Cash or Crash
Baustellenstau und Online-Paket: Kostenlawine für die Konsumenten

Österreichs Straßennetz umfasst 128.000 Kilometer. Weil die Verkehrsbelastung steigt, müssen Autobahnen und Straßen immer häufiger ausgebaut beziehungsweise saniert werden. Im August gab es in ganz Österreich laut ÖAMTC allein auf den Autobahnen und Schnellstraßen über 70 Baustellen. Dazu kommen dann noch die Baustellen auf den Landesstraßen und in den Gemeindegebieten. Allein in Wien gab es zuletzt ebenfalls über 70 Straßenbaustellen. Das sorgt immer wieder für Staus. Baustellenstaus kosten aber nicht nur Zeit sondern auch Geld.

Immer mehr Geld kostet es nun auch, wenn man online im Nicht-EU-Ausland wie etwa in China einkauft. Seit 1. Juli gibt es dazu bereits die EU-Paketsteuer. Dazu kommt ab 1. November dann noch die „Bearbeitungsgebühr.“ Und in Österreich gibt es ab 1. Oktober noch eine eigene Paketsteuer obendrauf. 

Hallo zusammen noch einmal, schön, dass ihr auch diese Woche bei meinem Podcast wieder dabei seid. Ich habe zwei Themen für euch heute vorbereitet: Zunächst spreche ich über ein Thema, das, glaube ich, besonders viele Pendler und Pendlerinnen täglich aufregt, die mit dem Auto in die Arbeit fahren müssen. Und zwar geht es um die vielen Straßenbaustellen. Derzeit gibt es in Österreich laut ÖMTC allein auf den Autobahnen und Schnellstraßen ungefähr so 70 Baustellen. Dazu kommen dann noch die ganzen Baustellen auf den Landesstraßen und in den Gemeindegebieten. Allein in Wien gab es zuletzt ebenfalls über 70 Straßenbaustellen. Manche von diesen Baustellen gibt es nur über den Sommer, aber die meisten über viele Monate und manche sogar über viele Jahre. Und gerade in Ballungszentren wie Wien oder auf den Autobahnen kann man oft nur sehr schwer ausweichen, also steht man dann im Stau. Und ein Stau kostet nicht nur wertvolle Zeit, sondern auch noch Geld. Dazu komme ich aber dann noch.Das Straßennetz in Österreich ist übrigens 128.000 Kilometer lang. Zum Vergleich dazu: Das Schienennetz ist bescheidene 5.600 Kilometer lang. Warum sage ich das so? Weil es von der Politik seit Jahrzehnten heißt, dass man mehr LKWs von der Straße auf die Schiene verlagern will. Schiene statt Straße heißt das dann in der politischen Marketingsprache. Wie wir alle mit freiem Auge aber erkennen können, ist es damit nicht weit her. Und die Daten der Statistik Austria bestätigen das auch: 82 Prozent des gesamten Güterverkehrs rollen über die Straße, nur 14 bis 16 Prozent über die Schiene. Den Rest ergeben dann Flugtransporte und die Binnenschifffahrt. Die Verkehrsbelastung auf Österreichs Straßen nimmt übrigens ständig zu. 7,5 Millionen Kraftfahrzeuge sind hierzulande übrigens zugelassen, davon 5,9 Millionen PKW. Das ist Rekord. Dazu kommt dann noch der ganze Transit. Österreich ist ein Transitland: von Ost nach West, von Nord nach Süd und umgekehrt. Österreichs meistbefahrene Autobahn ist übrigens die Südostangente, die A23. Im Vorjahr rollten dort 64 Millionen PKW über die Straße. Auf der Südautobahn waren es 50 Millionen PKW. Und an dritter Stelle kommt dann die Donauufer-Autobahn mit rund 38 Millionen PKW. Wie gesagt, PKW, die LKWs sind da noch gar nicht mitgerechnet. Insgesamt werden auf Österreichs Straßen allein nur im PKW-Verkehr jährlich schätzungsweise rund 80 Milliarden Kilometer abgespult. So, was heißt das jetzt? Ganz einfach: Durch die zunehmende Verkehrsbelastung muss eben das österreichische Straßennetz mehr oder weniger ständig saniert werden. Auf Autobahnen muss der Asphalt alle 10 bis 15 Jahre erneuert werden. Dazu kommen jetzt noch auch die Folgen des Klimawandels, weil Hitze und Starkregen den Asphalt beschädigen. Beton hält länger, verursacht aber viel lautere Fahrgeräusche, ist also für die Anwohner auch noch von Weitem zu hören.

