Die Dunkelkammer
Ein gigantisches Google-Datenzentrum in einer kleinen Gemeinde in Oberösterreich. Und viele offene Fragen.

Von Edith Meinhart. Kronstorf liegt an der oberösterreichischen Enns. Rund 3500 Menschen leben hier. Geht es nach ÖVP-Bürgermeister Christian Kolarik baut seine Gemeinde entschlossen an der Zukunft. Dazu gehört ein Datenzentrum des Tech-Riesen Google. Hyperscaler heißen diese extrem großen Anlagen, die enorme Mengen an Strom brauchen - nicht zuletzt, weil wir immer mehr Künstliche Intelligenz für uns arbeiten lassen -, aber auch Unmengen von Wasser zur Kühlung. Außerdem versiegeln sie große Flächen Boden. International wächst der Widerstand gegen neue Datenzentren. In Kronstorf ist es überraschend ruhig. Thomas Fink, der als normaler Bürger auf das Bauvorhaben gestoßen ist, hat viele Fragen: Wie wirkt sich das Bauvorhaben auf die Umwelt, die Region, das Stromnetz aus? Noch stehen viele Antworten aus.


Edith Meinhart
Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge der Dunkelkammer, mein Name ist Edith Meinhart. Heute geht es um das Datenzentrum, das der US-Tech-Gigant Google im oberösterreichischen Kronstorf errichtet. 2008 haben Bauern Ackerland im Ausmaß von 70 Hektar an Google verkauft, das ist 20 Jahre her, danach ist lange nichts passiert, sieht man davon ab, dass Google irgendwann 20 Hektar wieder abgetreten hat, hier baut inzwischen die Drogeriehandelskette dm. Es ist immer noch ein Riesenareal von 50 Hektar für Google übrig geblieben, und auf diesem wird nun gebaggert und gebaut, beziehungsweise: Im Moment stehen die Maschinen still, das hat damit zu tun, dass vor ein paar Monaten die Finanzpolizei auf der Baustelle vorbeigeschaut hat und einiges im Argen vorgefunden hat, dazu gleich mehr. Das ändert aber nichts daran, dass in Oberösterreich derzeit eines der größten Google-Rechenzentren in Europa aus dem Boden wächst, nicht zuletzt, weil wir alle immer mehr künstliche Intelligenz für uns arbeiten lassen. So enorm das Vorhaben ist, so gravierend womöglich seine ökologischen, wirtschaftlichen und geostrategischen Folgen, so medial unaufgeregt ist es bisher um das Google-Rechenzentrum in Kronstorf geblieben. Es gibt ein paar Berichte in regionalen Medien, einige wenige in österreichweiten. Was so ein riesiges Datenzentrum für Kronstorf und darüber hinaus für Österreich bedeutet, scheint noch recht unklar zu sein. Ist dieses Investment gut für die Region? Ist es gut für uns alle? Rechenleistung ist die neue Währung einer Volkswirtschaft, heißt es. Gleichzeitig wächst in den USA, aber auch quer durch Europa der Widerstand gegen Hyperscaler, so nennt man extrem große, hochskalierbare Rechenzentren, die von Tech-Giganten wie Google, Amazon, Microsoft oder Meta betrieben werden. Denn sie brauchen enorme Mengen an Strom, sie müssen mit Wasser gekühlt werden, sie versiegeln große Flächen Boden, und sie erhöhen die Abhängigkeit Europas von den USA. Ich habe heute einen Gast, den all diese Themen schon eine Weile umtreiben, Thomas Fink, schön, dass Sie da sind.

Thomas Fink
Hallo, herzlich willkommen und ja, danke für die Einladung.

Edith Meinhart
Sie sind als normaler Staatsbürger und eher zufällig auf das Google-Datenzentrum gestoßen, wie hat sich denn das ergeben?

Thomas Fink
Das hat sich aus dem Privaten ergeben. Die Familie meiner Frau stammt aus Kronstorf und lebt noch dort. Und ja, seit ich diesen Ort kenne, gibt es diese Geschichte rund um diese Grundstücksfläche, die Google zuzuschreiben ist, und das war immer sehr abstrakt. Und seit ungefähr einem halben Jahr ist es sehr aktiv geworden. Da hat es geheißen, es gibt jetzt bald eine Baugenehmigung, und da wird ein Rechenzentrum gebaut. Und dann ist erst schön langsam bekannt geworden, um welches Projekt es sich handelt. Und da habe ich dann eben zu fragen begonnen, wie groß, worum geht es da wirklich, was ist da im Großen und Ganzen geplant, und habe festgestellt, dass da kaum, also die Bürger des Ortes oder auch in der Umgebung, kaum Antworten geben konnten.

Edith Meinhart
Das heißt, es gibt viele Gerüchte, wenig Informationen.

Thomas Fink
So war es zumindest vor einigen Monaten noch. In den letzten paar Monaten ist dann sehr viel passiert. Es gab ja den Baubeginn und eben auch wieder den Baustellenstopp. Mittlerweile glaube ich wieder Baubeginn Karfreitag. Meines Wissens sind die Maschinen wieder losgefahren. Und parallel zum Baufortschritt gibt es auch immer mehr Informationen, auch in den Medien. Und da habe ich dann auch, da hat sich die Dimension des Projektes auch ständig verändert, was natürlich die Fragen jetzt weniger beantwortet als noch mehr Fragen erzeugt hat.

Edith Meinhart
Das heißt, Sie haben einen persönlichen Anstoß gehabt, sich in das Thema reinzuknien. Was ist denn der Wissensstand jetzt in Kronstorf? Wie wird das Vorhaben in der Gemeinde aufgenommen?

