Cash or Crash
Das Schreckgespenst Inflation ist wieder da
Das Schreckgespenst der Inflation kehrt zurück. Dabei sah es zu Jahresbeginn noch gut aus. Da lag die Teuerungsrate in Österreich bei zwei Prozent; im Februar waren es dann 2,2 Prozent gewesen. Doch dann sorgte der Iran-Krieg für einen Anstieg der Öl- und Gaspreise. Das wird eine Kettenreaktion auslösen.
Hallo zusammen nochmal zu einer neuen Folge von "Cash or Crash". Heute geht es um die Inflation. Unser Leben wird nämlich wieder teurer, oder besser gesagt noch teurer, als es ohnehin schon ist. Dabei sah es ja zu Jahresbeginn noch gut aus. Da lag die Teuerungsrate, also die Inflation, in Österreich bei 2 %. Im Februar waren es dann 2,2 %. Im Vergleich zu den Jahren davor war das ja eine spürbare Erholung. Zur Erinnerung: Zunächst hat ja die Covid-Pandemie, die vor sechs Jahren ausgebrochen ist, einen Inflationssprung verursacht, weil durch die vielen Lockdowns weltweit viel weniger produziert worden war. Und dann kam der Ukrainekrieg. Der russische Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 führte zu einem drastischen Anstieg der Energiepreise, da Gas- und Öllieferungen aus Russland wegen der Sanktionen wegfielen und damit Öl und Gas knapp wurden. Kommt uns aktuell irgendwie bekannt vor. Wir haben das in Österreich ja damals aber schon voll abbekommen, weil Österreich einen Großteil seines Öls und vor allem das Gas aus Russland bezogen hat. Das haben wir natürlich gemacht, weil es billig war, muss man auch ehrlich dazu sagen.
Was waren die Folgen damals für die Inflation? Im Jahr 2022, wenn ihr euch noch erinnern könnt, stieg die Inflation ja damals auf fast 9 %, 8,6 % waren es genau. In den folgenden Jahren blieb die Inflation dann ziemlich hoch, pendelte sich erst vor einigen Jahren dann wieder ein und im Vorjahr waren es 3,6 %. Ja, und für heuer glaubten dann zu Jahresbeginn viele Expertinnen und Experten, dass die Inflation für heuer so um die 2 % liegen würde. Aber dann haben Israel und die USA den Iran angegriffen, weil die dortigen islamischen Fundamentalisten die Atombombe bauen wollten. Die Folge war der nächste Energiepreisschock, den wir sofort an den Tankstellen bemerkt haben. Weil durch den Krieg sind die Öl- und Gaslieferungen massiv beeinträchtigt worden, das wissen wir. Allein durch die sogenannte Straße von Hormus, von der ihr in den vergangenen Wochen sicher viel gehört habt, wird bekanntlich ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an Öl und Gas transportiert. Das ist jetzt weg. Diese Menge fehlt auf dem Weltmarkt, und dadurch sind die Preise natürlich für Öl und Gas in die Höhe geschossen.
In immer mehr Ländern gibt es inzwischen übrigens auch richtige Versorgungsprobleme. In Asien werden Öl und Gas inzwischen wirklich knapp. Auf den Philippinen, in Pakistan und in Sri Lanka wurde deshalb inzwischen sogar die Vier-Tage-Woche eingeführt, um den Verbrauch zu reduzieren. Weil keine andere Weltregion ist so stark von den Öl- und Gaslieferungen aus der Golfregion abhängig wie die asiatischen Länder. Österreich bezieht sein Öl hauptsächlich aus Kasachstan, dann aus Libyen und dem Irak, der auch an der Golfregion liegt. Aber man muss sagen, selbst wenn der Irak ausfällt, den Großteil unseres Öls bekommen wir aus Kasachstan. Bei Gas versuchen wir bekanntlich, von Russland wegzukommen und beziehen alternativ Lieferungen aus Norwegen, Nordafrika und Flüssiggas aus den USA. Das Preisschock, den wir aktuell haben an den Tankstellen, das habe ich in einem anderen Podcast schon gesagt, ist nicht nur für uns Normalverbraucher schlecht, sondern auch für die Unternehmen, für die Industrie, den Handel, die Dienstleister, die Spediteure zum Beispiel. Sie müssen sich genauso wie wir Konsumenten mit den erhöhten Spritpreisen herumschlagen und geben die natürlich so schnell sie können und sobald sie können an die Kunden weiter.
