Die Dunkelkammer
Die Nonnen von Goldenstein #13: "Geschäftemacherei ist uns zuwider"
- Schwester Bernadette in ihrem Zimmer im Kloster Goldenstein, Jänner 2026
- hochgeladen von Edith Meinhart
Vor vier Wochen distanzierten sich die Nonnen von Goldenstein von dem gleichnamigen Instagram-Account, über den Menschen aus aller Welt Einblick in das Leben der letzten drei Augustiner Chorfrauen im Salzburger Elsbethen erhielten und Anteil an ihrem Schicksal nahmen. Doch der Kanal machte weiter. Gleichzeitig startete ein zweiter Account mit dem Namen realnonnengoldenstein. Für Außenstehende bot sich ein verwirrendes Bild. In dieser Folge erzählt Schwester Bernadette, 88, wie der Instagram-Hype begonnen hat, warum sie und ihre Mitschwestern mit dem ursprünglichen Kanal nichts mehr zu tun haben wollen und sie sich notfalls auch rechtlich dagegen wehren. "Wir wollen unseren Orden schützen", sagt Schwester Bernadette.
Edith Meinhart
Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge der Dunkelkammer. Mein Name ist Edith Meinhart. Es geht heute wieder um die Nonnen von Goldenstein, konkret um ihre Pensionen, um die aktuelle Lage im Kloster und um den Instagram Account, den sie stillgelegt haben bzw. stilllegen wollten, der aber unvermindert weitermacht -- gegen ihren ausdrücklichen Willen. Von außen betrachtet ist da einiges verwirrend. Darüber reden wir gleich. Ich sage wir, weil ich mit Schwester Bernadette über Video verbunden bin, erlauben Sie mir zuvor ein paar Sätze in eigener Sache.
Seit der Dunkelkammer im August 2025 mit der die unglaubliche Geschichte der Nonnen von Goldenstein erstmals publik wurde, ist einiges passiert. Unter anderem das: Ich habe ein Buch geschrieben. "Nicht mit uns" heißt es. Es ist in der Edition Lauter erschienen, dem Verlag, den meine Kollegen und ich gegründet haben. Die zweite Auflage des Buchs ist jetzt im Buchhandel angekommen. Wer kein Exemplar mehr bekommen hat, Nachschub ist da. Überall, wo es Bücher gibt.
Und jetzt freue ich mich, dass wir es technisch hinbekommen haben, dass Schwester Bernadette und ich uns über Video sehen und über die Kopfhörer auch hören. Schwester Bernadette, wie geht es dir und deinen Mitschwestern?
Schwester Bernadette
Ja, Gott sei Dank geht es uns gut. Wir haben unsere Klausur hier heroben. Den einen Stock, den haben unsere lieben Schülerinnen sauber gemacht. Das war ja eine Katastrophe. Der ganze Stock war grau. Was anderes brauche ich gar nicht dazu sagen. Aber jetzt ist alles tipp topp gemacht. Und wir haben so liebe Menschen, die uns helfen. Wir leben glücklich, sind zufrieden, wir kommen aus. Jetzt wird uns vermutlich die Erzdiözese die Elektroleitungen richten, weil die schon auch aus dem Jahre 1927 stammen, da gehören schon einige ausgebessert, nach dem normalen Stand.
Edith Meinhart
Eine Küche habt ihr neuerdings auch, habe ich gehört.
Schwester Bernadette
Ja, wunderbar. Und noch dazu, so schön. Ich bin nämlich so farbempfindlich; und die Küche hat jetzt so einen hellbraunen, ist zwar Plastik, die Türen und so weiter, aber schön leicht gewölbt und wunderbar. Ich bin ganz beglückt.
Ich durfte mir auch die Schulküche neu einrichten, weil die Fachinspektorin verlangt hat, ja, können Sie denn nicht umbauen? Er wurde wirklich umgebaut. Und ich durfte mir die Küche selbst einrichten.
