Bühneneingang
Funkstille trotz Lehrer:innenmangels: Wie geht's eigentlich der Kulturellen Bildung zum Schulstart?

Rechtzeitig zum Schulstart 2026 meldet das österreichische Bildungsministerium Fortschritte beim Lehrer:innen-Mangel. Doch wie sieht die Lage insgesamt und im Speziellen in Fächern wie Deutsch, Musik, Kunst & Gestaltung und digitaler Grundbildung tatsächlich aus? Folge 109 verbindet das Thema kulturelle Bildung mit einem Selbstversuch im österreichischen Quereinsteiger:innenprogramm: Zertifizierung für Deutsch erhalten, 16 Bewerbungen abgeschickt, 15 davon bis kurz vor Schulbeginn unbeantwortet: Keine Zu- oder Absage, keine Zwischenmeldung, kein Gespräch. Die Folge fragt nach, bei undurchsichtigen Zahlen, Recruiting, Datenschutz im Online-Hearing, unbesetzten Unterrichtsstunden und der politischen Rolle von kultureller Bildung. Eine Anfrage an Bildungsminister Christoph Wiederkehr von den NEOS blieb im Wesentlichen unbeantwortet.

Fabian Burstein
Hallo und herzlich willkommen am Bühneneingang. Mein Name ist Fabian Burstein; ich bin Kulturmanager und Autor, und in diesem Podcast zeige ich euch den Kulturbetrieb von innen, so wie er wirklich ist.
Der Schulstart steht vor der Tür, und mit ihm eine Frage, die in jüngerer Vergangenheit eigentlich jedes Jahr aufs Neue gestellt wird: Haben wir genug Lehrerinnen und Lehrer? Bildungsminister Christoph Wiederkehr sagt, wir sind auf dem richtigen Weg. Der Großteil der ausgeschriebenen Stunden sei bereits besetzt, die Lage entspanne sich, das klingt zunächst beruhigend. Aber ist der Mangel wirklich beseitigt? Welche Stunden sind besetzt? Und vor allem: Was geschieht mit jenen Fächern, in denen Kinder nicht nur Rechnen und naturwissenschaftliche Kompetenzen erwerben sollen, sondern Sprache, Urteilskraft, Kreativität und Weltbezug entwickeln?
Es geht um Deutsch, um Musik, um Kunst und Gestaltung, um digitale Grundbildung, kurz: um kulturelle Bildung, und damit um ein Thema, das mich seit vielen Jahren nicht mehr loslässt. Und deshalb habe ich für den Bühneneingang erstmals einen Selbstversuch gewagt und auch gleich beim Bildungsminister nachgefragt.
Ja, am 10. August 2026 ging auf mehreren Nachrichtenplattformen ein Bericht der Austria Presse Agentur online, in dem der österreichische Bildungsminister Christoph Wiederkehr von der NEOS ein sehr optimistisches Zwischenresümee zum Schulstart sieht, und zwar was das Thema Lehrermangel beziehungsweise eigentlich die Beseitigung des Lehrermangels angeht. Was genau in diesem Bericht drinsteht, werde ich noch später erläutern. Zuerst will ich aber meine intensive Beziehung zu dem Themenkomplex ein bisschen näher erläutern.
Mich beschäftigen ehrlich gesagt Bildungsthemen seit geraumer Zeit, deshalb habe ich auch in meiner Streitschrift "Eroberung des Elfenbeinturms", die 2022 erschienen ist, ausführlich über das Thema kulturelle Bildung geschrieben. Und zwar, wenn ich ehrlich bin, wiederum aus einer gewissen Not heraus. Denn wenn von Kulturpolitik die Rede ist, denken viele reflexhaft an Theater, an Museen, Kunsthochschulen und natürlich auch Förderstellen. Also eigentlich an all jene Orte, an denen Kunst produziert, verwaltet und präsentiert wird.
