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Indo-Pazifik – Der Schlüssel zu Europas Zukunft
- hochgeladen von Felix Keiser
Der Indo-Pazifik verbindet die Produktionszentren Ostasiens mit den Rohstoffquellen des Nahen Ostens, Afrikas und Australiens. Über seine Seewege werden Energie, Rohstoffe, Vorprodukte und Fertigwaren in alle Welt transportiert. Zahlreiche europäische Unternehmen beziehen wichtige Komponenten aus dieser Region oder verkaufen ihre Produkte in die dortigen Märkte. Aber kann Europa seine Interessen in diesem Raum schützen?
Grüß Gott und einen guten Tag. Heute möchte ich mit Ihnen über den indo-pazifischen Raum sprechen, in dem wohl auch die Zukunft Europas liegt. Und wieder steigen wir mit praktischen Szenen ins Thema ein, um uns bewusst zu machen, worum es geht.
Es ist kurz nach Sonnenaufgang über dem Südchinesischen Meer.
Mehrere tausende Meter über dem Meeresspiegel blickt der Radarbeobachter eines australischen Seeaufklärungsflugzeuges vom Typ P-8 Poseidon auf seinen Bildschirm. Dutzende Signale ziehen über den Bildschirm. Handelsschiffe, Fischerboote, Patrouillenfahrzeuge. Dazwischen eine als freundlich eingestufte Bewegung: eine amerikanische Flugzeugträgergruppe. Für die Besatzung gehört die tägliche Lagebeobachtung in einem der strategisch wichtigsten Meeresräume der Welt zum Grundauftrag. An Bord des amerikanischen Flugzeugträgers verfolgt der Kommandeur des Verbandes dieselbe Lage aus einer anderen Perspektive. Für ihn geht es nicht nur um den Träger und die Begleitschiffe, es geht um Präsenz, um Abschreckung und um die Botschaft, dass die Vereinigten Staaten auch tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt handlungsfähig bleiben. Jede Bewegung seines Verbandes wird registriert, von Verbündeten ebenso wie von möglichen Gegnern. Tief unter der Wasseroberfläche verfolgt ein chinesisches U-Boot- den Verband nahezu lautlos. Der Kommandant und seine Besatzung sammeln Daten, analysieren Bewegungsmuster und versuchen, die amerikanischen Schiffe möglichst genau zu erfassen. Für ihn hat das Katz-und-Maus-Spiel längst begonnen. Wer im Ernstfall mehr über den Gegner weiß, besitzt einen entscheidenden Vorteil.
Derweilen beginnt mitten im australischen Outback, in Pine Gap, der Arbeitstag. Die gemeinsame australisch-amerikanische Anlage gehört zu den wichtigsten Aufklärungszentren des Westens. In einem Besprechungsraum treffen sich australische und amerikanische Offiziere und Nachrichtendienstmitarbeiter zur morgendlichen Lagebesprechung. Auf Bildschirmen erscheinen Satellitendaten, elektronische Signale und Meldungen aus dem gesamten indo-pazifischen Raum. Die Bewegungen von Schiffen, Flugzeugen und anderen militärischen Aktivitäten fließen zu einem gemeinsamen Lagebild zusammen. Zur gleichen Zeit steht der Kapitän auf der Brücke eines Containerschiffes mit Kurs Richtung Straße von Malakka, einem Nadelöhr in der Weltwirtschaft. Noch spielen Flugzeugträger, U-Boote oder Geheimdienste keine Rolle für seinen Auftrag. Er denkt an Wetterdaten, Fahrpläne und die pünktliche Ankunft seiner Ladung. In den Containern befinden sich Mikrochips aus Taiwan, Batteriezellen aus Südkorea, Sensoren und Präzisionsbauteile aus Japan sowie Industriekomponenten aus China. Für ihn ist es eine gewöhnliche Reise. Für die Weltwirtschaft ist es weit mehr. Jede längere Störung der Straße von Malakka würde Lieferketten verzögern, Transportkosten erhöhen und sich bis nach Europa auswirken. Die Produkte an Bord dieses Schiffes sind für Fabriken, Unternehmen und Verbraucher bestimmt, auch für Österreich und Deutschland. Erreicht das Schiff sein Ziel nicht, bleiben Waren aus, Produktionsketten geraten unter Druck und Preise können steigen. Der Radarbeobachter in der P-8, der amerikanische Trägerkommandeur, der chinesische U-Boot-Kommandant, die Nachrichtendienstler in Pine Gap und der Kapitän des Containerschiffes haben eines gemeinsam: Sie bewegen sich im selben strategischen Raum. Hier treffen Handelswege, Rohstoffe, Technologien, Forschung, militärische Macht und geopolitischer Einfluss aufeinander. Der Indo-Pazifik – der Schlüssel zu Europas Zukunft.
