Die Dunkelkammer
„Gelöscht, vernichtet“: Ex-Verfassungsschützer Egisto Ott im Interview
- hochgeladen von Felix Keiser
Die Aufzeichnung der 320. Ausgabe der Dunkelkammer kam insofern überraschend zustande, als mein Gast eine Einladung zum Interview vor Monaten ausgeschlagen hatte. Jetzt kam er doch ins Studio – und das, obwohl der gegen ihn laufende Spionageprozess noch anhängig ist und das Erst-Urteil nicht vor dem 20. Mai fallen wird: Egisto Ott, ehemaliger Verfassungsschützer und nunmehr wegen des Verdachts illegaler nachrichtendienstlicher Tätigkeiten für Russland angeklagt. Aus gegebenem Anlass haben wir das erste große Interview Otts überhaupt auch als Film aufgezeichnet und wagen dabei etwas Neues: Diese Podcast-Episode wird weiterhin auf allen großen Podcast-Plattformen ausgespielt, das Video dazu stellen wir aber erstmals und exklusiv auf der Streaming-Plattform Joyn zur Verfügung.
Michael Nikbakhsh
Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe der Dunkelkammer. Mein Name ist Michael Nikbakhsh, und heute geht's wieder um den Spionageprozess gegen Egisto Ott und Anton H., zwei ehemalige Verfassungsschützer. Die Staatsanwaltschaft Wien wirft Egisto Ott im Wesentlichen vor, ein Handlanger russischer Agenten gewesen zu sein. Er soll für Russen jahrelang Leute bespitzelt, geheime Informationen beschafft haben, aus Datenbanken und Datenträgern verkauft haben, wobei ihm der zweite Angeklagte H. quasi zur Hand gegangen sein soll. Die Angeklagten bestreiten das beide. Der Prozess ist weit gediehen. Wir hatten bisher 11 Verhandlungstage, zwei sind vorerst noch geplant. Am 20. Mai könnte ein Urteil erster Instanz fallen. Und aus gegebenem Anlass zeichnen wir diese Episode nicht nur als Audio auf, sondern auch als Video. Und der gegebene Anlass, der sitzt mir jetzt gegenüber, hat einen Namen. Es ist Egisto Ott. Hallo, Herr Ott, danke fürs Kommen.
Egisto Ott
Danke für die Einladung.
Michael Nikbakhsh
Er hat vielleicht vorneweg: Wir sind einander bis heute niemals begegnet. Wir hatten auch sonst nie Kontakt. Können Sie das bestätigen?
Egisto Ott
Ich glaube, wir sind uns einmal begegnet, aber direkten Kontakt hatten wir nicht.
Michael Nikbakhsh
Okay, hat keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
Egisto Ott
Wie bei vielen.
Michael Nikbakhsh
Es gab im Vorfeld dieses Gesprächs auch keinerlei Bedingungen oder Absprachen mit Ihnen beziehungsweise Ihren Verteidigern, Michael Ofner und Anna Meier?
Egisto Ott
Nein.
Michael Nikbakhsh
Und Sie waren auch einverstanden, dass wir das Gespräch im Audio für eine Podcastaufzeichnung und auch als Video?
Egisto Ott
Ja.
Michael Nikbakhsh
Herr Ott, der Spionageprozess gegen Sie hat am 22.01.2026 begonnen. Ich hatte im Vorfeld in Ihrem Umfeld angeklopft und gefragt, ob ein Interview möglich wäre. Damals hat es geheißen, es sei nicht ratsam, vor Prozessbeginn öffentliche Statements abzugeben. Das passiert mir immer wieder. Was mir tatsächlich aber noch nie passiert ist, ist, dass ein Angeklagter faktisch unmittelbar vor der Urteilsverkündung ein Interview gibt. Was hat sich da geändert?
Egisto Ott
Im Wesentlichen hat sich nichts geändert. Es war nur, ich glaube, jetzt ist die Zeit, jetzt kann man sprechen.
Michael Nikbakhsh
Mir steht es als Prozessbeobachter nicht zu, den Ausgang eines Verfahrens zu prognostizieren. Das ist rechtlich sehr problematisch. Sie als Angeklagter können das natürlich. Was glauben Sie, welches Urteil erwartet Sie?
Egisto Ott
Es ist ein geschworenen Prozess, und ich will dem nicht vorgreifen.
Michael Nikbakhsh
Sind Sie guter Dinge?
Egisto Ott
Ich bin guter Dinge.
Michael Nikbakhsh
Sie haben sich zum Prozessauftakt nicht schuldig bekannt. Sie bestreiten alle Anklagevorwürfe, uns endlich zu Unrecht, ich zitiere, als Staatsfeind Nummer eins verfolgt. Bleiben Sie da dabei?
Egisto Ott
Ja.
Michael Nikbakhsh
Was bringt jetzt so der Annahme, Sie seien ein Feind des österreichischen Staates in den Augen der Staatsanwaltschaft? Ich nehme an, das ist die Adressatin dieses Vorwurfs.
Egisto Ott
Es ist nicht nur die Staatsanwaltschaft, sondern auch die Spitzen des Staatsschutzes, des damaligen, aber wie auch die jetzigen, und natürlich auch die Politik, die hohe Politik. Und wie soll ich das am besten erklären? Wie lange haben Sie Zeit?
Michael Nikbakhsh
Zeit habe ich.
Egisto Ott
Das würde aber sehr, sehr lang, also wenn ich ganz weit ausholen müsste. Aber kurz zusammengefasst kann man jetzt so sagen: Man sucht einen Schuldigen. Man braucht irgendjemanden, um von den ganzen Missständen, die im BVT, im Staatsschutz und auch im Innenministerium bestehen, bestanden und noch immer weiter bestehen. Und für das braucht man dann einen Schuldigen, da muss man jemanden durchs Dorf treiben. Sowohl Martin Weiss als auch ich als auch Anton H., wir haben uns nichts zu schulden kommen lassen.
Michael Nikbakhsh
Wir werden noch auf einzelne Vorwürfe laut der Anklageschrift eingehen. Also ich frage Sie ganz konkret: Waren oder sind Sie ein Feind des österreichischen Staates?
Egisto Ott
Nein.
Michael Nikbakhsh
Sie waren jahrelang.
Egisto Ott
Ich habe den Staat geschützt.
Michael Nikbakhsh
Sie waren jahrelang Verfassungsschützer. Wem galt Ihre Loyalität?
Egisto Ott
Meine Loyalität gehört der Republik, aber nicht einzelnen Ministern.
Michael Nikbakhsh
Was ist für Sie Loyalität?
Egisto Ott
Loyalität zum Staate, zur Republik, zur Einhaltung der Gesetze und für den Staat da zu sein. Und ich habe insgesamt zweimal einen Eid auf die Republik geleistet. Das erste Mal, wie ich den Präsenzdienst abgeleistet habe beim Bundesheer, und das zweite Mal, wie ich in die Polizei eingetreten bin. Den Eid habe ich abgeleistet, glaube ich, im Mai 1982.
Michael Nikbakhsh
Da sind Sie in den Bundesdienst fürs Innenministerium eingetreten?
Egisto Ott
Ich war im April schätze, ich bin am 1. April 1982 zur Polizei gekommen.
Michael Nikbakhsh
Laut der Staatsanwaltschaft Wien waren Sie als BVT-Beamter jedenfalls gegen Ende Ihrer Zeit dort enttäuscht, frustriert und pleite?
Egisto Ott
Nein. Ich war weder enttäuscht noch frustriert, und ich war auch nicht pleite. Das habe ich auch im Prozess auch gleich in meinem Eröffnungsstatement dem Staatsanwalt auch gesagt.
Michael Nikbakhsh
Haben Sie in Ihrer Zeit als Beamter auf Polizeidatenbanken zugegriffen, Informationen, um Informationen ohne sachliche Begründung abzuziehen und an Dritte zu verkaufen?
Egisto Ott
Nein, ich habe niemals irgendwelche Informationen verkauft. Das ist ebenfalls eine. Es ist einfach nur irgendwelche, sagt man, völlig haltlose Vermutungen. Und so zieht sich das wie ein roter Faden durch den gesamten Akt.
Michael Nikbakhsh
Der bisherige Verfahrensverlauf hat sich zumindest für mich so dargestellt. Es gibt zu allen, faktisch allen Anklagevorwürfen immer zwei Versionen. Es gibt die Version der Staatsanwaltschaft Wien, und es gibt eine in aller Regel vollkommen gegensätzliche Version, und das ist die Ihre. Wobei es am Ende immer so ist, dass all Ihre Aktionen dann so geheim waren, dass nicht mal im BVT Leute wirklich gewusst haben, was Sie da tun.
Egisto Ott
Nein, sind nicht alle Aktionen waren nicht so geheim. Nur ganz wenige waren geheim. Alles, was beispielsweise verdeckte Ermittlungen anbelangt und natürlich so Spezialoperationen, das ist oder Kooperationen mit ausländischen Diensten, mit befreundeten Diensten, die sind natürlich geheim oder streng geheim, so wie es auch die Operation Doktor war. Und über die Kooperationen selbst darf ich gar nicht reden, weil der Einzige, der mich auch von dem her, wie sagt man, von der Amtsverschwiegenheit befreien könnte, ist auch nicht einmal der österreichische Staat, sondern nur der befreundete Dienst. Aber über diese Operation Doktor wissen zumindest in Österreich noch zwei Personen. Das war der damalige stellvertretende Direktor und der Abteilungsleiter.
Michael Nikbakhsh
Der damalige stellvertretende Direktor ist Wolfgang Chorherr.
Egisto Ott
Genau.
Michael Nikbakhsh
Und der damalige Abteilungsleiter ist Martin Weiss.
Egisto Ott
Martin Weiss.
Michael Nikbakhsh
Die Operation Doktor spielt eine zentrale Rolle in diesem Verfahren. Da geht es um das Hinterherschnüffeln hinter einem abtrünnigen russischen Agenten, der für den Kreml von Interesse war, ein Herr S., der sich in den Westen abgesetzt hatte. Zu diesem Mann haben Sie, das glaube ich, haben Sie zugegeben, Informationen beschafft. Die Frage ist nur, für wen Sie diese Informationen beschafft haben.
Egisto Ott
Für den befreundeten Dienst. Im Sinne dieser Kooperation.
Michael Nikbakhsh
Das heißt, der Unterschied, der sich hier ergibt, ist nur für die Russen wäre es nicht in Ordnung gewesen und für einen westlichen Dienst schon?
Egisto Ott
Da stellt sich die Frage. Also mit westlichen Diensten kooperieren wir teilweise. Wir haben auch irgendwann in der Zeit, da war ich im Ausland, da haben wir auch mit Russland ganz eng kooperiert. Da war sogar irgendwann einmal, was ich mitbekommen habe, da war ich zu der Zeit, war ich in Rom, das heißt in den 2000er Jahren, da war sogar im Gespräch, dass ein russischer Verbindungsoffizier, glaube ich, vom FSB sogar ein Büro im damaligen BVT bekommt. Also wir haben auch zu gewissen Zeiten immer wieder dann auch mit denen kooperiert.
Michael Nikbakhsh
Aber Sie, haben Sie mit denen kooperiert?
Egisto Ott
Nein, ich nicht.
Michael Nikbakhsh
Wolfgang Zöhrer, als Ihr ehemaliger Vorgesetzter, hat jede Kenntnis von der Operation Doktor in Abrede gestellt. Er hat gesagt, er kannte diese nicht.
Egisto Ott
Ja, er hat auch schon vorher, also ich sage jetzt einmal ganz vorsichtig, er spricht hier die Unwahrheit, weil er hat sehr wohl, von ihm ist diese Operation ausgegangen und ich habe von ihm den Auftrag bekommen. Und er hat auch in einem anderen Verfahren, in dem sogenannten BVT-Verfahren beziehungsweise in dem Verfahren mit dem syrischen Foltergeneral, da hat er auch falsch ausgesagt, weil er hat auch gesagt, die Kooperation ist nicht von ihm ausgegangen, der hat das gar nicht gewusst und hin und her.
Egisto Ott
Aber das BAK und die beziehungsweise die WKSTA hat das sehr, sehr genau herausgearbeitet gehabt und ganz am Anfang vom Akt und dass er sehr wohl das Ganze gehabt hat. Das heißt, er hat ja als Zeuge die Unwahrheit gesagt.
Michael Nikbakhsh
Und Sie werfen.
Egisto Ott
Und in dem Fall jetzt bei mir hat er ebenfalls die Unwahrheit gesagt. Das ist das zweite Mal.
Michael Nikbakhsh
Das heißt, Sie wollen sagen, dass der Zeuge Chorherr unter Wahrheitspflicht im Zeugenstand in Ihrem Schwurgerichtsverfahren die Unwahrheit gesagt hat?
Egisto Ott
Ja.
Michael Nikbakhsh
Was Sie weiters vorbringen, also nochmal, Wolfgang Chorherr hat bestritten, von dieser Operation Kenntnis zu haben. Es gibt, soweit ich weiß, tatsächlich nur eine Person, von der es heißt, sie habe Kenntnis dieser Operation gehabt. Das ist Ihr ehemaliger direkter Vorgesetzter Martin Weiss.
Egisto Ott
Ja, das gibt es im befreundeten Dienst.
Michael Nikbakhsh
Das behaupten Sie?
Egisto Ott
Das behaupte ich nicht. Das ist so.
Michael Nikbakhsh
Der befreundete Dienst ist bisher nicht in Erscheinung getreten.
Egisto Ott
Nein, ich darf ihn nicht nennen. Ich darf ihn nicht nennen. Ich darf nicht einmal den Dienst nennen.
Michael Nikbakhsh
Warum haben Sie sich von dem befreundeten Dienst nicht von der Amtsverschwiegenheit entbinden lassen?
Egisto Ott
Das ist einfach im Geheimdienstmilieu passiert das nicht. Also die wollen nicht irgendwo sich in einem Verfahren auftauchen.
Michael Nikbakhsh
Das heißt, Sie riskieren jetzt eine strafrechtliche Verurteilung, weil Sie den Namen eines Dienstes nicht nennen wollen?
Egisto Ott
Nicht nennen wollen. Ich darf es nicht. Wenn ich das nenne, und zwar ist das genau geregelt im Polizeikooperationsgesetz, und zwar in § 12, wenn ich das auch sagen würde, dann riskiere ich wirklich den Verrat von einem Staatsgeheimnis. Und dann bin ich sozusagen, dann kann man mich anklagen wegen Verrats von Staatsgeheimnissen. Zu Recht. Nicht so, wie es bisher war.
Michael Nikbakhsh
Aber Sie sind wegen des Verrats von Geheimnissen angeklagt?
Egisto Ott
Verrat von Amtsgeheimnissen. Das ist ein Unterschied. Ursprünglich die erste Anzeige, wenn wir zurückgehen zum Aktenbeginn, so im Jahr 2017, November 2017, da hat mich der damalige Direktor des BVT, der Dr. Magister Peter Griedling, bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Und hat mich angezeigt wegen Verrats von Staatsgeheimnissen nach § 252 StGB und dann wegen geheimem Nachrichtendienst zum Nachteil Österreichs. Aber was er nicht angezeigt hat, was ja normal ist, und er ist aber ausgebildeter Jurist und ich bin hier Beamter, wenn ich einen Beamten wegen Verrats von Staatsgeheimnissen und geheimem Nachrichtendienst zum Nachteil Österreichs, ist automatisch auch der Verdacht da, dass er einen Amtsmissbrauch begangen hat. Das hat er bewusst nicht angezeigt. Nicht weil er es nicht war, sondern bewusst, wissentlich. Und warum? Weil die ersten Ermittlungen das Bundeskriminalamt damals geführt hat, die Vorläufer von der AG Pharma. Hätte er mich angezeigt, auch schon damals, wenn ich im Betreff oder irgendwo drinnen gestanden wäre, Amtsmissbrauch, dann wäre automatisch das BAK mit den Ermittlungen zuständig gewesen. Und da wären die Ermittlungen auch anders gelaufen, weil auch das BAK hat zweimal oder insgesamt ist dreimal haben die das geschrieben, dass an diesen Vorwürfen nichts dran sind. Und letztendlich nach mehreren Jahren, nach vier oder fünf Jahren, das Verfahren läuft ja jetzt dann schon seit, jetzt kann man sagen, neun Jahre, hat auch das Oberlandesgericht auf Antrag von mir, dass das eingestellt wird, 252 Verrat von Staatsgeheimnissen, ist dann auch zur Erkenntnis gekommen und hat dann diesen Vorwurf eingestellt. Und warum, das muss man zwischen den Zeilen lesen, ganz kurz zusammengefasst, es beruht alles nur auf blödem, haltlosem Gerede des ehemaligen Direktors des BVT. Das schreibt das Oberlandesgericht Wien in den Beschluss.
Michael Nikbakhsh
Das Verfahren, um das es jetzt geht, das Verfahren, bei dem Sie unter Anklage stehen.
Egisto Ott
Das eine wurde nur eingestellt. Es wurde ein Faktum eingestellt, aber das andere, die anderen Vorwürfe sind ja alle jetzt in dem Verfahren weiter. Das läuft ja alles in dem Verfahren. Das ist ja das Grundverfahren. Und es wurde nur das eine. Nur das Faktum ist das, Verrat von Staatsgeheimnissen ist eine Strafdauer da oben von ein bis zehn Jahren. Der Griedling, das behaupte ich jetzt einmal, der hat den § nie durchgelesen und auch nicht die Erläuterungen. Und das ist ja etwas, was mich jetzt erschüttert und was an diesem Verfahren, das jetzt dann seit neun Jahren läuft, und da sind solche Mängel und niemand ist in der Lage oder ganz, ganz wenige, einmal den Akt einmal wirklich zwischen den Zeilen zu lesen und von Beginn an zu lesen. Das strotzt ja nur so von Fehlern. Insbesondere durch die Ermittlungsbehörde.
Michael Nikbakhsh
Es steht Ihnen vollkommen frei, das zu sagen. Ich kann Ihnen nur sagen, als Prozessbeobachter, Sie haben so gut wie nie plausible Erklärungen angeboten für die Vorwürfe, die Ihnen angelastet werden. Sie sagen einfach, das ist geheim, das war ein anderer Dienst, darüber kann ich nicht sprechen, ich habe Amtsverschwiegenheit.
