Ist das wichtig?
Duell um die SP NÖ: Königsberger-Ludwig fordert Hergovich heraus
- hochgeladen von Georg Renner
In der SPÖ Niederösterreich kommt es zur Kampfkandidatur: Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig fordert Landesparteichef Sven Hergovich heraus. Am 30. Mai entscheidet der Landesparteitag in Vösendorf, wer die Partei bis zur Landtagswahl 2028 führt. Georg Renner erklärt, warum solche Kampfabstimmungen in Österreich höchst ungewöhnlich sind, wer die beiden Kandidat:innen sind – und welche Rolle Bundesparteichef Andreas Babler dabei spielt.
Wollt ihr mehr wissen?
- Die NÖN haben als erste berichtet:
https://www.noen.at/melk/knalleffekt-machtkampf-in-spoe-noe-koenigsberger-ludwig-fordert-hergovich-heraus-518231153 - Die "Presse" mit einer lesenswerten Analyse:
https://www.diepresse.com/20762616/unruhe-in-der-spoe-niederoesterreich-koenigsberger-ludwig-will-als
Transkript
Hi, grüß euch, herzlich willkommen bei „Ist das wichtig?" am 14. April. Es ist eine besondere Folge, eine spannende Folge, denn es geht zu mir nach Hause ins wunderschöne Niederösterreich. Politisch immer ein spannendes Land, aber heute ganz besonders, denn in der niederösterreichischen SPÖ, meiner de facto Oppositionspartei, gibt es eine Kampfkandidatur darum, wer die Landespartei in den nächsten Jahren führen soll.
Und das ist nicht nur in Niederösterreich, sondern in ganz Österreich sehr, sehr ungewöhnlich, dass zwei Leute sich darum matchen, demokratisch natürlich, im Rahmen einer Abstimmung, eines ordentlichen Prozesses, wer an der Spitze einer Partei oder zumindest einer Landespartei stehen darf. Ich finde das total spannend und auch spannend, für wen sich die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten hier in Niederösterreich entscheiden werden: den aktuellen Chef Sven Hergovich oder Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig, die ihn herausfordert.
Und in den nächsten paar Minuten werden wir darüber reden, warum sie da antritt, wer die zwei, Hergovich und Königsberger-Ludwig, denn eigentlich sind und wofür sie so stehen. Mein Name ist Georg Renner, ich bin seit 18 Jahren politischer Journalist, habe meine Karriere hier in Niederösterreich begonnen, habe für die Presse über Landespolitik geschrieben, und das ist „Ist das wichtig?" – Politik für Einsteiger.
Ein Podcast, in dem wir aktuelle politische Ereignisse so besprechen, dass man sie auch nebenbei verstehen kann, und herunterbrechen: Warum sollte mich das eigentlich interessieren – oder sollte es mich hier nicht wirklich interessieren müssen? Und wie immer, wenn ihr Fragen, Wünsche, Anregungen, Beschwerden, Kritik oder Lob habt, freue ich mich, wenn ihr mir das unter podcast@istdaswichtig.at oder über die WhatsApp-Nummer in den Shownotes zukommen lasst. Und jetzt geht's los mit der heutigen Folge.
Also Georg, was ist passiert?
Ulrike Königsberger-Ludwig, Staatssekretärin im Sozialministerium, hat am Sonntagabend ein Schreiben an die Parteimitglieder und den Landesparteivorstand der SPÖ Niederösterreich verschickt. Kurzer Schritt zurück: Die SPÖ ist eine der fünf großen Parteien in Österreich, fünf Parlamentsparteien, und alle Parlamentsparteien in Österreich haben neben ihrer Bundesexistenz, also der SPÖ im Bund, die halt in der Bundesregierung sitzt und einen Bundesparteivorsitzenden hat, auch noch neun Landesparteien, aus denen sie sich zusammensetzen, zum Beispiel eben die SPÖ Niederösterreich. Und Königsberger-Ludwig hat mit diesem Schreiben an die Parteimitglieder angekündigt, sie möchte am Landesparteitag am 30. Mai in Vösendorf für den Vorsitz der SPÖ Niederösterreich kandidieren und damit gegen den amtierenden Landesparteichef Sven Hergovich antreten, der auch Landesrat in der niederösterreichischen Landesregierung ist.
