Ganz offen gesagt
Über Freundschaften - mit Autorin Verena Bogner

Autorin und Journalistin Verena Bogner im Gespräch mit Saskia Jungnikl-Gossy über ihren Debütroman „I am cringe but I am free“, die Bedeutung von Freundschaften, über romantische Beziehungen in Popkultur und Medien und über Kulturjournalismus in Österreich.

Saskia Jungnikl-Gossy
Herzlich willkommen bei Ganz offen gesagt. Mein Name ist Saskia Jungnikl-Gossy und ich freue mich sehr, dass ihr mit dabei seid. Und ich freue mich sehr über meinen heutigen Gast. Das ist Verena Bogner. Sie ist Journalistin, Autorin und Popkultur-Expertin und sie kennt die österreichische Medienlandschaft aus nächster Nähe. In Kürze erscheint ihr Debütroman "I' am Cringe, But I am Free" im Ullstein Verlag. Darin geht es um Freundschaften, um den Mut zur Verletzlichkeit und um junge Menschen, die versuchen, ihren Platz in der Welt zu finden. Wir sprechen heute darüber, über Freundschaften, über Medien, Popkultur und die österreichische Medienlandschaft. Hallo Verena, schön, dass du da bist.

Verena Bogner
Hallo, danke für die Einladung. Ich freue mich sehr.
Saskia Jungnikl-Gossy
Wir beginnen immer mit der Transparenzpassage. Erster Teil, woher wir einander kennen. Wir kennen einander nicht nur online. Also ich kenne dich natürlich, aber ich glaube, wir haben uns noch nie getroffen.
Verena Bogner
Wir kennen uns aus dem Internet, aus den Urzeiten von Austro-Twitter. Da kenne ich deinen Namen schon. Aber ich glaube, noch nie live gesehen.
Saskia Jungnikl-Gossy
Nein. Also Premiere auch da. Und die zweite Frage ist, ob du politisch tätig oder für eine politische Partei tätig bist.
Verena Bogner
Nein, bin ich nicht.
Saskia Jungnikl-Gossy
Starten wir mit deinem Roman. Ich hatte das Glück, dass ich ihn ja vorab lesen durfte und habe die vergangenen Tage damit verbracht. Und er hat mir große Freude gemacht, liest sich wahnsinnig flüssig, ist lustig. Und meine erste Frage an dich wäre eigentlich, worum es darin geht aus deiner Sicht, also mit deinen Worten und was dein Ausgangspunkt war, ihn überhaupt zu schreiben.
Verena Bogner
Das ist die Klassikerfrage, die mir jetzt immer gestellt wird. Worum geht es eigentlich? Und ich glaube, das ist auch eine Frage, die Autor*innen gar nicht gern haben, weil es ist so schwierig, das auf den Punkt zu bringen, wenn man so tief drinsteckt. Aber ich würde sagen, es geht um Freundschaft, es geht um Selbstfindung. Das klingt jetzt ein bisschen eh so, aber ist es nicht. Es geht um Mut, um den Mut, zu sich selber zu stehen und um die Schönheit des cringe und die Erkenntnis, dass der zum Leben dazugehört und dass dieser Wunsch, nicht peinlich, nicht weird zu sein, eigentlich das Leben nicht besser macht, sondern viel, viel anstrengender, weil man nicht man selbst sein kann.
Saskia Jungnikl-Gossy
Was ist cringe eigentlich?
Verena Bogner
Cringe? Ich glaube, es gibt ein Spektrum, auf dem sich cringe bewegt. Es sind kleine Momente, wie wenn man an der Bilderkasse irgendwas Komisches sagt und sich dann denkt, oh Gott, was senkt sich jetzt die Dame über mich? Aber das ist der cringe, der ganz egal ist, den man sofort wieder vergisst. Und dann gibt es, glaube ich, die Art von cringe, die einfach das Leben einschränkt. Wenn man sich selber zu sehr durch die Brille der anderen betrachtet, ich glaube, das haben wir sowieso schon alle sehr intus und noch mehr durch Insta, TikTok und so weiter, dass man immer schon mitüberlegt, wie komme ich an, was denken diese und jene Leute über mich? Und wenn man diese Art von cringe verspürt, dann ist es nicht mehr so lustig, sondern kann dazu führen, dass man sich einfach nur noch verbiegt und anpasst.
Saskia Jungnikl-Gossy
Das sind dann die Momente, wo ich aus war am Abend und dann nur vier in der Früh aufwache und drüber grüble, ob das, wie du gesagt hast, zu peinlich war, dass ich mich morgen wieder rauswage. Das meinst du noch.
Verena Bogner
Das sind so schlimme Momente, wenn man ... Ich habe das auch immer nach Partys oder nach irgendwelchen Events, auch wenn ich weiß, ich war komplett normal. Und jedes Gespräch, das ich geführt habe, war komplett unverfänglich und nett, liege ich am nächsten Tag da und denke, oh mein Gott, was senkt jetzt die über mich, was habe ich wieder gesagt und dieser Witz ist nicht gelandet. Das war extrem peinlich. Also ja, ich glaube dann auch immer gleich, dass alles ruiniert ist und dass ich nie wieder vor die Tür gehen kann. Und eigentlich ist es völlig wurscht. Es ist eh nie irgendwas.
Aber man hat halt diese Overthinking-Gefühle einfach sehr stark in sich. Und ich glaube, da muss man aktiv dagegen vorgehen, um nicht, wie soll ich sagen, zu Gefangenen zu werden von diesen Gefühlen und Gedanken.
Saskia Jungnikl-Gossy
Ich finde es ja schon mal beruhigend, dass man ja nicht alleine ist damit. Und ich habe mal einen guten Satz gehört, der mir geholfen hat, nämlich, dass jeder so viel über sich selber nachdenkt, dass gar niemand so viel Zeit hat, über mich nachzudenken, wie ich glaube, dass die Menschen überhaupt über mich nachdenken. Niemand hat die Zeit.
Verena Bogner
Ja, das finde ich auch eine sehr wichtige Erkenntnis, die man irgendwann hat zu "Nobody cares" am Ende des Tages. Also ich glaube schon, jeder von uns hat vielleicht so ein paar Hater*innen, die wollen einfach, dass man failt. Und die judgen einen, aber die mag man in den meisten Fällen eh nicht.
Saskia Jungnikl-Gossy
Und da kannst du auch sowieso nichts tun.
Verena Bogner
Ja, genau. Da kann ich noch so super und perfekt sein, die werden immer irgendwas finden zum Kritisieren. Und niemand denkt so viel über uns nach, wie wir über uns.
Saskia Jungnikl-Gossy
Weil das war irgendwie heilsam. Weil da dachte ich mir dann, das nächste Mal, als ich wieder sowas hatte, wo ich gegrübelt habe, habe ich mir echt gedacht, einfach Schwamm drüber, schieb es weg.
Du denkst jetzt viel zu viel drüber nach. Niemand anderer hat die Zeit und die Lust, das zu tun.
Verena Bogner
Ja, man muss ja nur diesen Cringe-Gedanken um drei in der Früh zu Ende denken. Wir liegen ja dann auch nicht da im Bett und denken, man, das, was die eine gesagt hat, das war aber echt org. Das war so unlustig. Also diesen Gedanken hat man ja selber nicht. Man denkt sich, ja, die Party war nett oder war nicht nett, aber man seziert ja nicht so einzelne Leute, was die genau gesagt haben oder was die anhatten. Oder was weiß ich. Also ich mache das nicht und ich glaube, die meisten anderen Leute machen es auch nicht.
Und darum, glaube ich, sind diese Gedanken am Ende des Tages überflüssig, aber halt auch sehr schwer abzustellen.
