Das Orakel
Andi Babler, die Richtung stimmt?
- hochgeladen von Michael Stebegg
Die 44. Folge von ‚Das Orakel‘ ist eine Nachbetrachtung des 1. Mai und demoskopische Bestandsaufnahme der SPÖ und ihres Vorsitzenden. Wir analysieren die aktuelle Stimmungslage in der Bevölkerung, besprechen inwieweit die Sozialdemokratie noch die Anliegen der Werktätigen vertritt und gehen der Frage nach, ob die Richtung für Andreas Babler und seine Partei noch stimmt.
Peter Hajek
Das würde mich an Andi Bablers Stelle nicht irritieren, weil das wissen es eh alle und das liegt nicht nur an Babler. Weil egal, wer da jetzt vorne aktuell stehen würde, hätte nicht die geeinte Liebe der Partei. Und es ist vollkommen egal, ob das jetzt Michael Ludwig wäre oder Hans Peter Doskozil, die andere Seite wäre halt nicht dafür zu haben. Also, das ist nicht das Problem von Babler.
Willkommen zum demoskopischen Podcast 'Das Orakel'. Mein Name ist Peter Hajek. Ich bin Meinungsforscher und Politikwissenschaftler und schaue mit Ihnen in die politische Gegenwart, immer wieder in die Vergangenheit und ab und zu auch in die Zukunft, die ja bekanntermaßen schwer zu prognostizieren ist.
Michael Stebegg
Hallo und herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, zur 44. Folge von 'Das Orakel'. Mein Name ist Michael Stebegg und mir gegenüber sitzt wie immer Meinungsforscher Peter Hajek. Hallo Peter – oder in Anbetracht unseres heutigen Themas: Freundschaft.
Peter Hajek
Ach so. Ja, also hallo Michi.
Michael Stebegg
Hallo Peter. Wir wollen uns nämlich heute – den 1. Mai nachbetrachtend – die SPÖ demoskopisch oder den demoskopischen Zustand der SPÖ genauer anschauen. Du hast dazu die aktuelle Sonntagsfrage mitgebracht. Praktischerweise hast du für die Tageszeitung Heute ein ganz frisches Politiker:innen-Ranking erhoben: Und du hast die Frage gestellt, ob die SPÖ immer noch die Werktätigen vertritt. Das ist sozusagen die Einordnung des heutigen Themas und damit sind wir auch schon mitten im Thema. Der 1. Mai am Wiener Rathausplatz ist ja so das Ereignis. War das heuer eher eine Kraftdemonstration oder eine Pflichtübung?
Peter Hajek
Gleich zu Beginn so eine schwierige Frage. Naja, wie ist es mit solchen Traditionen? Sie haben natürlich oft das Problem, dass sie erstarren. Und jetzt ist es sicher für die Sozialdemokratie, ihre Wählerinnen und Wähler und ihre sonstigen Angehörigen, Angehörigengruppen ein wichtiger Tag im im Jahr. Für den Großteil der Menschen ist es ein schöner Feiertag im Mai. Und es gehört quasi zur Folklore dazu. Wir haben auch schon erlebt, dass so ein 1. Mai zum Kippen des eigenen roten Bundeskanzlers zumindest beigetragen hat damals. Werner Feymann – ‚Werner, die Richtung stimmt‘, wir erinnern uns.
Michael Stebegg
Fragt sich: Wohin?
Peter Hajek
Naja, das war genau das Thema damals. Und dementsprechend würde ich sagen, es ist ein bisschen von beiden. Es ist so ein bisschen eine Kraftmeierei, man möchte sich auf der eigenen Kraft noch versichern. Auf der anderen Seite ist es Pflichtübung, der man gerne nachkommt. Ich kenne auch einige Leute, die sehr, sehr gerne hingehen. Ich war in meiner Studienzeit auch einmal am 1. Mai Aufmarsch. Ok, das ist jetzt schon länger her, das hatte damals schon …
Michael Stebegg
Welches Jahrhundert?
Peter Hajek
Na ja, das 20ste. Also das hatte damals schon auch was sehr Volksfestartiges. Aber wie gesagt. Es ist natürlich nicht mehr mit der Symbolkraft versehen wie vor 100 Jahren zum Beispiel.