Ich glaube aber, die positive Wirkmacht von Kultur entscheidet sich viel früher, etwa in der Schule. Dort lernen junge Menschen im besten Fall nicht bloß, Texte korrekt wiederzugeben oder Formeln anzuwenden oder mühsame Prüfungen zu bestehen. Sie lernen in gewisser Weise, die Welt zu lesen. Sie lernen, sich konstruktiv zu streiten, Ambivalenzen auszuhalten, Bilder zu entschlüsseln, Sprache zu hinterfragen und schlicht und ergreifend sich selbst als Teil einer Gesellschaft zu verstehen. Genau dafür steht eben kulturelle Bildung.
Das ist übrigens nicht meine Privatmeinung. Das sehen auch wichtige Instanzen wie die UNESCO so. Die UNESCO ist, wer es nicht weiß, die Organisation der Vereinten Nationen, die eben für Bildung, Wissenschaft und Kultur zuständig ist. Und die österreichische UNESCO-Kommission schreibt zu dem Thema: Kulturelle Bildung umfasst sowohl die kreative Entwicklung des Individuums als auch das Verständnis regionaler und internationaler Kunst und Kultur. Sie ist ein zentraler Bestandteil einer umfassenden Persönlichkeitsbildung und schafft wesentliche Voraussetzungen für eine aktive Teilnahme am kulturellen Leben einer Gesellschaft.
Wenn ich also über kulturelle Bildung spreche, meine ich nicht einfach mehr Kunstunterricht. Das ist ja eine recht populäre Mehe, dass das die einzige Lösung sei. Der Anspruch muss wirklich viel, viel, viel größer sein. Kulturelle Bildung ist kein einzelnes Fach. Sie ist eine Haltung, die sich eigentlich durch den gesamten Lehrplan ziehen sollte, durch Geschichte, Naturwissenschaft, Sprache, Digitalisierung und natürlich auch politische Bildung.
Wir haben nämlich in unseren Bewertungskriterien, die rund um Schulen kreisen, irgendwie ein ziemlich merkwürdiges Missverhältnis geschaffen. Wir feiern die MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik, als Schlüssel zur Zukunft. Gleichzeitig ignorieren wir aber, dass die technischen Systeme, die daraus hervorgegangen sind, schlicht und ergreifend soziale Räume geworden sind. Ich denke da an Facebook, an Instagram, an TikTok. Das sind eben keine MINT-Networks, das sind soziale Netzwerke, das sind kulturelle Netzwerke. Und in diesen Rollen sind sie vielfach dysfunktionale Netzwerke, weil wir ganz offensichtlich nicht ausreichend gelernt haben, sie sinnvoll in unseren Alltag zu integrieren.
Und in diesen Räumen entscheidet sich eigentlich täglich, wie Menschen miteinander umgehen, wie sie sich darstellen, wen sie ausgrenzen, woran sie glauben, was sie für wahr halten und so weiter und so fort. Technik allein kann das ganz sicher nicht lösen. Man kann einen Algorithmus programmieren, aber eben keine Empathie. Man kann ein Netzwerk bauen, aber keinen respektvollen Umgang garantieren. Dafür braucht es eben kulturelle Kompetenzen: Medienkritik, Sprache, Selbstreflexion, Beziehungskompetenz, Neugier, Kreativität und so weiter. Wenn diese Fähigkeiten im Bildungssystem zu wenig vorkommen, entstehen eben Räume, in denen Hass, Fehlinformation, Orientierungslosigkeit und natürlich auch Verhaltenssüchte besonders leicht gedeihen können. Also alles, was uns so angstvoll gerade beschäftigt.
Die Frage nach kultureller Bildung, und ich hoffe, ich habe das jetzt irgendwie schlüssig hergeleitet, ist deshalb keine Luxusdebatte für Feuilleton-Fans, die sich in günstigen Kinderabos oder Outreach-Programmen von Theatern abbilden lässt. Zumindest nicht nur. Sie betrifft psychische Gesundheit, demokratische Resilienz und die Fähigkeit einer Gesellschaft, Konflikte eben anders als mit Hass und Verachtung auszutragen. Das einmal als grundsätzlicher Einstieg, der mir wirklich sehr wichtig ist.