Warum ist das so? Die meisten Europäer verbinden den Indo-Pazifik mit weit entfernten Inseln, langen Seewegen und regionalen Konflikten. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eines der zentralen Wirtschafts- und Machtzentren der Welt. In diesem Raum leben mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Hier befinden sich einige der größten Volkswirtschaften der Erde, darunter China, Indien, Japan, Südkorea, Australien und Indonesien. Gleichzeitig entstehen dort erhebliche Teile der industriellen Wertschöpfung und des weltweiten Wirtschaftswachstums. Der Indo-Pazifik verbindet die Produktionszentren Ostasiens mit den Rohstoffquellen des Nahen Ostens, Afrikas und Australiens. Über seine Seewege werden Energie, Rohstoffe, Vorprodukte und Fertigwaren in alle Welt transportiert. Zahlreiche europäische Unternehmen beziehen wichtige Komponenten aus dieser Region oder verkaufen ihre Produkte in die dortigen Märkte. Besonders deutlich wird diese Bedeutung im Technologiebereich. Viele Schlüsselkomponenten für die Digitalisierung, die Automobilindustrie, die Telekommunikation und die Energiewirtschaft werden im indo-pazifischen Raum entwickelt oder produziert. Gleichzeitig ist China für viele europäische Staaten einer der wichtigsten Handelspartner. Europa ist damit eng in die wirtschaftlichen und strategischen Entwicklungen dieser Region eingebunden. Hier konzentrieren sich Handelsströme, Innovationszentren, Rohstoffrouten und Machtprojektionen, die die internationale Ordnung des 21. Jahrhunderts maßgeblich beeinflussen.
Wer verstehen will, welche Kräfte die Welt von morgen prägen, kommt am Indo-Pazifik nicht vorbei.
Nun, wie definiert man den indo-pazifischen Raum? Der indo-Pazifische Raum
reicht von der Ostküste Afrikas über das Arabische Meer und den Indischen Ozean bis nach Südostasien, in das Südchinesische Meer und weiter in den westlichen Pazifik. Innerhalb dieses Raumes befinden sich mehrere maritime Schlüsselstellen, die für die Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung sind. Dazu zählen die Meerenge von Bab al-Mandab zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden, die Straße von Hormus am Ausgang des Persischen Golfs, die Straße von Malakka zwischen Malaysia und Indonesien sowie die Meerengen von Singapur und Lombok. Über diese Seewege werden Energie, Rohstoffe und Waren zwischen dem Nahen Osten, Afrika, Asien und Europa transportiert.
Gleichzeitig verläuft durch diesen Raum ein wesentlicher Teil der maritimen Seidenstraße Chinas. Sie verbindet chinesische Häfen über Südostasien und den Indischen Ozean mit dem Nahen Osten, Afrika und Europa und gehört zu den wichtigsten Handelsachsen der Gegenwart. Der Begriff Indo-Pazifik beschreibt daher weit mehr als eine geografische Region. Er bezeichnet einen zusammenhängenden Raum aus Handelswegen, Seeverbindungen, Häfen und strategischen Knotenpunkten, die einen erheblichen Teil der Weltwirtschaft miteinander verbinden. Genau in diesem Raum konzentrieren sich die Interessen der großen Mächte des 21. Jahrhunderts.