Vor allem aber haben höhere Öl- und Gaspreise immer eine Kettenreaktion zur Folge. Als Nächstes werden die Strompreise steigen, dann natürlich das Heizöl, die Lebensmittel, und jetzt schon steigen die Flugpreise ziemlich eklatant, weil der Treibstoffpreis, also der Preis für das Kerosin, macht bei den Fluglinien ja ein Viertel der gesamten Kosten aus. Und dazu kommt jetzt noch, dass der Luftraum über den Nahen Osten ja eigentlich gesperrt ist. So sind zum Beispiel auch die Flughäfen in Dubai, in Abu Dhabi, in Doha und Bahrain ausgefallen. Das sind wichtige Drehkreuze, wenn man von Europa nach Asien fliegen will. Die sind aber jetzt geschlossen. Das heißt, wer nach Asien fliegen will, muss direkt fliegen, und die Nachfrage nach Direktflügen ist daher jetzt sprunghaft angestiegen. Aber weil, wie ich schon gesagt habe, der Flugraum über der Golfregion gesperrt ist, müssen die Flüge jetzt weitere Strecken fliegen. Sie müssen umgeleitet werden und die Routen werden damit länger und kostenintensiver.
Das hat ziemliche Folgen. So hat das Deutsche Handelsblatt soeben berichtet, dass ein Economy-Flug von München nach Bangkok jetzt bereits über 3000 € kostet. Das ist ein Plus von 160 % innerhalb von wenigen Wochen. Und bei der Singapore Airlines haben sich die Preise für Flüge von Frankfurt nach Singapur verzehnfacht, hat das deutsche Portal Reisereporter geschrieben. Vor einigen Wochen kostete also ein Flug dort noch 400 €, jetzt bereits 4000 €. Ähnlich sieht es bei den Flügen nach Indien aus. Und der Internationale Luftfahrtverband warnt bereits, dass die Preise für Flugtickets weltweit um durchschnittlich 9 bis 10 % steigen werden, sollte der Krieg im Iran nicht bald beendet werden.Kommen wir jetzt aber zurück zur Inflation. Was heißt das jetzt für die Inflation? Na ja, nichts Gutes. Die Chefin der Welthandelsorganisation, Frau Okonyo Iweala, sieht den globalen Handel in der größten Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, hat sie gegenüber der Welt gesagt, und das hat natürlich Auswirkungen auch auf die internationale Wirtschaft und auf die Teuerung.
Und was heißt das jetzt für Österreich konkret? Es werden ja bald neue Prognosen angestellt werden. Wie gesagt, im Februar lag die Inflation bei 2,2 %, und einer, der schon jetzt eine Prognose wagt, ist Holger Bonin, der Chef des Instituts für Höhere Studien. Er rechnet damit, dass die Inflation im März schon wieder so ungefähr auf 2,6 % klettern wird. Sollte der Irankrieg aber noch länger weitergehen und der Ölpreis weiter steigen, dann rechnet Bonin mit stärkeren Auswirkungen. Da könnte die Inflation dann in den nächsten Monaten bereits wieder auf 3,5 % steigen, laut Bonin. Das wäre dann bereits wieder das Vorjahresniveau.
Was bedeutet die Inflation jetzt für unsere Geldbörse? Na ja, logisch, wenn die Preise steigen, können wir als Verbraucher mit dem gleichen Einkommen weniger Waren und Dienstleistungen kaufen. Das führt zu einem Rückgang des Lebensstandards, insbesondere wenn die Einkommen nicht mit der Inflation Schritt halten. Deswegen fordert ja die Gewerkschaft immer dann Lohnerhöhungen.
