Ist das wichtig?
Die wichtigste Verordnung des Jahres ist gerade rausgegangen
- hochgeladen von Georg Renner
Auf der Stromrechnung zählt künftig nicht mehr nur, wie viel Strom wir verbrauchen, sondern auch, wie viel auf einmal. Die E-Control hat heute neue Regeln für die Netzentgelte festgelegt. Was der neue Leistungspreis ist, wer davon profitiert, wer draufzahlt – etwa mit E-Auto oder Wärmepumpe – und warum die Speicherbranche unzufrieden ist, besprechen wir in dieser Folge.
- Die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V), kundgemacht im Bundesgesetzblatt am 12. Oktober 2026:
https://www.ris.bka.gv.at/eli/bgbl/II/2026/299/20261012 - Begutachtungsentwurf der E-Control samt Erläuterungen (Sommer 2026):
https://www.e-control.at/documents/1785851/0/V+SNE+01_26+SNE-G-V+Begutachtungsentwurf+samt+Erl%C3%A4uterungen.pdf
Transkript
idw261012 – Neue Netzentgelte: Warum künftig zählt, wann wir Strom verbrauchen
Hi, grüß euch, herzlich willkommen zurück bei „Ist das wichtig?" am 12. Oktober. Wir haben ja letzte Woche ein bisschen Pause gemacht: Ich war in Straßburg im EU-Parlament und habe dann den Rest der Woche einige spannende Veranstaltungen gehabt. Und ehrlicherweise ist einiges Interessantes passiert, während ich nicht da war. Stichwort SPÖ, Stichwort Sanierungsoffensive – alles super spannende Sachen, die uns sicher die nächsten Tage und/oder Wochen auch noch begeistern und interessieren werden.
Ich möchte heute aber über ein etwas technischeres Thema mit euch reden, das ich aber für elementar wichtig halte: die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung. „It's a handful", wie man sagt. Trotzdem bitte nicht abschalten, weil dahinter steckt eine wirklich, wirklich wichtige Sache.
Künftig, sehr vereinfacht gesagt, zählt auf unserer Stromrechnung nicht mehr nur, wie viel Strom wir verbrauchen, sondern auch, wie viel wir auf einmal aus dem Netz ziehen – also letzten Endes, wann wir wie viel Strom verbrauchen. Das hat die E-Control, die Regulierungsbehörde, heute mit dieser neuen Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung eben neu festgelegt. Und das betrifft uns letzten Endes alle auf der Stromrechnung, aber natürlich auch bei der ganzen Energiewende. Es ist eine ganz, ganz zentrale Verordnung, ein ganz zentrales Regelungsdokument. Wer davon was hat, wer draufzahlen wird, das werden wir jetzt in den nächsten paar Minuten durchbesprechen.
Mein Name ist Georg Renner, ich bin seit 19 Jahren politischer Journalist, und das hier ist „Ist das wichtig? – Politik für Einsteiger", ein Podcast, in dem wir aktuelle politische Themen so besprechen, dass man sie auch nebenbei gut verstehen kann. Und wie immer: Wenn ihr Feedback habt oder einen Beitrag für die nächste Community-Folge diesen Sonntag, dann freue ich mich über ein kurzes Mail an podcast@istdaswichtig.at.
Und jetzt geht's los mit der heutigen Folge über die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung. Ich habe schon ein paar Mal geübt, wie ihr merkt, bevor wir losgelegt haben.
Also, Georg, was ist passiert?
Die E-Control, die österreichische Regulierungsbehörde für die Energieversorgung, für Strom und Gas, hat heute, am Montag, die Spielregeln für Netzentgelte neu aufgesetzt.
Netzentgelte sind ein beträchtlicher Teil unser aller Stromrechnung, auch Gasrechnung. Damit bauen und erhalten die Netzbetreiberinnen und Netzbetreiber – also die Unternehmen, die letzten Endes dafür sorgen, dass der Strom zu uns ins Haus kommt – Leitungen, Trafos, Umspannwerke und so weiter. Bisher haben Haushalte – für Firmen gab es eigene Regeln und gibt es eigene Regeln, aber wir reden jetzt einmal über die Haushalte –, bisher haben Haushalte dieses Netzentgelt praktisch nur nach Verbrauch bezahlt. Also je mehr man verbraucht hat, desto höher war auch das Netzentgelt.