Was heißt das jetzt für unsere Geldbörse? Weil immer irgendwo eine Autobahn beziehungsweise Straße saniert werden muss, wird das Thema Stau jetzt ein Dauerthema werden. Das ist einmal klar. Staus kosten aber nicht nur wertvolle Zeit, sondern eben verursachen auch gehörige Kosten. Es gibt sogar einen Begriff dafür: Das sind die sogenannten Verzögerungskosten. Und wie setzen sich die zusammen? An erster Stelle steht eben, wie gesagt, einmal der Zeitverlust. Rund 95 Prozent dieser Verzögerungskosten entstehen, weil Pendler und Pendlerinnen auf dem Weg in die Arbeit feststecken und dann eben zu spät zum Job kommen, zur Arbeit kommen. Dazu kommen dann noch die verspäteten Güter im LKW-Verkehr. Wenn also Lebensmittel zum Beispiel zu spät geliefert werden, entstehen auch Kosten. Und nicht zuletzt kommen die Spritkosten dazu. Das ständige Anfahren und Bremsen in einem Stau erhöht den eigenen Spritverbrauch massiv. Auf der Autobahn verdoppelt er sich, im städtischen Bereich kann er sich sogar verdreifachen. Was heißt das in Zahlen? Die Technische Universität Wien hat den Schaden einmal genau berechnet und festgestellt, dass pro PKW-Fahrer ein Schaden von 15 bis 25 Euro pro Stunde Stau entstehen. Bei einem LKW sind es 60 bis 80 Euro.

In Summe entsteht so für die Volkswirtschaft ein Schaden von 5 bis 6 Milliarden Euro jährlich. Das ist eine Berechnung, die die Wirtschaftsuniversität Wien und der Autofahrer-Club ÖMTC einmal angestellt haben. Diese Berechnung ist zwar schon einige Jahre alt, hat aber noch immer ihre Gültigkeit. Dazu kommen natürlich jetzt auch noch die Kosten für den Bau und den Erhalt von den Straßen und Autobahnen in Österreich. 2024 wurden laut Statistik Austria 5,7 Milliarden Euro für den Erhalt, Aus- und Neubau des Straßennetzes in Österreich investiert. Geld, das natürlich von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern kommt. Umgekehrt muss man jetzt aber auch sagen, dass es einen Gegenwert gibt. Diese 5,7 Milliarden fließen ja direkt in die Bauwirtschaft und sichern dort einmal Tausenden Bauarbeitern den Job. Baustellen sind aber auch volkswirtschaftlich notwendig, muss man ehrlicherweise sagen, um den Verfall von Straßen und Brücken zu verhindern. Moderne Straßen erhöhen die Sicherheit und verbessern dann am Ende des Tages auch die Fahrt- und Transportzeiten. Und dadurch rechnen sich diese Investitionen dann wieder. Also, wenn ihr künftig im Stau steht, nicht zu viel ärgern, hört euch stattdessen meinen Podcast an.

Ich habe, wie schon angekündigt, noch einen zweiten Beitrag für euch vorbereitet. Billiger wird bekanntlich nichts, und die Europäische Union und die österreichische Bundesregierung sorgen nun dafür, dass euer Leben gleich noch ein wenig teurer wird. Und zwar dann, wenn ihr im Internet etwas bestellt, und zwar aus einem Nicht-EU-Land. Dazu gibt es ja seit 1. Juli bereits die sogenannte EU-Paketsteuer. Das ist eine Importsteuer oder eigentlich auch ein Zoll. Also nicht nur Donald Trump will seine Wirtschaft schützen und Zölle einheben, sondern auch die EU. Weil die Europäerinnen und Europäer nach Meinung der Politiker über Amazon oder über die chinesischen Plattformen wie Temu, AliExpress oder Shein zu viel billige Kleidung, Elektroniksachen oder Spielsachen einkaufen. Und das schadet dem Handel in Europa massiv. Laut Europäischer Kommission hat sich die Menge kleiner Pakete, die in die EU eingeführt werden, zwischen 2022 und 2024 jedes Mal verdoppelt. 2024 sind dann 4,6 Milliarden kleine Pakete in die EU importiert worden. Das waren 12 Millionen pro Tag. Im Vorjahr waren es dann schon 5,9 Milliarden Pakete. Rund 90 Prozent davon kommen übrigens aus China.

So, bis zum 1. Juli war die Einfuhr von solchen kleinen Paketen steuerfrei, sofern also die Ware nicht mehr als 150 Euro gekostet hat. Seit 1. Juli ist nichts mehr steuerfrei. Da bezahlt man jetzt eine Steuer von 3 Euro. Aber Achtung, die Steuer gilt nicht pro Paket, sondern hängt vom Inhalt ab. Der Zoll oder eben die Steuer wird auf jede einzelne Ware im Paket eingehoben. Wenn also ein Paket beispielsweise ein Leiberl enthält und ein Ladekabel, dann zahlt man nicht 3 Euro, sondern eben 6 Euro. Das Geld wandert übrigens in den gemeinsamen EU-Steuertopf. Kleinvieh macht auch Mist, dürften sich da die EU-Politiker gedacht haben. Schließlich machen diese kleinen Lieferungen 93 Prozent des gesamten Internethandels in der EU aus. Und bei zuletzt eben knapp, wie schon gesagt, 6 Milliarden Packerl im Jahr, kommt da sicher etwas zusammen.

