Die Dunkelkammer
Model in China: Der Traum der Tochter, der Albtraum der Mutter
Von Edith Meinhart und Felix Keiser. Die 21-jährige Niederösterreicherin Theres träumt von einer Karriere als Model. Über Instagram dockt sie bei einer indischen Agentur an, die ihr Foto-Shootings in China verspricht. Ihre Mutter fürchtet, dass die junge Frau nicht nur ausgebeutet wird, sondern womöglich in falsche Hände gerät. Wer steckt hinter der chinesischen Agentur? Wie sicher ist ihre Tochter vor Ort?
Edith Meinhart
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Dunkelkammer. Mein Name ist Edith Meinhart. Heute geht es um den Traum, einer jungen Frau als Model zu arbeiten. Therese ist 21 Jahre alt, aufgewachsen im niederösterreichischen Industriegebiet, eine Autostunde südlich von Wien. Und der Traum der jungen Frau ist der Albtraum ihrer Mutter Christine. Nicht, weil sie ihrer Tochter nicht allen Erfolg der Welt gönnte, sondern weil Therese am Sprung nach China ist und die ernstzunehmende Gefahr besteht, dort vielleicht in falsche Hände zu geraten. Darüber reden wir gleich. Therese soll in China für Katalog, Fotoshootings und für Online-Sales und für Werbekunden modeln. Vermittelt hat den Auftrag eine indische Mother Agency, die vor allem auf Instagram aktiv ist. Therese hat einen chinesischen Arbeitsvertrag in Händen, der nicht nur bei ihrer Mutter die Alarmglocken schrillen lässt. Gibt es diese Agentur überhaupt? Wer versteckt sich hinter dem Namen 715 Model Agency? Was haben diese Leute mit ihrer Tochter vor? Wer hilft ihr, wenn sie vor Ort in Gefahr gerät? Am 18. Mai schickte Christine ein flehentliches Mail an die Dunkelkammer. Kurz darauf habe ich mich mit ihr und ihrer Tochter Therese in einem Kaffeehaus in Wien getroffen. Bei diesem Gespräch haben wir uns auf etwas verständigt, das aus journalistischer Sicht etwas ungewöhnlich ist. Therese und ich, so haben wir ausgemacht, würden gemeinsam vorbehaltlos recherchieren, was es mit dem Jobangebot in China auf sich hat. Ist es seriös? Ist damit ein Risiko verbunden, das eine junge Österreicherin eingehen kann, wenn sie ein paar Sicherheitsvorkehrungen trifft? Ist es brandgefährlich? Auf Grundlage unserer Recherchen würde Therese sich schließlich entscheiden. Und nun begrüße ich beide, Christine, ihre Mutter, und Therese selbst im Dunkelkammer-Studio. Schön, dass ihr da seid.
Therese
Danke für die Einladung.
Christine
Ja, hallo. Danke schön.
Edith Meinhart
Hallo. Es ist für alle Beteiligten nicht ganz leicht, über das Thema zu reden. Mit welchen Gefühlen sitzt ihr denn gerade da?
Therese
Ja, ich bin gespannt, was das Gespräch heute bringt. Vielleicht noch mal die Seite von meiner Mama zu sehen. Ich bin eigentlich ganz locker.
Christine
Ja, ich habe ein bisschen Magenschmerzen und den Drücken. Es ging mir schon besser mal. Also, es ist nicht ganz toll.
Edith Meinhart
Therese, du bist 21 Jahre alt. Würdest du ein bisschen von dir erzählen? Wie warst du als Kind? Wie bist du aufgewachsen? Was hat dich geprägt?
Therese
Also, als Kind, ich war mit meiner Mama, meinem Papa und meiner Schwester viel unterwegs. Wir sind viel auf Ausflüge gegangen. Ich war eher ein schüchternes und zurückhaltendes Kind. In der Schule eher eine Außenseiterin. Ich hatte nicht so viele Freunde gehabt, habe auch nie gewusst, wie ich mich gut integrieren kann. Und deswegen war ich eigentlich generell gerne zu Hause. Obwohl, mit unseren Nachbarn sind wir trotzdem früher viel rausgegangen in den Garten, haben auch draußen viel gespielt, sind Radfahren gegangen. Also, ich würde sagen, wir waren relativ aktive Kinder.
Edith Meinhart
Du hast irgendwann ein Faible für K-Pop entwickelt, koreanische Popkultur mit der Musik, die dazugehört, dem Glamour, Social-Media-Stars, die einerseits völlig unerreichbar sind, aber auch sehr nahbar. Was hat dich daran so fasziniert? Wie ist das entstanden?
Therese
Also, mittlerweile bin ich ja von dem ganzen Thema schon ein bisschen abgedriftet. Aber vor allem, wie das bei mir begonnen hat, war das halt mit 14. Und da war es eine Phase in meinem Leben, wo es mir gar nicht gut gegangen ist, mental sowie körperlich. Und das hat mir irgendwie so eine Leere gefüllt, die ich vorher nicht gewusst habe, wie ich sie fühlen könnte. Einfach, weil mir die Musik gefällt. Ich bin generell ein sehr musikalischer Mensch, ich liebe Musik. Und das war einfach alles, was ich mag, auf einem Schlag, sage ich jetzt mal. Also gut aussehende Mädels und Jungs, die gut tanzen können, ich tanze selber auch, die gut singen können, die Musik, die mir gefällt. Und einfach alles ist halt so sehr, sehr glamourös und einfach sehr glänzend. Und das war auch etwas, wo ich mir gedacht hätte, so was wäre als Job auch richtig cool, wo man einfach so alles kombinieren kann, was man mag.
Edith Meinhart
Es war auch ein bisschen so eine Welt, die anders war als die Welt, in der du gelebt hast.
Therese
Auf jeden Fall, ja. So, ich sage mal, wie so eine realitätsferne Scheinwelt, wo ich gewusst habe, so, okay, das kann ich vielleicht nie erreichen. Aber ich kann zumindest so tun, als ob.
Edith Meinhart
Du hast eine Tourismusschule besucht und dann in der Gastronomie, glaube ich, zu arbeiten begonnen oder Praktika gemacht. Wann und wie hat sich für dich abgezeichnet, dass du Model werden möchtest?
Therese
Also, ich habe mich immer schon für so kreative Sachen interessiert. Eigentlich war früher mein Traumberuf immer, Sängerin zu werden. Den Traum habe ich dann eigentlich immer relativ schnell verworfen, weil ich wahnsinnige Bühnenangst gehabt habe und einfach eben sehr, sehr schüchtern war. Und dann war ich so, ja, okay, was ist das, was mich am nächsten interessiert? Es waren dann Kochen und Backen. Und deswegen habe ich mich halt entschieden, in die Tourismusschule zu gehen. Aber wie man auch so oft sagt, man sollte sein Hobby nicht immer zum Beruf machen. Es hat für mich einfach gar nicht gepasst. Also, mein erstes Praktikum war richtig schrecklich. Und ab dem Moment habe ich gewusst, egal, was passiert, ich habe nicht die Energie und die Lust, die Kraft dazu, mich so raufzuarbeiten, dass ich an den Punkt komme, wo ich sein möchte. Weil selbst als, sage ich mal, Traumberuf Koch, Köchin, hätte ich gesagt, ich werde Fernsehköchin. Also, es musste immer irgendwas mit so Fernsehen oder irgend so was Kreativem zu tun haben. Und dafür hat mir aber dann die Leidenschaft gefehlt. Und Modeln war generell immer schon was, was für mich, ich sage mal, unerreichbar war. Als übergewichtiges Kind, das oft gemobbt worden ist, über das sich viele Leute lustig gemacht haben. Das war so, hätte ich das jemandem erzählt, der hätte mich so oder so alle ausgelacht. Auch in meiner Klasse dann, wo ich maturiert habe, bin ich nie zu den, sage ich mal, Attraktiven gezählt worden. Wir haben ja manchmal auch so Listen geschrieben, was ich auch kompletten Blödsinn finde. Und ich war nicht mal drauf.
Edith Meinhart
So Attraktivitätslisten.
Therese
Ja, aber auch manchmal die Mädels untereinander. Ja, natürlich prägt das einen halt auch. Aber es war trotzdem immer was.
Therese
Ich mache halt eigentlich gerne Fotos. Also habe ich dann gemerkt, nach einer Zeit, weil früher habe ich halt gar keine Fotos von mir selber gemacht, weil ich mich halt unwohl gefühlt habe.
Therese
Eigentlich macht mir das halt richtig Spaß und ich finde es natürlich cool. Vor allem so Werbungen haben auch viel mit Schauspiel und so zu tun. Und ja, da habe ich mir dann schon gedacht, so, das würde ich echt gern machen. Aber ich dachte halt nicht, dass ich das jemals schaffen könnte.
Edith Meinhart
Das heißt, da gibt es auch so ein inneres Kind, das irgendwie sagt, ich zeige es euch noch.
Therese
Ja, schon.
Edith Meinhart
Was hast du denn schon alles versucht, um als Model Fuß zu fassen? Wie weit bist du da jetzt gekommen?
Therese
Also, als ich mich dann dazu entschlossen habe, dass ich das wirklich machen möchte, habe ich natürlich generell schon viel recherchiert, wie man das machen kann, was man machen sollte. Und habe mich dann mit meiner besten Freundin zusammengesprochen.
Therese
Wir haben uns ein Fotostudio, weil wir noch unter 20 waren, konnten wir das gratis mieten. Haben dann gegenseitig, das heißt Polas, also Polas sind so unbearbeitete Bilder, wo man kein Make-up trägt, einfach bestenfalls schwarz angezogen ist, bei einer weißen Wand.
Therese
Und haben dann eben Polas gemacht und uns mal beworben bei verschiedenen Agenturen. Das hat dann tatsächlich bei ihr funktioniert, bei mir leider nicht.
Therese
War kein Problem. Aber natürlich habe ich mir dann auch gedacht, so, was mache ich jetzt? Und ich weiß nicht mal, woher mir das gekommen ist, aber ich hatte so ein Gefühl, ich muss mir jetzt Facebook runterladen. Obwohl jetzt mittlerweile die meisten nicht mal wirklich Facebook verwenden. Aber ich habe mir dann Facebook runtergeladen und einfach ganz, ganz viele Fotografen angeschrieben.
Therese
Und dann, da gibt es eben etwas, das heißt TFP-Shootings, also Time for Print. Das heißt, man kann halt gratis ein Shooting vereinbaren. Und du darfst das halt gratis für dein Portfolio nehmen und die Fotografen halt gratis für ihr Portfolio. Was halt für den Anfang richtig praktisch ist.
Therese
Natürlich, wenn man dann zu einem gewissen Stand kommt, teilweise sind dann TFP-Fotografen, die das wirklich nur machen, nicht so gut wie Leute, die das natürlich hauptberuflich machen. Aber für den Anfang war das halt echt gut. Und dann habe ich einfach ganz, ganz viele Shootings gemacht und mich dann nochmal beworben.
Therese
Und dann irgendwann hat es halt geklappt, dass mich dann eine Agentur genommen hat. Aber das waren auch ein paar Monate, muss ich sagen. Und einfach sehr, sehr viel gratis Arbeit, damit ich dann überhaupt irgendwann mal was bekommen habe.