Und das ist total außergewöhnlich, eine Kampfabstimmung um einen Landesparteivorsitz, also wo es wirklich zwei gleichberechtigte Kandidaten gibt, auf Augenhöhe quasi. Das ist in Österreich total selten, nicht nur in Niederösterreich. Normalerweise einigen sich solche Landesorganisationen intern vorab auf einen Kandidaten, die machen sich das in Konferenzen, in Sitzungen aus, wer die Partei führen soll, und der Parteitag wird dann nur mehr zur Bestätigungsveranstaltung, wo dann ein möglichst hoher Zustimmungswert, um die 90 Prozent plus, herausschaut für den neu gewählten Landesparteivorsitzenden, der eh nur mehr pro forma bestätigt wird. Hergovich selber zum Beispiel hat bei seinem Amtsantritt im Juni 2023, das ist also bald seit drei Jahren Landesparteichef in Niederösterreich, 96 Prozent der Stimmen bekommen.
Und Königsberger-Ludwig, die ja in Wien Staatssekretärin ist, also für den ganzen Bund derzeit im Gesundheitsministerium mitverwaltet, begründet ihre Kandidatur damit, dass ihr in Gesprächen deutlich geworden sei, dass es in Teilen der Partei den Wunsch nach personellen Veränderungen gibt, wie es in diesem Schreiben heißt, das mir neben vielen anderen Medien auch vorliegt. Königsberger-Ludwig sagt, ihr Ziel sei ein verlässliches, konsensfähiges Angebot für 2028. Da steht turnusmäßig, planmäßig die nächste niederösterreichische Landtagswahl an, also wo wir Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher unser neues Landesparlament, den Landtag, wählen.
Königsberger-Ludwig hat sich in dem Schreiben auch dafür entschuldigt, dass diese Information zuerst in den Medien zu lesen war: In der Melker NÖN, also in den niederösterreichischen Nachrichten im Bezirk Melk, ist das exklusiv zuerst berichtet worden, bevor sie persönlich einerseits mit Hergovich darüber gesprochen hat, dass sie gegen ihn antreten will, oder bevor sie auch die anderen Parteimitglieder informiert hat. Sven Hergovich, derzeit Parteichef hier, hat am Montag dann in einer schriftlichen Stellungnahme klargestellt, er wird natürlich, selbstverständlich für den Landesparteivorsitz kandidieren, und „jedes Mitglied unserer Bewegung", Zitat, „hat selbstverständlich das Recht zu kandidieren", hat er geschrieben. Das aber – und da schlägt er in die Kerbe, die Königsberger-Ludwig eh auch eingestanden hat –, dass aber zuerst über die Medien und nicht in unseren Gremien kommuniziert wird, das habe ihn persönlich enttäuscht. Sein Appell sei: Lasst uns miteinander reden, nicht medial übereinander.
Und wer sind die alle?
Einerseits Staatssekretärin Königsberger-Ludwig, 60 Jahre alt, kommt aus Amstetten im Mostviertel. Sie war von 2002 bis 2018 Nationalratsabgeordnete und seither ist sie Landesrätin gewesen in der niederösterreichischen Landesregierung. Und seit etwa einem Jahr ist sie aus St. Pölten, aus der Landesregierung, ins Bundesregierungsteam der SPÖ gewechselt. Sie ist Staatssekretärin in der Bundesregierung, die aus ÖVP, eben der SPÖ und den NEOS besteht, und ist dort im Sozial- bzw. Gesundheitsressort von Sozialministerin Korinna Schumann, ebenfalls SPÖ, für die Gesundheitsagenden zuständig. Sie ist eine, ich würde sagen, erfahrene Politikerin, war mehrere Jahre hier in der niederösterreichischen Landesregierung, kennt die Partei sehr, sehr gut durch ihre Arbeit im Nationalrat, hat aber auch eine starke regionale Verankerung in der Amstettener Stadtpartei.
