Cash or Crash
Was die hohe Arbeitslosigkeit für unsere Geldbörse bedeutet

In Österreich steigt die Arbeitslosigkeit nun schon seit 40 Monaten ununterbrochen. Zuletzt waren 364.000 Personen arbeitslos gemeldet. Das stellt die Betroffenen vor ein Existenzproblem und belastet zugleich die Volkswirtschaft. Die Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit sind vielschichtig. Die Unternehmen sind seit den EU-Sanktionen gegen Russland mit hohen Energiekosten konfrontiert. Dazu kommen hohe Lohnkosten sowie hohe Steuern und Abgaben. Dadurch sind die Unternehmen gezwungen, Jobs abzubauen. Wegen der ständigen politischen Krisen und den hohen Kosten musste Österreich in den vergangenen Jahren zudem einen Pleite-Rekord nach dem anderen hinnehmen. Über 6.800 Unternehmen sind allein im Vorjahr in die Pleite geschlittert. Tendenz anhaltend. 

Hallo zusammen, noch einmal schön, dass ihr auch diese Woche bei meinem Podcast wieder dabei seid. Heute spreche ich über ein Thema, das immer nur am Monatsersten durch die Medien geistert, wenn neue Zahlen präsentiert werden, für Hunderttausende Betroffene und ihre Familien aber ein großes Existenzproblem darstellt, nämlich die Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit steigt und steigt in Österreich, und das nun schon seit 40 Monaten ununterbrochen, nämlich seit dem Frühjahr 2023. Derzeit sind konkret 364.000 Personen arbeitslos. Das heißt, im Juli stieg die Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent. Wie schauen wir da im internationalen Vergleich aus? Leider nicht so gut. Wir liegen über dem EU-Schnitt, denn die Arbeitslosigkeit in der EU beträgt derzeit so um die 6 Prozent. Spitzenreiter sind Finnland und Spanien mit über 10 Prozent Arbeitslosenquote, und am anderen Ende der Skala finden sich dann die osteuropäischen Nachbarländer, ja, denen geht es wirtschaftlich besser wie uns. In Tschechien, Polen und Bulgarien liegt die Arbeitslosigkeit so um die 3 Prozent.

Ja, stellt sich die Frage: Was sind jetzt eigentlich die Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit bei uns? Ganz einfach: Der Wirtschaft geht es schlecht, ja. Unser Wirtschaftswachstum dümpelt seit Jahren dahin. Das hat noch ein wenig zu tun mit den Langzeitfolgen der Covid-Krise, mit den Lockdowns, ja. Vor allem aber hat es zu tun mit dem Ukraine-Krieg. Zur Erinnerung: Wegen der EU-Sanktionen hat die Europäische Union beschlossen, kein Öl und Gas mehr aus Russland zu importieren. Das hat die Energiekosten dann explodieren lassen, weil Öl und Gas von anderswoher eben viel teurer ist. Steigen aber die Energiekosten, steigt die Inflation, und das führt wiederum zu einer Wirtschaftskrise. Die Unternehmen investieren dann viel weniger, und die Konsumenten konsumieren weniger, weil sie sparen müssen. Und obendrein haben wir in Österreich, das muss man leider immer wieder betonen, extrem hohe Lohnkosten und auch extrem hohe Steuern und Abgaben. Das muss man leider auch immer wieder betonen: Österreich ist bei den Steuern und Abgaben mittlerweile weltweit im Spitzenfeld. Na ja, und das fällt uns jetzt auf den Kopf. Die Unternehmen müssen Mitarbeiter kündigen, oder sie sperren sogar ganze Werke zu, oder wollen Werke verkaufen, ja.

So wie derzeit der international tätige oberösterreichische Konzern Lenzing. Um gleich einmal ein aktuelles Beispiel zu erwähnen: Lenzing stellt aus Holz Fasern für Kleidung, Bettwäsche und Feuchttücher her und hat eben neulich mit einer Schocknachricht aufhorchen lassen. Weil international die Nachfrage zurückgeht, hat Lenzing angekündigt, das burgenländische Werk in Heiligenkreuz nicht länger betreiben zu wollen. Und da wackeln jetzt mehr als 300 Jobs. Und zum Zeitpunkt, wo ich diesen Podcast aufnehme, wird noch immer nach einer Lösung gesucht, damit das Werk nicht zusperren muss. Für die Region wäre das nämlich wirklich eine Katastrophe. Denn das muss man auch sagen: Wenn solche Werke dichtmachen, dann sperren ja nicht nur diese Werke zu, sondern dann sperren in der Regel auch andere umliegende Kleinunternehmen zu. Wie der Bäcker zum Beispiel, bei dem die Beschäftigten eingekauft haben, oder der Wirt ums Eck, wo die Beschäftigten nach der Arbeit hingegangen sind. Für die Betroffenen selber in solchen Regionen ist es übrigens dann auch immer wieder sehr schwer, einen Job in ihrer Umgebung zu finden.

