Ist das wichtig?
Neos-Schellhorn vs. Neos, das ist Brutalität

NEOS-Staatssekretär Josef Schellhorn hat in der ORF-Pressestunde gleich zwei zentrale Verhandlunsgspositionen seiner eigenen Partei infrage gestellt: Er ist für eine längere Wehrpflicht und hält eine rasche Lohnnebenkostensenkung für unrealistisch. Die Reaktion aus den eigenen Reihen kam prompt – und heftig. Georg erklärt, warum das nicht nur ein parteiinternes Geplänkel ist, sondern in zwei zentrale Fragen der Bundespolitik hineinspielt: Wie lang müssen junge Männer zum Heer, und wie viel bleibt uns netto vom Gehalt?

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Transkript

Hi, grüß euch, herzlich willkommen bei „Ist das wichtig?" vom 30. März. Wir haben gerade die Karwoche begonnen und damit auch die Osterferien, und politisch heißt das, dass wahrscheinlich eine etwas langsamere Woche wird als die vergangene mit den vielen Parlamentssitzungen und tatsächlich einer beträchtlichen Zahl an Gesetzen und Initiativen, die da präsentiert worden sind. Das heißt aber nicht, dass es weniger spannend wird. Morgen, zum Beispiel am Dienstag, wird die Statistik Austria ihren Bericht über die öffentlichen Finanzen präsentieren, und das wird sehr, sehr wahrscheinlich zu einer noch intensiveren Debatte darüber führen, wo Österreich sparen soll und wo Österreich mehr Geld ausgeben soll. Und quasi als Vorgruppe zu dieser Auseinandersetzung beschäftigen wir uns heute mit Josef Schellhorn.

Der NEOS-Staatssekretär im Außenministerium hat nämlich am vergangenen Wochenende für ziemliche Aufregung und Dissens in seiner eigenen Partei gesorgt. Mit welchen Aussagen, wie das in die anhaltende Budgetdebatte hineinspielt und worum es da eigentlich geht, das werden wir jetzt in den nächsten paar Minuten besprechen.

Mein Name ist Georg Renner, ich bin seit 18 Jahren politischer Journalist, und das hier ist „Ist das wichtig?" – Politik für Einsteiger. Ein Podcast, in dem wir aktuelle politische Entwicklungen so besprechen, dass man sie auch nebenbei gut verstehen kann.

Und wie immer ein kleiner Aufruf an euch: Ich freue mich, wenn ihr „Ist das wichtig?" weiterempfehlt, an Freundinnen, Freunde, Verwandte oder sogar auch über Social Media. Das hilft mir, diesen Podcast am Wachsen zu halten, und Wachstum heißt, dass ich diesen Podcast weiterbetreiben kann. Würde mich freuen. Und falls ihr Kritik habt, Anregungen, Wünsche, Beschwerden, Themenvorschläge, freue ich mich, wenn ihr mir die alle schickt unter podcast@istdaswichtig.at oder auch über die WhatsApp-Nummer in den Shownotes.

So, und jetzt zu Josef Schellhorn und den NEOS.

Also Georg, was ist passiert?

Josef Schellhorn, Staatssekretär für Entbürokratisierung im Außenministerium, hat am Wochenende in der Pressestunde gleich zwei Aussagen gemacht, die seiner eigenen Partei, die ihn in diesen Job gebracht hat, überhaupt nicht gepasst haben. Erstens hat Schellhorn sich für eine Verlängerung der Wehrpflicht ausgesprochen, ganz konkret für das Modell „Österreich Plus", so nennt das Bundesheer diese Variante. Das sind acht Monate Grundwehrdienst statt bisher sechs, plus zwei Monate verpflichtende Milizübungen für alle männlichen jungen Staatsbürger. Dieses Modell hat ja die Bundesheer-Expertenkommission im Jänner empfohlen, und seither verhandeln die Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und eben die NEOS darüber, welche dieser Empfehlungen man umsetzen soll und welche nicht. Und da ist das kleine Problem: Die NEOS, Schellhorns Partei, sind in ihrem Parteiprogramm eigentlich klar für ein Berufsheer, also für die komplette Abschaffung dieser Wehrpflicht und nicht für deren Verlängerung. Die stehen da eher auf der Bremse.