Saskia Jungnikl-Gossy
Aber ein lustiger Gedanke wird mir nächstes Mal helfen, weil es wacht sicher niemand auf um drei in der Früh und denkt sich, man, diese Hose.
Verena Bogner
Ja. Was hat die sich gedacht mit dieser Hose?
Saskia Jungnikl-Gossy
Gab es irgendwie so einen konkreten Moment oder eine Beobachtung, aus der das Buch entstanden ist? Also gab es so einen Moment, wo du dagestanden bist und dir gedacht hast, darum wird sich es drehen? Oder das ist mein Angelpunkt oder jetzt muss ich es aufschreiben? Oder war es eher so ein längerer Prozess?
Verena Bogner
Es war so ein längerer Prozess. Also es gab nicht diesen einen Cringe-Incident, wo ich gedacht habe, so, jetzt hat mich die Cringe-Muse geküsst. Aber dieses Gefühl und auch diese Gedanken über Cringe und für wen wir uns verbiegen und anpassen, die beschäftigen mich schon sehr lang. Und ich merke auch, dass die meine Freund*innen beschäftigen und dass das einfach ein Riesenthema ist, von wem man gesehen werden will, von wem man als cool oder gut genug akzeptiert werden will. Und genau so war das einfach ein längerer Prozess.
Saskia Jungnikl-Gossy
Hast du das Gefühl, dass sich das bei dir, dass das mehr geworden ist oder weniger? Und auch jetzt im Zusammenhang eben mit sozialen Medien, weil du es vorher angesprochen hast. Ja, genau. Also dieses, nein, sich selber so stark unter die Lupe nehmen oder auch eben analysieren?
Verena Bogner
Also bei mir ist es weniger geworden, aber ich bemühe mich auch aktiv sehr, dass es mir wurschter ist. Aber in meinen 20ern, da war ich ganz auf der Suche nach Anerkennung, gesehen werden, dass irgendwer mich cool findet. Und jetzt denke ich mir, Hauptsache, meine besten Friends finden mich gut, so wie ich bin. Und natürlich ist niemand von uns frei von dem. Also es wäre gelogen, wenn ich sage, dass ich es gar nicht mehr habe. Aber es ist schon viel, viel entspannter. Es ist mir viel mehr wurscht.
Und im Gegenteil denke ich mir manchmal sogar, wenn die richtigen Leute mich uncool finden, ist es ja auch schön.
Saskia Jungnikl-Gossy
Außerdem ändert sich vielleicht der Umgang damit.
Verena Bogner
Ja, voll. Voll. Und ich habe wirklich viel Gedanken und Arbeit an mir da reingesteckt, dass ich da einfach entspannter bin und dass ich mich mehr traue, mein True Self auch zu zeigen. Weil ich war schon als Kind und als Mädchen extrem quirlig und lustig und einfach no fucks given. Und das hat sich irgendwann im Laufe dann der Teeniezeit und dann, als ich nach Wien gekommen bin zum Studieren, die ersten Praktika, hat sich das schon sehr geändert, dass ich einfach gar nicht wusste, wo gehöre ich hin und wem will ich jetzt eigentlich gefallen?
Und das hat halt Jahre gedauert, bis ich gecheckt habe, dass ich mir gefallen will in erster Linie. Genau. Aber jetzt bin ich da an dem Punkt, wo ich sagen kann, ich habe zwar diese Cringe-Momente nach der Party trotzdem noch, aber diesen Meta-Cringe, der wirklich das Leben schwer macht, den habe ich nicht mehr so oft.
Saskia Jungnikl-Gossy
Und wie hast du das gemacht? Also wie hast du das geschafft, wenn du sagst, dass du dich da selber eben, dass du hart dran gearbeitet hast oder wie?
Verena Bogner
Ja, weiß ich auch nicht. Ich kann jetzt da keinen ultimativen Selbsthilfe-Tipp geben, leider. Wenn ich das könnte, wäre ich wahrscheinlich schon reich.
Saskia Jungnikl-Gossy
Oder lest das Buch.
Verena Bogner
Ja. Im Buch gibt es ein paar kleine Tipps, ja. Aber ich muss echt sagen, dass einfach die richtigen Menschen um einen herum da eine riesige, riesige Rolle spielen. Also meine besten Freund*innen, wo ich einfach gemerkt habe, denen ist das völlig wurscht, ob ich jetzt was Blödes gesagt habe, ob ich was Komisches anhabe, ob ich gerade Musik höre, die ultimativ weird ist und die niemand cool findet. Und einfach diese Bestärkung zu bekommen, dass man einfach sein darf, so wie man ist, ohne dafür abgestraft zu werden.
Und dass man auch verletzlich sein darf und nicht immer auf cool playen muss. Also da haben mir einfach die richtigen Leute sehr geholfen und haben da Prozesse in mir dann in Gang gesetzt, wo ich gedacht habe, ah ja, so kann es ja eigentlich auch sein, dass man was mit Leuten macht und dann um drei in der Früh im Bett liegt, aber sich denkt, man, das war jetzt einfach nur lustig und nicht, das war jetzt irgendwie cringe. Genau.
Saskia Jungnikl-Gossy
Eine Frage habe ich jetzt noch kurz zum Buch. Also wir kommen nachher noch mal darauf zurück. Bevor ich zu Freundschaften gehen würde, das war sehr schön, was du gesagt hast. Aber was mich noch interessieren würde vorher ist, wie viel von dir steckt denn so in der Hauptfigur? Weil das ist auch was, was man immer ein bisschen transportiert. Und ein bisschen, was wird es wohl sein?
Verena Bogner
Ja, ich glaube, das hat man jetzt auch schon rausgehört, dass ich mich mit diesen Cringe-Gefühlen sehr gut auskenne. Aber es gibt im Buch Figuren, die sind völlig frei erfunden. Es gibt Storylines, die sind frei erfunden. Das war auch sehr schön, mal einfach eine Geschichte erfinden zu dürfen, weil ich ja eigentlich im Journalismus arbeite und da ist es natürlich klarerweise das oberste Crime, etwas zu erfinden und sich dann die Freiheit zu nehmen, einfach Dinge sich auszudenken und die Fantasie freizulassen, war voll schön für mich. Und am Anfang des Schreibprozesses habe ich mich damit sehr schwer getan. Also da dachte ich, okay, ich kann jetzt nur Sachen schreiben, die wirklich so waren und die Gedanken, die ich schon mal hatte und so weiter. Und irgendwann hat sich das dann unfoldet zu einer richtigen Geschichte, wo ich dachte, was stelle ich mir jetzt vor, was dann die Protagonistin macht?
Und ich habe die auch extra namenlos gelassen, weil ich glaube, dass diese Themen, mit denen sie kämpft, sehr universell sind und dass man da gut relaten kann. Und ich mag das immer, wenn Protagonist*innen in Büchern, wenn ich mir vorstellen kann, ich bin das und wenn ich mich da reinversetzen kann. Und genau, das war jetzt sehr langes Gerede über die Frage, wie viel von mir drinsteckt. Es stecken Ansätze von mir drin, aber so quasi ich in einer anderen Welt, in einer anderen Timeline mit anderen Leuten, mit anderen Hürden auch.
Saskia Jungnikl-Gossy
Aber das heißt, es gibt irgendwie Momente im Buch vielleicht, die so sind, wie sie in deinem Leben mal waren, aber andere, die eben gar nie passiert sind.
Verena Bogner
Genau. Genau. Voll.
Saskia Jungnikl-Gossy
Ein großes Thema sind Freundschaften. Wir haben es jetzt schon ein bisschen angesprochen. Es wird gerade viel darüber gesprochen, dass Freundschaften gesellschaftlich gesehen unterschätzt werden. Wie ist denn deine Beziehung zu Freundschaften?