Mein Schreiben über kulturelle Bildung hat insbesondere im Lehrerinnenmilieu von Anfang an für Kritik gesorgt. Dort hat man mir immer wieder mal abgesprochen, fundiert mitreden zu können, weil ich ja nicht in der Klasse stehe und die Zustände im Schulbetrieb Tag für Tag mitbekomme. Damit verbunden war die Aufforderung, mich mal ins Innere des Systems zu begeben, wenn ich schon so gescheit daherrede. Nun bin ich glücklicherweise auch nicht Tag für Tag beim Arzt beziehungsweise im Krankenhaus und würde trotzdem, wenn ich ehrlich bin, ganz gerne beim Thema Gesundheitspolitik mitreden dürfen, weil es mich halt wie alle anderen betrifft. Umgekehrt setze ich nicht voraus, dass jemand mehrere Theater- oder Konzertabos oder eine Riesenbibliothek haben muss, damit er mit mir über Kulturpolitik sprechen darf. Im Gegenteil, mich interessiert viel mehr, warum sich jemand nicht angesprochen fühlt. Insofern hat mich diese Lehrerinnen-Schelte, wenn ich ehrlich bin, immer ein bisschen geärgert.
So, und dann hat mir jemand über das Quereinsteigerinnenprogramm Klasse Job erzählt. Und mit der Existenz des Bühneneingangs habe ich mir gedacht, ich starte mal einen Selbstversuch, dahingehend, ob ich im Bildungssystem eigentlich willkommen wäre. Und dann erzähle ich darüber, weil das Thema kulturelle Bildung dann plötzlich einen ganz konkreten Praxisbezug hat. Wäre die Antwort des Bildungssystems auf mein Beziehungsangebot ja gewesen, hätte ich wohl im Schuljahr 26/27 als Fortführung des Selbstversuchs ein paar Stunden unterrichtet, um zu verstehen, was kulturelle Bildung in den Mühlen des Schulalltags tatsächlich bedeutet.
Spoiler: So weit kam es nicht. Oder besser gesagt, das Bildungssystem hat weder ja noch nein gesagt. Es hat mir einfach nicht geantwortet. Und das kam so.
Also, zurück zum Quereinsteigerinnenprogramm, an dem ich also ab Juni 2025 teilgenommen habe. Mein Ziel war eine Zertifizierung für das Fach Deutsch, die habe ich völlig problemlos nach Prüfung meiner fachlichen und psychologischen Eignung im September 2025 erhalten, also vor fast einem Jahr. Das Programm folgt dabei einer klaren Logik. Wer ein fachlich passendes Hochschulstudium, mindestens drei Jahre einschlägige Berufserfahrung und die nötigen Unterlagen vorweisen kann, kann sich dann für ein allgemeinbildendes Fach der Sekundarstufe zertifizieren lassen.
Nach der positiven Prüfung der Unterlagen gibt es ein Online-Assessment und wenn man da wiederum positiv besteht, ein Online-Hearing. Mit einem positiven Zertifikat kann man sich anschließend auf ausgeschriebene Stellen bewerben. Das Zertifikat selbst, das muss man auch ganz ehrlich sagen, garantiert allerdings keine Anstellung. Das wird auch wirklich transparent gemacht. Parallel zum Berufseinstieg, wenn man es dann ins Lehrerinnenamt schafft, muss dann noch ein Lehrgang an einer pädagogischen Hochschule absolviert werden, der aber recht übersichtlich ist.
Das klingt auf dem Papier schlüssig und grundsätzlich ist das Quereinstiegsprogramm eine tolle Chance. Gerade für Deutsch, Musik, Kunst, digitale Bildung oder andere Fächer können Menschen aus Medien, Kultur, Wissenschaft wirklich wichtige Erfahrungen in die Schule bringen. Genau so eine Möglichkeit habe ich übrigens auch anno 2022 im Buch "Eroberung des Elfenbeinturms" gefordert. Mein Verfahren war dann sehr lehrreich im positiven Sinne, weil mir durchwegs zugewandte Personen aus dem Bildungssystem begegnet sind, die das Verfahren total gewissenhaft begleitet haben.