Laut E-Control hat dieser Verbrauchsfaktor – also dieser Multiplikator: je mehr man verbraucht, desto mehr muss man zahlen – etwa 90 Prozent der Netzkosten ausgemacht. In Zukunft kommt aber für alle, und das ist jetzt neu mit dieser Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung, ein Leistungspreis dazu. Bei größeren Betrieben, Unternehmen, Fabriken gibt es das schon lange, und jetzt wird das eben quasi verallgemeinert.
Den Unterschied kann man sich, sehr, sehr vereinfacht gesagt, wie beim Wasser vorstellen. Das eine ist die Frage: Wie viel Wasser verbraucht man im Monat? Das andere ist: Wie groß muss das Rohr sein, um mir genug Wasser zu liefern, damit ich alle Wasserhähne im Haus und meinen Wasserschlauch im Garten und alles gleichzeitig aufdrehen kann? Und das Teure am Netz ist eben diese Rohrleitung. Und genauso ist es beim Stromnetz: Je mehr Strom ein Haushalt gleichzeitig verbraucht, desto stärker, desto leistungsfähiger muss die Stromleitung sein.
Gemessen wird das Ganze – wie viel verbrauche ich und vor allem wann verbrauche ich es – über den Smart Meter, den digitalen Stromzähler. Den haben inzwischen die meisten Haushalte in Österreich. Der misst immer pro Viertelstunde, wie hoch der Verbrauch an Strom in jedem Haus ist, das mit diesem Smart Meter ausgestattet ist, beziehungsweise in jedem Stromnetz, das mit so einem Smart Meter gemessen wird. Das misst im Viertelstundentakt. Und die Viertelstunde in einem bestimmten Monat, in der wir am meisten aus dem Stromnetz bezogen haben, die bestimmt dann in Zukunft den Leistungspreis.
Am Ende soll das Netzentgelt circa zur Hälfte am Verbrauch und zur Hälfte an der Leistung hängen. Und starten wird diese neue Verrechnungsmethode der E-Control mit 40 Prozent Leistungsanteil. Also 40 Prozent orientieren sich daran, wie viel wir in der stärksten Viertelstunde verbraucht haben.
Dazu – das ist ein furchtbar kompliziertes System, natürlich wird das eh automatisiert abgerechnet und wir kriegen das letzten Endes dann nur auf der Stromrechnung ausgewiesen – kommen aber auch noch Rabatte: im Sommer von zehn bis 16 Uhr und ab Oktober 2027, also nächstes Jahr, auch im Winter von 23 bis fünf Uhr. Also die Zeiten, wo besonders viel Strom im Netz vorhanden ist: im Sommer, weil die Sonne scheint und viele Solaranlagen produzieren, im Winter, weil in der Regel die Flusskraftwerke sehr, sehr stark sind. Und dazu gibt es noch weitere Faktoren. Zum Beispiel wird es dem Netzbetreiber erlaubt, einen Teil des Strombezugs höchstens zweimal am Tag für je zwei Stunden zu drosseln. Das schafft quasi ein bisschen Spielraum für den Netzbetreiber, da auszugleichen – und wer das zulässt, der soll am Ende wieder weniger zahlen. Und das alles steht in dieser neuen Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung, die eben diese neuen Grundsätze für die Verrechnung von Stromnetzentgelten festlegt.
Und wer sind die alle?
Die E-Control ist sozusagen die Schiedsrichterin am österreichischen Energiemarkt, eine unabhängige Behörde. Was in diesen Stromnetzentgelten drinsteht, ist nichts, was die Regierung unmittelbar beeinflussen kann. Diese Behörde richtet sich nach Gesetzen, die von unserem Nationalrat, unserem Parlament beschlossen werden, ist aber eben unabhängig gestellt. Das heißt, die Regierung kann da nicht hineinregieren und sagen: So, wir gestalten die Netzentgelte jetzt so, so, so. Sondern sie kann gesetzliche Vorgaben machen, und auf dieser gesetzlichen Basis – die, Side Note, auch wieder EU-rechtliche Vorgaben hat – entscheidet die E-Control dann unabhängig, wie diese Netzentgelte genau berechnet werden.