Was mich ganz besonders gefreut hat: Mir haben Lehrerinnen erzählt, dass Buben in die Arbeitsflächen Schnitte hineingemacht haben. Und da habe ich mir gedacht: Um Gottes willen, das sicher nicht! Ich hab mir einen Stein ausgesucht, aber der Stein war grau, schwarz und weiß. Habe ich gesagt, das halte ich nicht aus, da muss eine Farbe hinein.
Da wurde mir eine gezeigt -- pinkig, rosa! Um Gottes willen! Aber lieber noch das.
Eine Schülerin war vom Adneter Marmor, die Tochter, die Karin. Sie hat da zu dieser Zeit in Italien Praktikum gemacht und hat zu mir gesagt, ob es mir was ausmacht, in drei Monaten würde ich die Platte aus einem Stein geschnitten bekommen. Natürlich machte mir das nichts aus.
Ich kann ruhig drei Monate warten, wenn ich dafür (...) Und dann kommen die mit den Platten herein. Mir ist alles heruntergefallen, durch meinen ganzen Körper. Wissen Sie, das war nicht das pinkige Rosa, das war Kirschholzfarbe, diese wunderbare mittlere Natur-Rosa. Ich bin so glücklich darüber. Es ist so ein wunderbarer Stein.
Edith Meinhart
Ist diese Steinplatte heute immer noch in der Schulküche?
Schwester Bernadette
Ja, ja, alle drei, rundum auch noch, also drei vom Kochherd, die ganze Arbeitsfläche hinaus, das sind mindestens so zweieinhalb Meter zweimal und dann noch eine Ablage. Das hat die Fachinspektorin verlangt. Und da haben wir immer den Strudelteig ausgezogen, ein Spannleintuch drüber. Einmal haben wir es zusammengebracht, ohne ein Loch, der ganze Strudelteig ausgezogen für den Apfelstrudel.
Edith Meinhart
Wann war das, Schwester Bernadette?
Schwester Bernadette
Ja, ist natürlich schon 30, 40 Jahre aus. Das war ein Teig, richtig abgelegen, richtige Wassermenge beim Mehl und so weiter. Und da waren alle Kinder und ich natürlich ganz glücklich. Der Tisch ist leicht drei Meter lang und -- kein Loch.
Edith Meinhart
Kochst du jetzt auch ein bisschen in eurer neuen Küche in der Klausur?
Schwester Bernadette
Ich bin jetzt erst zurückgekommen von der Reha am Freitag, da war es noch nicht notwendig, aber es wird schon kommen, dass ich Samstag, Sonntag kochen werde.
Edith Meinhart
Ich habe es eingangs schon erwähnt: Siet die Nonnen von Goldenstein am 4. September des Vorjahres aus dem Altersheim ausgezogen und hinter dem Rücken ihres Ordensoberen in ihr Kloster zurückgekehrt sind, haben sehr viele Menschen weltweit ihre Geschichte mitverfolgt, auch über den Instagram Account nonnengoldenstein.
Bevor wir darüber reden, möchte ich noch etwas transparent machen. Ich war als Journalistin von Beginn an bei dieser Geschichte dabei. Ich habe deshalb auch mitbekommen, wie dieser sehr erfolgreiche Account ins Leben gerufen wurde, wie er sich entwickelt hat, aber auch, dass sich da einiges abgespielt hat im Laufe der Zeit, mit dem die Augustiner-Chorfrauen nicht einverstanden waren -- und sind.
Ich bin also einerseits außenstehende Beobachterin, andererseits auch sehr nahe dran, nicht zuletzt, weil ich als Buchautorin in engem Austausch mit den Nonnen gestanden bin und immer noch stehe, natürlich auch mit Helferinnen vor Ort, allen voran Christina Wirtenberger, die in den 1970er Jahren vier Jahre lang Internatsschülerin in Goldenstein war, über die Jahrzehnte in Kontakt mit den Augustiner-Chorfrauen geblieben ist und im Juli 2025 also im vergangenen Sommer, sich an die Dunkelkammer gewandt hat.