Auf der anderen Seite Sven Hergovich, Alter 37 Jahre, der ist eine ganze Generation jünger und gilt als einer der aufstrebenden Jungstars – weil 37 ist eh nicht mehr ganz so jung – in der SPÖ. Hergovich hat die SPÖ Niederösterreich nach der Landtagswahl 2023 in einem ehrlicherweise für sie katastrophalen Zustand übernommen. Damals hat die SPÖ nur noch knapp über 20 Prozent der Stimmen bekommen. Das ist ein historisch schwaches Ergebnis gewesen.
Hergovich gilt – und das ist ein wichtiger Punkt, über den wir gleich noch ein bisschen sprechen werden – als Kritiker von Bundesparteichef Andreas Babler. Er hat zuletzt zum Beispiel, symbolisch wichtig, nicht mehr für die Bundesgremien der Partei kandidiert und seiner Partei mitgeteilt, er wolle sich voll auf Niederösterreich konzentrieren. Und auch wenn Hergovich das immer wieder abgestritten hat, gilt er als einer der Leute, die vor ein paar Wochen die Kampfkandidatur von Christian Kern unterstützt hätten gegen Andreas Babler und die Bundesparteiführung, die dann aber kurzfristig eh nichts geworden ist. Es gibt dazu einige „Ist das wichtig?"-Folgen im Archiv – „Ist das wichtig?" wäre kein guter Titel.
Ja, und man kann diese Geschichte nicht erzählen, ohne über die dritte zentrale Figur in diesem Polit-Theaterstück zu sprechen, nämlich Andreas Babler. Der ist SPÖ-Chef auf Bundesebene und Vizekanzler, hat also eine tragende Rolle auch in dieser Bundesregierung. Babler hat gestern, am Montag, betont, er habe seine Finger überhaupt nicht im Spiel gehabt, um sich in die Führungsfrage in seinem Heimatbundesland Niederösterreich einzumischen. Es gibt aber Leute, die da durchaus den Verdacht haben, dass er ein bisschen mitgespielt haben könnte und das quasi so als Retourkutsche vielleicht nicht aktiv mitinszeniert, aber zumindest durchaus toleriert hat, dass Königsberger-Ludwig gegen Hergovich antreten will, weil eben Hergovich die Kampfkandidatur gegen Babler, seinen aktiven Ersatz durch Christian Kern, der dann eh nicht stattgefunden hat, mitbetrieben hat. Und das sehen manche da durchaus als Retourkutsche.
Ja, und dann gibt es natürlich noch eine ganze Menge Innocent Bystanders, die da das ganze Theater beobachten und kommentieren, die lassen wir aber jetzt einmal weg.
Und warum diskutieren die da darüber?
Machen wir einen Schritt zurück. Ich würde sagen, hier geht es um drei ganz, ganz unterschiedliche Konflikte auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Und das ist ja nichts Schlechtes. In einer Partei, in jeder demokratischen Institution, gibt es Konflikte, und für die gibt es Spielregeln, wie die ausgetragen werden. In dem Fall eben das Statut der SPÖ Niederösterreich, wo genau drinsteht, wann wer einreichen muss, um bei einem Landesparteitag als Parteichef gewählt zu werden oder eben nicht gewählt zu werden, und wie das funktioniert. Und Königsberger-Ludwig hält sich nach allem, was wir bisher wissen, an diese statutarische Vorgehensweise. Aber wie gesagt, es geht da um drei Konflikte, die ich da sehe.