Die Grundlage für einen Großteil dieser neuen Verordnung ist das Elektrizitätswirtschaftsgesetz, das ElWG, das ÖVP, SPÖ, NEOS und Grüne im vergangenen Dezember, vor knapp einem Jahr, beschlossen haben. Das habe ich damals als das wahrscheinlich wichtigste Gesetz dieser Legislaturperiode bezeichnet, und ich stehe dazu. Weil es um die Energiewende geht: um die Frage, wie wir möglichst viel erneuerbaren Strom in ein Stromnetz kriegen, ohne das Stromnetz instabil zu machen, und wie wir die diversen Verwerfungen ausgleichen – dass Strom teurer wird, dass Netzentgelte teurer werden, wer den Netzausbau zahlt, der mit mehr Erneuerbaren notwendig ist, und so weiter. Und all das wird einerseits im ElWG in Grundsätzen geregelt und jetzt in diesen Verordnungen der E-Control auf dieser Basis festgelegt.
Die Netzbetreiber, die grundsätzlich die Adressaten dieser neuen Verordnung sind, das sind die Unternehmen, denen, sehr vereinfacht gesagt, die Leitungen gehören. In Niederösterreich, bei mir hier in der Gegend, ist das Netz Niederösterreich, ein Teil der EVN, in Wien sind es die Wiener Netze und so weiter. Und das Besondere bei den Netzen ist: Das sind letzten Endes Monopolbetriebe, weil man, eh klar, nicht 20 Stromleitungen nebeneinander verlegt, sondern einen Netzbetreiber hat, der letzten Endes für die Kabel verantwortlich ist, für die Trafos und so weiter.
Was wir am liberalisierten Strommarkt wechseln können, ist unser Stromlieferant. Also von wem ich den Strom kaufe – da gibt es ein breites Angebot. Kann man sich übrigens auf der Homepage der E-Control anschauen: Wo kriege ich an meinem Standort mit meinem Verbrauch den billigsten Strom her? Sollte man auch machen, meiner Ansicht nach. Den Netzbetreiber kann ich mir nicht aussuchen, weil der einfach die Leitungen zu meinem Haus betreiben muss und dafür sorgt, dass hier immer Strom geliefert wird.
Deshalb ist das auch ein sehr stark reglementierter Bereich. Weil in der Regel ist es so: Wenn ein Monopol herrscht, dann gibt es da eine Behörde, die regulierend eingreift, damit wir Kunden nicht abhängig sind von unserem Netzanbieter und da ausgebeutet werden. Da gibt es einfach sehr, sehr strenge Vorschriften, was da erlaubt ist. Und wen ich auch noch nennen kann, sind die Fachverbände, die Erneuerbaren-Verbände – vor allem Photovoltaik, Windkraft und die neu entstehende Stromspeicherbranche. Die sind alle ja unglücklich mit dieser neuen Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung, weil sie ihre Erwartungen nicht erfüllt.
Und warum diskutieren die darüber?
Grundsätzlich, weil dieses Stromnetz, in das wir uns da gerade hineinentwickeln, ein völlig anderes ist als das, für das das alte Tarifsystem gemacht war. Lange, lange, lange Jahre war das Stromnetz halt so: ganz wenige zentrale Kraftwerke – Gaskraftwerke, früher auch noch Kohlekraftwerke. Gedacht wäre ja auch an ein Atomkraftwerk gewesen, das dann bekanntlich nichts geworden ist in Österreich, nachdem man es gebaut hat. Viele Wasserkraftwerke. Also wenige zentrale Kraftwerke versorgen ganz, ganz viele Haushalte. Und die haben einen halbwegs gleichbleibenden Verbrauch – im Gegensatz zu Großkunden, Fabriken, die natürlich einen höheren Energiebedarf haben. Aber Haushalte haben halt ein bisschen Licht, Geschirrspüler, Waschmaschinen und so weiter, aber jetzt keine hohen Ausreißer nach oben.
