht hat, dass die funktionieren wird. Ich habe aber ein kleines Aber.
Genau diese Biotope, diese Start-up-Biotope im amerikanischen Raum, die waren ja in ihrem Ursprung eher auch gesellschaftsliberale Biotope, also in der amerikanisch-politischen Logik eher dem demokratischen Lager zuordnbar, weil eine gewisse Weltgewandtheit da dazugehört hat, auch eine gewisse Kulturaffinität, eine gewisse Wissenschaftsoffenheit und so weiter und so fort. Und das ist ja auch völlig gekippt.
Wer sagt uns oder was macht dich so optimistisch, dass dieser radikale Kipppunkt nicht auch irgendwann bei uns eintritt?
Eveline Steinberger
Ja, dieser Tipping Point, wie du ihn nennst. Es gibt natürlich einzelne Forscher oder Vorausdenker, wie sie sich selbst auch nennen, die diese Narrative auch für Europa zeichnen oder für die ganze Welt zeichnen, vor allem, wenn es darum geht, wo wir sozusagen mit der künstlichen Intelligenz heute schon stehen und in weiteren zehn Jahren.
Da kriegt man ja teilweise Angst, aber wenn man sich historisch damit beschäftigt, hat Zukunft immer Angst gemacht, nicht? Also es ist ungewiss, es kommt etwas Neues, diese Transformation kann man noch nicht ganz fassen.
Disruptive Momente machen unsicher und wir alle sind hier bei weitem nicht so resilient, dass wir das wegstecken könnten. Also das ist einfach einmal, liegt in der Natur der Sache, dass wir Zukunft immer angstvoll sehen oder immer schon scheiße fanden.
Fabian Burstein
Um es einmal klipp und klar auszudrücken.
Eveline Steinberger
Und deswegen glaube ich, liegen auch jene hierzulande richtig, wenn sie davor warnen, Massenarbeitslosigkeit nach 2030, die AI ersetzt alles oder verändert ganz vieles. Ich glaube auch, dass künstliche Intelligenz viele Branchen, viele Sektoren, viele Industrien massiv beeinflussen wird, aber es wird nicht alles zum Negativen sein.
Und deswegen deine eigentliche Frage: Warum glaube ich das? Ich glaube eben, dass dieses kulturelle Fundament, das wir hier in Europa haben, ein sehr starkes ist, dessen Grundfeste nicht so leicht einzuschlagen sind. Und Kultur lebt davon, Reibung zu haben. Während Technologie auf Basis von Algorithmen irgendwo geschrieben und entwickelt wird. Und das sind ja eigentlich nur die Daten, die wir einfüttern. Oder Kultur lebt von Irritation und nicht von Conversion Rates.
Und deswegen glaube ich, dass wir ein europäisches Fundament uns angeeignet haben, aber auch mitbekommen haben auf unseren Weg von Geburt an, die so etwas alles so aus dem, aus den, aus, wie soll ich das sagen? Es ist ja fast so, als würde alles entgleiten, oder? Wenn man Richtung USA schaut. Man ist ja schon von gar nichts mehr überrascht.
Ich habe heute einen Artikel von einem bekannten österreichischen Journalisten gelesen und der meinte, jetzt hat Donald Trump endgültig überzeichnet. Wie kann man sagen, dass man innerhalb der nächsten Stunden die Zivilisation im Iran auslöscht? Und ich habe mich kurz hingesetzt und habe mir gedacht, nicht mal mehr dieser scheußliche Satz dieses Mannes kann mich irgendwie vom Sessel werfen, weil warum? Ich erwarte schon alles.
Und das, glaube ich, würde in Europa nicht passieren. Da gibt es irgendwo noch ein Empfinden, was geht und was nicht geht. Also jede Grenze zu überschreiten, geschmacklos, zerstörend, ohne nachzudenken, was am nächsten Tag ist, welche Menschen das umfasst, das glaube ich, wäre hier nicht möglich.
Fabian Burstein
Das ist ein total interessanter Punkt, weil du da den Brückenschlag machst, eben hin zu dieser Kulturkampf-Thematik. Wir sehen ja hier große Parallelen insgesamt, wie zum Beispiel auch rechtspopulistische Parteien mit Kulturkampf-Themen arbeiten, eben um Grenzen zu verschieben, Schritt für Schritt das über kulturelle Inhalte tun, den kollektiven State of Mind verändern. Dann ist was Ungesagtes plötzlich sagbar, dann verändert das auf subtile oder weniger subtile Art und Weise die Gesamtstimmung in einer Gesellschaft und so weiter und so fort.
Was mich ja viel mehr schockiert an dem, was du beschrieben hast, ist ja nicht, dass wir abgestumpft sind gegenüber Donald Trump zum Beispiel, sondern dass all das, was du siehst und beobachtet hast und analysiert hast, trotzdem nicht dazu führt, dass sich Leute von ihm abwenden. Und das gilt genauso wie für ihn, wie von den sogenannten Tech-Bros.
Und da sind wir auch in einer typischen Kulturdebatte, nämlich die Trennung zwischen, das ist in der Kunst ein Riesenthema, zwischen Werk und Künstler. Das wird ganz oft diskutiert, wenn Leute wie zum Beispiel der Otto Mühl verurteilte Straftäter sind, noch dazu für schwere Sexualstrafdelikte, und dann sich die Frage stellt, kann man das Werk noch rezipieren oder ausstellen oder sehen oder als Kunstwerk sehen.
Und das drängt sich bei mir auf oder diese Frage auch bei dem Wirken dieser Tech-Bros. Da ist es nach wie vor so, dass immer gesagt wird, ja, wir müssen aber schon sehen, das ist ein Genie und der hat das und das grundständig neu erfunden und verändert und das muss man losgelöst davon sehen, dass er im Kern ein faschistisches Gesellschaftsmodell propagiert und so weiter. Wie siehst du das? Kann man das Werk des Tech-Bros von seinem politischen Wirken trennen?
