Bühneneingang
NACHGEFRAGT: Wie läuft der Kampf für ein "zeitgemäßes Theater"? - mit Tine Wesp & Charlotte Koppenhöfer
Im Herbst 2025 wurde „Das zeitgemäße Theater“ gegründet, laut Selbstcharakterisierung eine Plattform für "Verantwortung, Wandel und neue Erzählungen im Theater". Mehrere Skandale rund um Machtmissbrauch und schlechte Arbeitsbedingungen im Kulturbetrieb hatten dazu geführt, dass der Start der Initiative medial und branchenintern mit Argusaugen beobachtet wurde. Doch was hat sich seither getan? Wie hat die Szene auf das Angebot reagiert? Gab es Gespräche mit Politik, Verwaltung und Beratungsstellen? Und welche Rückschlüsse lassen sich aus den bisherigen Aktivitäten ziehen? In Folge 82 geben die beiden Gründerinnen und Vorstandsmitglieder Tine Wesp und Charlotte Koppenhöfer Auskunft.
Fabian Burstein
Hallo und herzlich willkommen am Bühneneingang. Mein Name ist Fabian Burstein, ich bin Kulturmanager und Autor, und in diesem Podcast zeige ich euch den Kulturbetrieb von innen, so wie er wirklich ist. Meine heutigen Gäste sind die Maskenbildnerin Tine Wesp und die Organisationsberaterin Charlotte Koppenhöfer. Die beiden sind Mitinitiatorinnen und Vorstandsmitglieder der Plattform "Das zeitgemäße Theater", die Impulse und Werkzeuge für ein faires Arbeitsklima an Bühnen und anderen Kulturinstitutionen bereitstellen will. Die Gründung der Initiative hat uns bereits in Folge 58 beschäftigt, nun rund ein halbes Jahr später ist der ideale Zeitpunkt, um konkret nachzufragen: Wie hat die Szene, wie haben insbesondere die Akteur:innen jenseits der Führungsebene auf dieses neue Angebot reagiert? Gab es Gesprächsangebote aus Politik, Verwaltung und Beratungseinrichtungen? Welche Vorbehalte zum Thema Lernfähigkeit des Theaters haben sich zerschlagen, welche neuen Gräben haben sich aufgetan? Und was bezwecken die Gründerinnen mit ihrem Open Call für die Auszeichnung "Das zeitgemäße Theater der Saison 2025/26"? Liebe Tine, liebe Charlotte, again herzlich willkommen im Bühneneingangsstudio.
Tine Wesp
Dankeschön, schön wieder da zu sein.
Charlotte Koppenhöfer
Vielen Dank, dass du uns am Bühneneingang abgeholt hast.
Fabian Burstein
Sehr gerne. Wir müssen gleich noch einmal personell einordnen: Die Tine Wesp war damals in Folge 58 zu Gast, du Charlotte warst aber auch schon mal bei uns im Rahmen eines Theaterprojekts in Konstanz. Ich habe damals das Theater Konstanz besucht, und es ging um einen Rollenwechsel. Wie war das noch einmal?
Charlotte Koppenhöfer
Das Theater Konstanz hatte sich entschieden, einen Teil der Programmatik in die, also in den Entscheidungen in die Hände seiner Belegschaft zu geben. Und klug genug haben sie sich entschieden, dass sie das nicht so machen wie in den 70ern bei Stein oder ähnlichen Experimenten, sondern sie haben eben eine prozessbegleitende Moderation dabei gehabt, die auch so Entscheidungsmethoden beibringen kann. Und das war meine wundervolle Aufgabe.
Fabian Burstein
Werde ich auch in die Shownotes geben, diese Folge. Sehr hörenswert. Hat ja auch viel mit dem zeitgemäßen Theater zu tun, über das wir heute sprechen werden. Kurzer Rückblick: Wir haben ja in Folge 58 über den Startschuss damals gesprochen. Für alle, die jetzt neu dabei sind, also sprich, diese Folge nicht gehört haben und sie auch nicht unmittelbar parat haben: Was war denn der, unter Anführungsstrichen, Urknall für diese Plattform? Was ist der Kern eures Katalogs zur, sage ich mal, zeitgemäßen Theaterarbeit?