Thomas Fink
Der derzeitige Wissensstand, zumindest wenn man mit den Personen vor Ort redet, ist, dass es sich um ein sehr großes Datenzentrum handelt, dass das Datenzentrum eine Stromabnahme von mindestens einem Terawatt pro Jahr haben wird. Und zeitweise wird auch von drei Terawatt gesprochen. Das sind alles sehr große Dimensionen. Der Wissensstand ist, dass Google bereits vor Jahren in einer quasi Nebenbaustelle eine Zu- und Ableitung zu Enns gebaut hat und auch bewilligt bekommen hatte, dass das Datenzentrum vorwiegend mit Wasser aus dem Grund, also das gehört zu so einer, glaube ich, wird von der Traun und von der Enns gespeist, wird vorwiegend Grundwasser entnommen und dass sie auch einige Brunnen bewilligt haben, die sie dann verwenden dürfen. Die Dimension dieser Brunnen, das ist auf meine Anfrage ans Land gewesen, wie viel Wasser hier entnommen werden soll, ist in Summe ungefähr 200 Liter pro Sekunde. Und der Wissensstand vor Ort ist auch, dass das Projekt sehr grün ist, dass die Dachflächen begrünt werden sollen und dass das relativ harmlos sein soll.

Edith Meinhart
Und was halten die Gemeindebürger von dem Vorhaben?

Thomas Fink
Also mein Eindruck ist, dass in den letzten Wochen, wo vor allem das jetzt gebaut wird, wo die Dimension sichtbar wird und auch wo, nachdem in der Presse einiges auch berichtet wurde, dass die Skepsis mittlerweile sehr groß ist. Ich glaube, dass einige Menschen im Ort auch gegoogelt haben, was das bedeutet, was diese Dimension von über ein Terawatt Strom bedeutet. Man muss sich auch vorstellen, dass ja ein Datenzentrum die Energie zu 100 Prozent in Wärme umwandelt. Da gibt es keinen anderen Output aus Wärme, und das muss gekühlt werden. Und da ist die Skepsis mittlerweile sehr groß. Erstens, ob diese Wassermengen, die vorhanden sind, ausreichen, ob das Wasser dann zurückgeführt werden soll in die Enns, ob das ökologische negative Auswirkungen hat und natürlich auch, wie das mit dem Stromverbrauch insgesamt ausschaut. Denn was wirklich sichtbar ist und was so ungefähr vor einem Jahr gut sichtbar war, ist ja die Zuleitung zu Strom, also von Strom zur Baustelle. Es wurden riesige, es wurde eine neue Stromleitung gebaut, ein vor Ort befindliches Kraftwerk bei Ernst Hofen. Das reicht bei Weitem nicht aus, um den Strombedarf zu speisen.

Edith Meinhart
ÖVP-Bürgermeister Christian Kolarik, der 2021 auch im oberösterreichischen Landtag vertreten ist, sieht vor allem eins: eine Investition in die Zukunft. Die Drogeriehandelskette dm baut auf dem Areal nebenan um bis zu 230 Millionen Euro ein Verteilzentrum, das 2028 fertig sein soll. Außerdem errichtet der Netzbetreiber Austrian Power Grip (APG) vor Ort einen 220 kV Versorgungsring. 210 Millionen kostet allein das Umspannwerk in Kronstorf-Winkling. Die bisherigen 110 kV Leitungen sind über 70 Jahre alt und zu schwach für künftige Aufgaben. Das hat wiederum wesentlich mit der Voestalpine zu tun. Der Stahlkonzern will bis 2050 CO2-neutral produzieren. Nächstes Jahr soll der neue Lichtbogenofen in Linz in Betrieb gehen. Die Technologie ist zentral für die Dekarbonisierung der Industrie und soll eines Tages die alten mit Kohle und Koks befeuerten Hochöfen ersetzen, braucht aber viel mehr Strom, die aus erneuerbaren Quellen kommen sollen. Und last but not least steigt ja auch der Strombedarf durch die Elektrifizierung unseres Alltags, allen voran des Verkehrs, Stichwort E-Auto, um eines von vielen zu nennen. Kurzum, in Kronstorf wird entschlossen an der Zukunft gebaut. Das ist die Version des Bürgermeisters. Können Sie dieser etwas abgewinnen?

Thomas Fink
Also grundsätzlich halte ich es natürlich für richtig, dass man technologieoffen ist und dass man das auch unterstützt. Was ich beim Datenzentrum in Kronstorf halt vermisse, ist ein Benefit für den Ort. Eine grundsätzliche Frage, die sich jetzt vor allem in der Bevölkerung aufgetan hat in den letzten Wochen: Ja, wenn das so viel Wärme produziert, wieso bekommen wir die Wärme nicht einfach? Weil, und das ist auch gut nachzulesen, es gibt ja auch innovative Datenzentren in Skandinavien, wo die Wärme quasi zur Beheizung von Städten benutzt wird. Und bei einem Terawatt reden wir von Dimensionen, da kann man ganz grob gerechnet 300.000 Haushalte beheizen oder eine Million Haushalte mit Strom versorgen. Und also insofern kann ich die Technologieoffenheit des Bürgermeisters, also kann ich grundsätzlich verstehen. Ich sehe aber gerade bei diesem Projekt angesichts der Investitionen eigentlich überhaupt kein Return of Invest. Also es ist ja auch bekannt, dass die Anzahl der Arbeitsplätze, die dann vorhanden sein werden, zumindest ist es so in den Medien kolportiert, um die 100 liegen wird, an 100 Techniker. Das bringt der Gemeinde jetzt als Kommunalsteuer nicht wirklich einen großen Benefit. Also man hat hier wirklich sehr, sehr viel Geld schon in die Hand genommen von Seiten verschiedener Betreiber, Bauer Grid etc. und stellt das Google zur Verfügung. Und meine Frage ist oder die Fragen, die sich auftun: Was hat die Gemeinde davon, außer ökologische oder wirtschaftliche Risiken? Also ich kann das nicht ganz nachvollziehen, dass das alles super ist. Wenn man so eine quasi Kosten-Risiken-Diagramm erstellen würde, glaube ich, dann haben wir einfach sehr, sehr hohe Risiken für das Projekt.