Und das verändert sich auf beiden Seiten dieses Stromnetzes. Auf der einen Seite kommen ganz, ganz viele kleine Kraftwerke dazu: Solaranlagen mit, weiß nicht, zehn Kilowatt Peak, die es zu Tausenden gibt. Noch dazu in Haushalten, die viel einspeisen, wenn die Sonne scheint, und gar nichts einspeisen, wenn keine Sonne scheint. Windkraftwerke, von denen es auch viele gibt, die einspeisen, wenn der Wind geht, und nicht einspeisen, wenn keiner geht. Dazu kommen klimaabhängige oder wetterabhängige Schwankungen: Wenn zum Beispiel Niedrigwasser ist, produzieren die Wasserkraftwerke weniger. Das ist die eine Seite – eine Vielzahl an Produzenten, an Kraftwerken.
Auf der anderen Seite gibt es in den Haushalten jetzt ganz schöne Verbrauchsspitzen. Zum Beispiel heizen immer mehr Haushalte, erfreulicherweise aus Klimasicht, mit Wärmepumpen. Die verbrauchen viel Strom, wenn es kalt ist, weil sie dann halt mit Elektrik, also mit Strom, ein ganzes Haus aufheizen und auf einmal viel Strom brauchen. Oder mein E-Auto: Das stecke ich natürlich auch nicht gleichmäßig an, sondern dann, wenn ich es wieder aufladen muss, und lade es hoch. Idealerweise dann, wenn gerade das Solarkraftwerk auf meinem Dach Strom produziert. Aber manchmal passt es halt nicht, und dann lade ich auf und habe auf einmal mit meiner Ladebox, mit meiner Ladestation einen Verbrauch von elf Kilowatt, mit denen die mein Auto auflädt.
Und das alles macht das System nicht notwendigerweise instabiler, aber man muss die Stromleitungen darauf vorbereiten, dass ein Haushalt auf einmal, weiß nicht, elf, zwölf, 13 bis 15 kW verbraucht, wo er vielleicht normalerweise gleichmäßig, weiß nicht, ein, zwei kW gebraucht hat. Und umgekehrt kann es natürlich auch sein, dass mein Haushalt, wenn die Sonne scheint, viel Strom ins System einspeist – und dieser Strom muss halt auch irgendwie zu einem Verbraucher gebracht werden oder zumindest in eine Batterie. Also, sehr vereinfacht gesagt, sehr untechnisch gesagt: Es braucht dickere, stabilere Leitungen, stärkere Trafos, die diesen Strom mal in die eine Richtung, mal in die andere Richtung schicken können, und so weiter. Und das kostet. Weil Unternehmen in der Regel nicht Geld aus der Luft erschaffen können, muss das irgendwer zahlen. Und das sind letzten Endes wir als Netzkundinnen und Netzkunden.
Und die große Frage ist: Wer soll das alles bezahlen? Die E-Control sagt, die Kosten sollen jetzt stärker als bisher bei denen landen, die sie auslösen. So würden sich langfristig ein paar hundert Millionen – 300 Millionen Euro ist der Betrag, den die E-Control da nennt – pro Jahr vermeiden lassen. Also letzten Endes sollen diejenigen mehr zahlen, die viel verbrauchen, zum Beispiel, weil sie ein E-Auto laden und viel auf einmal laden, und auf der anderen Seite die, die viel einspeisen, weil sie eine PV-Anlage am Dach haben. Das ist letzten Endes die Ratio hinter dem Ganzen.
Dann gibt es noch tangential – das ist ein anderes Thema, auf das wir vielleicht auch einmal eingehen können – die Frage: Welche Rolle spielen Speicher? Die E-Control hat da die Aufgabe zu definieren, was ein systemdienlicher Speicher ist. Das ist eine sehr, sehr wichtige Entscheidung, weil sie potenziell über Milliardeninvestitionen mitbestimmt. Nämlich die Frage: Zahlt es sich aus, in Österreich große Batteriespeicheranlagen zu errichten, und wenn ja, zu welchen Bedingungen? Das können wir jetzt nicht ausführlich besprechen.