Das ist natürlich toll für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für die Unternehmen nicht so gut, weil das treibt deren Personalkosten natürlich wieder in die Höhe, und diese höheren Kosten verteuern auch die Produkte, und das versuchen sie natürlich dann wieder an ihre Kunden und an die Konsumenten weiterzugeben. Das ist also ein Teufelskreislauf. Es gibt dafür auch einen Fachbegriff, den ihr sicher kennt, das Die Hunderttausenden Selbstständigen in unserem Land kriegen aber keine Lohnerhöhung. Die müssen dann schauen, dass sie die erhöhten Preise irgendwie auch an ihre Auftraggeber weitergeben. Aber wenn die nicht bereit sind, sozusagen für die Leistung mehr zu bezahlen, dann drohen die Selbstständigen ihren Auftrag zu verlieren. Vor allem aber trifft die Inflation alle, die das Geld sparen, also auf die hohe Kante legen, weil ihr Geld wird einfach weniger wert, weil sie natürlich in der Regel weniger Zinsen auf ihr Erspartes bekommen, als die Inflation hoch ist. Die Einzigen, die sich über eine höhere Inflation freuen, sind natürlich die Schuldner, also die, die Schulden haben, weil der reale Wert der Schulden durch die Inflation abnimmt. Also vor allem die Finanzminister dieser Welt freuen sich, weil das also den Wert der Staatsschulden auch minimiert.
Was können wir jetzt als einzelne Otto Normalverbraucher für unsere Geldbörse tun? Ja, ich verweise noch einmal, wie ich das schon zweimal in anderen Podcasts getan habe, auf die Apps der beiden Autofahrerclubs ÖAMTC und vor allem ARBÖ. Die ARBÖ-App habe ich inzwischen getestet. Das ist eine Bezirks-App, die also anzeigt, welche Tankstelle in der Umgebung bzw. im jeweiligen Bezirk welche Preise verlangt und vor allem also welche Tankstelle da am günstigsten ist. Dann, das hat eine Hörerin mir geschrieben, ich soll das sagen, und das ist ein guter Tipp und viele wissen das natürlich schon: Beim Einkauf im Supermarkt ist es gescheit, Eigenmarken zu kaufen, wenn es geht. Energiesparen ist sowieso logisch.Also vielleicht sollte man wieder einmal den Stromanbieter wechseln und dann noch, das hat mir ein Hörer geschrieben, vielleicht ist es auch gescheit, die Verträge zu prüfen, die man zu Hause hat, also die ganzen Versicherungen, die man abgeschlossen hat, Unfallversicherung etc. etc. Vor allem aber ist es wichtig, nicht unbedingt mehr Bargeld sozusagen auf einem Girokonto liegen zu haben, als wie notwendig, und das Geld zumindest auf verzinste Konten zu legen, die also wenigstens einen Teil des Kaufkraftverlustes ausgleichen. Und natürlich viele wissen, dass sie dann ihr Geld entweder anderweitig noch anlegen können, in Gold oder Aktien zum Beispiel. Aber gerade Aktien sind in Krisenzeiten, also nicht mit Vorsicht zu genießen, würde ich sagen, aber da muss man schon genau hinschauen, was man kauft.
Ich habe noch ein zweites Thema diese Woche. Das ist der Zustand bei der Österreichischen Gesundheitskasse, bei der ÖGK. Die hat nämlich ein massives Finanzproblem. Das haben zuletzt wieder mehrere Medien berichtet. Zum Hintergrund: 2020, also noch vor sechs Jahren, hatte die ÖGK Reserven von 1,4 Milliarden €, und die sind jetzt also endgültig aufgebraucht, hat die Kronenzeitung berichtet. Grund sind die hohen Verluste. Das ist logisch, weil seit 2020 schreibt die ÖGK jährlich Verluste zwischen 300 und 600 Millionen €.
Der Grund ist einfach in dieser Hinsicht: Die Österreicher werden immer älter, und das strapaziert einfach unser Gesundheitssystem. Haupttreiber der Kosten sind die steigenden Ausgaben in den Spitälern, die Arzthonorare und auch die Medikamente, siehe Inflation, werden immer teurer.
Was ist eigentlich die ÖGK? Das ist die Österreichische Gesundheitskasse, die der größte gesetzliche Sozialversicherungsträger in Österreich ist, und bei der sind 7,6 Millionen Menschen in unserem Land versichert. Sie übernimmt also die Kosten, das wissen wir alle, für medizinische Behandlungen, Medikamente, Heilbehelfe und bietet auch Vorsorgeuntersuchungen an. Und derzeit sind 20.000 Vertragsärzte bei der ÖGK also unter Vertrag. Wie finanziert sich die ÖGK? Na ja, die finanziert sich primär durch unsere Sozialversicherungsbeiträge. Die zahlen wir alle, die Arbeitnehmer, die Arbeitgeber und die Pensionisten, und die Beiträge richten sich nach der Höhe des Einkommens. Im Jahr 2024 lag das Budget bei der ÖGK bei immerhin knapp 21 Milliarden €. Ihr werdet euch denken, das ist wahnsinnig viel. Ja, aber die Kosten eben für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sind auch sehr hoch, und trotzdem wurde also dann in diesem Jahr mehr ausgegeben, und das Defizit lag bei über einer halben Milliarde €.