Das zeigt ein weiteres großes Problem auf: Österreich hat in den vergangenen Jahren einfach einen Pleiterekord nach dem anderen erzielt. Über 6.800 Unternehmen sind allein im Vorjahr in die Pleite geschlittert. Und für heuer sieht es ehrlich gesagt nicht viel besser aus. Es wurden ja neulich die Halbjahreszahlen präsentiert, und im ersten Halbjahr mussten schon wieder über 3.400 Unternehmen in Österreich Insolvenz anmelden, weil sie eben kein Geld mehr haben, weil sie eben zahlungsunfähig sind. Jede Pleite bedeutet aber mehr Arbeitslose. Dazu habe ich mir auch noch ein paar Detailzahlen angeschaut, ja. Frauen-Männer-Verhältnis zum Beispiel: Es sind 186.000 Männer arbeitslos und 177.000 Frauen. 216.000 Inländer sind arbeitslos und 147.000 Ausländer. Und bei den Jugendlichen schaut es so aus, dass 56.000 unter 25-Jährige auch arbeitslos sind und über 100.000 über 50-Jährige. Das ist besonders eine dramatische Zahl, weil über 50-Jährige Personen nur noch sehr schwer eine Arbeit finden.

Weil immer wieder unterschiedliche Behauptungen jetzt zum Thema Arbeitslosigkeit durch die sozialen Medien geistern, möchte ich dazu ein paar Infos hier euch mitgeben. Wann hat man überhaupt Anspruch auf Arbeitslosengeld? Das ist so: Grundsätzlich muss man in den vergangenen 2 Jahren mindestens 1 Jahr lang angestellt beziehungsweise pflichtversichert gewesen sein. Wenn man unter 25 ist, reichen dann 26 Wochen vom letzten zurückliegenden Jahr. Und wie hoch ist das Arbeitslosengeld? Das hängt natürlich von vielen Faktoren ab: Hat man eine Familie zu ernähren oder nicht, ist man Alleinerzieherin, -erzieher oder ist man alleinstehend oder nicht. Und dann spielt natürlich auch das Gehalt eine Rolle. Maximal erhält man in Österreich 55 Prozent vom letzten Nettolohn. Das ist also etwas mehr als die Hälfte. Aber Achtung, das ist natürlich gedeckelt. Maximal kann man 2.400 Euro netto bekommen, wenn also vorher beispielsweise eine Führungskraft 6.000 netto verdient hat, dann wird er jetzt nicht über 3.000 bekommen, sondern eben maximal knapp 2.400 Euro. Aber wie gesagt, das ist die Obergrenze. Das Durchschnittsgehalt in Österreich, also Teilzeit und Vollzeitkräfte, alles zusammen, liegt derzeit bei ungefähr so 2.900 netto im Monat. Ja, und davon muss man dann 55 Prozent nehmen. Das wären also dann etwas über 1.500 Euro Arbeitslosengeld. Wie lange hat man überhaupt Anspruch auf Arbeitslosengeld? Maximal ein Jahr. Danach kann man dann die Notstandshilfe beantragen. Die beträgt ungefähr so 92 Prozent vom Arbeitslosengeld. Das hängt aber wieder von vielen Faktoren ab. Die Notstandshilfe bekommt man eben für ein Jahr auch, und danach kann man sie natürlich verlängern lassen, unter bestimmten Umständen. Zuletzt kommt dann eben die Mindestsicherung.