Michael Stebegg
Jemand in meinem Bekanntenkreis hat sich gefragt, ob das heuer Lagerfeuerromantik oder Krisensitzung mit Musik war. Das fand ich sehr schön. Aber schauen wir uns an, ob die Menschen glauben, dass die SPÖ noch die Werktätigen vertritt. Die konkrete Frage, die ihr gestellt habt: ‚Der 1. Mai, der Tag der Arbeit, ist ein traditionell wichtiger Tag für die SPÖ. Vertritt die SPÖ ihrer Ansicht nach noch die Anliegen der Werktätigen?‘ Und da sagen – über alle Befragten – 33% ja und 57% sagen nein. Das ist jetzt nicht so wirklich toll.
Peter Hajek
Nein.
Michael Stebegg
Danke.
Peter Hajek
Man muss … ganz kurz, Michi. Ich glaub, die 33% unterteilen sich aber auch noch einmal.
Michael Stebegg
Also das sind 7%, die sagen ‚ja, absolut‘ und 26% sagen ‚eher ja‘.
Peter Hajek
Genau, oder ‚teils, teils‘ so etwas oder?
Michael Stebegg
Nein, es gab vier – also abgesehen von weiß nicht, keine Angabe – gab es vier Auswahlmöglichkeiten: ‚Ja, absolut‘, ‚eher ja‘, ‚eher nein‘ und ‚nein, ganz sicher nicht‘.
Peter Hajek
Ah, Ok. Alles klar. Und die anderen sind auch zusammengefasst. Ja, also diese 33%, die dem zustimmen, die unterteilen sich noch einmal, wenn man es so mag, im Verhältnis 1 zu 2 für nur noch ‚eher ja‘. Und das zeigt natürlich der Sozialdemokratie schon an, dass sie ein Thema hat. Jetzt kann man immer sagen: Ja, die eigene Wählerschaft sieht das differenzierter oder anders. Weil dort haben wir doch eine deutliche Mehrheit.
Michael Stebegg
Da sagen – also über sowohl ‚eher ja‘ als auch ‚absolut ja‘ sagen 83%. Und 27% …
Peter Hajek
Also, das ist eine klare Zustimmung. Aber diese Wählerschaft, die ist halt nicht mehr sehr groß. Wie gesagt, wir haben ja Sonntagsfragen mitgebracht, vom APA-Wahltrend und von den Kollegen von Market. Wenn man halt zwischen 17% und 19% irgendwo liegt, dann nutzt man die eigene Wählerschaft insofern nichts, wenn ich in die Zukunft schauen will. Und die Zukunft heißt: Ich muss andere Wählergruppen ansprechen. Und in diesen anderen Wählergruppen ist das nicht mehr so ausgeprägt. Insbesondere bei der freiheitlichen Wählergruppe, wo ja tendenziell am Meisten zu holen wäre.
Michael Stebegg
Das sagen 63%: Ganz sicher vertritt die SPÖ nicht mehr die Anliegen der Werktätigen.
Peter Hajek
Genau. So, jetzt ist natürlich, das ist ganz lustig, wir verwenden ja ChatGPT und andere KIs als Sparringpartner für Fragestellungen – und da geht es einfach um einzelne Wörter, die wir versuchen zu finden. Und die KI hat mir mitgeteilt: Na, aber werktätig ist halt schon ein sehr alter Begriff. Heute würde man eher von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sprechen. Und ich hab mir gedacht: Ja, aber ich möchte das in der Fragestellung drinnen haben, weil es eben diese Tradition auch semantisch betont. Es wäre mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nicht viel für anders ausgegangen.
Michael Stebegg
Die meiste Zustimmung hat die SPÖ auf diese Frage bei den 16- bis 29-Jährigen. Also da sagen über 50% oder knapp 50%: Ja, sie vertritt noch die Anliegen der Werktätigen oder Arbeitnehmer:innen. Und was ich auch interessant finde: Menschen mit Matura trauen es der SPÖ mehr zu als solche ohne Matura. Ist jetzt die SPÖ zur Intellektuellen-Partei statt Arbeiterpartei mutiert?
