Cash or Crash
Uns steht ein heißer Winter bevor
Vergangenen Sommer ging es heiß her. Nicht nur mit den Temperaturen, sondern auch bei den heimischen Energieversorgern. Neben den Hitzewellen sorgte vor allem die monatelange Trockenheit für Handlungsbedarf. Die Stromerzeugung durch Wasserkraft musste aufgrund der Niedrigwasserstände in den Flüssen um rund ein Drittel zurückgefahren werden. Die Wasserkraft ist aber bekanntlich der Kern der heimischen Energieerzeugung. Im „Land am Strome“ wie es auf der Homepage der E-Wirtschaft heißt, stammen im Jahres-Durchschnitt rund 60 Prozent der Stromproduktion aus Wasserkraft. Anfang September waren es laut Statistik der E-Control lediglich 25 Prozent. Dass Wirtschaft und Haushalte über den Sommer nicht mit Stromabschaltungen konfrontiert wurden, verdankt das Land den Stromimporten. Konkret betrugen die Nettostrom-Importe zeitweise über 50 Prozent. Stellt sich die Frage, was passiert, wenn es auch im bevorstehenden Herbst und Winter zu ausgedehnten Trockenphasen kommt? Ist die Stromversorgung dann gesichert? Und wie sieht es bei Öl und Gas aus? Vor allem aber: wie steht es mit den Preisen?
Hallo zusammen, schön, dass ihr auch heute wieder bei meinem Podcast dabei seid. Heute geht es um die Energieversorgung. In den vergangenen Tagen habe ich mich dazu mit ein paar Experten getroffen, weil ich wissen wollte, ob die Stromversorgung, die Gasversorgung und die Ölversorgung in unserem Land eigentlich sicher sind oder eher nicht. Denn kommen wir zur Stromversorgung: Das heurige Jahr war und ist ja extrem trocken. Das hatte vor allem im Sommer zur Folge, dass die Donau und andere wichtige Flüsse im Land einen sehr niedrigen Wasserpegel hatten. Dadurch musste in den vergangenen Wochen und Monaten die Stromerzeugung durch Wasserkraft nämlich dramatisch zurückgefahren werden. Was aber nun, wenn es auch im Herbst und bevorstehenden Winter wieder zu einer langen Trockenperiode kommt? Mehr dazu gleich.Zunächst eine andere und durchaus erfreuliche Nachricht: Seit 25 Jahren, genauer gesagt seit dem 1. Oktober 2001, können die Stromkundinnen und Stromkunden in Österreich ihre Lieferanten frei wählen. Und das feiern Herr und Frau Österreicher ausgiebig, indem sie heuer besonders oft die Strom- und Gasanbieter wechseln. Im ersten Halbjahr haben laut der Regulierungsbehörde E-Control knapp 235.000 Konsumentinnen und Konsumenten einen neuen Strom- oder Gaslieferanten gewählt. Das ist Rekord. Bei Strom betrug die Wechselrate ungefähr 3 %, bei Gas also 4 %.
Am häufigsten wechselt die Bevölkerung in Niederösterreich den Stromlieferanten. Auf Platz 2 liegt Oberösterreich, auf Platz 3 Steiermark. Bei Gas liegt Niederösterreich ebenfalls auf Platz 1, gefolgt hier von der Steiermark auf Platz 2 und Oberösterreich auf Platz 3. Ja, Strom- und Gasanbieter wechseln zahlt sich eben aus. Überhaupt hat die Liberalisierung des Strommarktes Unternehmen sowie private Haushalte über viele Jahre entlastet. Wirtschaft und Haushalte haben sich dadurch nämlich in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten in Summe 15 Milliarden Euro an Kosten erspart.
Das ist das Ergebnis einer Studie der Österreichischen Energieagentur, die unlängst präsentiert wurde. Von den 15 Milliarden entfielen demnach also ungefähr so 12,7 Milliarden Euro auf die Haushalte und 2,5 Milliarden Euro auf die Wirtschaft. Warum diese Differenz? Na ja, weil die Unternehmen schon vor der Liberalisierung deutlich billigere Preise von den Energieversorgern bekommen haben. Aktuell können Österreich Stromkundinnen und -kunden aus rund 150 Stromlieferanten wählen, von denen 50 ihre Tarife bundesweit anbieten.
Ja, und bis zum Ukrainekrieg zeigt die Studie dann auch noch positive volkswirtschaftliche Auswirkungen. Warum? Na ja, weil die niedrigeren Strompreise dafür gesorgt haben, dass wir, die Konsumentinnen und Konsumenten, also ein bisschen mehr Geld in der Tasche hatten, das wir ausgeben konnten. Und dadurch haben wir die Wirtschaft angekurbelt, und zwar ungefähr um 0,1 Prozentpunkte pro Jahr. Das ist jetzt nicht viel, aber auch nicht nix. Die 15 Milliarden Ersparnis wirkten aber natürlich nur bis zum Ausbruch des Ukrainekrieges.