Und zweitens – zweite Aussage, die Schellhorn da in der Pressestunde gemacht hat – war eine Senkung der Lohnnebenkosten, eines der Kernversprechen der NEOS im letzten Wahlkampf und auch in ihrem Parteiprogramm. Die, sagt er, ist bis 2027 eher unwahrscheinlich. Sie müsse aber am Ende der Reise kommen, also wahrscheinlich meint er am Ende der Legislaturperiode dieser fünf Jahre, die ÖVP, SPÖ und NEOS gemeinsam regieren wollen. Das ist wahrscheinlich eine eher realistische Perspektive, weil der Staat, wie wir das schon öfter gesagt haben, entweder sparen muss oder irgendwo mehr Geld einnehmen muss, um nur mit den derzeitigen Steuereinnahmen irgendwie auszukommen und alle seine Aufgaben zu finanzieren. Darüber wird gerade im Hintergrund verhandelt über das Doppelbudget, also den Ausgaben- und Einnahmenplan Österreichs in den Jahren 2027 und 2028, und da sagt Schellhorn jetzt, diese Lohnnebenkostensenkung wird sich eher nicht ausgehen.

Und diese beiden Aussagen, Wehrpflicht und Lohnnebenkosten, sind in seiner eigenen Partei NEOS nicht wirklich auf Gegenliebe gestoßen. Die Reaktion kam binnen Minuten nach der Pressestunde. NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos zum Beispiel hat betont, beim Wehrdienst sei das, was Schellhorn da im ORF im Fernsehen gesagt hat, eine Privatmeinung, und die Lohnnebenkostensenkung habe natürlich weiterhin absolute Priorität. Die UNOS, die pinke Fraktion in der Wirtschaftskammer, hat Schellhorn bei den Lohnnebenkosten auf das Entschiedenste widersprochen. Das ist für jemanden, der selber Unternehmer ist und einer der prominentesten Politiker der NEOS, ein ziemlich heftiger Widerspruch aus der Partei.

Die schärfste Reaktion, die kam aber von einem NEOS-Parlamentarier, dem stellvertretenden Klubobmann Nikolaus Scherak. Der hat auf X geschrieben, man solle sich doch bitte sein eigenes Parteiprogramm zu Gemüte führen, wenn man ein Staatssekretariat für eine Partei bekleidet. Die NEOS seien klar für ein Berufsheer und für eine rasche Lohnnebenkostensenkung. Und dann hat Scherak noch nachgelegt, man müsse sich nicht wundern, wenn die Menschen sich von der Politik abwenden, wenn man schon nach dem Wahltag vergessen habe, wofür man eigentlich gewählt worden sei. Ziemlich heftige Kritik.

Und wer sind die alle?

Josef Schellhorn – den viele Sepp Schellhorn nennen. Ich mag diese verkürzten, verballhornten Spitznamen nicht, die Leute sollen sie so nennen, wie sie auch heißen, finde ich. Jedenfalls, Schellhorn ist ein Gastronom und Unternehmer aus Salzburg, ein großer Hotelier, und hat seit dem Regierungsantritt der Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS, die Österreich bis 2029 gemeinsam regieren wollen, weil sie gemeinsam eine Mehrheit im Nationalrat haben, dem wichtigeren Teil unseres Parlaments – der ist seit Antritt dieser Dreierkoalition Staatssekretär für Entbürokratisierung, und zwar weirderweise im Außenministerium, das bisher eigentlich mit Entbürokratisierung nicht viel zu tun hatte.

Eigentlich würde man so was zum Beispiel im Wirtschaftsministerium oder im Kanzleramt vermuten, aber das folgt einer Parteilogik. Die Politiker, die die anderen Ministerien führen – Bundeskanzleramt und Wirtschaftsministerium zum Beispiel, die eigentlich argumentierbarerweise eher passen würden zur Entbürokratisierung –, die wollten Schellhorn schlicht nicht in ihren Häusern sitzen haben. Also gibt es jetzt dieses Staatssekretariat, eine Art Assistenz für den Minister oder die Ministerin, im Außenministerium, wo Beate Meinl-Reisinger, gleichzeitig NEOS-Chefin, als Außenministerin fungiert. Und Schellhorn verhandelt von dort aus eben über Entbürokratisierungsthemen.

