Cash or Crash
Die Folgen des Iran-Kriegs: Inflation steigt und Rezession droht
Die Iran-Krise treibt weltweit die Energiepreise in die Höhe. Das wird in weiterer Folge auch die Inflation anheizen. Für die Wirtschaft und die Endverbraucher wird das Leben also noch teurer. In diesem Podcast beleuchte ich die Ursachen der Krise, gebe einen Überblick über den Iran und die wirtschaftliche Lage und sage, was die Politik jetzt tun müsste.
Herzlich willkommen zu meinem Podcast "Cash or Crash". Mein Name ist Wolfgang Unterhuber. Ich bin seit 30 Jahren Wirtschaftsjournalist, und in meinem Podcast erzähle ich euch jede Woche etwas über die Hintergründe zu wichtigen Wirtschaftsthemen. Vor allem aber sage ich euch, was dieses Thema für eure Geldbörse bedeutet.
Hallo zusammen, noch einmal willkommen zu einer neuen Folge von meinem Podcast "Cash or Crash". Das heutige Thema ist die Iran-Krise. Der aktuelle Nahostkrieg sorgt für Aufregung. Viele Informationen prasseln auf uns ein, viel wird spekuliert, vieles bleibt dabei noch unklar. Deshalb gebe ich euch in den nächsten 15 bis 20 Minuten einen kompakten Überblick. Was muss man über den Iran wissen? Was muss man über die wirtschaftliche Lage wissen? Und welche Folgen hat das für unsere Geldbörse kurzfristig, aber vor allem auch langfristig?
Zunächst ganz kurz zur Erinnerung: Warum haben die USA und Israel den Iran angegriffen? Weil der Iran seit vielen Jahren Atombomben bauen will, mit denen man den Todfeind, Israel und den Westen generell, bedroht hätte. Das wollten die USA und die Israelis nicht zulassen.
So, und was muss man jetzt generell über den Iran einmal wissen? Das Land liegt zwischen der Türkei und dem Irak im Westen und Afghanistan und Pakistan im Osten. Der Iran ist ungefähr, damit ihr euch da was vorstellen könnt, 20 mal so groß wie Österreich und hat 93 Millionen Einwohner. Der Iran ist ein Vielvölkerstaat. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sind Perser. Bis 1935 hieß der heutige Iran noch Persien. Der damalige Herrscher wollte das Land aber modernisieren und hat Persien in Iran umbenannt, auch als Anerkennung gegenüber den anderen Ethnien im Land. Sonst leben noch Aserbaidschaner im Iran. Die machen rund 20 % der Bevölkerung aus. Die Kurden sind mit rund 10 % die drittgrößte Ethnie. Dann kommen noch kleinere Nationen wie die Araber, Beluschen, Turkmenen oder Armenier dazu.
Der Iran ist eine der ältesten Zivilisationen der Welt. Schon vor 2500 Jahren entstand dort ein erstes Großreich, das später, wie wir alle in der Schule gelernt haben, vom makedonischen König Alexander dem Großen erobert wurde. Über viele Jahrhunderte war das Land übrigens führend in der Medizin. So hat zum Beispiel die Pharmakologie ihre Wurzeln im Iran. Im Jahr 1979 gab es im Land dann eine Revolution. Die Monarchie wurde gestürzt und der Iran wurde eine islamische Republik. Das bedeutet, dass das islamische Recht, also die Scharia, Grundlage für das Rechtssystem wurde. So wurden die Frauen zum Beispiel gezwungen, Kopftuch zu tragen. Der Unterschied zwischen unserem westlichen Rechtssystem und der Scharia ist meines Erachtens schnell erklärt. In unserem westlichen Rechtssystem ist erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. In der Scharia ist verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist.
1979 übernahmen dann die islamischen Priester das Land, die sogenannten Mullahs, und ihre Macht stützt sich vor allem auf die Revolutionsgarden, von der ihr dieser Tage sicher schon oft etwas gehört habt. Das ist eine eigene Armee, die gleich nach 1979 gegründet wurde. Denn die Mullahs wollten sich nicht auf die reguläre Armee verlassen, weil deren Offiziere noch stark mit dem alten Regime verbunden waren.
Die Revolutionsgarde untersteht direkt dem Befehl des obersten Religionsführers, dem Ayatollah, und ihr Auftrag ist klar: Die Bevölkerung zu überwachen, Proteste brutal niederzuschlagen und Krieg zu führen. Die Revolutionsgarde hat daher eigene Bodenkampftruppen, eine Luftwaffe, eine Marine und sogar Spezialeinheiten, wie eine Cyber Security-Task Force. Laut diversen Angaben verfügt die Garde über rund mehrere Hunderttausend Mann, also zwischen 200.000 und 400.000, so laut den Angaben. Die EU und die USA stufen die Revolutionsgarde übrigens als Terrororganisation ein.