Ich bin somit so etwas wie ein Mittelding zwischen Beobachterin und Insiderin. Das nur zur Erklärung und zu meiner Rolle.
Schwester Bernadette, wie hat das mit dem Instagram Account begonnen?
Schwester Bernadette
Ja, ich kann nur sagen, erstens einmal hatte ich keine Ahnung von dem, was da geschieht, dann wollte ich das lernen. Es ist aber nie dazu gekommen. Es war halt so, dass unsere Geschichte oder unsere Tatsachenerlebnisse weitergegeben wurden. Und die Leute haben sich dafür interessiert.
Der Herr Andreas hat eigentlich immer sehr, sehr nett und ehrlich erzählt und gepostet; bis dann später ist es ausgeufert. Und zwar deshalb, vermute ich, dass er Einkommen bekommen hat. Das kann ich aber jetzt nicht wissen. Aber es wird halt vermutet.
Ab da sind wir sehr skeptisch geworden. Weil, unser Orden ist nur für die Kinder da, dass wir die Kinder erziehen, religiös, dass wir den Kindern Gott ins Herz legen, das ist unsere Aufgabe, aber niemals Geldsachen. Dass man zum Beispiel was mit den Dosen gemacht hat, mit Wasserdosen oder mit falschen Rosenkränzen. Es ist nie unsere Aufgabe, dass wir Geschäfte machen.
Wir sind weder bei der Finanzkammer angemeldet, noch wollen wir das. Unsere Aufgaben sind im vierten Gelübde angelegt. Die Kinder von 1597, die Mädchen damals waren ja in keiner Schule,dass sie schreiben und lesen lernen, dass sie rechnen lernen. Also, von Mathematik war da noch keine Rede. Und Handarbeiten, dass sie für ihre Familie sorgen können.
Mir ist es erst vor eineinhalb Monaten in den Sinn gekommen, weil ich mich immer geärgert habe, warum hat die Muttergottes nicht gesagt, dass Jesus in den Herzen groß wird, sondern dass er in den Herzen der Menschen groß wird? Und da bin ich voll Freude draufgekommen. Es geht ja um die ganze Menschheit; und da gibt es andere Religionen, die auch Gott verehren und von Jesus nichts wissen. Und wichtig ist, dass sie Gott in ihrem Herzen haben.
Edith Meinhart
Weil der genannte Instagram Account Betreiber dazu jetzt nichts sagen kann, sei noch hinzugefügt, dass er immer betont hat, dass er mit allem, was er macht, nur den Nonnen helfen will.
Schwester Bernadette, ich komme noch einmal zurück zum Geld. Du hast die Postings erwähnt, die Schwester Rita mit einer Dose mit Mineralwasser zeigen, wie sie mit einem jungen Mann von einer Getränkefirma plaudert. Von dieser Szene gibt es zwei oder drei Postings auf dem Nonnenaccount. Wie ist es dazu gekommen?
Schwester Bernadette
Ja, Gott sei Dank wurde ich da nicht angesprochen. Man hat Schwester Rita im Garten abgefangen und hat mit ihr gepostet; und sie hat es eigentlich sehr, sehr nett gemacht. Ich war direkt begeistert, wie locker und schön sie das gemacht hat.
Aber unser Orden ist nicht für Geldmacherei zuständig. Und da sind wir so gegen alles, was das angeht. Es gibt andere Klöster, die sind angemeldet, die dürfen es machen. Aber unser Auftrag ist das vierte Gelübde, dass wir für die Kinder da sind, und nicht um Wasserdosen zu posten und so weiter.