Egisto Ott
Ja, ich bin auch nicht entbunden von Amtsverschwiegenheit. Alles, was mit dem BVT zusammen hat, bin ich nicht entbunden.
Michael Nikbakhsh
Haben Sie den ausländischen Dienst, den Sie hier vorbringen, oder den früheren Dienstgeber jemals darum ersucht, von der Amtsverschwiegenheit entbunden zu werden?
Egisto Ott
Den früheren Dienstgeber, das ist nach wie vor der Dienstgeber, das ist das BMI, habe ich ersucht, das Ganze in Verbindung, habe auch darauf hingewiesen, auf diese Umstände, und ich wurde dem nicht entbunden.
Michael Nikbakhsh
Vom BVT?
Egisto Ott
Genau.
Michael Nikbakhsh
Beziehungsweise vom Innenministerium?
Egisto Ott
Genau.
Michael Nikbakhsh
Und was den ausländischen Dienst betrifft?
Egisto Ott
Darüber darf ich nichts sagen.
Michael Nikbakhsh
Also Sie dürfen nicht einmal sagen, ob Sie dort um die Aufhebung einer Amtsverschwiegenheit ersucht hätten?
Egisto Ott
Ich darf, das würde dann schon wieder zu weit gehen.
Michael Nikbakhsh
Also dass ich Ihnen da nicht folgen kann, werden Sie bitte verstehen?
Egisto Ott
Ich verstehe das.
Michael Nikbakhsh
Also die Frage, ja, ich habe mich dorthin gewandt und gefragt, kann ich über euch sprechen?
Egisto Ott
Ich, das sage ich lieber nichts. Da sage ich lieber nichts dazu.
Michael Nikbakhsh
Martin Weiss hat sich der bisherigen Strafverfolgung entzogen. Wissen Sie, wo er ist?
Egisto Ott
Solange bleibe ich in Dubai sein.
Michael Nikbakhsh
Aber Sie haben Kontakt zu ihm?
Egisto Ott
Warum?
Michael Nikbakhsh
Er hat Ihnen eine eidesstattliche Erklärung übermittelt für das Verfahren?
Egisto Ott
Nein, die hat er meinem Anwalt übermittelt.
Michael Nikbakhsh
Dann hat Ihr Anwalt Kontakt zu ihm?
Egisto Ott
Das war der Anwalt, der Anwalt, der in anderen Verfahren für mich tätig ist.
Michael Nikbakhsh
Also Martin Weiss hat eine schriftliche Erklärung abgegeben, dass es diese Operation Doktor gegeben hat und dass Sie im Rahmen der Operation Doktor tätig gewesen seien. Trifft das zu? Ganz grundsätzlich, soll ich jetzt zum Beispiel Martin Weiss für glaubwürdig halten?
Egisto Ott
Ich kann in Sie nicht hineinsehen, was Sie für glaubwürdig halten und was nicht.
Michael Nikbakhsh
Glauben Sie, dass Martin Weiss glaubwürdig ist?
Egisto Ott
Ja.
Michael Nikbakhsh
Das heißt, das, was Martin Weiss sagt, das stimmt?
Egisto Ott
Ja.
Michael Nikbakhsh
Ich frage Sie das deshalb, weil Martin Weiss hat vor einigen Jahren, 2021, ausgesagt gegenüber der AG Pharma, also Polizisten, die hier ermittelt haben, er habe im Auftrag von Jan Marsalek bei Ihnen Abfragen zu mehreren Personen bestellt und Ihnen dafür 6000 Euro gezahlt.
Egisto Ott
Das stimmt nicht.
Michael Nikbakhsh
Das hat er aber ausgesagt?
Egisto Ott
Nein, da müssen Sie genau lesen. Er hat mir gesagt, er hat gesagt, also beziehungsweise nicht die 6000 Euro, er hat mir einen Kredit gewährt, das ist dreimal 2000 Euro. Aber das hat nichts mit den Abfragen zu tun. Und das ist einfach nur ein Schluss, das Ganze. Die Staatsanwaltschaft, die Polizei schreibt das dann sofort, hat das dann, man muss einfach die Aussagen und auch die Einvernahmen genau lesen.
Michael Nikbakhsh
Ich habe eine Frage. Ich lese es Ihnen jetzt einfach vor. "Jan Marsalek und ich haben uns öfter unterhalten, wie es zu Abklärungen von Personen kommt. Er hat mich natürlich auch befragt, wie man zu konkreteren Infos kommt. Ich war damals nicht mehr beim BVT und hatte keinen direkten Zugang zu Daten. In solchen Fällen bin ich dann zu Egisto Ott gegangen. Das Ganze hat Anfang 2018 begonnen. Er ist ein Freund, also Egisto Ott ist ein Freund und ehemaliger Mitarbeiter aus dem BVT. Ich habe sehr engen Kontakt zu ihm, manchmal sind einfach Namen aufgeschlagen. Es war interessant im Zusammenhang, naja, ich kann es einfach nicht sagen, warum. Jan Marsalek wollte es einfach wissen. Ich habe mit Marsalek oft gesprochen, was international so eine Abfrage wert wäre. Marsalek gab an, er schätze, die seien immer so circa 1500 Euro wert. Und dann sagt er noch, ich habe halt dann Egisto eine Liste von circa zehn Personen per Internettelefonie übermittelt. Marsalek hat die Liste mit dem Computer geschrieben und ausgedruckt. Ich habe den Zettel fotografiert und das Bild weitergeleitet. Manchmal waren es auch Einzelpersonen. Meist waren es Männer mit ausländischen Namen. Ich habe in den meisten Fällen nur den Namen bekommen. Insgesamt kann man sagen, ich habe im Zeitraum von Ende 2018 bis Ende 2020 Egisto um circa 25 Abfragen in Polizeidatenbanken gebeten. Ich habe nie direkt bezahlt. Als Gegenleistung habe ich Egisto bei seinen Kreditzahlungen geholfen. Er kam halt, wenn er kein Geld hatte. Ich habe Egisto dreimal ausgeholfen. Insgesamt habe ich ihm circa 6000 Euro gegeben. Für mich ist das schon sehr deutlich".
Egisto Ott
Das müssen Sie ein bisschen deutlicher. Wenn Sie es genau lesen, ist es nicht sehr deutlich. Es ist nicht so, dass er mir das jetzt gegeben hat, sondern es war Privatkredit. Müssen Sie auch die andere Einvernahme lesen? Es gibt noch eine Einvernahme.
Michael Nikbakhsh
Er sagt, in dieser Einvernahme hat Ihnen eine Liste übermittelt, die Marsalek gegeben hat.
Egisto Ott
Sie müssen auch, erstmal weiß ich nicht, ob er das von Marsalek, mir hat er das nie gesagt, dass das von Marsalek ist. Zweitens waren da diese Abfragen, das Ganze waren keine Abfragen in Polizeidatenbanken, sondern das waren, na, wie sage ich es schnell, das waren Ermittlungen im Internet.
Michael Nikbakhsh
Also in öffentlich zugänglichen Datenbanken?
Egisto Ott
Open Source, genau.
Michael Nikbakhsh
Also Martin Weiss kann nicht unterscheiden zwischen Open Source und Polizeidatenbanken?
Egisto Ott
Sie müssen jetzt dann auch eines bedenken, wie es zu dieser Einvernahme irgendwo gekommen ist. Da war keine Anwältin dabei. Da haben Sie die Anwältin, er wurde bedroht. Man hat ihm damals gedroht, wenn er den Anwalt dabei haben will, dann geht er in U-Haft. Und er wurde auch unter das, was er mir gesagt hat damals, er wurde dann auch unter Drogen gesetzt.
Michael Nikbakhsh
Von wem wurde er unter Drogen gesetzt?
Egisto Ott
Von wem? Also vom Straßenkehrer sicher nicht.
Michael Nikbakhsh
Von den einvernehmenden Beamten. Also die Beamten der AG Pharma haben Martin Weiss Drogen gegeben, damit er im Drogenrausch eine für sie belastende Aussage?
Egisto Ott
Nicht im Drogenrausch, aber es gibt irgendwelche, wie heißt es, sagt so eine, es wurden ihm Drogen verabreicht, ja.
Michael Nikbakhsh
Um seine Aussage in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen?
Egisto Ott
In eine bestimmte Richtung zu lenken, ja.
Michael Nikbakhsh
Aber er hat Ihnen es schon klar, wenn man das so zusammenfasst, das Außenstehende, also ich beobachte das jetzt.
Egisto Ott
Ich sage nur das, was er mir gesagt hat. Leute sagen falsch aus, entweder weil sie es vorsätzlich machen, wie der Wolfgang Söhrer, oder sie sagen falsch aus, weil sie unter Drogen gesetzt wurden. Und das Einzige, was dann stimmt, ist, dass es diese Operation Doktor, wie Martin Weiss sie bestätigt hat, gibt, weil er sagt, dass es sie gegeben hat. Fällt Ihnen schon auf, dass das gewisse Schwächen hat, argumentativ? Für mich hat das keine Schwächen, weil es die Operation, schauen Sie, was hat es für einen Grund gehabt und warum, wenn ich das alles illegal jetzt gemacht hätte? Was hat das da für einen Grund, dass ich mir diese ganzen, die Abfragen in der Operation Doktor abspeichere, sowohl abspeichere im elektronischen System, in meinem, im dienstlichen Arbeitskomputer, in einen eigenen Ordner, und zweitens, dass ich noch einmal alles ausdrucke, auch in Papierform alles ablege?
Michael Nikbakhsh
Naja, irgendwo muss man es, naja, Sie haben ja die Informationen beschafft, irgendwo muss man sie ja ablegen, bevor man sie vernichtet.
Egisto Ott
Wieso hätte ich sie vernichten können? Wieso weiter? Ich hätte sie ja vernichten können.
Michael Nikbakhsh
Ich weiß nicht, warum Sie es nicht vernichtet haben.
Egisto Ott
Das hätte ich gar nicht abspeichern sollen. Also dann hätte ich sie gar nicht abgespeichert. Nein, ich habe sie ja genau vorschriftsmäßig vorgegangen, indem ich diese Dinge aufbewahrt habe, abgespeichert habe in eigenen Ordnern und das aufbewahre für eventuelle Kontrollen für circa drei Jahre.
Michael Nikbakhsh
Sie haben mehr als einmal, um Akten anzulegen, haben Sie sich quasi in Verfahren eingemietet, die Kollegen geführt haben im BVT, haben deren Aktenzahlen verwendet, unter anderem Abklärungen.
Egisto Ott
Das ist gängige Praxis.
Michael Nikbakhsh
Betreffende Kollegen im BVT haben das bestritten, soweit ich mich erinnern kann, im Prozess.
Egisto Ott
Nicht jeder, er hat gesagt, nicht jeder. Es haben andere, die ausgesagt, auch der ehemalige stellvertretende Abteilungsleiter hat ausgesagt, dass über die Arbeitsweise, das Ganze wie alles irgendwo funktioniert, dass man darüber nicht so genaue Kenntnis hat und dass das auch sehr wohl rechtens ist.
Michael Nikbakhsh
Herr Ott, ich verstehe überhaupt nicht, wer Ihre Arbeit kontrolliert hat. Wem gegenüber waren Sie rechenschaftspflichtig und gerichtspflichtig, wenn das alles so geheim war?
Egisto Ott
Dem zum Beispiel, der jetzt kontrolliert, das wäre gewesen, also der Referatsleiter. Auch um, da kann ich auch noch etwas dazu sagen. Ich glaube sogar, im Jahr 2016 oder auch 2017 wurde ich einer so einer Kontrolle unterzogen, wo meine Abfragen kontrolliert wurden. Und da ist alles für richtig befunden worden. Da werden stichprobenartig herausgenommen und du musst dann erklären, zu was du das alles gebraucht hast.
Michael Nikbakhsh
Die Abfragen, die Ihnen jetzt angelastet werden, die wurden damals alle untersucht und für richtig befunden?
Egisto Ott
Das glaube ich nicht. Ich kann mich nicht mehr erinnern, was da war. Den Bericht müsste eben der Referatsleiter Meiss haben. Der hat ja das damals gemacht.
Michael Nikbakhsh
Wann sind Sie Jan Marsalek das erste Mal begegnet und wo?
Egisto Ott
Wann war das? Es war, war jetzt noch 2018, 2019 oder 2020. Insgesamt bin ich, ich war zweimal oder dreimal war ich draußen in dieser Villa.
Michael Nikbakhsh
In München in der Prinzregentenstraße, die geheime Kommandozentrale, wie wir.
Egisto Ott
Das sagen die Medien, eine geheime Kommandozentrale. Also es ist genauso, die Medien sagen alle, der Meiss Martin war die rechte Hand von Marsalek und der ist der Sicherheitschef gewesen. Das ist ein vollkommener Blödsinn. Der Martin war Freelancer, hat gearbeitet für diese IMS Capital und das ist eine Firma gewesen, die Start-up-Unternehmen ausgesucht haben und dann betreut haben. Und für die hat er gearbeitet und nichts anderes. Ja.
Michael Nikbakhsh
Das stimmt nicht. Martin Weiss selber hat seine Tätigkeit für Jan Marsalek einbekannt, in Einvernahmen, ob das jetzt ein Sicherheitsberater war oder einfach nur ein Berater, aber er hat ihm zugearbeitet. Sie sagen nein.
Egisto Ott
Ja, ich sage und ich sage auch nein.
Michael Nikbakhsh
Und Sie meinen auch, rund um Martin Weiss war diesbezüglich alles in Ordnung, wieso entzieht er sich der Strafverfolgung, wenn er eh nichts zu befürchten hätte, weil er nichts angestellt hat?
Egisto Ott
Das müssen Sie ihn fragen.
Michael Nikbakhsh
Kann ich schwer, er reagiert ja nicht.
Egisto Ott
Ja, aber warum fragen Sie mich? Also wie.
Michael Nikbakhsh
Ich habe ja schon gedacht, Sie wüssten es vielleicht.
Egisto Ott
Ich kann ja auch nicht für Sie antworten.
Michael Nikbakhsh
Auf wessen Vermittlung hin ist dieses Treffen oder sind die Treffen mit Jan Marsalek zustande gekommen? Wieso haben Sie denn überhaupt kennengelernt?
Egisto Ott
Nein, ich habe, es ist nicht das Treffen mit Jan Marsalek gewesen, sondern Martin Weiss hat mich damals gefragt, ob ich nicht, ob ich ihm behilflich sein könnte für den Aufbau eines abhörsicheren Raumes. Und da hat er mir Fotos geschickt und auf die Fotos habe ich dann nichts erkennen können und da haben wir gesagt, okay, nein, das muss ich mir anschauen, ich muss das selber sehen. Dann habe ich mir freigenommen, habe Urlaub genommen und bin hinausgefahren nach München, habe mir das angeschaut und ich war erschüttert, weil das Ganze war in die Villa, also die Villa ist sehr, sehr schön gewesen, also top renoviert in einem super Zustand und im zweiten Stock hat man ihm einen Raum in Raum gemacht. Und wie ich das gesehen habe, habe ich gesagt, du, ein abhörsicherer Raum, der gehört einmal nicht in den zweiten Stock, sondern der gehört in den zweiten Keller hinunter. Und dort oben ist ein falscher, ja, und den hat, wer hat das gemacht? Also es wurden schon Vorarbeiten geleistet. Ja, die Arbeiten hat gemacht der Hausmeister dort, der für diese Villa zuständig war, der Hausmeister, der hat das gemacht, ein aus dem, ich sage aus dem Balkanbereich stammender, in München lebender Mann. Und der hat einen, wie gesagt, einen Raum in Raum in Trockenbauweise gemacht und hat dann letztendlich, weil ich bin dann auch zweites Mal rausgefahren mit einem Techniker, der sich das dann angeschaut hat und dann noch ein drittes Mal war er dann noch da, da war auch der Techniker mit und dann auch Handwerker, die das als Elektriker und Trockenbauer, weil wir haben gesagt, okay, im Keller können wir es jetzt nicht machen, wir müssen das Beste jetzt aus dem Raum machen. Und was war der Ausgangspunkt? Das war, wie gesagt, also mit Rigipswände war er aufgezogen und innen und außen hat der Spezialist, dieser Hausmeister, das mit einer Alufolie vom Baumarkt, das so wie die Küchenalufolie ist, was man im Küchenbereich verwendet, tapeziert, innen und außen. Der Techniker hat dann festgestellt, hat gesagt, der hat jetzt nicht einen abhörsicheren Raum gemacht, sondern er hat einen Senderraum gemacht. Also der hat, da drin hast du das Beste Empfang gehabt, wo du draußen nichts so einen guten Empfang gehabt hast wie ein Handy, da drin hast du den besten Empfang gehabt. Und noch dazu ist er hergegangen und hat die Erdung angeschlossen an die alten Heizkörper, die, was man als alte Häuser kennt, aus alten Villen, und dort, das war eine Lebensgefährlich, war das.
Michael Nikbakhsh
Sie waren dreimal in München, Inneneinrichtungsberatungsleistungen zu erbringen. Warum haben Sie das gemacht?
Egisto Ott
Ja, als Freundschaftsdienst.
Michael Nikbakhsh
Wem gegenüber?
Egisto Ott
Gegenüber dem Martin.
Michael Nikbakhsh
Also Martin Weiss sagt Ihnen, fahr mal nach München, schau dir das an und fahr einfach noch zweimal hin. Haben Sie da Geld verlangt?
Egisto Ott
Nein. Ich habe weder eines verlangt, noch etwas bekommen.
Michael Nikbakhsh
Und das sind die einzigen Tätigkeiten gewesen, die Sie für Jan Marsalek quasi erbracht haben?
Egisto Ott
Dort habe ich, im Rande das Ganze, wie ich dort war, weil Martin hat mir das alles gezeigt und hat mir dann auch den Jan Marsalek vorgestellt. Das waren jeweils, den habe ich gesehen, 10 Minuten, 15 Minuten jeweils. Nicht länger.
Michael Nikbakhsh
Wussten Sie, dass Jan Marsalek damals schon für Russen gearbeitet hat?
Egisto Ott
Nein. Ich weiß es auch heute nicht.