Eveline Steinberger
Das ist natürlich eine sehr schwierige Frage. Und wahrscheinlich gelten dieselben Maßstäbe wie in der Kunst. Ich glaube aber, man muss noch einen Gedanken hier einbringen.
Die Tech-Bros sind eigentlich nicht diejenigen, die für alle oder ganz, ganz viele Vorbilder und Role Models sind. Für einige wenige. Das ist doch auch eine kleinere Community, jetzt im Weltmaßstab berücksichtigt, die diese Menschen anhimmelt.
Hingegen Donald Trump, der hat ja mal Massen begeistert. Okay, die Zustimmungswerte gehen jetzt gerade wieder zurück. Aber er hat zumindest vielen zurückgebliebenen, auf der Strecke gebliebenen, zumindest zeigen das die Fakten und die Statistiken, das Gefühl gegeben, sie gehören auch dazu. Oder das ist ja einer von uns, der spricht so wie wir, der nimmt sich kein Blatt vor den Mund, um es höflich zu formulieren und diplomatisch auszudrücken. Und rettet uns auch ein Stück weit vor allem, was unser Leben und unsere Qualität bedroht. Stichwort andere Nationen. Die nehmen mir die Jobs weg, die zugereist sind. Um ein Beispiel zu geben.
Also da ist schon mal der Unterschied. Ich glaube, deswegen kann man das nicht eins, also diese Figuren kann man nicht eins zu eins vergleichen, aber gerade deswegen glaube ich, beeinflussen Tech-Bros mit ihrem vielen Kapital auch solche Machthaber, um eben ihre Vorteile zu haben.
Jetzt bin ich aber von der eigentlichen Frage abgeglitten. Gib sie mir noch einmal, gib mir noch einmal ein Stichwort.
Fabian Burstein
Ob man das Werk des Tech-Bros von seinem politisch-ideologischen Wirken trennen kann.
Eveline Steinberger
Ich würde gern sagen, ja, weil es wäre natürlich faszinierend, nehmen wir Elon Musk her, wenn er mit seiner SpaceX-Mission erfolgreich wäre, die ja irgendwo davon ausgeht, dass er Sonnenenergie, jetzt sage ich es in ganz banaler Sprache, am Mars einfängt, zur Erde beamt und hier sozusagen dafür sorgt, dass wir genügend Energieressourcen zur Verfügung haben.
Gleichzeitig frage ich mich aber auch, warum wir nicht der Kernfusion mehr Beachtung schenken. Um gleich vorwegzunehmen, für den Zuhörer, Kernfusion hat nichts mit Atomreaktoren zu tun, also da kommt radioaktive Energie nicht mehr vor.
Es geht da um verschiedene Verfahren und eine dieser Verfahren ist laserbestimmt und ermöglicht eben auch eine natürliche Ressource für die Energiegewinnung herzubekommen. Und das funktioniert natürlich auch, denke ich, nur mit künstlicher Intelligenz und den Fortschritten, die wir in dem Bereich machen.
Fabian Burstein
Du meinst also, ja, wir müssen diese Ambivalenz aushalten. Wir müssen aushalten, dass es da Menschen gibt, die auf der einen Seite wirklich etwas substanziell Revolutionäres im positivsten Sinne für die Menschheit auf den Weg bringen und in derselben Person steckt jemand, der hochgradig destruktiv ist und unglaublich viel Leid in Kauf nimmt und auch entwertend gegenüber Menschen im großen Stil ist.
Eveline Steinberger
Das habe ich nicht gesagt. Keinesfalls. Ich würde gerne die Annehmlichkeiten dieser Verrückten nehmen und ein Konzept entwerfen, die dieses Verhalten einfach nicht mehr dulden und zurückdrängen. Es muss doch beides möglich sein, denke ich mir.
Fabian Burstein
Aber da sprichst du einen total wichtigen Punkt an. Das ist der Punkt der Regulierung. Also sprich, dass wir uns ein Werte- und Normensystem geben, wo man sagt, okay, selbst wenn die Versuchung da wäre, das, was ich jetzt so provokant in diese zwei Pole aufgeteilt habe und gesagt habe, müssen wir beides aushalten, wo du sagst, nein, wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, dass es gar nicht möglich ist, dass wir uns die Frage stellen, ob wir beides aushalten müssen, weil der eine Pol gar nicht möglich ist.
Das widerspricht aber ganz massiv tatsächlich dem Narrativ der europäischen Start-up-Kultur, die immer sagt, wir müssen deregulieren. Wir müssen den amerikanischen Weg gehen, wo es viel weniger Regeln, viel weniger Instanzen gibt, wo wir in den Flow kommen und so weiter. Wie siehst du das?
Eveline Steinberger
Vollkommen verstanden, Fabian, aber da gibt es nicht nur schwarz und weiß. Da gibt es ganz, ganz viele Grautöne.
Okay, ich bin auch dafür, dass wir Bürokratie zurückdrängen. Da gäbe es unendlich lange Listen, die abzuarbeiten sind. Aber völlig zu deregulieren und alles sozusagen dem Privaten und dem, wer stärker ist, das Recht des Stärkeren zu überlassen, das halte ich für einen Irrweg, eine verfehlte Diskussion überhaupt.
Und deswegen braucht es halt diesen Mittelweg. Ich kann halt gewisse Geschäftsmodelle zum Glück nicht einfach blind durchsetzen und sämtliche, nehmen wir den Datenschutz her oder Privatsphäre auch zu beachten, über den Haufen werfen. Das ist ja teilweise auch dabei angesprochen, nicht?
