Cash or Crash
Meine Prognose: Wie es mit der Wirtschaft bis Jahresende weitergeht

Wir schreiben den Herbst 2026, das Jahresende rückt unaufhaltsam näher, und es ist höchste Zeit, einen Blick auf die Zahlen, Daten und Fakten zu werfen, die unser Land in den kommenden Monaten bewegen werden. Wie schaut es also aus mit der österreichischen Wirtschaft im verbleibenden Jahr? Hier meine Prognose. 

Hallo zusammen noch einmal, schön, dass ihr auch heute bei meinem Podcast "Cash or Crash" wieder dabei seid. Wir schreiben den Herbst 2026, das Jahresende rückt unaufhaltsam näher, und es ist höchste Zeit, einen Blick auf die Zahlen, Daten und Fakten zu werfen, die unser Land in den kommenden Monaten bewegen werden. Wie schaut es also aus mit der österreichischen Wirtschaft im verbleibenden Jahr? Die Wirtschaftsforschungsinstitute WIFO und IHS werden nächste Woche dazu ja ihre neuen Daten präsentieren. Und eines ist jetzt schon klar: Es wird weder den großen Aufschwung geben noch den großen Crash, sondern eher das, was man in der Wirtschaft eine Seitwärtsbewegung nennt. Beginnen wir gleich einmal mit der wichtigsten Kennzahl, dem Bruttoinlandsprodukt, also der Wirtschaftsleistung im Land. Das IHS hat ja bei der letzten Prognose vor einigen Monaten ein Plus von 0,8 % hierfür heuer prognostiziert. Das WIFO ist von einem Wachstum von 0,9 % ausgegangen. Da bin ich also wirklich schon sehr neugierig, wie die Prognose in der kommenden Woche ausfallen wird. Ich fürchte, es wird eher nach unten gehen, so wie bei den Bankanalysten der Erste Group, die haben auch eine Wachstumsprognose erstellt, und die Analysten bei der Erste gehen heuer von einem Wachstum von 0,7 % aus. Und ich denke, da werden sich wohl auch WIFO und IHS einpendeln. Die gute Nachricht ist: Wir befinden uns nach den harten Vorjahren nicht mehr in einer wirklichen Krise, also in einer Rezession. Die schlechte Nachricht ist: Mit diesem Miniwachstum gehört Österreich im europäischen Vergleich leider zu den Schlusslichtern. Der österreichischen Wirtschaft, muss man so sagen, fehlt es schlichtweg an Schwung.Warum ist das eigentlich so, und dafür gibt es mehrere Gründe. Ich rede ja immer wieder sehr viel mit Unternehmerinnen und Unternehmern, und da hört man eigentlich immer wieder dieselben Probleme oder dieselben Sorgen. Heuer ist natürlich das Problem Nummer eins der Iran-Krieg. Der Konflikt treibt nämlich die Energiepreise nach oben. Und nur ein Beispiel: An der Börse hat sich der Gaspreis seit dem Frühjahr verdoppelt. Ja, und wie sehr sich Diesel und Benzin verteuert haben, das sehen wir ja alle selbst an der Tankstelle. Und die hohen Energiekosten treffen die Wirtschaft also einfach volle Breitseite, wie man so sagt. Dann kommt noch ein anderes Problem dazu in Österreich, und das ist die Deutschlandkrise. Ich habe das ja unlängst in einem anderen Podcast ausgeführt, ja. Deutschland geht es wirtschaftlich seit Jahren schlecht, und das ist auch für uns in Österreich nicht gut, denn ein Drittel aller Exporte gehen nach Deutschland, und ein Drittel aller Importe kommen aus Deutschland. Anders oder vereinfacht gesagt: Österreichs Wirtschaft hängt zu einem Drittel von der deutschen ab. Und wenn es dort also schlecht läuft, ja, dann läuft es auch bei uns nicht gut. Dazu kommt in Österreich aber dann noch ein Dauerthema, das die Wirtschaft extrem belastet, und das sind die hohen Lohnstückkosten. Die drücken massiv auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft.