Michael Nikbakhsh
Es ist für Sie nicht erwiesen, dass Jan Marsalek?
Egisto Ott
Nein. Nein.
Michael Nikbakhsh
Haben Sie eine Erklärung dafür, wie Jan Marsalek unbeschadet nach Russland kommen konnte, bis heute unbeschadet in Russland lebt und dort auch arbeitet?
Egisto Ott
Sie sagen, er lebt in Russland. Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht, wo er lebt. Und ob er dort ist oder nicht, ob er für Russland gearbeitet hat, es sagen die Journalisten, sagen das alle, ja. Die wollen das alle, für die Journalisten, insbesondere natürlich SPIEGEL, PROFIL natürlich, wo sie auch früher einmal tätig waren. Für die ist es natürlich interessant, eine tolle Story und auch für die ganzen anderen Medien. Und Ott weiß, das sind natürlich die, die müssen schuldig sein.
Michael Nikbakhsh
Nein, Herr Ott, die müssen nicht schuldig sein. Es gibt schlicht und einfach Anklagevorwürfe gegen Sie und ein rechtsstaatliches Verfahren, das jetzt einem Urteil entgegensteht.
Egisto Ott
Ja, das Verfahren, also ich sage jetzt ja nicht, also seitens des Richters, aber seitens der Anklagebehörde, also das Verfahren ist alles anderes wie fair. Wir befinden uns ja nicht jetzt in einer im Gerichtsverfahren, jetzt eigentlich geht es schon zum Ende. Nein, wir sind immer noch im Ermittlungsverfahren. Wir andauernd werden irgendwelche Sachen vorbereiten, wir können es nicht einmal gescheit vorbereiten. Irgendetwas wird zusammen, irgendwas wird nachgeliefert, irgendwas kommt, es kommt aus England, es kommt von dort her, es kommen irgendwelche Chats, werden irgendwas geliefert. Wir können die Plausibilität nicht einmal erklären. Es fehlen, dann gibt es Übersetzungen, die haben jahrelang Zeit gehabt, dann werden jetzt Übersetzungen gemacht. In Österreich ist immer noch die Amtssprache Deutsch, nicht Englisch. Da wird irgendwas vorgelegt, da wird irgendwas gemacht, dann sind die Übersetzungen falsch. Dann bei den Videoeinvernahmen mit Zeugen, also wo, ich will jetzt ja nicht aufs Englische sagen, ob da jetzt was falsch übersetzt wurde, aber es ist teilweise, wir finden Fehler drin, es sind viele Fehler, aber im Italienischen kann ich eines sagen, die Dolmetscherin, die hat sowohl schriftlich falsch übersetzt als auch bei der Videoeinvernahme von dem Zeugen aus Italien. Das habe ich erklärt, ich habe es auch schriftlich belegt. Ich habe es mit dem Wörterbuch Rechtsitalienisch alles belegt, ich habe es aus dem Internet heraus, habe es belegt. Und dann habe ich den Richter auch darauf aufmerksam gemacht, dass die Dolmetscherin auf einmal die Einvernahme führt, die hat ja nicht übersetzt, was der Richter gesagt hat, was ihre Aufgabe ist, sondern sie hat selbst irgendwo eine Einvernahme durchgeführt von dem Zeugen. Das ist ja nicht die Aufgabe. Und sie hat dann bewusst Dinge, die auch mich entlasten oder die irgendwo in einem besseren Licht stehen, hat sie bewusst weggelassen. Ich habe sie ja auf den Kopf angesprochen, habe ich dann immer, habe ich dann auch Einwände eingebracht. Nein, ich weiß, das wollen wir nicht hören. Oder nehmen wir den einen.
Michael Nikbakhsh
Nehmen Sie so, wie Sie sind, und ich höre auf das, was Sie sagen, das heisst ja nicht, dass ich Ihnen glauben muss.
Egisto Ott
Nein, nehmen wir den einen Vorwurf, das Ganze mit Christoph Chorherr, das Ganze mit der Meldeabfrage.
Michael Nikbakhsh
Steht als Nächstes, darf ich es kurz einleiten, das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen. Sie haben sich im März 2021 im Meldeamt in Spital an der Drau die damalige Wiener Meldeadresse des kremlkritischen Journalisten Christoph Grosseff besorgt, bei dem später dann auch eingebrochen wurde. Die Staatsanwaltschaft Wien sagt, Sie hätten die Adresse damals im alleinigen Interesse des russischen Nachrichtendienstes eingeholt. Was sagen Sie?
Egisto Ott
Die Staatsanwaltschaft Wien sagt viel, wenn ein Tag lang ist, und viel Blödsinn. Ja, und das habe ich auch damals schon gesagt. Und das Ganze, ich habe das nicht irgendwo das geholt, sondern der einzige Grund, warum wir das geholt haben, war, weil wir eben mit dem Christoph Grosseff reden wollten, das Ganze unter dem, die aus unserer Sicht, unsere Sicht der Dinge zu erklären.
Michael Nikbakhsh
Langsam. Was bekommt man, wenn man eine Meldeauskunft einholt?
Egisto Ott
Die Meldeadresse.
Michael Nikbakhsh
Okay. Sie wollten also mit Christoph Grozev in Kontakt treten, wollten Sie ihm einen Brief schreiben?
Egisto Ott
Nein, wir werden hingehen, zuerst einen Brief schreiben und dann hingehen. Wir anleiten.
Michael Nikbakhsh
Sie hätten auch einfach online auf der Plattform Bellingcat nach einer Kontaktadresse suchen können.
Egisto Ott
Das hat auch die Staatsanwältin hat das gesagt oder der Staatsanwalt hat das auch vorgetragen, das Ganze als Beweis. Das Ganze wollte er ja dann auch als Beweismittel, den Wikipedia-Eintrag vorlesen und auch die vorlesen lassen, die ganzen Adressen von, die Online-Adressen von Grosseff. Und daraufhin habe ich erwidert, wenn ich jetzt von Villach nach Wien fahre, muss ich jetzt immer mit dem Zug von Villach nach Klagenfurt, Graz und Wien fahren oder kann ich über Innsbruck, München oder das Ganze auch nach Wien fahren? Das ist meine Antwort dazu.
Michael Nikbakhsh
Verstehe ich nicht.
Egisto Ott
Warum nicht? Na, muss ich immer den Weg gehen, wo es anderen geht oder kann ich was anderes auch? Kann ich was selbstständig, bin ich verpflichtet, auf das zu gehen oder kann ich nicht auch irgendwo selber hergehen, zu sagen, okay, nein, ich mache eine Meldeausfrage, die darf jeder nach Paragraph 16 des Meldegesetzes, jeder kann hingehen, die Adresse war nicht gesperrt, auch habe ich keine Kokade vorgelegt, das ist nachweislich, habe ich die Kokade 2017 abgegeben. Konnte gar keine haben. Dienstausweis habe ich auch keinen vorgelegt, habe ich auch keinen gehabt, weil der wurde, den habe ich 2021 abgegeben. Habe ich keinen gehabt. Und es hat sich dann herausgestellt, weil ich wurde ja angeklagt, oder bin ja angeklagt, auch wegen schwerem Betrug, weil ich hätte den Staat um 3,40 Euro betrogen. Und dann habe ich vorgelegt, die Rechnung. Und auf einmal das große Raunen, das Ganze, die Staatsanwaltschaft hat mich dann gefragt, das hätten Sie ja vorher schon uns sagen können. Ich sage, ist es meine Aufgabe, das Ganze ist es ständig meine Aufgabe, mich frei zu beweisen oder ist es nicht Aufgabe der Staatsanwaltschaft, mir meine Schuld zu beweisen und ein richtiges Verfahren zu führen, ein korrektes Verfahren?
Michael Nikbakhsh
Also gut, Sie beschaffen sich die Meldeadresse, um persönlich bei jemandem vorbeizuschauen. Sie haben aber persönlich nie bei Christoph Grosseff vorbeigeschaut.
Egisto Ott
Nein, es ist noch nicht der Zeitpunkt gewesen. Das war ja dann noch, das war mit Martin abgesprochen. Wir hätten dann auch noch mit Martin gemeinsam einen Termin irgendwo gefunden, wo wir noch vorbeigeschaut hätten.
Michael Nikbakhsh
Und was hätten Sie mir erzählen wollen oder was hätten Sie von Grozev wissen wollen?
Egisto Ott
Nicht von Grozev wissen, weil wir hätten ihm unseren Stand der Dinge gebracht.
Michael Nikbakhsh
Welchen Stand der Dinge?
Egisto Ott
Aus den ganzen Verfahren heraus. Dass da ein anderer Spin, einmal medialer Spin hineinkommt. Vielleicht hätte er das irgendwann gemacht. Weil er natürlich auch das mit Bellingcatten, wo man ja dann, wo man ja weiß und das wusste, dass er natürlich auch gerade gegen Russland ist. Deswegen kommen wir, dass er dann das bringt.
Michael Nikbakhsh
Also Sie wollten Christoph Grozev gegenüber das Amtsgeheimnis verletzen, indem Sie ihm interner verraten?
Egisto Ott
Wieso das Amtsgeheimnis? Es ist ein Verfahren. Da kann ich kein Amtsgeheimnis mehr verletzen.
Michael Nikbakhsh
Sie wollten die Ermittlungen gegen Sie problematisieren bei ihm oder was wollten Sie genau?
Egisto Ott
Unsere Sicht der Dinge erklären.
Michael Nikbakhsh
Welche Sicht der Dinge? auf was genau?
Egisto Ott
Unsere Sicht der Dinge aus diesen ganzen Verfahren und aus den Vorwürfen uns gegenüber. Und es hat ja einen, es gibt ja eine mediale Hetze gegen uns, die ist ja beispiellos in der Zweiten Republik. Insbesondere natürlich auch gegen mich. natürlich auch gegen mich.
Michael Nikbakhsh
Also ich kann das mit der Hetze jetzt nicht quantifizieren. Ich weiß nicht, ab wann Sie von Hetze sprechen. Sie sind nun mal im Zentrum eines aufsehenerregenden Verfahrens, das Spionagevorwürfe beinhaltet.
Egisto Ott
Die absolut haltlos sind.
Michael Nikbakhsh
Das sagen Sie. Das wird am Ende natürlich ein ordentliches Gericht zu entscheiden haben, beziehungsweise in der Instanz, aber ich habe diese Grosseff-Sache jetzt immer noch nicht verstanden. Sie haben sich die Adresse beschafft, um ihn irgendwann aufzusuchen, um ihn irgendwann über Dinge zu informieren, die Ihr Verfahren betreffen.
Egisto Ott
Hätte ich beispielsweise, ich hätte die Meldeadresse gar nicht gemacht, ich habe ja andere Meldeabfragen ja auch gemacht, aber ich habe auch immer wieder irgendwas, das, was mir zusteht. Ich habe auch beispielsweise schon damals im, wann war das, 2012 oder 2013, wie das mit der Red Bull-Geschichte war, von Mateschitz ebenfalls eine Meldeabfrage gemacht. Ganz normal, bin aufs Meldeamt gegangen, habe eine Abfrage gemacht und an diese Adresse habe ich dann einen Brief geschrieben.
Michael Nikbakhsh
Sie haben es angerissen, es gibt einen Satz von Chatnachrichten, die in einem Verfahren in Großbritannien eine Rolle gespielt haben und jetzt auch in Ihrem Verfahren eine Rolle spielen. Da geht es um eine Gruppe von Agenten, die wurden mittlerweile verurteilt, Bulgaren, die den Russen zugearbeitet haben sollen, in Großbritannien, also aber auch in Wien Aktivitäten entfaltet haben sollen. Diese Chats sind so nach und nach im Verfahren aufgetaucht und ich weiß schon, dass Sie die Güte und die Inhalte anzweifeln, aber daraus ergibt sich zum Beispiel, dass die Nachricht, dass man Christoph Grosseffs Adresse habe, ebenfalls in diesen Chats intern weitergereicht wurde und offenbar zu Jan Marsalek gelangt ist. Haben Sie da eine Erklärung?
Egisto Ott
Ich weiß es nicht. Da müssen Sie eben die Leute fragen, die das geschrieben haben, wie sie zu diesen Chats gekommen sind, beziehungsweise zu dieser Adresse gekommen sind.
Michael Nikbakhsh
Jan Marsalek taucht in diesen Chats nicht als Jan Marsalek auf, sondern als ein Rupert Tietz. Und wenn ich Ihre Verteidigerin Anna Meier richtig im Kopf habe, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hat sie zum Prozessauftakt gesagt, es ist nicht mal gesichert, dass Rupert Tietz Jan Marsalek sei.
Egisto Ott
Exakt. Es geht aus dem, es ist weder aus dem Verfahren, aus dem englischen Verfahren her vorgegangen, noch aus dem Urteil irgendwo ersichtlich, dass es der Jan Marsalek ist. Das behauptet, also nur jetzt, also die Metropolitan Police, irgendjemand von der Metropolitan Police behauptet das und natürlich die ganzen Journalisten.
Michael Nikbakhsh
Also jemand von den britischen Behörden.
Egisto Ott
SPIEGEL behauptet das, PROFIL behauptet das, die anderen Medien, die behaupten es schon. Deswegen frage ich mich ja, wenn das dort im Gerichtsverfahren nicht irgendwo hervorgeht, dass das dort nicht irgendwo klar ist, ja, für was brauchen wir dann überhaupt ein Gericht, wenn wir eh dann schon solche Aufdecker-Journalisten haben, also oder Aufdecker-Journalistinnen, haben also selbsternannte, ich sage immer, das Einzige, was die sogenannte Aufdecker-Journalistin aufdecken kann, ist wahrscheinlich die Bettdecke, mehr nicht.
Michael Nikbakhsh
Sie reden jetzt von einer Kollegin von PROFIL auf, das kommen wir noch zu sprechen.
Egisto Ott
Nein, ich habe jetzt keinen Namen genannt und auch kein Medium.
Michael Nikbakhsh
Ja, aber Sie meinen ja offensichtlich eine.
Egisto Ott
Das ist meine Meinung können, ich weiß nicht, ob Sie Gedanken lesen können.
Michael Nikbakhsh
Ich glaube, dass Sie tatsächlich eine bestimmte Kollegin meinen, aber darauf spreche ich Sie noch an. Ich wollte vorneweg noch zu diesen Chats kommen. Also die Behörden in Großbritannien rechnen das Jan Marsalek zu, die Staatsanwaltschaft Wien rechnet das Jan Marsalek zu, die selbsternannten Journalisten rechnen das.
Egisto Ott
Nein, das Gericht nicht.
Michael Nikbakhsh
Was heißt das Gericht nicht?
Egisto Ott
Das Gericht in London nicht.
Michael Nikbakhsh
Britischen Behörden habe ich gesagt. Es gibt auf Ebene der britischen Behörden.
Egisto Ott
Es gibt mehrere, ja, es gibt britische Behörden, das Gericht ist auch eine Behörde.
Michael Nikbakhsh
Eh, aber der Einzige, der sagt, das sei nicht Jan Marsalek, wie sehr sind Sie?
Egisto Ott
Nein.
Michael Nikbakhsh
Wer noch?
Egisto Ott
Auch das Gericht hat nicht festgestellt, dass das Jan Marsalek ist.
Michael Nikbakhsh
Das Gericht hat aber auch nicht festgestellt, dass es nicht ist.
Egisto Ott
Ja, aber dann, die haben auch, die konnten nicht feststellen, dass es Jan Marsalek ist. Das heißt, also ich sage nicht nur ich, sondern auch das Gericht.
Michael Nikbakhsh
Okay, also wir haben es mit jemandem zu tun, der ganz offensichtlich Österreicher ist. Das geht aus den Chats hervor, dass der Mensch, der die Chats geschrieben hat, selber Österreicher ist und Lebensmittelpunkt in Wien hatte, offenbar, oder zumindest hier Interessen hatte. Okay, es kann auch irgendwer gewesen sein, von dem wir jetzt nicht wissen, wer es ist, der nicht nur Interesse an der Meldeadresse von Christoph Grosseff hatte, sondern auch an drei Handys und einem Laptop, auf die ich jetzt gerne zu sprechen kommen möchte.
Michael Nikbakhsh
2017 sind drei Diensthandys ins Wasser gefallen bei einem Betriebsausflug des Kabinetts Sobotka. Diese Handys landeten dann bei Ihrem mitangeklagten Kollegen H. im BVT mit dem Ersuchen, diese wieder ins Laufen zu bekommen oder zumindest die darauf befindlichen Daten zu retten, sofern möglich. Nun gut. Diese Handys landeten irgendwann bei Ihnen und von Ihnen sollen sie dann Richtung Jan Marsalek expediert worden sein. Auch da haben Sie heftig widersprochen, aber kommen wir mal zu dem Punkt, wo Sie die Handys empfangen. Sie haben gesagt, Sie haben die plötzlich im Briefkasten gehabt.
Egisto Ott
Ja, das ist richtig. Die sind in meiner Wohnung in Wien im Briefkasten gewesen. Und ein Stick war auch dabei.
Michael Nikbakhsh
Ein Stick und dann war auch ein Begleitschreiben dabei?
Egisto Ott
Nein, war nicht dabei.
Michael Nikbakhsh
Das heißt, das war einfach drei Handys ohne jeden Kommentar. Wie oft haben Sie sowas schon so bekommen?
Egisto Ott
Also Handys habe ich das erste Mal bekommen, aber sonst Informationen immer wieder.
Michael Nikbakhsh
Okay, aber ich bekomme.
Egisto Ott
Beispielsweise, beispielsweise, das kann man ja auch genau, passt jetzt genau dazu, habe ich dieses, diese, ein Handout über, von, über dieses Novitschok bekommen. Ich weiß jetzt nicht mehr, welches Handout es war, es hatte zwei Fälle gegeben in Großbritannien. Ich sage immer, das Dokument A und das Dokument B. Ich habe, wie gesagt, aber auch erklärt in meiner Zeugeneinvernahme, also beim Peterlik-Verfahren, Peterlik hat das Dokument A angefordert und gehabt und ich hatte das Dokument B. Das heißt, er konnte mir das, das Dokument B kann nicht von ihm gekommen sein. Wer hat es nie angefordert, hat es nie gehabt.