Fabian Burstein
Ja, und du streifst wieder intuitiv auch ein großes Thema tatsächlich der Kunst- und Kulturwelt. Da gibt es ja in beiden Welten so ein bisschen so Blasenphänomene, wo es auch gewisse Erwünschtheiten gibt.
Und ich kann auch jetzt mal aus der Kunst- und Kulturblase berichten, wenn man da sich so ein bisschen aus dem Fenster lehnt und die Familie beschmutzt, also so ein bisschen Nest beschmutzt wird, dass das nicht goutiert wird. Also das wird nicht als positiver Debattenbeitrag zwingend wahrgenommen, sondern eher so, mein Gott, jetzt wird das nach außen in den Dreck gezogen, wir müssen doch zusammenhalten und so weiter.
Wenn du jetzt so auf diese Art und Weise mit mir zu dem Thema reflektierst und diese Reflexionen entsprechen jetzt nicht unbedingt diesen jungen männlichen tatsächlich Start-up-Narrativen, machst du dir manchmal Gedanken so nach dem Motto, wo kann mir das schaden in meiner Blase, komme ich an ein Investment zum Beispiel nicht mehr ran, wenn man sagt, die ist mir zu kritisch oder so?
Eveline Steinberger
Mir ist das völlig egal. Ich habe mittlerweile die Freiheit erlangt, meine Meinung zu leben, zu denken, auszusprechen. Und wenn mir das nicht zusagt, dann sage ich das auch. Dann gibt es ein übernächstes Investment, wenn ich das nächste nicht bekomme. Außerdem, was liegt mir daran, gegen meine innere Haltung, gegen mein Wertekorsett, gegen ethische Maßstäbe vorzugehen? Gar nichts.
Ich denke, das Wichtige wäre doch viel mehr darüber zu reden, zu diskutieren. Wahrscheinlich wäre das auch an den Stammtischen der Start-ups kontroversiell geführt und würde dann vielleicht das eine oder andere auch beim Gegenüber öffnen. Das vermisse ich ein bisschen.
Ich glaube, es müsste mehr Formate geben, wo man über den Einfluss dieser Aspekte, die ja eigentlich mit der künstlichen Intelligenz, das ist für mich der Aufhänger oder die Basis dafür gekommen sind, all das, was wir heute besprechen, diese Tech-Bros, die so groß geworden sind, das kam mit der künstlichen Intelligenz, mit den Algorithmen, die Technologie eben irgendwann einmal schlauer machen als ein menschliches Gehirn.
Fabian Burstein
Das wäre ja ein Appell, dass man eben in den entsprechenden Formaten, wo ja auch diese Kultur, das ist ja auch längst die Start-up-Welt, ist ja nicht nur eine Wirtschaftswelt, sie ist eine Popkultur geworden. Sie ist ja auch mit der Popkultur groß geworden, mit Videos, mit Musik, mit Games und so weiter und so fort. Also das hängt ja eng zusammen.
Habe ich dich richtig verstanden? Es müsste sich ein bisschen der Fokus erweitern, nennen wir es so, gar nicht mal verschieben, sondern erweitern, dass man eben nicht nur den idealen Pitch, die nächste coole Mindset-Story auf so einer Konferenz bringt, sondern dass man auch bewusst Diskursräume aufmacht und sagt, lasst uns mal über demokratiepolitische Fragen und Start-up-Kultur diskutieren.
Eveline Steinberger
Absolut. Wahrscheinlich findet es hier und dort schon statt, aber ich sehe es noch zu wenig. Und warum nicht damit beginnen?
Ich habe zu Jahresbeginn eine Idee für so ein Tech-Format gehabt und die versuche ich jetzt im Laufe des Jahres auch umzusetzen, weil ich glaube, dass es nicht genügend Gesprächsraum, Klangwolken dafür geben kann.
Und wie du sagst, auch kreativ zu sein, innovativ zu sein, etwas zu erfinden, ist eine Kulturtechnik. Also sind wir da sehr eng miteinander verbunden. Und diese Brücke zu bauen, ist ganz, ganz wichtig, weil dieses Nerdige entsteht ja nur, wenn man nicht zulässt, dass von außen irgendwo auch eine Konfrontation kommt oder man an Grenzen stößt oder etwas anderes aufgezeigt wird als Lösungsweg.
Fabian Burstein
Nun bist du ja, und das ist auch eine interessante Rolle, auch öffentlich sehr exponiert vor dem Hintergrund, dass du in der Jury von zwei Minuten zwei Millionen sitzt.
Das ist, in Österreich werden sie meistens kennen, die, die es nicht kennen, es ist Höhle der Löwen, analog Höhle der Löwen, so ähnlich halt auf Österreichisch.
Die, die das auch nicht kennen, es geht im Prinzip darum, dass eine Jury sitzt und junge Unternehmer und Unternehmerinnen pitchen ihre Unternehmensidee und werben um ein Investment, also dass einer von euch in der Jury einsteigt und mit Cash da mitgeht. Habe ich es richtig?
Eveline Steinberger
Ja, absolut. Und viele wünschen sich auch, Türen geöffnet zu bekommen.
Fabian Burstein
Also nicht nur Cash-Investment, sondern auch Netzwerk und Know-how-Investment von den Personen, die da eben in der Jury sitzen. Nun sind solche TV-Formate natürlich ganz, ganz stark auch von Erwartungen geprägt, auch zu Recht. Das ist ein Produkt, das gemacht wird für ein TV-Publikum. Das muss in gewisse Bilder reinpassen, die auch triggern. Wenn sie mit gewissen Bildern brechen, dann auch sehr kalkuliert, damit es das Format nicht kaputt macht und so weiter.
Wie schwer fällt es dir mit deinem kritischen Background in so einem Format zu funktionieren? Musst du dich da manchmal zusammenreißen und sagen, da würde ich jetzt am liebsten einen Rant loslassen, um das wieder einzunorden? Oder kannst du das sehr sauber trennen und sagen, that's Entertainment, das sind zwei Personas sozusagen?