Was sind eigentlich die Lohnstückkosten? Einfach gesagt: Sie zeigen, wie viel Geld ein Unternehmen für die Arbeit ausgibt, um ein bestimmtes Produkt herzustellen. Da bringe ich euch am besten ein Rechenbeispiel. Nehmen wir eine Bäckerei, und diese Bäckerei hat 2 Angestellte. Und diese 2 Angestellten kosten der Bäckerei 12.000 Euro im Monat. Das beinhaltet also alle Bruttogehälter und eben alle Lohnnebenkosten. Die 2 Angestellten sehen von den 12.000 Euro übrigens nur 6.000 Euro, weil die andere Hälfte eben an den Staat geht. Jetzt aber weiter in unserem Beispiel. Die 2 Angestellten produzieren im Monat so an die 60.000 Stück an Brot, Semmerl, Kipferl und so weiter, also 60.000 Gebäcksorten, Gebäckwaren, kann man auch sagen, ja. Und jetzt nehmen wir einfach die 12.000 Euro, dividiert durch diese 60.000, und ergibt 0,20 Euro. Das heißt, die Lohnstückkosten für ein Brot oder ein Semmerl betragen 0,20 Euro, also 20 Cent. Das bedeutet, dass von jedem Brot, jedem Semmerl, jedem Kipferl reine Personalkosten in Höhe von 20 Cent anfallen. Wichtig: Die Zutaten, die Energie oder die Miete sind hier noch nicht eingerechnet. Das Problem in Österreich ist, dass jetzt aber die Löhne steigen, aber nicht die Produktivität, weil die 2 Angestellten in der Bäckerei können schlichtweg nicht mehr als 60.000 Gebäcksorten im Monat herstellen, ja. Und das ist das Problem, weil gleichzeitig aber Löhne und Gehälter steigen. So, und jetzt stellen wir uns noch vor, dass es sich bei den Beispielen nicht um eine Bäckerei handelt, sondern um einen großen Industriebetrieb, der seine Produkte im Ausland verkaufen muss. Österreich verdient schließlich 6 von 10 Euro im Ausland. Da haben die Mitbewerber im Ausland einfach dann oft viel niedrigere Lohnstückkosten, und ihre Produkte sind aber gleich gut. Dann haben wir ein wirkliches Problem, und das passiert ja zum Beispiel gerade auch der deutschen Autoindustrie, weil auch in Deutschland sind die Lohnstückkosten also so wie bei uns in Österreich im internationalen Spitzenfeld. Vor 15 Jahren, da war ich zum Beispiel längere Zeit in China, hat kein Mensch in China ein chinesisches Auto gekauft, weil die einfach nicht gut waren und auch im Verhältnis damals zum Einkommen der Chinesen noch viel zu teuer waren. Da hat man also in Peking oder in Shanghai nur Toyota, BMW oder VW eben gesehen, ja. Jetzt bauen die Chinesen aber fast genauso gute Autos, ja, und wegen der viel geringeren Lohnstückkosten in China können sie ihre Autos sowohl eben in China günstig verkaufen als auch in Europa.