Einerseits Hergovichs Bilanz als Landesparteichef. Wie gesagt, er ist 2023 relativ kurzfristig nach der Landtagswahl gekommen, aus dem Nichts fast, war davor Chef des AMS in Niederösterreich und hat die Partei dann auf diesem niedrigen Niveau von knapp über 20 Prozent der Stimmen übernommen. Und seither hat sich die Partei nicht wirklich erholt. Und in Teilen der Partei gibt es tatsächlich – ich habe heute auch mit einigen Leuten zu dem Thema gesprochen – das Gefühl, dass das mit Hergovich auch nichts mehr wird. Und dass bis 2028, wenn die nächste Landtagswahl ansteht, das Ergebnis nicht nur nicht besser werden könnte, sondern eventuell man auch noch weiter im Kampf zwischen ÖVP und FPÖ, die das Land regieren und beide die größeren Parteien sind, zerrieben werden könnte. Was halt dazukommt: Hergovich teilt immer sehr, sehr klar gegen die Landesregierung unter Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner von der ÖVP und Landeshauptmann-Stellvertreter Udo Landbauer von der FPÖ aus, spielt da eine sehr stark kritische Rolle.
Und das ist eine Rolle, mit der die SPÖ in Niederösterreich wenig Erfahrung hat, so kritisch mitzumachen. Denn in Niederösterreich, das muss man kurz erklären, haben wir nicht, wie in den meisten Bundesländern, eine Majorzregierung, das heißt, dass sich eben zwei oder drei Parteien auf eine gemeinsame Regierung einigen und die sind dann die Regierungsfraktion und die anderen sind Opposition, die kritisieren können. In Niederösterreich haben wir eine sogenannte Proporzregierung, und das heißt, dass alle größeren Parteien automatisch in der Landesregierung vertreten sind, auch wenn sie keinen Koalitionspakt gemeinsam haben, auch wenn sie sich nicht gemeinsam ein Programm vorgenommen haben, das sie abarbeiten wollen. Und deswegen ist Hergovich, obwohl er nicht Teil eines solchen Koalitionsabkommens zwischen ÖVP und FPÖ ist, mit seiner SPÖ trotzdem in der Landesregierung vertreten und ist selber Landesrat. Und das ist halt schwierig: einerseits Regierungsverantwortung haben, ein bisschen mitbestimmen zu können, aber andererseits dauernd die anderen Regierungsparteien zu kritisieren.
Das kann man schon machen, aber es ist halt keine besonders konstruktive Zusammenarbeit. Und das kann man natürlich machen. Es gibt viel Kritisierenswertes hier in Niederösterreich, aber man sollte sich halt irgendwie entscheiden. Und diese Möglichkeit gibt es aber unserer Landesverfassung nach nicht. Und mit dieser Rolle hat die SPÖ, die ja sehr, sehr viele Mitglieder hier in Niederösterreich hat und in sehr vielen Gemeinden den Bürgermeister stellt, immer ein bisschen Probleme. Einerseits wollen sie konstruktiv mit dem Land zusammenarbeiten, sind auch auf das Land angewiesen in der Kooperation. Andererseits hat man da an der Spitze diese Entscheidung getroffen, und in der ganzen Partei die Entscheidung getroffen – Hergovich ist ja gewählt worden –, hier auf einen kritischen Kurs einzuschwenken. Und Königsberger-Ludwig, so lese ich ihren Brief zumindest, würde da einen konzilianteren Kurs fahren und sagen: Naja, okay, wir sollten uns da eher einfügen in dieses Machtsystem aus ÖVP, FPÖ und dann eben wieder auch SPÖ. Und das ist dieser eine Konflikt.