Eveline Steinberger
Ich gehe nie mit der Erwartung rein, dass das Entertainment ist. Ich gehe rein mit meiner Rolle, mit meiner Positionierung dort. Ich bin Tech-Investorin und versuche eben, so gut es geht, mehr da draußen zu ermutigen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Im Idealfall eine technologische Entwicklung und die dann sehr weit auszurollen, also international zu skalieren. Das wäre der Idealfall.
Aber wenn da draußen morgen die eine oder andere Frau unter Umständen auch sagt, ich gründe jetzt ein eigenes Unternehmen und mache mit meiner Idee jetzt das, was ich mich davor nicht getraut habe, nämlich Kunden suchen, mich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und davon zu leben, dann habe ich schon was erreicht.
Dass der Produktionsfaktor natürlich dort auch noch weitere Eigenschaften bespielen muss, ist mir völlig klar, aber diese Diszipliniertheit habe ich dann schon. Und wenn mir dort etwas nicht zusagt, dann sage ich es in der einen oder anderen Art auch ein bisschen verklausulierter.
Fabian Burstein
Ja, ich bin ja ein treuer Zuseher und ich bilde mir ein, aber das ist wahrscheinlich die Projektion vom halben Publikum, dass sich das einbildet, genau zu spüren, was da für verschiedene Vibes sind. Und ich glaube auch immer so ein bisschen zu spüren, wo die Sympathielinien verlaufen, wo vielleicht weniger. Hat vielleicht damit zu tun, dass in der Jury für mich eine Reizfigur drinnen sitzt. Darf ich dir das ehrlich sagen?
Eveline Steinberger
Unbedingt.
Fabian Burstein
Nämlich der Alexander Schütz, der ja, um das ein bisschen einzuordnen, ja auch eine entscheidende Rolle gespielt hat beim rechtskonservativen Medium Express und auch aufgrund seiner Verbindungen als ÖVP-Spender auch immer wieder in der Kritik gestanden ist. Also da gibt es schon eine Gemengelage, die ich als überaus problematisch empfinde und auch Innerstfigur als sehr problematisch empfinde.
Wie ist das eigentlich? Gibt es da hinter den Kulissen Konfliktfelder, wo man solche Gedanken austauscht und diskutiert? Oder spart man das bewusst aus, um das jetzt nicht in dieser Show zu tragen?
Eveline Steinberger
Das glaubst du mir jetzt vielleicht nicht, aber dafür ist gar keine Zeit. Wir kommen dort an, werden in der Früh sozusagen TV-fit gemacht, also sprich sitzen in der Maske, werden verkabelt und dann geht das durch von morgens bis abends, 10, 11, Bitches pro Tag und dann eben bis zum Ende eines Tages die Konzentration hochzuhalten, jedem Start-up-Team die Möglichkeit zu geben, dass man noch bei der Sache ist.
Das ist eher für mich die Herausforderung und Kunst, diese Aufmerksamkeit und dieses Dabeibleiben und auch noch mit Emotion hier aufzutreten, dass das nicht verloren geht nach dem fünften, sechsten Pitch, damit kämpfe ich eher.
Das soll jetzt nicht ignorant sein. Natürlich lernt man sich abseits auch kennen. Wir gehen zum Beispiel jedes Jahr vor der Weihnachtssaison Skifahren gemeinsam, aber nicht alle sind da immer mit dabei. Der von dir Angesprochene hatte bislang nie Zeit.
Fabian Burstein
Verstehe. Das heißt, man stellt sich das vielleicht ein bisschen mehr sozialer vor, als es tatsächlich ist. Das ist nicht so, dass man dann in der Kantine abhängt, dann noch ein bisschen rumdiskutiert und so weiter. Das ist eher die Ausnahme, es ist jetzt voll auf die Produktion. Auch da wieder eine Parallele, es heißt die Künstler auf Tour quasi im Tunnelblick und.
Eveline Steinberger
Ja, ich würde dir gerne was anderes sagen, aber es bleibt keine Zeit, um hier wirklich ausführlich oder in der Tiefe das eine oder andere nachzubesprechen. Leider.
Fabian Burstein
Da habe ich eine Recherche-Lücke tatsächlich. Ihr investiert ja auch immer wieder in Kombinationen, oder? Also es ist ja nicht immer nur so, dass sagt einer, geht da jetzt rein, sondern ab und zu bilden sich da Allianzen, die auch sehr breit sind. Bist du eigentlich, mit wem aus dieser Gruppe bist du investiert irgendwo?
Eveline Steinberger
Ich glaube, ich habe mit vielen schon gemeinsam investiert, nur nicht mit dem Erich Falkenstein, aber vielleicht täusche ich mich. Das mag daran liegen, er kommt aus dem Tourismus, hat auch ab und zu eine Affinität zu Health, also Gesundheitsbereich, wo ich weniger beheimatet bin mit meinen Investments. Aber mit allen anderen hatte ich schon Co-Investments.
Fabian Burstein
Und das funktioniert aber auch losgelöst von persönlichen Sympathien. Das sind dann halt Geschäftsbeziehungen.
Eveline Steinberger
Da übernimmt meistens einer von uns den Lead bei der Due Diligence. Also wir schauen uns natürlich an, das, was uns erzählt hat, stimmt das? Sehe ich das dann in den Dokumenten, Materialien oder in der Realität hinter dem Bildschirm auch wieder und nehmen wir an, das ist so, dann kommt es zu diesem Investment.
Und bislang hatte ich da keine Probleme oder wenig Berührungspunkte. Du musst dir das so vorstellen, wir übernehmen da oft nicht jetzt die größte Rolle in diesem neuen Unternehmen. Wir sind ein kleiner Anteilseigner und dann kommuniziert man mehr mit dem Gründerteam und mit dem Fortkommen dieses Geschäftsmodells. Darum ranken sich die Gespräche, aber weniger jetzt mit den Co-Investoren.