Edith Meinhart
Im Influencer-Jargon nennt sich das Product Placement. Man rückt Produkte ins Bild, und normalerweise gibt es dafür eigentlich Geld. Habt ihr für dieses Mineralwasser Posting jemals etwas bekommen?
Schwester Bernadette
Also, gesehen habe ich nichts. Ich habe nur gehört, alle Dosen, die in Goldstein leer getrunken wurden, da gibt es im Geschäft, glaub ich, 25 Cent für eine Dose, wenn man die zurückgibt. Es sind nur die paar geschenkten Dosen, die noch da sind, aber schon ausgetrunken. Und die sind in einer Kiste in einem Raum untergebracht, aber die sind noch nicht ins Geschäft gekommen. Und das sind ein paar Euro.
Edith Meinhart
Das heißt, ihr sollt das Dosenpfand als Spende bekommen, aber ihr habt kein Geld für das Posting auf Instagram erhalten?
Schwester Bernadette
Nein, nein, nein, nein, nein. Auf keinen Fall. Also, ich weiß nichts davon. Und das hätte man sicher gesagt. Und wir hätten uns sicher gewehrt, weil es nicht unser Auftrag ist.
Edith Meinhart
War das der Grund dafür, dass ihr das Vertrauen zum Instagram Betreiber verloren habt?
Schwester Bernadette
Natürlich, weil er Sachen gemacht hat, die er gar nicht angefragt hat. Er hat das einfach gemacht. Und es ist nicht Sache unseres Ordens, der Augustiner Chorfrauen.
Edith Meinhart
Und es war dann in weiterer Folge auch der Grund dafür, dass ihr euch von dem Account Nonnengoldenstein öffentlich distanziert habt?
Schwester Bernadette
Ja, natürlich, weil Unehrlichkeiten gemacht wurden oder so vermunkelt, dass man, dass ein anderer, der uns nicht kennt, das anders auslegen musste. Und da wehren wir uns dagegen, weil es nicht unser Auftrag ist.
Edith Meinhart
Trotzdem hat der Account danach weitergemacht, mit Bildern, mit Videos von euch. Also: Ihr habt in einem Pressestatement gesagt, dass dieser Account auch als Signal Richtung Rom stillgelegt wird. Es ist aber weitergegangen bis heute. Wie gibt es das?
Schwester Bernadette
Ja, da möchte ich schon dazu sagen, dass wir das schon bevor Rom das angefordert hat, gesagt haben, wir distanzieren uns von diesen Sachen. Es ist nicht unser Auftrag. Die Welt hat von uns erfahren durch die erste Dunkelkammer, dass es so eine Welle sein wird wussten wir nicht. Es konnte niemand vorher sehen.
Edith Meinhart
Dieser Instagram Account ist für Außenstehende sehr verwirrend. Sind das alte Bilder und Videos? Ihr stellt euch ja nicht mehr zur Verfügung, oder?
Schwester Bernadette
Genau. Leider wurden wir auch heimlich noch fotografiert; und dann wurde das heimlich weitergegeben. Also, manches ist noch up to date, leider, leider. Und jetzt sind wir natürlich noch aggressiver geworden, dass wir das dann so gemacht haben, dass er hoffentlich den Riegel davor geschoben bekommt, dass das absolut nicht in unserem Sinne ist, dass wir das verbieten. Und es sind auch bei der Haustür die Plakate angebracht worden. Und trotzdem gab es andere Leute, die gepostet haben und es dem Herrn Andreas weitergegeben haben. Und das hat uns sehr betroffen gemacht.
Edith Meinhart
Heißt das, die Nonnen von Goldenstein überlegen jetzt, sich sogar auf rechtlichem Weg zu wehren?