Tine Wesp
Wir haben festgestellt, dass es immense Lücken gibt im Wissen bei Menschen, die am Theater arbeiten und sind erfolglos durch die Institutionen, die es gab, gegangen und haben gesagt: Ja, wir hätten gerne eine Handreichung, die es auch im Sport gibt. Und da es das nicht gab und auch es keiner dann gemacht hat oder sich der Sache angenommen hat, haben wir es selber gemacht und haben, weil es niedrigschwellig ist, eine Website gestaltet, die als Wissensdrehscheibe fungieren sollte.
Wir wollten Informationen unter Theaterschaffende bringen, ihnen Institutionen nennen, wo sie sich bei bestimmten Belangen hinwenden können, einen Austausch schaffen, dass Erfahrungen zählen und sie gehört werden können. Wir wollten eigentlich, was uns auch wichtig ist, positiv Beispiele sichtbar machen, weil wir die nicht gefunden haben. Da kommen wir dann später noch mal zu, weil das mit unserem Open Call sehr, sehr eng verwoben ist. Genau, und dann haben wir es halt einfach gemacht.
Fabian Burstein
Und jetzt, wo ihr es einfach gemacht habt: Hat sich euer Selbstverständnis seit dem Launch irgendwie geändert oder geschärft? Ich meine, ich kenne das ja aus Dingen, auch die ich schon gemacht habe. Man startet los, oft mit sehr, na ja, auch idealistischen oder hochtrabenden Zielen und kommt am Weg drauf, dass man vieles davon vielleicht nicht erreichen kann, dafür aber andere Dinge sehr wohl. Habt ihr auch so eine Erfahrung gemacht?
Charlotte Koppenhöfer
Ja, Tine hat ganz gut beschrieben, wie wir eigentlich auf dem Weg waren, Wissen in die Welt zu tragen, um die Lücken oder um einen Teil dazu beizutragen, um die Lücken zu stopfen. Wir sind natürlich als Gruppe auf dem Weg gewachsen und schließlich wurden wir auch aufgefordert, einen Verein zu gründen, was eigentlich gar nicht so der ursprüngliche Plan war. Und ein Verein lebt natürlich immer von dem Mitwirken seiner Vereinsmitglieder. Und natürlich hat sich über den Verlauf jetzt auch gezeigt, dass es jenseits des wir stellen Wissen bereit, wir arbeiten als Wissensdrehscheibe, ein Interesse gibt von unseren Vereinsmitgliedern, dass wir das Thema möglichst auch außerhalb des digitalen Raums weiter vorantreiben.
Fabian Burstein
Das bedeutet konkret, ihr sollt was machen? Stammtische oder ein Symposium oder eine Beratungsstelle oder was bedeutet das?
Charlotte Koppenhöfer
Die Lösung wird uns da in dem Sinne gar noch nicht vorgegeben, weil wir kennen die auch nicht. Also niemand kennt die Lösung. Aber der Punkt ist schließlich, dass wir das Thema Risikobranche Theater, dass wir dieses Thema ein bisschen mehr in die Gesellschaft tragen.
Fabian Burstein
Was macht diese Risikobranche denn zu einer Risikobranche? Normalerweise würde man ja nicht sagen, dass ein Kulturbetrieb eine Risikobranche ist.
Charlotte Koppenhöfer
Ja, das ist eben eigentlich ist das noch zu entscheiden. Denn Österreich hat das sogenannte ILO-190-Abkommen ratifiziert. Das ist jetzt seit letztem Herbst in Kraft, wie man so schön sagt. Und in diesem Abkommen steht, dass der ratifizierende Staat sich darum bemüht, dass die jeweiligen Branchen einen sicheren Arbeitsplatz bieten, einen gewaltfreien Arbeitsplatz bieten. Das ist eigentlich sehr schön ausformuliert. Und Österreich hat sich auch bereit erklärt, sich dem zu widmen. Und tatsächlich sind sie auch so weit gekommen, zu sagen: In der Gastro und in der Pflegebranche sehen wir das auch, dass es eine Hochrisikobranche ist. Aber wir würden halt gerne Daten erheben oder wir würden gerne erhobene Daten haben, die eben zeigen, dass wir auch im Kulturbereich eine Hochrisikobranche haben.