Die Revolutionsgarde ist aber weit mehr als nur eine Schläger- und Kampftruppe. Sie ist auch eine große wirtschaftliche Macht im Land, ja, wenn nicht sogar die größte wirtschaftliche Macht. Sie kontrolliert etwa die Bauwirtschaft, große Teile der Infrastruktur wie Auto- und Eisenbahnen, das Bankensystem sowie den wichtigsten Wirtschaftszweig, die Öl- und Gasindustrie. Das ist wichtig, denn die Revolutionsgarden sichern damit auch Millionen Menschen im Land einen Job und versorgen sie soweit als möglich mit Privilegien. Bei allen Bildern, die wir also von den Massenprotesten im Iran immer wieder sehen, dürfen wir daher nie außer Acht lassen, dass es auch Menschen im Iran gibt, die vom ökonomischen System der Mullahs und der Revolutionsgarden profitieren. Und die haben wahrscheinlich kein großes Interesse daran, dass sich die bestehenden Verhältnisse ändern.
Apropos Wirtschaft: Wie geht es der iranischen Wirtschaft? Na ja, das ist ganz einfach zu sagen: Der Iran liegt wirtschaftlich völlig am Boden. Selbst laut einem offiziellen Regierungsbericht leben 40 % der iranischen Bevölkerung in Armut. Die Inflation lag zuletzt bei 40 %, das sind aber nur offizielle Zahlen. Wahrscheinlich ist die Geldentwertung viel höher. Allein die Lebensmittelpreise dürften sich laut unterschiedlichen Quellen seit Jahresbeginn verdoppelt haben. Ein gutes durchschnittliches Monatsgehalt beträgt im Iran ungefähr umgerechnet 200 €. Gleichzeitig ist das Leben aber so teuer wie in Europa, hat hier in Wien der iranische Wirtschaftsexperte Mahdi Gozzi neulich im ORF berichtet.
Die wirtschaftliche Katastrophe hat politische Ursachen. Denn für die islamische Priesterkaste ist der Westen der Todfeind, speziell die USA und Israel. Deshalb hat der Westen seit 1979 zahlreiche Wirtschaftssanktionen verhängt. Es gibt daher keine Handelsbeziehungen oder so gut wie keine Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Iran, und das gilt auch für Österreich. Den Sanktionen des Westens haben sich viele andere Länder rund um den Globus angeschlossen. So ist der Iran auch vom internationalen Banksystem abgeschnitten. Die Banken im Iran können sich also nirgendwo Geld ausborgen. Ja, weil das Land also stark, aber nicht ganz isoliert ist, ist die gesamte Wirtschaftsleistung sogar niedriger als die von Österreich. Das muss man sich einmal vorstellen, denn der Iran gehört eigentlich zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt. Das Land ist laut dem British Energy Institute nach den USA, Saudi-Arabien und Kanada der viertgrößte Rohölproduzent der Welt. Bei Gas ist man nach den USA und Russland sogar auf Platz drei. Exportiert werden das Öl und das Gas nach Asien, vor allem nach China oder nach Indien. Das passiert oft mithilfe sogenannter Schattenflotten. Von denen habt ihr sicher auch schon gehört. Das ist ja fast wie im Film, denn diese Flotten bestehen aus schrottreifen Schiffen, die unter wechselnden Flaggen fahren und ihre Ortungssignale abschalten. Also, es sind Schmugglerschiffe, vereinfacht gesagt. Aber der Iran exportiert nicht nur Öl und Gas, sondern auch Drohnen. Die werden für Russland hergestellt, aktuell, welche die Russen dann gegen die Ukraine einsetzen.
Was bedeutet die aktuelle Krise jetzt für unsere Geldbörse? Ja, wie ihr schon bemerkt habt, sehr viel. Die Spritpreise an den Tankstellen sind nach Ausbruch des Krieges sofort gestiegen, weil die sogenannte Straße von Hormus blockiert ist. Das ist die Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Sie verbindet den Indischen Ozean mit dem Persischen Golf, und am Persischen Golf liegt eben nicht nur der Iran, sondern auch andere für die Produktion von Öl und Gas wichtige Länder. Der Irak zum Beispiel, Kuwait, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. Ein Fünftel der weltweiten Ölmenge wird täglich über diese Handelsroute transportiert und auch ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an Flüssiggas. Nur die Straße von Malakka ist noch wichtiger. Das ist die Meerenge bei Singapur in Ostasien.