Michael Nikbakhsh
Er ist auch im ersten Rechtssang freigesprochen worden in diesem Verfahren.
Egisto Ott
Genau. Und es wurde, und die Richterin hat das, die Richterin hat das auch extra betont, vielleicht hat das auch, das ist auch über die Medien gegangen, dass meine Aussage sehr glaubwürdig war.
Michael Nikbakhsh
Also Sie haben drei Handys im Briefkasten ohne ein Begleit- oder Bekennerschreiben. Das ist für mich zumindest ungewöhnlich. Ich bekomme schon sehr lange Dinge geschickt, aber immer mit irgendein paar erklärenden Zeilen dazu. In Ihrem Fall war aber offenbar bei zumindest einem Handy ein PIN-Code mit angebracht, davon Post-it. Ist das so?
Egisto Ott
Diese Post-its, die da sind, die habe ich geschrieben.
Michael Nikbakhsh
Wie sind Sie dann in das Handy reingekommen, wenn Sie den Code nicht hatten oder hatten Sie ihn?
Egisto Ott
Keine Aussage.
Michael Nikbakhsh
Wie keine? Also Sie kommentieren das nicht?
Egisto Ott
Kein Kommentar.
Michael Nikbakhsh
Was haben Sie mit den Handys gemacht?
Egisto Ott
Ich habe das, wir wollten diese Handys dann im, durch einen Privatdetektiv, und der da Kontakte hat nach Israel, durch den irgendwann nochmals auswerten lassen.
Michael Nikbakhsh
Wieso auswerten lassen?
Egisto Ott
Ja, schauen, ob da, ich habe nur einen Stick gehabt, das Ganze, und auf dem Stick waren schon etliche, waren Sachen ausgewertet oben. Das war, was sich heute herausstellt, das war das Kloibmüller-Handy.
Michael Nikbakhsh
Es war das Handy des früheren Kabinettschefs und Generalsekretärs des Innenministeriums, Kloibmüller?
Egisto Ott
Nein, Generalsekretär war er nie.
Michael Nikbakhsh
War er doch?
Egisto Ott
Nein. Er war nicht Generalsekretär, er war, Generalsekretär ist ein anderer geworden.
Michael Nikbakhsh
Okay, dann habe ich mich jetzt vertan, aber er war zumindest Sektionssekretär.
Egisto Ott
Generalsekretäre sind erst mit der Regierung kurz und straff gekommen.
Michael Nikbakhsh
Okay, nehme ich zurück.
Egisto Ott
Vorher hat es, Generalsekretär hat es immer nur gegeben im Außenministerium, aber niemals dort.
Michael Nikbakhsh
Wenn das so war, habe ich ihn größer gemacht, als er war. Okay, also Sie haben, Sie sind dann erst beim Studium des USB-Sticks draufgekommen, dass es sich hier um eine professionell gemachte Handyauswertung handelt?
Egisto Ott
Es war eine von.
Michael Nikbakhsh
Celebrite.
Egisto Ott
Celebrite, das steht ja auch oben.
Michael Nikbakhsh
Was haben Sie sich denn gedacht, dass Sie das Handy des Michael Kloibmüller im Postkasten hatten?
Egisto Ott
Ja, das ist ja mal super.
Michael Nikbakhsh
Super für wen?
Egisto Ott
Ja, für mich, jetzt schauen wir mal an, jetzt schauen wir mal an, was da drinnen ist, das Ganze insbesondere, was natürlich Postenschachern so etwas anbelangt. Und da war natürlich auch jede Menge oder ist natürlich jede Menge Postenschacher drinnen. Meines Wissens läuft ja noch ein Verfahren bei der WKSTA. Oder ist das schon eingestellt? Das weiß ich jetzt nicht.
Michael Nikbakhsh
Kann ich Ihnen jetzt ad hoc nicht sagen.
Egisto Ott
Es kann auch erschlagen worden sein, nicht? Wie es der ehemalige Generalsekretär im Justizministerium gesagt hat.
Michael Nikbakhsh
Der war tatsächlich Generalsekretär Christian Pilnacek, ja. Sie haben also ein Handy, Sie stellen fest, es ist anhand des Auswertungsberichts das Handy des Michael Kloibmüller. Sie haben keinen formellen Ermittlungsauftrag und beginnen sich zu interessieren, auf welcher Grundlage, auf welcher Rechtsgrundlage?
Egisto Ott
Wenn ich etwas privat bekomme, verursacht das einen Ermittlungsauftrag von meiner Frau?
Michael Nikbakhsh
Naja, wenn Sie einen Datenträger bekommen.
Egisto Ott
Ja, da haben es ja meine Eltern auch erlebt, vielleicht von meiner Mutter.
Michael Nikbakhsh
Wenn Sie einen Datenträger bekommen, der Datensätze eines Beamten des Innenministeriums beschreibt und Sie keinen wie immer gearteten Auftrag haben, dann beginnen Sie einfach privat weiter zu ermitteln?
Egisto Ott
Das bekomme ich, das ist bei mir zu Hause, zu Hause privat bekommen. Ich habe es rechtmäßig erlangt. Was brauche ich da einen Auftrag von wem? Soll da jetzt zu irgendjemandem gehen oder das Ganze sagen: "Ha, bitte, ich brauche da jetzt einen Auftrag, weil das habe ich privat gekriegt"?
Michael Nikbakhsh
Den Auftrag.
Egisto Ott
Wie hat, wie hat es einmal der ehemalige Finanzminister Krasser gesagt: "Unterscheiden Sie dienstlich und privat"? Ich habe das immer unterschieden.
Michael Nikbakhsh
Ach, das ist für mich vollkommener Quatsch, weil es.
Egisto Ott
Das ist kein Quatsch.
Michael Nikbakhsh
Es gibt für mich, Sie sitzen vor mir als ein Mensch und ich nehme Ihnen nicht ab, dass Sie eine private und eine dienstliche Sphäre haben im Sinne von: "Da bekomme ich was, das schaue ich mir als Privatmann an und da bekomme ich was, das schaue ich mir als Beamter an, das nehme ich Ihnen nicht ab."
Egisto Ott
Ich helfe auch anderen Leuten, wenn irgendwer, wir kommen mit irgendeinem rechtlichen Problem, helfe ich Ihnen, soweit ich kann, helfe ich denen auch privat.
Michael Nikbakhsh
Herr Ott, waren Polizeibeamter?
Egisto Ott
Ja.
Michael Nikbakhsh
Darf ich sagen nach wie vor? Und ich gehe davon aus, wenn ein Polizeibeamter ein Asservat bekommt, das eigentlich einem ranghohen Beamten des Innenministeriums gehört, und das Handy.
Egisto Ott
Ja, vielleicht hat es er mir selber geschickt, das weiß ich ja nicht. Wir wissen ja bis heute nicht, wie die Handys von dort, vom BVT, weggekommen sind. Es kann ja durchaus sein, jetzt sagen wir mal, kann ja durchaus sein, dass es irgendwo gesteuert ist von denen, weil die alle gewusst haben: "Egisto Ott, der sammelt. Der sammelt Informationen, der macht irgendwas daraus. Entweder war es der oder war es irgendein anderer."
Michael Nikbakhsh
Naja, die Verdachtslage ist, dass Ihr Kollege H. die im BVT irgendwann bei Ihnen ins Postkastel oder wie auch immer zu Ihnen gebracht hat.
Egisto Ott
Der Kollege H. hat das aber auch sehr, sehr gut erklären können und auch mit Unterlagen nachweisen können, dass er von dort weg, von der Hausdurchsuchung weg, vom 28. Februar eigentlich nie mehr im Büro war.
Michael Nikbakhsh
Also die Ausführungen Ihres Kollegen H. besagen, er habe die Handys im BVT zum Trocknen hingelegt, das sei nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Man weiß eigentlich nicht genau, wer jetzt diese Handyauswertung des Kloibmüller-Handys gemacht hat, also die ist ja offenbar schon geschehen, bevor Sie es bekommen haben. Und er habe dann, er sei dann, glaube ich, im Krankenstand oder im Urlaub gewesen. Ja,
Egisto Ott
aber man muss auch sagen, ich habe sie ja, glaube ich, erst bekommen 19 oder 20, ich zwar 19 oder 2020, ich kann mich jetzt nicht mehr, das Jahr jetzt nicht mehr genau erinnern. Das heißt, das ist ungefähr, oder auch nicht 20, Gregor, oder drei oder vier Jahre später.
Michael Nikbakhsh
Also H. sagt, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, er sei dann im Krankenstand oder im Urlaub gewesen, jedenfalls nicht mehr ins BVT zurückgekehrt.
Egisto Ott
Genau, er ist am 28. Februar 2018, wie die ominöse Hausdurchsuchung im BVT war, von dort weg, da ist er, hat er mitgehen müssen zu einer Hausdurchsuchung von einem Kollegen als Vertrauensperson und dann ist er zurückgekommen, hat dann gesehen, dass alles, auch sein Büro, alles durchsucht wurde, es gibt aber keinen Bericht drüber und alles war Kraut und Rüben und dann ist, und von dort weg ist er dann in den Krankenstand gegangen und dann ist er weg, wie sagt man, er ist dann dienstzugeteilt worden zur Kobra und er war dann nie mehr wieder in seinem Büro. Und dann ist, das müssen Sie auch im Akt lesen, da hat er einen Antrag auch gestellt, dass man den, weil es ist ja jedes Büro so wie bei Ihnen unten, also mit so einer, mit so einem Türknopf, mit einem elektronischen gesichert und wo man nur mit einer Karte hineinkommt und die sind, und den Zutritt in der EDV-Zentrale, das waren, den haben nur die EDV-Leute gehabt und eine Zentralkarte hat es im Journaldienst gegeben. Und nur die konnten dort hinein und da kann man aber auslesen, mit welcher Karte zum Beispiel, wer war alles drinnen. Komischerweise, wer den Antrag gestellt hat und danach ist der Bericht gekommen, ja, das wurde, es wurde alles gelöscht. Es ist komisch, wissen Sie, warum, warum löscht man das, warum macht man nicht eine Auswertung, das Ganze vorher schon und hat gesagt: "Okay, damit ich weiß, wer war alles in dem Büro drinnen?" Dann kann ich es ja nachvollziehen, zu jeder Tages- und Nachtzeit und zu jeder Stunde kann ich es nachvollziehen. Warum hat man das nicht gemacht? Warum ist, warum hat man das gelöscht? Aus welchem Grund?
Michael Nikbakhsh
Keine Ahnung, das müssen Sie mir beantworten, Sie sind ja der Meister des Tarnens und Täuschens.
Egisto Ott
Nein, der Meister des Tarnens, der Meister bin ich nicht, danke für diese Blumen, aber das Ganze, das zeigt wiederum, warum lösche ich das Ganze alles, warum hat das BVT das alles gelöscht, damit man verschleiert, wer alles in dem Büro war. Es gibt keine andere Erklärung.
Michael Nikbakhsh
Langsam, dass wir das jetzt, also dass wir zumindest Ihre Version jetzt richtig einordnen oder die Version Ihres Kollegen H. Er sagt oder er lässt anklingen, dass diese drei Handys im Zuge der tatsächlich rechtswidrigen Hausdurchsuchung im BVT am 28. Februar 2018 von wem auch immer mitgenommen wurden, ohne dass es irgendwo veraktet geworden wäre.
Egisto Ott
Es muss ja nicht während, es kann während der Hausdurchsuchung gewesen sein, es kann auch danach gewesen sein. Er war ja nicht mehr dort. Und ich habe sie erst dann, zwei Jahre später bekommen. Verstehen Sie das?
Michael Nikbakhsh
Ja, ja, aber die Annahme ist ja, dass der Kollege H. sie Ihnen gegeben hat.
Egisto Ott
Ja, das ist die einfache Form. Warum löscht man das dann? Warum beispielsweise oder bei der, warum, bei mir hat sie zum Beispiel, bis heute gibt es keinen Hausdurchsuchungsbericht oder Hausdurchsuchungsbefehl in dem verdeckten Büro. Aber damals hat man die Hausdurchsuchung dort gemacht, die Hausdurchsuchung hat sich, war nur beschränkt auf den Schreibtisch. Und dann war sie beendet. Und danach ist man dann mit einem, mit einem, wie sagt man, widerrechtlich erlangten Schlüssel in meinen Tresor eingebrochen. Und da sind Sachen verschwunden. Ich war ja auch nie mehr wieder im Büro dort. Warum hat man mir, warum hat man mir beispielsweise meine persönlichen Dinge oder irgendwas anderes, warum hat man mir die nicht bis heute nicht vollständig ausgefolgt, nur einen Teil? Mir fehlen ja alle, zum Beispiel meine ganzen Abrechnungsunterlagen. Es fehlt mir alles, andere, andere, oder es fehlt mir auch irgendeine, ich glaube, was ich mich so dunkel erinnern kann, irgendeine Kaffeemaschine. Es fehlt mir auch irgendein Kochmesser oder irgendein Besteck oder warum fehlt das? Warum hat man mir das, warum hat man mir, wenn man mein Büro räumt, auch in der SIRG, hier ganz in der Nähe, warum holt man den Kollegen nicht dazu, sagt: "Pass auf, wir brauchen jetzt den Platz, du musst jetzt dann das alles räumen." Das ist der einfachste Weg, so macht man es normal. Warum macht man das da, warum hat man es bei uns nicht gemacht? Beispielsweise jetzt, man hat jetzt ein, auf der einen Seite vier Jahre Zeit gehabt, in den Stahlschrank hineingekommen, Fall Doktor, die anderen Sachen wurden nicht gefunden, die Berichte, es gibt aber Berichte drinnen. Wo sind die Berichte? Wo sind andere Geheimberichte?
Michael Nikbakhsh
Ich finde das interessant, das, was Sie da.
Egisto Ott
Weil im elektronischen System, schauen Sie, Sie müssen ja auch eines wissen, oder Sie wissen es wahrscheinlich aus dem BVT-Verfahren. Der oberste Sicherheitsbeauftragte im Innenministerium ist der Magister Griling, ist immer der Direktor des BVT oder jetzt DSN. Und er ist für diese Missstände verantwortlich. Und das hat auch diese Untersuchung, die dann von den, wie heißt das, dieser Soteria-Bericht, der von den anderen Nachrichtendiensten, also den europäischen, das waren, glaube ich, die Engländer waren dabei, die weiß nicht, die Deutschen, ich glaube, Luxemburg und noch irgendein Staat war dabei. Und die haben dann festgestellt, welche Missstände dort sind. Und dass das ganze elektronische System nie darauf ausgelegt war, man durfte ja da drinnen nur die unterste Stufe schreiben, das heißt eingeschränkt. Und auch eine parlamentarische Anfrage im Herbst 2019 durch den Abgeordneten damals Jenewein und Sicherheitssprecher der FPÖ hat jetzt zutage gebracht, dass ja da, glaube ich, bei knapp 300.000 geheime, streng geheime Akten und Daten alles drinnen sind im elektronischen System. Das System war offen, total offen gewesen. Das war mit Internet alles verbunden. Und das war überhaupt nicht zertifiziert für das. Aber das ist wurscht, das interessiert keinen.
Michael Nikbakhsh
Nein, ich finde es interessant, dass Sie die Dinge, die Ihnen vorgeworfen werden, jetzt quasi in die andere Richtung formulieren, nämlich die Schlampigkeit, die Intransparenz, die schlechte Dokumentation, genau das wird Ihnen ja vorgeworfen, plus noch den Vorsatz, die Daten zu verraten.
Egisto Ott
Ich hoffe nicht, ich habe meine Dinge sehr wohl dokumentiert. Deswegen sage ich Ihnen dann auch das Ganze, aber nur, man muss halt wissen, wie eine Geheimoperation abläuft und auch andere haben das auch bestätigt. Und nur, ich kann mir aber beispielsweise nicht im elektronischen System, im EDIS-System, kann ich mir dort nicht die Aktenzahl und das Ganze alles haben und den Aktor drinnen protokollieren, wenn es eine streng geheime Kooperation ist. Und wo noch dazu, wo ich weiß, dass das System alles offen ist. Und man weiß ja bis heute nicht, welchen Abfluss von Informationen dort stattgefunden hat. Weil auch die Firma einen Zugang gehabt hat.
Michael Nikbakhsh
Peter Gridlinger hat gesagt, er war hier in der Dunkelkammer vor einiger Zeit, Sie waren überhaupt nie ein Agent, Sie waren immer nur Polizeibeamter, Sie maßen sich da Dinge an, für die Sie überhaupt nicht zuständig waren, von wegen Geheimoperationen und dergleichen.
Egisto Ott
Das stimmt ja nicht.
Michael Nikbakhsh
Was stimmt?
Egisto Ott
Gridlinger war ja, jetzt muss ich vorsichtig sein, also, wenn ich mich ausdrücke. Aber wie hat es im Flurfunk geheißen, als er dann, ob, ich glaube, es war 2013, 2014, war er dann nur mal stückstücklich, der war ja für operative Belange gar nicht zuständig. Deswegen ist er von mir auch nicht informiert worden. Für operative Belange war damals mit der Einrichtung des stellvertretenden Direktors, das mit der, durch Zöhrer, war der Zöhrer für die operativen Belange zuständig.
Michael Nikbakhsh
Ja, Jener Wolfgang Zöhrer, der von der Operation Doktor keine Kenntnis hatte.
Egisto Ott
Ja, er wollte auch von der Operation mit dem syrischen Foltergeneral auch nichts wissen. Wobei aber nachweislich diese, ebenfalls das Ganze von ihm ausgegangen ist. Er hat die Kooperation angeplant. Ich sage auch nicht, dass sie, die war ja auch nicht rechtswidrig. Die war ja korrekt. Warum bestreitet er dann das? Die war ja ganz korrekt. Genauso auch meine Kooperation. Die Kooperation, wo er mich beauftragt hat und mich auch vorgestellt hat im befreundeten Dienst und das Ganze, wo er uns zusammengebracht hat und das gesagt hat, die war ja auch korrekt. Das ist nichts Illegales gewesen.
Michael Nikbakhsh
Zöhrer hat von einem befreundeten Dienst allerdings auch nicht gesprochen, ja. Der in diese Operation involviert gewesen sei. Das machen so Sie.