Fabian Burstein
Das musst du mir genauer erklären. Da gab es ein Ratifizierungsverfahren. Wo lässt man so was ratifizieren?
Charlotte Koppenhöfer
Na, das ist im Prinzip das übliche UN-Prozedere. Also.
Fabian Burstein
Das heißt, das ist ein UN-Programm der Vereinten Nationen?
Charlotte Koppenhöfer
Genau, also ein Abkommen der Vereinten Nationen, dass eben die europäischen Staaten einen um den anderen ratifizieren. Und Österreich ist seit letztem Herbst dabei. Und in dem Abkommen steht eben, dass sich die Staaten verpflichten, dass sie Erhebungen machen, ob Branchen Hochrisikobranchen sind. Und eine Sache würde ich vielleicht dann noch abgrenzen: Wir stehen nicht auf dem Standpunkt, dass Theater branchenüblich Sodom und Gomorra haben. Das ist, glaube ich, wichtig zu differenzieren. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass die Branche ein hohes Risiko hat, dass bestimmte Fehlverhaltensweisen vorkommen können. Das ist, finde ich, eine wichtige Unterscheidung.
Fabian Burstein
Aber ich stelle mich jetzt natürlich naiv.
Charlotte Koppenhöfer
Bitte.
Fabian Burstein
Warum? Im Kern ist es ein Haus, ein schönes Haus meistens. Es ist eine Bühne. Es ist ein Stück, das ein gescheiter Schriftsteller oder eine gescheite Schriftstellerin, eine gescheite Dramatikerin, ein gescheiter Dramatiker geschrieben hat. Es sind Schauspielerinnen und Schauspieler, es ist ein Regisseur. Es sind Maskenbildner, Bühnenbildner, Techniker:innen, also alles auch mit innen. Und ja, und das kann man ja einstudieren und dann am Abend spielen, oder?
Charlotte Koppenhöfer
Ja, ja, absolut. Du hast noch die künstlerische Freiheit vergessen als Argument, auch immer sehr wichtig. Man kann, und das ist empirisch tatsächlich belegt, jenseits von Inhalten, du hast ja sehr viele Inhalte, wie das Theater funktioniert, genannt, kann man einfach Risikofaktoren benennen. Die werden auch von den United Nations genannt, tatsächlich. Und das Theater würde da mit dazufallen. Also gerne genannt wird immer sehr starke hierarchische Gefälle, wenig Aufklärung über die Zuständigkeiten innerhalb der Hierarchien, kaum Organigramme. Also das sind so die Argumente, die auf der institutionsbezogenen Ebene fürs Theater zutreffen. Und natürlich gibt es auch personenbezogene Argumente, aber die sind jetzt innerhalb unseres Vereins nicht das Thema.
Fabian Burstein
Aber das ist ja interessant. Das heißt, dieses Verfahren, das bedeutet, dass man sich dazu bekennt, Risikobranchen zu identifizieren, anhand von empirischen Daten natürlich idealerweise. Und ich glaube, das ist jetzt als wichtiger Seitenstrang rausgekommen. Da geht es jetzt nicht nur darum, ob da Krankheitserreger fluktuieren oder ob es besonders gefährlich ist an der Baustelle, sondern da geht es auch um andere, wesentlich subtilere Faktoren, richtig?
Tine Wesp
Genau. Also es ist die International Labor Organization, das bedeutet ILO. Und da geht es eigentlich darum, dass man tatsächlich gewaltfreie Arbeitsplätze schafft für alle Menschen. Und was bedeutet ein gewaltfreier Arbeitsplatz? Es geht jetzt nicht nur um physische Gewalt, es geht auch um psychische Gewalt, es geht um sexuelle Gewalt. Also die ganze Definitionsbreite, die Gewalt uns bietet, wollen sie abdecken. Und es geht ihnen auch darum, dass sie eben tatsächlich die Staaten auffordern, Branchen, die gefährdet sind, dass sexuelle Gewalt, psychische Gewalt, physische Gewalt passieren, diese Branchen ausmacht und dann darauf reagiert. Wie mache ich solche Branchen auf?