Edith Meinhart
Wir gehen auf die einzelnen Punkte noch näher ein. Gehen wir kurz zurück zum Start, zur Frage: Warum Kronstorf? Was hat seinerzeit den Ausschlag gegeben? Das habe ich sowohl den Bürgermeister Christian Kolarik als auch den Sprecher von Google in Österreich gefragt. Der Bürgermeister hat sehr ausführlich geantwortet. Ich kann seine Antwort leider nur verkürzt hier wiedergeben. Also sinngemäß hat er gesagt, Mitte der 1990er Jahre haben die Bürgermeister von Kronstorf und der Nachbargemeinde Harlitzberg, die damals Josef Heimel und Manfred Huber hießen, den Bau einer neuen Schnellstraße, der B309, als Chance für regionale Entwicklung ergriffen und eine interkommunale Betriebsansiedelungsgesellschaft gegründet, kurz INCOBA. Auch das Land Oberösterreich war mit an Bord. 2016 hat dann Google bei der Austrian Business Agency New York angeklopft. Die Oberösterreicher haben Unterlagen geschickt, und irgendwann ist ein ominöser Besucher vor Ort aufgetaucht, ohne den Namen des Unternehmens preiszugeben, für das er da seinerseits die Fühler ausgestreckt hat. Jetzt springe ich, der Rest ist Geschichte, die der Bürgermeister vielleicht einmal selbst in der Dunkelkammer erzählen wird. Ich habe jedenfalls eine Einladung ausgesprochen. Und nun zur Antwort Googles, die vergleichsweise kurz und knapp ausgefallen ist. Zitat: "Die Auswahl von Standorten erfolgt nach einem umfassenden Verfahren bei den Faktoren wie die Nähe zu Kund:innen und Nutzer:innen, die Verfügbarkeit lokaler Fachkräfte, Lage und Beschaffenheit von Grundstücken, die Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinde sowie die Verfügbarkeit von beziehungsweise das Potenzial für CO2-freie Energie eine wichtige Rolle spielen." Zitat Ende. Herr Fink, wie sieht es denn heute vor Ort auf dieser Baustelle aus?

Thomas Fink
Ja, wild, würde ich sagen. Also es ist eine riesige Fläche, die aufgebaggert wurde und wo in relativ knappen Abständen sehr tiefe Bohrungen stattfinden, um offenbar ein Fundament zu schaffen. Es sind Unmengen an Leitungen, die noch verlegt werden müssen, eben für die Kühlung, schon vor Ort. Also das scheint dann unterirdisch verlegt zu werden. Es sind sehr, sehr viele Maschinen vor Ort. Die Fahrzeuge sind nach meiner Wahrnehmung fast alle aus Irland, also in Irland gemeldet. Und die Baustelle ist großräumig von Securities abgesperrt, mit Beleuchtungen von außen. Es sind sehr viele Generatoren aufgebaut. Und wenn man sich der Baustelle nähert, wird man gleich darauf aufmerksam gemacht, dass hier das Filmen nicht erlaubt ist. Also das ist nicht sehr einladend, das Ganze.

Edith Meinhart
Das ist ja ein riesiges Areal. Man kann sich 50 Hektar ja nicht vorstellen.

Thomas Fink
Ja, das sind einige Fußballfelder groß. Also ich habe da ein Video gemacht und auf Instagram gestellt. Es ist tatsächlich, man fährt schon eine gute Minute mit dem Auto außen herum, und es ist eine ganz schöne Strecke.

Edith Meinhart
Das heißt, man kann das auf der B309 vorbeifahrend filmen?

Thomas Fink
Man kann dort vorbeifahren, man kann dort auch kurz stehen bleiben. Wie gesagt, der Baustelle sich zu nähern, bleibt nicht unkommentiert. Und das Ganze sieht einfach nach einem riesigen Projekt aus. Und man kann sich es sich auch sehr gut vorstellen, weil ja daneben dieses dm-Projekt schon fast fertiggestellt ist. Und ich werde da immer wieder auch angesprochen, wenn ich dort bin, ja, schau, das hat man sich so groß eben nicht vorgestellt. Und dabei ist dm tatsächlich ein Projekt, das doch bedeutend kleiner ist als das, was Google dort bauen wird.