Peter Hajek
Naja. Also da muss man schon sagen, aus der Historie heraus war die SPÖ eigentlich beides. Weil die ersten Menschen, die die Sozialdemokratie gegründet, ins Leben gerufen haben und fortgetrieben haben, waren ja … wie Victor Adler zum Beispiel …
Michael Stebegg
… Dr. Victor Adler …
Peter Hajek
… Arzt. Genau richtig. Also das war in der Sozialdemokratie, find ich, nie ein Widerspruch. Weil sich die Sozialdemokratie, wie viele anderen politischen Bewegungen zu der Zeit als moderne Partei, als moderne Bewegung verstanden hat. Heute ist es natürlich eher so, dass jene, die die SPÖ vertritt, von ihr aber eigentlich nicht mehr so überzeugt sind.
Jetzt kommt aber noch etwas hinzu, in dieser Stichprobe – also das ist eine 500er Stichprobe online, bitte 500 ist nicht schlecht, sofern die Stichprobe sauber gezogen ist, man hat nur eine größere Schwankungsbreite, maximal von plus-minus 4,5%. Aber wir haben hier nur die Wahlberechtigten in Österreich befragt. Das sind circa 6,4 Millionen Menschen. Und wir wissen ja, dass die Wohnbevölkerung ab 16 Jahren macht etwas mehr als über 7 Millionen Menschen.
Also das heißt, wir haben einen Gap von über einer Million Menschen, die nicht wahlberechtigt sind. Und in dieser Gruppe sind überproportional Menschen drinnen, die die SPÖ auch vertritt. Weil das sind sehr, sehr oft natürlich – nona – Menschen mit Migrationshintergrund, die des Öfteren natürlich in eher prekären Arbeitsverhältnissen sind. Und für die setzt sich die SPÖ natürlich auch ein. Und deswegen kommt diese Differenzierung einfach zustande.
Und da möchte ich auch noch gleich anschließen, was die Jungen betrifft. Wir haben bei den … also die Jungen sind in dieser Stichprobe die unter 30 Jährigen. Und das sind aufgrund der Stichprobengröße von 500 Befragten, zwischen 130 und 150 Personen. Das heißt, dort haben wir eine größere Schwankungsbreite. Also ob das, was du jetzt gesagt hast, vorher, dass die am Häufigsten davon überzeugt sind, dass die SPÖ die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vertritt …
Michael Stebegg
… unterliegt der Schwankungsbreite …
Peter Hajek
…ja genau, richtig. Und ob das dann statistisch signifikant ist, weiß ich jetzt ehrlich gesagt nicht mehr, würde ich jetzt aber nicht auf die Apothekerwaage legen.
Michael Stebegg
Ok. Die SPÖ ist ja Regierungspartei und sollte deswegen auch ein Auge auf die Interessen von anderen Bevölkerungsgruppen haben, wie du auch gerade gesagt hast. Das Market Institut hat für den Standard erhoben, wie zufrieden die Gesamtbevölkerung mit der Regierungsarbeit der SPÖ ist. Und damit sind wir bei unserer beliebten Rubrik …
Peter Hajek
Die Zahl der Woche.
Michael Stebegg
Die Zahl der Woche ist 65. 65% der Bevölkerung sind mit der Regierungsarbeit der SPÖ nicht zufrieden. Ist das ein normaler Wert für eine Regierungspartei? Oder steht die SPÖ im Vergleich zu anderen Regierungen oder Regierungsbeteiligungen schlechter da?
Peter Hajek
Die Frage ist ein Scherz, oder?
Michael Stebegg
Nein.
Peter Hajek
Bitte – ist das normaler Wert für Regierungspartei? Na also … ich meine, jetzt kommt es drauf an, was ist normal? Aber es kann nicht Ziel und Zweck einer Regierungspartei sein, dass 65% nicht zufrieden sind mit dir. Das wird bei der ÖVP nicht anders sein und wird bei bei NEOS auch jetzt nicht anders sein, wenn man es jetzt einzeln auch abgefragt hätte. Weil ja grundsätzlich die Zufriedenheit mit der Bundesregierung nicht in Ordnung ist. Und jetzt möcht ich auf etwas zurückkommen, was Christoph Badelt, Chef des …
Michael Stebegg
… Fiskalrats …
Peter Hajek
… Fiskalratschefs – so, damit wir es rausbringen. Und der hat in einer Sendung auf Servus TV, wo ich mit ihm gemeinsam war, gesagt, genau auf dieses Thema angesprochen: Die haben eh schon so eine schlechte Bewertung, da kann ich jetzt wenigstens tun, was notwendig ist. Weil viel mehr Menschen kann ich eh nicht mehr verkrämen in in diesem Land. Also: Nein, der Wert ist nicht normal. Oder anders formuliert, es sollte …
Michael Stebegg
Ein Anlass zur Sorge?