Egisto Ott
Ja.
Michael Nikbakhsh
Diese Handys, also Sie haben drei Handys bekommen und einen Auswertungsbericht auf den USB.
Egisto Ott
Ein kurzer Nachsatz dazu. Hochnotpeinliche Befragungen gibt es halt leider nicht mehr.
Michael Nikbakhsh
Was meinen Sie damit?
Egisto Ott
So wie es halt früher war, hoch, das gibt es halt niemand mehr. Das geht halt nicht mehr. Nicht wenn man den Zöhrer befragen würde, hochnotpeinlich, das Ganze, dann würde es herauskommen. Aber das darf man ja nicht mehr.
Michael Nikbakhsh
Ich verstehe nicht, was Sie meinen, Herr Ott. Was heißt, wenn man ihn hochnotpeinlich befragen würde?
Egisto Ott
Das war früher mal hochnotpeinlich im Mittelalter, beispielsweise bei den Hexenprozessen, ja.
Michael Nikbakhsh
Okay, aber Sie sind ja genauso unkooperativ, wenn man Sie was fragt. Das wäre ja bei Ihnen dann genauso lustig gewesen, Sie hochnotpeinlich zu befragen.
Egisto Ott
Was heißt hier unkooperativ?
Michael Nikbakhsh
Naja, Sie sagen, Sie verweisen auf andere und werfen anderen dann vor, dass sie Falschaussagen vorgeben.
Egisto Ott
Nein, ich nehme meine Rechte wahr. Und das hat mit unkooperativ nichts zu tun. Wenn ich im Strafverfahren das Ganze, ich war am Anfang sehr, ich war am Anfang, ganz am Anfang des Verfahrens, habe ich sehr, sehr viel ausgesagt und auch viel erläutert. Aber dann habe ich gesehen, also in welche Richtung das das Ganze alles läuft und dass das ja vollkommen, vollkommen wurscht ist und wie dort schlampig gearbeitet wird. Und noch dazu, man hat ja nicht nur mich gefährdet, man gefährdet ja auch alle anderen verdeckten Ermittler. Man hat, warum beispielsweise, ist man hergegangen und hat meine Legendendaten, Legendendokumente, alles weitergegeben. Mit dem hätte, ob ich mit dem irgendwas Illegales angestellt hätte, das hätte das BVT selber abklären können. Weil das ist geheim, das ist sogar streng geheim. Warum gibt man das außer Haus? Und noch dazu, dass die sind ja jetzt, durch die Fehler von BAK sind die alle sogar im Strafakt drinnen.
Michael Nikbakhsh
Ich möchte nochmal zu den Handys zurückkommen. Also Sie haben diese drei Handys, eines gehört Kloibmüller, Sie haben auf einem Stick einen Auswertungsbericht. Und obwohl Sie diesen Auswertungsbericht haben, wollen Sie einen Privatdetektiv beauftragen, eine Auslesung der Handys vorzunehmen, obwohl Sie gar nicht wissen, wem die anderen Handys gehören zu dem Zeitpunkt oder wussten Sie es? Eines gehörte.
Egisto Ott
Ich kann jetzt, ich weiß ja nicht mehr, ob ich es damals schon gewusst habe. Das kann ich jetzt nicht sagen.
Michael Nikbakhsh
Eines gehörte dem heutigen Direktor des Bundesamts für Asylwesen.
Egisto Ott
Ja, ich weiß das, der Gerhard Meier und das andere war dem Tackert.
Michael Nikbakhsh
Michael Tackert, heute Bundespolizeidirektor.
Egisto Ott
Ich weiß es nicht, habe ich es damals schon gewusst oder habe ich es nicht gewusst, ich weiß es nicht. Ich kann es jetzt nicht sagen.
Michael Nikbakhsh
Da hätten ja die Handys von der Jeti-Tand sein können, da hätten Sie dann einen Privatdetektiv beauftragt, die Jeti-Tand-Handys auszuwerten. Großer Aufwand, wofür?
Egisto Ott
Ich kann es jetzt nicht sagen. Schauen Sie, jedenfalls, es ist daran gescheitert, dass man die Finanzierung und das Ganze nicht zusammengebracht hat beziehungsweise, dass der Privatdetektiv und der Israelis die absolut irgendwelche Vorstellungen gehabt haben und gesagt, okay, nein. Also das ist jenseits von dem. Und daraufhin habe ich sie noch einmal vernichtet.
Michael Nikbakhsh
Sie waren aber bei Peter Pilz auch, oder? Um ihm zumindest den Inhalt des Kloibmüller-Handys zu übergeben oder nicht?
Egisto Ott
Nein.
Michael Nikbakhsh
Waren Sie nicht?
Egisto Ott
Nein.
Michael Nikbakhsh
Wissen Sie, wie Peter Pilz an die Datensätze gekommen ist? Ich habe ihn auch gefragt, er hat es auch nicht gesagt.
Egisto Ott
Das müssen Sie Peter Pilz fragen.
Michael Nikbakhsh
Habe ich, habe ich. Er hat natürlich auf relativ geheimes Verwiesen.
Egisto Ott
Ja, wie Sie schauen, Sie fragen mich, sachen das Ganze aus über andere Personen, das Ganze, wie das ist, also es kommt mir vor.
Michael Nikbakhsh
Nein, ich frage Sie, haben Sie Peter Pilz Daten aus dem Kloibmüller-Handy oder anderen Handys zu irgendeinem Zeitpunkt übergeben oder verkauft?
Egisto Ott
Nein.
Michael Nikbakhsh
Okay. Anschließend sind Sie zu ihm für die Handys.
Egisto Ott
Ja, genau.
Michael Nikbakhsh
Wo?
Egisto Ott
Bei mir zu Hause.
Michael Nikbakhsh
Wie?
Egisto Ott
In Kärnten. Und zwar, ich habe sie zerschlagen und habe dann den Chip herausgenommen, also den Chip, den, wie sagt man, das noch einmal zerschlagen und dann habe ich sie in Salzsäure gelegt, damit sie hundertprozentig kaputt sind.
Michael Nikbakhsh
Sie haben Salzsäure daheim?
Egisto Ott
Ja. In Italien hat das jeder und die kann man unten in Italien in Davis drinnen kaufen und für sanitäre Probleme hat man Salzsäure. Das ist also eine verdünnte, glaube ich, 6-prozentige. Kostet 1, 2 Euro, die Flaschen. Ich habe sie sogar extra noch einmal, extra auf Deutsch auch hinaufgeschrieben, Salzsäure sind auch dort bei mir in der Garage, in einem Schrank drinnen, ganz weit oben, dass die Kinder nicht dazukommen.
Michael Nikbakhsh
Und was haben Sie vorher rausgenommen?
Egisto Ott
Den Chip aus den Handys, die Speicherkarten, das ganze Speicher und das Ganze, das habe ich extra noch mechanisch zertrümmert mit einem Fäustel und dann habe ich, also die Plastikteile sowieso dann entsorgt in der Mülltonne und die habe ich dann in Salzsäure hineingelegt und danach ebenfalls entsorgt, die Reste. So, dass man sicher sein kann, da kommt nichts mehr raus.
Michael Nikbakhsh
Warum haben Sie diese Handys so vernichtet, wenn Sie gar nicht gewusst haben, wem die gehören?
Egisto Ott
Ich, damals wäre ich sicher schon gewusst haben, wie ich sie vernichtet habe, wie ich sie gehören, damit nichts passieren kann.
Michael Nikbakhsh
Wie hätten Sie erfahren, wem sie gehören? Das ist ja alles anonym passiert.
Egisto Ott
Ich kann es Ihnen jetzt nicht mehr sagen, das Ganze, schauen Sie, das ist jetzt dann auch schon wieder, was ist denn das jetzt, fünf Jahre her. Ja, fünf, sechs Jahre her.
Michael Nikbakhsh
In den britischen Chats, von denen Sie sagen, weiß ja keiner, wer die geschrieben hat und wer da dahintersteckt, ist von diesen drei Handys die Rede, die nämlich in einer Wohnung in Wien abgeholt wurden und nach Moskau gebracht wurden. Die Wohnung hat Ihr Schwiegersohn gemietet oder gehört es ihm sogar?
Egisto Ott
Nein, es war eine Mietwohnung von meinem Schwiegersohn und wo meine Tochter auch gewohnt hat.
Michael Nikbakhsh
Wie kommt Ihr Schwiegersohn beziehungsweise dessen Wiener Wohnung in britische Chats hinein?
Egisto Ott
Das ist eine große Frage. Die beschäftigt mich auch.
Michael Nikbakhsh
Aber die drei Handys, die in Wien übergeben wurden in der Wohnung Ihres Schwiegersohns, das können nicht die Handys gewesen sein.
Egisto Ott
Das können nicht die Handys gewesen sein, nein. Weil die habe ich ja zerschlagen. Die habe ich mechanisch und auch dann danach die Speichermodule, das Ganze, in Säure aufgelegt.
Michael Nikbakhsh
Aber beweisen, dass Sie das getan haben, können Sie nicht, weil es gibt keine Fotos, nichts, das dokumentiert, dass Sie die Handys zerstört haben.
Egisto Ott
Soll ich das jetzt dann das Ganze? Nein, fragen Sie einmal die Frau List, die Gerichtspräsidentin in Graz, ob sie das irgendwo, das Handy von Pilnacek, ob sie da eine Filmaufnahme oder Fotos davon gemacht hat, wie sie es nachher vernichtet hat.
Michael Nikbakhsh
Frau List steht nicht unter Anklage, man kann ihr das auch glauben oder nicht glauben, aber tatsächlich muss sie jetzt nichts in irgendeine Richtung beweisen. Sie kann es einfach glauben, Sie stehen unter Anklage, es geht ja um.
Egisto Ott
Ja, aber das Ganze, ja, ich stehe unter Anklage, aber jetzt ist genau die, da sind wir auf dem springenden Punkt, wo Sie sagen, das heißt, ich muss wieder meine Unschuld beweisen.
Michael Nikbakhsh
Ich habe Sie nur gefragt, ob Sie die Belege haben.
Egisto Ott
Nein, nein, nein, dass Sie diese Handys vernichtet haben. Nein, ich kann es nicht belegen. Ich kann es nicht belegen, weil die Müllabfuhr bei uns, die geht dann nach, die wird dann jeden Montag abgeholt und dann geht sie nach Arnoldstein, dort wird der Müll verbrannt. Also das ist jetzt ein sechs Jahre her, da wird man nicht einmal mehr in der Asche irgendwo was finden.
Michael Nikbakhsh
Der Blogger Alexander Sorol jetzt, der war auch schon in der Dunkelkammer, der hat erzählt, er wollte mit Ihnen zu einem Zeitpunkt kooperieren und im Rahmen dieser Kooperation habe er Ihnen, jetzt weiß ich es nicht, zwei oder drei Laptops übergeben.
Egisto Ott
Drei.
Michael Nikbakhsh
Drei. Zwei sind verpackt bei Ihnen gefunden worden, einer hat gefehlt.
Egisto Ott
Nein, das ist ein Irrtum. Einer ist verpackt gewesen.
Michael Nikbakhsh
Also wie viele waren noch da?
Egisto Ott
Insgesamt hat es gegeben fünf, also fünf Laptops, die angekauft wurden vom Herrn Surowitz für sein Medium Fass ohne Boden und davon habe dann drei ich bekommen. Einen habe ich benutzt, einer war original verpackt und der wurde gefunden in meiner Wiener Wohnung, das Ganze unter der Küche und das wirft man mir auch vor, warum ich den dort versteckt habe. Ich bin nicht immer ständig da, das Ganze und Einbrecher kommen, soll ihn gleich auf die Anrichte legen oder gleich im Vorzimmer auf die Kommode legen und sagen, lieber Einbrecher, bitte, da ist er. Nein, wo werde ich denn hintun das Ganze? Und ich habe keine Kästen, nichts mehr irgendwo dort groß gehabt. Nein, wo soll ich ihn hintun? Wo soll ich den irgendwo sicher aufbewahren? Für später, für spätere Zwecke, das heißt, er ist ja auch gedacht gewesen für eine weitere Quelle, weil ich mich auch journalistisch betätigen will und das Ganze. Und wie auch Projekte irgendwas gemacht haben beziehungsweise geschrieben haben, auch Recherchen gemacht haben zu Nachrichtendiensten, zu Skandalen von Nachrichtendiensten, sagen wir so.
Michael Nikbakhsh
Hatten Sie irgendeine Form von Freigabe des Dienstgebers, dass Sie journalistisch tätig werden?
Egisto Ott
Ich bin noch nicht, wie sagt man, für das brauche ich keine Freigabe. Das Ganze, erst wenn ich irgendwo bezahlt werde, das Ganze, wenn ich irgendwo eine Nebenbeschäftigung so annehme, dann kann. Aber ansonsten, sobald ich irgendwas anderes recherchiere, privat, das Ganze, geht das den Dienstgeber gar nichts an, solange ich nicht Amtsgeheimnis irgendwas verrate. Und die habe ich ja nicht verraten.
Michael Nikbakhsh
Ja, das weiß ja kein Mensch.
Egisto Ott
Hä?
Michael Nikbakhsh
Das weiß ja kein Mensch, ob Sie auch gesagt haben, Sie sagen nein, aber.
Egisto Ott
Ja, die Medien werden es sicher schon wissen, gewisse Aufdecker-Journalisten werden es schon wieder wissen. Selbstverständlich hat der Ott irgendwas Illegales gemacht. Nein, die wissen ja alles, deswegen sage ich ja, die sollen mir bitte, weil die ja alles wissen, sollen sie mir bitte noch vor dem Sonntag die Lottozahlen sagen. Weil die wissen ja auch die schon vorher. Die wissen ja alles vorher.
Michael Nikbakhsh
Dieser ein Laptop fehlt, dieser Laptop, was ist mit dem passiert?
Egisto Ott
Dieser Laptop ist im europäischen Raum und den hat eine sogenannte Quelle von mir.
Michael Nikbakhsh
Also Sie haben den Laptop einer dritten Person übergeben, haben es dem Sorowitz aber nicht gesagt.
Egisto Ott
Doch.
Michael Nikbakhsh
Der sagt, er hat nicht gewusst, was aus dem Laptop wurde.
Egisto Ott
Nein, das hat eine Quelle von mir.
Michael Nikbakhsh
Und wo ist der Laptop jetzt?
Egisto Ott
Im europäischen Raum.
Michael Nikbakhsh
Und warum hat die Quelle den Laptop nicht zurückgebracht?
Egisto Ott
Für was?
Michael Nikbakhsh
Um zu belegen, dass Sie nicht an die Russen verkauft haben?
Egisto Ott
Muss ich wieder meine Unschuld beweisen?
Michael Nikbakhsh
Naja, es steht der Vorwurf im Raum, Sie hätten festigt haben.
Egisto Ott
Ja, es stehen immer die, es stehen alle Vorwürfe das Ganze, allen drum und dran, ja, es steht alles dort. Ja, dann sollen wir bitte auch die Leute befragen, das Ganze, da sollen wir den, derjenige, der das geschrieben hat, diesen Chat, dann sollen wir die befragen.
Michael Nikbakhsh
Ja, aber das sind schon andere Prozesse auf Grundlage von Indizien geführt worden.
Egisto Ott
Ja.
Michael Nikbakhsh
Und ein Indiz ist auch dieser Laptop aus dem Chat?
Egisto Ott
Es sind schon andere in anderen Ländern, aufgrund von Indizien sind Leute schon hingerichtet worden, später hat sich herausgestellt, dass die wieder unschuldig waren.
Michael Nikbakhsh
Ja, aber er Ott ist.
Egisto Ott
Auch in Österreich, in Österreich hat es Fälle gegeben. Ich kann in einem Fall sagen, der ist acht oder neun Jahre unschuldig gesessen, der ist die Lebensdauer verurteilt worden. Und ich kenne den Fall sogar noch, weil der hat sich auch damals an mich gewandt während der Briefbombenermittlungen und hat ihm Hinweise geliefert und da habe ich versucht, ihm auch zu helfen und gesagt, ich kann da dort nicht helfen, aber ich werde das auch weiterleiten, ja.
Michael Nikbakhsh
Laut den britischen Chats ist auch ein Laptop in Russland gelandet. Sie wissen jetzt natürlich nicht, welcher, weil es ja nichts damit zu tun hat.
Egisto Ott
Ich habe mit dem nichts zu tun.
Michael Nikbakhsh
Aber auch dieser Laptop wurde in der Wohnung Ihres Schwiegersohns übergeben?
Egisto Ott
Das glaube ich kaum.
Michael Nikbakhsh
Aber laut den Chats war das so?
Egisto Ott
Ja, was in den Chats steht, das Ganze, mein Schwiegersohn, meine Tochter und die Ganzen haben mit dem nichts zu tun und dort ist mit Sicherheit nichts, was ich übergeben habe, weil ich auch nichts übergeben habe. Also ich frage mich, wie das dazu kommt. Ja, dann sollen die Leute das aussagen. Aber die sagen offensichtlich auch nichts aus oder distanzieren sich davon.
Michael Nikbakhsh
Ich weiß da gar nicht, vielleicht kommt es, der eine Teil sitzt im Gefängnis und der andere Teil, in dem Fall Jan Marsalek, sitzt in Russland und hat sich bisher auch nicht zu einer Aussage hinreißen lassen. Das ist ein bisschen schwierig, nicht?
Egisto Ott
Ja. Und soll ich den Fall jetzt klären?
Michael Nikbakhsh
Nein, aber Sie haben ja die Gelegenheit, sich vor Gericht zu verantworten.
Egisto Ott
Ich verantworte mich ja vor Gericht.
Michael Nikbakhsh
Sie haben keine 50.000 Euro im McDonald's-Sack bekommen für den Laptop.
Egisto Ott
Wäre schön.
Michael Nikbakhsh
Warum sagen Sie Ihrer Quelle im europäischen Raum nicht einfach, sie soll in Wien vorbeischauen und den Laptop herzeigen zum Beleg, dass er noch da ist? Das würde Ihre Verteidigungsposition deutlich erleichtern.
Egisto Ott
Haben wir angedacht, haben wir angedacht, aber dann letztlich nein.
Michael Nikbakhsh
Weil?