Edith Meinhart
Das heißt, du hast schon einen ganz schönen Ziel verfolgt, diesen Plan. Ja, also
Therese
ich bin ein Mensch, dass, wenn ich etwas wirklich möchte, ich auch alles dran setze, dass ich das erreiche. Also so gut es halt geht. Aber ich gebe zumindest nicht so schnell auf.
Edith Meinhart
Christine, du hast Musik studiert, hast als Musikerin gearbeitet, bist viel in der Welt herumgekommen, wurdest dann Mutter, hast zwei Zwillingstöchter bekommen, eine davon eben Therese. Könntest du dich ein bisschen vorstellen?
Christine
Ja, also geboren auch in Niederösterreich, Ennsdorf. Mir war dann klar, nach der Matura muss ich auch raus. Ich habe Wien gewählt. Ja, habe dann Tontechniker studiert, habe dann als Tontechnikerin gearbeitet. Das war mir dann auch zu wenig. Habe dann Jahre später dann angefangen, Musik zu studieren und durfte wirklich in der Welt reisen, mit Bands wirklich viel erleben, sehen. Bin ich sehr dankbar.
Edith Meinhart
Welches Instrument hast du gespielt?
Christine
Ich spiele Ebers.
Edith Meinhart
Spielst du noch?
Christine
Ja, freilich, ja. Aber sehr zurückgezogen, also habe ich aber selber entschieden, aus eigener, ja. Und auch der Pandemie geschuldet habe ich dann doch, und man wird ja auch älter und so, umgesattelt und habe noch eine Ausbildung gemacht zur Fahrschullehrerin und bin jetzt sehr glücklich in Niederösterreich bei einer wunderbaren Fahrschule, darf ich da arbeiten und das passt für mich.
Christine
Und ja, ein paar Bands gibt es noch. Ja, ja, aber die kann ich mir jetzt Gott sei Dank aussuchen. Also mit denen, wo ich spielen mag, die ich musikalisch wie menschlich sehr schätze, da bin ich dabei und das ist sehr schön.
Edith Meinhart
Wie waren denn deine Töchter? Wie hast du Therese in Erinnerung?
Christine
Ja, sehr schüchtern, ja.
Edith Meinhart
Aber auch musikalisch, das scheint sie von dir abzuholen.
Christine
Ja, ja, ja, das haben sie auf jeden Fall gehabt, beide. Also sie sind sehr musikalisch und wirklich begabt.
Edith Meinhart
Ich habe jetzt vergessen, dazu zu sagen, dass wir uns entschieden haben, einander zu duzen, obwohl wir uns vor dem Mail am, glaube ich, 16. Mai nicht gekannt haben. Aber wir haben schon ein paar Mal vor dem Podcast jetzt miteinander gesprochen und sind dann zum Du übergegangen. Und wir haben gesagt, wir belassen es jetzt dabei. Wann und warum hast du irgendwann Angst um Therese bekommen?
Christine
Also, dass man es nicht falsch versteht, ich bin absolut dafür, dass junge Menschen rausgehen in die Welt. Dass sie, weil das macht man, wenn man jung ist und wirklich über den Tellerrand quasi rausschaut und wirklich Erfahrungen sammelt. Aber es muss sicher sein.
Christine
Also, ich selber war auch in China, ich durfte vier Wochen dort eine Tournee spielen. Also, ich erzähle das deswegen, weil ich weiß, halt ein bisschen, vier Wochen weiß man halt ein bisschen nur ungefähr, wie es halt da ist in China, weil wir sind auch im Land gereist, also es war nicht stationär.
Christine
Aber wie die Therese mir das von der Mutteragentur in Indien, na ja, was mache ich als Mama? Ich schaue mal auf diese Webpage. Dann sehe ich, das ist eine mit Wix selbst gebastelte, sehr dilettantische Webpage.
Christine
Nächster Schritt ist, ich schaue Google Maps. Wo ist das? Wo ist diese Adresse? Ja, Street View, man sieht ja wunderbar, das ist irgendein Haus, also man kann nicht erkennen, dass es eine Firma ist oder irgendwie was. Man weiß es nicht, irgendeine Adresse.
Christine
Die Bilder auf der Webpage, sehr, ja, man könnte sagen, vielleicht KI-generiert, also ob das echte Menschen sind. Also keine Informationen, kein Impressum, komplett für mich nicht greifbar.
Edith Meinhart
Das heißt, du hast im Prinzip einmal das gemacht, was Journalisten auch machen würden und was ich auch gleich gemacht habe. Ich habe eigentlich mir auch die Homepages angeschaut oder die Homepage, weil von der chinesischen Agentur habe ich keine gefunden. Und da hast du mal geschaut, sind das echte Menschen, schaut das vertrauenswürdig aus und hast dir gedacht, das könnte genauso gut KI-generiert sein, oder? Therese, wie bist du denn zu dem Angebot gekommen? Wie ist das entstanden?
Therese
Genau, also ich habe schon länger eine neue Agentur gesucht, beziehungsweise eine Mutteragentur, weil einfach, wenn man als Model wirklich was erreichen möchte, braucht man einfach eine Mother Agency. Und habe mich eigentlich bei zigtausend Sachen beworben, weil eigentlich mein originaler Plan war, erst mal nach Korea zu gehen.
Therese
Es hat dann aber leider nicht eben so funktioniert, wie ich wollte, weil ich habe drei Zusagen bekommen. Das war aber nur unter der Bedingung, dass ich schon eine Mother Agency habe, am besten in Korea. Das hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, deswegen habe ich den Plan verworfen.
Therese
Und dann hatte ich ein Shooting mit einer Kollegin und habe halt mit ihr über das Thema gesprochen. Und dann hat sie mir eben die Agentur weiterempfohlen, weil sie selber bei der Agentur ist. Und dann habe ich mir gedacht, so, ja, okay, wenn sie mir das empfiehlt, wird schon passen und habe mich halt einfach mal beworben.
Therese
Und ich glaube, ich habe mich am gleichen Tag noch oder sogar am nächsten Tag schon beworben, weil umso schneller, umso besser. Und habe dann auch ziemlich schnell dann eine positive Rückmeldung bekommen mit dem Vertrag und habe den halt eben mal gleich der Mama gezeigt.
Therese
Damit generell, ich habe es auch meiner besten Freundin geschickt. Ich habe halt gerne mehrere Meinungen als nur eine. Aber ich habe halt viel mit der Kollegin auch geredet und die war mit der Agentur noch nicht im Ausland, hatte aber selber halt sehr viel recherchiert und deswegen vertraue ich ihr da, dass sie mir da halt keinen Blödsinn weiterempfehlen würde.
Edith Meinhart
Wir haben das jetzt noch nicht so ganz zusammengefasst, aber im Prinzip geht es kurz gesagt darum, dass eine indische Agentur namens Lada Models Therese unter Vertrag nimmt, exklusiv, und sie dann an eine chinesische Agentur vermittelt, die wiederum Modelaufträge vermittelt. Mit beiden Unternehmen werden wir uns dann noch befassen. Also die indische Lada, heißt das Unternehmen, die indische Agentur, ist nur dazu da, dich eigentlich an die chinesische Agentur in dem Fall jetzt zu vermitteln.
Therese
Genau.
Edith Meinhart
Therese, du hast ja schon erzählt, dass du als Mädchen, wie leider viele heranwachsende junge Frauen, darunter gelitten hast, von anderen nach dem Äußeren bewertet zu werden.
Edith Meinhart
Und du hast dann, das hast du mir auch im Vorgespräch erzählt, in Korea, wo du, glaube ich, auf Maturareise warst, sehr viel Zuspruch plötzlich erfahren und vermittelt bekommen, sehr schön zu sein, genau in das dort herrschende Schönheitsideal zu fallen.
Edith Meinhart
Wie war diese Erfahrung für dich? Und hat sie dich auf die Idee gebracht, zu modeln?
Therese
Also, bevor ich nach Korea geflogen bin, ist es mir zum Glück dann schon langsam besser gegangen mit meinem Selbstwertgefühl. Aber es war natürlich trotzdem noch nicht perfekt. Und in Korea dann selbst, ich war auch davor auch noch in China, da habe ich eben schon ein bisschen Zuspruch erlebt. Und in Korea war ich eben für einen Monat.
Therese
Und es ist mir halt, wie wir so sagen in der heutigen Gesellschaft, pretty privileged, relativ oft passiert, dass ich halt dann Sachen gratis bekomme, vorgelassen werde in Schlangen, was zum Teil wirklich schon unangenehm war, weil man dann gesehen hat, wie andere, vor allem auch andere Ausländer wie ich, richtig böse schauen, was ich voll verstehe. Ich wäre auch angepisst, wenn da jemand sich einfach vordrängeln darf. Aber wenn man es dann bekommt, ist es halt natürlich trotzdem sehr nett.
Therese
Und ich habe eben sehr, sehr, sehr viele Komplimente bekommen. Und genau jetzt, ich bin ja mit diesen Beauty-Standards trotzdem aufgewachsen, weil ich mich eben so viel damit beschäftigt habe. Und natürlich wollte ich immer schon in diesen Korean Standard auch reinpassen. Und dann aber nochmal extra diesen Zuspruch zu bekommen von allen Leuten, die halt dort sind. Und wenn man wirklich eigentlich jeden Tag ein Kompliment bekommt, dann bekommt man natürlich schon einen Confidence-Push, sage ich ehrlich. Da fühlt man sich natürlich dann schon viel wohler.
Therese
Und mir haben sehr, sehr viele Leute gesagt, dass ich es probieren soll mit dem Modeln. Und ich war halt am Anfang wirklich so, nein, ich, so seid euch sicher, so weiß ich jetzt nicht. Und die waren aber wirklich, die haben so wirklich drauf bestanden. Also die waren wirklich so, nein, du musst das probieren, wirklich probier das unbedingt.
Therese
Und dann habe ich mir irgendwann gedacht, so, naja, okay, ich wollte es ja eh schon immer mal probieren oder machen. Jetzt probiere ich es halt einfach. Und dementsprechend hat mich Korea schon dazu gebracht, dass ich es mit dem Modeln beginne. Weil ich glaube, wäre ich dort nicht drauf reingegangen, dann hätte ich einfach nur gedacht, ja, okay, ich kann es eh nicht, es ist zu unwahrscheinlich und hätte es vielleicht nicht probiert.
Edith Meinhart
Ich muss jetzt nochmal dazu sagen, dass mir wirklich Respekt abbringt, dass du dich auch bereit erklärt hast, in deiner eigenen Cause zu recherchieren, weil ich weiß als Journalistin, wie schwer das ist, wenn man eine Geschichte anfängt und man will unbedingt, dass die Geschichte so läuft, wie man sich vorstellt, dass sie läuft. Und dann recherchiert man im Journalistinnen-Jargon, heißt das, man recherchiert sie zu Tode und es stellt sich raus, es ist keine Geschichte. Und das ist natürlich noch viel härter, wenn es um den eigenen großen Traum geht.
Edith Meinhart
Aber ich würde jetzt trotzdem gerne mal diese zwei Unternehmen da abklopfen und mit der indischen Agentur beginnen, die, wie gesagt, Lada Models heißt, laut Internetseite seit 2017 weltweit aktiv ist. Und wie sie da schreibt, immer auf der Suche nach neuen Gesichtern.