Zweitens geht es auch ein bisschen um einen Konflikt innerhalb der SPÖ. Ich habe das zuerst eh schon angesprochen. Babler steht halt für einen eher dezidiert linken, staatsorientierten Kurs. Damit ist er im Wahlkampf in der Bundes-SPÖ angetreten, ist damit auch in seinem individuellen Wahlkampf angetreten – er ist ja selber in einer Kampfkandidatur gegen Hans-Peter Doskozil SPÖ-Chef geworden vor einigen Jahren. Und er ist eben mit seinem linken, dezidierten, staatsorientierten Kurs angetreten. Und die innerparteiliche Gegenbewegung hat eben in seinem Unterlegenen gegen ihn, Hans-Peter Doskozil, dem Landeshauptmann von Burgenland, ihre bekannteste Figur. Aber da sind eben auch viele andere, die mit diesem Babler-Kurs nicht so recht warm werden wollten und wollen. Und da gehört neben dem neuen Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner eben auch Hergovich dazu. Der wird da durchaus auch in diese Babler-Gegner-Reihen eingerät. Und ich glaube, so kann man das durchaus lesen: Königsberger-Ludwig, die aus dem von Babler mitgeführten Bundesregierungsteam kommt, kandidiert da jetzt gegen einen Gegner von Bundesparteichef und Vizekanzler Andreas Babler.
Und dann ist halt noch die dritte Ebene. Ich weiß gar nicht, jetzt wo ich es so laut sage, bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich das so formulieren würde. Aber es geht natürlich auch um die Stilfrage. Nämlich: Wie organisiert man sich als Partei im Jahr 2026 so, dass man für eine möglichst breite Gruppe attraktiv bleibt und auch alle innerparteilichen Strömungen abdeckt? Und man muss ehrlicherweise sagen, da hat die SPÖ in den letzten Jahren wirklich große Bewegungen gemacht. Das war nicht immer gut für sie. Es wird einer Partei auf Dauer nicht guttun, wenn sie immer wieder Kampfkandidaturen hat und dadurch die Differenzen, die ideologischen und persönlichen Bruchlinien innerhalb einer Partei ins Zentrum gerückt werden, wie es zum Beispiel hier diese Erfolge gerade tun oder wie es alle Zeitungen heute tun, wenn sie über diese Kandidatur Königsberger-Ludwigs gegen Hergovich berichten. Aber auf der anderen Seite ist das natürlich Demokratie. Gelebte Demokratie, wo die Abgeordneten, die Delegierten beim Landesparteitag Ende Mai dann halt wirklich was zu entscheiden haben werden und nicht nur etwas abnicken, was sich vorher im stillen Kämmerchen schon ausgemacht worden ist.
Das ist eine andere Art, sich als Partei zu organisieren, als sie in Österreich die letzten Jahrzehnte üblich und Tradition war. Bis auf die NEOS und die Grünen, die kleineren Parteien im Bund, hat das keine Partei in der Regel so offen zelebriert, dass mehrere chancenreiche Politiker gegeneinander antreten in der Partei selber. Aber es ist natürlich ein spannendes Experiment, über das man diskutieren kann. Und das sind diese drei Ebenen, über die wir da reden: einerseits, wie verhält sich die SPÖ im Land Niederösterreich; zweitens, dieses Verhältnis zwischen Babler und seinen Gegnern; und drittens, diese Frage, wie organisiert man sich als moderne oder auch nicht moderne Partei im Jahr 2026.
Okay, und wie betrifft das uns?
Da muss man ehrlicherweise sagen: Solche parteiinternen Konflikte, die für Außenstehende kaum inhaltliche Differenzen haben, aber wahrscheinlich im persönlichen Stil sich unterscheiden würden, die betreffen uns im Alltag kaum, muss man ehrlicherweise sagen.
Ob jetzt Hergovich oder Königsberger-Ludwig die SPÖ in Niederösterreich führen, das ändert primär mal nichts an Gesetzen, an Steuern, Förderungen, was auch immer. Die SPÖ hat hier in Niederösterreich derzeit wenig mitzubestimmen, abgesehen davon, dass Hergovich eben in der Landesregierung sitzt als Landesrat. Aber in Wirklichkeit machen sich ÖVP und FPÖ im Koalitionsabkommen entsprechend alle zentralen Fragen der Landespolitik untereinander aus, und die SPÖ steht da ein bisschen außen vor.