Egisto Ott
Nein, einfach nein.
Michael Nikbakhsh
Aber es muss ja einen Grund für diese Überlegung geben.
Egisto Ott
Weil wir es einfach nicht machen.
Michael Nikbakhsh
Weil er vielleicht nicht greifbar ist?
Egisto Ott
Doch. Er ist greifbar.
Michael Nikbakhsh
Der Fall Egisto Ott wurde kürzlich um einen weiteren Aspekt erweitert. Es geht um geleakte Polizeidaten.
Egisto Ott
Ja, das ist überhaupt der nächste lustige Fall.
Michael Nikbakhsh
Finden Sie das wirklich lustig, oder?
Egisto Ott
Ja, weil es ja vollkommen wieder eine Story ist, ein Märchen, das eben von der, ich sage, vom Innenministerium das Ganze ausgeht, dass ich sage, ich würde jetzt einmal sagen, weil es jetzt ja in den Medien auch kolportiert, dass eben der Innenminister das Ganze auch anzeigt, das Ganze alles erstattet, dass also offensichtlich die Politik dahintersteckt, die hohe Politik, weil sie nicht mehr weiterweiß. Und jetzt muss wieder was Neues, wieder was Altes ausgegraben werden und das Ganze, und ich hätte das irgendwo gehabt und ich hätte das weiterverkauft an die Russen. So ein Blödsinn.
Michael Nikbakhsh
Hatten Sie irgendwann diesen Datensatz? Wir reden von rund 36.000 personenbezogenen Daten von Polizistinnen und Polizisten, gespeichert in einer Tabelle auf einem USB-Stick. Der Datensatz wurde elektronisch bei einer Hausdurchsuchung bei Hans-Jörg Jenewein, der Name ist heute schon gefallen, vormals FPÖ-Abgeordneter. Jetzt, glaube ich, Pressesprecher der AfD in Thüringen.
Egisto Ott
Ist das verboten?
Michael Nikbakhsh
Habe ich nicht gesagt, ich habe es nur angemerkt.
Egisto Ott
Nein, es wird immer so mit einem negativen Unterton immer angemerkt.
Michael Nikbakhsh
Ich habe es nur angemerkt. Dieser Datensatz wurde bei Hans-Jörg Jenewein gefunden und die Spuren lassen sich, der FALTER hat kürzlich eine umfangreiche Recherche veröffentlicht, zu einer Beamtin des Innenministeriums zurückverfolgen. Und die hat ausgesagt, dass sie nicht ausschließen kann, dass sie den Stick beziehungsweise den Datensatz auf dem Stick Ihnen gegeben hat. Haben Sie ihn bekommen?
Egisto Ott
Das ist nur ein offenes Verfahren und dazu gibt es keinen Kommentar. Ich wurde erst kürzlich einvernommen dazu.
Michael Nikbakhsh
Haben Sie Hans-Jörg Jenewein diesen Datensatz übergeben?
Egisto Ott
Kein Kommentar.
Michael Nikbakhsh
Und haben Sie diesen Datensatz in weiterer Folge an Dritte verkauft, an Russen oder sonst wen?
Egisto Ott
Ich erstmal keinen Kommentar und zweitens, ich habe überhaupt noch nie in meinem Leben irgendwelche Daten an irgendwelche anderen Dritte verkauft und schon gar nicht an die Russen, sondern im Gegenteil. Ich habe gegen Russland jahrelang oder eigentlich jahrzehntelang ermittelt und erfolgreich ermittelt. Das ist der Unterschied.
Michael Nikbakhsh
Gut, Griedling hat in ihrem Verfahren als Zeuge ausgesagt, dass er davon ausgeht, dass Sie möglicherweise während Ihrer Zeit als Verbindungsbeamter in der Türkei nicht nur viel mit den Russen zu tun haben, sondern von denen da auch eingekocht worden seien.
Egisto Ott
Mit Sicherheit nicht. Mich kann keiner einkochen. Griedling hat schon so viel Blödsinn behauptet und so viel Blödsinn geredet. Das Ganze, das ist wirklich schwachsinnig. Und sowas war einmal Direktor vom österreichischen zivilen Geheimdienst. Ich habe auch immer wieder Geheimberichte heraufgeschickt. Wo sind denn die alle? Die sind an den Griedling damals gegangen. Wo sind die Berichte?
Michael Nikbakhsh
Was meinen Sie mit Geheimberichten?
Egisto Ott
Eben mehr darf ich nicht sagen.
Michael Nikbakhsh
Also Sie dürfen nicht sagen, was drin stand, oder wie?
Egisto Ott
Ja, genau. Nachrichtendienstliche Berichte. Wo sind die hingegangen? Speziell auch zu Russland.
Michael Nikbakhsh
Also Sie haben Gridling mit nachrichtendienstlichen Berichten zu Russland?
Egisto Ott
Immer wieder. Das BVT und in dem Fall habe ich diese Berichte, sind an den Direktor persönlich gegangen.
Michael Nikbakhsh
Aber wann haben Sie das gemacht? Sie waren ja vorher gar nicht für Russland zuständig, Sie waren in der Terrorabwehr.
Egisto Ott
Ich war nicht in der Terrorabwehr. Wie ich im Ausland war, war ich für alles zuständig. Auch für Politik.
Michael Nikbakhsh
Also Sie haben unaufgefordert mehr oder weniger als Verbindungsbeamter Berichte nach Wien geschickt zu russischen Aktivitäten in der Türkei.
Egisto Ott
Ja, genau, das ist der Punkt. Ich habe mir zum Beispiel nie irgendwo gewartet, irgendwas, man hätte so wie meine Nachfolger, hätte ich einfach sitzen können im Kammerl und warten, bis ich irgendeinen Auftrag kriege. Sondern ich habe mir die Arbeit gesucht und wenn ich irgendwas gesehen habe, dann sehe ich das, dann habe ich es geschrieben und habe es berichtet.
Michael Nikbakhsh
Also Sie haben die Berichte an Ihren Vorgesetzten oder an den Direktor des BVT geschickt. Wo sind diese Berichte?
Egisto Ott
Ja, das frage ich mich auch.
Michael Nikbakhsh
Aber Sie haben sie ja geschrieben, Sie müssen sie ja noch haben.
Egisto Ott
Ich habe sie nicht, die waren ja im Büro. Das Erste Mal, wie ich abgezogen wurde, habe ich auftragsgemäß alles, was damals im Stahlschrank war, unten bei mir unten im Büro, das habe ich alles vernichtet. Und in Wien müssen sie ja sein. Da gibt es ja das zweite Stück. Die Kopie war bei mir im Stahlschrank.
Michael Nikbakhsh
Aber Sie haben die ja nicht mit der Hand geschrieben, nehme ich an, sondern am Computer. Die müssen ja wenn dann in einer Computerdatenbank gespeichert sein.
Egisto Ott
Das ist alles weg. Das ist alles vernichtet worden.
Michael Nikbakhsh
Also das gesamte dienstliche Leben des Egisto Ott existiert in Datenform nicht mehr, oder wie?
Egisto Ott
Nein, leider Gottes.
Michael Nikbakhsh
Wer hat das gelöscht?
Egisto Ott
Ich habe es gelöscht. Vernichtet.
Michael Nikbakhsh
Sie haben alles vernichtet?
Egisto Ott
Auch die Festplatte. Ich habe zum Beispiel dort nicht nur den dienstlichen Rechner, sondern ich habe einen privaten Rechner gehabt. Und das wurde ja auch, weil man immer sagt, das Ganze, das BVT, die EDV, ich habe mir ja damals auch gekauft, schon zuerst einen Sony Wire und danach habe ich mir gekauft ein Apple-Gerät. Und das Apple-Gerät wurde mir auch die ganze Verbindung, die geheime Verbindung, also eine verschlüsselte Verbindung zum BVT oder zum Innenministerium eingerichtet. Da war ich der Erste überhaupt davon.
Michael Nikbakhsh
Warum löschen Sie alle Ihre Daten, das verstehe ich nicht?
Egisto Ott
Ich abgezogen wurde, habe ich das alles gelöscht. Das, was dienstlich war, war auch weg. Okay, weg, brauche ich nicht mehr.
Michael Nikbakhsh
Es gibt tatsächlich, im BVT gab es keine Verpflichtung, wie man mit Daten umzugehen hat, die man, wenn man das BVT verlässt oder suspendiert wird, umzugehen hat.
Egisto Ott
Da bin ich nicht suspendiert worden, wie ich abgezogen wurde. Sondern das war das Büro dort unten, das wurde alles vernichtet.
Michael Nikbakhsh
Also Sie meinen Ihre Zeit als Verbindungsbeamter in der Türkei?
Egisto Ott
Ja, genau.
Michael Nikbakhsh
Auch da gibt es offenbar keine Regeln, wie mit Daten umzugehen ist.
Egisto Ott
Ich habe keine Ahnung gekriegt, sondern das, was dort ist, das muss vernichtet werden, aus.
Michael Nikbakhsh
Das sagen Sie, oder das war die Dienstanweisung?
Egisto Ott
Das war die Anweisung. Vernichten, weg. Aus Sicherheitsgründen. Man hätte es unten sein lassen. Das Büro war ja dann sogar ein halbes Jahr lang unbesetzt, das Ganze. Und da kann ja jeder irgendwo rein, das Ganze, weil ich weiß ob nicht irgendein anderer Nachrichtendienst das Ganze reingeht oder irgendeine andere Polizei und sich dort die ganzen Daten holt. Da sind ja auch Asylakten und alles gewesen. Da waren Nachrichtendienstdinge, kriminalpolizeiliche, Asylakten und dann natürlich auch politische Sachen. Das ist alles vernichtet worden. Die Berichte waren ja sowieso eins zu eins heroben in Österreich. Das waren ja nur die Kopien.
Michael Nikbakhsh
Aber es fällt Ihnen schon auf, dass all das, was Sie potenziell entlasten könnte, entweder nicht greifbar ist oder nicht mehr existiert?
Egisto Ott
Ja, hätte ich mir zum Beispiel von den Handys ein Video machen sollen und das Ganze und das noch vielleicht ins Internet reinstellen sollen, auf Facebook posten?
Michael Nikbakhsh
Es ist klar, dass Ihnen das jetzt wahrscheinlich helfen würde, wenn Sie zumindest ein Video von der Vernichtung gemacht hätten.
Egisto Ott
Ja, das würde der Frau List auch helfen, dann wäre sie auch aus den Medien raus.
Michael Nikbakhsh
Herr Ott, die Frau List steht nicht unter Anklage. Sie Zeugin in einem...
Egisto Ott
aber es ist ja doch da auch nichts anderes. Es ist derselbe Sachverhalt.
Michael Nikbakhsh
Mit Verlaub, nein, der Frau List wird nicht vorgeworfen, für Russland Medien zu haben.
Egisto Ott
Ja, das ist schon das Richtige. Das ist richtig, ja. Aber auch dieser Vorwurf, dass ich spioniert haben soll für Russland, das ist ein Schwachsinn.
Michael Nikbakhsh
Was verstehen Sie denn unter spionieren?
Egisto Ott
Dass ich Informationen sammle und die an einen anderen Nachrichtendienst, also weitergebe. Illegal.
Michael Nikbakhsh
Was wäre legal? Weil das haben Sie ja gemacht. Also bei der Operation Doktor haben Sie Informationen gesammelt und diese Informationen.
Egisto Ott
Legal, das ist ja legal. Das ist ja eine legale Kooperation.
Michael Nikbakhsh
Das sagen Sie. Es gibt zu dieser Kooperation.
Egisto Ott
Mein Abteilungsleiter hat das bestätigt und der stellvertretende Abteilungsleiter hat gesagt, er muss von solchen Dingen nicht immer informiert werden. Und auch mein Gruppenführer und auch ein anderer Beamter, die haben dann genau ausgesagt, also wahrheitsgemäß ausgesagt, es ist nicht üblich, dass alle nur need to know, wer unbedingt sein muss, wird von solchen Operationen informiert. Alle anderen müssen davon nichts wissen.
Michael Nikbakhsh
Reden wir nochmal über diese Operation Doktor, weil mir das jetzt, also von der ganzen, wie soll ich sagen, von der ganzen Entstehung der Geschichte vollkommen unklar ist. Ein ausländischer Nachrichtendienst interessiert sich für die Personalie S, einen abtrünnigen russischen Agenten. Und dann gehen die zum stellvertretenden Direktor des BVT mit dem Ersuchen, herauszufinden, wo der sich aufhält. Und der stellvertretende Direktor vom BVT geht dann zu Egisto Ott und Egisto Ott beginnt, im Stillen Datenbanken abzuzapfen.
Egisto Ott
Mit abzuzapfen? Er macht seine Arbeit. Er macht einmal die grundsätzlichen Abklärungen.
Michael Nikbakhsh
Also einen Gutteil der Abklärungen, die Sie gemacht hätten, hätten die ausländischen Dienste auch machen können, weil Sie haben ja dann in weiterer Folge auch auf ausländische Datenbanken zuzugreifen versucht.
Egisto Ott
Na und vor allem eines, also das hätte er nicht machen können und vor allem eines ist immer so, wenn er, ich hoffe, ich blaue da nicht zu viel aus, aber ein Nachrichtendienst der Anders versucht, immer so wenig wie möglich Spuren zu hinterlassen, das heißt, das hat er sich dann anderen irgendwo beauftragt. Und dass man das auf dort so wie teilen und herrschen. Ich weiß ja auch nicht, ob nicht noch eine zweite oder eine dritte Behörde irgendwo auch eingeschalten wurde. Das ist ja oft passiert.
Michael Nikbakhsh
Von welchen Spuren sprechen Sie? Sie haben ein bisschen Datenbanken benutzt und haben so ein paar Telefonate getätigt.
Egisto Ott
Ja, wenn irgendwas in die Hosen geht, das Ganze, dann weist einmal nichts auf diesen befreundeten Dienst hin. Finden Sie irgendetwas drin, dass das hinweist? Ja, die Berichte gibt es, aber wo sind meine Berichte hingekommen? Wo sind die Berichte aus dem Stahlschrank? Wo? Ja, ich komme ja nochmal zurück.
Michael Nikbakhsh
Welche Berichte meinen Sie jetzt? Meinen Sie jetzt die Berichte zum Fall S oder die Berichte aus Ihrer Zeit als Verbindungsbeamter?
Egisto Ott
Die Berichte zum Fall S. Die Berichte aus meiner Zeit als Verbindungsbeamter, die habe ich ja selber vernichtet. Die anderen, die ich weitergeschickt habe, die ich beispielsweise heraufgeschickt habe ans BVT, ans Innenministerium, ans Bundeskriminalamt und, und, und, die müssen ja dort überall aufliegen. Die liegen ja dort auf. Oder sie, ich weiß ja nicht, wo sie sind. Die sind ja auch, auch E-Mail-Server müssen die sein, wenn sie überhaupt noch da sind, weil das ist jetzt dann, in Rom war ich von 2001 bis 2010 und von 2010 bis 2013 war ich in der Türkei. Das ist jetzt auch 13 Jahre her.
Michael Nikbakhsh
Es gibt zumindest einen schriftlichen Bericht von Ihnen an Ihren Vorgesetzten Zöhrer zur Causa S und zur Operation Doktor.
Egisto Ott
Nein, ich habe zweimal, oder gerade dreimal habe ich irgendwann so Zwischenberichte gemacht, die habe ich ihm vorgelegt und die habe ich dann wieder mitgenommen.
Michael Nikbakhsh
Und was haben Sie dann damit gemacht?
Egisto Ott
Die sind in meinem Stahlschrank gewesen.
Michael Nikbakhsh
Die gab es auch nur analog und nicht digital?
Egisto Ott
Die sind geschrieben worden auf einem externen Gerät, das nicht mit einem Internet verbunden wurde. Genauso wie es vorgegeben ist. Nicht auf dem einen dienstlichen, der aber auch mit Internet verbunden ist, wo alles offen war, wo man die Datenbanken auch noch abfragt und der mit dem Internet verbunden war.
Michael Nikbakhsh
Okay. Zöhrer bestreitet, aber das gesehen zu haben, da sagen Sie jetzt, da hat er falsch ausgesagt. Stimmt das?
Egisto Ott
Genau.
Michael Nikbakhsh
Also der Einzige, der Ihre Version bestätigt, ist ein Mann, der sich der Strafverfolgung durch Flucht entzieht. Martin Weiss.
Egisto Ott
Wer sagt das zur Flucht?
Michael Nikbakhsh
Wie würden Sie es denn nennen?
Egisto Ott
Wieso er ist, ich würde es einmal sagen, okay, er ist wahrscheinlich dort in Dubai und dass er dort in Dubai ist, vielleicht kann er nicht, vielleicht ist er krank, vielleicht ist er nicht flugfähig. Man weiß ja, wo er ist. Die Behörde weiß es ja. Die wird es ja wissen nicht, das Innenministerium wird ja wissen, wo er ist.
Michael Nikbakhsh
Ja, aber Herr Ott, das meinen Sie jetzt nicht ernst. Martin Weiss ist hier Beschuldigter in einem zentralen Verfahren in mehreren, soweit ich sogar weiß. Er könnte einfach zurückfliegen.
Egisto Ott
Ja, freilich könnte er zurückfliegen, könnte da irgendwo sich diesen unfairen Verfahren, warum? Schauen Sie, beispielsweise in Deutschland wurden die Verfahren gegen ihn eingestellt. Das war sie. Auch dieses ominöse Verfahren, wo es geheißen hat, er hat Fluchthilfe gemacht. Ich meine, das ist eh, auch gegen Schellenbacher hat er es ja auch wieder zusammengebrochen wie ein Kartenhaus. Das ist ja das Nächste, auch wieder so ein Verfahren. Ich verstehe das nicht.
Michael Nikbakhsh
Dieses Verfahren gegen den früheren FPÖ-Abgeordneten Schellenbacher, das wurde vorige Woche mit Freisprüchen erledigt, weil zu dem Zeitpunkt, Schellenbacher konnte glaubhaft machen, zu dem Zeitpunkt ist Thomas Marsalek in das Flugzeug gestiegen, es gab es keinen Haftbefehl. Genau. Ja, Thomas Schellenbacher hat ihm dabei geholfen, ins Ausland zu reisen.
