Ist das wichtig?
Die gute Nachricht: Das Stromnetz bleibt auch 2040 stabil. Die schlechte . .

Die E-Control hat ihren Monitoringbericht zur Versorgungssicherheit Strom vorgestellt – erstmals mit Blick bis 2040. Die gute Nachricht: Österreich kann sich auch dann noch sicher mit Strom versorgen. Die weniger gute: Dafür braucht es eine Verachtfachung der Batteriespeicher, deutlich mehr Windkraft und Milliarden an Investitionen. Warum das Wetter unsere Stromversorgung auf den Kopf stellen kann, wieso der Strompreis nie mehr auf Vorkrisenniveau sinken wird und was das alles für uns bedeutet, erklärt Georg Renner in dieser Folge.


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Transkript:

Hi, grüß euch. Herzlich willkommen bei „Ist das wichtig?" vom 21. Februar. Total spannende Frage: Wie viel Strom werden wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten brauchen, vor allem wenn wir – was rein aus Klimawandelüberlegungen heraus schon notwendig sein wird – viel, viel stärker auf Strom als Energiequelle setzen gegenüber fossilen Brennstoffen wie Gas oder Benzin oder Diesel?

Die eControl, die Behörde, die für die Regulierung des österreichischen Strommarkts zuständig ist, die sagt: Das wird sich ausgehen. Wir werden zwar mehr Strom brauchen, aber wir haben gute Chancen, dass wir das in den nächsten 20 Jahren hinbekommen und ein stabiles Stromnetz trotzdem weiterhaben können.

Wie sie zu diesem Schluss kommt, was wir dafür tun müssen und wie teuer es wird, dieses Stromnetz so stabil zu erhalten, das werden wir jetzt in den nächsten paar Minuten besprechen. Mein Name ist Georg Renner, ich bin seit 18 Jahren politischer Journalist, und das hier ist „Ist das wichtig?" – Politik für Einsteiger. Ein Podcast, der aktuelle politische Fragen so erklärt, dass man sie auch nebenbei gut verstehen kann.

Also Georg, was ist passiert?

Die eControl hat ihren jährlichen Monitoringbericht zur Versorgungssicherheit Strom vorgestellt. Das klingt total sperrig, ist aber sehr, sehr spannend. Es ist ein Zustandsbericht über die österreichische Stromversorgung. Wie viel Strom brauchen wir, woher bekommen wir ihn, können wir den Strom im Inland produzieren, wie viel davon kommt aus erneuerbaren, sauberen Energien, wie viel aus schmutzigen, fossilen und so weiter. Spannende, wichtige politische Fragen.

Erstmals schaut die eControl dabei aber nicht nur bis 2030, also auf eine mittelfristige Perspektive, sondern auch bis 2040 hinaus. Und das ist ein spannendes Datum, weil 2040 offiziell nach den Zielen der Bundesregierung jenes Jahr ist, in dem Österreich klimaneutral sein soll, also bilanziell keinen CO2-Ausstoß mehr haben soll.

Die eControl hat für 2040 drei Szenarien durchgerechnet. Im sogenannten Basisszenario steigt unser Stromverbrauch von heute 75 auf 88 Terawattstunden pro Jahr. In den beiden ambitionierteren Transformationsszenarien, die also eine stärkere Elektrifizierung aller möglichen schmutzigen Sektoren beinhalten – Verkehr, Industrie und so weiter –, heißt also mehr E-Autos, mehr Wärmepumpen, höherer Stromverbrauch in Fabriken und so weiter. In diesen ambitionierteren Szenarien sind es sogar 104 Terawattstunden, die wir dann pro Jahr brauchen, statt heute 75, also fast 40 Prozent mehr.

Und die gute Nachricht, die eControl-Vorstand Alfons Haber da am Montag ausgegeben hat: In allen Szenarien, die es da gibt und die man da durchgerechnet hat, ist Versorgungssicherheit in Österreich gewährleistet. Also Österreich kann sich auch 2040 sicher mit Strom versorgen. Aber nur dann, wenn wir jetzt massiv investieren, und zwar nicht nur in Solarpanele, sondern vor allem auch in Windkraft und ganz, ganz besonders in Stromspeicher, also große Batterieanlagen, die diesen Strom zwischenspeichern können.

Und wer sind die alle?