Öl und Gas sind nach wie vor die Motoren der Weltwirtschaft. Wenn die Straße von Hormus durch Kriegshandlungen gesperrt oder beeinträchtigt ist, werden Öl und Gas knapp und damit teurer. Davon profitieren aber nur die Öl- und Gaskonzerne, denn die geben die Teuerung natürlich an die Konsumenten und an die Wirtschaft weiter. Das ist daher nicht nur für uns Normalverbraucher schlecht, sondern auch für die Unternehmen, für die Industrie, den Handel, die Dienstleister und so weiter. Sie müssen sich genauso wie wir Konsumentinnen und Konsumenten mit erhöhten Energiekosten herumschlagen und geben die natürlich auch, wenn sie können, an ihre Kunden weiter.
Vor allem aber, und das zeigen höhere Energiepreise immer, sie lösen eine Kettenreaktion aus. Höhere Energiepreise sind sozusagen, wie ich immer sage, die Urmutter aller Inflationsanstiege. Das bedeutet also leider für uns: Nicht nur der Sprit wird teurer, sondern unser gesamtes Alltagsleben. Die Lebensmittelpreise werden also weiter steigen und nicht zuletzt wieder die Gas- und Stromkosten. Wer mit Gas heizt, wird das bald bei den Vorauszahlungen für die nächste Periode merken. Ich nehme diesen Podcast fünf Tage nach dem Beginn des Iran-Krieges auf, und schon jetzt lässt sich also sagen, dass dieser Krieg tiefgreifende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben wird. Wie sehr und wie stark hängt natürlich davon ab, wie lange dieser Krieg dauern wird. Unsere Geldbörse wird aber so oder so wieder belastet werden. Im Februar lag die Inflation in Österreich bei 2,2 %, und im März, diese Prognose, glaube ich, kann ich schon wagen, da muss man auch kein Wirtschaftsexperte sein, im März wird die Inflation sicher wieder weitaus höher liegen, weil die Gas- und Ölpreise die Treiber sein werden. Wenn wir Pech haben, würgt die Inflation sogar das zarte Wirtschaftswachstum ab, das für heuer prognostiziert wurde. Österreich kommt ja gerade aus einer dreijährigen Rezession. Es war die längste Rezession, also Wirtschaftskrise, seit dem Zweiten Weltkrieg. Und wie gesagt, wenn der Krieg länger dauert, dann werden wir vermutlich wieder in eine Krise stolpern. Ja, und zudem sind ja nach dem Winter die Gasspeicher natürlich nur gering gefüllt. In Österreich derzeit so in etwa zu rund 20 %, und bis zum nächsten Winter müssen es wieder 90 % sein. Wir brauchen also dringend Gas. Wir müssen Reserven anlegen, sprichwörtlich also um jeden Preis.
Wie steht es mit der Versorgungssicherheit? Hier gibt es wenigstens eine gute Nachricht, denn Österreich importiert kaum Öl und Gas aus der jetzigen Kriegsregion. Vor dem Ukraine-Krieg hat Österreich, so wie viele andere EU-Staaten, das Öl und besonders das Gas fast vollständig aus Russland bezogen. Jetzt importiert Österreich das Öl mehr als zur Hälfte aus Kasachstan, und geringere Mengen kommen aus Libyen und eben aus Saudi-Arabien. Österreich produziert übrigens auch selbst Öl, wobei die eigene Produktion nur maximal knapp 10 % des gesamten Bedarfs abdeckt. Ja, und wie sieht es beim Gas aus? Wichtige Gaslieferanten für die EU und Österreich sind heute Norwegen, Großbritannien, Algerien, ein wenig natürlich noch immer Russland und die USA. Aus den USA kommt das berühmte Fracking-Gas, also das Flüssiggas. Apropos USA: Die haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Früher waren die USA völlig vom Öl und Gas aus dem Nahen Osten abhängig, und als die arabischen Länder 1973 wegen des damaligen Ostkriegs den Ölhandel schlichtweg komplett abgedreht haben, kollabierte ja damals die Wirtschaft in den USA. Heute aber sind die Amerikaner weltweit der größte Öl- und Gasproduzent. Sie sind also völlig unabhängig. Österreich und die EU haben im Unterschied dazu überhaupt nichts gelernt und auch nichts gegen ihre Rohstoffabhängigkeit von fremden Mächten unternommen. Dafür zahlen wir jetzt wieder einmal drauf.