Edith Meinhart
Vielleicht zur Größe noch: Von den rund 50 Hektar, Sie haben das gesagt, in Fußballfeldern, das sind ungefähr sechs Fußballfelder, werden rund 42.000 Quadratmeter verbaut. Google betreibt in Europa derzeit zwölf Datenzentren. Es ist mir nicht gelungen, in Erfahrung zu bringen, wo sich der oberösterreichische Standort da einreiht. Das Datenzentrum in Kronstorf wird jedenfalls zu den größten in Europa zählen, vergleichbar mit Emshaven, 44 Hektar, und viermal so groß wie das Google-Datenzentrum im deutschen Hannau, das hat zehn Hektar. Ein Hektar sind übrigens 10.000 Quadratmeter. Also das, was Sie vorhin gesagt haben, man fährt da eine Minute lang mit dem Auto vorbei, gibt vielleicht die Dimension da etwas wieder. Vielleicht ein Einschub noch: Der Globus ist derzeit von rund 12.000 Rechenzentren überzogen. Mehr als 1.000 gelten als Hyperscaler. Und in den Top 5 der Betreiber sind Amazon, Microsoft, Google, Meta und Apple. Bis 2030 könnte sich die Kapazität dieser gigantischen Anlagen noch verdreifachen, schätzen Experten. Damit steigt auch der weltweite Stromverbrauch und der Bedarf an Wasser, das zur Kühlung benötigt wird. Davon abgesehen fressen die Anlagen sehr viel Fläche. Das ruft Kritiker auf den Plan. Der Widerstand gegen diese riesigen Datenzentren wächst weltweit. Allein in den USA sollen Projekte im Wert von vielen Milliarden US-Dollar blockiert oder verzögert worden sein. Sie verfolgen ja auf Social Media ein wenig die Proteste an europäischen Standorten mit. Da gibt es einiges. Was zeigt sich da?

Thomas Fink
Ich verfolge es vor allem, so hat es begonnen, meine Recherche mit amerikanischen Blogs und mit Projekten, die ähnlicher Größe sind in Amerika. Was alle zusammen, was alle gemeinsam haben, alle Projekte ist, es gibt immer das gleiche Prozedere. Man sucht sich eine ländliche Gemeinde, die sehr gut Infrastruktur, also den Strom, Wasser anbieten kann, die die Fläche sehr günstig hergeben kann und wo man auch politisch offenbar einwirken kann. Denn wenn die Datenzentren mal gebaut sind, dann ist der Widerstand bedeutend größer. Und das kann man tatsächlich auf Social Media sehr gut verfolgen. Es gibt Berichte über Wassermangel, über totale Verminderung von Wasserqualität, über Erhöhung der Strompreise. In Amerika haben sie sicher ein bisschen ein anderes System an Strompreisberechnungen, aber tatsächlich, also es ist lokaler. Die Auswirkung lokal, dass der Strom sehr, sehr teuer wird, ist da. Datenzentren haben enorme Lärmbelästigung. Die laufen 24/7, die ganze Fläche mit auch mit Gebläsen am Dach. Selbst wenn die sehr leise sind, also dann kumuliert sich ja die Lautstärke. Also es gibt da sehr stark negative Auswirkungen bei all diesen Datenzentren auf das direkte Umland, vor allem ökologisch und was die Lebensqualität betrifft. Und in weiterer Folge auch, und das ist schon nachzuvollziehen, dass die Grundstückspreise enorm sinken, vor allem weil die Lebensqualität schlechter wird. Und also der wirtschaftliche Effekt für die Gemeinde ist ja nicht ein positiver, sondern ein negativer. Zumindest ist es in Amerika so. Was ich auch recherchiert habe in diesen Blogs, ist ja, dass die Datenzentren, die müssen ja redundant ausgeführt sein. Das heißt, die Rechenleistung muss im Falle eines Stromausfalls ja auch immer noch zur Verfügung gestellt werden. Jetzt haben viele von diesen Betreibern, vor allem ich glaube Microsoft und auch die Firma vom Herrn Musk, die haben direkt vor Ort auch Gasgeneratoren gebaut, um den Strom dann zu produzieren. Es gibt oft Dieselaggregate. Also das ist einfach keine so saubere Geschichte, wie man sich das quasi grundsätzlich vorstellt. Und in Europa gibt es gerade interessanterweise ein ähnliches Projekt, das in Dummersdorf auch mit hartem Tee interessanterweise geplant ist, das tatsächlich noch bedeutend größer sein könnte als das von Google. Das wird von Amazon geplant, und dort regt sich jetzt tatsächlich schon im Vorfeld großer Widerstand, also es ist medial zu verfolgen, dass die Menschen da Sorge um die Lebensqualität haben.

Edith Meinhart
Ich bin nicht so tief jetzt eingedrungen in die Formen des Widerstands, aber bei oberflächlicher Betrachtung habe ich gesehen, die sind durchaus beeindruckend. Also von wirklich den Niederlanden, wo, glaube ich, ein Metadatenzentrum gestoppt wurde wegen der Stickstoffemissionen. In Amsterdam wurde ein Vorhaben pausiert. In Irland gibt es ein Moratorium bis 2028 wegen des überlasteten Stromnetzes. In Spanien eine Initiative, die sich To Nube Seco Mi Río, also "Your Cloud Dries My River". Lokale Gruppen vernetzen sich da teilweise mit nationalen Umweltorganisationen. In den USA gibt es ein eigenes Data Watch Center, das erfolgreiche Taktiken des Widerstands gegen Hyperscaler teilt. Man setzt da auf Faktenrecherche, auf Transparenz, auf FOI-Anfragen, also Freedom of Information-Anfragen zu Umweltauswirkungen. Man gibt Gutachten in Auftrag und nützt auch alle rechtlichen Hebel, um Datencenter in den Folgen zumindest einzuhegen oder gar zu verhindern. Kommen wir zurück nach Kronstorf. Hier ist es ja noch vergleichsweise ruhig, aber denken Sie, Sie haben es vorhin angesprochen, die Skepsis könnte sich noch in eine Bürgerinitiative, also könnte sich da noch manifestieren?