Fabian Burstein
Verstehe. Lass mich zu einem anderen Punkt kommen. Wir haben jetzt schon so oft den Begriff der Tech-Bros in den Mund genommen und es gibt aber nicht den Begriff der Tech-Sis, also der Tech-Sisters, was für mich schon sehr bezeichnend ist, dass dieses Konzept der Tech-Bros nicht nur eine Beschreibung ist von, das sind halt lauter Jungs, die das machen, sondern schon auch ein Sinnbild für eine extrem männlich geprägte Kultur, wo es viel um Dominanz geht, viel um Egos, viel um Selbstvermarktung.
Im Übrigen alles Dinge, die auch Kulturmanagern zugeschrieben werden. Also das ist auch wieder eine große Verwandtschaft, dass die, die vorwiegend in die großen Machtmissbrauchsskandale verwickelt sind, Männer, Cult-Bros, als Analogie zu den Tech-Bros.
Wie wirkt sich diese Kultur tatsächlich oder dieses Bild tatsächlich auf Gründerinnen aus, die ständig mit dieser Prose konfrontiert sind und sich damit abfinden müssen, dass es nicht einmal einen Begriff gibt dafür, dass es auch viele Investorinnen gibt?
Eveline Steinberger
Ja, richtig, Investorinnen, vielleicht auch Gründerinnen.
Fabian Burstein
Gründerinnen auch, natürlich.
Eveline Steinberger
Das ist absolut ein Thema. Du sprichst da etwas an, was uns schon seit jeher begleitet. Auch diese Industrie, dieser Sektor ist wahnsinnig männlich. Das mag vielleicht irgendwann einmal damit begonnen haben, dass die typischen Universitätsstudien oder das Befassen mit Coden und Programmieren eher immer den Jungs zugeordnet wurden. I don't know why. Ich weiß es nicht.
Ich habe meine Tochter auch immer versucht zu motivieren, schon früh in solche Coding-Camps zu gehen. Sie hat es gehasst. Und man soll ja Stärken verstärken und nicht etwas beibringen, wofür man nicht brennt. Also ich habe es dann auch sehr schnell wieder aufgegeben, aber ich habe es zumindest versucht. Also irgendwo ist das, es liegt nicht nur an uns Frauen, möchte ich damit sagen, weil wir anders an die Dinge herangehen oder vielleicht uns auch nicht in dieser Vielzahl damit beschäftigen.
Aber ich würde sagen, dass uns das deswegen nicht schwächer macht. Wir gehen unseren Weg, wir machen unser Ding, wir kritisieren auch, wenn uns das überhaupt nicht zusagt.
Ich habe schon seit Jahren aufgehört, in Teams zu investieren, wo ich das Gefühl habe, beim Kennenlernen, da stimmt etwas nicht mit den Charakteren. Die können dann noch so brillant sein, in einer technischen Art und Weise, aber wenn menschlich es nicht funkt, dann mache ich einen Bogen drum. Da habe ich schon jede Erfahrung auch gehabt, wie schief das gehen kann. Ich investiere dann einfach nicht in solche Teams.
Fabian Burstein
Das heißt, da trennst du eben nicht zwischen Werk und Charakter, sondern du sagst, ich habe für mich entschieden, ich will, dass beides passt.
Eveline Steinberger
Das ist ganz, ganz wichtig, weil ich gelernt habe, ich bin ja ein Frühphasen-Investierer, also ich komme sehr früh zu solchen Geschäftsmodellen, wo die noch überhaupt nicht die Marktreife oder den Erfolg schon absehen lassen können. Und deswegen hängt das immer so sehr an Menschen. Und wenn mit dem Mensch was nicht stimmt aus meiner Sicht, dann möchte ich nicht mit diesen Leuten arbeiten, auch wenn das unter Umständen erfolgreich sein könnte, weil ich mich nicht damit identifizieren kann.
Ich möchte nirgends dabei sein, wo ich keinen Spaß habe. Und ich denke, das ist mittlerweile keine Einzelhaltung. Und das gilt natürlich auch für männliche Investoren in gleicher Art und Weise. Ich glaube auch im Übrigen, dass sich das nicht ewig durchsetzen wird. Auch unsere Branche wird sich da einproofen, sozusagen.
Und es wird auch ein Werte-Korsett, einen ethischen Kompass geben, der uns wieder mehr bestimmt, desto mehr von diesen Negativbeispielen wir sehen. Man sieht es ja jetzt auch anhand der Debatte Machtmissbrauch im Sinne von sexualisierten Vorgehen, ob das jetzt am Arbeitsplatz ist oder wo auch immer, oder im Netz, digital. Wir verfolgen ja all die öffentlichen Diskussionen darum. Und ich glaube, diese Diskussionen lösen auch in anderen Feldern und ganz besonders auch in der Technologie-Szene einiges aus.
Fabian Burstein
Aber lass uns mal diese positive Utopie verfolgen, dass das Kulturkampf-Pendel quasi zugunsten einer diversen Szene ausschlägt. Da muss man ja dann auch wieder aufpassen, dass man nicht sagt, wie würde dann eine weibliche Szene ausschauen und damit das so wieder so Gender-Stereotype-Zuschreibungen macht, ja, sie wäre dann weicher oder was weiß ich was. Darum lass uns lieber ein anderes Bild zeichnen.
Wie würde so eine Gründerinnen- und Investorinnen-Szene denn aussehen bei Themenwahl, bei Arbeitskultur, bei Risikoverständnis, bei gesellschaftlicher Verantwortung, wenn wir es schaffen würden, auch auf dieser Ebene eine gewisse Form von Gleichberechtigung und Ausgewogenheit herzustellen?