Ja, apropos: Was können wir als einzelne Bürgerinnen und Bürger jetzt tun? Ja, banal gesagt: Nicht viel, außer sparen, wo es möglich ist. Dazu möchte ich aber einen Hinweis geben: Die Autofahrerinnen und Autofahrer sollten sich online bzw. über die Apps der beiden Autofahrerclubs ARBÖ und ÖAMTC schlau machen, weil hier kann man sich immer aktuell über die Preise an den Tankstellen in seinem Bezirk informieren. Das sollte man überhaupt grundsätzlich tun. Und grundsätzlich, also nicht in Krisensituationen, gilt auch, dass die Spritpreise gegen Wochenende hin immer teurer werden. Tanken am frühen Montagmorgen ist also empfehlenswert. Einmal am Tag übrigens dürfen die Tankstellen ihre Preise ändern. Das passiert meistens mittags.
Zu dem ganzen Thema würde ich auch gerne einen Kommentar abgeben. Was kann jetzt eigentlich die Politik tun? Wie kann sie die Bürgerinnen und Bürger unterstützen? Österreichs Strom- und Energieerzeuger befinden sich nämlich alle mehrheitlich im Besitz des Bundes oder der Bundesländer und vereinzelter Städte. Hier und da gibt es eine Beteiligung aus dem Ausland, aber wir Österreicher haben hier das Sagen. Österreichs Strom- und Energieerzeuger sind also, sagen wir es journalistisch zugespitzt, Staatsbetriebe, österreichische Staatsbetriebe. Und diese Staatsbetriebe machen seit vielen Jahren tolle Gewinne. Die Landesenergieversorger wie die Kärntener KELAG zum Beispiel oder die Wien Energie machen Gewinne von mehreren 100 Millionen € im Jahr. Beim Verbund und der OMV sind es sogar Milliarden.
Nun finde ich das einmal grundsätzlich gut, dass Staatsbetriebe Gewinne erzielen und nicht so wie in den 1980er-Jahren Dauerverluste schreiben und krachen gehen. Ich kann auch nachvollziehen, dass die Gewinne nötig sind, um Strom- und Gasleitungen zu erneuern. Das ist klar. Weil allein in Wien muss das Gasleitungsnetz zum Beispiel dringend modernisiert werden.
Ich schlage trotzdem aber vor, dass die Strom- und Gaspreise für die Wirtschaft und die Bürgerinnen und Bürger sofort eingefroren werden, rückwirkend mit dem Stand vom 1. März. Das macht jetzt die Energiepreise natürlich nicht billiger, aber auch nicht teurer für die Konsumenten. Ich halte übrigens nichts von Förderungen mit super teurem und kompliziertem Verwaltungsaufwand. Das nützt nur den Bürokraten. Einfach die Preise einfrieren, das geht. Die Regierung muss das nur rasch per Gesetz beschließen. Natürlich würde das dann die Gewinne der Energieversorger schmälern, weil sie eben die höheren Kosten tragen müssten. Auch die Prämien der Manager würden natürlich beeinträchtigt werden dadurch. Aber es wäre für die Wirtschaft in unserem Land und die Menschen jetzt ein wichtiges Signal, weil es wäre ein Zeichen für Stabilität und ein Zeichen, dass die Regierenden die Sorgen der Menschen ernst nehmen.
Gleiches gilt übrigens, um noch eine Idee hinzuzufügen, für die Senkung der Umsatzsteuer bei Lebensmitteln. Die beträgt ja 10 % und soll bekanntlich auf bestimmte Grundnahrungsmittel ab Juli auf 5 % halbiert werden. Ja, Frage an die Regierung: Warum nicht gleich auf null Prozent jetzt senken? Ja, das würde die Steuereinnahmen um ein paar Hunderte Millionen € reduzieren. Die darf die Bundesregierung aber gerne in der Verwaltung einsparen und beginnen kann sie gleich bei sich selbst, indem sie auf externe Berater verzichtet. Nur zur Erinnerung: Allein nur vom vergangenen Oktober bis Dezember, also in diesen drei Monaten, hat die Bundesregierung sage und schreibe 28 Millionen € für externe Ratgeber ausgegeben. Ich weiß nicht, was da beratschlagt wurde, aber eines ist den externen Expertinnen und Experten sicher nicht eingefallen, wie unser Leben billiger werden könnte.
Das war's für heute. Wo immer ihr auch seid: Alles Gute, haltet die Ohren steif, passt auf eure Geldbörse auf. Schönen Tag noch.
Das war's für heute, liebe Hörerinnen und Hörer. Danke, wenn ihr Cash or Crash weiterempfehlt und abonniert. Wenn ihr mir schreiben wollt, schickt mir bitte eine Mail an cashorcrash@missing-link.media. Für Anregungen, Fragen und auch Kritik bin ich dankbar. Bis bald, euer Wolfgang Unterhuber.
Autor:in:Wolfgang Unterhuber |