Thomas Fink
Ich persönlich wünsche es mir natürlich. Ich spüre, dass sich wirklich wöchentlich die Skepsis steigert, vor allem, und das muss man sich ja im Ort auch so vorstellen, also Information war bis vor einem halben Jahr gar nicht vorhanden, weder über die Dimension noch, ja, wie das dann im Detail ablaufen wird. Man hat gewusst, man kühlt über Wasser. Aber das Ganze wurde als sehr ökologisch und nachhaltig dargestellt. Und in der Salami-Technik des Informationsfreigabewerks hier in Kronstorf der Widerstand. Das ist meine Beobachtung. Und ich bin jetzt, soweit es meine Ressourcen zulassen, versuche ich natürlich auch, das Thema in anderen Bereichen zu kommunizieren oder Fragen zu stellen. Und ich merke schon, dass hier offensichtlich sehr lange wirklich wenig Information transportiert wurde und dass sehr viele Menschen jetzt in den letzten Wochen doch sich interessiert zeigen, sich das Thema annehmen und dass das weitergetragen wird. Und ich hoffe, dass der Widerstand so groß ist oder dass auch, beziehungsweise ich wünsche mir als Bürger, wünsche ich mir, dass so viel Information bekannt wird, dass man hier auch ruhigen Gewissens sagen kann, das ist in Ordnung oder das ist nicht in Ordnung. Weil das ist hier die Frage, die ja noch offen ist. Was sind die tatsächlichen Auswirkungen von dem Projekt?

Edith Meinhart
Kommen wir nochmal zum Strombedarf, den Sie mehrfach angesprochen haben. Das Lokalblatt Mein Bezirk zitierte im März den APG-Vorstandssprecher Gerhard Christina, dass das Rechenzentrum zu den größten Abnehmern gehören wird und Spitzen von bis zu 400 Megawatt erreichen könnte. Auf längere Sicht sei eine Ausweitung auf 1.000 Megawatt möglich. Derzeit sind jetzt einmal 150 Megawatt zugesagt von APG. Was heißt das für den jährlichen Stromverbrauch? Ich habe das versucht, für eine 100-prozentige Auslastung auszurechnen. Das wären 150 Megawatt mal 8.760 Stunden pro Jahr, wie gesagt, bei 100-prozentiger Auslastung. Da kommt man auf 1,314 Terawattstunden pro Jahr. Also das, was Sie angesprochen haben vorhin mit dem mehr als ein Terawatt oder bei 80-prozentiger Auslastung, 100 Prozent sind vielleicht nicht realistisch, wären es dann diese ein Terawattstunden pro Jahr. Ich habe in meinem Mail an Google sehr viele konkrete Fragen gestellt, auch zum Energieverbrauch, aber eine eher pauschale, zusammenfassende Antwort erhalten. Die lese ich auszugsweise vor. Zitat: "Also für die Energie, die wir verbrauchen, setzen wir auf erneuerbare Energie. Und wir versuchen, an allen Standorten die durch unsere Rechenzentren entstehende Abwärme für unsere Nachbar*innen nutzbar zu machen." Dann weiter: "In diesem Kontext arbeiten wir eng mit dem Übertragungsnetzbetreiber APG und dem Verteilernetzbetreiber Netz Oberösterreich sowie den lokalen Behörden zusammen, um die besten und nachhaltigsten Lösungen zu finden." Weiters: "Wir möchten außerdem darauf hinweisen, dass Google seit 2017 den weltweiten Energieverbrauch einschließlich Rechenzentren und Büros zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie ausgleicht. Das gilt auch für einen allfälligen Standort Kronstorf." Und Google hat sich aber weit höhere Ziele gesteckt. Bis 2030 soll unser Betrieb weltweit rund um die Uhr, 24/7, mit CO2-freier Energie betrieben werden. Die beste Energie ist diejenige, die gar nicht verbraucht wird. Im Jahr 2024 lieferten die Google-Rechenzentren über sechsmal mehr Rechenleistung pro Einheit Elektrizität als noch vor fünf Jahren. Das ist das Statement von Google. Beeindruckt Sie das?

Thomas Fink
Also nein. Mich beeindruckt wirklich die Herangehensweise, dass man behauptet, es handelt sich vor allem um ein nachhaltiges Projekt und dass wie stark man quasi fokussiert auf erneuerbare Energie. Zum Vergleich, also es ist eh öffentlich einsichtig, die ÖBB braucht für einen gesamten Betrieb an Zügen pro Jahr knapp zwei Terawatt. Also das ist ungefähr eine Dimension von Google plus vielleicht noch 20 Prozent Ausbau oder 30 Prozent Ausbau. Und die ÖBB betreibt aber selber Kraftwerke und hat 100 Prozent erneuerbare Energie, produziert von den 1,9 Terawatt, laut ihrer eigenen Homepage, 1,1 Terawatt selbst. Und da vermisse ich eben wirklich bei Google in diesem Statement komplett den Zugang, wie man sich selbst um die Energie kümmert. Also die Energie, die Google hier verheizen wird, die ist tatsächlich, das ist österreichische Energie, nachhaltig produzierte Energie, die sehr teuer ist. Die aber, und das wissen wir auch, erneuerbare Energie ist ja auch, liegt ja auch nicht 24 Stunden mal 7 an. Also wir müssen bereits jetzt teurere Energie in energieschwachen Zeiten, wo niedrigere Wasserstände herrschen, müssen wir bereits jetzt teuer zukaufen. Und die kaufen wir dann auch für Google zu. Also ich kann dem Statement außer einem Greenwashing-Versuch nicht viel abgewinnen. Und auch, dass man mit den vor Ort, also mit der Gemeinde oder dem Land auch über mögliche Lösungen der Nutzung der Wärme diskutiert hätte, das ist gerade die ganz große Frage. Also ich finde im Moment in der Bevölkerung und von der Gemeinde dazu keine Antworten, außer dass eine Fernwärmeleitung zu teuer gewesen wäre. Und da stellt sich eben die Frage, was wurde da verhandelt, war das überhaupt am Plan? Derzeit ist es ja offensichtlich so geplant, dass die gesamte Energie wieder also gekühlt werden soll und in Form von Wasser in die Ents zurückgeleitet werden soll, beziehungsweise vor Ort verdampfen. Es ist nämlich auch spannend, dass die Brunnen, die also von denen man das Wasser bezieht, doppelte Wassermenge von der genehmigten Menge des Wassers, das dann in die Ents zurückgeleitet werden darf, also hat. Das heißt, 100 Liter pro Sekunde, ein bisschen weniger dürfen in die Ents zurückgeleitet werden, 200 Liter dürfen entnommen werden. Da wird auch 100 Liter pro Sekunde vermutlich im Vollbetrieb auch verdampft vor Ort.