Schwester Bernadette
Ja, es wird leider nichts anderes überbleiben, denn wir können nicht so eine Lüge auf uns sitzen lassen, egal wer das dann ist, wen es trifft. Also uns Schwestern in dem Sinne nicht, weil wir das ja nicht weitergegeben haben und davon nichts wussten. Erst danach haben wir das erfahren. Aber wir müssen unseren Orden schützen. Es geht nicht so. Es ist nicht unser Auftrag. Und wenn wir schon verboten haben, das zu machen und dann die Sache noch von Rom gefordert wird und wir das schon gesagt haben, wir wollen das auch nicht mehr.
Es genügt, was jetzt öffentlich ist. Die Menschheit ist informiert, und das muss passen, das muss der Wahrheit entsprechen und nicht Unwahrheiten in die Welt hinauszubringen.
Edith Meinhart
Schwester Bernadette, es gab und gibt sehr viel Unterstützung und Solidarität für euch -- und das eben auch über Instagram. Mein Eindruck war, dass ihr dafür immer sehr dankbar gewesen seid und immer noch seid.
Schwester Bernadette
Ja, sicher! Erstaunt eigentlich mehr, die Dankbarkeit ist nachher gekommen. Wir waren sehr erstaunt, wie viele Personen und Menschen an unserem Schicksal Anteil genommen haben.
Edith Meinhart
Und eigentlich könnt ihr Geld ja gut brauchen. Wie geht's euch finanziell? Ihr habt ja die längste Zeit nicht einmal auf eure Pensionen zugreifen können. Hat sich das inzwischen geklärt?
Schwester Bernadette
Ja, also für die Spenden sind wir sehr dankbar. Allerdings muss ich sagen, nachdem da so ungereimte Sachen hinausgepostet wurden, haben Personen gesagt, sie wollen ihre Spende zurückerhalten. Das haben wir auch verstanden. Aber sie wussten ja nicht, dass das auf der Unehrlichkeit anderer Leute besteht und nicht von unserer Seite.
Und jetzt zu unseren Gehältern. Schwester Regina und ich waren Lehrerinnen. Unsere Pensionen wurden seit 1972 auf die Bank gebracht, die Urgroßmutter war eine Goldenstein-Schülerin, daher kam die Beziehung zur Spenglerbank. Und dann war das gestoppt, weil die Gehälter für Oberalm, also für das Seniorenheim, verwendet wurden.
Allerdings hätten wir 20 Prozent von unserem Gehalt als Taschengeld bekommen müssen. Das wurde uns nicht gewährt, sondern wir bekamen 50 Euro monatlich, allerdings auch zweimal nicht. Und Schwester Rita bekam gar nichts. Allerdings, die 50 Euro hat sie schon bekommen; Schwester Regina, weil sie Direktorin war, hat nach einem halben Jahr 100 Euro dazu bekommen. Da hat er die 50 nicht gestrichen.
Aber wir haben jetzt angemeldet, dass Schwester Regina und ich unsere Pensionen ausbezahlt bekommen. Aber jetzt ist folgendes: Schwester Regina bekommt seit drei Monaten ihr Gehalt, wurde noch rückwirkend ausgezahlt, aber bei mir ist passiert, dass ich nichts bekomme oder bis jetzt nichts bekommen habe. Erst jetzt ab Jänner bekomme ich das erste Mal mein Gehalt.
Edith Meinhart
Die Jänner Pension hast du jetzt überwiesen bekommen?
Schwester Bernadette
Angeblich ja, aber diese drei Monate vorher, die Schwester Regina erhalten hat, die hat man mir verweigert. Wer das eingesteckt hat, weiß ich nicht.
Edith Meinhart
Das heißt, für Schwester Regina wurden rückwirkend drei Monate Pension auf ihr Konto überwiesen. Du hast bisher noch keine oder erst eine Pension bekommen. Da fehlen noch zwei Monate.
Schwester Bernadette
Jetzt im Jänner. Drei würden fehlen, aber ob ich das noch jemals bekommen werde, ist fraglich. So wurde mir mitgeteilt.
Edith Meinhart
Kommt ihr mit euren beiden Pensionen und dem, was an Spendengeldern da ist, künftig halbwegs über die Runden?