Die eControl, ausgeschrieben Energie-Control Austria, ist die staatliche Regulierungsbehörde für den österreichischen Strom- und Gasmarkt. Das sind sozusagen die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter am österreichischen Energiemarkt, die schauen sollen, dass der Markt funktioniert, die Preise fair sind und vor allem auch die Versorgung Österreichs gesichert ist. Ihr Vorstand ist Alfons Haber, und die Zahlen im Detail hat bei dieser Pressekonferenz Anfang der Woche, wo dieser Bericht präsentiert worden ist, Johannes Meier erklärt, der der Leiter der Abteilung Volkswirtschaft in der eControl ist.

Politisch relevant sind in diesem Bereich das Wirtschaftsministerium unter Wolfgang Hattmannsdorfer und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, beide von der ÖVP. Das Wirtschaftsministerium ist nämlich für die Energieagenden zuständig. Und die Regierungskoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS, jenen drei Parteien, die sich nach der Nationalratswahl 2024 mit einer Mehrheit im Nationalrat wiedergefunden und auf eine gemeinsame Regierung geeinigt haben.

Diese drei Parteien haben gemeinsam das Elektrizitätswirtschaftsgesetz, das ElWG, beschlossen. Ich habe das schon ein paar Mal hier thematisiert, ein wichtiges Gesetz, das eben genau die Grundvoraussetzungen für diese Energiewende schaffen soll und dafür, dass das Netz stabil bleibt. Wichtig ist mir aber auch zu sagen: Die eControl wird zwar von der Regierung bestellt, ist aber grundsätzlich eine unabhängige Behörde. Das heißt, der Wirtschaftsminister kann nicht einfach sagen, sagt bei dieser Pressekonferenz das und macht das. Die eControl ist nach EU-Recht weisungsfrei und eben nicht dem Wirtschaftsminister nachgeordnet.

Und warum diskutieren die darüber?

Im Kern geht es um die Frage: Wie schaffen wir es, dass in Österreich in 15 Jahren weiterhin zuverlässig und leistbar Strom aus der Steckdose kommt und gleichzeitig die Transformation weg von schmutzigen Gaskraftwerken und schmutzigen Stromimporten aus dem Ausland hin zu einer erneuerbaren Produktion, vor allem im Inland?

Das Problem dabei ist halt, je mehr erneuerbaren Strom wir haben, also je mehr Strom aus Sonnenkraft, Windkraft und Wasserkraft, desto wetterabhängiger wird halt die Versorgung, weil Photovoltaikpanele funktionieren nicht, wenn es finster ist und wenn Nebel herrscht und so weiter. Windkraft wird nur erzeugt, wenn der Wind geht, und Wasserkraft ist sehr stark vom Niederschlag abhängig.

Und die eControl zeigt das am Vergleich der letzten beiden Jahre. 2024 war ein super Wasserjahr. Die Laufkraftwerke, also die großen Kraftwerke vor allem an der Donau, haben 113 Prozent ihrer Durchschnittsleistung produziert. Österreich war in diesem Jahr Nettoexporteur, hat also mehr Strom ins Ausland verkauft, als es importieren musste. 2023 war ein sehr trockenes Jahr. Wasserstände, zum Beispiel an der Donau, deutlich niedriger, und dementsprechend haben auch die Kraftwerke an der Donau und anderswo nur 81 Prozent ihrer Durchschnittsleistung produziert. Österreich war in diesem Jahr dann Nettoimporteur, hat einen guten Teil seines Stromverbrauchs aus dem Ausland zukaufen müssen.

Innerhalb eines Jahres also hat sich diese Stromhandelsbilanz und unsere Stromversorgungsbilanz komplett gedreht. Und der Unterschied war schlicht das Wetter. Und die schlechte Nachricht ist halt, das Wetter wird durch den Klimawandel deutlich unberechenbarer. Mal haben wir ganz, ganz viel Niederschlag, mal ganz wenig und so weiter. Extremwetterereignisse häufen sich durch den Klimawandel, und dementsprechend wird gerade diese erneuerbare Bilanz schwerer vorhersagbar.

Und genau deswegen sind Speicher so wichtig. Im Sommer haben wir oft Strom im Überfluss, weil die Sonne scheint, Solarpanele produzieren, Ende nie, wunderbar. Und im Winter fehlt er dann wieder. Und es gibt halt wenige, aber doch Dunkelflautenperioden, wo es wenig Wind und wenig Sonne gibt und der Verbrauch aber hoch ist, weil immer mehr Leute mit Wärmepumpen heizen, die also Wärme aus Elektrizität erzeugen. Und die braucht es natürlich genau im Winter. Normalerweise geht im Winter mehr Wind als im Sommer, das heißt, die Windkraftwerke können da einen Teil ausgleichen, aber natürlich bleibt diese Differenz. Und das hat dafür gesorgt, dass der Strompreis diesen Winter an manchen Tagen auf über 350 Euro pro Megawattstunde im Großhandel angestiegen ist, was letzten Endes auch den Strom für uns Verbraucherinnen und Verbraucher teurer macht.