Natürlich kann ich das nur mit Daten, und die müssen erhoben werden. Und das ist auch etwas, was wir uns sehr, sehr wünschen, weil wir sehr wenig Daten finden, die uns da irgendwie zur Seite stehen. Und diese gewaltfreien Arbeitsplätze zu schaffen, da muss in der Ratifizierung hat der Staat sich dazu verpflichtet, dann dem entgegenzuwirken, also die Branchen ausfindig zu machen und dann konkrete Maßnahmen zu setzen. Ob das jetzt Kampagnen sind, ob das Aufklärungsarbeit ist, ob das neue Gesetze sind, das ist dann der nächste Schritt.
Charlotte Koppenhöfer
Und das ist total wesentlich. Da steht sogar drin, dass der Staat sich verpflichtet, den Institutionen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Also die Kulturinstitutionen hätten, wenn man sie dieses Label draufhätte, hätten endlich Ressourcen zur Verfügung, um eben auch Präventions- und Interventionsarbeit zu leisten. Das ist ja auch immer eine große Forderung von Kulturinstitutionen, dass sie sagen: Ja, wir wollen ja, aber wir brauchen einfach Geld.
Fabian Burstein
Hat eigentlich gab es für euch jetzt jenseits, ihr geht es das ja sehr strukturiert an. Das ist mir ja schon aufgefallen seinerzeit, wie ihr das gegründet habt, dann auch, wie man sich die Plattform angeschaut hat. Es ist auch ein bisschen so Teil der Art, auch wichtig kennengelernt habe, Charlotte jetzt in diesem konkreten Fall, auch aus dieser Doppelfunktion früher am Theater, jetzt Organisationsentwicklerin, dass du die Dinge sehr in Modellen denkst.
Ist es wichtig, wenn man so eine Initiative gründet, dass man eben nicht nur ganz vage über die weichen Faktoren spricht und sagt: Grundsätzlich, es muss diverser werden, inklusiver werden, sondern dass man sagt: Na, wir nehmen da jetzt ein Modell her, ein internationales Modell und sagen, wir wollen das jetzt runterstricken und damit wir es runterstricken können, fordern wir folgende Dinge.
Tine Wesp
Ja, weil ohne solche strukturierenden Maßnahmen hätten wir das nie geschafft. Also ohne Charlottes Know-how, was Organisationsentwicklung angeht, was auch Projektprozessbegleitung angeht, hätten wir das in dieser kurzen Zeit, wir haben angefangen letztes Jahr im Frühjahr und am 4. September ist die Website online gegangen, das wäre nicht möglich gewesen. Und diese Art zu denken, hilft es auch, alles, was man an Informationen hat und auch was diese weichen Themen angeht, die man nicht so gut greifen kann, wenn ich versuche, das irgendwie datenbasiert zu greifen, ist es viel, viel klarer.
Charlotte Koppenhöfer
Vielen Dank für die Lorbeeren von beiden Seiten. Ich bin eben aber auch als Psychologin wissenschaftlich ausgebildet. Also wenn etwas modellhaft ist, dann liegt es ein bisschen auch in meiner Natur. Aber wir denken, glaube ich, alle im Verein, dass wir auf Basis von Daten miteinander ins Gespräch kommen sollten. Und mit miteinander meine ich eben unseren Kulturminister, genauso wie unser Kulturministerium, genauso wie die Aufsichten, genauso wie die Direktionen, genauso wie die Belegschaften.
Und ein Punkt, wie man an Daten kommen könnte, wäre, indem man die seit 2013 verpflichtenden Erhebungen zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz durchführen würde. Das sollte regelmäßig passieren. Das heißt nicht, dass das einmal im Jahr passieren muss, um Gottes willen. Aber da könnte man schon von Seiten der Aufsicht mal so ein bisschen nach den Daten fragen. Und dann hätten wir schon Datensätze im Zweifelsfall.