Verena Bogner
Ja, ich sehe das ganz genauso. Mir sind meine Freundschaften sehr, sehr wichtig. Und ich habe auch das Gefühl, dass die immer wichtiger werden für die Leute. Also gerade, ich glaube, wir können beobachten an den Headlines, dass viele hetero Frauen sich entfernen von diesem traditionellen, okay, das ultimative soziale Life Goal ist die Beziehung mit einem Mann. Und dass man auch diese Erfüllung, die einem da immer versprochen wird, die ja dann oft nicht eingelöst wird, dass man die auch woanders suchen darf, und zum Beispiel eben in Freundschaften. Und das ist in meinem Leben auf jeden Fall auch so. Und ich glaube, dass das eine Entwicklung ist, die man nicht verleugnen kann und die ich auch komplett verstehe.
Weil uns wurde das immer vorgepredigt, du brauchst einen Mann, du brauchst eine Beziehung. Und wir sehen eh, was rausgekommen ist. Überqualifizierte Frauen, sage ich mal, geben sich dann mit Männern ab, die dem nicht entsprechen, diesem Level. Und ich verstehe das, dass viele nicht mehr wollen und dass man sagt, okay, ich baue mir diese Chosen Family so zusammen, wie ich sie möchte. Und ich finde auch, dass freundschaftliche Liebe viel bedingungsloser ist als die romantische Liebe. Weil für romantische Liebe wird man ja irgendwie belohnt in der Gesellschaft. Also man bekommt Anerkennung, man wird auf der Familienfeier von der Tante gelobt, dass man endlich unter der Haube ist.
Aber mich fragt niemand, und hast du jetzt endlich eine beste Freundin? Mann, super, da schmeißen wir eine Riesenfeier zur zehnjährigen Freundschaft oder so. Und ich glaube, wenn man darüber mal nachdenkt, meine beste Freundin, die liebt mich ohne Grund von außen. Und das ist eigentlich alles, was ich wissen muss. Und darum spielen Freundschaften in meinem Leben eine sehr, sehr große Rolle.
Saskia Jungnikl-Gossy
Es ist halt so, dass Paarbeziehungen als das Ziel gelten. Also es ist quasi, man wächst auf und es wird einem so eingebracht, irgendwann hast du als Frau einen Mann, als Mann eine Frau, ihr habt Kinder, ein Haus, keine Ahnung und so, als wäre das quasi das, was man erreichen muss und sollte. Und auf der anderen Seite finde ich interessant, dass es ja auch so ist, dass gerade Freundschaften die sozialen Netzwerke bilden. Das sind ja die, die eigentlich, also jetzt auch politisch gesehen, die die Dinge auffangen, die sie abfangen, auf die Verlass ist und so. Also dass da ein bisschen ein Ungleichgewicht herrscht.
Verena Bogner
Voll. Also ja, das eine wird total überbewertet und Freundschaften werden unterbewertet, auf jeden Fall. Also ich glaube, wir alle kennen diese Leute, die alles liegen und stehen lassen, wenn sie plötzlich einen Partner, eine Partnerin haben und dann von der Erdoberfläche verschwinden. Und dann kommen sie wieder an und gehen davon aus, dass du eh immer da bist. Wo ich mir auch denke, da sollte man vielleicht die Prioritäten noch mal überdenken. Und ich habe auch ganz viele Freundschaften, wo die eben schon auch viele Beziehungen überdauert hat. Also das ist ja auch was, was man immer mal wieder in Filmen hört, so quasi die Freund*innen, die bleiben, aber Männer kommen und gehen.
Und ich glaube, das ist so. Wenn man eine wirklich gute Freundschaft hat, eine wirklich beste Freundin, da die begleitet man durch alle Lebensphasen. Also meine älteste Freundin, die habe ich in Oberösterreich kennengelernt, als wir noch beide in der Schule waren. Und wir haben so viele Entwicklungen jetzt durchgemacht bis jetzt und wir sind immer noch absolute Besties. Und das ist natürlich auch Arbeit, aber es kann funktionieren. Und ich glaube, das ist eine Konstante im Leben, die mehr Leute bräuchten, ehrlich gesagt. Weil ich finde, Freundschaften, gute Freundschaften sind auch ein Korrektiv.
Die sagen dir auch mal so, hey, du bist gerade komplett auf dem falschen Dampfer, du bist gerade irgendwie crazy, das, was du machst, ist gerade irgendwie falsch. Oder im Gegenteil, die hypen dich auf, wenn du es gerade brauchst. Also ich glaube, wenn man sich auch über so viele Jahre kennt, kennt man sich so gut, dass man es vorcheckt, was bei der anderen Person abgeht. Und ich habe auch das Gefühl, in wirklich guten Freundschaften verstellt man sich weniger. Genau. Das war also eine Sache aus dem Buch, kann ich vielleicht spoilern. Da gibt es eine Therapeutin und die Therapeutin fragt die Protagonistin, wann war wirklich mal ein Moment, wo du du selbst sein konntest?
Und die Protagonistin sagt dann, letzten Samstag beim Kaffeetrinken mit meiner besten Freundin. Klingt komplett banal, aber das sind halt so Momente, wo man, egal ob man gut drauf ist oder schlecht oder ob man irgendwie gerade einfach nur ohne Grund am Jammern ist, die Freund*innen, die akzeptieren dich so, wie du bist und du musst dann nicht auf lustig tun oder irgendwas verschleiern, was dich gerade bewegt. Und ich habe das Gefühl, dass das in Beziehungen schon öfter so ist.
Saskia Jungnikl-Gossy
Wie führt man eine gute Freundschaft? Weil ich habe das Gefühl, die Menschen investieren relativ viel Arbeit in eine Beziehung. Und da ist es ganz klar, dass man durch Krisen geht und dass man mal Streit hat und dass man sich wieder zusammenrauft. Aber es ist irgendwie quasi, das gehört zum Prozess dazu. Gleiches höre ich bei Freundschaften viel seltener. Also dass man, dass Freundschaft auch eine Beziehung ist und das ist auch mit all diesen Dingen behaftet. Also da ist nicht immer alles nur schön.
Verena Bogner
Voll. Es ist auch Beziehungsarbeit und man streitet und man hat irgendwelche Ressentiments, die vielleicht schon jahrelang schlummern von irgendeiner Sache vor fünf Jahren oder so. Und man muss genauso wie in Beziehungen mal streiten, darüber reden und sagen, so, let's move on, weil wir würden diese Freundschaft für nichts hergeben. Also das ist genauso Arbeit und diese Vorstellung, dass Freundschaften einfach so dahinlaufen, finde ich sehr schade und entspricht einfach nicht der Realität. Und ich finde, man liest auch gerade oft dieses Buzzword-Catch-up-Culture. Und ich finde, das ist auch, was ich auch beobachte, dass sich Leute nur noch treffen, also Freund*innen, nur noch treffen zum Kaffee und sich gegenseitig updaten und sagen, okay, was ist bei dir im letzten Monat passiert?
Bei mir ist das und das passiert. Aber man erlebt gemeinsam nichts mehr. Also man redet, man gibt sich nur noch so kurze, stichpunktartige Updates, aber man macht eigentlich gar nichts mehr gemeinsam. Und ich finde, das ist auch voll wichtig, dass man in Freundschaften was unternimmt. Das muss auch nicht immer ein Urlaub sein oder was weiß ich. Also wenn dann zum Beispiel eine Freundin Kinder hat und die andere nicht, ist klar, dass die eine weniger Zeit hat. Das sind auch Dinge, die man in Freundschaften akzeptieren muss.