Edith Meinhart
Aber die Agentur-Homepage ist tatsächlich auch aus meiner Sicht seltsam, weil da unter Vertrag stehende Models präsentiert werden, die immer nur mit dem Namen, bestenfalls noch mit einem Initial dazu und den Maßen vorgestellt werden. Also Paula M., 176, 86, 61, 90 zum Beispiel oder Anna Kon, 173, 83, 64, 92. Und nirgends sind irgendwie konkrete Geschichten über diese Personen oder konkrete Shootings, Drehtermine.
Edith Meinhart
Es gibt keine Links zu Veröffentlichungen in Magazinen. Das gibt es alles auf anderen Model-Homepages oder Agentur-Homepages sehr wohl. Könnten diese Models aus deiner Sicht KI-generiert sein?
Therese
Also im heutigen Zeitalter ist natürlich immer eine Möglichkeit, klar, besteht. Ich muss jetzt aber sagen, bei meinen Agenturen, die verlinken, haben auch nichts von mir verlinkt. Also das schaut relativ klar auch aus, weil viele Agenturen keine Kontaktdaten angeben wollen, damit die Kunden die Models nicht privat anschreiben können, sondern dass sie halt über die buchen müssen. Und deswegen ist es nicht immer automatisch, dass du verlinkt wirst.
Therese
Ich meine, manche posten schon noch Jobs, aber es machen, also meine in Österreich machen es bei mir auch nicht. Deswegen ist das für mich nicht so der Abschreckungsgrund.
Therese
Aber ja, es ist natürlich manchmal schwer zu beurteilen. Ob, könnte ja auch sein, dass jetzt, sagen wir mal, die Hälfte der Models echt sind und die andere Hälfte zum Beispiel KI generiert, damit sie dann trotzdem mehr Leute damit anlocken.
Edith Meinhart
Damit es nach mehr ausschaut.
Therese
Keine Ahnung.
Edith Meinhart
Aber mir ist auch aufgefallen, es gibt keine konkrete Person, die genannt ist. Es gibt keine E-Mail, die irgendwas aussagt. Das ist alles so anonym, wie von einem Bot. Und dann, wenn man versucht, die Adresse, die du im Vertrag genannt bekommen hast, auf Google zu finden, dann weiß man nicht, welches Haus ist das. Das ist bestenfalls auf einem Block eingrenzbar. Und das in einer Millionenstadt, also mir ist das schon komisch vorgekommen.
Edith Meinhart
Wir haben dann geredet, du hast gesagt, du wirst versuchen, eine echte Person aufzutreiben, die für Lada gearbeitet hat. Das ist dir auch gelungen. Kannst du das kurz erzählen, wie du das angestellt hast und wen du gefunden hast?
Therese
Also ich habe dann, so war mal der Kollegin geschrieben, die uns mehr Worte empfohlen hat und mit ihr halt gesprochen. Und ich habe mir nämlich eingebildet, sie hat da mal einen Namen erwähnt. Und dann habe ich eben das Instagram von ihr gefunden und habe sie halt einfach angeschrieben und habe halt wirklich gehofft, dass sie antwortet und auch, dass sie wirklich aus Österreich ist. Und sie kommt eben wirklich aus Österreich. Und die war eben mit Lada Models in Istanbul für drei Monate und eben, ihr hat es super gut gefallen und es ist nichts passiert. Was nochmal wichtig ist zu erwähnen.
Therese
Aber natürlich darf man auch nicht vergessen, die Agentur Lada Models, man kann es jetzt vielleicht auch mittlerweile eher, ich würde sie fast eher als Online-Agentur beschreiben, weil sie ja nicht wirklich so ein eigenes Zentrum haben, wo Leute hingehen, wie es manche haben. Die vermitteln dich ja weiter und kriegen ja auch einen Anteil Geld.
Therese
Und dadurch kann natürlich auch passieren, dass sie dich vielleicht an eine andere Agentur weitervermitteln, die vielleicht dann nicht so toll ist. Weil bei ihr war es am Anfang so, dass sie sie auch in eine Agentur stecken wollte in Istanbul, die ihr gar nicht zugesagt hat. Dann hat sie gesagt, nein, sie möchte nicht zu der Agentur. Dann haben sie eine andere gesucht und die hat aber dann für sie gepasst.
Edith Meinhart
Das heißt, man könnte sich dagegen wehren, zu einer bestimmten geschickt zu werden?
Therese
Man könnte nachfragen, genau. Das einzige Problem bei mir in dem Sinne ist ja jetzt, weil ich ja schon mein Visum habe, darf ich nur für die Agentur arbeiten, für die ich das Visum schon beantragt habe. Das heißt, wenn ich jetzt sagen würde, ich arbeite nicht mit denen, muss ich das Visum halt neu beantragen.
Edith Meinhart
Ja, wobei, darauf kommen wir noch. Also das Visum ist für ein Unternehmen ausgestellt, das nicht der Arbeitgeber ist. Also das ist ja auch ziemlich fragwürdig. Aber kommen wir mal zum chinesischen Arbeitgeber.
Edith Meinhart
Der ist eigentlich ein Phantom. Er hat keine Adresse, keine Business License, also Geschäftslizenz, mit der sich Unternehmen in China ausweisen. Und um herauszufinden, wer sich hinter dem Wortlaut 715 Model Agency verbirgt, hast du dich an die indische Agentur Lada gewandt. Weil die müssten es ja wissen, die haben dich immerhin dorthin vermittelt.
Edith Meinhart
Zurückgekommen ist nichts außer einer kurzen WhatsApp-Nachricht. Die spielen wir kurz vor.
Christine
Hi Terry, yes. 715 is the agency you will work, but the company is registered under another name. And here, you see, here is the name of the company, here is the address of the company, and here is the address of the Models apartment. So if you are going there and saying 715, of course they will not accept. You have to say the name of the agency as per the paper I gave.
Therese
Ja, also wie ich es verstanden habe, von seiner Erklärung her, ist es halt, dass eben 715 Agency sozusagen wie so ein Schein-Name ist von der Agentur, mit denen sie sich halt vermarkten.
Therese
Aber der richtige Name der Agentur eben dieser andere Name ist, auf den sie auch angemeldet sind und auf den Namen ist auch das Visum beantragt.
Therese
Also 715 Agencies in dem Sinne gibt es nicht offiziell, sondern die andere Agentur, aber sie fanden den Namen halt irgendwie schöner und deswegen werben sie halt mit dem Namen.
Edith Meinhart
Auf das kommen wir noch. Es scheint tatsächlich eine Scheinfirma zu sein, also zumindest gibt es sie offiziell nicht. Aber unterschreiben tust du den Vertrag trotzdem mit 715 Model Agency.
Therese
Ja.
Edith Meinhart
Was weißt du eigentlich über den Mann, den wir jetzt gehört haben? Wer ist das? Wie bist du mit dem in Kontakt?
Therese
Also der Mann heißt Techas und er ist der Chef von der Firma. Und eben, wir kommunizieren halt über WhatsApp. Hauptsächlich anfangs E-Mail, aber dann eben WhatsApp. Und ich habe auch eine Gruppe, wo er drinnen ist, dann eine andere, sie heißt Vika. Die ist irgendwie für so die, wie sagt man, als
Therese
halt so im Büro für ihn zuständig, so mäßig. Und dann gibt es noch die Emma und die ist eben zuständig für China. Und da sind wir gemeinsam in der Gruppe und schreiben da halt manchmal auch so Sachen rein, was sie halt brauchen.
Edith Meinhart
Und sind da andere Models auch dabei?
Therese
Nein, in dieser Gruppe nicht dann.
Edith Meinhart
Das heißt, du kennst die Stimmen von den Leuten. Weißt du sonst irgendwas über die?
Therese
Die Stimme kenne ich tatsächlich nur von ihm. Aber sonst, viel über sie weiß ich jetzt nicht. Aber ich sage es auch ehrlich, ich habe auch nicht nachgefragt. Also ich habe jetzt nicht nachgefragt, dass sie sich vorstellen oder so.
Therese
Ist aber auch unüblich in der Branche. Also ich sage mal, als Model wir sind halt gewohnt, den Leuten so wenig wie möglich am Nerv zu gehen. Und umso mehr Fragen man stellt, umso nerviger wird man meistens. Deswegen probiere ich das halt meistens immer kurz zu halten, wenn ich die Information nicht unbedingt brauche.
Edith Meinhart
Aber normalerweise versucht man halt, Leuten nicht auf den Nerv zu gehen, wenn man sich denkt, man kann denen im Prinzip vertrauen. Also es wäre wahrscheinlich, wenn es um die Sicherheit geht, schon wichtig, ihnen auf den Nerv zu gehen.
Therese
Ja.
Edith Meinhart
Also was der Lada-Vertreter da jetzt im Wesentlichen sagt, ist ja, mach dir keine Sorgen, das sind eh die Adresse und die Business License. Und er verweist auf das Einladungsschreiben, das man beim chinesischen Konsulat in Österreich vorlegen muss, damit man ein Arbeitsvisum bekommt.
Edith Meinhart
Nur die Firma auf dem Einladungsschreiben ist nicht 715 Model Agency, sondern eine völlig andere Firma. Das heißt, die chinesische Agentur, für die du arbeiten sollst, ist immer noch ohne Adresse und ohne Namen einer konkreten Person, ohne Gesicht und ohne Business License.
Edith Meinhart
Das heißt, du würdest den Vertrag unterschreiben und irgendwann könnte wer da aus quasi der Torte springen und sagen, ich bin es, den du vorher noch nie gesehen hast oder noch nie den Namen gehört hast.
Edith Meinhart
Wir haben dann vereinbart, dass du daraufhin, weil das ja eigentlich unzumutbar ist, so einen Vertrag kann man nicht unterschreiben, wenn man nicht weiß, wer das Gegenüber ist, an die indische Agentur schreibst. Wie war denn da die Reaktion darauf? Also du hast noch einmal darauf aufmerksam gemacht, dass es eben nicht die gleiche Firma ist.
Therese
Ja, also ich habe das Gefühl gehabt, sie waren am Anfang einfach verwirrt, was ich genau wollte. Und dann haben sie es mir nochmal geschickt, das, was ich schon hatte. Und dann muss ich halt nochmal klarstellen, dass das nicht ist, was ich meine, sondern eben, dass eben dieser Name 715 nicht existiert. Und dann eben hat er mir die Sprachnachricht halt geschickt und das sozusagen nochmal erklärt.
Edith Meinhart
Eine neue Sprachnachricht?
Therese
Also die da, die wir gerade abgespielt haben. Und dann war eigentlich nur, dann hat er mir gemeint, ich soll die chinesische Agentur fragen. Dann hat die chinesische Agentur gemeint, ich soll nochmal ihn fragen.
Therese
Und eben heute hat er mir jetzt den Vertrag nochmal geschickt, wo diese andere Adresse irgendwie drin steht. Aber der offizielle Name auf dem Vertrag ist halt, also der obere Name, angeführte Name ist trotzdem 715 Agency. Aber sie haben halt das irgendwie nochmal defined als Party A mit der Adresse daneben, wo sie sind.