Peter Hajek
Der ganze Zustand der SPÖ ist ein Anlass zur Sorge.
Michael Stebegg
Wenn der Gesamtzustand der SPÖ so schlecht ist, müssen wir auch über den Andreas Babler reden, der der Parteichef ist. Das Market Institut hat gefragt, nämlich: ‚Steht die SPÖ geschlossen hinter Andreas Babler?‘ Und da gab es ein Schulnotensystem von 1 bis 5, also 1 war ‚voll und ganz‘, Note 2, Note 3, Note 4 und der Fünfer war ‚sicher nicht‘. Und da schaut es unter den SPÖ Wähler:innen so aus, dass 33% geben die Note 1 bis 2, ein Drittel gibt die Note 3 und 23% geben ihm die Note 4 bis 5. Also sie glauben nicht, dass die SPÖ geschlossen hinter dem Andreas Babler steht. Das ist wieder ein weiterer Sargnagel als Parteichef für ihn?
Peter Hajek
Na eigentlich – du musst es noch deutlicher sagen: Der Großteil der SPÖ Wähler müsste eigentlich auf der Einser-Position sein. Also wie viel Prozent sagen Eins?
Michael Stebegg
Moment, ich muss in der Liste schauen …16% sagen Eins.
Peter Hajek
So. Genau. Und das ist sein Thema. Weil alle die sagen, auf dieser Skala von 1 bis 5, die sagen Zwei – sind schon nicht davon überzeugt. Und das heißt, 16% sagen, die Partei steht geschlossen hinter Babler. Das würde mich an Andi Bablers Stelle nicht irritieren, weil das wissen es eh alle und das liegt nicht nur an Babler. Weil egal, wer da jetzt vorne aktuell stehen würde, hätte nicht die geeinte Liebe der Partei. Und es ist vollkommen egal, ob das jetzt Michael Ludwig wäre oder Hans Peter Doskozil, die andere Seite wäre halt nicht dafür zu haben. Also, das ist nicht das Problem von Babler. Wir haben aber da ein paar andere Dinge stehen, die tendenziell für ihn eher problematisch sind.
Michael Stebegg
Nämlich 37% der SPÖ Wähler – nur 37% glauben, dass die SPÖ unter Babler wieder Kanzlerpartei werden kann. Also sie glauben auch nicht daran, dass er sie wieder nach vorne führen kann. Und nur 35% meinen, dass Babler könne sich in Verhandlungen gut durchsetzen, was natürlich in der Koalition mit so unterschiedlichen Parteien natürlich sehr, sehr wichtig wäre. Es gibt auch ein paar positive Eigenschaften. Die Mehrheit der SPÖ Wähler:innen hält ihn für sympathisch mit 57%, auch vertrauenswürdig und sagen, es wäre ein guter Arbeitnehmerinnenvertreter mit 52%. Das sind aber jetzt nur die SPÖ Wähler:innen.
Peter Hajek
Naja, das hört sich gut an. Jetzt mach ich aber den Gegenbeweis. Wenn jetzt 52% der SPÖ Wählerinnen und Wähler Andi Babler vertrauen, heißt das …
Michael Stebegg
… dass 48% ihm nicht vertrauen …
Peter Hajek
… oder zumindestens schwanken. Ist nicht ideal. Babler müsste seine Stärken versuchen auszuspielen. Weil ich halt nichts davon – es gibt immer in der politischen Beratung, gibt es immer die die Fragestellung: Stärken stärken oder Schwächen verbessern? Ich bin immer dafür Stärken stärken. Und seine Stärke liegt in diesen menschlichen, sozialdemokratischen, helfenden Zugang.