Edith Meinhart
Das wissen Sie aus den Wasserrechtsbescheiden oder woher? Ich habe da keine Auskunft von Google bekommen.

Thomas Fink
Ja, ich habe tatsächlich angefragt beim Land, beim Amt für Gewässer, wie denn die Genehmigung ausschaut und um welche Mengen es sich da handelt.

Edith Meinhart
Ich glaube, die Bescheide sind da auch öffentlich.

Thomas Fink
Ich habe die zugeschickt bekommen aus dem Büro des vom Herrn Keineder. Und das ist der Letztstand der Bescheide. Es gab ja auch mehrere Anträge, mehrere verschiedene Bescheide. Das ist mein letzter Wissensstand.

Edith Meinhart
Es besteht auch die Sorge, dass normale Stromkunden zur Kasse gebeten werden, eben wenn in Spitzenzeiten teurer Strom zugekauft werden muss oder das Netz für einen sehr starken Abnehmer verstärkt werden muss. Dazu hat Google geantwortet auf meine Anfrage. Zitat: "Google übernimmt alle Kosten, die den Netzbetreibern durch unseren Anschluss entstehen, selbst. Unsere Verträge sind so gestaltet, dass wir nicht von anderen Stromkunden subventioniert werden. Für einen allfälligen Standort in Kronstorf wird Google bis zu 150 Megawatt der von Netz Oberösterreich bereitgestellten Kapazität nutzen." Zitat Ende. Das ist allerdings die Kapazität in der ersten Ausbaustufe, weil es gibt schon Hinweise, dass das noch nicht die Endausbauphase ist. Ist die Sorge damit für Sie ausgeräumt, dass Sie als normaler Stromkunde oder wir alle als normale Stromkunden dafür zahlen müssen, dass Google sich ansiedelt?

Thomas Fink
Nein, also für mich persönlich ist das Problem damit nicht gelöst oder die Sorge ausgeräumt. Ich war so frei und habe die KI bemüht, mir diese Frage zu beantworten. Gedacht, ich investiere etwas von dieser eh schon, quasi was auf uns zukommt. Und also sämtliche KIs kommen zu dem Ergebnis, dass, wenn ich einen großen Stromabnehmer ins Netz hänge, egal ob der jetzt, wir hoffen natürlich, dass die auch die volle Summe zahlen und dass die nicht subventioniert werden, aber dass sich für den Stromverbraucher jedenfalls die Nutzungskosten erhöhen, weil ja auch das Netz zur Verfügung gestellt werden muss und was ich vorher auch beschrieben habe. Wir müssen ja auch in stromschwachen Zeiten diesen Strom zur Verfügung stellen und teilweise teurer zukaufen. Das heißt, wir müssen dann mehr, wir tendieren ja dazu, quasi mehr selbst zu produzieren und erneuerbare Energie zu stärken. Wenn wir das aber quasi überlasten, dann müssen wir mehr teuren Strom aus dem Ausland zukaufen. Und da kommen die KIs tatsächlich zu einem Minimalergebnis. Das heißt, selbst wenn sich es ganz minimal erhöht, sagen wir um 10 Euro pro Jahr pro Haushalt, das ist wirklich etwas, wovon man auf jeden Fall ausgehen muss. Wir haben 4 Millionen Haushalte in Österreich, dann tragen schon 40 Millionen Euro pro Jahr, wird schon quasi von den Mehrkosten von der Bevölkerung getragen. Aber ich glaube das nicht, dass das kein, aber das ist eine sehr persönliche Meinung. Also ich glaube nicht, dass das keine Auswirkung haben wird und da würde ich mich freuen, auch über Expertenmeinungen eben in den Medien, dass man das Thema aufgreift. Was hat das denn für eine Auswirkung?

Edith Meinhart
Ich glaube, da sind noch viele Fragen offen und wie gesagt, Google hat dazu auch tatsächlich keine konkreten Angaben gemacht. Das war ähnlich bei dem Thema Wasser, das Sie schon angesprochen haben. Das soll ja teilweise aus der Ents entnommen werden und wieder zurückgeleitet werden. Offen ist, mit welcher Temperatur maximal, wer das kontrolliert, wie sich das auf die Flussökologie auswirkt. Haben Sie selbst versucht, all das herauszubekommen?