Aber dass man einfach auch Space schafft, um gemeinsam neue Erinnerungen zu schaffen und nicht immer nur über früher redet, so quasi man weiß noch die eine Party vor zehn Jahren, als wir dieses und jenes gemacht haben, und nicht immer nur sagt, ja, und wie läuft es im Job? Ja, schlecht und bei dir. Sondern wirklich sich Zeit nimmt füreinander. Ich glaube, das ist ganz wichtig, weil dann hat man wieder was zum Lachen, man hat was zum Drüberreden, man hat einfach schöne neue Memories geschaffen und ich glaube, das darf man auch nicht vergessen.
Saskia Jungnikl-Gossy
Und man erlebt den anderen auch wieder anders.
Verena Bogner
Ja, voll.
Saskia Jungnikl-Gossy
Also weil wir entwickeln uns alle und bei Freundschaften fehlt das manchmal vielleicht sogar, diesen Sprung.
Verena Bogner
Ja, voll. Und ich habe auch das Gefühl, Freundschaften sind oft, also man erlebt die Dinge mit dem romantischen Partner und berichtet den Freund*innen darüber. Und das finde ich voll schade. Also ich finde, da können wir alle ein bisschen an uns arbeiten. Wir haben alle Stress und es ist eh schön und gut, aber mal wieder mit der besten Freundin irgendwas Nettes unternehmen.
Wäre schon angesagt.
Saskia Jungnikl-Gossy
Wie machst du das? Also wie? Ja.
Verena Bogner
Also ich bin kinderlos, ich bin Single. Also ich habe gut Zeit, um mit meinen Freund*innen was zu unternehmen. Und genau dementsprechend habe ich diesen Struggle nicht, aber ich beobachte ihn bei anderen und sehe, dass viel drüber geredet wird. Also ich nehme mir sehr, sehr gern Zeit für meine Freund*innen. Für mich ist das ja der soziale Mittelpunkt meines Lebens und deswegen fließt da auch sehr viel Zeit und Energie rein.
Saskia Jungnikl-Gossy
Hast du Sorge, wie das wäre, wenn das jetzt anders wäre? Wenn du ein Kind hättest und in einer Beziehung wärst du das so?
Verena Bogner
Ehrlich gesagt nicht. Also da glaube ich schon zu wissen, Leute mit Kindern denken sich vielleicht jetzt, ja, jetzt bist du noch blauäugig. Aber ich glaube schon zu wissen, dass dieser Stellenwert immer so hoch wäre in meinem Leben. Und ich habe auch Freundinnen, die Kinder haben und da funktioniert es auch gut, weil einfach beide Seiten dahinter sind und wenn man sich einstellt auf die andere und wir unternehmen Sachen mit dem Kind oder mal zu zweit, also das funktioniert auch gut.
Saskia Jungnikl-Gossy
Das ist eine Frage der Priorisierung sicherlich. Wie findet man Freunde?
Verena Bogner
Puh. Da kann ich nur von mir selber sprechen. Wie habe ich meine Freund*innen gefunden? Meinen besten Freund habe ich in der Arbeit kennengelernt. Meine älteste beste Freundin noch in Oberösterreich. Also so in der Kindergarten nicht, aber dann so Jugend. Also da waren wir schon so rebellische Teenies, die heimlich Eristoff-Eis getrunken haben.
Da haben wir uns kennengelernt. Also irgendwie hat sich es einfach ergeben. Kann ich jetzt gar nicht so sagen, aber und mein bester Freund hat dann mal eine andere Freundin mitgebracht und so hat sich dann so ein Freundeskreis entwickelt, irgendwie, weil wir gemerkt haben, wir ticken gleich, wir interessieren uns für sehr ähnliche Sachen und sind Freundschaften allen sehr wichtig. Und also ich kann.
Saskia Jungnikl-Gossy
Aber würdest du jetzt sagen, dass dein Freundeskreis, dein engster Freundeskreis, vor allem aus Menschen besteht, die du schon lange kennst?
Verena Bogner
Nein, gar nicht so. Also voll gemischt. Also ich habe.
Saskia Jungnikl-Gossy
Also man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Man kann auch später noch Freunde finden.
Verena Bogner
Gar nicht. Also ich glaube auch nicht, dass man nur Freund*innen findet, wenn man die Kindergartenfreundin hat oder Teenie ist und das sehr outgoing und offen noch ist, sage ich mal. Also gar nicht. Ich habe auch Freund*innen, die kenne ich mein Leben lang und mit denen bin ich nicht mehr so close, einfach weil wir uns so unterschiedlich entwickelt haben. Und dafür Freund*innen, die kenne ich seit drei Jahren oder so. Also ich glaube, da wenn man irgendwie offen durch die Welt geht und genau die Leute sieht, so wie sie sind, dann kann man immer Freund*innen finden. Also egal, ob man jetzt 20, 30 oder 40 ist, ich glaube, das ist ganz egal.
Also ich habe mich auch im letzten Jahr mit einer Freundin, die hatte ich schon länger so im erweiterten Freundeskreis, aber wir haben nie so zu zweit Sachen gemacht, zum Beispiel. Und ich habe mir aber immer schon gedacht, die ist irgendwie so lustig und so interessant und ich freue mich eigentlich immer, wenn sie dabei ist. Und dann haben wir uns irgendwann mal einfach zu zweit was ausgemacht, weil ich glaube, ihr ging es ähnlich. Und jetzt sind wir voll gute Freundinnen und treffen uns voll oft zu zweit und haben viele gemeinsame Interessen. Also ich glaube, das kann immer passieren.
Saskia Jungnikl-Gossy
Ich habe irgendwo mal, ich weiß nicht, ob ich es gelesen habe oder gesehen, aber dass es geht ja stark in Richtung Grenzen ziehen und auf sich selber achten und seine eigenen Grenzen wahrnehmen. Und dass man in Freundschaften aber oft auch mal sagen muss, ich tue das jetzt nicht, weil das das leiwandste für mich ist, sondern ich tue es, weil es dir wichtig ist und weil es für meine Freundschaft zu dir wichtig ist. Und dass das vielleicht ein klein wenig das überlagert, also dass in Freundschaften man schon auch bereit sein muss, eben jetzt mal einen Nachmittag sich zum 15. Mal anzuhören. I don't know. Irgendeinen Liebeskummer, den man ist schon. Aber genau, siehst du das ähnlich?
Verena Bogner
Ja, ich finde, da ist einfach die Mindfullness zu weit gegangen. Die Millennial-Mindfulness, die irgendwann ins Absurde umgeschlagen hat, wo man dann so Insta-Postings sieht, so du musst dich nicht mit deinen Freund*innen treffen, du musst niemandem zurückschreiben. Du bist niemandem etwas schuldig. Mach nur die Dinge, für die du Ressourcen hast. Also dann auch diese Wording sind ja auch ja zumindest zum Augenrollen und finde ich auch irgendwie ganz schlimm, weil ich finde auch, das gehört auch dazu. Und da, weil du vorher gesagt hast, Freundschaften sind auch Beziehungen und da muss man Arbeit machen und das ist nicht immer nur lustig und fun und alles wholesome. Also da muss man auf jeden Fall sich auch mal zum zehnten Mal die Probleme anhören, wie du sagst, oder keine Ahnung, auch mal nicht absagen, obwohl man vielleicht sehr müde ist von der Woche oder sowas.
Weil in diesen ganzen Ratschlägen steht ja dann auch, ja, du darfst immer absagen und eine Freundin darf auch nicht beleidigt sein, wenn du kurzfristig absagst und so. Und ich denke mir ehrlich gesagt schon, ich darf schon beleidigt sein. Also ich sehe das auch, dass auch dieses Therapiesprech und diese Mindfullness da irgendwie genutzt wird, um einfach egoistisches Verhalten zu fördern. Und wir sind ja eh schon alle so, also man liest ja ständig, alle Leute sind so einsam und die jungen Leute haben keine Freundschaften mehr und wir sind alle in unseren kleinen Bubbles und leben eh nur noch im Internet quasi. Und dann wird auch noch der Rat gegeben, ja, mach nur, wofür du Ressourcen hast. Denke ich mir, ja, da wird es nichts mit den Freundschaften. Also ich bin da auch ganz dagegen, dass man das einreißen lässt.