Auf seiner Seite oder an seiner Seite hat er mit Markus Marterbauer dazu, glaub ich, einen guten Finanzminister, der aber auch das große Ganze überblickt, weil ich glaube nicht, dass Andreas Babler jetzt nicht das große Staatsfinanzgenie ist. Mein Gott, das bin ich auch nicht. Also dementsprechend ist es gut, wenn er so einen Experten an seiner Seite hat. Babler nimmt man, glaube ich, ab, dass er die Sorgen und Nöte der Menschen versteht, dass er sich für diese einsetzt. Das spielt natürlich alles in die Faktoren Sympathie und Vertrauen hinein. Aber es ist halt nicht so gefestigt, dass die Menschen sagen: ‚Andi, wir folgen dir.‘ Und ob er das noch je hinbekommt – I don't know.
Aber wie gesagt, in der aktuellen Situation – und dementsprechend springen wir noch mal ganz kurz vor 1. Mai zurück und nämlich vor dem Parteitag zurück – macht es einfach keinen Sinn, sich den eigenen Parteichef dauernd quasi ‚herzurichten‘ Weil er macht eh für sich das Beste. Wo du seine absolute Stärke gemerkt hast, das ist, wenn er vor der eigenen Gruppe eine Rede hält. Also das hat man am 1. Mai auch wieder gesehen, das sieht man auch wieder am Parteitag.
Michael Stebegg
Da fühlt er sich wohl.
Peter Hajek
Genau. Das ist Andi-Babler-Setting. Das kann er, das macht er gut. Da ist er eine echte ‚Rampensau‘ Und er spricht die eigene Gruppe sehr gut an. Aber wie gesagt, aktuell reicht es halt nicht dafür, dass er Menschen anspricht, die halt für die Sozialdemokratie affin wären, aber derzeit nicht bei dieser sich verorten.
Michael Stebegg
Das zeigt übrigens auch das Politbarometer, das du für die Tageszeitung heute erhoben hast. Da ging es immer darum – die Frage ist: ‚In den letzten 2 Wochen, ist ihnen ein Politiker, eine Politikerin positiv oder negativ aufgefallen?‘ Und da ist es so, also die Tageszeitung Heute hat dann geschrieben oder hat Andi Babler zum unbeliebtesten Politiker des Landes gekürt. Da schaut es nämlich so aus, dass er 49% Negativnennungen hatte und nur 15% Positivnennungen. Was ein ziemliches Negativsaldo ist.
Peter Hajek
Ja, aber Herbert Kickl ist nicht ganz so viel anders positioniert.
Michael Stebegg
Er hat immerhin 26% Positivnennungen und 46% Negativnennungen. Also man muss auch dazu sagen, es gibt – bis auf den Herrn Bundespräsidenten – keinen einzigen Politiker, Politikerin, die einen positives Saldo hätten.
Peter Hajek
Also Heute und Andi Babler werden keine besten Freunde mehr. Das zieht sich schon eine geraume Zeit hin.
Michael Stebegg
Wobei die kritischen Fragen kommen auch von anderen Zeitungen.
Peter Hajek
Ja, natürlich. Absolut, absolut. Es ist überhaupt nicht so, dass Andreas Babler wahnsinnig mediale Unterstützung bekommen würde. Außer möglicherweise vom Momentum Institut. Aber es haben alle verloren. Also wir schauen uns nicht nur an in der einzelnen Befragungswelle, wie sieht es denn mit dem Saldowerten zwischen guter und schlechter Meinung aus. Sondern wir schauen uns ja auch immer die Veränderung über einen längeren Zeitraum an. Und zum Beispiel zur letzten Welle im März haben alle Politikerinnen und Politiker in diesem Ranking – das sind meistens die Regierungspolitiker und die die Clubchefs – haben alle verloren.
Michael Stebegg
Woran liegt das?
Peter Hajek
Na, das heißt, dass das Doppelbudget, das jetzt verhandelt wird, natürlich alles andere als eine gute Nachricht war. Es kommt auch immer wieder hinzu, dass dann – jetzt bin ich wieder bei Badelt – der Bundesregierung ausgerichtet wird: ‚Und das wird auch nicht reichen.‘ Das heißt, die Stimmung ist einfach wirklich nicht gut, die Energiepreise sind hoch. Und da verlieren dann alle. Also da hat auch Herbert Kickl verloren, da hat auch Leonore Gewessler im Vergleich zum März verloren. Also sie sind alle hinuntergefahren. Was sehr, sehr oft passiert. Also wenn es nicht wirklich ein ganz einschneidendes Erlebnis gibt, wo ein Politiker besonders negativ oder besonders positiv bewertet wird. Meistens geht der Trend für alle in in dieselbe Richtung. Weil wir aus X Umfragen und Fokusgruppen wissen: ‚Es sind alle gleich.‘
Michael Stebegg
Trotzdem muss ich nachfragen – also weil du gerade das Doppelbudget, das nicht sehr angenehme, erwähnt hast: Warum liegt dann der Finanzminister Markus Marterbauer trotzdem vom Andreas Babler?