Apropos Einkaufen: Schauen wir uns jetzt den Binnenkonsum an. Der ist ja sehr wichtig für die Wirtschaft, weil wenn die Leute Geld ausgeben, dann ist das gut für die Wirtschaft. Hochgerechnet geben die Haushalte in Österreich derzeit pro Person und Monat rund 2.760 Euro aus. Das geht im Übrigen aus der jüngsten Konsumerhebung der Statistik Austria hervor. Das Problem ist nur: Herr und Frau Österreicher sind bei den Ausgaben immer mehr zurückhaltender, ja. Warum ist das so? Na ja, weil sie eigentlich immer mehr Geld ausgeben müssen, einmal grundsätzlich für Wohnen und Energie, von der wir schon gesprochen haben, die Energiepreise steigen, ja, und auch für Essen. Lebensmittel sind momentan zwar nicht so der Inflationstreiber, aber ja, in den vergangenen Jahren sind die Lebensmittel kontinuierlich auch teurer geworden. Und das ist natürlich dann ein Problem, wie schon gesagt, weil wenn man sonst kein Geld mehr hat für andere Ausgaben, dann ist das natürlich nicht förderlich für die Wirtschaft. Ja, und der Hauptgrund, wie gesagt, ist die Inflation. Da kommen wir zur nächsten Kennzahl. Die Preise steigen, die Inflationsrate ist ja zuletzt wieder bei 3,6 % gelegen im September, ja, vor allem eben wegen der höheren Energiekosten. Da stellt sich natürlich auch die Frage, wie sich die Inflation bis zum Jahresende entwickeln wird. Die Nationalbank geht ja im Durchschnitt für das Jahr 2026 von einer Inflationsrate von ungefähr 3,1 % aus. Das führt uns direkt eigentlich zum nächsten großen Brocken, zum österreichischen Staatsbudget. Die Zahlen aus dem Finanzministerium unter Markus Matterbauer sind ja relativ frisch da auch auf den Tisch jetzt neulich gekommen, und das Finanzministerium erwartet für das Gesamtjahr 2026 ein Budgetdefizit von ungefähr 4,1 % des Bruttoinlandsprodukts. Das ist jetzt natürlich keine tolle Nachricht, aber es ist im Vergleich zur letzten, eher negativeren Prognose doch eine leichte Verbesserung, weil da ist man von 4,2, 4,3 % Defizit ausgegangen. Was heißt das in Zahlen noch einmal? Österreich gibt heuer um 22 Milliarden Euro mehr aus, als man einnimmt. Und der öffentliche Schuldenstand der Republik Österreich wird sich dadurch bis zum Jahresende auf 440 Milliarden Euro erhöhen. Das entspricht einer Schuldenquote von 82 % des BIP. 82 % ist weit entfernt vom eigentlichen Ziel, denn das Ziel sollten eigentlich 60 % sein.

Da fällt mir immer der ehemalige Finanzminister Markus Brunner von der ÖVP ein. Der hat ja noch kurz vor der letzten Nationalratswahl vor zwei Jahren erklärt, dass mit dem Budget also überhaupt alles in Ordnung sei. Da kann man also nur sagen: Entweder hat er die Zahlen nicht verstanden, oder er hat gelogen. Beides wird ihm jetzt jedenfalls egal sein, weil er ist weit weg, er wurde von seiner Partei, der ÖVP, befördert, er ist jetzt in Brüssel, und dort ist er EU-Kommissar. Der jetzige Finanzminister und vielleicht auch bald SPÖ-Chef, weiß man nicht so genau, Markus Marterbauer, sagt auch etwas, nämlich dass Österreich bei der Budgetsanierung auf Kurs sei. Nun ja, auf Kurs heißt, dass man eigentlich nur 3 % vom BIP pro Jahr neue Schulden machen sollte. Und da sind wir dann doch, muss man sagen, noch ein gehöriges Stück davon entfernt. Was heißt das jetzt? Na ja, für die Politik ganz einfach: Der finanzielle Spielraum ist gleich 0. Darüber wird ja auch immer wieder diskutiert und gestritten, ja, wenn die ÖVP oder die NEOS eine Steuerreduzierung fordern, dann sagt die SPÖ ja eh: Wie finanzieren wir das, ne? Also große, teure Entlastungspakete oder staatliche Förderprogramme mit der Gießkanne, wie es das in den vergangenen Jahren öfters gegeben hat, wird es bis Jahresende und wohl auch in den kommenden Jahren sicher nicht geben.