Eveline Steinberger
Ich glaube, wie du schon gesagt hast, ich sehe das jetzt auch nicht als Gender-Fight. Möchte ich auch gar nicht in diese Kategorie da auch gegeben werden, sondern es ist immer eine Balance. Und eine Frau kann genauso tough sein und vielleicht allgemein betrachtet harte Entscheidungen treffen, die nicht jeder Frau oder jedem Mann gefallen. Also insofern, um diese Charakterzuschreibungen geht es mir gar nicht.
Es geht mir aber um Machtmissbrauch und es geht mir auch um Umgangsformen. Ich kann mit meinem Team auch positiv umgehen. Ich kann sie positiv motivieren, den Weg mit mir zu gehen und das Unternehmen voranzubringen, Erfolg zu haben. Und insofern ist es, glaube ich, mehr eine Frage, wie man das aufsetzt.
Aber nicht, man kann jetzt wahrscheinlich demokratischer, das traue ich mich schon zu sagen, viel mehr zu kommunizieren darüber, also es nicht einfach stillschweigend zu tun und alle sollen hinterherlaufen, sondern viel mehr darüber reden, warum und wieso tut man etwas. Und ich denke, am Ende des Tages hängt es auch ein bisschen damit zusammen.
Ich habe mich immer gefragt, ob es auch eine digitale Kulturpolitik brauchen würde. Am Ende des Tages hängt es auch damit zusammen, mehr Frauen in diesem politischen Bereich zu sehen und wirken zu lassen. Dass die Diversität und die Ausgewogenheit und die Balance auch dorthin kommt, weil die beeinflusst natürlich dann auch wieder, welche Regeln, welche Strukturen und welche Governance wird gebaut.
Fabian Burstein
Digitale Kulturpolitik, ein ganz wichtiges Schlagwort mit der kleinen Fußnote, dass wir leider oft nicht einmal insgesamt eine Kulturpolitik haben, die man sozusagen wahrnimmt in den Regierungsprogrammen etc. Aber es wäre natürlich ein Schlüssel, um Kulturpolitik, und das ist ein interessanter Punkt, dazu müssen wir dann die nächste Folge machen, um Kulturpolitik vielleicht auch insgesamt wieder relevanter zu machen, über das trojanische Pferd der digitalen Kulturpolitik, weil der Zeitgeist würde das befördern, da würde es vielleicht mehr Affinität, mehr Verständnis, mehr Öffentlichkeit geben etc. Und über diesen Flaschenhals könnte man dann vielleicht insgesamt mehr erreichen.
Wir sind bei einem wichtigen Stichwort, Politik. Du hast dich immer wieder auch politisch positioniert. Du hast dich in Kommentaren etwa zur Rolle Israels und Europas Haltung zu Israel sehr, sehr klar positioniert. Du hast dich zu Themen, wie man, also dass man zum Beispiel, du hast gefordert, dass man Terror nicht durch falsche Neutralität stärken sollte.
Was hat dich dazu bewegt, dich als Investorin und Unternehmerin, die ja auch sehr abhängig ist von vielen Kräften, die auf einen wirken, dich öffentlich so deutlich zu äußern, nämlich in einer Szene, die ich persönlich eher als unpolitisch wahrnehme?
Eveline Steinberger
Ich habe mich das selbst nie gefragt. Das steckt offenbar in mir. Ich kann zu gewissen Themen, die gesellschaftspolitisch relevant sind und natürlich auch mein Handeln, mein Tun, mein Wirken beeinflussen, tagtäglich, weil du Israel angesprochen hast. Das kann ich nicht außen vor lassen.
Und dann natürlich bin ich auch so sozialisiert worden. Meine Familie ist auf ihre Art und Weise immer politisch gewesen. Das habe ich von klein auf gelernt, mich auch zu positionieren und zu kommunizieren. Und das ist mir offensichtlich nicht abhanden gekommen.
Und die Konsequenzen daraus, also ich habe noch nie daran gedacht, dass mir dann jemand die Tür zuschlägt und das wäre für mich verheerend. Das ist natürlich passiert, ja. Also diese.
Fabian Burstein
Wer zum Beispiel?
Eveline Steinberger
Ich nenne jetzt keinen Namen, bewusst keinen Namen.
Fabian Burstein
Ein Versuch war es wert.
Eveline Steinberger
Ja, aber ich kann schon ein Beispiel geben.
Nachdem ich mich immer sehr klar positioniert habe im Gaza-Konflikt, wo ich stehe, nämlich an Seite Israels. Das muss nicht heißen, dass ich jetzt mit der Politik dort zufrieden bin, aber ich werde immer das Land und die Menschen, die mir wichtig sind, an deren Seite stehe ich.
Und da haben mir einige dann natürlich auch gesagt, also in jüdische Organisationen investieren wir im Moment nicht. Und damit muss man dann auch leben können.
Fabian Burstein
Und damit lebst du dann auch?
Eveline Steinberger
Damit lebe ich auch, ja, okay. Dann weiß ich, woran ich bin. Ich verstoße dann diese Menschen nicht aus meinem Leben, aber ich weiß, woran ich bin.
Fabian Burstein
Ich lese da noch immer mit, wenn du zum Beispiel, ich glaube, im Standard ist ja in dieser Israel-Frage ein sehr ausführlicher Kommentar von dir erschienen. Das war der Standard, ja. Ich lese dann auch mit in den Kommentarspalten. Ich verfolge immer, was die Gästinnen quasi, was da so passiert, ja.
Eveline Steinberger
Du hast die Kommentare gelesen.
Fabian Burstein
Ich lese bei sowas auch.
Eveline Steinberger
Ich habe gelernt, als Frau an der Seite eines Politikers, dass man die Kommentare nicht lesen sollte.