Thomas Fink
Zuerst habe ich versucht, ein bisschen was darüber in Erfahrung zu bringen und dann ein paar Anfragen gestellt. Und wenn die Bescheide eingehalten werden, dann bewegen wir uns in einem Bereich, der eben noch unterhalb einer UVB-Pflicht quasi sich bewegt, aber es sind trotzdem enorme Summen. Und aus meiner Sicht geht sich, und das wäre auch eine sehr wichtige Frage zu beantworten, weil wir ja gerade auch im Laufe des Interviews erleben, ich bin auch überrascht, dass Google eben jetzt schon plant, eventuell den Faktor 3 zu diesen 150 Megawatt, eben bis zu 450 Megawatt zu verbrauchen. Dann geht sich rein physikalisch das mit den bis jetzt genehmigten Wassermengen natürlich nicht aus. Also meine Sorge ist, dass man stückchenweise das immer größer macht und dann so Bescheide hinterher zieht oder die Wassermenge auch erhöht werden muss. Und meine größte Sorge ist, was das Wasser betrifft, ja auch die Qualität des Wassers, weil ja das Kühlwasser, es ist ja, wir wissen es alle beim Auto, das ist ja einfach kein Trinkwasser, das man da durchleitet. Man muss das Wasser ja zum Kühlen auch entsprechend mit Chemikalien behandeln. Und das ist eben auch die Erfahrung, die man im Ausland macht, vor allem in Amerika, dass ja nicht nur das Wasser entnommen wird, sondern dass das Wasser, das zurückgeleitet wird, nicht die Qualität hat, die wir also die wir jetzt gewohnt sind.

Edith Meinhart
Ich trage jetzt der Vollständigkeit halber den einen Satz nach, den Google mir zum Thema Wasser geantwortet hat. Der lautet: "Google bekennt sich auch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und verfolgt ein optimiertes und nachhaltiges Wassermanagement in allen Rechenzentren." Zitat Ende. Da sind tatsächlich noch viele Fragen offen. Auch, wie Sie es angesprochen haben, was passiert mit der Abwärme? Im Finnischen Hamina deckt Google laut eigenen Angaben angeblich 80 Prozent des lokalen Fernwärmebedarfs. Da haben Sie auch schon angesprochen, dass noch unklar ist, was da in Kronstorf geplant ist. Oder gibt es da schon eine Information sogar, dass die Fernwärmeheizung zu teuer wäre?

Thomas Fink
Das ist jetzt wirklich Gossip, sage ich mal. Also wenn man mit Leuten redet, dann sagen die, ja, es wurde gesagt, dass das schon kurz gedacht wurde, also gefragt wurde, aber dass eben ein Fernwärmeanschluss sich nicht rechnet wegen der Grundinvestitionen des Leitungsnetzwerks.

Edith Meinhart
Okay, das ist jetzt vielleicht noch nicht das letzte offizielle Wort. Aber auch eine offene Frage, ja.

Thomas Fink
Genau, ich würde mir wünschen, dass man diese Fragen diskutiert. Und ich würde mir auch wünschen, dass wir auch faktenbasiert diskutieren können. Und das ist das, was jetzt im Moment gerade das größte Problem für mich persönlich ist, dass Fakten eigentlich nicht bereitgestellt werden, zumindest nicht ohne, dass man selber recherchiert oder nachfragt. Mich beschäftigt die Frage, wie es zustande gekommen ist, dass ein Projekt in dieser Größenordnung mit so wenig Information über mögliche Auswirkungen, wie das so weit gehen konnte, dass man sozusagen die Information erst im Nachhinein erhält, nachdem die Genehmigungsverfahren abbasiert sind, nachdem Einspruchsfristen quasi vorbei sind. Meine Frage, die ganz große Frage ist in dem Kontext, wie politische Verantwortliche so etwas ungeprüft machen können. Wurden also die Fragen, die ich so direkt stellen würde, wurden Datenzentren in dieser Größenordnung besucht? Hat man sich den Effekt angesehen? Und ich meine, es ist eine landwirtschaftliche Gegend und ich bin selbst in einem Land am Land aufgewachsen und ich kenne diese Diskussionen, Stammtischdiskussionen. Wenn etwas Großes passieren soll, dann wird das sehr ausführlich diskutiert. Wenn jemand einen Stall in Dimensionen von 50.000, 100.000 Schweinen plant, dann wird das diskutiert, dann wird sich das, dann wird das Projekt vorher quasi begutachtet und sich angesehen. Und hier handelt es sich wirklich um ein riesiges Projekt, aber im Vorfeld wurde nichts diskutiert. Und deswegen, das ist die große Frage, die für mich zurückbleibt. Warum wurde nicht Information beschafft, um die Bürger im Vorhinein aufzuklären und warum wird diese Information erst jetzt so stückweise freigegeben?