Die eControl sagt jetzt im Wesentlichen zwei Dinge. Erstens: Wir brauchen eine Verachtfachung der Batteriespeicher in diesen nächsten 15 Jahren bis 2040, von derzeit 2.200 auf 15.000 bis 18.000 Megawattstunden. Und dazu nicht nur diese Batteriespeicher, die kurzfristig solche Probleme ausgleichen können, also über den Horizont von ein paar Tagen zum Beispiel eine Dunkelflaute ausgleichen können. Wir brauchen auch mehr saisonale Speicher, die also wirklich Wochen oder Monate lang Strom speichern können. Und das sind vor allem Pumpspeicherkraftwerke, die den Sommerstrom in den Winter transferieren oder windreiche Tage helfen auszugleichen.

Zweiter Punkt: Der erneuerbare Ausbau läuft gemischt. Der Ausbau der Photovoltaik, die inzwischen sehr, sehr billig geworden ist und eine relativ einfache Technologie und auch gut vom Volk angenommen wird, der Ausbau läuft super. 2024 sind da mehr als 2.000 Megawatt Leistung dazugekommen, plus von 34 Prozent. Aber die Windkraft, also der Ausbau dieser wunderschönen Windkraftwerke, der hinkt deutlich hinterher. Der geht deutlich langsamer, als sich der Staat das eigentlich vorgenommen hat, die Windkraft aufzubauen, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Einerseits ist es noch nicht so kosteneffizient wie die Photovoltaik, und andererseits dauert es oft sehr, sehr lange, bis man ein Windkraftwerk genehmigt bekommt. Manche Bundesländer wie Tirol oder Kärnten genehmigen ja überhaupt keine Windkraftausbauten. Manchmal braucht es vorher eine Volksbefragung, die nicht immer dafür ausgeht und so weiter. Also der Windkraftausbau stockt deutlich hinter den Zielen hinterher und auch gegenüber dem, was wir im Szenario 2040 brauchen werden.

Okay, und wie betrifft das uns?

Ganz unmittelbar über den Strompreis. Die Vorkrisenzeiten mit stabilen 40 Euro pro Megawattstunde im Großhandel, die sind so oder so vorbei. Der Durchschnittspreis lag bis Oktober 2025, listet die eControl da auf, bei rund 95 Euro. Mittelfristig dürfte er sich bei 70 bis 90 Euro einpendeln, also fast doppelt so hoch wie noch vor 2022, vor dem russischen Überfall auf die Ukraine und der folgenden Energiekrise.

Einerseits, weil der Import des russischen Gases am Weltmarkt fehlt, was natürlich teurer ist. In Gaskraftwerken muss jetzt teures Flüssiggas verwendet werden, das man auch mit Schiffen transportieren kann, nicht nur über Pipelines. Dazu kommen natürlich auch noch CO2-Preise, die von früher 10 bis 20 Euro jetzt auf 70 bis 90 Euro pro Tonne gestiegen sind.

Und das hat ja alles einen Sinn dahinter, dass nämlich das CO2 nicht mehr in dem Ausmaß ausgestoßen werden soll, weil es den Klimawandel befördert. Und das heißt, eines der Mittel, die die EU-Staaten gewählt haben dazu, ist einfach, CO2-intensive Technologien wie zum Beispiel Gas-, Kohle- und Ölkraftwerke sukzessive teurer zu machen.

Besonders auffällig ist aber, dass die saisonale Spreizung bei den Strompreisen wächst. Für 2027 erwartet die eControl, erwarten die Märkte einen Sommerpreis von 75 Euro, aber im Winter 106 Euro pro Megawattstunde. Das heißt, im Winter wird der Strom einfach teurer bleiben, weil es einfach diese Speichertechnologien dafür nicht gibt und die noch nicht in dem Ausmaß ausgebaut sind.

Und für uns als Stromkunden heißt das am Ende: Die Rechnung wird sich nie mehr aufs Vorkrisenniveau zurückentwickeln. Und für die Wirtschaft heißt das natürlich auch, hohe Strompreise verteuern die Produktion und machen Österreich als Standort weniger attraktiv, was wiederum auf Inflation und insgesamt halt unseren Wohlstand durchschlägt.