Schellhorn ist sehr direkt, redet in der Regel frei von der Leber weg und hat nicht unbedingt immer das politische Fingerspitzengefühl, das in dem Fall wahrscheinlich seine Parteikolleginnen und -kollegen sich gewünscht hätten. Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass Schellhorn mit seinen Aussagen für Irritationen in seiner Partei und darüber hinaus sorgt.

Nikolaus Scherak, den wir auch erwähnt haben, ist Nationalratsabgeordneter der NEOS und als stellvertretender Klubobmann eine ziemliche Instanz im Parlament. Er ist einer der profiliertesten liberalen Politiker im Parlament – sagt jetzt nicht viel, weil so viele gibt es ehrlicherweise nicht –, aber er ist dafür bekannt, dass er sich bei seinen Grundsätzen nicht verbiegen lässt. Zum Beispiel, als die NEOS im Juli 2025 der Messenger-Überwachung zugestimmt haben, wir haben damals berichtet, hat er dagegen gestimmt, und vergangene Woche hat er als einziger NEOS-Abgeordneter der Spritpreisbremse die Zustimmung verweigert.

Die ist dann trotzdem durchgegangen, weil es die Mehrheit dafür eh klar gab, aber Scherak ist halt jemand, dem seine liberalen Grundsätze manchmal wichtiger sind als Parteidisziplin, und vor dem Hintergrund würde ich seine Aussagen auch einordnen. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass gerade Scherak den Staatssekretär Schellhorn öffentlich kritisiert. Schon im Dezember hat er Schellhorn, den Staatssekretär, öffentlich gerügt, weil er die Experten der Denkfabrik Agenda Austria als „sogenannte Experten" abgekanzelt hat, ebenfalls in einem öffentlichen Interview. Das mag auch einen Familienhintergrund haben. Wir haben damals eh darüber gesprochen, der Direktor der Agenda Austria ist ja auch ein Schellhorn, nämlich Franz Schellhorn, Bruder des Staatssekretärs Josef.

Und warum diskutieren die darüber?

Im Kern, würde ich sagen, geht es halt um diese Divergenz: Was passiert mit einer Partei, wenn sie einer Regierungskoalition beitritt? Man kann als Partei im Wahlkampf ja alles fordern und sich in seinem Grundsatzprogramm alles Mögliche vornehmen.

Unser österreichisches System ist halt so gemacht, dass man, wenn man in eine Regierungskoalition geht, in eine Zusammenarbeit, mit der man halt dann eine Mehrheit im Parlament hinter sich hat und das Land mitregieren und gestalten kann, dann muss man Kompromisse machen, weil Parteien wie die ÖVP, die SPÖ und die NEOS, die jetzt gemeinsam die Regierung bilden, die haben halt normalerweise völlig unterschiedliche programmatische Vorstellungen. Die SPÖ kommt eher von links, die ist eher für mehr Staat, für neue Steuern, um mehr Staatsaufgaben finanzieren zu können, während die NEOS ein Verschlankungsprogramm für den Staat fordern und sagen, naja, eigentlich müsste man Steuern reduzieren und den Staat zurückbauen. Auch mit der ÖVP gibt es ganz, ganz viele Differenzen mit diesen anderen beiden Parteien. Und das heißt, man muss sich halt auf Kompromisse einigen, wo man Prioritäten setzt, welche Steuern man einführen will, welche Steuern man, wie es den NEOS lieber wäre, senken will. Diese Priorisierung ist natürlich eine wichtige Angelegenheit und ist eine Verhandlungssache zwischen diesen drei Parteien. Und dieses Spannungsverhältnis spielt zum Beispiel in diese Themen rein.