Edith Meinhart
Und wie hast du mit der chinesischen Agentur kommuniziert? Wer ist das?
Therese
Die sind eben in der WhatsApp-Gruppe drinnen und ich habe halt einfach in die Gruppe reingeschrieben.
Edith Meinhart
Das ist die Emma?
Therese
Genau.
Edith Meinhart
Das ist aber eine Verbindungsfrau, das ist jetzt nicht die chinesische Agentur, oder?
Therese
Also sie ist von der chinesischen Agentur, sie ist halt für das Booking und so zuständig. Ich weiß jetzt aber nicht, ob sie die Chefin ist oder nicht.
Edith Meinhart
Okay. Also das haben wir jetzt noch nicht prüfen können. Das ändert ja nichts daran, dass diese 715 Model Agency nicht gibt. Ich habe über einen privaten Kontakt zu Johannes Weilharter aufgenommen. Er ist seit vielen Jahren als Rechtsanwalt in Shanghai in China tätig und hat einen Blick auf den Vertrag geworfen und das sagt er dazu.
Johannes Weilharter
Hallo, also die erste Frage. Das Wichtigste in einem Arbeitsvertrag, wenn man ihn überprüft, ist festzustellen, ob der Arbeitgeber existiert. Wie zum Beispiel in unserem Fall hat der Arbeitgeber zwar einen Namen hingeschrieben, aber bei einem kurzen Blick ins Handelsregister konnten wir feststellen, dass es in drei verschiedenen Provinzen Arbeitgeber, also Unternehmen gibt, die so heißen, nicht? Ganz leicht unterschiedliche Firmennamen, weil jeweils noch der Name der Provinz vorangestellt war, aber man konnte also nicht wissen, wer der Arbeitgeber ist, wenn die Adresse nicht da steht. Ob ein Angebot seriös ist, kann man feststellen, also natürlich durch Gespräche, durch direkte Gespräche. Man muss sich den Vertragspartner angucken, ob man ihn sympathisch findet und, und, und. Man kann auch ab und zu mal so einen Versuchsballon steigen lassen, wie sich zum Beispiel die Kosten für das Vorstellungsgespräch setzen lassen, hinfliegen, die Leute angucken, Webpage anschauen. Das ist alles wichtig. Was man auch in jedem Fall machen sollte, ist, sich die Business License anzusehen. Die Business License ist an sich eine relativ bunte Urkunde, wo die wesentlichsten Inhalte des Handelsregisters zusammengefasst werden, wie zum Beispiel, wer ist der Legal Representative. Der Legal Representative, das ist die einzig vertretungsbefugte Person der Gesellschaft, die nach dem Recht oder nach Gesetz vertretungsbefugt ist. Adresse und Business Scope stehen drinnen. Business Scope ist deshalb wichtig, weil man, das ist in etwa das Gewerbe, das angemeldete Gewerbe. Und wenn man draufkommt, dass jemand im Veranstaltungsgewerbe tätig ist und der Business Scope passt auch, dann hat man ein gewisses Gewehr, dass dieses Unternehmen existiert und genau das macht. Wenn es eine Webpage gibt, auch unbedingt da drauf gucken, obwohl Webpages hier in China teilweise, vor allem in privaten Unternehmen, sehr unprofessionell sein können.
Edith Meinhart
Also er sagt, es gibt drei Unternehmen, die heißen so ähnlich, aber immer mit einem Provinznamen vorangestellt. Aber dieses Unternehmen ist da nicht darunter oder es ist nicht identifizierbar. Christine, du hast ebenfalls einen Anwalt eingeschaltet. Wer ist das und wie bist du dazu gekommen?
Christine
Ja, also wie ich dann gehört habe von dem China-Vertrag und aus Laie mal halt auch so ein bisschen durchgeschaut habe, weil der auch Englisch quasi übersetzt ist, habe ich mir gedacht, das ist jetzt zu viel für mich.
Christine
Ich wende mich an die österreichische Botschaft in Peking und habe um meine Einschätzung gebeten. Die haben wirklich schnell geantwortet, waren total nett und haben gesagt, sie haben einen Vertrauensanwalt, den Herrn Schröder, und ich möge mich an ihn wenden. Und das habe ich gemacht.
Edith Meinhart
Mathias Schröder ist Rechtsanwalt in der Kanzlei Dink, Schröder und Partner in der chinesischen Hauptstadt Beijing und kommt eigentlich zu den gleichen Schlüssen wie ein beruflicher Kollege, den wir so eben gehört haben. Schröder fasst seine Nachforschungen in einem Dossier zusammen.
Edith Meinhart
Die wichtigsten Ergebnisse, die würde ich jetzt gerne erörtern. In der Einleitung heißt es, dass China zwar für Ausländer sicher sei, dafür sorgt eine hohe Polizeipräsenz und engmaschige Videoüberwachung, aber bei befristeten Model-Angeboten bestehe, Zitat, ein erhöhtes Risiko für Betrug, Ausbeutung und allgemein unerwartet schlechter Arbeitsbedingungen.
Edith Meinhart
Therese, wie geht es dir da, wenn du das hörst?
Therese
Also das Ding ist, mich überrascht es halt nicht, weil ich habe ja auch schon viele TikToks gesehen von Models und viele regen sich auf, dass halt China extrem streng ist zum Arbeiten. Dementsprechend war ja eigentlich auch nicht China mein erstes Ziel zum Arbeiten, sondern eigentlich Korea. Ich meine, Korea kann auch sehr streng sein, generell Asien.
Therese
Aber im gleichen Sinne bin ich auch irgendwie darauf eingestellt, dass sie streng sind, dass sie mich vielleicht sogar fett shamen, beleidigen. Ich meine, zum Teil verstehst du es eh nicht. Halt sehr streng sind, dass du halt 12 Stunden durcharbeitest ohne Pause. Aber ich bin halt irgendwie darauf eingestellt, dass das passiert und deswegen ist es für mich nicht so schlimm, weil ich arbeite hier auch oft 12 Stunden Schichten und habe manchmal auch keine gescheite Pause.
Therese
Und ich finde, dass die meisten Agenturen auch in Österreich oft ein bisschen Dreck am Stecken haben. Und genau in diesen Bereichen wie in Asien, die sind halt leider meistens nicht so komplett seriös. Es ist halt da richtig schwierig, eine Agentur zu finden, die, also ich glaube, es gibt fast keine Agentur, die zu 100 Prozent nichts hat, wo man sagen würde, ich bin mir da jetzt unsicher, was das bedeutet.
Therese
Aber der einzige Grund, warum ich, sage ich mal, der Agentur vertraue, ist einfach, weil ich eben viel recherchiert habe, weil ich mit den Models halt geschrieben habe und aktuell auch noch welche gerade dort sind und die mir gesagt haben, es gefällt ihnen halt gut. Und ich eigentlich keinen Grund sehe, dass die mich alle anlügen und sagen würden, zum Beispiel einer ist jetzt zum dritten Mal dort bei der gleichen Agentur in China. Warum sollte er dreimal dorthin gehen, wenn es ihm gar nicht so ursprünglich schlecht wäre?
Edith Meinhart
Bei welcher Agentur?
Therese
Bei der 715 Agency.
Edith Meinhart
Ja, dann hat er vielleicht eine Adresse.
Therese
Ich kann ihm schreiben.
Edith Meinhart
Es gibt verschiedene 715 Model Agencies. Also das ist nicht garantiert, dass er von der gleichen spricht wie du.
Therese
Also es wäre halt die gleiche gewesen, die verlinkt ist, aber das könnte ich abklären.
Edith Meinhart
Vielleicht kann er dir den Vertrag zeigen.
Therese
Ja, ich kann fragen.
Edith Meinhart
Felix Keiser ist ein junger Kollege, der im Rahmen des 360-Grad-Journalist*innen-Traineeship der Mediengruppe Wiener Zeitung zur Dunkelkammer gestoßen ist, hat sich die Model-Szene in China angeschaut. Hören wir kurz rein, was er da herausgefunden hat.
Felix Keiser
Die Model-Industrie in China gilt als die zweite Liga der Weltbranche. Mit Paris, Mailand, New York oder Berlin könne man bei weitem nicht mithalten, sagen Brancheninsiderinnen und ehemalige Models. Auf den ersten Blick scheint es also logisch, als europäische Berufseinsteigerin dort Karriere anzufangen. Doch das stimmt nicht so ganz. Die meisten seriösen Agenturen in China setzen wohl eher ungern auf Models, die aus dem Ausland wie Europa oder den USA kommen.
Felix Keiser
Denn das deutlich lukrativere Geschäftsmodell sei es, chinesische Models langfristig an sich zu binden, denen man dann in den arrivierten Märkten, also Paris, New York oder Mailand, bessere Deals und Aufträge verschafft. Aber es gibt in China noch eine zweite Model-Szene. Eine Szene, die jene Personen versucht anzusprechen, die bei den seriösen Agenturen keinen Vertrag bekommen, Berufseinsteigerinnen aus dem Ausland.
Felix Keiser
Die Zustände in dieser Industrie sind schon im Jahr 2014 publik geworden. Nicht zuletzt durch ein Essay im Fashionista, einem ziemlich berühmten Branchenmagazin mit Sitz in den USA. Die Autorin ist Meredith Hattem. Sie selbst hat als junges Model in China gearbeitet, auf, ich zitiere, der untersten Stufe der High-Fashion-Leiter.
Felix Keiser
In China angekommen, teilte sie sich eine Wohnung mit zwölf anderen Models. Viele von ihnen sollen unter 18 gewesen sein. Die meisten davon kamen aus Osteuropa oder Russland. Versprochen wurde ihnen schnelles Geld und ein Portfolio zum Aufstieg der Karriereleiter. Die Kontrakte waren aber in Wahrheit so angelegt, sodass vom vermeintlich gut bezahlten Job am Ende nur wenig übrig blieb.
Felix Keiser
Hattem ist in China selten über Laufstege gelaufen. Immer wieder musste sie mit ihren Kolleginnen bei Autoshows auftreten, bei Pyjama-Katalogaufnahmen arbeiten und an sogenannten Schönheitswettbewerben teilnehmen. Und wenn man einen dieser Aufträge ablehnt, drohen Kündigung und Abschiebung. Das ist einer Kollegin von Hattem passiert, als sie dem Auftrag nicht nachkommen wollte, als Hostess auf einer nächtlichen Bootsfahrt mit älteren chinesischen Männern zu arbeiten.
Edith Meinhart
Das wäre auch etwas, auf das du dich einstellen würdest, oder das ginge zu weit?
Therese
Ich meine, das mit den Kündigungen, das ist leider hier auch so. Deswegen probiere ich auch immer, Shootings nicht abzusagen. Bei uns zum Beispiel, wenn man mir da eine Agentur, wenn man kurzfristig ein Shooting absagt, bekommst du einen Strike, bei drei Strikes bist du draußen. Egal, ob du krank bist oder nicht. Deswegen, ich weiß nicht, natürlich möchte ich nicht naiv klingen oder blöd klingen, aber ich bin halt einfach irgendwie darauf eingestellt.