Und klar, es ist nicht schwarz-weiß. Wenn ich meiner besten Freundin sage, hey, mir geht es heute richtig schlecht, ich kann nicht, bitte machen wir es nächste Woche, dann wird sie auch Verständnis haben und das ist auch voll okay. Aber wenn das einfach ständig passiert, dann wird man einfach irgendwann eine unzuverlässige, nervige Person. Und nein, ich finde, das ist keine gute Entwicklung.
Saskia Jungnikl-Gossy
Was haben Freundschaften in Person, Freundschaften jetzt quasi, sagen wir mal, online voraus? Also auch Stichwort jetzt vielleicht, vielleicht auch, wenn ich jetzt eher schon ans Alter denke oder so, weil wir Einsamkeit öfter angesprochen haben, auch in puncto Vorsorge vielleicht.
Verena Bogner
Wie meinst du genau?
Saskia Jungnikl-Gossy
Naja, ich meine quasi, dass wirklich viele sagen, oder weiß nicht, ob es so hundertprozentig, aber dass quasi man schon den Eindruck kriegt, wenn man online ist, dass man relativ gut connected ist und relativ viel Freundschaften hat. Aber dass Menschen tatsächlich in Person um einen zu haben, schon eine andere Form von Mehrwert hat. Also ja, oder hat es das?
Also genau das.
Verena Bogner
Ja, ich glaube, es ist auf jeden Fall ein Trugschluss, dass nur weil man auf Instagram mit irgendwelchen Leuten schreibt oder halt deren Erlebnisse sieht, dass man mit denen wirklich befreundet ist. Ich glaube, das sind zwei Paar Schuhe drum. Das war ja schon, als Facebook noch ein Ding war, immer sehr lustig zu sagen, ja, ich habe 1000 Facebook-Friends. Also ich glaube, das ist eine sehr gut gemachte Illusion, die uns dazu bringt, noch mehr im Internet zu sein und weniger im echten Leben. Aber im echten Leben was mit Freund*innen zu machen oder Leute um sich zu haben, ist natürlich ganz was anderes. Also das kann einem den Tag retten, die Woche retten und ein Insta-Post oder eine Insta-DM hat mir noch nie die Woche gerettet. Also ich glaube, darauf darf man nicht reinfallen, dass das wirklich was mit Freundschaft und echter zwischenmenschlicher Verbindung zu tun hat.
Saskia Jungnikl-Gossy
Ich habe das Gefühl, dass gerade so, vielleicht ist es nicht so, aber so mein Gefühl, dass es gerade so ein bisschen zwei gegensätzliche Strömungen gibt. Also auf der einen Seite, wir haben es vorher angesprochen, die politischen Einstellungen von jungen Männern und Frauen gehen auseinander. Immer mehr, also Frauen werden progressiver, Männer werden konservativer und immer mehr Frauen haben einfach keine Lust mehr hier auf eine romantische Beziehung, weil sie können das alles selbst Geld verdienen, sich um sich sowieso kümmern und fragen sich, wo der Mehrwert ist, mich noch um eine Person zu kümmern. Und auf der anderen Seite gibt es ja auch online eben diesen Trend Richtung Tradwife, also quasi dieses konservative Frauenbild der Frau, die zu Hause ist und das eigene Brot bäckt.
Ja, wie siehst du das?
Verena Bogner
Puh, ja, das sind wieder mal zwei Enden des Spektrums, würde ich sagen. Also das ist eh in den letzten Jahren eine besorgniserregende Entwicklung, dass einfach das Pendel wieder in die andere Richtung schwingt, quasi. Also von diesen woken Jahren mit #MeToo und so weiter sind wir ja jetzt wieder meilenweit entfernt. Und die Manosphere gibt den Ton an im Internet. Und ich glaube, ja, dass das leider zu diesem ganz normalen unter Anführungszeichen Pendel schon gehört, dass auch viele Frauen da mitmachen. Und also wir haben ja das alle irgendwo mitbekommen, dass das das Ziel ist, eh wie wir schon gesagt haben. Und nicht alle Frauen haben irgendwie sind links und progressiv unterwegs.
Und das soll auch keine, wie soll ich sagen, keine Entschuldigung sein für die Tradwives. Also ich finde das schrecklich und idiotisch und rückschrittlich. Aber ich glaube, Frauen sind halt auch nicht automatisch gescheiter als Männer. Das glaubt man ja auch oft, dass Frauen automatisch irgendwie Feministinnen sind oder solche Sachen gleich durchschauen. Brauchen wir nur diese ganze Girlboss-Ära anschauen, so aus den 2010ern, wo wir alle dachten, nur weil eine Frau Chefin ist, ist das automatisch super und für alle toll und alle sind gleichberechtigt? War ja leider auch nicht so. Und ich glaube, so ist es in diesem Fall auch, dass es einfach viele Frauen gibt, die diese Werte halt auch teilen, leider.
Saskia Jungnikl-Gossy
Du bist freie Journalistin, du schreibst über Popkultur unter anderem. Inwiefern prägen denn Medien und Popkultur unsere Vorstellung von romantischer Liebe? Also jetzt, weiß nicht, Love Songs, Romcoms.
Verena Bogner
Ja, das ist natürlich ein unglaublich großer Einfluss. Also ich habe auch als Teenie Sex and the City geschaut und mir gedacht, die Beziehung von Carrie und Mr. Big ist das Nonplusultra. Und dann habe ich es ein paar Jahre später nochmal geschaut und mir gedacht, oh mein Gott, der ist ja das größte Arschloch, das es überhaupt gibt. Und sie ist aber auch verrückt. Also das prägt uns natürlich extrem. Und eh wie du sagst, nicht nur Filme, sondern halt auch die Musik, die wir hören, prägt uns da extrem.
Und es gibt aber mittlerweile auch, also gab es eh schon immer, aber es gibt halt auch viel Musik, viele Filme, die das Gegenteil darstellen. Also es gibt eh unterschiedlichste Richtungen, aus denen da der Einfluss kommt, aber es spielt auf jeden Fall eine große Rolle.
Saskia Jungnikl-Gossy
Findest du es problematisch?
Verena Bogner
Dass Popkultur uns da quasi beeinflusst oder uns auch problematische Vorbilder bietet? Ja, jein. Also es kann problematisch werden, wenn es wirklich toxische Inhalte sind oder zum Beispiel, es gibt ja auch viel Musik oder Filme, die uns sagen, weiß ich nicht, je brutaler der Mann beim Sex ist, desto begehrenswerter ist er. Also da rede ich jetzt auch nicht von pornografischen Inhalten, sondern wirklich Popmusik oder Serien, wo solche Dinge vorkommen. Das ist natürlich problematisch und schrecklich. Aber bis zu einem gewissen Grad, denke ich mir auch, bei harmloseren Inhalten kann man daraus ziehen, was man möchte.
Saskia Jungnikl-Gossy
Voll. Kommen wir zurück zu deiner Arbeit als Autorin, zu deinem Buch. Ich würde gerne ein bisschen mehr über diesen Schreibprozess erfahren. Wie lange hast du denn an dem Buch gearbeitet?