Schwester Bernadette
Ja, wahrscheinlich schon. Also, ich hab keinen Einblick, was die Finanzen angeht. Das hat jemand anderer übernommen und auch die Verwaltung. Wir brauchen uns da Gott sei Dank nicht darum kümmern, so wie es früher Schwester Theresia oder Schwester Augustina oder Schwester Regina gemacht haben. Es fällt jetzt für uns Schwestern weg. Es sind unsere Schülerinnen, die uns helfen. Allerdings hat sich jemand da abgesondert. Wir wissen nicht, warum das geschehen ist. Es ist sehr betrüblich, aber so ist es. Das müssen wir auch hinnehmen. Mein Gebet habe ich ja schon ein paar Mal wiederholt: Wir sind in Gottes Hand! Und wir haben so viele liebe Menschen bekommen, von denen wir keine Ahnung hatten. So wird es auch weitergehen. Wir bekommen sicher Hilfe, was nötig ist. Mehr brauchen wir nicht.
Edith Meinhart
Schwester Bernadette, ihr habt jetzt einen kleineren, ruhigeren Social Media Account, ebenfalls auf Instagram. Er heißt realnonnengoldenstein, mit dem ihr euch auch an die Öffentlichkeit wenden könnt. Wofür ist der?
Schwester Bernadette
Ja, was ich gehört hab, werden die heiligen Messen übertragen. Zum Beispiel die heilige Messe von Montag, da haben 127 Menschen schon mit uns die Messe gefeiert. Oder wenn wir irgendein Fest haben. Oder wenn mit einem Kind was ist. Oder wenn die Kinder kommen und uns erzählen. Solche Sachen. Dass die Leute, die ganze Menschheit erfährt, wie unser Leben jetzt weitergeht, und dass wir nicht ohne Kinder sind. Man hätte uns ja verboten gehabt, dass wir zu den Kindern gehen und die Schule anschauen.
Das wurde uns jetzt Gott sei Dank von der Erzdiözese erlaubt. Der Herr war ganz entsetzt, dass man uns verboten hatte, dass wir mit den Kindern Kontakt haben und mit den Lehrern. Von den Lehrern haben gehört, und das glaube ich, stimmt wirklich, da sage ich keine Unwahrheit: Wer mit uns Kontakt aufnimmt, wird von der Schule entlassen. Dass man sowas überhaupt nur denken kann, ist ja unmenschlich.
Edith Meinhart
Wenn ich kurz ergänzen darf, das ist die Schule, die die Augustiner Chorfrauen fast 150 Jahre lang in Elsbethen geführt haben. Und dann durften die Kinder dort keinen Kontakt mehr zu euch haben, den letzten drei Nonnen, die es in dem Kloster noch gibt?
Schwester Bernadette
Ja! Nein, nein, ist alles aufgehoben. 'Gestern ist der Christian gekommen und hat mit der Schwester Regina, Rita pardon, allein plaudern wollen. Der hat momentan ein schweres Leben in der Familie. Und es ist so lieb, dass diese Kinder sich Trost holen bei Schwester Rita. Es hat mich richtig gefreut, weil Schwester Rita hat ja im Internat den Hort betreut und war mittags immer beim Mittagessen und danach bei den Aufgaben und dann draußen am Spielplatz, dass sie mit ihnen Spaß gehabt hat und die Freizeit verbracht hat. Dadurch ist dieser Kontakt da.
Edith Meinhart
Ihr habt die Kinder alle sehr vermisst, oder? In der Zeit, als ihr eure alte Schule nicht mehr betreten durftet.
Schwester Bernadette
Ja, natürlich. Natürlich haben wir sie vermisst, aber trotzdem haben uns im Seniorenheim auch Kinder besucht oder ehemalige Schülerinnen sind gekommen. Also, eigentlich waren wir nie allein. Dass wir trotzdem Kontakt mit Kindern hatten oder mit ehemaligen Schülerinnen, hat uns sehr, sehr glücklich gemacht.
