Die Dunkelkammer
Ein gigantisches Google-Datenzentrum in einer kleinen Gemeinde in Oberösterreich. Reaktionen.

Von Edith Meinhart. Viele offene Fragen gibt es rund um das riesige Rechenzentrum, das der Tech-Gigant Google im oberösterreichischen Kronstorf errichtet. Welche Folgen hat dieses Vorhaben für die Umwelt, für das Grundwasser, für die Region, für das Stromnetz? Darum ging es in Episode 313, auf die zahlreiche Hörer und Hörerinnen reagiert haben. Einige haben sich viel Mühe gegeben, etwas zur Beantwortung beizutragen, andere haben neue, interessante Fragen aufgeworfen. Davon handelt diese Episode.

Edith Meinhart
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Dunkelkammer. Mein Name ist Edith Meinhart. Vor 3 Wochen widmete sich die Episode 313 dem gigantischen Datenzentrum, das der Tech-Riese Google in der kleinen oberösterreichischen Gemeinde Kronstorf errichtet. Der Untertitel lautete "Und viele offene Fragen". Etwa was die Folgen für die Umwelt betrifft, die Auswirkungen auf das Netz, wenn so ein enormer Stromfresser angeschlossen wird, wie viel Wasser für die Kühlung tausender Server gebraucht wird, was passiert, wenn das erwärmte Wasser in die Enns zurückgeleitet wird, ob man die Abwärme nützen könnte, um die Häuser in der Gegend damit zu beheizen, und einiges mehr.

Die Dunkelkammer-Folge hat beachtliche Resonanz hervorgerufen, und einige Hörer haben sich sehr viel Mühe gegeben, etwas zur Beantwortung der offenen Fragen beizutragen. Zum Beispiel Harald.

Er hat ein beeindruckendes Dossier geschickt, das so aufschlussreich ist, dass ich mit seiner Erlaubnis damit weiterarbeiten werde. Und einige Mails werfen interessante "neue" Fragen auf. Last but not least ist aufmerksamen Hörern nicht entgangen, dass mir und meinem Studiogast ein Lapsus passiert ist. Dazu gleich mehr.

Ich beginne mit dem Fehler, der auf meine Kappe geht. Um die Dimension dieser sogenannten Hyperscale-Anlage von Google zu veranschaulichen, habe ich zu der beliebten Umrechnung in Fußballfelder gegriffen. Aber das ist leider gründlich danebengegangen. Ich habe gesagt, die vom Rechenzentrum beanspruchte Fläche entspräche rund 6 Fußballfeldern. Es sind aber um eine gute 10er Potenz mehr, nämlich über 70. Wahrscheinlich fällt es selbst Freunden dieses Ballsports schwer, sich 70 Fußballfelder bildlich vorzustellen. So riesig ist das Google-Areal jedenfalls, bei dem es sich übrigens um bestes Ackerland gehandelt hat.

Auf den verunglückten Fußballfelder-Vergleich hat mich Hörer Martin aufmerksam gemacht. Vielen Dank dafür. Ihm ist außerdem aufgefallen, dass meinem Gesprächspartner die Einheiten etwas durcheinandergekommen sind: Terawatt für Leistung und Terawattstunde für Energie wäre korrekt gewesen. Auch hier geht es übrigens um Dimensionen, die normalen Menschen schwer in den Kopf gehen: 1,314 Terawattstunden, so viel wird das Datenzentrum im Jahr voraussichtlich brauchen. Das sind 1,314 Milliarden Kilowattstunden und entspricht etwa dem, was 330.003 Personenhaushalte im Jahr an Strom verbrauchen, oder dem, was das Donau-Kraftwerk Ybbs-Persenbeug im Jahr erzeugt und ins öffentliche Netz einspeist.

Google betreibt aber keine Anlage zur Gewinnung von erneuerbarer Energie in Österreich. Das heißt, dieser Bedarf wird sich aus anderen Quellen speisen müssen. Also keine Spur von umweltfreundlich, so das Fazit von Hörer Martin. Gleiches gilt für den Umgang mit dem Grundwasser. Schließlich spricht der Verfasser des Mails noch einen Aspekt an, den man vermutlich nicht hoch genug einschätzen kann: Es geht um das Vertrauen der Bevölkerung in die österreichischen Behörden.

Normale Bürgerinnen und Bürger sind völlig überfordert, wenn es um die Bewilligung von komplexen großen Anlagen geht. Sie müssen sich auf Experten und Behörden verlassen können. Wird dieses Vertrauen verspielt, schreibt Martin, herrscht allseits Skepsis und Missmut. Eine schreckliche Situation, wenn Fortschritt und Entwicklung gefragt sind. Zitat Ende. In diesem Sinne werde ich in der Dunkelkammer weiter versuchen, Transparenz in das gigantische Google-Vorhaben zu bringen, auch wenn das Unternehmen selbst auf konkrete Fragen bisher eher allgemein und ausweichend geantwortet hat.

Eine Hörerin, die aus der Region rund um das geplante Datenzentrum stammt und hier auch beruflich verankert ist, berichtet, dass ihres Wissens bereits 2008 Widerstand gegen das Vorhaben aufgeflackert sei. Google habe daher nicht sofort mit der Planung und dem Bau begonnen. Sie teile im Übrigen die Einschätzung meines Studiogasts in der genannten Folge vollinhaltlich, dass "niemals sonderlich groß überlegt worden sei, welche Umweltfolgen das Projekt haben könne". Es werde ausschließlich auf die angekündigten Arbeitsplätze gegiert.