Werfen wir einen kurzen Blick auf die Machtzentren im indo-pazifischen Raum: In keiner anderen Region treffen so viele wirtschaftliche, technologische und militärische Schwergewichte unmittelbar aufeinander.
China ist heute die größte wirtschaftliche Macht der Region und einer der wichtigsten Akteure des Welthandels. Das Land baut seine Kriegsmarine kontinuierlich aus, investiert in Häfen entlang der maritimen Seidenstraße und verfolgt das Ziel, seinen politischen und wirtschaftlichen Einfluss weit über die eigenen Küsten hinaus auszudehnen. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Südchinesischen Meer zu. Peking beansprucht dort große Teile des Seegebiets und stützt diesen Anspruch durch den Ausbau künstlicher Inseln, militärischer Infrastruktur und einer wachsenden maritimen Präsenz. Gleichzeitig betrachtet die chinesische Führung Taiwan als Teil Chinas und verbindet damit eine der zentralen strategischen Fragen der Region.
Die Vereinigten Staaten sind seit Jahrzehnten die dominierende Militärmacht im Indo-Pazifik. Ein Netzwerk aus Bündnissen, Militärstützpunkten und Flugzeugträgergruppen ermöglicht ihnen eine dauerhafte Präsenz vom Persischen Golf bis in den westlichen Pazifik. Zu den wichtigsten Stützpunkten zählen Diego Garcia im Indischen Ozean, Hawaii als logistisches und militärisches Zentrum des Pazifiks sowie Standorte in Guam, Japan, Südkorea und Australien.
Organisiert wird diese Präsenz unter anderem durch die 5. US-Flotte mit Hauptquartier in Bahrain und die 7. US-Flotte mit Hauptquartier in Yokosuka bei Tokio. Die 5. Flotte überwacht den Raum vom Persischen Golf über die Straße von Hormus bis zum Arabischen Meer. Die 7. Flotte ist für den westlichen Pazifik zuständig und operiert von Japan über das Ost- und Südchinesische Meer bis in die Gewässer rund um Taiwan. Sie gilt als größte dauerhaft vorwärts stationierte Flotte der Vereinigten Staaten.
Unterstützt werden diese Verbände durch ein dichtes Netz von Luftwaffen-, Marine- und Logistikstützpunkten. Gemeinsam bilden sie das Rückgrat der amerikanischen Sicherheitsarchitektur im Indo-Pazifik und ermöglichen es Washington, entlang der wichtigsten Seewege und Krisenräume der Region rasch zu reagieren. Für viele Staaten der Region stellen die USA bis heute den wichtigsten Sicherheitsgaranten dar.
Europa verfügt im Indo-Pazifik über einzelne leistungsfähige Marinen, aber über keine gemeinsame maritime Machtprojektion. Frankreich besitzt als einzige europäische Nation eine dauerhafte regionale Präsenz. Großbritannien kann zeitweise größere Verbände entsenden. Deutschland, Italien, die Niederlande und Spanien beteiligen sich regelmäßig an Fahrten und Übungen. Die militärische Ordnungsmacht der Region bleiben jedoch die Vereinigten Staaten.
Kommen wir zu Indien: Indien entwickelt sich zunehmend zu einer eigenständigen Großmacht, die noch dazu über Nuklearwaffen verfügt. Das Land hat eine strategisch günstige Lage am Indischen Ozean, kontrolliert wichtige Seewege und zählt zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Neu-Delhi verfolgt dabei einen eigenständigen Kurs und versucht, seine Beziehungen sowohl zum Westen als auch zu anderen Machtzentren auszubalancieren.
Japan zählt zu den wirtschaftlichen und technologischen Schwergewichten der Region. Gleichzeitig verfügt das Land über hochmoderne Selbstverteidigungsstreitkräfte und spielt aufgrund seiner geografischen Lage eine wichtige Rolle für die Sicherheitsarchitektur des westlichen Pazifiks. Nur wie in vielen westlichen Ländern gibt es auch hier Schwierigkeiten, einen quantitativ und qualitativ entsprechenden Personalstand zu entwickeln.