Fabian Burstein
Da muss ich jetzt kurz aufhören. Also aufhören nicht, ich muss nicht aufhören, sondern aufhorchen, so sagt man. Das heißt, es gäbe eigentlich eine Verpflichtung, Erhebungen zur psychischen Gesundheit oder zum psychischen Wohlbefinden von Mitarbeiter:innen an Theatern oder Kulturinstitutionen insgesamt zu machen?
Charlotte Koppenhöfer
Insgesamt in Österreich.
Tine Wesp
Ein Arbeitsgesetz.
Charlotte Koppenhöfer
Das ist ein nationales Gesetz. Genau. Das ist ein nationales Gesetz. Das ist seit 2013 in Kraft und befindet sich in allen Unternehmen. Genau.
Fabian Burstein
Aber das ist, wenn ich es richtig verstanden habe, kein Spezifikum jetzt der Kunst- und Kulturbranche, sondern das ist allgemeines Recht?
Charlotte Koppenhöfer
Das ist nationales Recht. Die Theater fallen da genauso drunter. Es gibt die Herausforderung, dass natürlich diese standardisierten Befragungen, dass die natürlich an Theater adaptiert werden müssten. Dazu bräuchte es jemanden, der sich sowohl mit standardisierten Verfahren als auch mit Theater ganz gut auskennen würde. Aber nichtsdestotrotz, und wir wissen auch, dass es Theater machen, also no offense, aber es wäre halt schön, wenn das mehr passieren würde.
Fabian Burstein
Gut, wir kennen uns jetzt ungefähr aus, wo wir stehen beziehungsweise wo wir hergekommen sind. Jetzt habe ich natürlich ein paar Fragen, die mich brennend interessieren. Seit September ist die Website live und was, glaube ich, alle wissen wollen, nachdem sie ja auch ein bisschen medial präsent war, muss man sagen, also da gab es ja eigentlich eine schöne Resonanz. Ihr wart es, glaube ich, unter anderem im Profil auch in Tageszeitungen vertreten. Also da war doch, da hat man schon mal hingehört oder aufgehört und hat sich gedacht: Oh, was ist, was kommt denn da jetzt um die Ecke? Aber wer hat sich denn daraufhin gemeldet? Mein Klischeebild würde sagen, es war wahrscheinlich so ein bisschen die freie Szene, die gesagt hat: Super, dass ihr das macht und sonst weniger. Aber oft passieren ja völlig überraschende Dinge. Also was hat sich dann zugetragen?
Charlotte Koppenhöfer
Ich würde ganz gerne jetzt mit dem Stereotyp von meiner eigenen Person anfangen. Ich würde ganz gerne mit den Daten anfangen, tatsächlich. Ich habe mir anlässlich unseres Open Calls, der jetzt online ist, mal die Daten angeschaut, erstmalig von der Website. Also ich habe mir die Frage gestellt: Wie viele Menschen haben denn die Website besucht seit Launch? Es ist jetzt ein halbes Jahr online und ich bin mit dem, wir sind mit dem Nischenthema auf sage und schreibe 30.000 Seitenbesuche gekommen. Jetzt kann man sagen: Ja, die waren ja alle aufgrund der Medienberichterstattung.
Fabian Burstein
Nur wegen der Podcast-Folge im Bühneneingang.
Charlotte Koppenhöfer
Genau. Nein, zu meiner großen Überraschung haben wir jeden Monat konstant 5.000 Menschen auf dieser Seite. Und das ist ein, also das war ein schönes Hallo, als wir das festgestellt haben. Und diese 30.000 Menschen haben sich 330.000 Einzelseiten angeschaut. Also die Daten waren für uns mal sehr überraschend. Und.
Fabian Burstein
Entschuldigung, waren das aus dem deutschsprachigen, ganzen deutschsprachigen Raum, waren das Österreicher:innen schwerpunktmäßig, kann man das sehen?