Peter Hajek
Na, weil Marterbauer grundsätzlich schon die längste Zeit sehr, sehr gute Werte hat. Wir haben das schon wahnsinnig oft besprochen: Marterbauer gilt als Experte und er sagt das auch immer von sich selbst. Das ist ganz interessant, man kann sich das anschauen. Marterbauer würde von sich eigentlich nie sagen, er ist Politiker. Markus Marterbauer sagt: ‚Ich bin der Finanzminister und ich bin Experte im Bereich Finanzen.‘ Marterbauer sieht sich einfach nicht so und viele, viele Menschen sehen Marterbauer auch nicht so. Und das ist sein großes Asset. Das kann er aber nur ausspielen, weil er einfach über Expertise im finanztechnischen und natürlich volkswirtschaftlichen Bereich verfügt. Wäre das nicht so, hätte er ein deutlich größeres Problem. Denn – und auch auf das weise ich auch noch mal explizit hin – es ist nicht so, dass Markus Marterbauer so super Werte hätte. Er hat nur …
Michael Stebegg
… bessere …
Peter Hajek
… oder nicht so schlechte wie die Anderen.
Michael Stebegg
Wie man es dreht und wendet. Eine weitere Frage war, welche Themen für die Bevölkerung wichtig sind. Und da hat Market verglichen, wie schaut es bei der Gesamtbevölkerung aus und bei den SPÖ Wählern. Und da sind natürlich die Themen, die wir schon kennen wie Teuerung bekämpfen, Pensionen absichern, das Gesundheitssystem verbessern. Die sind gleichermaßen wichtig für die Gesamtbevölkerung wie für die SPÖ Wähler und Wählerinnen.
Aber ein interessanter Punkt war die Frage nach: Soll sich … ist Ihnen das Thema wichtig, sich energischer oder energisch für die Besteuerung von Vermögen und Erbschaftssteuern einzusetzen? Und das sagen 17% der Gesamtbevölkerung, aber nur 37% auch der SPÖ Wählerinnen. Da hätte ich mir gedacht, dass da mehr aus der SPÖ Wählerschaft sagen, das sollten sie zu ihrem Thema machen und stärker auf die Agenda setzen.
Peter Hajek
Ja. Naja, das ist auch ein bisschen natürlich der Fragestellung geschuldet. Das war jetzt eine ganze Liste und du konntest wahrscheinlich bei jedem ankreuzen, ob dir das sehr wichtig ist oder eher weniger wichtig. Mich wundert es nicht. Warum? Weil – und wir wissen das aus aus vielen, vielen anderen Umfragen und wir haben das auch schon hier im im Podcast immer wieder besprochen – das die Sorge ist bei der Einführung einer neuen Steuer, wie eben einer Erbschaftssteuer, einer Vermögenssteuer oder Millionärssteuer, wie es auch immer so schön heißt, dass das nicht dort bleibt. Sondern dass das eingeführt wird und dann sukzessive nach unten gezogen wird, bis dann eh alle wieder Erbschaftssteuer zahlen.
Und da, da sind die Österreicherinnen und Österreicher für diese Botschaft sind sie sehr, sehr empfänglich oder sensibel. Das heißt, wenn du einfach nur fragst – das haben wir letztes Mal präsentiert – nur Millionärssteuer, dann hast du fünfundsiebzigprozentige Zustimmung. Weil ich bin ja kein Millionär. In dem Fall ist es deshalb nicht ganz so wichtig, weil es einfach vitale Interessen des Alltags gibt, wie eben, dass meine Pension gesichert ist, dass auch das Bildungssystem gesichert ist, dass die Teuerung bekämpft wird, dass die Energiepreise nicht so hoch sind, wo die Menschen das Gefühl haben, da kann man viel, viel direkter und schneller eingreifen, als bis zu dem Zeitpunkt, wo dann endlich einmal Erbschaftssteuer oder Vermögenssteuer durchs Parlament ist und dann fließt da mal Geld. Und dann weiß man das auch nicht so genau, weil dann heißt es auch immer: Kapital ist sehr, sehr flüchtig, schnell, schnell weg …
Michael Stebegg
… ist dann woanders.