Schauen wir uns dazu noch einen weiteren Punkt an, der ganz wichtig ist, und das ist der Arbeitsmarkt. Also, wenn die Wirtschaft kaum wächst und die Industrie schwächelt, steigt natürlich die Arbeitslosigkeit. Und das tut sie in Österreich seit dem Frühjahr 2023 schon ununterbrochen. Aktuell sind 381.000 Menschen in Österreich ohne Job, und auffallend ist, dass ein Drittel davon mehr als ein Jahr lang arbeitslos ist. Ja, wie schaut es mit der Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten aus? Ja, ehrlich gesagt nicht gut. Gerade im, ja, im letzten Quartal eines Jahres steigt nämlich die Arbeitslosigkeit prinzipiell, weil in der Bauwirtschaft noch weniger gebaut wird als in Österreich ohnehin schon üblich. Und die Sommersaison ist auch vorbei, und da werden im Tourismus also wieder die Saisonarbeiter abgebaut. Ja, und was heißt das in Zahlen? Also, derzeit beträgt die Arbeitslosenquote in Österreich 7,1 %, und bis zum Jahresende dürfte sie auf 7,5 % steigen. Ja, und hohe Arbeitslosigkeit ist natürlich auch nicht gut fürs Budget, weil Arbeitslose können ja nicht ins System einzahlen. Es gibt ein einziges Glück im Unglück, wenn man das so formulieren will: Der Industrie fehlen nämlich Facharbeiter. Viele Unternehmen halten deshalb ihre Mitarbeiter trotz der schlechten Auftragslage, weil sie genau wissen, wie schwer es ist, später wieder qualifiziertes Personal zu finden.

Was heißt das jetzt für unsere Geldbörse? Na ja, ich fürchte, wir müssen weiterhin den Gürtel enger schnallen. Sparen ist weiterhin angesagt, wobei das ja eigentlich, wie ich schon erwähnt habe, für die Wirtschaft nicht gut ist. Und außerdem sollte man das Geld sowieso nicht am Konto horten, weil es dort ja wegen der Inflation an Wert verliert. Also, eigentlich sollte man das Geld anlegen, ja. Da gibt es ja verschiedene Finanzierungsmodelle, damit man auch wirklich, ja, ein bisschen mehr Zinsen bekommt, ja. Zuletzt sind ja die Zinsen wieder leicht gestiegen. Oder Weihnachten steht ja auch bald vor der Tür, man gönnt sich eine größere Investition, also macht sich sozusagen selbst ein Geschenk und kauft sich einmal ein neues Haushaltsgerät oder sonst, wie gesagt, macht eine Anschaffung, die etwas teurer, aber auch gleichzeitig sinnvoll ist. Ja, ansonsten würde ich sagen, wir müssen durchtauchen, ja. Wir sind, und das ist das Positive, aber das muss man immer wieder betonen, nicht in einer Wirtschaftskrise, also nicht in einer Rezession, ja. Es geht nicht nach unten mit einem Minus vor den ganzen Prognosen. Und eine vielleicht auch gute Nachricht zum Schluss: Das kommende Jahr soll dann wieder etwas besser werden. Die Nationalbank hat ja da auch kürzlich eine Prognose getätigt, und die sagt für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,1 bis 1,3 % voraus, ja. Die Inflation soll auch zurückgehen, ja, also die soll wieder unter 3 % sinken. Ja, und das dürfte dann langsam, aber sicher dazu führen, dass also diese Dauerseitwärtsbewegung, also dieses 0, Josef-Wachstum, endlich beendet wird. Das Wichtigste aber natürlich ist, dass sich die geopolitische Lage nicht weiter zuspitzt, ja. Am besten wäre es natürlich, wenn der Iran-Konflikt endet, und überhaupt ein Hammer in positiver Hinsicht wäre es, wenn in der Ukraine plötzlich der Frieden ausbricht. Hoffen wir also das Beste. Ich wünsche euch jedenfalls einmal wieder einen schönen Tag. Bis zum nächsten Mal.

https://www.oenb.at/Presse/Pressearchiv/2026/20260911.html

Autor:in:

Wolfgang Unterhuber

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