Charlotte Koppenhöfer
Ich glaube, man kann es teilweise sehen, aber so, das war mir zu abstrakt, ehrlich gesagt. Ich habe mich weitergeforscht.
Tine Wesp
Wir haben uns über die Zahlen gefreut.
Charlotte Koppenhöfer
Genau. Genau. Und dann war ja die Frage noch: Wie war die restliche Resonanz? Tatsächlich haben wir aufgrund der Website, haben uns Leute direkt angesprochen, mehr als wir es erwartet hätten, aus unserem Bekanntenkreis, aus unserem Netzwerk. Und es hat irgendwann den Punkt gegeben, tatsächlich, dass wir beschlossen haben: Wir müssen die Fälle sammeln. Wir müssen das, was uns mitgeteilt wird, müssen wir sammeln und müssen das irgendwie modellhaft, systematisch kategorisieren.
Und ich habe dann mal die ersten 30 Fälle genommen und wir haben uns das angeschaut und haben eben dort auch potenzielle, ja, also potenzielle Schwierigkeiten festgestellt. Die Fälle kamen aus 12 Theatern in Österreich. Zur Einordnung: Es gibt in Österreich fünf Bundestheater und neun Landestheater. Viel mehr Theater werden natürlich öffentlich gefördert. Und die Fälle haben sich durch alle Abteilungen gezogen. Also es gibt da keinen, von unserer Wahrnehmung her gibt es da keinen Höhepunkt im Bereich Kunstschaffende, Künstler:innen, sondern es gab auch eben Technik und so weiter.
Fabian Burstein
Das heißt aber, es haben sich mit gemeldet, heißt, es haben wirklich Leute das zum Anlass genommen, zu sagen: Mir ist Folgendes widerfahren und das möchte ich euch jetzt mitgehen/erzählen.
Tine Wesp
Ja, tatsächlich hauptsächlich direkten Kontakt, im Austausch. Also wir sind online gegangen und dann waren wir aus dem Verein, waren ja teilweise auch sichtbar oder die Leute haben das mitgekriegt, dass wir daran arbeiten und sind dann in den Häusern, außerhalb der Häuser, in unserem Netzwerk auf uns zugekommen. Und es war jetzt nicht: Ich möchte euch meinen Fall konkret erzählen, aber es wurden halt aufgrund dessen, dass wir uns öffentlich damit beschäftigt haben, glaube ich, irgendwas wachgekitzelt, dass es eben doch wichtig ist, darüber zu sprechen. Und dann sind es immer mehr Menschen geworden, die uns ihre Geschichten erzählt haben. Und das waren auch teilweise einfach nicht Geschichten, die jetzt schon eine Zeit lang her waren, sondern aktuelle Themen. Und da haben wir auch uns tatsächlich wieder bestätigt gefühlt, wie wichtig das ist, dass man das öffentlich macht und dass man auch aufzeigt, dass man andere Prozesse braucht, um Theater sicherer zu führen und diese Risikofaktoren irgendwie zu minimieren.
Fabian Burstein
Und was waren das für Themen, die dann euch herangetragen wurden? Ich könnte es jetzt nicht sagen, natürlich, dass es nachvollziehbar ist, aber was war da dabei?
Charlotte Koppenhöfer
Also es war durch die Bank, um ehrlich zu sein. Es war wirklich durch die Bank. Also wir haben Fälle von mehreren Häusern, wo die Frage war, ob man in der richtigen Vertragsart angestellt ist. Und das macht beim Theaterarbeitsgesetz schon einen Riesenunterschied, ob ich einen künstlerischen Vertrag habe oder ob ich einen Verwaltungsvertrag habe, zum Beispiel. Das ist so ein Fall, den wir von mehreren Häusern.
Fabian Burstein
Also arbeitsrechtlich?
Charlotte Koppenhöfer
Arbeitsrechtlich viel, arbeitsrechtlich, ja, absolut. Fälle, wo auch fraglich ist, ob es vielleicht strafrechtlich relevant ist.
Fabian Burstein
Weil Gewalt, oder?