Als liberale Partei, als die die NEOS angetreten sind, ist man halt gegen staatliche Eingriffe ins Leben der Bürgerinnen und Bürger, will einen eher zurückgenommenen Staat in der Regel, und so sind die NEOS auch im Wahlkampf aufgetreten. Und die haben zum Beispiel gesagt, naja, die Wehrpflicht gehört überhaupt weg und nicht verlängert. Und die Lohnnebenkosten – das sind eine Reihe von Abgaben neben der Lohnsteuer, neben den Sozialversicherungsbeiträgen, die auch noch vom Lohn abgezogen werden, zum Beispiel Beiträge zum Familienlastenausgleichsfonds. Das sind einfach Abgaben, die jedem Dienstnehmer, jeder Dienstnehmerin in Österreich vom Arbeitgeber abgezogen und an den Staat weitergegeben werden für in der Regel spezifische Aufgaben, zum Beispiel die U-Bahn-Steuer in Wien, der FLAF-Beitrag und so weiter. Ich habe da mal einen langen Text über die Lohnnebenkosten geschrieben, ich verlinke euch einen Text in den Shownotes, da könnt ihr euch selber darüber informieren, was diese Lohnnebenkosten sind. Und ja, natürlich sagt man als liberale Partei, naja, das gehört alles weg, damit sich Arbeit mehr auszahlt, damit die Leute mehr von ihrem Bruttogehalt netto am Konto bekommen. Und die anderen Parteien halten da natürlich bis zu einem gewissen Teil dagegen. Die ÖVP wäre für so eine Lohnnebenkostensenkung zum Beispiel sicher zu haben, die SPÖ steht da auf der Bremse, weil viele der Leistungen, die zum Beispiel aus diesem Familienlastenausgleichsfonds finanziert werden – zum Beispiel die Schülerfreifahrt, die Familienbeihilfe und so weiter –, eher in der Regel von SPÖ-geführten Regierungen eingeführt worden sind und die sagen, naja, okay, wenn es dieses Geld nicht gibt, müsste es entweder irgendwo anders herkommen, oder wir müssten diese Leistungen streichen, und das wollen wir nicht.

Umgekehrt ist es bei der Wehrpflicht: Da sagt die ÖVP, die das Verteidigungsministerium stellt, ja, wir wollen auch dieses 8+2-Modell. Verteidigungsministerin Claudia Tanner hat sich erst vor ein paar Wochen bei mir im Podcast ganz offen für dieses 8+2-Modell, für dieses Modell „Österreich Plus" ausgesprochen. Da stehen wieder die NEOS ein bisschen auf der Bremse, und die SPÖ ist auch noch nicht begeistert. Und all das sind derzeit Sachen, die in Verhandlung sind. Einerseits die Wehrpflichtfrage, die sollte eigentlich bis zum Sommer geklärt werden, momentan gibt es noch keine Einigung zwischen diesen drei Parteien, und auf der anderen Seite die Lohnnebenkosten, das spielt natürlich in diese ganze Budgetplanung hinein, die wir anfangs erwähnt haben. Bis zum Juni sollen eben der Einnahmen- und Ausgabenplan Österreichs feststehen für die nächsten zwei Jahre, bis Ende 2028, und Finanzminister Markus Marterbauer, der dafür verantwortlich ist von der SPÖ, hat schon gesagt, naja, Spielraum für viele der Sachen, die sich alle drei Parteien vorgenommen haben, haben wir eigentlich keinen. Wir können jetzt nicht einfach noch mehr Geld irgendwo ausgeben, das muss alles irgendwie finanziert werden. Und da ist es natürlich schwer, so eine Lohnnebenkostensenkung umzusetzen. Aber all das sind natürlich politische Priorisierungsfragen.

Es kann schon sein, dass sich die Parteien theoretisch auf eine Lohnnebenkostensenkung einigen, wenn sie das Geld irgendwo anders einsparen oder anderswo einnehmen. Und genauso kann man natürlich auch bei der Wehrpflicht einen Kompromiss machen. Aber es ist halt für eine Partei wie die NEOS keine große Hilfe, wenn da einer ihrer prominentesten Vertreter im Regierungsteam sich hinauslehnt und sagt, ja, ja, diese Lohnnebenkostensenkung ist mir eh völlig klar, die werden wir in den nächsten zwei Jahren nicht zusammenbringen, und ich bin eigentlich auch für diese Wehrpflichtverlängerung, weil das natürlich wichtig ist in diesen Verhandlungen, dass man als Partei quasi geschlossene Reihen hat und den Verhandlerinnen und Verhandlern im Parlament, in den Ministerien irgendwie den Spielraum lässt, in den Verhandlungen mal eine Maximalforderung zu stellen, und dann nicht zu sagen, naja, aber der eine von euch, der hat schon gesagt, das wird sich nicht ausgehen, also lassen wir das gleich weg. Und ich glaube, vor dem Hintergrund muss man das ein bisschen betrachten. Es ist halt verhandlungstaktisch nicht geschickt, in einer großen Fernsehsendung wie der Pressestunde rauszugehen und zu sagen, hey, okay, das wollen wir eigentlich eh nicht, oder wir wissen eh, dass das nicht realistisch ist. Wäre schön, aber wird sich nicht ausgehen. Da nimmt man quasi diesen Kompromiss in den Verhandlungen schon vorweg, und ich verstehe ehrlich gesagt, dass sich der Rest der Partei da ein bisschen auf den Schlips getreten fühlt.