Fabian Burstein
Ja, wahrscheinlich ist das auch klüger, wenn man selbst betroffen ist. Das muss ich auch dazu sagen, nachdem ich die Kommentare gelesen habe und darauf zielt meine Frage ab.
Hier am Bühneneingang war auch schon öfters das Thema der Shitstorms da, weil das ist etwas, das treibt Kunst- und Kultureinrichtungen wahnsinnig um, weil sie ja immer mit Inhalten zu tun haben, wo es schnell kippen kann und wo dann plötzlich eine völlige Eskalationsspirale losbricht, wenn es um kulturelle Aneignung geht, um Sensibilität gegenüber anderen Kulturen, über falsch verstandene, vermeintlich falsch verstandene Sensibilität etc. Also ich glaube, du weißt, was ich meine.
Was ich dich fragen will, ist, hast du da eine gewisse Grundresilienz oder wird dir da auch manchmal Angst und Bang als öffentliche Person?
Eveline Steinberger
Das wurde ich gerade vor kurzem auch gefragt. Und ich glaube nicht, dass ich jetzt so abgehoben oder ignorant bin, aber ich hatte noch nie das Gefühl, einem Shitstorm ausgesetzt zu sein. Noch fühle ich mich von Kommentaren anderer oft so unter Druck gesetzt, dass es schon mir nahe geht. Das ist, denke ich, weil es wirklich nicht so schlimm ist. Nicht, dass ich jetzt die schönreden möchte, die wirklich unter der Gürtellinie sind. Ich gebe dir ein Beispiel, weil es mir auch ein Herzensanliegen ist, das noch einmal zu erwähnen und dazu etwas kurz zu sagen. Wir haben in Österreich ja immer wieder die Quotendiskussion für Aufsichtsräte, vor allem auch öffentlich gelistete Unternehmungen.
Und der Nationalrat hat vor kurzem beschlossen, die Quote zu erhöhen von 30 auf 40 Prozent. Und es gibt eine in der Essensvertretung dieser gelisteten Unternehmungen in Österreich, Aktienforum, und der Geschäftsführer hat eine Presseaussendung verschickt an die offensichtlich Mitglieder, wo man sich damit gebrüstet hat, dass man Schlimmstes verhindert hat. Weil ich will jetzt nicht die Details da alle wiederholen, weil man offensichtlich diese Regelung erst 2027 umsetzen muss etc. Aber was regt mich und viele, viele andere Frauen so auf, das ist der Umstand, dass es eine Organisation gibt, öffentlich gelistete Unternehmungen, wo man diese Geisteshaltung hat, dass eine ausgewogene Besetzung von Führungspositionen oder Aufsichtsratspositionen nicht State of the Art sein müsste.
Wir schreiben das Jahr 2026. Hey, warum muss ich darüber diskutieren, bei gleicher Qualifikation eine Frau für den Job herzunehmen? Wie oft höre ich noch von Technologieunternehmungen, Start-ups, ja, aber für den Job habe ich halt keine Frau gefunden. Es ist ein Blödsinn. Dann suchst du falsch. Und was ich damit eben auch sagen möchte, da habe ich blöde Kommentare gekriegt und unter anderem auch unter der Gürtellinie. Aber ich versuche dann, cool zu bleiben und professionell zu antworten.
Aber antworten tue ich meistens, weil das lasse ich mir dann nicht nehmen. Ich rede jetzt nicht von Medien, die du vorhin erwähnt hast, wo viel mehr Kommentare auch eingeworfen werden. Ich rede von LinkedIn beispielsweise, in dem zitierten Beispiel.
Fabian Burstein
Ich habe dich das das letzte Mal schon gefragt. Hast du manchmal das Gefühl, dass du in deiner Rolle als jetzt wirtschaftstreibende Unternehmerin, Investorin, ja auch Mitgründerin, also du gründest ja selber auch immer wieder Dinge, dass du da irgendwann mal in deiner Wirkmacht an eine Grenze stößt und eigentlich gerne in die Politik rüberschwappen würdest?
Eveline Steinberger
Da bin ich viel zu undiplomatisch. Ich bin gerne, was ich bin, sonst wäre ich das nicht. Ich glaube, so selbstbewusst kann ich hier antworten. Hätte ich in die Politik gewollt, hätte ich das längst getan. Da sehe ich mich nicht. Aber ich habe eine laute Stimme und ich habe zum Glück auch einen sicheren Bereich, was das Wirtschaftliche anlangt, dass ich meine Stimme laut werden lassen kann. Und warum das nicht nützen?
Fabian Burstein
Lass mich noch einmal kurz in diese Grauzone eben zwischen Start-up, Wirtschaftswelt und Politik vordringen. Es gibt etwas, das ich nicht verstehe. Und das betrifft tatsächlich das Narrativ, das sich rund um den ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz entwickelt hat. Und ich frage mich, ob du da vielleicht Licht ins Dunkel bringen kannst, weil du diese Szenen kennst, wie die ticken und so weiter.
Was ich bis heute nicht verstehe, ist, da hat sich das Bild etabliert eines Investors in gewisser Weise. Also als jemand, der in die unternehmerische Rolle jetzt reingegangen ist, im großen Stil Geld investiert etc. Nun wissen wir aus diversen Politikneiddebatten, dass jetzt Politikerinnen und Politiker nicht schlecht verdienen, aber sie verdienen nicht so, dass man sagen würde, da hast du ausgesorgt, bist ein reicher Mensch und kannst auf Ewigkeiten davon leben, geschweige denn als Großinvestor auftreten. Woher kommt diese Kohle?
Eveline Steinberger
Ich bin jetzt mit Sebastian Kurz nicht so eng, dass ich dir diese.
Fabian Burstein
Das habe ich vermutet, aber ich habe den Gedanken, vielleicht hört man das irgendwo.