Charlotte Koppenhöfer
Sexualisierte Gewalt. Genau. Genau. Und auch jetzt nicht so wenig. Ich muss gerade mal überlegen, was so das.
Tine Wesp
Equal Pay war auch ein Thema.
Charlotte Koppenhöfer
Equal Pay war auch ein Thema.
Tine Wesp
Ganz, ganz wichtig, wo man auch mit großen Augen dastand.
Charlotte Koppenhöfer
Genau.
Fabian Burstein
Weil Engagements unterschiedlich vergütet wurden bei Frauen und Männern, oder?
Charlotte Koppenhöfer
Ganz genau. Zugunsten der Männer.
Fabian Burstein
Zugunsten der Männer.
Charlotte Koppenhöfer
Genau. Was haben wir noch? Also etwas, was uns viel, etwas, was uns viel auch rückgemeldet worden ist, ist, dass das mit den Meldewegen nicht funktioniert. Also das haben wir ja schon im September eigentlich gesagt, dass das schon unsere unstrukturierte Beobachtung ist. Aber viel Rückmeldungen waren: Ich habe mich gemeldet, es ist versandet.
Tine Wesp
Oder: Ich habe mich gemeldet und es wurde irgendwie aufgenommen, aber dann habe ich keine Rückmeldung mehr bekommen, wie es da jetzt weitergeht. Ich hänge in der Luft.
Fabian Burstein
Das hat betroffen Beratungsstellen, oder?
Charlotte Koppenhöfer
Nein, das hat die Institutionen betroffen.
Fabian Burstein
Die Institutionen verschickt.
Charlotte Koppenhöfer
Diese internen.
Fabian Burstein
Meldesysteme.
Charlotte Koppenhöfer
Es ist ja so, als Dienstgeber hast du in Österreich die sogenannte Fürsorgepflicht und innerhalb derer musst du ziemlich schnell reagieren auf mögliche Vorwürfe. Und entsprechend müssen diese Meldewege, es muss im Interesse der Institution sein, dass diese Meldewege irgendwie funktionieren. Wie du das aufsetzt, da ist dem Gesetzgeber egal, aber es muss einfach funktionieren. Und da haben wir leider sehr viel Rückmeldung, dass das noch nicht aufgesetzt ist.
Fabian Burstein
War ja auch ein Schlüsselthema bei den diversen Theater, nennen wir es Skandalen oder den Verwerfungen, die da in den vergangenen eineinhalb, zwei Jahren sich zugetragen haben, dass man gesagt hat: Okay, eigentlich gab es ganz viele Kommunikationswege, wo das schon auf die eine oder andere Art aufgebloppt ist, wo das auch schon ins politische Milieu übergeschwappt ist, dann schon wieder was rückgemeldet wurde, aber irgendwie am Ende des Tages ist nie was rausgekommen. Also das korreliert ja in gewisser Weise mit dieser Beobachtung.
Charlotte Koppenhöfer
Also wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, hast du sozusagen die Betroffenensicht. Ja, genau. Für die, das kann man auch nicht oft genug sagen, das ist jetzt auch nicht unsere Erfindung. Das sagen auch Journalist:innen, die mit Betroffenen zu tun haben, immer wieder: Es ist der letzte Weg, in die Medien zu gehen für diese Menschen. Und das sollte von niemandem das Interesse sein.
Fabian Burstein
Das heißt, da ist in der Regel, das haben auch immer wieder auch Menschen erzählt, die hier am Bühneneingang waren, aus dem journalistischen Milieu kommen, die Geschichten, die letztendlich an die Öffentlichkeit kommen, sind dann am Ende der letzte Verzweiflungsakt, nachdem viele Dinge fehlgeschlagen sind.