Die Speicherverbände warnen angesichts dieser Verordnung, die da jetzt am Tisch liegt, vor einer „Batterieverzögerungsverordnung". Die Speicher würden aus ihrer Sicht zu wenig entlastet, die Branche sei gar nicht eingebunden worden. Die E-Control sagt darauf: Befreit wird, wer dem System nützt, also wer am richtigen Standort steht. Und es sei nicht ihr Job als E-Control, da quasi eine Förderung zu beschließen, sondern einfach dafür zu sorgen, dass dieses Netz funktioniert und die Kosten gleichmäßig verteilt werden. Und das begünstige halt die Batteriespeicher nicht. Das sei auch nicht ihr Job.
Die Politik, die die Rahmenbedingungen dafür beschlossen hat und beim Beschluss des ElWG auch gesagt hat, naja, das wird auch die Speicherindustrie in Österreich ermöglichen, die es für die Energiewende braucht, die ist damit noch nicht hundertprozentig zufrieden. Energiestaatssekretärin Elisabeth Zehetner von der ÖVP hat schon einmal auf LinkedIn gepostet: Naja, das muss man sich vielleicht noch einmal anschauen, was da zu den Speichern drinsteht. Aber das ist jedenfalls jetzt die Ausgangslage.
Okay, und wie betrifft das uns?
Genau wissen werden wir es tatsächlich erst, wenn diese Verordnung in Kraft tritt und die Stromrechnungen nach und nach eintrudeln. Die E-Control sagt, für einen durchschnittlichen Haushalt würde sich wenig ändern. Kleine Stromverbraucher wie Wasserkocher, der Herd und so weiter machen halt nur kurze Spitzen, die würden in dieser Viertelstundenberechnung eher untergehen.
Die E-Control hat im Sommer einmal durchgerechnet, was das im Endausbau heißen würde. Drei Viertel aller Anschlüsse sollen am Ende sogar weniger zahlen müssen, im Schnitt 63 Euro pro Jahr. Aber knapp ein Viertel wird halt deutlich mehr zahlen müssen, damit sich das im Schnitt ausgeht – im Schnitt 198 Euro mehr. Ein kleiner Haushalt: 31 Prozent weniger Netzkosten. Aber wer, wie ich momentan, sein E-Auto mit elf kW, mit elf Kilowatt lädt und nichts daran ändert, der müsste mit einem Fünftel höheren Netzkosten rechnen.
Man kann aber natürlich etwas dagegen tun, zum Beispiel die Ladeleistung des Chargers, der Ladestation in der Garage, von elf auf vier kW herunterstellen. Hat natürlich den Effekt, dass mein Auto nicht ganz so schnell wieder aufgeladen ist, wie wenn ich es mit elf kW lade. Aber man kann es schon machen, zum Beispiel über Nacht stehen lassen – da habe ich halt wieder keinen Photovoltaik-Effekt und so weiter. Also, hat alles Für und Wider.
Und gerade wenn man mit Wärmepumpen heizt, ist es halt wahrscheinlich schwer vermeidbar, dass man diesen Stromverbrauch hat. Wenn es wirklich kalt ist und man den ganzen Tag heizen und nicht drosseln möchte, dann wird man halt in Zukunft ein bisschen mehr für die Netzkosten zahlen müssen. Aber ja, wir werden sehen, wie sich diese Netzkosten mit der neuen Stromrechnung neu verteilen. Das sind jedenfalls einmal die grundlegenden Ausgangsbedingungen.
Und ist das schon fix?
Naja, diese Grundsätze sind jetzt einmal festgelegt, die Verordnung tritt formal mit 1. Jänner 2027 in Kraft. Offen ist noch, was das am Ende in Euro und Cent, also in Geld, heißen wird. Weil die Tarife, die aufgrund dieser Grundsatzverordnung festgelegt werden, die kommen erst mit einer zusätzlichen Tarifverordnung im Dezember.
Wann es genau mit dieser Verrechnung losgeht, hängt auch ein bisschen von euren Netzbetreibern ab. Aber spätestens mit 1. Juli 2028 wird es überall diesen Leistungspreis geben – also den Preis, der davon abhängt, wie hoch die Spitzenleistung ist, die ich im Haushalt brauche.
Und woher weißt du das eigentlich?
Aus dem Bundesgesetzblatt. Da ist heute die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung kundgemacht worden. Verlinke ich euch natürlich in den Shownotes, da könnt ihr gerne nachlesen. Es gibt dazu auch ausführliche Unterlagen der E-Control und einzelne Berichte, die das auch noch einmal ein bisschen einordnen. Stelle ich euch auch in die Links.