Egisto Ott
Ja, und dann warum klagt man dann nicht gleich die beiden Piloten auch an? Dann klage ich gleich die Piloten auch an. Dann klage ich jedes Reisebüro klage ich an. Weil wenn es keinen Haftbefehl nicht gibt, dann gibt es keine Flucht.
Michael Nikbakhsh
Aber können wir uns schon darauf verständigen, dass Martin Weiss sich der Strafverfolgung in Österreich entzieht?
Egisto Ott
Glaube ich kaum. Warum sollte er herkommen?
Michael Nikbakhsh
Um sich der Strafverfolgung zu stellen.
Egisto Ott
Ich verstehe die Welt nicht mehr.
Michael Nikbakhsh
Naja.
Egisto Ott
Dann schickt das Ministerium, weiß er, wo er ist, dann sollen sie ihm schicken, das Ganze sollen sie ihm schicken zur Stellungnahme, soll er das irgendwo machen, sollen sie ihm die Vorwürfe schicken, oder vielleicht haben sie es eh schon gemacht, ich weiß es ja nicht.
Michael Nikbakhsh
Das weiß ich auch nicht. Ich weiß nicht, inwieweit er jetzt quasi in sein eigenes Verfahren bisher involviert wurde, aber Tatsache ist, er ist nicht da.
Egisto Ott
Das ist die einzige Tatsache, ja.
Michael Nikbakhsh
Ja, so wie auch der Laptop, den sie einer Quelle übergeben haben, nicht da ist, so wie auch die Erinnerung, so wie auch von Zöhrer an die Berichte, nicht da ist.
Egisto Ott
Ja, aber zum Beispiel der Martin Weiss hat aber das bestätigt, dass die Operation Doktor gegeben hat. Und der stellvertretende Abteilungsleiter damals, Magister Misbichler, hat auch bestätigt, auch beispielsweise auch den Beginn, da hat er gesagt, das ist ein vollkommener Blödsinn gewesen, das mit einem Verrat von Staatskleinwesen und die Dokumente, die ich mir geschickt habe, habe ich gebraucht zur Schulung von einem verdeckten Ermittler. Alles war wurscht, trotzdem hat man vier oder fünf Jahre ermittelt drauf. Und nur war ja das die Strafdrohung ein bis zehn Jahre, das war ja ganz was, ist ein ganz anderes Phänomen. Also es zieht sich wie ein roter Faden durch, also die Schlampigkeit von den Ermittlungen, sei es auch durch die Staatsanwaltschaft und natürlich auch durch die Polizeibehörden. Und dann, jetzt muss man sich, das Nächste kommt ja dann, jetzt muss man sich vorstellen, jetzt ermitteln wegen Verdacht, ich wäre, gegen mich besteht ein Verdacht wegen Spionage. Wissenswert auch ermittelt werden, die meisten Leute sind von der AG Pharma, die darauf ermitteln. Entschuldigung den Ausdruck, wenn ich das jetzt dann sage, das sind Dorfständarben, aus Oberösterreich. Ich sage ja auch immer wieder die Oberösterreich-Connection. Zum Großteil sind das ganz normale Postenpolizisten, die dann irgendwo dort zugeteilt werden und dann auf einmal irgendwo arbeiten. Und die sollen eine Ahnung haben, wie es bei uns im BVT oder irgendwas zugeht, wie es im Staatsschutz zugeht, wie es in einer Zentralstelle zugeht? Nein, die haben gar keine Ahnung nicht. Die wissen ja nicht einmal das, wie es im Bundeskriminalamt in einer Zentralstelle dort zugeht. Und dann sollen sie wissen, wie es im Staatsschutz zugeht, wie man dort arbeitet? Also das ist schon ein bisschen komisch, ja.
Michael Nikbakhsh
Wenn ich das jetzt zusammenfasse, dann ist es doch so, es gibt Vorwürfe gegen Sie, die angeklagt sind, die verhandelt werden. Sie sagen, diese Vorwürfe stimmen nicht, es war alles ganz anders. Und wenn man Sie dann fragt, wie war es, dann sagen Sie, sage ich nicht.
Egisto Ott
Nein, das stimmt nicht. Ich habe auch eine ausführliche Stellungnahme ganz am Anfang des Prozesses gemacht und habe auch, bin auch Rede und Antwort gestanden dem Vorsitzenden Richter, dem Staatsanwalt nicht, weil Fragen des Staatsanwalts habe ich nicht beantwortet, beantworte ich nicht. Weil der einfach dermaßen vorangenommen ist und ja, es würde jetzt zu weit führen, das Ganze, ich hätte etwas auf der Zunge liegen, das Ganze, aber ich beiße mir lieber in die Zunge.
Michael Nikbakhsh
Ich nehme an, Sie haben das mit Ihrer Verteidigung besprochen, ob es strategisch schlau ist, im Prozess Fragen der Staatsanwaltschaft nicht zu beantworten. War das jetzt Ihre Idee oder wurde Ihnen das geraten?
Egisto Ott
Nein, ich, das ist auch von mir ausgehend. Ich beantworte keine Fragen von dem, weil das ist einfach dermaßen unseriös, dass das Ganze nicht, schauen Sie, ein kleines, ich sage Ihnen auch ein kleines Faktum. Die Polizei, also die AG Pharma, diese Dorfpolizisten, Dorfständarben, haben mich auch angezeigt, weil ich eine E-Mail geschickt habe, von meinem privaten E-Mail an meine ehemalige Mitarbeiterin in Rom. Von privat zu privat. Und dort habe ich die erste, die Ursprungsanzeige, die der Direktor Griedling eigentlich geschrieben hat, rübergeschickt und gesagt, bitte kannst du mir ins Italienische übersetzen. Wissen Sie, was die gemacht haben daraus? Anstiftung zum Amtsmissbrauch und Amtsmissbrauch, Verrat von Amtsgeheimnissen. Mein Akt, das, was ich beschuldigt werde. Privat zu privat. Und was macht der Staatsanwalt daraus? Also was Blödes geht ja gar nicht mehr. Schickt mir eine Mitteilung nach Paragraph 50 StPO, dass ein Verfahren gegen mich wegen diesem Tatbestand eingeleitet wurde, wegen dem. Weil ich meiner ehemaligen Mitarbeiterin eine E-Mail von meinem privaten Account zu ihrem privaten Account geschickt habe, mit der Bitte um Übersetzung. Also das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da warte ich ja schon auf das, dass ich da endlich angeklagt werde, auch zu diesem Faktum. Also blöder geht es ja gar nicht mehr.
Michael Nikbakhsh
Wie ist denn das überhaupt bei Ihnen? Es ist ja offenbar und nicht nur bei Ihnen, sondern generell im oder rund ums BVT immer wieder vorgekommen, dass Beamte eben da sich Material, Informationsmaterial, das sie generiert haben, an private Gmail-Adressen geschickt haben. Sie haben das, wenn ich mich richtig erinnere, im Prozess so dargestellt, dass Gmail eigentlich eine gute und sichere Alternative ist im Vergleich zu den IT-Systemen des BVT. Habe ich das richtig verstanden?
Egisto Ott
Das habe ich nicht dargestellt. Das habe ich nicht gesagt.
Michael Nikbakhsh
Aber Sie haben Google als insgesamt sicheren Dienst dargestellt.
Egisto Ott
Das habe ich auch nicht gesagt.
Michael Nikbakhsh
Sondern?
Egisto Ott
Sondern ich habe gesagt, also wenn ich mir das vom Dienstlichen auf das Private schicke, also ich habe ja einen Grund gehabt, warum. Das Einzige, was ist, wenn man das macht, das hat auch selbst Griedling selbst gemacht, ja. Griedling von Griedling abwärts, alle haben das gemacht. Und wenn sie beispielsweise nur auf irgendwelche Konferenzen gefahren sind, damit man Konferenzen oder Besprechungen, damit man das irgendwo sofort entweder, so wie später dann, wo er auf dem Handy gehabt hat und vorher, dass man es eben auf einem privaten Gerät irgendwo gehabt hat, weil die dienstlichen Geräte halt nicht so waren. Ja, es war halt anders. Oder es ist, dienstliches ist nicht zur Verfügung gestanden. Das haben alle gemacht. Ich habe das deswegen auch gemacht, dass ich diese Unterlagen, die ich mir damals geschickt habe, weil ich die zur Schulung gebraucht habe. Ich war damals in Kärnten zu Hause und ich konnte von diesem Laptop, vom dienstlichen Laptop, den ich da gehabt habe, konnte ich nichts ausdrucken. Und ich konnte es auch nicht auf einen Stick ziehen, das ist mir dann auf einen privaten Ausdruck. Und die einzige Möglichkeit wäre gewesen, ich wäre von Kärnten nach Wien gefahren und hätte in Wien das ausgerufen und war wieder zurück rübergefahren, in meiner Freizeit. Ich meine, man kann mir auch vorwerfen, dass ich in meiner Freizeit mich vorbereitet habe und dass ich gearbeitet habe, auch in meiner Freizeit, dienstlich. Ja, man kann sagen, du bist ein Trottel, dass du das machst, das Ganze. Ja, kann man alles sagen. Das kann man straffrei auch sagen. Wegen dem werde ich auch niemanden belangen. Ja, ich war ein Depp. Ich habe auch viel zu viel gearbeitet, Tag und Nacht eigentlich immer, war immer rund um die Uhr erreichbar, habe das aber auch nie in Rechnung gestellt. Und deswegen habe ich es mir vom Dienstlichen auf das Private geschickt, das Ganze, damit ich es dort ausgedruckt habe, vorbereitet habe für die Schulung eines verdeckten Ermittlers, eines besonders sensiblen verdeckten Ermittlers. Und auch Misbichler, der stellvertretende Abteilungsleiter, hat das auch in seiner Einvernahme, hat das dann auch als einen der letzten Sätze auch bestätigt, das Ganze, dass es ein Blödsinn war. Wegen dem hat mich Griedling angezeigt, wegen Verrat von Staatsgeheimnissen. Da habe ich gesagt, okay, wenn das jetzt dann in Wien ausgedruckt hätte, in einer Briefkurve eingetan und mir runterschickt, dann ist es dasselbe, das Ganze. Wenn einer den Brief aufreißt oder Google irgendwo das aufmacht, das liest, ist ja das alles widerrechtlich. Ist ja sozusagen das Fernmeldegeheimnis verletzt. Oder das Datenschutz und das Ganze verletzt. Dann ist ja das ein Straftat von demjenigen, der das macht. Aber natürlich wissen wir, das Ganze wissen wir heute, das Ganze alles wissen wir, dass ja beispielsweise die NSA das Ganze bei Gmail oder auch die anderen überall mitliest, weil sie natürlich in den diversen Knoten drinnen hängen. Wissen wir ja.
Michael Nikbakhsh
Deswegen hätte mich die Aussage, dass Google sicher ist, überrascht.
Egisto Ott
Ja, es ist sicher. Schauen Sie, was hat denn das betroffen? Hat das irgendetwas anderes irgendwas betroffen und irgendwas, was gegen die Interessen war? Es waren alte Dokumente, die ich selbst gehabt habe, bearbeitet habe und die ich dann für Schulungen verwendet habe. So, jetzt erklären Sie mir das, was daran ist. Das Einzige, was gewesen wäre, aber es ist kein Verrat an Staatsgeheimnissen, das ist ja ein Hirngespinst von Griedling, das ist ja, das lässt mich ja wirklich zweifeln, auch an seiner Dissertation oder das Ganze, oder das, was er geschrieben hat. Das kann ja auch nur ein Fake sein. Das kann nur ein Plagiat irgendwo sein, weil das gibt es nicht, dass jemand News studiert hat und das nicht den Unterschied nicht weiß. Ich meine, ich weiß schon, was der Hintergrund war, das Ganze, der Beginn der Ermittlungen gegen mich.
Michael Nikbakhsh
Der Beginn der Ermittlungen gegen Sie, Sie haben es jetzt mehrfach gesagt, ist ein anonymer Hinweis an die BVT-Leitung, dass Griedling.
Egisto Ott
Das sagt der Griedling.
Michael Nikbakhsh
Woher hätte, wissen Sie es mittlerweile, wie man Ihnen da jetzt auf die Schliche gekommen wäre, oder anders gefragt, woher Peter Griedling gewusst hätte, dass Sie sich Daten aus dem BVT auf Ihre private Gmail-Adresse schicken?
Egisto Ott
Warum soll man mir auch irgendwo auf die Schliche kommen? Ich habe nichts verbrochen. Das ist einmal, das ist irgendeine Unterstellung, dass man mir irgendwo, dass er mir irgendwo auf die Schliche gekommen ist. Ich sage Ihnen nur eines, das Ganze, ich wusste ja schon auch schon lange, lange vorher, das ist ungefähr, das ist glaube ich ein, zwei Jahre, dass der Griedling zwei Leute beauftragt hat, die ganzen E-Mails, das Ganze alles zu kontrollieren, alle von allen, was ja illegal ist. Für das muss er nicht schauen, zum Beispiel. Griedling hat ja auch geschrieben in der ersten Anzeige, dass er im Jänner schon, Jänner 2017, Informationen bekommen hätte von diesem befreundeten Dienst, den imaginären. Dann gibt es ja drei Versionen von diesem Anlassbericht, dem ersten Anlassbericht. Der erste ist überhaupt datiert mit 2.1.2017, über Vorfälle, die im November 2017 stattfinden. Das ist ja die nächste Wahrsagerei. Warum sagt er mir dann nicht gleich, wie gesagt, die Lottozahlen? Oder von Euromillionen, war noch besser.
Michael Nikbakhsh
Also der Hinweis sei von einem Dienst im Ausland geführt worden.
Egisto Ott
Ja, sagt er auch. Warum hat er, in seiner Einvernahme hat er ebenfalls gesagt, dass er das Ganze, das ist der gleiche Vorwurf, er wurde ja befragt. Da hat er gesagt, nein, das darf er nicht. Es verbietet ihm das Polizeikooperationsgesetz, das Amtsgeheimnis, er ist nicht im Bunten wegen dem. Er darf das nicht sagen. Das werden Sie ja sicher gelesen haben.
Michael Nikbakhsh
Ja, ja, absolut, aber er ist ja als Zeuge befragt worden.
Egisto Ott
Ja.
Michael Nikbakhsh
Ja, und ich habe Sie ja gefragt, ob es nicht in Ihrem ureigensten Interesse als Angeklagter wäre, Namen des Dienstes, den Sie zugearbeitet haben, zu nennen, beziehungsweise eine Genehmigung einzuholen, das zu tun, damit Sie Ihre Position im Verfahren stärken. Das war meine Frage.
Egisto Ott
Ja, aber diese Genehmigung wird es nie geben.
Michael Nikbakhsh
Weil Sie sie nicht eingeholt haben.
Egisto Ott
Diese Genehmigung wird es nie geben, das Ganze, weil Nachrichtendienste, andere Nachrichtendienste in solchen Verfahren nicht auftreten wollen. Punkt, fertig.
Michael Nikbakhsh
Aber Herr Ott, ich finde als Nachrichtendienstler beruflich, wenn Sie gestatten, erledigt. Sie werden ja in dem Geschäft keine Tätigkeiten mehr entfalten.
Egisto Ott
Ich bin jetzt ein faires, ich wäre jetzt Ende des Monats 64, nächstes Jahr wäre ich 65. Ich habe kein großes Interesse mehr. Ich werde ein bisschen journalistisch noch tätig werden. Ich werde Buch schreiben, beziehungsweise ein Manuskript gibt es ja schon.
Michael Nikbakhsh
Es gibt ein Manuskript zu Ihrem Fall?
Egisto Ott
Ja.
Michael Nikbakhsh
Wann veröffentlichen Sie?
Egisto Ott
Das weiß ich noch nicht. So gebe ich in der Zeit die Oberösterreich-Connection.
Michael Nikbakhsh
Ich möchte gegen Ende, Stichwort Öffentlichkeit, Veröffentlichung, noch auf Ihr rechtliches Vorgehen, Sie haben eine Journalistin, die ist jetzt mehrfach genannt worden, also ich gehe jetzt davon aus, dass Sie sie gemeint haben, als Sie von einer Journalistin geredet haben.
Egisto Ott
Ich habe sie nicht genannt. Sie haben sie genannt.
Michael Nikbakhsh
Ich habe sie nicht genannt. Ich habe Ihnen gesagt, ich denke mir, das ist Romana Thalhammer, Chefredakteurin von Profilgeld, da sind Sie in einem Rechtsstreit verfangen, in welchem Stand sind wir da, warum haben Sie sie geklagt?
Egisto Ott
Ich habe sie geklagt, weil sie die Unschutzvermutung verletzt hat. Und es ist jetzt vertagt worden auf Oktober, irgendwann im Oktober ist die nächste Verhandlung.
Michael Nikbakhsh
Sie haben auch die Kabarettistin Malarina geklagt. Warum da? Ist
Egisto Ott
Auch sie hat die Unschutzvermutung verletzt. Und da gibt es noch keinen Termin, da habe ich noch keinen Termin herzuhören.
Michael Nikbakhsh
Wir reden da von Social Media Postings, die geteilt wurden, beziehungsweise verfasst wurden.
Egisto Ott
Ja, die Frau Malarina hat jetzt glaube ich gemeint, ja auch irgendwo, dass das Satire oder irgendwas oder irgendwas ist. Wenn ich die Unschutzvermutung verletze, hat das mit Satire nichts zu tun. Schauen Sie, die Tagespresse beispielsweise, die macht das sehr geschickt. Da muss ich wirklich sagen, ich habe ja auch vorher nie ein Facebook-Profil oder ein Twitter-Profil gehabt. Ich habe mir das voriges Jahr eingerichtet. Und ich muss wirklich sagen, die machen das sehr, sehr, sehr, sehr gut. Und da habe ich auch in einem Twitter, in einem Posting habe ich dann auch gesagt, das ist Satire. Das ist wirklich, das ist gut, ja. Weil man wirft mir auch immer vor, ich habe keinen Humor, ich lasse das nicht zu oder das, die Armen. Ja, das Internet ist nicht frei, ich kann auch von dort nicht sagen, was ich will. Ich kann nicht irgendwelche Anschuldigungen, irgendwas anderes treffen, das Ganze. Ich kann auch nicht irgendwas sagen. Oder auch derjenige, der da gepostet hat, der hat gepostet, was für ein Arsch, und die Dame hat dann drunter geliked. Es gibt die Rechtsprechung dazu, ja, und sie wurde auch verurteilt. Und das ist auch bis zum auch das Oberlandesgericht, sie ist rechtmäßig verurteilt. Und so wie es auch alle, viele, viele andere auch noch werden.