Verena Bogner
Das Schreiben hat ungefähr, ich glaube, so fünf Monate gedauert. Aber der Prozess rundherum ist halt viel länger. Also das sieht man ja immer nicht, wenn man dann ein hübsches Buch kauft. Aber das Schreiben ist das eine, dann kommt das Lektorat, dann kommt die große Frage, was kommt aufs Cover, wie wird der Titel? Also der Titel war bei mir von Anfang an, ist ja festgestanden schon im ersten Konzept. Das ist eh ein großes Glück. Und dann noch, was steht auf dem Klappentext und dieses und jenes?
Also das ist ein riesiger Rattenschwanz. Aber genau, insgesamt hat es jetzt gedauert von Ende oder so Herbst 2024 bis jetzt.
Saskia Jungnikl-Gossy
Hattest du die Idee und hast dann ein Konzept geschrieben und hast dann einen Verlag gesucht?
Verena Bogner
Ich habe eine Literaturagentur in Deutschland und die sind supertoll. Die habe ich mir vor ein paar Jahren gesucht. Ich habe auch schon ein Sachbuch veröffentlicht und da habe ich schon davor mir diese Literaturagentur gesucht, weil ich mich ein bisschen umgehört habe und alle haben gesagt, ohne Agentur ist es fast nicht schaffbar, außer du bist halt schon ein bekannter Name. Und da habe ich wirklich einen absoluten Glückstreffer gemacht. Die sind super. Und meine Agentin, die hat immer schon von Anfang an gesagt, so ja, Sachbuch ist eh cool und do your thing. Aber ich habe schon das Gefühl, du kannst ganz lustige Geschichten erzählen.
Wenn ich halt irgendwo dann, wenn wir uns gesehen haben, ihr irgendeinen Schwank erzählt habe und sie war so, das war jetzt eigentlich schon lustig, und hat so diesen Seed geplantet in meinem Kopf, ob ich nicht einen Roman probieren würde. Und ich habe mir gedacht, nein, ich kann das nicht. Also ich habe mich gar nicht getraut, auch wegen diesem Geschichtenausdenken und wie schreibt man eine gute Geschichte, dass es da einen Spannungsbogen gibt und wie beschreibt man Figuren und so weiter. Also ich war ganz anti am Anfang, aber einfach aus Angst, dass ich es nicht kann und habe es mir nicht so recht zugetraut. Und ich habe aber trotzdem dann immer wieder darüber nachgedacht. Also sie hat mich nicht gepusht oder irgendwas, aber sie hat es einfach, das ist einmal erwähnt und dann dachte ich so, man, aber ja, wenn es scheitert, scheitert es halt. Aber irgendwie, vielleicht hat sie ja eh recht.
Und dann genau ging eben der Prozess los mit der Frage, worüber schreibe ich jetzt, was habe ich zu sagen? Und dann habe ich überlegt, was ist ein Gefühl, über das ich schreiben möchte? Und dann bin ich sehr schnell bei Cringe gelandet.
Saskia Jungnikl-Gossy
Und wie bist du es dann angegangen? Also hast du quasi zuerst die Figuren entwickelt? Hast du dir das so, wie man es kennt, auf einer Pinnwand entwickelt?
Verena Bogner
Ja, also.
Saskia Jungnikl-Gossy
Den Weg oder genau, wie war das?
Verena Bogner
Ich war schon so ein bisschen eben verrückter Professormodus dann irgendwann. Also ich habe natürlich zuerst mal so Theorie ein bisschen gelesen, so wie macht man eine gute Geschichte und wie funktioniert Storytelling? Weil ich habe echt so gedacht, wenn ich jetzt ins Blaue schreibe, dann ist die Geschichte entweder nach zehn Seiten fertig oder nach tausend. Also ich habe es gar nicht abschätzen können. Und dann habe ich mir so ein Grundgerüst quasi gebaut und mir überlegt, okay, da kommt diese Figur dazu, da kommt diese Figur dazu, da ist der Tiefpunkt und so weiter. Genau, und dann habe ich dieses Gerüst quasi befüllt.
Saskia Jungnikl-Gossy
Das heißt quasi, du warst schon relativ sicher darin, wo welche Figur hingeht, bevor du angefangen hast zu schreiben? Oder ist das so parallel gelaufen?
Verena Bogner
Ja, so ganz grob. Ganz grob habe ich es mir schon ungefähr gedacht, aber es entstehen dann natürlich beim Schreiben nochmal andere Wege oder andere Stories, die dann noch dazukommen. Also es hat sich schon noch sehr verschoben alles, aber mir hat das auch Sicherheit gegeben, dieses Gerüst, dass ich wusste, so wird es ungefähr ablaufen. Und dann muss man aber auch flexibel bleiben, wenn es halt dann nur zur Hälfte so abläuft und noch eine andere Abbiegung nimmt.
Saskia Jungnikl-Gossy
Also das heißt, du hast doch viel umgeworfen dann während dem Schreiben oder?
Verena Bogner
Umgeworfen. Ich habe einfach, ich war dann schon so ein bisschen, wie soll ich sagen, go with the flow-mäßig. Also ich habe mir gedacht, okay, das würde jetzt eigentlich gar nicht mehr zur Geschichte passen, wenn ich mich jetzt streng an diesen und jenen Grundpfeiler anhalten würde, sondern habe dann gedacht, okay, ich mache es lieber so und habe dann zum Beispiel was, was später gekommen wäre, vorgezogen oder noch was ganz was anderes, was noch gar nicht in diesem Grundgerüst war. Also da habe ich versucht, flexibel zu bleiben, auch wenn es schwierig war, weil es ist natürlich, also in meinem Kopf war es einfacher, das dann einfach abzuarbeiten, sage ich mal. Aber das ist eine sehr, sehr pragmatische Herangehensweise, die bei sowas dann auch nicht immer aufgeht.
Saskia Jungnikl-Gossy
Hast du was über dich gelernt während dem Schreiben? Weil ich stelle mir das so vor, wenn du am Anfang ein bisschen Respekt hattest, offenbar davor, aber dann immer freier geworden bist?
Verena Bogner
Ja, ich habe gelernt, dass ich es eh kann. Dass ich es dann eh kann und dass es mir auch sehr Spaß gemacht hat. Und ich habe auch, also als Kind eben, wie ich auch vorher gesagt habe, ich war als Kind sehr, ja, da habe ich mir gedacht, Cringe. Also natürlich gab es das Wort Cringe in der Form noch nicht, aber ich war komplett befreit von all dem und habe auch sehr gern Geschichten geschrieben. Das waren natürlich irgendwelche Kindergeschichten, irgendwelche daher fantasierten, auch wahnwitzigen Sachen, aber ich habe das sehr gerne gemacht. Ich habe vor zwei Monaten oder so meine alten Schulhefte aussortiert, auch meine Deutschhefte, und war dann fast ein bisschen gerührt, weil die ganzen Geschichten einfach lustig waren und man gemerkt hat, dass ich, also ich habe mich dann auch wieder daran erinnert, dass ich Spaß daran hatte, das zu machen. Und also ich glaube auch, dass, jetzt wird es Meta, aber dass mich auch das Schreiben von der Geschichte wieder näher zu meinem True Self gebracht hat, worum es ja eigentlich auch in der Geschichte geht.
Saskia Jungnikl-Gossy
Außerdem finde ich das total schön, dieser Gedanke, dass du eigentlich so warst, wie du bist, und dem nachgegangen bist und getan hast, was dir Freude macht, und dann quasi sozialisiert wurdest und auf einmal eher vorsichtig geworden bist, dich zu zeigen, und jetzt aber offenbar wieder Spaß daran hast und zurückfindest. Das ist eigentlich total schön.
Verena Bogner
Voll. Ja, finde ich auch.
Saskia Jungnikl-Gossy
Und dann mit so einem Output.