Therese
Und ich weiß halt, dass der Komfort dort vielleicht nicht der beste ist. Aber selbst wenn ich jetzt mit 0 Euro, ich bin lieber auf der ersten Stufe von der Leiter als auf gar keiner Stufe. Und selbst wenn ich jetzt mit 0 Euro aussteigen würde, aber ich habe trotzdem für 10 Brands gearbeitet, habe ich diese Brands, das kann mir keiner wegnehmen. Ich kann die immer vorlegen, sagen, ich kann die Webseiten herzeigen, ich habe für die gearbeitet. Muss ja keiner neuen Agentur erzählen, dass ich im Endeffekt mit 0 Geld ausgestiegen bin.
Therese
Aber es ist halt leider schon so, dass, wenn du schon mal in Asien warst, die Wahrscheinlichkeit viel höher ist, dass du nochmal hinkommst oder generell ins Ausland kommst. Das ist genauso, wie wenn man den ersten Job noch nicht gebucht hat. Du kriegst halt urlange den ersten Job nicht, weil sie wollen Referenzen haben. Warum buch dich keiner, weil du noch keinen Job gehabt hast? Wie sollst du einen Job bekommen? Das ist halt mit dem Ausland genau das Gleiche. Warum sollst du ins Ausland, wenn du noch nicht dort warst? Und deswegen wäre es halt schon eine Art Sprungbrett, sage ich.
Edith Meinhart
Ja, das Problem gibt es in vielen Branchen, nicht nur in der Model-Branche. Das kann ich total nachvollziehen. Trotzdem macht einen das halt sehr verletzbar. Also das bringt einen möglicherweise in völlig unmögliche Situationen und vielleicht sogar in Situationen, aus denen man nicht mehr rauskommt. Zumal, wenn man dann zu weit weg ist. Also in Österreich weißt du leichter, wie du dir helfen kannst.
Edith Meinhart
Vielleicht kommen wir noch einmal zum Vertrag der indischen Agentur Lada Models und Scout, also der Agentur, die Theresa an die chinesische Agentur vermitteln soll. Da springt Anwalt Schröder in Peking gleich einiges scharf ins Auge. Das Unternehmen schreibt sich nämlich ständig anders. Einmal heißt es Lada Model, dann schreibt sich es mit S, Lada Models, dann heißt es wieder Lada Model und Scout, dann heißt es plötzlich Lada Model und Scoutz. Das wirkt alles nicht gerade vertrauenserweckend.
Edith Meinhart
Der Anwalt hat daraufhin, dass Unternehmen im Online-Firmenportal des Ministry of Corporate Affairs der indischen Regierung gesucht. Ergebnis: negativ. Kein Treffer. Das heißt, Lada Model oder Models und Scout oder Scouts ist allem Anschein nach in Indien nicht korrekt registriert.
Edith Meinhart
Und auch der Inhalt des Vertrags wirft für den Anwalt gleich auf den ersten Blick Fragen auf. Die Agentur nimmt sich extrem viel Exklusivität und Vollmachten heraus. Verträge abschließen, Geld einbehalten, über Auslandsaufenthalte entscheiden. Das Model, also du selbst, hat dann ganz wenig mitzureden.
Edith Meinhart
Und für den Anwalt, für mich übrigens auch, ist außerdem schleierhaft, warum es die indische Agentur überhaupt braucht. Die schneidet ja eigentlich nur mit. Er schreibt, chinesische Agenturen suchen in der Regel händeringend nach ausländischen Models. Mutteragenturen kommen meistens dann ins Spiel, wenn ein Model sich in seinem Heimatland bereits aufgrund umfangreicher Förderung oder Ausbildung für eine gewisse Zeit fest an die Agentur gebunden hat. Was sagst du dazu?
Therese
Ja, das ist natürlich schwierig. Also ich tue mir auch schwer beim Abschätzen, ob es jetzt wirklich nötig ist oder nicht. In dem Sinne war es für mich halt einfach nur schwierig, weil ich mich eben schon bei so vielen Agenturen beworben habe und eben nichts funktioniert hat.
Therese
Das ist halt der Aspekt von, bewirb dich einfach in China. Naja, ich habe es ja probiert, es hat ja nicht funktioniert. Und dementsprechend, ja, sie suchen irgendwie dringend Models, aber sie brauchen, also aus meiner Erfahrung raus, ist es halt einfach ohne Mother Agency richtig schwierig, im Ausland eine Agentur zu bekommen, weil sie dich halt einfach nicht nehmen, weil sie durch diese Mother Agency halt meistens nochmal selber eine Absicherung haben. Ich glaube, das ist zwar nicht ich, aber sie haben halt eine und das ist denen halt lieber.
Edith Meinhart
Der Rechtsanwalt aus Peking hat die indische Agentur nur recht oberflächlich geprüft. Er kennt sich ja eigentlich in China aus. Den chinesischen Arbeitsvertrag aber hat er recht genau unter die Lupe genommen und da hat er eine offizielle Firmenrecherche gemacht.
Edith Meinhart
Und siehe da, eine Firma 715 Model Agency findet sich nicht. Die Agentur dieses Namens existiert in China nicht.
Edith Meinhart
Das heißt, es besteht null rechtliche Sicherheit und der Vertrag, den du unterschreiben würdest, würde auch als nichtig gelten. Es wäre wie kein Vertrag. Wie kommt diese Nachricht bei dir an?
Therese
Ja, natürlich. Also so wie der Vertrag jetzt ist, kann ich nicht unterschreiben, weil das macht keinen Sinn.
Therese
Aber deswegen hatte ich halt die Hoffnung, dass, wenn ich jetzt, sage ich mal, die richtige Adresse habe und den richtigen Namen, weil er hat ja in der Sprachnachricht zugegeben, dass das nicht der Name ist von einer Agentur, sondern eben, der steht, glaube ich, eh irgendwo beim Visum drauf, dieses Performative.
Therese
Ich weiß nicht auswendig, wie es heißt. Wenn das dann am Vertrag steht, dann wäre er ja dann richtig und dann würde es ja passen. Meines Erachtens.
Edith Meinhart
Ja, wenn das die Firma wäre, für die du arbeitest. Aber das ist nicht die Firma.
Therese
Ja.
Edith Meinhart
Er hat es auch erst, er hat es auch, ja, es ist verwirrend.
Therese
Es ist einfach verwirrend.
Edith Meinhart
Ja, es ist verwirrend. Ich habe diese Papiere auch x-mal angeschaut und ich finde es auch bemerkenswert, dass sie dir das mit der Adresse und der Business License erst auf Nachfrage gesagt haben und dann schicken sie aber die, die nicht zu der Model Agency in China gehört. Also die Agentur, deine Mother Agency, wenn du da unterschreiben würdest, die passt nicht sehr auf dich auf, weil die.
Therese
Die denken nur ans Geld.
Edith Meinhart
Ja, die denken möglicherweise nur ans Geld, ja. Also apropos Geld, es ist auch gar nicht klar, wie viel Geld dir zusteht. Also bezahlt würdest du erst am Schluss werden, nach drei Monaten.
Edith Meinhart
Flug und Visum sollte das Model bezahlen. Selbst Miete und Strom werden dann von der Gage abgezogen. Man weiß aber nicht, wie viel das ist. Und da schreibt der Anwalt, da ist sehr viel Raum für Übervorteilung.
Edith Meinhart
Das heißt, womöglich arbeitest du da monatelang und stehst dann komplett mit leeren Händen da. Du hast schon gesagt, das würde dich jetzt nicht wahnsinnig abschrecken, aber ist das wirklich?
Therese
Ich meine, natürlich, jetzt zu sagen, ich finde das toll, ist natürlich nicht richtig. Natürlich finde ich das sehr blöd und natürlich hoffe ich es nicht.
Therese
Ich sage mal, in dem Sinne habe ich das Selbstbewusstsein, dass ich sage mir selber, ich werde sicher so oft gebucht werden, dass sich das ausgeht. Aber natürlich habe ich keine Garantie.
Therese
Nur, ich sage jetzt mal im Worst-Case-Szenario, wenn ich mindestens gearbeitet habe und ohne Geld aussteige, habe ich eben trotzdem diese Referenzen, die ich halt weiter anführen kann. Aber freuen würde es mich natürlich nicht. Das sind dann trotzdem drei Monate.
Edith Meinhart
Aber was ist, wenn diese Firma, die es offiziell gar nicht gibt, es gar nicht darauf anlegt, dass du auch nur einen Euro verdienst, sondern das immer so deichseln wird, dass du zufällig mit Null oder sogar mit einem Minus aussteigst und dann gar nicht mehr weg könntest? Weil die Geschichten gibt es auch, dass Models dann dort noch Schulden anhäufen und sich nicht einmal mehr die Rückreise leisten können, weil sie ständig noch Schulden abstottern müssen, die das Gegenüber erfindet quasi. Und du kannst dich aber gegen das Gegenüber nicht wehren, weil es das gar nicht gibt. Wenn du zur Polizei gehst, hast du keine Ziffer, keinen Namen, keine Adresse. Du hast ja gesagt, den Vertrag kann man nicht unterschreiben. Also das sehe ich genauso.
Edith Meinhart
Aber jetzt wird es noch einmal vollkommen fragwürdig. Der Anwalt hat sich die Work Permit und die Arbeitserlaubnis ganz genau angeschaut. Und außerdem das Einladungsschreiben, das man beim Visumantrag vorlegen muss. Und den Antrag für das sogenannte Z-Visum. Und er hat festgestellt, erstens auf der Arbeitserlaubnis und dem Einladungsschreiben ist eine Firma, die, vorhin du schon da angedeutet hast, Guangzhou Zhuang Performance Corporate Limited genannt. Nicht 715 Model Management. Das Z-Visum erlaubt also formal nur eine Tätigkeit für dieses Unternehmen und nicht für Model 715 Agency. Mit der sollst du aber den Vertrag abschließen.
Edith Meinhart
Und damit nicht genug. Im Visaantrag und in der Arbeitserlaubnis ist diese Guangzhou Zhuang, ich spreche das sicher falsch aus, Performance Corporate Limited genannt. Und es wird eine Geschäftslizenz vorgelegt, dann ist diese Business License. Jedoch, die passt zu keinem der involvierten Unternehmen. Weder zu der Performance Corporate Limited, noch in offiziellen Daten nicht auffindbarer 715 Model Agency. Das heißt, die passt überhaupt nirgends dazu.
Edith Meinhart
Man kann sagen, immerhin, die in der Arbeitserlaubnis und im Visa-Formular genannte Firma gibt es. Also die ist zumindest nicht erfunden oder keine Scheinfirma. Aber die ist auch nicht sehr gut beläumundet, weil sie wird rechtlich vertreten von einer Frau Zhou, die laut Recherchen des Anwalts 2023, also vor nicht allzu langer Zeit, wegen illegaler Beschäftigung eine Strafe ausgefasst hat. Und der Anwalt nimmt an, dass genau aus diesem Grund diese Frau eine neue Firma gegründet hat oder eine neue Firma von wem auch immer gegründet wurde.
Edith Meinhart
Also ehrlich gesagt, mir persönlich würde das ja eigentlich genügen, um die Finger von diesem Vertrag zu lassen. Wie schwer fällt es dir, diese Rechercheergebnisse zu akzeptieren?