Was heißt das jetzt für unsere Geldbörse? Na ja, zusätzliche Staatshilfen sind nicht in Sicht für die ÖGK. Das hat Gesundheitsministerin Korinna Schumann mehrfach betont. Also gibt es für uns früher oder später nur zwei Möglichkeiten. Entweder werden unsere Sozialversicherungsbeiträge erhöht, das heißt dann, es bleibt ein bisschen weniger Netto für uns übrig, oder die Leistungen werden gekürzt. Und es ist nicht länger sozusagen kostenlos, was bisher im Spital oder beim Arzt gratis war. Wobei, jetzt muss man schon sagen, kostenlos und gratis ist es ja nicht, weil, wie ich schon gesagt habe, wir zahlen ja in das System ein. Und die Lage dürfte sich weiter verschärfen. Bis 2028 wird mit einem jährlichen Verlust von knapp einer Milliarde € gerechnet. Na ja, wie gesagt, eine Lösung für die kranke Gesundheitskasse wird also dringend gesucht.
Ja, zum Abschluss hätte ich auch noch eine Meinung. Ich habe ja bei den vergangenen Podcasts mehrfach gefordert, dass die Regierung etwas unternimmt gegen die hohen Spritpreise, und jetzt ist es endlich so weit. Die Regierung plant ab April eine Art, ja, Spritpreis-Verbilligung, wenn man das so nennen kann, und zwar durch zwei Maßnahmen. Einerseits soll die Gewinnspanne für Raffinerien gesenkt werden, und zweitens soll die Mineralölsteuer reduziert werden. In Summe soll das ungefähr 10 Cent pro Liter betragen. Ja, und ich sage es ganz offen: Wenn man die Regierung kritisiert, dann muss man sozusagen auch positiv betonen, wenn die Regierung etwas für uns Steuerzahlerinnen und Steuerzahler tut, dann ist das auch gut. Also, das ist die richtige Maßnahme. Es ist auch wahrscheinlich der richtige Mix. Also, man trifft sowohl hier die Konzerne die am Öl- und Gaspreis verdienen, vor allem hier beim Spritpreis. Und zweitens ist auch der Staat bereit oder gezwungen, dass er sich ja ein bisschen zurücknimmt und natürlich weniger Steuern einnimmt. Grundsätzlich ist es ja so, dass beim Spritpreis der Staat der Hauptverdiener ist. Beim Diesel waren das zuletzt 58 %. Ja, also, wenn ihr um 1,90 € zum Beispiel tankt an der Tankstelle bei Diesel, dann geht 1 € davon an den Staat, und zwar durch drei Steuern, nämlich die Mineralölsteuer, die CO2-Steuer und die Mehrwertsteuer. Bei Benzin war der Staatsanteil ein wenig niedriger, 52 % ungefähr, aber nur damit man hier eine Orientierung hat. Aber in Summe, wie gesagt, ist es gut, dass hier die österreichische Regierung endlich etwas unternimmt. Wie gesagt, ab 1. April soll diese Spritpreisbremse wirken. Wir sind da nicht die ersten.
Südkorea hat ja bereits vor wenigen Wochen eine Spritoberpreisgrenze eingeführt und dann sind auch Ungarn und Kroatien gefolgt. Wie gesagt, die richtige Maßnahme. Ich hoffe, es ist spürbar, und natürlich hoffen wir alle, dass die beste Lösung ja diejenige wäre, dass der Irankrieg endet.
Das war's für heute. Wo immer ihr auch seid, bleibt gesund, bleibt wohlauf, schöne Zeit noch, und ich freue mich, wenn ihr das nächste Mal wieder dabei seid. Das war's für heute, liebe Hörerinnen und Hörer. Danke, wenn ihr Cash or Crash weiterempfehlt und abonniert. Wenn ihr mir schreiben wollt, schickt mir bitte eine Mail an cashorcrash@missing-link.media. Für Anregungen, Fragen und auch Kritik bin ich dankbar. Bis bald, euer Wolfgang Unterhuber.
Autor:in:Wolfgang Unterhuber |