Ok, und wie betrifft das uns?

Naja, noch gar nicht. Das ist jetzt eben eine Verhandlungssache. Ich würde mal sagen, dass sowohl die Lohnnebenkostensenkung in einem großen Umfang durch diese Schellhorn-Aussage nicht wahrscheinlicher geworden ist, weil natürlich, wie gesagt, in den Verhandlungen gibt man da schon ein paar Meter auf, wenn man sagt, okay, ihr glaubt es ja selber nicht einmal mehr dran, dass diese Lohnnebenkostensenkung wirklich kommen kann im nächsten Jahr, also lassen wir gleich die Verhandlungen. Ich würde sagen, die Chancen darauf sind nicht gestiegen. Jetzt kann man natürlich sagen, jetzt werden sich die NEOS-Verhandler in der Regierungskoordination hinsetzen und sagen, naja, okay, das ist halt der Schellhorn, aber das ist nicht Parteilinie – aber leichter gemacht hat es ihren Job halt nicht.

Wenn man so eine Lohnnebenkostensenkung haben will, die sehr viele von uns, alle Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer, betreffen würde – die würde uns natürlich betreffen und tatsächlich ein paar Euro mehr ins Geldbörsel bringen, oder auf der anderen Seite den Unternehmerinnen und Unternehmern helfen zu sparen, weil auch die Unternehmen zahlen die Lohnnebenkosten am Ende.

Das wäre der eine Effekt, und wie es bei der Wehrpflicht weitergeht, werden wir hoffentlich in ein paar Wochen erfahren, wenn es da eine Einigung gibt im Parlament, wie man weiter mit diesen Empfehlungen der Wehrpflichtkommission umgeht, und dann müsste das Parlament das entscheiden. Das betrifft halt vor allem die jungen österreichischen Männer, die alle zum Bundesheer müssen. Und da ist die Frage, wie lang. Und insofern betrifft uns diese Pressestunde mit Josef Schellhorn tatsächlich letzten Endes direkt: alle am Gehaltszettel und andererseits unsere Söhne – meinen Sohn –, wie lang der zum Bundesheer muss in ein paar Jahren. Das wird sich halt nicht zuletzt durch solche Verhandlungen entscheiden, und auf all das wirken sich solche Aussagen natürlich aus. Und die Frage, welche Position hat eine Partei, spielt in diese Verhandlungen hinein und kann am Ende tatsächlich das Verhandlungsergebnis ein bisschen mitprägen.

Und ist das schon fix?

Nein, fix ist das noch alles nicht. Beides – sowohl das Budget, wo potenziell so eine Lohnnebenkostensenkung drin sein könnte oder eben nicht, und ganz besonders die Wehrdienstverlängerung – sind beides Fragen, die der österreichische Nationalrat zu entscheiden hat. Schellhorn kann als Regierungspolitiker, als Staatssekretär, da eigentlich gar nicht direkt mitreden.

Entscheiden müssen das am Ende die 183 Abgeordneten, die wir im September 2024 in den Nationalrat gewählt haben, die Gesetze für ganz Österreich beschließen können, und vor allem ganz wichtig: diesen Budgetplan für ganz Österreich am Ende mit Mehrheit beschließen müssen. Das können die drei Regierungsparteien, ÖVP, SPÖ und NEOS, grundsätzlich gemeinsam, aber da kommt es eben jetzt darauf an, was die bis zum Beschluss – beim Budget ist er angesetzt für Ende Juni, Anfang Juli, bei der Wehrpflichtfrage wird es wahrscheinlich eher Herbst werden – da kommt es eben darauf an, was diese drei Parteien bis dahin ausverhandelt haben.

Und woher weißt du das eigentlich?