Edith Meinhart
In Medien war von einer geplanten Bauzeit von eineinhalb Jahren die Rede. Wie erwähnt, ruht die Baustelle derzeit. Sie haben gesagt, die Ruhe wurde wieder unterbrochen, also sie arbeitet wieder. Grund ist ein Kontrollbesuch der Finanzpolizei gewesen. Dabei wurden 26 Verstöße festgestellt. Laut offiziellem Statement des Finanzministeriums handelt es sich um sozialversicherungs- und gewerberechtliche Übertretungen sowie vier Verstöße nach dem Lohn- und Sozialdumpingbekämpfungsgesetz. Google hat auf meine Frage, wie der Stand der Dinge sei, geantwortet. Zitat: "Obwohl die angesprochenen Verstöße von Subunternehmen begangen wurden, die außerhalb der direkten Kontrolle von Google gelegen sind, verfolgen wir in diesem Bereich eine Nulltoleranzpolitik und haben einen klaren Verhaltenskodex, der ein solches Vorgehen untersagt. Nachdem wir über diese Vorfälle informiert wurden, haben wir alle Arbeiten auf der Baustelle vorübergehend eingestellt. Anschließend haben wir ein von Google initiiertes Compliance-Prüfverfahren durchgeführt, um sicherzustellen, dass alle Auftragnehmer und Subunternehmer alle geltenden lokalen Gesetze und Vorschriften einhalten, bevor der Bau wieder fortgesetzt werden konnte." Zitat Ende. Grundsätzlich erhofft sich ja die regionale Politik einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Baustelle schafft Nachfrage. Darüber hinaus sollen dauerhafte Arbeitsplätze entstehen. Da ist einiges denkbar, von IT-Technikerinnen über Ingenieure bis Security. Und dazu sagt Google auf meine Anfrage: "Überall dort, wo wir Rechenzentren bauen und betreiben, wollen wir ein produktiver Teil der lokalen Gemeinschaft sein. Sobald ein Rechenzentrum in Betrieb ist, beauftragen wir lokale Unternehmen mit Dienstleistungen wie Landschaftspflege, Bauarbeiten und Catering. Wir arbeiten auch eng mit lokalen Entscheidungsträger:innen zusammen, um Möglichkeiten für eine sinnvolle Unterstützung durch Google zu identifizieren. Das sieht in jeder Gemeinde anders aus, kann aber im Allgemeinen die Förderung der MINT-Bildung sowie Ausbildung und Beschäftigungsmöglichkeiten für Fachkräfte beinhalten." Sie haben vorhin schon Skepsis durchblicken lassen, dass die Abwägung, also diese Kosten-Nutzen-Bilanz, tatsächlich zugunsten der Region ausgehen würde.

Thomas Fink
Ja, habe ich, weil, und das ist eben auch dieses, was ich vorhin gesagt habe, diese spannende an Nichtinformation oder an stückchenweise Information. Da habe ich jetzt in den letzten Monaten so unterschiedlichste Größenordnungen von Arbeitsplätzen gehört. Unterm Strich, beziehungsweise zuletzt, der Letztstand ist, es werden ungefähr 100 Arbeitsplätze sein, also plus minus 10 oder 20. Und wenn man sich Datenzentren anschaut, also weltweit, dann sind dort vorwiegend eben Security und Menschen, die im laufenden Betrieb den Betrieb sicherstellen. Das sind Ingenieure oder Techniker, die eben die laufenden Maschinen warten und tauschen. Also das sind die Arbeitsplätze, die da geschaffen werden. Ich halte das im Verhältnis zu dem, was hier an Strom verbraucht wird, was hier an Wasser verbraucht wird, was hier an landwirtschaftlicher Nutzfläche, das ist ja, also es handelt sich nicht um eine wertlose Fläche, sondern das ist eins der schönsten Ackerflächen überhaupt. Was da verbraucht wird, halte ich die Ausbeute von 90 oder 100 Arbeitsplätzen einfach nicht für, das halte ich für kein ausgeglichenes Verhältnis.

Edith Meinhart
Ich würde sagen, diese Folge wird nicht die letzte zum Thema Datenzentrum bleiben. Grundstoff ist ja da auch ein Brennglas für eine ganz große Debatte, die auch auf europäischer Ebene erst beginnt. Zum einen, weil Europa sich in einer auf absehbare Zeit gar nicht aufzulösenden technologischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Abhängigkeit von US-Tech-Giganten befindet. Ein Großteil der europäischen Daten liegt physisch zwar in Europa, gehört aber großteils US-Firmen. Die Top drei haben wir schon genannt: Amazon, Microsoft und Google. Halten 70 Prozent des europäischen Marktes für die Cloud-Infrastruktur. Zum anderen aber auch, weil dieser Sektor eben als eine sehr energiehungrige Herausforderung gilt. Laut einer Studie der International Energy Agency machten Rechenzentren, Netzwerke und Kryptowährung weltweit rund zwei Prozent des Stromverbrauchs aus. Der Vormarsch der künstlichen Intelligenz treibt diesen Verbrauch noch weiter hoch. Ein Ende ist da gar nicht in Sicht. In Europa werden Obergrenzen für Wasserverbrauch, strengere Standortkriterien, verpflichtende Nutzung erneuerbarer Energie diskutiert. Ich kenne mich persönlich bei Datenzentren oder Energiefragen nicht besonders gut aus und habe versucht, Wissenschaftler, Energieinstitut der Johannes Kepler Universität für ein Gespräch zu gewinnen. Das ist mir nicht gelungen. Vielleicht hat uns jetzt der eine oder die andere Expertin zugehört. Ich denke, und Herr Fink wird mir da wahrscheinlich zustimmen, es gibt noch sehr viel zu diesem großen Themenkomplex zu sagen, zumal Österreich als Standort für große Rechenzentren zunehmend interessant zu werden scheint. Herr Fink, ich danke Ihnen jetzt einmal für das Gespräch und würde aber gerne an Expert:innen da draußen appellieren. Bitte schreiben Sie uns an redaktion@didunkelkammer.at oder direkt an mich, em@didunkelkammer.at. Herr Fink, vielen Dank für das Gespräch.

Thomas Fink
Ich danke für die Einladung.

Autor:in:

Felix Keiser

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