Südkorea hat sich in wenigen Jahrzehnten von einem Entwicklungsland zu einer führenden Technologie- und Industrienation entwickelt. Das Land ist weltweit bedeutend bei Halbleitern, Elektronik und moderner Industrieproduktion und besitzt zugleich erhebliche sicherheitspolitische Bedeutung auf der koreanischen Halbinsel.
Australien nimmt eine besondere Stellung ein. Das Land verbindet die westliche Bündniswelt mit dem indo-pazifischen Raum, verfügt über enorme Rohstoffvorkommen und investiert zunehmend in seine militärischen Fähigkeiten. Gleichzeitig spielt Australien eine wichtige Rolle bei Aufklärung, Überwachung und strategischer Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und ihren Partnern.
Diese Staaten verfolgen zwar unterschiedliche Interessen und Prioritäten. Gemeinsam prägen sie jedoch die wirtschaftlichen, technologischen und sicherheitspolitischen Entwicklungen einer Region, deren Bedeutung weit über ihre geografischen Grenzen hinausreicht.
Macht im 21. Jahrhundert entsteht längst nicht mehr nur in Werften, Kasernen oder Rüstungsfabriken. Sie entsteht auch in Forschungslaboren, Technologieunternehmen und Universitäten. Künstliche Intelligenz, Halbleiter, Robotik, Drohnen und andere Dual-Use-Technologien besitzen sowohl zivile als auch militärische Anwendungsmöglichkeiten. Wie sensibel dieses Thema inzwischen geworden ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Australien. Dort untersuchen Behörden Forschungskooperationen zwischen australischen Universitäten und iranischen Einrichtungen im Bereich unbemannter Systeme. Im Mittelpunkt steht nicht der Vorwurf nachgewiesener Spionage, sondern die Frage, ob wissenschaftliche Zusammenarbeit unbeabsichtigt zur Entwicklung auch für einen potenziellen Gegner militärisch nutzbarer Technologien beigetragen hat.
Wo wirtschaftliche Interessen, militärische Macht und geopolitische Ambitionen aufeinandertreffen, entstehen Konflikte. Im Indo-Pazifik gibt es zahlreiche Spannungen, doch drei Krisenherde verdienen besondere Aufmerksamkeit. Der erste ist Taiwan. Die Insel nimmt eine Schlüsselstellung zwischen China und den Vereinigten Staaten ein und ist zugleich von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Ein großer Teil der weltweit modernsten Halbleiter wird dort produziert. Für Peking gehört Taiwan zur Volksrepublik China. Die taiwanische Regierung verfolgt hingegen ihren eigenen politischen Kurs. Die Vereinigten Staaten unterstützen Taiwan, ohne dessen Unabhängigkeit offiziell anzuerkennen. Damit treffen hier nationale Ansprüche, Sicherheitsinteressen und wirtschaftliche Abhängigkeiten unmittelbar aufeinander.
Der zweite Krisenherd ist das Südchinesische Meer. Durch diese Gewässer verläuft ein erheblicher Teil des weltweiten Seehandels. Gleichzeitig erheben mehrere Staaten konkurrierende Gebietsansprüche auf Inselgruppen, Riffe und Seegebiete. China beansprucht große Teile des Meeresraums für sich und hat dort künstliche Inseln sowie militärische Infrastruktur errichtet. Für die Anrainerstaaten geht es um Fischgründe, Rohstoffe und nationale Souveränität, für die Weltwirtschaft um die Sicherheit einer der wichtigsten Handelsrouten der Erde. Weniger bekannt, aber strategisch ebenfalls bedeutsam, ist der Konflikt zwischen Indien und China. Beide Staaten verfügen über Atomwaffen und teilen eine mehrere tausend Kilometer lange Grenze im Himalaya. Immer wieder kommt es dort zu Spannungen und militärischen Zwischenfällen. Obwohl dieser Konflikt international deutlich weniger Aufmerksamkeit erhält als Taiwan oder das Südchinesische Meer, betrifft er zwei der bevölkerungsreichsten Staaten der Welt und zwei aufstrebende Großmächte Asiens. Gleichzeitig begrenzt die Rivalität zwischen Neu-Delhi und Peking die Geschlossenheit internationaler Formate wie den BRICS. Gemeinsame wirtschaftliche Interessen bestehen zwar, doch strategisches Vertrauen ist nur begrenzt vorhanden. Diese drei Konfliktherde zeigen, wie eng wirtschaftliche Bedeutung und sicherheitspolitische Risiken im Indo-Pazifik miteinander verbunden sind.