Damals kam es ja dann zu einem regelrechten Preisschock. Heuer kam dann ja auch noch der Iran-Konflikt dazu. Na ja, und damit komme ich jetzt zur Preissituation. Schauen wir uns das gleich einmal an beim Strom. Der durchschnittliche Börsenstrompreis in Österreich lag im Vorjahr laut E-Control bei ungefähr 99 Euro pro Megawattstunde, und heuer, also bis vor Kurzem, lag er bereits bei 118 Euro. Ja, und dann kam schon, wie ich eingangs gesagt habe, die Trockenheit dazu und die Hitzewellen im Sommer. 2026 gilt ja als das trockenste Jahr seit Beginn der hydrologischen Aufzeichnungen, und die gibt es schon seit dem Jahr 1893. Ja, und diese Trockenheit hatte dramatische Folgen für die Stromerzeugung. Die Stromerzeugung durch Wasserkraft musste aufgrund der Niedrigwasserstände in den Flüssen um rund ein Drittel zurückgefahren werden. Die Wasserkraft ist aber bekanntlich der Kern der heimischen Energieerzeugung.
Im Land am Strome, wenn ich das so sagen darf, stammen im Jahresdurchschnitt rund 60 % der Stromproduktion aus Wasserkraft. Anfang September waren es laut Statistik der E-Control aber nur 25 %. Ja, dass Wirtschaft und Haushalte über den Sommer nicht mit Stromabschaltungen konfrontiert waren, verdanken wir nur den Stromimporten. Und konkret betrugen die Stromimporte zuletzt über 50 %, also die Hälfte des gesamten Stroms in Österreich oder des Verbrauchs musste also importiert werden. Da war es also vorbei mit der Unabhängigkeit.
Stellt sich die Frage, was passiert, wenn es auch im bevorstehenden Herbst und Winter zu ausgedehnten Trockenphasen kommt? Ist die Stromversorgung dann sicher? Ja, sagt dazu Stefan Syszkowitz, erster Vorstandssprecher des niederösterreichischen Energieversorgers EVN. Die Mengen am europäischen Strommarkt sind da, sagt er, und die Wirtschaft und auch die Haushalte müssten sich also da keine Sorgen machen. Ich habe neben Syszkowitz dann auch noch Leo Lehr dazu befragt, er ist Ökonom bei der Regulierungsbehörde E-Control, die ich schon zitiert habe, und er sieht die Lage ähnlich. Er sagt, um die Stromversorgung müssen wir uns keine Sorgen machen. Die Lage im Sommer sei angespannt gewesen, ja, die Photovoltaik habe da einiges kompensieren können, aber eben nur zum Teil. Doch jetzt eben würden europaweit wieder die Gaskraftwerke hochgefahren und auch die thermischen Kraftwerke. Das heißt, wenn es trocken wird, können die also genug Strom erzeugen und liefern.
Wie schaut es beim Gas aus? Da habe ich mir die Speicherstände angesehen, und da ist vor allem auffallend, dass durch alle Monate die Speicherstände bei Gas heuer unter dem Vorjahr lagen. Nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa. Ja, und das hängt natürlich mit dem Irankrieg zusammen. Durch den Iran-Konflikt ist ja bekanntlich die Straße von Hormus weitgehend gesperrt, und damit kann das Gas, das in den umliegenden Golfstaaten produziert wird, nicht an den Weltmarkt geliefert werden. Und da haben wir ja immer wieder die Zahl, oder da hören wir ja immer wieder die Zahl, dass ein Fünftel der weltweiten Gasmenge dadurch dem Weltmarkt fehlt.
Doch trotzdem müssen wir uns um die Gasversorgung keine Sorgen machen, betonen sowohl Syszkowitz und auch Lehr. Der Füllstand in Österreich würde also bis Spätherbst wieder so um die 80 bis 90 Terawattstunden betragen. Das ist üblich. 90 Terawattstunden übrigens ist ungefähr der Gesamtjahresverbrauch. Anders nämlich als beim Ausbruch des Ukrainekrieges muss man sagen, dass wir von der Menge her nicht direkt betroffen sind von der Situation im Iran-Konflikt. Österreich hat also schon vorher kaum Gas aus der Golfregion importiert.