Verena Bogner
Ja, ja, ja. Nein, also für mich war das Ganze, der ganze Roman, also das Projekt, einfach nur toll. Also mir hat es voll viel Spaß gemacht. Natürlich hat man auch einen Zachentag, aber ich kann nur zehn von zehn Punkten geben, dieser Experience.
Saskia Jungnikl-Gossy
Hast du eigentlich jeden Tag geschrieben? Also so manche sagen mal, setzt sich auf jeden Fall jeden Tag hin und schreibt zehn Seiten, egal wie gut sie sind, oder warst du eher so, heute schreibe ich, heute schreibe ich nicht?
Verena Bogner
Nein, ich bin schon eher, ich brauche einen Plan. Also ich bin so eine sehr leidenschaftliche Listenschreiberin und so und bin das auch sehr strukturiert angegangen, weil sonst stresst es mich auch. Also ich mag lieber eine Deadline unterschreiten. Also ich brauche nicht diesen Druck, dass eine Deadline schon immer näher kommt und erst dann kann ich arbeiten, sondern ich bin auch immer zu früh, ich gebe alles zu früh ab. Und das ist einfach die Art, wie ich am besten arbeite, ohne durchzudrehen.
Und so war es auch beim Romanschreiben. Also dadurch, dass ich mir dann jeden Tag vorgenommen habe, ich schreibe so und so viele Seiten, habe ich es in einem Zeitraum hingebracht, der einfach für mich entspannt war. Voll.
Saskia Jungnikl-Gossy
Und wie ist es jetzt für dich so oder wie wird es sein, das Gefühl zu haben, weil jetzt hast du keinen Zugriff mehr auf das Buch? Du hast es geschrieben, du hast wirklich viel von dir eingebracht, daran gearbeitet, umgedacht und jetzt ist es weg und in kurzer Zeit kann es jeder lesen, der mag.
Verena Bogner
Ja, grüß dich. Also grundsätzlich, also ich glaube, es gibt auch Leute, die das ganz schlimm finden, das dann abzugeben und man hat dann keine Kontrolle mehr. Man kann nichts mehr ändern und es ist dann einfach so, wie es ist. Verstehe ich auch. Aber bei mir war es dann eher so, dass ich dachte, so, juhu, es ist außerhalb meiner Kontrolle. Also für mich war es dann eher gut. Also so, okay, ich kann jetzt nichts mehr machen.
It is what it is. Aber natürlich, also es ist schon irgendwie ein Gefühl, das man sehr schwer beschreiben kann, wenn man an so einem Buch arbeitet, weil natürlich weiß ich, dass es ein Buch wird irgendwann, aber es fühlt sich trotzdem so, einfach es fühlt sich an wie ein Konzept, das nur in meinem Kopf existiert. Also wenn ich dann das erste Mal wirklich das gedruckte Buch gesehen habe, war ich schon so, ah ja, stimmt ja. Es ist ja wirklich ein echtes Buch, das ich noch dazu sehr schön finde, optisch. Also das ist schon irgendwie arg, wenn man dann kapiert, dass man jetzt da so einen schönen Roman gemacht hat. Und natürlich gruselt es mich bei der Vorstellung, dass das dann viele Leute lesen, aber ich will natürlich auch, dass es viele Leute lesen, deswegen habe ich es ja gemacht.
Saskia Jungnikl-Gossy
Das ist das Problem, oder? Wenn man Autorin ist.
Verena Bogner
Aber die Feuertaufe hat es eh schon bestanden, meine besten Freundinnen, die mir ja sehr wichtig sind, wie wir jetzt schon zehnmal gehört haben.
Saskia Jungnikl-Gossy
Und die offenbar aber auch ehrlich zu dir sind.
Verena Bogner
Ja, die haben es schon gelesen und die haben mir gute Reviews gegeben.
Saskia Jungnikl-Gossy
Okay. Reden wir noch kurz über den Kulturjournalismus in diesem Land, weil du bist sehr lange, du bist schon sehr lange Journalistin, also in Österreich, und beschäftigst dich viel mit Kultur. Wie ist denn so deine Bestandsaufnahme?
Verena Bogner
Ja, ich habe mich, ich bin jetzt das vierte Jahr selbstständig und ich habe mich immer schon sehr für Popkultur interessiert. Das war immer so mein Herzensthema, aber ich habe nicht immer darüber geschrieben. Und seit meiner Selbstständigkeit hat sich das dann irgendwie in diese Richtung entwickelt. Auch muss ich sagen, durch meinen besten Freund Franz, mit dem ich Galerie Arschgeweih mache und noch mit einem dritten Freund, dem Daniel, der ist in Berlin. Aber der Franz hat das ins Leben gerufen und hat mir irgendwie die Konfidenz gegeben, mich noch mehr mit diesen Themen zu beschäftigen und nicht nur privat. Und das war mal das eine. Und das andere war immer schon, dass es mich sehr genervt hat, wenn ich österreichische Popkulturinhalte lese.
Brauche ich nicht von Ansehen reden, weil es gibt den nur schriftlich und anderen Content gibt es meistens eh nicht dazu. Dann war es meistens von mittelalten Männern, die mit dem Zeigefinger dir sagen, ja, also ich finde Taylor Swift eh scheiße, aber hier ist trotzdem meine Review. Also gleich mal diese Vorabablehnung, wo das immer mitschwingt so, ja, es kann eh nichts gescheit sein, aber wir müssen es halt besprechen, weil es Mainstream ist. Und das fand ich nervig. Und dann dachte ich mir, so, wenn Männer hergehen können und sagen können, ich bin Experte, dann kann ich auch hergehen und sagen, ich bin Expertin, weil ich bin eine. Und dann habe ich angefangen, diese Themen zu pitchen allen möglichen Medien. Und am Anfang, ja, dachte ich schon, wer weiß, ob das überhaupt was wird, ob es da irgendwie, ob das Anklang findet.
Und ich glaube, ich habe einen guten Zeitpunkt erwischt, weil in den englischsprachigen Medien schon viel mehr verbreitet war dieser Poptimismus, also dass man quasi Pop auch respektvoll bespricht und nicht gleich immer sagt, ja, das ist eher Scheiß, aber da ist halt mein Text dazu. Und bei uns war das noch nicht so wirklich, dass irgendwer diesen Ansatz so vertreten hat. Und das war natürlich von mir nicht bewusst irgendwie gemacht, sondern das kann ich auch jetzt erst mit ein paar Jahren Abstand so feststellen, dass das einfach auch ein ganz gutes Timing war. Und genau, so hat sich das dann ergeben, dass die Themen angenommen wurden. Und ich habe auch mit Nachdruck alle genervt und gesagt, aber das interessiert wen. Und ich fand es dann zum Beispiel auch sehr cool, als der Falter die Taylor Swift-Kolumne gemacht hat, also wirklich gesagt hat, wir wollen jetzt jede Woche einen Taylor Swift-Text bis zum Konzert, das nie stattgefunden hat. Aber das habe ich dann mit einer Kollegin abwechselnd gemacht. Und das sind dann, glaube ich, schon so Signale, die dann ausgesendet werden in der Medienbranche, wo sich dann auch andere wieder denken, ah ja, die machen das jetzt, sollte man vielleicht auch mal was machen.
Und genau, so hat sich das entwickelt. Und jetzt bin ich die, die im Kulturmontag, die vom Kulturmontag angerufen wird, wenn Taylor Swift irgendwas macht. Also das muss ich schon auch sagen, ist auch ein bisschen mein Traumjob. Und auch wieder zurück zu den Deutschheften, die ich durchgeschaut habe, da stand auch, da mussten wir einmal einen Nachruf auf uns selber schreiben als Hausübung, sehr, ja, morbide Hausübung. Und da stand aber drin.
Saskia Jungnikl-Gossy
Ein bisschen ungewöhnlich, okay.