Im negativen Sinne, weil der Weg vom Zertifikat zur eigentlichen Stelle eine Riesen-Blackbox ist, die überdies von mehreren Monaten des Stillstands und des Schweigens geprägt ist. Erst ganze sieben Monate nach meiner Zertifizierung konnte ich von mir aus aktiv werden. Da startete nämlich die Hauptausschreibung für Stellen im Schuljahr 2026/27. In dieser Zeit habe ich weder von jemandem gehört, noch gab es eine Möglichkeit, sich langfristig und strukturiert für Stellen in dem genannten Zeitraum zu bewerben. Ich frage mich schon, warum man solche Planungsvorläufe im Lichte eines dramatischen Lehrerinnenmangels verstreichen lässt.
Zumal ja die Personalplanung einer Schule, sorry, dass ich das jetzt mal ganz klipp und klar sage, keine Carte Blanche sein kann, sondern einem wiederkehrenden Schema folgt. Ich habe dann halt auf die offizielle Hauptbewerbungsphase Ende April, Anfang Mai 2026 gewartet und 16 Bewerbungen über das Portal des Ministeriums eingereicht. So, was war dann? Dann war Funkstille. Und an dieser Funkstille hat sich bis zum heutigen Tag der Aufzeichnung, den 20. August 2026, also bis nicht einmal drei Wochen vor Schulstart, nichts geändert. Bei 15 von 16 Bewerbungen erhielt ich nämlich weder eine Zu- noch eine Absage.
Ich bekam keine Information über den Status des Verfahrens und auch keine Einladung zu einem Gespräch. In meinem Profil steht einfach "in Bearbeitung". Das wirft natürlich einige grundsätzliche Fragen auf. Wenn Schulen Lehrkräfte suchen und qualifiziert und deshalb zertifizierte Personen sich bewerben, wie professionell funktioniert dann das Recruiting? Ist der Lehrerinnenmangel vielleicht schon Geschichte und man braucht einfach keine Quereinsteigerinnen mehr? Ist der Lehrerinnenmangel in meinem Fachgebiet schon Geschichte und ich bin deshalb keine Option? Und wenn eines dieser beiden Szenarien zutrifft, warum schafft man dann nicht Grundregeln des Recruiting-Anstands zu befolgen und schlicht und ergreifend abzusagen?
Außerdem stellen sich für mich auch Datenschutzfragen. Das Online-Hearing zur Zertifizierung fand gemeinsam mit anderen Bewerberinnen und Bewerbern ohne Anonymisierung statt. Dabei ging es, wie man sich vorstellen kann, um sehr persönliche Motive und auch individuelle Lebenssituationen. Und ich frage mich schon, ist diese Form der Anhörung in dem heiklen Segment der Bewerbungsgespräche wirklich angemessen? Und vor allem, wurde sie datenschutzrechtlich geprüft? Und warum müssen persönliche Bewerbungsfragen in dieser Konstellation verhandelt werden?
Ich war mir ehrlich gesagt nicht sicher, wann und in welcher Form das Thema für den Bühneneingang passend ist. Ich habe von den vielen tollen Journalistinnen, die ich kenne und mit denen ich mich austauschen darf, gelernt, dass man auch einfach Geduld haben muss, dass gewisse Themen wachsen und ihre Zeit brauchen. Und dann tauchte eben der zuständige Minister Christoph Wiederkehr mit der August via ABBA-Bericht aus dem Sommerloch auf. Und der Grundtenor war eben, das Bildungsministerium sieht vor dem Schulstart 2026 einen positiven Trend. Und es wird gesagt, von den ausgeschriebenen Unterrichtsstunden sei bereits ein großer Teil besetzt.