Die Pressestunde ist eine ORF-Sendung, ist in der Regel jeden Sonntagvormittag und ist das größte Interviewformat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Eine Stunde, bei der zwei Journalistinnen oder Journalisten immer einen prominenten Politiker in aller Regel befragen. Das Ganze kann man natürlich nachschauen, zum Beispiel in der ORF-Mediathek, und auch als Podcast nachhören, was ich besonders sympathischen Service finde. Ich verlinke euch den Pressestunde-Podcast mit Josef Schellhorn in den Shownotes.

Den Tweet von Nikolaus Scherak kann man auf X nachlesen, und die Reaktionen von zum Beispiel Douglas Hoyos stammen aus Aussendungen und Medienberichten. Auch da stelle ich euch noch ein, zwei Links in die Shownotes. Und ich kann euch ganz besonders empfehlen meinen Text über die Lohnnebenkosten, wo ich aufgegliedert habe, was das ist, wie viel der Staat dadurch verdient und ob und was es kosten würde, sie zu reduzieren. Den habe ich für die Wiener Zeitung, wz.at, geschrieben. Auch den findet ihr in den Shownotes verlinkt.

Also ist das wichtig?

Nein. Ja. Also ich meine, diese kleine Auseinandersetzung zwischen Schellhorn und seiner eigenen Partei ist eher Unterhaltungsprogramm, würde ich sagen. Aber natürlich, diese Fragen – wann und kann man die Lohnnebenkosten überhaupt senken und wie lang wird die Wehrpflicht in Österreich aufgestellt werden – sind zwei ganz, ganz zentrale, entscheidende Fragen in der österreichischen Bundespolitik, die wahrscheinlich dieses oder nächstes Jahr irgendwann entschieden werden müssen. Und das finde ich schon wichtige Themen.

Dieses Geplänkel zwischen Schellhorn und seiner Partei sollte man eben vor diesem Hintergrund sehen. Einerseits, dass man als Partei halt nicht alles durchsetzen kann, was man sich selber wünschen würde im Wahlkampf und so weiter. Und andererseits, wie man damit als Regierungspartei umgeht: Ob man so etwas auf offener Bühne sagen sollte – naja, okay, das wird es eh nicht ausgehen, also lassen wir es gleich –, oder ob man da taktieren sollte und das lieber in stillen Verhandlungskämmerchen entscheiden sollte.

Es hat beides Argumente für sich. Ich tendiere ein bisschen eher zum stillen Kämmerlein, weil Verhandlungen tatsächlich eine komplizierte Sache sind. Aber natürlich hat es für manche Leute wahrscheinlich auch was Sympathisches, wenn sich ein Regierungspolitiker einfach hinsetzt und frei vom Schnabel weg spricht, wie Schellhorn das getan hat. Ja, und so ist das halt jetzt mal.

Und das war es mit dieser Folge. „Ist das wichtig? – Politik für Einsteiger." Die Idee dieses Podcasts ist, ein Einsteigerprogramm für Menschen zu bieten, die sich zwar für Politik interessieren, aber sich nicht jeden Tag damit beschäftigen.

Ich freue mich über euer Feedback an podcast@istdaswichtig.at oder per Sprachnachricht an die WhatsApp-Nummer in den Shownotes. Und falls ihr in diesem Umfeld Werbung machen wollt, wendet euch bitte an office@missing-link.media.

Wenn ihr euch für Formate für Fortgeschrittene interessiert, möchte ich euch noch meine beiden E-Mail-Newsletter ans Herz legen: den Leitfaden, in dem ich immer dienstags aktuelle politische Themen für das Magazin Datum kommentiere, und „Einfach Politik", eine sachpolitische Analyse für die WZ, die jeden Donnerstag erscheint. Die Links zur kostenlosen Anmeldung für beide stelle ich euch in die Shownotes.

Und falls ihr mehr hören wollt: Ich gehöre auch zum Team von „Ganz offen gesagt", Österreichs bestem Gesprächspodcast für Politikinteressierte. „Ist das wichtig?" ist ein Podcast von mir, Georg Renner, in Kooperation mit Missing Link. Produziert hat uns Konstantin Kaltenegger. Die zusätzliche Audiostimme ist von Maria Renner, Logo und Design von Lilly Panholzer. Danke für Titel und Idee an Andreas Sator, Host des Podcasts „Erklär mir die Welt".

Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Adieu.

Autor:in:

Georg Renner

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