Edith Meinhart
Schwester Bernadette, eine Frage zu eurer Zukunft: Wie geht es jetzt weiter? Das für Orden zuständige Dikasterium in Rom wird sich irgendwann zu eurer Geschichte äußern. Was wäre denn für dich und deine Mitschwestern der schönste Ausgang, den du dir nur wünschen kannst?
Schwester Bernadette
Ja, dass Rom alles, was wir -- darf ich ruhig sagen -- durchlitten haben, wie man uns behandelt hat, wie wir behandelt wurden. Wir haben nur die Wahrheit gesagt. Wir haben nichts dazugegeben, aber auch nichts weggelassen. Weil, die Wahrheit darf man sagen. Da ist der eine Herr zusammengezuckt. Und wir hoffen, dass Rom diese Tatsachen anerkennt und wir unser Kloster, wie es im Übergabevertrag steht, oben Seite 5 oder 6, dass wir bis zu unserem Lebensende in unserem Kloster leben dürfen.
Edith Meinhart
Das war im Übergabevertrag festgeschrieben, mit dem du und deine Mitschwestern, also die letzten drei Augustiner Chorfrauen in Elsbethen, euer Kloster übergeben habt, und zwar je zur Hälfte an die Erzdiözese Salzburg und an das Stift der Augustiner Chorherren in Reichersberg.
Schwester Bernadette
Und der unterste Satz hebt aber oben alles wieder auf. Und ich vermute, weiß ich nicht, ob es stimmt: Weil wir beide nicht mehr in der Schule sind, können wir unsere Gelübde nicht mehr erfüllen, dass wir für die Kinder da sind. Aber diesen Herrschaften möchte ich sehr wohl sagen: Ein Gelübde ist ewig, nicht nur bis zu unserem Lebensende, sondern in die Ewigkeit hinein. Wir werden unser ganzes Leben, da wir von Gott erschaffen sind, für die Kinder sorgen. Nicht nur für die Goldensteiner Kinder, sondern für die Kinder auf der ganzen Welt. Und dafür beten wir auch heute schon. Es ist nie ein Kind von uns ausgeschlossen, und auch die ganze Menschheit.
Wir beten für alle Menschen auf der ganzen Welt. Das ist unser Auftrag und sonst nichts. Keine Geldmacherei und keine Geschäftemacherei. Es ist uns so zuwider, was da passiert ist, dass wir glücklich sind, dass wir von dem losgekommen sind.
Edith Meinhart
Schwester Bernadette, ich sehe dich über Video mit einem Kopfhörer mir gegenüber sitzen. Kannst du mir so ein Foto von dir schicken?
Schwester Bernadette
Ja, die Christine soll es machen, dann schicke ich das. Sie wird das machen.
Edith Meinhart
Darf ich das nehmen für den Podcast?
Schwester Bernadette
Ja, ja, kannst ruhig machen. Du fragst ja vorher, aber der Andreas hat nie gefragt, außer am Anfang. Da haben wir gewusst, dass er das macht. Aber alle Sachen, die jetzt die letzten zwei, drei Monate gekommen sind, hat er alles ohne Fragen gemacht. Und da muss er leider noch zum Handkuss kommen. So geht das nicht.
Edith Meinhart
Schwester Bernadette, ich danke dir für das Gespräch.
Schwester Bernadette
Alles Liebe, Edith, ich freue mich, dass wir uns gesehen haben.
Edith Meinhart
Ich auch. Danke nochmals.
Schwester Bernadette
Gerne, gerne. Danke dir, dass du uns geholt hast. Alles Gute.
Edith Meinhart
Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, vielen Dank fürs Dabeisein. Ich freue mich, wenn Sie das nächste Mal wieder zuhören.
Autor:in:Edith Meinhart |