Eveline Steinberger
Beantworten könnte. Vielleicht hat er Familie, die Kapital zur Verfügung gestellt hat. Vielleicht sind es aber auch seine Zugänge und Netzwerke, die er für die Unternehmungen öffnet, in denen er dann Anteile erhält, statt Münzen einzuwerfen. Also da gibt es viele Möglichkeiten.
Fabian Burstein
Aber es ist schon so, dass es eine Art von Kapitalisierung gibt, die jenseits von Kohle passiert.
Eveline Steinberger
Das soll immer wieder der Fall sein, ja.
Fabian Burstein
Ja. Ich frage noch aus einem anderen Grund zu der Personalie, weil ja Sebastian Kurz auch viel in der israelischen Tech-Szene umtriebig ist und du ja dort auch ein ganz massives Standbein hast in Tel Aviv, bist dort sehr aktiv, auch sehr lange schon in der dortigen Szene beheimatet.
Wie werden solche Figuren dort beurteilt? Ist das ein Newcomer, der geschätzt wird? Ist das jemand, den man ein bisschen komisch anschaut und sich denkt, was macht er da überhaupt plötzlich? Warum taucht er da auf? Wie darf man sich das vorstellen?
Eveline Steinberger
Also zum einen weiß ich das tatsächlich von ihm persönlich. Sein Engagement hat er mir mal geschildert und in welches Unternehmen oder in welche Unternehmen er investiert ist.
Unsere Wege hätten sich unabhängig davon in Israel nicht gekreuzt, muss ich sagen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich in andere Segmente investiere oder auch in anderen Netzwerken und Kreisen etabliert bin.
Aber es hat mich von meinen Geschäftspartnern noch nie jemand so direkt auf seine Rolle als Investor in Israel angesprochen. Das passiert mehr hierzulande.
Fabian Burstein
Tatsächlich. Also das ist ein österreichisches Phänomen, aber jetzt nicht, dass du sagst.
Eveline Steinberger
Das will ich gar nicht sagen, aber ich persönlich werde in Israel von und ich bin jetzt seit gut zehn Jahren im israelischen Ökosystem sehr intensiv unterwegs mit Venture-Capital-Firmen, mit Start-ups, Universitäten, zum Teil auch Institutionen, die man bei uns als Kammern oder industriellen Vereinigungen bezeichnen will. Aber sehr selten werde ich auf Sebastian Kurz angesprochen.
Fabian Burstein
Wir kommen langsam ans Ende einer jetzt intensiven Stunde. Ich schaue gerade auf unseren Timeslot. Ich will dich wie immer nicht gehen lassen, ohne zu verstehen, was wir als Kunst- und Kulturbranche denn tun können, damit Menschen wie du in Unternehmungen, in Ideen, in Initiativen etc. investieren.
Weil seit unserem letzten Treffen ist ja doch wieder einiges an Zeit vergangen. Also vielleicht hast du da neue Erkenntnisse gewonnen. Was würdest du den Hörerinnen, die in dieser Branche arbeiten und agieren, raten, was müssen sie tun, um diese Finanzierungssäule stärker zu erschließen?
Denn es hat schon einen realen Hintergrund. Wir gehen gerade durch ein großes Sparpaket, das sich massiv auf die öffentliche Kulturfinanzierung auswirkt und auswirken wird. Und da ist das ja total von Relevanz.
Eveline Steinberger
Das ist total von Relevanz. Und wie jeder Sektor muss sich natürlich auch der Kunstbereich darauf einstellen, dass das Digitale nicht mehr wegzudenken ist. Das heißt, diese hybride Form, wie man in der Kunst arbeitet, muss in Zukunft einhergehen, hybrid mit künstlicher Intelligenz. Das heißt, man muss viel mehr das verweben können. Ohne das wird es nicht mehr gehen.
Und da muss man sich zum Teil auch neu erfinden. Da muss man flexibel sein. Da muss man lernbereiter sein, wenn man jetzt davon ausgehen muss, dass einige der Narrative, die diese Zukunftsforscher erzählen, auch genauso kommen. Muss man darauf vorbereitet sein.
Da muss man viel aufmerksamer, kritischer denkend herangehen und diese Empathie auch für künstliche Intelligenz gewinnen. Das gebe ich als Ratschlag mit. Dann sind wir Tech-Investoren, die sich gerade ein bisschen länger schon mit KI beschäftigen, auch interessiert, in diesem Bereich zu investieren.
Fabian Burstein
In diesem Sinne, vielen lieben Dank, dass du eine Stunde investiert hast, um wieder am Bühneneingang Rede und Antwort zu stehen. Das war sehr, sehr spannend. Und das nächste Thema haben wir ja schon festgezurrt, digitale Kulturpolitik. Vielen lieben Dank.
Eveline Steinberger
Sehr gerne, Fabian. Danke.
Fabian Burstein
Danke, dass ihr beim Bühneneingang vorbeigeschaut habt. Ich würde mich freuen, wenn ihr den Podcast abonniert, in eurem Netzwerk teilt und auf der Plattform eures Vertrauens mit fünf Sternen bewertet.
Feedback und Geschichten aus dem Inneren des Kulturbetriebs sind natürlich herzlich willkommen. Schreibt mir am besten eine E-Mail. Die Adresse findet ihr auf www.buehneneingang.at, buehneneingang mit ue. Alle Nachrichten werden natürlich streng vertraulich behandelt.
Dort, auf www.buehneneingang.at, gibt es auch einen Link zu Steady. Mit einer Steady-Mitgliedschaft könnt ihr diesen Podcast unterstützen und habt ein garantiert werbefreies Hörerlebnis. Außerdem lasse ich mir immer wieder neue Packages für Mitglieder einfallen.
In diesem Sinne, bis hoffentlich bald am Bühneneingang.

Autor:in:

Livio Koppe

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