Verena Bogner
Ja. Ich habe das mal gepostet und da haben einige geschrieben, sie mussten das auch machen. Also ich weiß auch nicht, was da die Deutschlehrerinnen geritten hat in den 2000ern. Aber da stand unter anderem in meinem Nachruf, also zum einen stand drin, dass ich einen Mann namens Tom heirate. Weiß ich noch nicht, wo der ist, aber der muss sich schon mal darauf einstellen, dass ich viel mit meinen Freundinnen machen werde. Und es stand auch drin, dass ich MTV-Moderatorin und Chefredakteurin von Bravo war. Ja, und ich finde, das zeigt ja auch schon, dass das schon auch sehr früh in dir verankert war.
In mir verankert war und dass ich damit ein paar Umwegen jetzt irgendwie, also ich bin weder bei MTV noch bei der Bravo, aber so umgelegt aufs Jahr 2026 und so, wie ich es mir vorstelle, nah dran an diesen Themen, die mich schon in meinem Nachruf beschäftigt haben.
Saskia Jungnikl-Gossy
Mal kurz weg vom Nachruf. Mehr zur aktuellen Lage, bitte. Außerdem gibt es ja keinen Grund, warum das nicht nebeneinander bestehen sollte oder könnte, oder? Also quasi Popkultur, man kann ja ein paar alles Mögliche schreiben im Kulturjournalismus. Also Kultur ist ja ein viel größerer Begriff, als er offenbar im Journalismus lang gefasst wurde.
Verena Bogner
Ja, sehe ich natürlich auch so. Also man kann ja eh über, weiß ich nicht, Bruce Springsteen oder wie diese ganzen Männer heißen, auch Respekt vorschreiben. Das machen dann andere und nicht ich. Aber ich glaube auch, viele sehen da einfach noch diese Trennung zwischen Hochkultur, whatever that means, echter Musik, whatever that means. Das sind dann meistens Männer mit Gitarre, wo man dann sagt, ja, der macht noch echte Musik. Und Mainstream-Pop. Das haben halt viele noch so verankert und dementsprechend kommt das auch im Kulturjournalismus sehr oft raus.
Also und gerade Pop, so wie er jetzt relevant ist, so mit Taylor Swift oder Beyoncé oder Harry Styles jetzt ganz aktuell, das bedeutet ja für unglaublich viele Frauen und Mädchen und queere Menschen extrem viel. Also das ist ja nicht einfach Trash, der keine tiefere Bedeutung hat. Und das ist mir einfach sehr wichtig, dass das auch irgendwo stattfindet in den Medien.
Saskia Jungnikl-Gossy
Ich muss jetzt eine Lanze brechen für Bruce Springsteen.
Verena Bogner
Ja.
Saskia Jungnikl-Gossy
Den mag ich nämlich. Ich mag ihn vor allem jetzt halt. Aber ich höre auch eben, also was ich damit sagen will, das kann ja viel sein. Und man limitiert ja dadurch einfach auch die Möglichkeiten. Völlig unnötig. Weil man sollte hören, was einem Freude macht, also nicht, was aussagt.
Verena Bogner
Ja, das finde ich auch. Und ich glaube, mit dem Stichwort Freude, das knüpft auch wieder gut ans Buch an und an Coolness und so, an das Konzept Coolness, weil ich glaube, Coolness oder ja, das Konzept Coolness verbietet Leuten oft wirklich ehrliche Freude zu empfinden und die auch zu zeigen. Und damit tut man sich ja auch nichts Gutes. Und ich glaube, das ist im Kulturjournalismus auch oft so, dass man Leute, die zu begeistert sind, also das ist ja auch oft ein Vorwurf, dass die Poptimist*innen, so wie ich es bin, zu begeistert sind und ja alles nur viel Freude haben, alles nur super finden. Das ist ja auch ein Blödsinn. Also ich sage ja, auch wenn Taylor Swift irgendwas politisch Fragwürdiges macht, sage ich es und finde aber trotzdem ihre Musik ganz gut. Also das kann ja auch beides wieder nebeneinander existieren.
Aber diese Gleichzeitigkeit, die haben viele noch nicht verstanden, dass es die wirklich geben kann.
Saskia Jungnikl-Gossy
Aber ein guter Punkt, dass man quasi ja dieses selbst auferlegte Coolness, die man haben möchte, damit andere einen cool finden, sich selbst was versagt.
Verena Bogner
Voll, voll. Also wenn man das kapiert hat, hat man auch ein viel lustigeres Leben, viel mehr Spaß an Dingen.
Saskia Jungnikl-Gossy
Ohne das zu spoilern, aber in deinem Buch gibt es ja eine wunderschöne Szene, finde ich, oder mehrere, die darauf einzahlen, aber eine, die mir jetzt gerade einfällt, wo man eben diesen Sprung, dieses Wie sie sehen ein andere, wo die beiden Freundinnen oder wo zwei Freundinnen diesen Sprung drüber wagen und einfach tun, was ihnen gerade guttut und lachen aus vollstem Herzen. Und das ist auch sehr schön, finde ich, also weil es ja darum geht, wir leben dieses Leben.
Verena Bogner
Voll. Voll, genau darum geht es.
Und nicht darum, ob die, die rundherum sind, denken, die lachen jetzt aber zu laut, die sind ja nervig oder die schauen komisch aus oder whatever. Also es geht darum, dass du den Spaß mit deiner besten Freundin hast und dich gut dabei fühlst.
Saskia Jungnikl-Gossy
Das ist jetzt sehr schön. Eine letzte Frage habe ich noch. Und zwar, was dich jetzt angeht, dein erster Roman, ist das jetzt der Weg, den du weitergehen willst? Du hast gesagt, viel Freude gehabt beim Schreiben oder wie planst du jetzt so deine nächsten Jahre?
Verena Bogner
Noch gar nicht. Also jetzt muss ich mal diesen Release und alles, was damit einhergeht. Also das wird ja jetzt alles sehr aufregend und groß für mich. Ich bin ja auch immer sehr gut im Kleinreden von irgendwelchen Erfolgen und Achievements und denke mir immer so, ja, okay, super und what's next? Und darum habe ich mir auch für dieses Jahr vorgenommen, das jetzt wirklich auszukosten und mich einfach zu freuen, dass ich es gemacht habe. Und ich werde es ein nächstes Buch geben, vielleicht, ich hoffe, aber kann ich jetzt noch gar nichts dazu sagen. Und grundsätzlich bin ich einfach gerade happy, so wie es ist, mit dem Buch, mit meinen freien Texten, mit Galerie Arschgeweih. Also das habe ich mir jetzt gut so zusammengezimmert, dass ich mir wirklich sehr, sehr oft denke, perfekt, voll super.
Saskia Jungnikl-Gossy
Danke für das schöne Gespräch.
Verena Bogner
Danke.
Saskia Jungnikl-Gossy
Das war die heutige Folge von Ganz Offen Gesagt. Wir freuen uns, wenn ihr unseren Podcast abonniert, weiterempfehlt und uns in euren Podcast-Apps mit fünf Sternen bewertet. Feedback wie immer gerne an redaktion@ganzoffengesagt.at. Wenn ihr jetzt mehr über Verena Bogner und ihre Arbeit erfahren wollt, dann lege ich euch erstens natürlich ihren neuen Roman ans Herz. Er erscheint am.
Verena Bogner
30. April.
Saskia Jungnikl-Gossy
Genau, holt ihn euch. Und zweitens folgt ihr doch etwa auf Instagram unter verenabgnr
Verena Bogner
Habe ich mir nicht gut überlegt, dass der Name nicht so gut auszusprechen.
Saskia Jungnikl-Gossy
Ich schreibe es euch noch in die Shownotes.
Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Ciao!

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Saskia Jungnikl-Gossy

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