Michael Nikbakhsh
Ich frage Sie das deshalb, weil ich habe.
Egisto Ott
Muss ich mir das? Nein, ich frage Sie aber was anderes. Muss ich mir das alles gefallen lassen? Muss ich, abgesehen davon, dass ich jetzt sowieso, also ich bin unschuldig, ja. Und es wird eine Hetzkampagne gemacht, das Ganze, auch das Allerärgste war ja dann 2024 nach meiner zweiten Verhaftung. Also da ist ja 14 Tage oder mehr als 14 Tage ist ja da eine Kampagne gelaufen, ich habe sie nur aus der U-Haft irgendwo verfolgt, ich habe nur den Kopf gebeutelt. Journalisten waren bei einem Nachbarn. Und da wollten oder hat die angerufen, das Ganze. Hat die Nachbarin angerufen, da hat sie sich gefragt, wo er überhaupt die Telefonnummer herhat. Und hat sie angefragt, und da hat sie gefragt, ob sie nicht irgendwelche Fotos hätte von mir oder irgendwas anderes. Und da hat sie dann gesagt, ja, sie hätte schon, aber was würde das bringen? Ja, da könnte man sich schon einigen, der würde da zahlen dafür. Ein sogenannter Chefredakteur.
Michael Nikbakhsh
Ich finde das auch sehr interessant.
Egisto Ott
Nein, nein, es ist sehr lustig, und wissen Sie, was noch lustig ist?
Michael Nikbakhsh
Sie bekommen drei Handys im Postkasten.
Egisto Ott
Nein, das ist jetzt nicht so.
Egisto Ott
Lass, lass, lass. Nicht ablenken.
Michael Nikbakhsh
Nein, nein, ich komme gleich zum Punkt. Und wissen nicht, wem sie gehören, haben keinen dienstlichen Auftrag, aber beginnen sich dafür zu interessieren, wollen einen Privateditiv beauftragen, um hier quasi Klarheit zu schaffen. Ja, Journalisten recherchieren und dass man in ihrer Nachbarschaft sich umhört, was man zu erzählen hat zu ihnen, das ist klassisches journalistisches Geschäft. Also wenn es um Sie geht, stört es Sie, aber wenn Sie es selber machen, geht es.
Egisto Ott
Nein, nein, das ist, wissen Sie, was mich stört? Weil es stört mich nämlich eines noch, dass bei der, es war ja so eine geheime Hausdurchsuchung damals oder ein bisschen Festnahme, dass nämlich automatisch schon ein Journalist der Kronenzeitung schon gleich bei der Festnahme, beim Erstürmen vom Haus gleich dabei war. Und wissen Sie, was nämlich noch das Auge war? Man wirft mir vor, Amtsmissbrauch, und zwar zu dem, das schwerste Delikt, und geheimer Nachrichtendienst, das ist ja damals mit drei Jahren bedroht. Nicht, das ist das schwerste Delikt, Amtsmissbrauch, ein Schreibtischdelikt. Also durch ein Innendelikt, ja. Das wirft man mir vor. Und dann kommt man mit der Cobra, insgesamt sind, glaube ich, 15 Leute gekommen, trifft die die Balkontür ein, dass die Scherben bis auf die andere Seite um mich fliegen, also ungefähr 7, 8 Meter, dann mit dem vermummt, mit Sturmgewehren, dringt man ein ins Gästezimmer im Erdgeschoss, die Tür aufgedroschen, hinein, und dort schläft die Schwiegertochter mit dem vierjährigen Enkel. Und weckt die auf und das Ganze, das ist bis heute geschockt. 2021, nein, nein, Moment, Moment, Moment. Das Ganze, es geht ja darum, 2021, bei der Hausdurchsuchung damals, bei der Erstürmung meiner Wohnung. Meine Frau, die nichts irgendwo damit zu tun hat, das Ganze, geht mit den Hunden Gassi in der Früh. Und wie sie zurückgeht, wird sie im Hauseingang, also im Hofeingang, dort an die Wand geklatscht und wird verletzt, das Ganze, von den Polizisten. Es wird ihr aus ihren Taschen das Ganze, das Handy herausgenommen, es werden die Wohnungsschlüssel illegal herausgenommen und man dringt illegal in die Wohnung ein. Wir haben dann eine Maßnahmebeschwerde, ja, und zusätzlich wird sie noch über eine Stunde oder noch insgesamt, glaube ich, zwei Stunden festgehalten, ohne irgendeine Rechtsgrundlage. Auch die Identitätsfeststellung, was wir irgendwann angenommen haben, ist alles illegal gewesen. Das Landesverwaltungsgericht Wien hat das rechtskräftig festgestellt. Wir haben auch dann eine Anzeige gemacht, also eine strafrechtliche. Das ist alles zerschlagen worden. So schaut der Rechtsstaat dann aus. Und dann erwarten sie von mir irgendwas anderes, dann soll ich irgendwann noch, ich sage, auf dort kooperativ sein. Nein, ich bin kooperativ, ich komme zu jeder Einvernahme, ich sage auch aus, aber ich nehme meine Rechte wahr. Und vor allem, solange ich, ich habe schon zigfach, also bei der Polizei ebenfalls, ich habe ja das Recht, Akteneinsicht bei der Polizei und bei der Staatsanwaltschaft. Bei der Staatsanwaltschaft kriege ichs, manche Dinge halten es zurück, Kriege hört dann irgendwann später. Bei der Polizei habe ich bis heute nicht die volle Akteneinsicht bekommen. Immer wieder tauchen dann zitzahlweise, werden irgendwas anderes weitergegeben, irgendwas anderes. Bis heute nicht. Erst unlängst war ich ja wieder bei zwei Einvernahmen und habe wieder gesagt, ich will uneingeschränkt Akteneinsicht in alles. Oder ich will eine komplette Abschrift haben. Ich will auch von den sichergestellten Dingen alles auch eine komplette Kopie haben. Steht mir zu. Es gibt die Rechtsprechung dazu. Das passiert nicht. Da frage ich mich, wer arbeitet hier jetzt hier illegal? Wer arbeitet hier nicht rechtmäßig oder nicht rechtskonform? Es wird einfach verweigert. Nein, du kriegst das nicht. Man hat mir ja damals 2021 bei der Festnahme, hat mir ja der eine Kollege gesagt, wo ich gesagt habe, ich will mich, ich berufe mich auf meine Rechte. Ich habe gesagt, du hast keine Rechte. Oder ich habe gesagt, das ist mein Recht oder irgendwas anderes. Du hast keine Rechte, hat er mir gesagt. Und noch dazu hat er mich beschimpft, Arschloch oder so ähnlich.
Michael Nikbakhsh
Sie hatten zum Zeitpunkt dieser eine Dienstwaffe?
Egisto Ott
2021, ja.
Michael Nikbakhsh
Ist das nicht völlig normal, dass die Cobra ausrückt, wenn jemand eine Waffe hat daheim? Bekannterweise.
Egisto Ott
Das ist vollkommener Schwachsinn. Wenn ich jemals irgendwo gewalttätig war, ist es was anderes gewesen. Wenn ein Kollege irgendwas anderes ist, man klopft normal an und wenn man schon irgendwas anderes glaubt, man muss das irgendwo geheim machen, dann mache ich es halt mit irgendeinem Trick oder irgendwas anderes. Aber ich brauche keine Cobra, nicht irgendwas dazu. Ich brauche nicht irgendwas das einschlagen. Das macht man, das ist ja Unverhältnismäßigkeit. Die Verhältnismäßigkeit passt nicht. Die passt hinten und vorne nicht.
Michael Nikbakhsh
Ich glaube, mich zu erinnern, dass bei einer früheren Festnahme haben Sie sich auch körperlich widersetzt, war das nicht?
Egisto Ott
Nein, ich habe mich passiv gewehrt. Und das ist auch ebenfalls das Ganze. Man hat mich angezeigt wegen Widerstand und Widerstand gegen die Staatsanwaltschaft ist nur dann strafbar, wenn man sich aktiv wehrt. Ich habe mich passiv gewehrt. Passiv heißt das Ganze, wenn Sie den Akt richtig gelesen haben oder auch das vom Landesverwaltungsgericht, können Sie sich abrufen. Ich habe mich in die, wie heißt das schnell, in die embryonale Stellung zurückgezogen. Gewalt wurde gegen mich ausgeübt und das Ganze. Und dann hat man mich sogar angezeigt wegen Verleumdung, weiß ich was alles. Da bin ich ja freigesprochen worden beziehungsweise alles, weil ich ja nachweisen kann, ich war ja verletzt. Ich habe ja die Verletzungen gehabt, die man mir zugefügt hat. Und die drei Kollegen haben sich ja widersprochen. Der eine hat gesagt, ich bin dort gestanden, der andere hat gesagt, ich bin auf ihn zugegangen, der dritte hat gesagt, ich bin dort gesessen oder ich bin überhaupt an einer anderen Stelle gewesen. Ich habe mich gut vorbereitet gehabt, habe eine Skizze von der Wohnung gemacht und habe das gezeigt und habe ich dokumentieren können, dass das gar nicht geht, mit Lichtbildern und, und, und. Also ich habe eigentlich die Arbeit gemacht, was die machen hätten sollen. Und vor allem, sowas macht man ja nicht. Und die Leute wissen, wo die herkommen, aus dem Suchtgiftbereich. So gehen die auch um, wahrscheinlich mit den Suchtgift-Tätern. Okay, ist halt ein bisschen anderes Milieu. Aber mit einem Beamten, der nur wegen angeklagt ist oder verdächtigt ist wegen Amtsmissbrauch, solche Dinge machen. Die Frau, die unschuldig ist, die nichts damit zu tun hat, das Ganze wird an die Wand gestellt. Wo leben wir denn? Leben wir jetzt wirklich das Ganze, also leben wir in Russland oder in Nordkorea? Gibt es bei uns noch irgendwo Gesetze? Also schön langsam glaube ich wirklich, dass wir irgendwo dort leben.
Michael Nikbakhsh
Das ist interessant, weil der Gesetzesbuch ist ja letztlich genau der, der Ihnen auch vorgeworfen wird, nicht?
Egisto Ott
Nein, was wird mir vorgeworfen?
Michael Nikbakhsh
Vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen.
Egisto Ott
Nein, ich habe alles genau dokumentiert. Ich habe es ja dokumentiert, ich habe es ja aufbewahrt.
Michael Nikbakhsh
Ja, und das behaupten Sie. Es gibt kein einziges Dokument, das Sie zu Ihrer Entlastung vorlegen konnten, soweit ich weiß.
Egisto Ott
Nein, es sind nur die Berichte verschwunden. Weil die anderen Dokumente, die sind ja in meinen drinnen. Es gibt ja auch eine E-Mail mit Fall Doktor, das Ganze. Gibt es ja auch, die Sie mir geschickt haben. Warum schreibe ich dann das da oben rein? Warum schicken wir das per E-Mail auf den dienstlichen Computer? Ist ja alles abgespeichert. Das haben Sie offensichtlich nicht gelesen. Sie müssen endlich einmal, wenn Sie auch die ganzen Akten irgendwo haben, lesen Sie die wirklich einmal. Gehen Sie nicht her, so wie die Staatsanwaltschaft, die tut nichts anderes, als wie Copy-Paste machen. Markieren, kopieren, einfügen. Das, was die Polizei schreibt. Und die schreiben, die haben einen gewissen Auftrag und in die Richtung schreiben sie. Nichts anderes. Und erinnern Sie nur an das eine E-Mail, das Ganze alles. Oder den einen Fall, den ich jetzt herausgepickt habe, das Ganze mit dem, wo ich meiner ehemaligen Mitarbeiterin in Rom das geschrieben habe. Mit der Übersetzung. Das ist ja wirklich, das ist der Tupfen auf dem i.
Michael Nikbakhsh
Ich habe noch zwei Punkte. Einer betrifft die Klagen gegen Kollegin Thalhammer beziehungsweise Malarina. Ich habe Sie vor über einem Jahr in einem Podcast Jan Marsaleks "Eifriger Spion" genannt. Das hat Sie nicht weiter bekümmert. Wahrscheinlich haben Sie es nicht gehört.
Egisto Ott
Muss ich mal nochmal schauen. Vielleicht ist, ich weiß nicht, ob es verjährt ist.
Michael Nikbakhsh
Ich habe schon mal nachgefragt. Naja, ich weiß gar nicht, ob das verjährt. Wenn Sie es jetzt erst hören, steht Ihnen eine freie rechtliche Schritte zu ergreifen. Dann habe ich noch eine Frage abschließend. Im Jahresverlauf 2017 habe ich relativ überraschend Post bekommen, anonyme Post, zuerst tatsächlich Briefpost und anschließend E-Mails. Und diese E-Mails waren Sachverhaltsdarstellungen an mehrere Adressen. Eine war eben offenbar auch ich, wo es um Missstände im BVT ging beziehungsweise im BMI. Ein schwarzes Netzwerk soll dort sein Unwesen getrieben haben. Das war der Kern. Es gibt den Verdacht, dass Sie mit dem sogenannten Konvolut in Verbindung standen.
Egisto Ott
Nein, ich stehe immer noch. Also ich habe noch keine Einstellung bekommen.
Michael Nikbakhsh
Oder stehen Sie damit in Verbindung, frage ich Sie.
Egisto Ott
Laut Staatsanwaltschaft schon.
Michael Nikbakhsh
Was sagen Sie?
Egisto Ott
Nein, ich stehe mit denen nicht in Verbindung. Ich habe das Konvolut das erste Mal zu Gesicht bekommen, wissen Sie, wann ich das bekommen habe? Genau am 28. Februar 2018, wie die Hausdurchsuchung war im BVT. Da war ich, genau auf dem Tag war ich bei meinem damaligen Anwalt, beim Doktor Stögerer, in der Merilferstraße und bin am Abend dann in die Wohnung gekommen und dann war auch wieder so ein Kuvert in meinem Briefkasten drinnen und da war ein Stick drinnen. Und den Stick habe ich dann überprüfen lassen zuerst und erst nachher abgeschaut und auf dem Stick war dann das Konvolut, aber nicht diese 39 Seiten, sondern nur 35 Seiten. Und wissen Sie, was der Header war? Also ich habe das auch, wenn man es ja ausgelesen hat, aber es war auf einem Stick, also der Header war nämlich, das ist gekommen von einem Drucker, da ist dann oben gestanden 8SD, glaube ich, also so wie, ich nehme an, 8. Stock, und dann vgn.at. Das würde heißen für mich 8. Stock, Verlagsgruppe News.
Michael Nikbakhsh
Ja, und das war mein Exemplar.
Egisto Ott
Ja, und warum habe ich das? Warum habe ich das nicht?
Michael Nikbakhsh
Das weiß ich nicht. Ich wollte Sie gerade fragen, wieso mein Name in Ihrem Terminkalender stand. Bei einer HD wurde Ihr Terminkalender sichergestellt aus dem Jahr 2017 und da stand mein Name drin.
Egisto Ott
Wo ist der drin gestanden?
Michael Nikbakhsh
An irgendeinem Tag war einfach eine Notiz, da haben es offensichtlich Sie meinen Namen notiert. Die Ermittler gehen davon aus, dass das ein Hinweis darauf sei, dass Sie mich im Zusammenhang mit dem Konvolut kontaktieren wollten.
Egisto Ott
Nein, mit Sicherheit nicht, sondern ich habe das.
Michael Nikbakhsh
Herr Ott, also Sie haben das Konvolut eben auch von mir bekommen.
Egisto Ott
Es war in einem Kuvert drinnen, das war 35 Seiten, also ein Dokument, ein PDF-Dokument, 35 Seiten, habe ich heute noch. Das war das erste Mal, dass ich das gesehen habe. Das ist mir natürlich das gefallen. Aber nur, weil ich mir Ihren Namen irgendwo das aufgeschrieben habe, ich habe Ihre Berichte immer sehr geschätzt, das Ganze, nicht nur von Ihnen, auch vom Kollegen Melichar, wirklich geschätzt, das Ganze, und auch Ihre Arbeit, die Sie geleistet haben bei Profil, habe ich geschätzt. Und wie Sie ausgeschieden sind, habe ich mein Abo gekündigt. Und mein Grund war, der Kündigungsgrund, das habe ich auch ins Kündigungsschreiben hineingeschrieben, weil Sie ausgeschieden sind. Und so etwas will ich nicht weiter unterstützen, habe ich gesagt. Also Sie können sich das auch holen lassen von der Aboabteilung oder ich schicke Ihnen das nochmal zu, meine Kündigung
Michael Nikbakhsh
Also fürs Protokoll, der von Ihnen geschätzte Journalist hat dann die Dunkelkammer eröffnet und im Zuge der Berichterstattung Sie Marsaleks "Eifriger Spion" genannt. Es steht Ihnen frei, dagegen rechtlich vorzugehen. Ich werde es jetzt justament nicht löschen, natürlich.
Egisto Ott
Nein, passt eh. Ich bin ja nicht verpflichtet, bin nicht verpflichtet, jemanden zu klagen. Ich kann nicht.
Michael Nikbakhsh
Nein, es wäre die Frage gewesen, nach welchen Kriterien Sie eigentlich entscheiden, ob Sie jemanden klagen oder nicht. Sie werden das Urteil, wenn es kein Freispruch wird, anfechten. Ist davon auszugehen?
Egisto Ott
Mit Sicherheit.
Michael Nikbakhsh
Bis dahin gilt, selbstverständlich, und bis zu einer allfälligen rechtskräftigen Verurteilung für Sie die Unschuldsvermutung. Das sei hier zum Abschluss auch noch gesagt. Herr Ott, vielen Dank für die Zeit.
Egisto Ott
Ich danke für die Einladung und danke, dass ich mich hier dementsprechend auch äußern konnte.
Autor:in:Felix Keiser |
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