Therese
Ja, schon sehr schwer. Also das Ding ist, 715 Agency ist diese Agentur. Also das ist das Gleiche, aber so, wie es mir erklärt worden ist, ist es das Gleiche. Neben 715 gibt es halt generell einfach nicht. Die haben halt nur den Namen genommen. Also es ist halt über diese Agentur.
Edith Meinhart
Aber wer hat dir das erklärt?
Therese
Also dieser Tech-Asfalt.
Edith Meinhart
Also das, was sich in der Datenlage ergibt, ist nicht das, was der indische Vermittler erzählt. Und das finde ich relativ besorgniserregend dafür, dass er eigentlich auf dich aufpassen soll. Er schickt dich in die chinesische Model-Szene. Müssen wir ganz kurz durchatmen. Genau, und hier fangt jetzt meine Schmerzen im Magen an. Genau das.
Edith Meinhart
Weil, wie gesagt, ich wünsche meiner Tochter von Herzen, wirklich, dass sie dort Fuß fassen kann, dass sie, ja, auch wenn es ein harter Job wäre, dort Erfolg hat und eine gute Zeit. Aber für mich, nur von der Wahrscheinlichkeit, sogar jetzt emotionslos, mathematische Wahrscheinlichkeit, es kann genauso sein, für mich ist das sehr, sehr hoch, dass sie dort in eine Situation kommt, wo sie einfach wirklich Dinge machen muss, von denen nie die Rede ist. Dass sie dort verkauft wird, dass sie in irgendeinem Nachtclub vor grindige, alte, reiche Männer irgend Dinge tun muss, gezwungen wird. Das ist meine Angst.
Edith Meinhart
Der Herr Schröder hat das wirklich toll recherchiert und aus dem, was ich da lese, die englische, chinesische Version des Vertrags stimmen nicht überein. Ja, ich meine, das hätte ich ja vorher gar nicht gewusst, weil ich kann ja nur die englische lesen.
Edith Meinhart
Ich habe bei den Vorgesprächen, Christine, den Eindruck gehabt, dass du fast schon froh wärst, wenn deine Tochter nur um ihre Gage betrogen würde und ihr nicht mehr passieren würde, wenn sie wirklich nach China fährt.
Therese
So ungefähr. Weil ja, okay, Lehrgeld, man kommt mit Null zurück, aber man lebt. Man ist nicht schwerstens traumatisiert, wenn man Dinge tun musste, von denen nie die Rede war.
Therese
Und man sieht es ja täglich irgendwie. Man braucht ja nicht nur die Ohren und Augen offen halten, was in der Welt passiert. Und ich will es ja gar nicht schon wieder zitieren, aber die Apps, dein Fall und, und, und.
Therese
Also da laufen Dinge in der Welt. Das ist Wahnsinn.
Edith Meinhart
Mir ist es in mehrmaligen Anläufen nicht gelungen, anhand des Vertrags herauszufinden, zum Beispiel, wie viel du verdienen wirst, würdest. Es gibt so viele Klauseln zu deinen Ungunsten. Ein einziges Fehlverhalten und das Geld ist weg. So liest sich das für mich.
Edith Meinhart
Und zu dem Fehlverhalten würde auch gehören, dass man Jobs ablehnt. Und da habe ich einen Satz in dem Vertrag, der für mich total besorgniserregend ist, gefunden.
Edith Meinhart
Dieser lautet in der englischen Übersetzung des chinesischen Originals: "In some cases, guests need party B", damit ist Therese gemeint, "to work nakedly". Und dann habe ich mir gedacht, Guests? Welche Gäste? Und nakedly?
Therese
Ich meine, es steht zwar auch im Vertrag, dass man eben nichts annehmen muss, was man nicht machen möchte. Aber es ist halt wieder ein bisschen schwierig, weil das eine mit dem anderen wieder so.
Edith Meinhart
Genau, das steht tatsächlich drinnen, weiter oben, dass Nacktaufnahmen gegen den Willen des Models nicht möglich sind. Aber in dem zitierten Passus scheint das aufgehoben.
Edith Meinhart
Weil das steht dann im übernächsten Satz zwar, dass Widerspruch möglich ist, aber nicht von Therese. Sondern, wörtlich steht da, "Party A has the right to refuse this type of work". Party A ist aber der Herr Decher von der Lada Agency.
Edith Meinhart
Das heißt, die indischen Vermittler, ich habe mir das ein paar Mal dann durch den Kopf gehen lassen müssen, könnten Einspruch erheben, sollte es in China jemand für nötig befinden, wer eigentlich, weil da weiß man nicht, wer das ist, dass du nackt für Gäste, was immer dann Gäste sind, auch das ist nicht definiert, arbeitest.
Edith Meinhart
Und da ist auch beim Anwalt Johannes Weil hat er in Shanghai dann die Alarmglocke losgegangen.
Christine
Ein weiteres wichtiges Detail ist dann natürlich noch die Überprüfung des Arbeitsinhaltes. In unserem Fall zum Beispiel wurden gelegentliche Begleitservices im unbegleiteten Zustand geschuldet. Man kann davon ausgehen, dass das absolut nicht erlaubt ist.
Christine
Jede Art von Nackterbietung und/oder Pornografie ist in China absolut verboten und wird eigentlich von der Polizei sofort unterbunden. Und Polizei ist nur eine von den Stellen, die sich um so etwas kümmern würden. Also das ist auch ein Inhalt, wo ich sagen muss, absolut verboten.
Christine
Und dadurch, dass man sagt, absolut verboten, kann man natürlich davon ausgehen, dass ein Arbeitgeber, der das in den Vertrag hineinschreibt, nicht seriös ist. Also dass das verboten ist, weiß jeder Chinese nicht. Da braucht man sich gar nicht nachdenken oder sich muss man sich auch nicht kundig machen. Ist garantiert nicht erlaubt.
Edith Meinhart
Wenn das ein Arbeitgeber in den Vertrag hineinschreibt, dann bewegt das sich schon im kriminellen Milieu. Und noch dazu ein Arbeitgeber, dessen man nicht habhaft werden kann, weil er in keiner offiziellen Datenbank aufscheint und keine Business License hat.
Edith Meinhart
Ich habe übrigens am 26. Mai an die chinesische Botschaft in Österreich gemailt und nachgefragt, was man da über Model Jobs in China, die über indische Agenturen wie Instagram vermittelt werden, weiß. Und ich habe auch aufmerksam gemacht, dass der Arbeitsvertrag von dir keine Firmenadresse nennt, die du also nicht einmal erfährst, für wen du arbeitest.
Edith Meinhart
Ich habe bis heute keine Antwort erhalten, aber du hast inzwischen ein Arbeitsvisum bekommen, ein sogenanntes Z-Visum.
Therese
Ja.
Edith Meinhart
Und es hat geheißen, zunächst, du sollst im Juli, Anfang Juli, nach China reisen und plötzlich soll es jetzt noch im Juni sein. Weißt du, wer da so Druck macht und warum?
Therese
Also es ist irgendwie so, dass mich halt Kunden schon gern buchen wollen. Und deswegen wäre es ihnen halt sehr recht, wenn ich jetzt sehr, sehr bald halt fahre, weil sie anscheinend halt schon ziemlich viele Jobs vorgeplant haben für Juni.
Therese
Und deswegen wäre ihnen halt Juni lieber als Juli und dass das halt dann auch kein Problem ist mit dem Visum, weil das Visum ja eigentlich nur für drei Monate geht. Dass ich halt früher einreise, damit das halt irgendwie kein Problem mehr ist, dass man das nicht verlängern muss.
Edith Meinhart
Wie kannst du sicher gehen, dass das echte Jobs sind? Vielleicht sagen die das nur um.
Therese
Ja, das ist natürlich schwierig zu sagen. Ich würde halt jetzt nochmal nachfragen, konkret, was genau das ist und wen es da halt gibt.
Edith Meinhart
Für mich klingt das ein bisschen so, als würde man Druck machen, um zu sagen, hör auf, nachzudenken und Fragen zu stellen und komm einfach schnell.
Therese
Ja, das finde ich eher auch blöd. Also da kann ich eben jetzt nicht sagen, ob das halt einfach so, ob sie sich das einfach so halt eben ausgedacht haben, um Druck auszuüben. Oder ob sie halt einfach wirklich den Stress haben, sage ich jetzt mal.
Therese
Ich sage, für mich ist eigentlich einfach der schwierigste Punkt oder das eigentlich, hätte ich mich da jetzt nur so beworben und hätte jetzt nichts von den anderen Sachen, hätte ich einfach so gesagt, nein, okay, ich lasse es.
Therese
Aber eben weil halt Leute dort sind, die ich mit denen geschrieben habe und denen es gut gefällt, ist genau das, was mich das halt so ein bisschen verwirrt, weil oder auch genau die eine aus Österreich, die mit Lada halt schon im Ausland war und bei ihr hat alles gepasst, dann denke ich mir wieder so, warum soll es jetzt genau wieder bei mir nicht passen?
Edith Meinhart
Aber bei der einen, die für Lada im Ausland war, haben wir ja beide versucht, sie zu treffen und uns einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Das ist aber nicht dazu gekommen. Warum eigentlich?
Therese
Weil sie jetzt eben, also sie hatte, ich glaube, was war es, letzte am Dienstag irgendwie ihren Master oder Bachelor, deswegen hat sie halt extrem viel gelernt, das ist nicht ausgegangen. Aber sie hat schon gemeint, dass sie bereit wäre, sich zu treffen, wenn es sich halt ausgeht.
Edith Meinhart
Aber das würde ich unbedingt noch machen, weil ohne persönlichen Eindruck ist es schwer einzuschätzen, was jemand erzählt.
Therese
Aber das kann ich auf jeden Fall noch schauen, dass ich das irgendwie organisieren kann. Aber ich meine, sie hat mir zumindest auch Sprachnachrichten geschickt, was wenigstens ein bisschen persönlicher ist als nur schreiben. Und ich finde schon, dass sie sehr vertrauenswürdig klingt, weil die eine Kollegin, die es mir empfohlen hat, eben sie anscheinend irgendwie persönlich kennt.
Edith Meinhart
Also ich als Journalistin in dem Fall habe die Menschen gern gegenüber.
Therese
Ja, verstehe ich.
Edith Meinhart
Also ich habe noch keine einzige Handlung von diesem Gegenüber, weder aus Indien noch aus China, erlebt, wo ich mir denke, okay, das klingt jetzt einmal plausibel, das klingt irgendwie vertrauenswürdig. Oder siehst du das anders?
Therese
Ja, also natürlich, jetzt sage ich jetzt mal von den Sachen her, ist es halt nicht gut. Ich habe einfach nur dieses Vertrauen an meine Mitmenschen. Vielleicht ist es auch schlecht von mir oder naiv von mir, dass ich mir halt denke, es wird passen von den Erzählungen her.
Edith Meinhart
Wenn du jetzt in die Rolle der Journalistin schlüpfst, du hast gesagt, du recherchierst das mit mir gemeinsam, nur davon auszugehen, dass Menschen, die ganz leichtes Geld damit machen, dass du arbeitest, es immer in deinem besten Meinen.