Mittelfristig könnte sich das theoretisch natürlich ändern, wenn entweder Hergovich seinen Kurs ändert oder Königsberger-Ludwig auf einen konzilianteren Kurs geht. Das ist aber eher Kaffeesudleserei. Wir wissen Stand heute noch sehr wenig, ob es wirklich überhaupt signifikante inhaltliche Unterschiede zwischen den beiden gibt.
Ich würde mal wetten, eher nicht. Ich glaube, das zentrale Unterscheidungsmerkmal wird dieser, sehr zugespitzt formuliert, kritische Kurs von Hergovich sein versus der konziliantere, kompromissbereitere Kurs von Königsberger-Ludwig.
Und der kann natürlich mittel- bis langfristig dazu führen, dass nach 2028 bei der Landtagswahl eine andere Koalition, vielleicht wieder ÖVP, SPÖ, was auch immer, im Land regieren könnte, und dadurch könnte sich dann tatsächlich signifikant was ändern. Aber da sind wirklich, wirklich viele Konjunktive drin. Wir wissen es heute einfach nicht.
Das müssen sich jetzt erst einmal die Sozialdemokraten quasi untereinander ausmachen, wer ihre Bewegung hier im Land, in Niederösterreich, ihrem Kernland übrigens – sie ist ja, die Sozialdemokratie, damals noch sozialistische Partei, in Hainfeld gegründet worden hier in Niederösterreich –, wer sie führen soll. Das müssen sich jetzt einmal die Parteimitglieder untereinander ausmachen.
Und ist das schon fix?
Nein. Fix ist, dass es am 30. Mai in Vösendorf einen Landesparteitag geben wird und dass Hergovich antritt. Das hat der Landesgeschäftsführer Wolfgang Zwander heute – pardon, gestern, am Montag – schon bestätigt. Jetzt gibt es statutarische Fristen, 21 Tage vor dem Landesparteitag, wann sich neue Bewerberinnen oder Bewerber um zum Beispiel das Amt des Landesparteichefs anmelden, registrieren müssen. Ich würde jetzt, nachdem sie es jetzt öffentlich gesagt hat und eine durchaus erfahrene Politikerin ist, mal davon ausgehen, dass Königsberger-Ludwig das ernst meint und sich da auch offiziell noch beim Parteivorstand, bei der Landesparteistelle, als Kandidatin meldet. Und was dann passiert, ist völlig offen.
Es gibt generell auf Landesebene sehr wenige Meinungsumfragen, und unter den niederösterreichischen Parteimitgliedern, noch dazu jenen, die das dann tatsächlich am Landesparteitag entscheiden müssen, gibt es natürlich keine Meinungsforschung. Das ist einerseits eine zu große Partei, um da eine Meinungsforschung so machen zu können, dass man wirklich jeden befragt, und andererseits zu klein, als dass man das in einem allgemeinen Sample irgendwie abfragen könnte, wer beliebter ist und wer die besseren Chancen hat.
Wenn wirklich beide kandidieren, Hergovich und Königsberger-Ludwig, würde ich davon ausgehen, dass beide in den nächsten Wochen durch das Land touren, sich viel mit SPÖ-Mitgliedern treffen, mit SPÖ-Funktionärinnen und Funktionären treffen, mit denen diskutieren, was sie alles besser machen würden, und da um Stimmen keilen, Wahlkampf führen. Und so soll es ja grundsätzlich auch sein in einer Demokratie. Das wird aber für die Öffentlichkeit, für uns, im Wesentlichen unsichtbar über die Bühne gehen.