Das ist jetzt aber natürlich noch nicht alles, weil ab 1. November kommt dann zu dieser Paketsteuer noch eine weitere Steuer obendrauf. Und auch diese Steuer zahlt ihr nicht nur, wenn ihr ein Paket jetzt aus China bestellt, sondern ihr zahlt die Steuer auch dann, eben wenn ihr das Packerl in den USA oder in Großbritannien bestellt. Ich habe ja schon gesagt, 90 Prozent der Pakete kommen aus China. Aber nur eine Steuer für Pakete aus China hätte dumm ausgesehen. Das wäre juristisch wahrscheinlich anfechtbar gewesen. Und außerdem sieht es so einfach nicht so krass nach Anti-China-Politik aus. Die EU-Bürokraten nennen diese zusätzliche Steuer ab 1. November, die da kommen wird, eine Bearbeitungsgebühr. So, die Bearbeitungsgebühr beträgt 2 Euro pro Paket. Die kommt also noch einmal drauf auf die Steuer vom 1. Juli. Fragt mich jetzt aber bitte nicht, was bei der Bearbeitungsgebühr genau bearbeitet wird.

Das ist aber noch immer nicht alles. In Österreich kommt noch eine eigene Paketsteuer obendrauf, und zwar ein bisschen früher, schon ab 1. Oktober wird es die geben. Diese neue Steuer sollen ja die großen Versandhändler und Online-Plattformen wie Amazon und so weiter bezahlen. So jedenfalls haben sich das unsere Politikerinnen und Politiker ausgemalt. Die Experten sagen aber was anderes. Die sagen, dass die großen Online-Plattformen und Versandhändler, na ja, diese Steuer an die Konsumenten abwälzen werden, indem die Waren entsprechend teurer werden oder indem einfach zusätzliche Zustellgebühren anfallen. Wie hoch ist die Paketsteuer? Das wisst ihr wahrscheinlich schon: 2 Euro pro Paket. Wobei, eigentlich sind es 2,40 Euro, weil auf die 2 Euro kommt ja noch einmal 20 Prozent Umsatzsteuer drauf.

Was heißt das jetzt für unsere Geldbörse? Ja, ganz einfach. Also, seit 1. Juli gibt es die EU-Paketsteuer, 3 Euro pro Ware. Also mindestens 3 Euro muss man da bezahlen. Dann ab 1. November kommen 2 Euro Bearbeitungsgebühr drauf. Und ab 1. Oktober gibt es noch die österreichische Paketsteuer von 2,40 Euro. Macht in Summe also 7,40 Euro an Mehrkosten pro Paket, mindestens. Diese Rechnung hat übrigens neulich auch Walter Oblin in mehreren Interviews angestellt. Wer ist Walter Oblin? Das ist kein Geringerer als der neue Chef der österreichischen Post. In meinen Augen hat Walter Oblin aber noch etwas anderes, nämlich sehr Interessantes gesagt. Nämlich, dass die neuen Steuern, die neuen Paketsteuern, die Bestellungen aus China zwar kurzfristig dämpfen werden, den Zug der Zeit werden die neuen Steuern aber nicht aufhalten. Das heißt, die Idee der Politikerinnen und Politiker in Österreich und der EU, mit den neuen Steuern den Handel in Österreich und in Europa schützen zu wollen, mag ehrenhaft sein, ist aber ein Schlag ins Wasser. Der Schuss wird also nach hinten losgehen. Warum? Weil die Bürgerinnen und Bürger die neuen Steuern dann halt wo anders einsparen, indem sie eben hierzulande weniger Geld ausgeben und so am Ende erst recht wieder der heimischen Wirtschaft schaden. Na ja, das war's für heute. Wo immer ihr auch seid, einen schönen Tag wünsche ich euch noch, und ich freue mich, wenn ihr nächste Woche wieder dabei seid. Auf Wiedersehen.

Links: 

https://vcoe.at/presse/presseaussendungen/detail/vcoe-auf-oesterreich-strassen-rollt-teure-sanierungswelle-zu-zusaetzlich-steigen-klimaschaeden-stark

https://www.oeamtc.at/autotouring/reportage/stau-ursachen-kosten-und-loesungsansaetze-82767274

https://blog.fvv.tuwien.ac.at/stau-check/

https://baustelleninfo.asfinag.at/client/?embed=1&lang=de

https://www.statistik.at/statistiken/tourismus-und-verkehr/gueterverkehr/modal-split

https://www.heute.at/s/post-boss-knallhart-pakete-werden-um-7-teurer-120231877

Autor:in:

Wolfgang Unterhuber

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