Peter Hajek
Genau richtig. Und dementsprechend ist das eher unten gereiht. Und wie gesagt, da hast du vollkommen recht, die 37%, oder nur 37% der SPÖ Wähler verwundern dann doch ein bisschen. Also das zeigt auch der SPÖ: Ja, wenn ich direkt hinfrage, ist das schon ein Thema, aber eigentlich gibt es andere Themen, die da viel, viel stärker, noch wichtiger sind.
Michael Stebegg
Noch ein Thema, das den SPÖ Wähler:innen wichtiger ist. Nämlich 43% wünschen sich, dass sich die Partei weniger mit internen Problemen beschäftigt.
Peter Hajek
Das glaube ich.
Michael Stebegg
Ok. Genug jetzt. Wir haben uns jetzt intensiv mit der SPÖ und Andreas Babler auch beschäftigt. Zum Abschluss wollen wir uns noch anschauen, wie es um die anderen Parteien und Parteichefs bestellt ist. Und damit sind wir bei der aktuellen Sonntagsfrage. Da kommen die Freiheitlichen auf 36%, die ÖVP auf 20%, die SPÖ auf 19%, die Neos auf 9% und die Grünen auf 11% Da hat sich nicht viel verändert, oder?
Peter Hajek
Nein. Also du weißt ja: Wir schauen nicht auf die exakte Zahl. Der Trend ist – das können die Hörerinnen und Hörer sich auch im APA-Wahltrend, den können sie sich ganz easy im Internet anschauen, das sind die gesammelten Umfrageergebnisse. Mir ist die ÖVP, wie gesagt, den Tick zu nieder. Kann aber jetzt sein, dass das das die Wöginger Causa wieder ist. Aber im Großen und Ganzen ist die Lage sehr, sehr stabil. Es wird am Ende darauf ankommen, also da reden wir von 2029, wie sich ganz grundsätzlich die Entwicklung des Staates vollzieht. Und ob man einen positiven Ausblick möglicherweise hat gegen die gegen das Jahr 2029 hin.
Meine Vermutung – hoffentlich gräbt das dann keiner aus – aber meine Vermutung ist, dass die Freiheitliche Partei nicht ganz so stark sein wird. Also aus heutiger Sicht stehen die Chancen sehr, sehr gut, dass sie über 30% sind. Aber grundsätzlich wird wahrscheinlich die Fragestellung sein: Schaffen sie die Sperrminorität für Verfassungsgesetze, ja oder nein? Das wird die entscheidende Frage sein. Außer es entwickelt sich alles natürlich ganz, ganz anders.
Michael Stebegg
Dann ist alles ganz, ganz anders.
Peter Hajek
Ja. Dann ist alles ganz anders. Aber aus heutiger Sicht würde ich es mal so einschätzen.
Michael Stebegg
Wir sind damit fast am Ende unserer 44. Folge. Ich habe jetzt noch eine letzte Frage und zwar ins Orakel: Was orakelt das Orakel? Wer gewinnt den Eurovision Song Contest, welches Land?
Peter Hajek
Ich hab keine Idee.
Michael Stebegg
Na geh.
Peter Hajek
Ich verfolg das nicht.
Michael Stebegg
Möchtest du über Rapid reden?
Peter Hajek
Nein.
Michael Stebegg
Du möchtest, dass das Zittern beendet wird?
Peter Hajek
Ich will Sommerferien haben.
Michael Stebegg
Sommerferien sind noch nicht, aber das Ende der 44. Folge. Wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, eine Frage haben oder sich zu einem Thema in dieser Folge äußern wollen, schreiben Sie bitte sehr gerne an frag@dasorakel.at. Die nächste Folge erscheint am 28. Mai, das ist wie immer ein Donnerstag. Bis dahin sagen wir: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
Peter Hajek
Das Orakel.
Autor:in:Michael Stebegg |