Ich bin sehr gespannt, wie das ausgeht. Ich würde mir heute keine Prognose erlauben. Ich habe heute mit ein paar Leuten gesprochen, die sagen, naja, was das für einen Eindruck macht, natürlich unterstütze ich den Hergovich. Und auf der anderen Seite gibt es halt auch Leute – ich habe da heute auch mit jemandem telefoniert –, die sagen: Naja, es wäre schon gut, wenn wir uns wieder, ich spitze das jetzt sehr stark zu, ein bisschen stärker an die ÖVP ranschmeißen und eben mit der gemeinsame Sache machen. Das ist einfach die mächtigste Partei im Land, die hat die meisten Stimmen bekommen, und wir müssen Kompromisse schließen, damit wir unsere eigenen Anliegen erreichen können. Und da würden einige Leute in der Partei offenbar Königsberger-Ludwig eher in der Lage dafür sehen als Hergovich.
Und woher weißt du das eigentlich?
Wie gesagt, berichtet hat das Ganze am Wochenende als Erstes die NÖN, die niederösterreichischen Nachrichten, die Landeswochenzeitung hier, die hat das online als Erstes berichtet. Und danach haben sehr viele von uns, viele Journalistinnen und Journalisten, zu recherchieren angefangen.
Ich verlinke euch auch einen Artikel aus der Presse, die das heute in ihrer Dienstagsausgabe sehr, sehr gut analysiert hat, finde ich. Und wie gesagt, ich habe auch mit einigen Leuten telefoniert, die sich aber alle nicht wirklich outen wollen. Und abgesehen davon gibt es offizielle Aussendungen der SPÖ Niederösterreich zum Thema.
Also ist das wichtig?
Naja, nein, in Wirklichkeit ist es nicht wichtig. Ich glaube, die Wichtigkeit für uns Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher, uns Landsleute quasi, die wird entstehen, wenn wir wissen, wen die SPÖ 2028 als Spitzenkandidaten oder als Spitzenkandidatin aufstellt. Bis dahin können wir dieses Schauspiel von außen betrachten und einfach abwarten, welches Angebot uns welche Partei für die Landtagswahl 2028 machen will.
Auf einer sehr, sehr weit von unserer Realität als Bürgerinnen und Bürger im Alltag entfernten Ebene ist es natürlich eine spannende Frage, wer eine Partei führt, wer an die Spitze einer Partei gewählt wird, für was eine Partei stehen wird. Das äußert sich halt in solchen Personalentscheidungen letzten Endes. Das ist aber jetzt halt Sache der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten hier in Niederösterreich, wen sie auf den Schild heben wollen. Und ich glaube, das können wir von außen jetzt einfach mal beobachtend abwarten.
Und das war es mit dieser Folge. „Ist das wichtig? – Politik für Einsteiger." Die Idee dieses Podcasts ist, ein Einsteigerprogramm für Menschen zu bieten, die sich zwar für Politik interessieren, aber sich nicht jeden Tag damit beschäftigen. Ich freue mich über euer Feedback an podcast@istdaswichtig.at oder per Sprachnachricht an die WhatsApp-Nummer in den Shownotes. Und falls ihr in diesem Umfeld Werbung machen wollt, wendet euch bitte an office@missing-link.media.
Wenn ihr euch für Formate für Fortgeschrittene interessiert, möchte ich euch noch meine beiden E-Mail-Newsletter ans Herz legen: den Leitfaden, in dem ich immer dienstags aktuelle politische Themen für das Magazin Datum kommentiere, und „Einfach Politik", eine sachpolitische Analyse für die WZ, die jeden Donnerstag erscheint. Die Links zur kostenlosen Anmeldung für beide stelle ich euch in die Shownotes.
Und falls ihr mehr hören wollt: Ich gehöre auch zum Team von „Ganz offen gesagt", Österreichs bestem Gesprächspodcast für Politikinteressierte. „Ist das wichtig?" ist ein Podcast von mir, Georg Renner, in Kooperation mit Missing Link. Produziert hat uns Konstantin Kaltenegger. Die zusätzliche Audiostimme ist von Maria Renner, Logo und Design von Lilly Panholzer. Danke für Titel und Idee an Andreas Sator, Host des Podcasts „Erklär mir die Welt".
Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Adieu.
Autor:in:Georg Renner |