Das war bis 2022 bekanntlich Russland. Und jetzt importieren wir unser Gas eben über Deutschland und Italien aus anderen Märkten, etwa aus Norwegen, den Nordseestaaten oder aus den USA. Die USA haben zwar zuletzt große Gasmengen umgeleitet und beliefern jetzt weniger Europa, sondern viel mehr Asien, weil dort eben das Gas aus der Golfregion fehlt. Aber wie gesagt, und das sagen Syszkowitz und Lehr unisono: Wir müssen uns trotzdem keine Sorgen bei den Gasliefermengen machen.
Damit aber, muss man auch sagen, hat es ein Ende mit der guten Nachricht, weil jetzt kommt die andere Nachricht. Es geht nämlich um den Preis, denn die Preise sind angespannt. Dass der durchschnittliche Börsenstrompreis in Österreich heuer gegenüber dem Vorjahr schon um rund 20 % gestiegen ist, habe ich ja schon gesagt. Und die Wintermonate werden die Sache da noch einmal sicherlich verschärfen. Wie gesagt, da muss man auch sagen, beim Gas gibt es da auch schon mittlerweile eine eher beunruhigende Entwicklung.
Ja, da gibt es ja den sogenannten TTF Natural Gas Futures in den Niederlanden, und der TTF-Preis ist ein wichtiger Referenzwert und bestimmt maßgeblich, wie viel in Europa das Erdgas kostet. Und gegenüber dem Vorjahr ist dieser Richtwert um über 140 % bereits gestiegen. Ja, und wie schaut es beim Öl aus? Auch da gab es zuletzt nicht so eine gute Nachricht. Saudi-Arabien musste nämlich eine wichtige Pipeline abdrehen, ja, vor einer Woche. Das ist die Pipeline, die vom Golf zum Roten Meer führt. Ja, also vom Persischen Golf zum Roten Meer. Mit dieser Pipeline umgeht nämlich Saudi-Arabien die Sperre der Straße von Hormus. Aber wie gesagt, die musste abgedreht werden, weil sie mit Drohnen angegriffen wurde. Dadurch konnte natürlich dann kein Öl mehr geliefert werden.
Was heißt das nun für unsere Geldbörse? Werden Öl, Gas und Strom im kommenden Winter noch teurer? Ja, bei Heizöl haben wir ja zuletzt schon neue Jahreshochs erlebt. Na ja, Benzin über 2 Euro und Diesel bei 2,5 Euro pro Liter wären also keine Überraschung, hat der Energieexperte Walter Bolz neulich gesagt. Bei Gas ist die Entwicklung natürlich ähnlich. Ja, der Gaspreis wird also jetzt im Herbst weiter steigen. Ja, und neben dem reinen Gaspreis treiben natürlich auch steigende CO2-Abgaben und höhere Netzkosten die Endabrechnung nach oben. Das Gleiche ist beim Strom. Auch der wird natürlich steigen, vor allem, wenn, wie schon gesagt, es auch im Herbst und Winter zu trocken sein sollte. Also alles in allem keine unbedingt erfreuliche Entwicklung. Die Energiekosten sind aber, wie ich schon einmal in einem anderen Podcast gesagt habe, quasi die Mutter der Inflation.
Wie schaut es also damit aus? Die betrug ja zuletzt 3,2 %. Na ja, da gibt es heuer schon eine Prognose von der Nationalbank für das gesamte Jahr, und die Nationalbank sagt, dass die Inflation also heuer sicher nicht mehr unter 3 % sinken wird. Die Nationalbank hofft aber, dass bis 2028 schon ein schrittweiser Rückgang der Inflation auf 2 % erfolgt. Aber die Nationalbank hatte zuletzt auch eine gute Nachricht parat. Demnach soll die Wirtschaft heuer trotz allem, ja, immerhin nicht in eine Krise, also nicht in eine Rezession schlittern. Ja, die Wirtschaft wird heuer um ein halbes Prozent ungefähr wachsen. Das ist nicht viel, aber besser als ein Minus.
Na ja, und wie schaut es für nächstes Jahr aus? Also nächstes Jahr soll die Wirtschaft um 1,3 % wachsen. Und selbst im schlimmsten Fall, das heißt, selbst wenn der Irankrieg und der Ukrainekrieg weitergehen würden, würde es auch im nächsten Jahr nicht zu einer Rezession kommen, und dann würde die Wirtschaft halt wieder so wie heuer etwas über Null liegen. Ja, und die Inflation würde natürlich dann auch nicht sinken, wenn die beiden Konflikte weitergehen. Und das ist natürlich ein Dauerthema für uns Konsumentinnen und Konsumenten. Das heißt, wir alle müssen natürlich ein bisschen den Gürtel weiterhin leider enger schnallen. Trotz allem wünsche ich euch alles Gute. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
Autor:in:Wolfgang Unterhuber |