Therese
Ich vertraue meinen anderen, sage ich mal, den Models. Ich frage gar nicht darum, dass ich, ich meine, ich weiß, mir ist es ja bewusst, dass die Agentur nicht komplett seriös ist. Aber es funktioniert halt anscheinend trotzdem.
Edith Meinhart
Bei mir springt das sofort die Journalistin an. Wenn es eine Model-Szene gibt, wo Models ausgebeutet werden, dann frage ich mich, wo sind die, die das erzählen? Es gibt ganz wenig Berichte. Vielleicht werden die eingeschüchtert. Vielleicht.
Therese
Ja, das weiß man natürlich auch nie. Ich glaube, das Problem ist einfach, dass das Ganze, dass es irgendwie, ich sage, ich bin natürlich da, sage ich jetzt auf der falschen Seite, aber das ganze Model-Business ist halt ausbeuterisch. Leider auch die ganz großen Agenturen sind auch, die nehmen sich auch große Prozentansätze oder machen auch oft Druck.
Therese
Ich meine, es ist ja eigentlich auch allbekannt, dass die meisten extrem, extrem berühmten, sage ich jetzt mal, Sänger oder so, viele Sachen machen mussten, die sie nicht mögen. Und obwohl diese Plattenlabels Milliarden verdienen, kann man dann sagen, es ist wirklich seriös, auch wenn sie Milliarden verdienen und sie mussten vielleicht sich trotzdem ausziehen, um da hinzukommen.
Therese
Es ist halt irgendwie, diese Branche ist halt, sage ich mal, generell schlecht. Aber es ist halt trotzdem ein Traum.
Edith Meinhart
Ich verstehe das total.
Therese
Ja.
Edith Meinhart
Ich, es ist, also meine Branche ist ja auch nicht so einfach für junge Menschen. Und da arbeiten viele und bekommen wenig bezahlt. Christine, wäre es für dich okay, wenn die Therese in China modelt, wenn sie bei einer seriösen Agentur wäre?
Speaker 1
Jedenfalls, ja, auf jeden Fall. Wenn die Therese fährt, dann möchte ich ja bitte wissen, wo wird sie wohnen, wo wird sie landen? Es gibt keine Informationen.
Speaker 1
Wie wir auf Tour gefahren sind, ja, da wussten wir, in Peking gibt es das Hotel X und in egal wo. Und das war klar, das war eine klare Sache und das war gut geplant.
Speaker 1
Das muss doch klar sein. Da muss doch eine Adresse geben, wo man auch zum Beispiel jetzt schon nachschauen kann, ja, was ist dort? Ist das eine existente Adresse oder ist das auch wieder irgendwo sehr dubios in einem Wohnblock, wo man überhaupt nichts zuordnen kann?
Speaker 1
Für mich sind keine konkreten, für mich ist ja eben komplett alles nebulos und komplett, also 100 Prozent unseriös und gefährlich. Also das ist gefährlich.
Edith Meinhart
Also wenn das nicht gefährlich wäre, sondern eine seriöse Agentur, Leute, die man anschreiben kann, die gescheit antworten, die transparent sind, dann würdest du das begrüßen, dass die Therese in China modelt?
Speaker 1
Ja, klar. Sie soll Erfahrungen sammeln oder auch Korea und wenn eben in Asien sie mehr Erfolg hat. Ja.
Therese
Ich meine, das Ding ist, ich verstehe das ja auch und ich verstehe auch die Sorgen von der Mama. Das ist ja nicht, darum geht es ja nicht, dass ich es nicht verstehe. Das Problem ist, ich habe das Gefühl, ich darf halt nie wirklich leben. Ich darf nie wirklich mich erkunden.
Therese
Selbst wenn ich jetzt die seriöseste, größte Agentur in China finde, wird sie genau das Gleiche nochmal machen. Ich verstehe es ja auch wirklich bei der Agentur. Aber ich weiß auch, dass es so locker, wie sie es jetzt sagt, ist es dann nicht.
Edith Meinhart
Das heißt, man müsste jetzt nur eine seriöse Agentur finden.
Therese
Ja. Nur dann ist das halt auch wieder einfacher gesagt als getan. Ich meine, ich kann suchen, aber ich weiß halt nicht, ob es funktioniert. Und dementsprechend tue ich mir halt richtig schwer, auch wenn ich das nicht möchte, es dann meiner Mama nicht vorzuhalten, wenn ich jetzt nicht fahre.
Edith Meinhart
Ich weiß, weil du denkst, es wäre schön gewesen, aber du weißt nicht, welchen Albtraum du dir vielleicht ersparst.
Therese
Ja, das auch. Oder vielleicht aber auch einen Traum. Und das ist halt genau das Ding. Ich werde es halt nie wissen, wenn ich es selber nicht gesehen habe.
Edith Meinhart
Aber ganz ehrlich, Therese, es schaut nicht nach Traum aus.
Therese
Ja, klar. Das ist halt genau das Ding bei mir. Ich probiere halt, beides halt zu sehen. Ich probiere halt auch nicht nur, sage ich mal, zu träumen, sondern auch realistisch zu sein. Und das ist halt genau eben für mich so schwierig, weil ich gerne ein Mensch bin, der sich es halt selber anschauen möchte. Und ich möchte halt gerne selber die Erfahrung machen.
Therese
Ich probiere es viel lieber und schade daran, statt dass ich es halt nie probiere. Nur verstehe ich natürlich auch, wenn es halt gefährlich ist, dass es halt auch blöd ist. Ich glaube, was für mich der größte Punkt ist, warum es für mich so schwierig ist, ist, weil ich halt ein gutes Bauchgefühl habe. Und ich höre sehr stark auf mein Bauchgefühl. Und ich verstehe es halt selber nicht, weil ich eigentlich schnell ein schlechtes Bauchgefühl habe bei Sachen. Aus irgendeinem Grund habe ich trotzdem ein gutes Gefühl.
Edith Meinhart
Was genau macht denn gutes Bauchgefühl aus?
Therese
Einfach die anderen Models. Einfach, dass es bei denen funktioniert hat und dass sie, ich schreibe ja mit der anderen immer noch, ich sehe ihre Stories, dass sie poste, dass sie Jobs hat, dass es ihr gut geht. Und ich sehe, dass das nicht fake ist.
Edith Meinhart
Ich sehe das nicht. Ich möchte die treffen.
Therese
Ich glaube, es ist ein bisschen auch der Unterschied, weil wir halt Social Media schon so gewohnt sind. Vielleicht ist man dadurch auch einfach abgehärtet. Aber es ist halt, keine Ahnung, eben wie schon gesagt, das ist vielleicht ein naives Denken, aber ich denke mir einfach so, sage ich mal, von Model-Kollegin zu Model-Kollegin würde ich niemals jemandem was weiterempfehlen, was nicht gut ist.
Edith Meinhart
Der schon erwähnte Dunkelkammer-Trainee Felix Keiser hat im Internet versucht, was über die 715 Model Agency herauszufinden und der hat auch noch ein paar interessante Entdeckungen gemacht.
Christine
Zurück zu 715M Agency, die Agentur, mit der Therese im Kontakt steht und von der im Netz nicht viel mehr als ein Instagram-Account zu finden ist. Dieser Instagram-Account wirkt auf den ersten Blick ziemlich unscheinbar. Kein erkennbares PR-Konzept, wenig Trafik in der Kommentarspalte. Es sind überwiegend junge Frauen auf dem Account abgebildet.
Christine
Die Posts scheinen nicht etwa von großen Magazin-Shootings zu stammen. Die Aufnahmen entstanden offenbar in ziemlich unscheinbaren Settings, auch Shootings mit Autos sind zu sehen. Einige Gesichter sind weich gezeichnet. Es wirkt fast so, als wäre hier und da auch KI im Spiel. Aber immerhin sieht das Logo der Agentur recht professionell aus. Auf weißem Hintergrund steht in schwarzer Schrift geschrieben "715 Models". Auffällig ist ein weißer Strich, der den Schriftzug durchquert.
Christine
Auf der Suche nach der seriösen Seite der chinesischen Branche wurde ich auf der New Yorker Branchen-News-Plattform models.com fündig. Etwas mehr als zwei Hände voll sind hier gelistet. Sie alle haben verlinkte Portfolios, weltweite Partnerinnen, echte Models und Kontaktadressen. Die Agentur 715M Agency befindet sich nicht darunter.
Christine
Stattdessen eine Agentur 21 Models, gegründet 2018 mit Sitz in Guangzhou, einer Stadt nördlich von Hongkong. Und das Logo von 21 Models weist exakt die Merkmale von 715M Agency auf. Also im Zentrum steht der Name 21 Models, schwarze Schrift mit durchgezogenem weißen Balken. Es wirkt also so, als versuche man bei 715M Agency Kredibilität durch das Nachahmen einer seriösen Agentur vorzutäuschen.
Christine
Dass die Agentur 21 Models im Vergleich auch wirklich seriös ist, das lässt nur vermuten. Es spricht allerdings ziemlich viel dafür. Es ist nachzuvollziehen, von wo die Models kommen, welche Shootings sie besuchen und man kann jede einzelne Person über mehrere Kanäle direkt kontaktieren. Bei 715M Agency ist das nicht so.
Christine
Über die jungen Männer und Frauen, die dort offenbar arbeiten, finde ich nichts als den Vornamen heraus. Mal ist er groß geschrieben, mal klein. Die Agentur an sich lässt sich nur über eine dubiose E-Mail erreichen, die statt Namen der Bookerinnen oder der Firma nur Zahlen enthält. Und viel weiter kam ich auch gar nicht mit meiner Recherche. Die Instagram-Seite von 715M Agency ist seit dem 30. Mai nicht mehr aufrufbar.
Therese
Das habe ich gesehen. Ich habe sogar deswegen nachgefragt. Und da kam die Antwort, dass halt Instagram gerade eh nicht so wichtig ist in China und dass sie halt gerade so ein Rebrand machen.
Edith Meinhart
Eine Journalistin schreibt an die chinesische Botschaft. Was wisst ihr über diese Agentur? Du kriegst zwar ein Arbeitsvisum, aber du hast ihnen nicht den Arbeitsvertrag am Konsulat gegeben. Und kurze Zeit später ist der Instagram-Auftritt weg. Ich weiß es nicht, aber ich halte es nicht für völlig ausgeschlossen, dass die chinesischen Behörden das abgedeckt haben.
Therese
Ja, kann natürlich auch sein. Ist auf jeden Fall schlecht. Aber eben, mal schauen, ich kann mich ja noch immer bei anderen Sachen bewerben.
Edith Meinhart
Und dann vielleicht auch überlegen, wenn es mit dem Model nicht klappen sollte. Ich sehe schon, dass du da irrsinnig viel einsetzt. Aber sollte es nicht klappen, hast du noch andere Pläne? Gibt es noch was, was du auch schön finden würdest?
Therese
Also ich habe ja die Sprecherausbildung gemacht. Das heißt, generell sowas wie Moderation und Werbung wird mich auch alles sehr interessieren. Aber ich meine, das Ding ist, das ist sowieso mein Plan. Wenn ich, sage ich jetzt mal, nach China zurückkomme, generell oder aus dem Ausland zurückkomme, war mein Plan dann ja generell, mir jetzt in Österreich was aufzubauen und zu schauen, was ich hier machen kann.