Die Zahlen, wer gewinnt und wer verliert, die sind von der E-Control selbst, noch vom Juli, als sie begonnen hat, an dieser Verordnung zu arbeiten. Und das Ziel, am Ende diese 50:50-Aufteilung zwischen Verbrauch und Spitzenleistung zu haben, das steht nur in den Unterlagen, nicht direkt in der Verordnung.
Also, ist das wichtig?
Ja. Ich definiere Wichtigkeit ja immer anhand mehrerer Kriterien. Eines davon ist: Was betrifft uns unmittelbar? Und Strom verbraucht nun mal jeder von uns. Und wie viel Strom wir verbrauchen und wie viel Strom wir auf einmal verbrauchen, das schlägt in Zukunft eben auch darauf durch, wie hoch unsere Netzkosten sind. Das werden wir letzten Endes alle im eigenen Geldbörsel spüren. Wenn wir viel auf einmal verbrauchen, zum Beispiel wegen Wärmepumpe, zum Beispiel wegen E-Auto und so weiter, dann wird es uns mehr kosten. Kann man schon argumentieren. Gibt Argumente dafür und dagegen. Als Betroffener tut es mir ein bisschen weh, aber ich kann es nachvollziehen.
Auf der anderen Seite ist das natürlich eine große Frage dafür, wie wir mit der Energiewende umgehen. Ich halte es ja für den Kampf gegen den Klimawandel für ganz, ganz zentral, wie wir unseren Energieverbrauch weitgehend auf Elektrizität umstellen können – und idealerweise auf Elektrizität, die von erneuerbaren Kraftwerken erzeugt wird. Und ja, das macht es halt nicht leichter, wenn man sagt: Okay, das wird halt teurer.
Aber es ist unvermeidlich. Aufgrund dieser Änderungen im Energiesystem – wie wir Energie erzeugen, dezentral in vielen kleinen, hoffentlich erneuerbaren Kraftwerken, und wie wir Energie verbrauchen, durch diese stärkere Elektrifizierung bei Wärme, beim Verkehr und, und, und – ändert sich auch die Verbraucherseite. Und da ist es halt unumgänglich, dass das Netz darauf angepasst wird, verstärkt wird, besser abgesichert wird. Und deswegen ist diese Grundsatzverordnung, die da heute rausgegangen ist, ein ganz, ganz wichtiger, zentraler Baustein für die Energiewende, aber auch für das, was jeder Einzelne von uns, was jeder Haushalt dafür bezahlen muss. Sehr, sehr wichtig aus meiner Sicht.
Und das war es mit dieser Folge „Ist das wichtig? – Politik für Einsteiger". Die Idee dieses Podcasts ist, ein Einsteigerprogramm für Menschen zu bieten, die sich zwar für Politik interessieren, aber sich nicht jeden Tag damit beschäftigen. Ich freue mich über euer Feedback an podcast@istdaswichtig.at oder per Sprachnachricht an die WhatsApp-Nummer in den Shownotes. Und falls ihr in diesem Umfeld Werbung machen wollt, wendet euch bitte an office@missing-link.media. Wenn ihr euch für Formate für Fortgeschrittene interessiert, möchte ich euch noch meine beiden E-Mail-Newsletter ans Herz legen: den Leitfaden, in dem ich immer dienstags aktuelle politische Themen für das Magazin Datum kommentiere, und „Einfach Politik", eine sachpolitische Analyse für die WZ, die jeden Donnerstag erscheint. Die Links zur kostenlosen Anmeldung für beide stelle ich euch in die Shownotes. Und falls ihr mehr hören wollt: Ich gehöre auch zum Team von „Ganz offen gesagt", Österreichs bestem Gesprächspodcast für Politikinteressierte.
„Ist das wichtig?" ist ein Podcast von mir, Georg Renner, in Kooperation mit Missing Link. Produziert hat uns Konstantin Kaltenegger. Die zusätzliche Audiostimme ist von Maria Renner, Logo und Design von Lilly Panholzer. Danke für Titel und Idee an Andreas Sator, Host des Podcasts „Erklär mir die Welt".
Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Adieu.
Autor:in:Georg Renner |