Die Situation entspanne sich nach Jahren der Personalnot. Der Bundesminister wird wie folgt zitiert: "Die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Beim Blick auf die Zahlen tat sich dann aber irgendwie eine inhaltliche Schere auf. Knapp vor Schulstart waren nämlich nur zwei Drittel aller offenen Stunden vorläufig oder fix vergeben. Also diese zwei Drittel waren nicht einmal fix. Bei einem Drittel würde man eben noch suchen. Wie sowas möglich ist, nämlich dass man trotz der enormen Vorläufe noch mitten im August 2026 für September 2026 sucht, also in keine Richtung Gewissheit hat, ist wirklich ein Rätsel.
Wie sollen zum Beispiel Quereinsteigerinnen rechtzeitig aus ihren Jobs raus, wenn das Schulsystem weniger als einen Monat vor Schulstart noch mit Bewerbungen beschäftigt ist? Außerdem wird ein Anstieg von offenen Stunden seit April, also seit dem Hauptbewerbungsverfahren, von knapp 97.000 auf 136.300 beschrieben. Das bedeutet ein Anstieg von rund 41 Prozent. Der Anstieg der Bewerberinnen seit dem Frühjahr ist mit rund 43 Prozent nur unwesentlich höher. In welchem Verhältnis stehen diese Zahlen zueinander und wie lässt sich daraus, bitteschön, ein positiver Trend ableiten?
Mit einem Auftritt des Bildungsministers Wiederkehr in der Zeit im Bild vom 16. August wurde die Lage dann noch unübersichtlicher. Wir haben auf 9.000 offene Stellen 18.000 Bewerbungen gehabt. Wie bitte? Mit der doppelten Anzahl an Bewerberinnen für ein begrenztes Stundenkontingent konnten Stand Mitte August gerade mal zwei Drittel der Stunden verbindlich besetzt werden. Und das, obwohl die Möglichkeit der Bewerbung ja streng reglementiert ist. Also es können sich nur grundständig qualifizierte beziehungsweise zertifizierte Menschen bewerben.
Also unter den 18.000 Bewerbungen können nicht irgendwelche völlig fachfremden Berufe gewesen sein. Und ich habe mich schon gefragt, über diese Bilanz zeigt sich ein Minister erfreut, hat das Ministerium überhaupt seine Zahlen im Griff? Für mich war das jedenfalls der Moment, um das Thema in den Bühneneingang zu bringen. Ich habe gleich nach Erscheinen des ABBA-Berichts bei Bildungsminister Christoph Wiederkehr nachgefragt, um mehr über die Details und den Aspekt kulturelle Bildung zu erfahren und um vor allem auch eine Stellungnahme zu meinen Erfahrungen im Quereinstiegsprogramm zu bekommen.
In meiner Anfrage beziehe ich mich eben auf den Bericht der ABBA. Das war das, was öffentlich verfügbar war und der ja offenbar einen autorisierten Überblick über das aktuelle Ausmaß des Lehrermangels gibt. Ich wollte wissen, wie wirkt sich dieser Mangel auf Unterrichtsfächer mit starkem Bezug zu kultureller Bildung aus? Konkret, wie stellt sich die Situation für die Fächer Deutsch, Kunst und Gestaltung, Musik und digitale Grundbildung dar? Und welche Rolle spielen die Quereinsteigerinnen in diesen Feldern? Ich wollte wissen, wie stellt sich die Situation bei diesen Fächern im Bundesländervergleich dar? Und natürlich wollte ich ganz grundsätzlich wissen, welche Rolle spielt kulturelle Bildung in der bildungspolitischen Strategie des Bundesministers?
Ich habe eben auf diesen Anstieg von offenen Stunden seit April verwiesen und den Anstieg der Bewerberinnen seit dem Frühjahr, der nur unwesentlich höher ist. Und ich wollte wissen, wie der Befund, dass man beim Thema Lehrermangel auf dem richtigen Weg sei, wie dieser Befund argumentierbar ist. Und dann habe ich den Minister beziehungsweise die Sprecherin des Ministers mit Erfahrungen aus meinem Selbstversuch konfrontiert. Etwa mit dem Umstand, dass die Anhörung zur Zertifizierung gleichzeitig mit mehreren Interessentinnen ohne jegliche Form von Anonymisierung abgehalten wird.