Therese
Und ich meine, Modeln ist jetzt auch nicht was, was ich mir bis jetzt so gedacht habe. Es ist halt nicht so sustainable, dass man das eigentlich sein Leben lang machen kann. Wenn ich die Möglichkeit natürlich habe dazu, sehr gerne. Aber ich würde mich jetzt mehr auf dieses Sprechen halt konzentrieren. Ist natürlich auch nicht so einfach. Und wenn das nicht funktioniert, irgendeine Lösung finde ich immer.
Therese
In die Gastro kann ich auch immer gehen, das macht mir zwar keinen Spaß, aber mindestens so, bevor ich nichts mache, mache ich mal lieber das. Und dann sieht man es dann eh. Oder ich habe ja auch im Eventmanagement-Zweig maturiert. In diese Richtung kann man immer irgendwas machen. Oder eben Journalismus finde ich trotzdem auch sehr interessant. Also könnte ich auch ein Studium beginnen oder so.
Therese
Wenn ich natürlich Musik machen könnte, was, sage ich jetzt mal, generell meine ziemlich Number-One-Choice ist, das wäre natürlich noch cooler. Aber leider interessieren mich wirklich nur diese Sachen, die nicht so leicht zu erreichen sind. Ich bin der Meinung, dass man einfach probieren sollte, was man halt machen möchte, weil im Endeffekt sieht man dann eh, ob es funktioniert oder nicht funktioniert, solange man sich jetzt selber halt nicht in Gefahr bringt, natürlich.
Therese
Eben für alle Branchen gerade. Ich glaube, jeder junge Mensch kann mir zustimmen, dass das extrem schwer ist, allein schon was nur Vollzeitmäßiges zu finden. Das meiste ist ja mittlerweile Teilzeit. Und man wird schon eine Lösung finden, das denke ich mir so.
Edith Meinhart
Dieses Thema Modeln in China, dieses Angebot wirklich anzuschauen, ist ja auch etwas, was du vielleicht für andere junge Frauen gemacht hast.
Therese
Ja, auf jeden Fall. Mir geht es ja generell nie nur um mich selber, sondern ich habe zum Beispiel auch, wie ich anderen Kollegen schon mit denen geredet habe, gesagt, so ich habe euch das jetzt nicht empfohlen, ich weiß selber nicht, wie es ist.
Therese
Also verlasst euch nicht auf mich, weil viele, ich merke das oft, dass dann Leute glauben, weil ich vielleicht zum Beispiel einem gewissen Account folge oder so, dass der dann gut ist oder seriös ist und eigentlich selber habe ich es gar nicht mitbekommen und bin eigentlich selber kein Fan davon, dass man mir jetzt, sage ich mal, nicht nachhält und dann jeder sagt, ja, aber ich gehe da jetzt auch hin, das ist sicher voll cool, weil sie folgt denen, sondern ich empfehle halt dann nur Sachen weiter, wo ich wirklich sagen kann, okay, mit gutem Gewissen, die sind gut, das mache ich.
Therese
Und ich glaube, das ist halt auch ein bisschen das Problem, weil ich naiverweise davon halt auch ausgehe, dass das halt andere auch machen. Das macht natürlich nicht jeder.
Edith Meinhart
Nein.
Therese
Leider. Manche mögen auch gerne, dass du untergehst oder wenn sie sehen, dass wenn du selber untergehst, nehmen sie dich gerne mit. Aber ich bin halt nicht so, deswegen möge ich hoffen, dass es viele auch nicht so sind.
Edith Meinhart
Es gibt einfach Kriminelle.
Therese
Natürlich.
Edith Meinhart
Und die sind nicht dumm. Die wissen, wie sie Träume ausbeuten.
Therese
Ja, das stimmt. Generell in der Model-Branche und diesen Künstlersachen gibt es extrem, extrem viele Scams. Es gibt, glaube ich, mehr Scams eben als seriöse Sachen. Es ist halt wirklich sehr, sehr schwierig. Vor allem eben, weil da so viele Sachen auch so versteckt sind, bis man das halt rausgefunden hat.
Edith Meinhart
Dich setzt ein bisschen unter Druck, dass du ein Arbeitsvisum jetzt hast und du denkst, du wirst es nicht mehr kriegen. Aber das ist auch eine Gefahr. Alles, was dich unter Druck setzt.
Therese
Ja, klar, natürlich. Ich meine, ich glaube, das Ding ist, ich fühle mich ja gar nicht mal so nur von ihnen gestresst, ich fühle mich einfach von mir selber gestresst.
Edith Meinhart
Du denkst, es ist deine Chance und wenn du die verpasst, kommt keine mehr.
Therese
Das ist eine innere Angst halt, natürlich.
Edith Meinhart
Ja, aber.
Therese
Ich meine, ich glaube nicht, dass das das Letzte ist, was ich jemals bekommen werde.
Edith Meinhart
Das glaube ich auch nicht.
Therese
Ja.
Christine
Therese, du hast ja in Österreich jetzt schon was aufgebaut. Dich kennt man ja schon. Ich bin auch sehr, sehr stolz auf dich. Du machst tolle Sachen.
Christine
Sie hat beim Song Contest gearbeitet. Wirklich, du hast in Serien ein paar kleine Rollen. Super. Aber sie hat einfach so ein gutes Herz.
Christine
Für mich ist die Frage, wie kann ich sicher sein als Mama, dass du dort nicht Dinge machen musst, die du nie möchtest, die dich traumatisieren, die dich verletzen, die dich krank machen?
Therese
Wie findet man das generell heraus, ist die Frage. Ich finde, es ist halt, du hast halt, das ist halt wieder auch so ein Thema bei mir selber, man hat halt gefühlt nie eine hundertprozentige Absicherung, dass nichts passiert. Ich kann halt nur eben gut recherchieren, halt hoffen drauf, aber so komplett, woher soll man das wissen, das ist halt das Problem.
Edith Meinhart
Das stimmt. Kann ich nicht ausschließen. Es könnte trotzdem sein, dass das ein Ausbeutungsangebot ist. Das finde ich ja schlimm genug. Das würdest du in Kauf nehmen, weil es für dich eine Chance wäre vielleicht. Und dann könnte man sich denken, okay, ich treffe ein paar Sicherheitsvorkehrungen, aber dann muss es zumindest eine realistische Chance geben, dass es im Prinzip ein seriöses Angebot ist.
Therese
Es ist halt ein bisschen schwer zu sagen. Ich kann es halt nur von mir immer selber ziehen. Und zum Beispiel, ich bin halt auch gerade, ohne Name zu nennen, generell, bei einer Agentur, über die sehr viele Leute sehr schlecht reden und die keinen guten Ruf hat. Ich mich aber mit allen super verstehe, für mich super funktioniert, ich fließend Jobs bekomme.
Therese
Würde ich mich jetzt nur auf andere verlassen, würde ich sagen, nee, ich gehe dort nicht hin. Aber selber bin ich jetzt urglücklich da. Und das ist halt, aber es kann natürlich bei beiden Sachen sein, dass jeder sagen würde, ja, das ist super und dann ist es im Endeffekt nicht super für dich.
Therese
Das ist halt genau das, was mich immer so in diesen Zwiespalt bringt, weil ich halt selber bei mir immer selber diesen Konflikt sehe von Sachen, wo das ist dann doch anders drin, als man denkt. Aber in dem Sprechen kann man wieder sagen, ja, okay, welches Risiko zahlt sich mehr aus?
Christine
Aber eben, wie euch heute auch der Herr Schröder schreibt, der Anwalt aus Peking, als Beispiel dient ein besonders tragischer Fall eines russischen Models, das eben wegen Arbeitsüberlastung und keine Hilfe erhalten hat, sogar zu Tode kam.
Therese
Das ist auch sehr traurig und nicht gut, dass das passiert, aber das hat in dem Sinne ja nichts mit mir selber zu tun. Und ich war auch als minderjähriges Mädchen dort, ich bin erwachsen und ich kann schon auch, mein Gott, dann wollen sie, dass ich nackt arbeite, ich sage, nein, sie schmeißen mich raus, ja, dann bin ich draußen bei der Agentur fertig. Also das ist so meine Meinung.
Therese
Wenn es gar nicht passt, dann fahre ich einfach heim. Ich finde eine Lösung. Ich habe mir genug angespart, ich habe Ressourcen, die ich verwenden kann. Ich habe ja auch Leute und Freunde dort in China selber, die ich kenne. Ich lasse mir da nicht so drüber rennen. Ich meine, ich verstehe es, die haben halt trotzdem die Machtposition, weil sie eben deinen Traum ausnutzen können, aber so eine Situation wird es bei mir nicht kommen.
Edith Meinhart
Was ich interessant finden würde für dich jetzt, wäre eine gute Agentur zu finden, die sich auch verhält wie ein seriöses Unternehmen.
Therese
Also ich habe eh auch mit einem Kollegen geredet bei meinem letzten Shooting und der hat mir eine Weile empfohlen in China, wo eben ein Kollege von ihm schon dort war. Und ich muss mir auch wieder schauen, das wäre jetzt eigentlich genau die gleiche Situation, bei der ich gerade mit der Agentur war. Aber es gibt auf jeden Fall seriöse Agenturen und es ist eigentlich nur einfach extrem schwer reinzukommen. Ich werde mich auf jeden Fall erkundigen. Und ich sage mal so, es kommt immer so, wie es kommen soll. Man wird dann eh sehen. Vielleicht kann ich ja doch gleich nach Korea, wäre auch schön. Ja.
Edith Meinhart
Therese, Christine, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.
Therese
Dankeschön.
Christine
Vielen, vielen Dank.
Therese
Hat mich gefreut.
Christine
Nachtrag.
Edith Meinhart
Am Sonntag, 7. Juni, wenige Tage nach unserem Podcast-Gespräch ist Therese nach China geflogen. Ich habe am Vorabend noch kurz mit ihr telefoniert. Sie hat mir erzählt, dass sie wenige Stunden nach ihrer Landung in Guangzhou, einer Hafenstadt im südlichen China mit über 18 Millionen Einwohnern, für ein Fotoshooting gebucht ist. Die Aufnahmen seien für einen großen Online-Händler. Es werde sich nicht ausgehen, sich davor auszuruhen, sie hoffe, im Flugzeug ein wenig schlafen zu können. Jedenfalls wolle sie sich die Chance auf diesen Auftrag nicht entgehen lassen.
Edith Meinhart
Im Gepäck hat Therese Kontakte, die im Notfall wichtig sein könnten, unter anderem zu Johannes Weilhater, dem Anwalt in Shanghai. Ihre Mutter hat sie zum Flughafen begleitet. Sie werde auf sich aufpassen, hat Therese versprochen.
Edith Meinhart
Ihre letzte WhatsApp-Nachricht an mich kurz vor dem Abheben der Maschine lautete: "Ich fliege gleich weg, melde mich, wenn ich ankomme." Und die erste nach ihrer Ankunft: "Bin schon am Set." Dazu zwei Fotos, die sie in einem Raum voller Spiegeln zeigen.
Edith Meinhart
Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, das war es für dieses Mal. Vielen Dank fürs Dabeisein. Ich freue mich, wenn Sie das nächste Mal wieder zuhören.
Autor:in:Felix Keiser |
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