Vom Bürgermeister des Nachbarorts Hagelsberg wurde inzwischen offen zugegeben, dass im Geheimen verhandelt worden sei. "Das ist eines demokratischen Staates nicht würdig", schreibt die Hörerin. Und: Es wundere sie nicht, dass Experten der Dunkelkammer kein Interview geben wollten. In Oberösterreich hänge eben sehr viel vom Goodwill des Landes ab. Das Schreiben schließt mit dem Satz: "Ich bin daher gespannt, was Sie weiter herausfinden." Das bin ich natürlich auch.

Hörer Mario hinterfragt ebenfalls die oberösterreichischen Landes- und Kommunalpolitiker für deren jahrelanges skandalöses Vorgehen, wie er schreibt. Dabei interessierten ihn nicht nur die Argumente des Bürgermeisters von Kronstorf, so Mario, sondern die politischen Verantwortlichen dieser weitgehend verheimlichten Entscheidung.

Und nun komme ich zu einer Hörerreaktion, wie ich sie noch selten erlebt habe. Harald, der eingangs bereits erwähnte Hörer, hat sich mit der Feststellung gemeldet: Da es sich um ein Infrastrukturprojekt von beispielloser Dimension handelt, sind technische Details entscheidend für die Einordnung. Zitat Ende. Vor diesem Hintergrund hat er der Dunkelkammer ein ebenso umfassendes wie erhellendes Dossier überlassen. Auf mehr als 20 Seiten finden sich darin Informationen, die er aus öffentlich zugänglichen Quellen und aus Behördenanfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz gewonnen hat.

Darunter Informationen zu Anschlusswerten und Energiehunger der Google-Anlage, zur ersten Ausbaustufe des Datenzentrums bis hin zum Endausbau, zu den riesigen Mengen an Abwärme, die es konstant erzeugt, zu den Wasserbescheiden, zu technischen und rechtlichen Auflagen für die Entnahme und die Ableitung des Kühlwassers, zu Risiken für das Mikroklima und vielem mehr. Danke, Harald, für diese Datensammlung. Sie ist eine wirklich hilfreiche Grundlage für weitere Recherchen.

Hörerin Sylvia wiederum hat angeboten, ihre Erfahrung mit Bauverhandlungen, Rechten von Anrainern und relevanter Judikatur beizusteuern. Auch das ist natürlich sehr willkommen. Dasselbe gilt für einen Netzexperten, der sich bereit erklärt hat, sein Wissen mit der Dunkelkammer zu teilen.

Nicole hat uns geschrieben, dass sie den international wachsenden Widerstand gegen Hyperscale-Anlagen wie jene von Google seit vielen Jahren verfolgt. Das Problem der Bodenversiegelung (Klammer auf: Oberösterreich ist trauriger Spitzenreiter in Österreich, wenn es um den täglichen Flächenfraß geht) erscheint ihr in diesem Zusammenhang besonders relevant. Außerdem ist ihr aufgefallen, dass das Areal, auf dem das Datenzentrum errichtet wird, bis 2014 ein Grundwasser-Schongebiet gewesen sein dürfte, dies danach geändert worden sei. Eine Begründung für diese Änderung habe sie nicht eruieren können.

Die Verbesserung der Wasserqualität könne nicht ausschlaggebend gewesen sein. In den hydrographischen Jahrbüchern von 2008 bis 2017 habe sie dafür keinen Hinweis gefunden. Auch Nicole ist auf der Suche nach Informationen zum Google-Datenzentrum auf erhebliche Leerstellen gestoßen und auf Werbung, die ihr nun ja nicht gerade vertrauenserweckend erscheint. Darunter ein Google-Hupf-Video von ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer auf Social Media anlässlich des Spatenstichs in Kronstorf am 23. April 2026.
Hören wir kurz rein.

Thomas Stelzer
Heute gibt es Google-Hupf, aber heute gibt es auch Google. Und genau das ist Oberösterreich: Tradition und Innovation, Google und Google-Hupf. Große Investition von Google in Kronstorf, das 11. Rechenzentrum in der gesamten Europäischen Union, ein Beweis für die Stärke des Standorts Oberösterreich und eine tolle Investition in unsere Zukunft. Und es passt ja auch wunderbar zusammen: Gestern haben wir vorgestellt, dass wir den Digital-IT-Campus der Fachhochschule in Hagenberg kräftig erneuern, um 61 Millionen. Und heute gibt es die Investition von Google, den Spatenstich dazu. Also große Schritte in Richtung erfolgreiche Zukunft.

Edith Meinhart
Vereinzelt hat die Episode über das Datenzentrum auch Ärger hervorgerufen. "Populistische Angstmache, lächerlich", findet ein Hörer namens Johann. Populistische Angstmache ist selbstverständlich nicht die Absicht. Information und Aufklärung sehr wohl. In diesem Sinne bleibe ich an dem Thema dran und bedanke mich nochmals sehr herzlich bei allen, die uns geschrieben haben. Das war's für heute. Danke fürs Zuhören. Ich freue mich, wenn Sie das nächste Mal wieder dabei sind.

Autor:in:

Felix Keiser

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