Und ich habe gefragt, halten Sie so ein Vorgehen in einem Bewerbungsverfahren für zielführend? Und wurde geprüft, ob so ein Vorgehen im Hinblick auf das österreichische Datenschutzgesetz und die EU-Datenschutzgrundverordnung zulässig ist? Ob der 15 von meinen 16 Bewerbungen, die bis dato völlig unbeantwortet geblieben sind, also keine Absage, keine Zusage, keine Information zum Bewerbungsstatus, keine Einladung zu einem Gespräch. Ob dieses Umstands, habe ich gefragt, wie stellen Sie sicher, dass professionelle Standards der Personalgewinnung einheitlich implementiert und umgesetzt werden? Können Sie ausschließen, dass der nach wie vor hohe Standard unbesetzten Stunden durch Missmanagement und nicht ausgeschöpfte Potenziale im Recruiting zustande kommt? Und gibt es Programme, in denen suchende Schulen aktiv auf registrierte Bewerberinnen zugehen können, um vakante Stellen zu besetzen?
So, und dann habe ich eine relativ lange Frist für die Beantwortung vorgeschlagen, rund drei Tage. Das ist in den Gezeiten des Medienbetriebs recht easy. Nun, eine Antwort habe ich trotzdem nicht bekommen. Und zwar hat es die Sprecherin des Ministers wie die Recruiting-Plattform gehandhabt. Kein "Ja, wir beantworten das wie folgt", kein "Wir geben dazu keine Stellungnahme ab", kein "Wir bitten um Fristverlängerung", einfach Schweigen.
Ich habe dann natürlich nachgefragt und dann hat mir die Sprecherin des Ministers gesagt, dass man sich derzeit noch inmitten der Rekrutierungsphase befinde und sich bis zum Schulstart noch viel tun könne und man derzeit noch keine Detailinfos geben kann, da O-Ton, wir sie noch nicht haben und man bittet mich um Geduld.
Auf meinen Hinweis, dass natürlich die Möglichkeit besteht, dass sich in den nächsten Wochen etwas Berichtenswertes verändert, dass aber via ABBA eben sehr wohl Details veröffentlicht und damit in den öffentlichen Diskurs eingebracht wurden, auf die sich nun eben meine Fragen beziehen, gab es, richtig geraten, keine Reaktion.
In diesem Sinne übe ich mich umhüllt vom mannigfaltigen Schweigen des Bildungsministeriums in Geduld, frage mich dabei natürlich, ob es vielen Bewerberinnen da draußen, die eigentlich Anfang September in der Klasse hätten stehen können, genauso geht und hoffe, dass ich demnächst mehr zum Thema Lehrerinnenmangel und kulturelle Bildung berichten kann.
Danke, dass ihr beim Bühneneingang vorbeigeschaut habt. Ich würde mich freuen, wenn ihr den Podcast abonniert, in eurem Netzwerk teilt und auf der Plattform eures Vertrauens mit fünf Sternen bewertet. Feedback und Geschichten aus dem Inneren des Kulturbetriebs sind natürlich herzlich willkommen.
Schreibt mir am besten eine E-Mail. Die Adresse findet ihr auf www.buehneneingang.at, Buehneneingang mit ue. Alle Nachrichten werden natürlich streng vertraulich behandelt.
Dort, auf www.buehneneingang.at, gibt es auch einen Link zu Steady. Mit einer Steady-Mitgliedschaft könnt ihr diesen Podcast unterstützen und habt ein garantiert werbefreies Hörerlebnis. Außerdem lasse ich mir immer wieder neue Packages für Mitglieder einfallen.
In diesem Sinne, bis hoffentlich bald am Bühneneingang.

Autor:in:

Livio Koppe

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