In der Politik und in der Bevölkerung gibt es gar nicht so selten die Meinung, dass es sich manche Arbeitslose gut einrichten können, ja, ein angenehmes Leben führen im Wirtshaus und ein bisschen pfuschen gehen daneben. Ich würde mal sagen, so einfach geht das nicht wenn ich da meine Recherchen heranziehe. Weil, wenn man Arbeitslosengeld bezieht, muss man nämlich für das AMS, also für das Arbeitsmarktservice, nachweisbar ständig auf Jobsuche sein, ja. Und auch das AMS kann einem Arbeitslosen also Jobausschreibungen schicken. Und eine arbeitslose Person ist dann verpflichtet, auch sich zu bewerben, ja, und muss dem AMS auch melden, wie da der Stand der Dinge dann ist. Ist man im Ausland, etwa auf Urlaub, muss man das auch melden, und da bekommt man natürlich auch kein Arbeitslosengeld. Meldet man nichts, hat man dann ein bisschen ein Problem. Aber wie gesagt, das sind nur einige Vorschriften. Es gibt auch noch viele andere. Also, wer immer auch meint, dass Arbeitslosigkeit ein Thema ist, wo man sich einmal ein bisschen ausruhen kann, ich weiß nicht so recht. Bis Jänner konnten arbeitslose Personen übrigens noch geringfügig dazuverdienen, also etwas mehr als 500 Euro. Weil aber die Regierung eben der Ansicht war, dass dann viele Arbeitslose keinen Job suchen wollen, weil sie mit dem Arbeitslosengeld und der Geringfügigen gut leben können, hat man das abgedreht.

Wie finanziert sich jetzt eigentlich das ganze Arbeitslosengeldsystem? Ganz einfach: Über unsere Lohnnebenkosten. Sowohl der Unternehmer als auch der Arbeitnehmer zahlen da in einen Topf ein, das sind rund 3 Prozent von der gesamten Lohnsumme. Und aus diesem Topf erhalten dann arbeitslose Personen das Arbeitslosengeld. Es gibt dann auch noch den Insolvenzentgeldfonds, von dem habt ihr wahrscheinlich schon gehört. Das ist ein bisschen was anderes. Der wird im Übrigen auch aus den Lohnnebenkosten finanziert, und dort bekommt man dann die noch offenen Gelder, wenn zum Beispiel eben sein Arbeitgeber, seine Firma pleitegeht. Also laufende Löhne bekommt man dort noch ausbezahlt, Gehälter, Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld und auch die Abfertigung. Das Insolvenzentgeld ist gedeckelt und wird höchstens bis zu einem monatlichen Bruttobetrag von knapp 14.000 Euro übernommen. Ja, wie ich vorhin schon gesagt habe, gab es in den vergangenen Jahren so viele Pleiten, dass dieser Topf jetzt, der Insolvenzentgeldfonds, bald leer ist. Aber keine Panik, in diesem Fall muss die Regierung das Geld von woanders auftreiben. Jetzt werdet ihr euch vielleicht noch eine andere Frage stellen, nämlich: Warum ist die Arbeitslosigkeit so hoch, wenn gleichzeitig die Wirtschaft händeringend Fachkräfte sucht? In Österreich fehlen derzeit nicht weniger als 150.000 Fachkräfte, sogar ein bisschen mehr. Und da möchte man denken, dass das eigentlich die Lösung des Problems ist. So einfach ist das aber leider nicht, weil die arbeitslosen Personen oft nicht das können, was die Unternehmen suchen. Stark gefragt sind nämlich derzeit vor allem technische Berufe, ja, das ist bekannt, und vor allem Leute in der Pflege. Die meisten Arbeitslosen aber sind ganz normale Bürobeschäftigte oder einfache Bauarbeiter.

Was heißt das jetzt für unsere Geldbörse? Arbeitslosigkeit, besonders eine hohe Arbeitslosigkeit, hat nicht nur für die Betroffenen Auswirkungen, sondern auch für die gesamte Volkswirtschaft. Es bedeutet sinkende Einnahmen für den Staat, weil Arbeitslose zahlen keine Lohn- und Einkommenssteuer. Und auch die Beiträge zur Sozialversicherung wie Kranken- und Pensionsversicherung gehen dann ab. Zugleich aber bedeutet eine steigende Arbeitslosigkeit auch steigende Ausgaben für den Staat. Und der Staat sind wir alle. Der Staat muss also dann für höhere Sozialleistungen, weil mehr Arbeitslosengeld zu bezahlen ist, aufkommen. Und dazu kommen dann noch die Kosten für Umschulungen und Förderungen. Und das führt zu Budgetlöchern und dann eben zu höheren Abgaben, zu neuen Steuern und Sparpaketen. Und genau das erleben wir ja gerade. Ja, alle, die mir zuhören und einen Job suchen: Viel Erfolg bei der Jobsuche! Und allen anderen wünsche ich wie immer einen schönen Tag und bis zum nächsten Mal.

Links: 

https://orf.at/stories/3438045/

https://www.wko.at/fachkraefte/fachkraefteradar

Autor:in:

Wolfgang Unterhuber

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