Aber positiv: Die Zuverlässigkeit unseres Netzes ist exzellent, auch im weltweiten Vergleich. Im Schnitt haben wir 23 Minuten ungeplanter Stromausfälle im Jahr. Das ist im europäischen und weltweiten Vergleich ein Spitzenwert.

Und ist das schon fix?

Naja, diese eControl-Szenarien sind mögliche Entwicklungen, keine handfesten Prognosen. Wie viel Strom wir 2040 tatsächlich brauchen werden, hängt von ganz, ganz vielen Faktoren ab. Wie sehr Konsumentinnen und Konsumenten diese neuen Technologien adaptieren, wie jetzt der Speicherausbau laufen wird mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz, wie wir den Ausbau der Windkraft betreiben und, und, und.

Was aber fix ist: Dieser Bericht ist halt eine der offiziellen Grundlagen für die Energiepolitik. Und ich hoffe, wie alle Bürgerinnen und Bürger, dass jeder Energiepolitiker im Land diesen Text, diesen Bericht aufmerksam liest und daraus seine Schlüsse zieht, wo es politisch hingehen soll.

Aus meiner Sicht – aber lest den Bericht selber –, aus meiner Sicht ist es sehr, sehr evident, dass wir Gas geben müssen beim Ausbau von Batteriespeichern, beim Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken. Wir haben durch unsere Berglage ausgezeichnete Voraussetzungen dafür und beim Ausbau von Windkraft.

Dazu bremsen heißt natürlich einerseits, Energiepreise weiter zu verteuern und letzten Endes auch die Netzstabilität langfristig zu gefährden.

Und woher weißt du das eigentlich?

Die Hauptquelle ist der Bericht, der Monitoringbericht Versorgungssicherheit Strom 2025 der eControl. Ich verlinke euch das in den Shownotes. Dazu gibt es auch noch die Pressekonferenz, bei der das Ganze vorgestellt worden ist, als Video. Das verlinke ich euch auch noch gern. Ich kann euch natürlich an dieser Stelle auch meinen innenpolitischen Newsletter in der WZ ans Herz legen. Dort habe ich diese Woche auch schon darüber geschrieben. Ich erlaube mir auch, den noch zu verlinken.

Also, ist das wichtig?

Absolut. Erstens die gute Nachricht: Österreich kann sich auch 2040 stabil mit Strom versorgen. Die Wasserkraft gibt uns einen Puffer, den Flachländer wie Deutschland oder Dänemark so nicht haben. Aber – und das ist elementar für unseren Wohlstand, für unsere Sicherheit, für unsere Energieversorgung – das funktioniert nur, wenn wir politisch und wirtschaftlich jetzt in den nächsten Jahren die richtigen Entscheidungen treffen, stärker auf den Ausbau von Windkraft und vor allem von großen Batteriespeicheranlagen zu setzen. Und das ist ein wichtiges Thema, und ich hoffe, dass das gut funktionieren wird.

Und das war's mit dieser Folge „Ist das wichtig? Politik für Einsteiger". Die Idee dieses Podcasts ist, ein Einsteigerprogramm für Menschen zu bieten, die sich zwar für Politik interessieren, aber sich nicht jeden Tag damit beschäftigen. Ich freue mich über euer Feedback an podcast@istdaswichtig.at oder per Sprachnachricht an die WhatsApp-Nummer in den Shownotes. Und falls ihr in diesem Umfeld Werbung machen wollt, wendet euch bitte an office@missing-link.media.

Wenn ihr euch für Formate für Fortgeschrittene interessiert, möchte ich euch noch meine beiden E-Mail-Newsletter ans Herz legen: den Leitfaden, in dem ich immer dienstags aktuelle politische Themen für das Magazin Datum kommentiere, und „Einfach Politik", eine sachpolitische Analyse für die WZ, die jeden Donnerstag erscheint. Die Links zur kostenlosen Anmeldung für beide stelle ich euch in die Shownotes.

Und falls ihr mehr hören wollt: Ich gehöre auch zum Team von „Ganz offen gesagt", Österreichs bestem Gesprächspodcast für Politikinteressierte. „Ist das wichtig?" ist ein Podcast von mir, Georg Renner, in Kooperation mit Missing Link. Produziert hat uns Konstantin Kaltenegger. Die zusätzliche Audiostimme ist von Maria Renner, Logo und Design von Lilly Panholzer. Danke für Titel und Idee an Andreas Sator, Host des Podcasts „Erklär mir die Welt".

Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Adieu.

Autor:in:

Georg Renner

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