Werfen wir noch eine zusätzlichen Blick auf den Taiwankonflikt. Taiwan ist nicht nur wegen seiner Halbleiterindustrie von Bedeutung. Die Insel ist bereits heute einer der am stärksten militarisierten Spannungsräume der Welt. Regelmäßig dringen chinesische Flugzeuge in Taiwans Luftverteidigungszone ein. Chinesische Kriegsschiffe und Küstenwacheneinheiten operieren rund um die Insel. Immer wieder führen die chinesischen Streitkräfte groß angelegte See- und Luftmanöver durch, bei denen eine Blockade oder Einkreisung Taiwans geübt wird. Auf der anderen Seite reagieren die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten mit verstärkter Präsenz. Amerikanische Kriegsschiffe passieren regelmäßig die Taiwanstraße, um die Freiheit der internationalen Schifffahrt zu demonstrieren. Auch Verbündete wie Japan, Australien, Großbritannien, Frankreich oder Kanada beteiligen sich zunehmend an Übungen und Präsenzoperationen in der Region.
Für Europa wären die Folgen einer erhöhten Spannung unmittelbar spürbar. Eine militärische Eskalation würde Lieferketten, Industrieproduktion und internationale Märkte belasten. Ein Konflikt um Taiwan wäre daher kein regionales Ereignis. Er hätte globale wirtschaftliche und sicherheitspolitische Auswirkungen.
Probieren wir wieder ein Fazit: Der Indo-Pazifik zeigt Europas strategisches Dilemma besonders deutlich. Ein erheblicher Teil unseres Wohlstands hängt von Handelswegen, Technologien, Rohstoffen und Lieferketten ab, die weit außerhalb Europas liegen. Gleichzeitig verfügt die Europäische Union dort nur über begrenzte Möglichkeiten, ihre Interessen eigenständig abzusichern. Die europäische Indo-Pazifik-Strategie setzt auf Diplomatie, Handel und Partnerschaften. Militärische Machtprojektion bleibt dagegen weitgehend Sache einzelner Staaten, allen voran Frankreich.
Damit entsteht ein Spannungsverhältnis: Europa ist wirtschaftlich stark betroffen, sicherheitspolitisch jedoch nur eingeschränkt handlungsfähig.
Für die Vereinigten Staaten wird diese Frage in den kommenden Jahren noch wichtiger werden. Washington richtet seinen strategischen Schwerpunkt zunehmend auf Asien aus und erwartet von den europäischen Verbündeten bereits heute mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit. Es ist daher naheliegend, dass künftig auch die Frage gestellt wird, welchen Beitrag Europa zum Schutz jener Handels- und Versorgungswege leisten kann, von denen es selbst in hohem Maße profitiert ja eigentlich abhängig ist. Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb nicht in Taiwan, im Südchinesischen Meer oder in einzelnen Krisenherden. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, dass Europas wirtschaftliche Interessen global geworden sind, während seine sicherheitspolitischen Fähigkeiten diesem Anspruch kaum genügen. Der Indo-Pazifik macht diese Entwicklung sichtbar wie kaum eine andere Region der Welt. Dort entscheidet sich nicht allein die Zukunft Asiens. Dort wird auch sichtbar, welchen Platz Europa künftig in der internationalen Ordnung einnehmen will und welchen - auch militärischen - Einsatz es bereit ist, einzubringen, um seine Interessen zu schützen.
Autor:in:Felix Keiser |
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