Tine Wesp
Absolut. Also das haben wir auf so vielen Seiten erlebt und gehört, dass das ja tatsächlich das letzte Mittel der Wahl ist. Also man möchte sich ja auch als betroffene Person gar nicht unbedingt in der Presse wiederfinden. Es geht ja eigentlich darum, dass man Veränderung möchte, dass man aufgefangen werden will, dass man gehört werden will. In erster Linie erst mal im direkten Umfeld. Und wenn das nicht funktioniert, dann ist die Presse leider oft das letzte Mittel der Wahl, weil das auch der Erfahrung nach, was man eben mitbekommt, das Druckmittel ist, wo dann vielleicht doch was passieren kann, aber nicht muss.
Fabian Burstein
Und wenn ihr jetzt mit dieser Verantwortung konfrontiert seid, wie geht man dann damit um? Sagt man: Okay, Folgendes, ich bin eben nicht eine Beratungsstelle, ich kann mir das nur anhören und erheben, du gehst dort und dorthin am besten? Oder ist die Konsequenz für euch: Nein, wir müssen da selber eine Struktur aufbauen, um das abzufangen? Weil da kann ja auch noch mal viel verrutschen an dieser Stelle, wenn sich jemand anvertraut, sieht ihr: Seid ihr davor geprescht? Ich offenbare, was mir widerfahren ist. Und die schauen dann auf euch und fragen sich: Was machen wir jetzt damit? Wie geht es ihr mit dieser Verantwortung um?
Charlotte Koppenhöfer
Da würde mich deine Wahrnehmung interessieren, aber bei mir ist es eher so, dass es eher so ein Allyship-Feeling ist. Also es ist eher so, dass es was Alliiertes hat, wenn die Leute uns das erzählen und nicht, dass sie an uns eine Erwartungshaltung haben. Ich glaube, das haben wir auch klar deutlich gemacht. Es gibt auf unserer Website auch für den gesamten deutschsprachigen Raum viele, viele Anlaufstellen, die das professionell machen, die dafür auch gefördert werden, vom Kulturministerium zum Beispiel. Und wie die dann ihre, wie die das dann angehen, liegt komplett bei denen. Genau. Also es hat mehr was von: Wir sitzen gemeinsam in einem Boot.
Tine Wesp
Ja, und auch, glaube ich, die Erleichterung des Teilens mit jemandem, der Verständnis dafür hat, der die Strukturen auch kennt. Ich glaube, das ist auch ein wichtiger Punkt dabei gewesen.
Charlotte Koppenhöfer
Und zu der Frage, wie wir damit umgehen, was mich sehr froh macht, ist, dass wir alle im Verein inzwischen genau wissen, was ist die Herausforderung, was ist die Anlaufstelle. Im Zweifelsfall melde dich anonym bei der Arbeitsinspektion oder es gibt ja viele Möglichkeiten eigentlich. Man muss es eben nur leider wissen, was uns wieder zum Thema Lücke bringt.
Fabian Burstein
Ja, ich frage deshalb, weil ich habe zum Beispiel, ich habe mal einen Roman geschrieben, da ging es um Castingshows und dann habe ich mir gedacht, ich mache jetzt so einen Practical Joke und gründe eine Castingshow-Gewerkschaft. Und ich musste damit dann, ich habe das gestartet, das hat sich zunächst wirklich als lustige Kunstaktion angefühlt und dann haben sich plötzlich begonnen, die Castingshow-Opfer zu melden. Und da musste ich das sofort wieder einsammeln, weil ich nicht haben wollte, dass die ein zweites Mal enttäuscht werden, weil die haben das für bare Münze genommen.
Charlotte Koppenhöfer
Ja, da wir deinen Roman natürlich gelesen haben, wussten wir, dass wir da anders kommunizieren müssen.
Fabian Burstein
Ja, ja, ja, ich verstehe.
Charlotte Koppenhöfer
Nichtsdestotrotz, also ich glaube, also ich würde gerne an der Stelle noch mal festhalten, wir haben jetzt auch über Fälle gesprochen, nichtsdestotrotz, es gibt viele tolle Bemühungen in vielen Institutionen. Wir finden das super, wir unterstützen in alle Richtungen, so gut es geht. Und es ist nicht nur, weil es eine Hochrisikobranche ist, ist es nicht so, dass es auch permanent eine schlechte Situation ist. Das wäre mir noch wichtig festzuhalten.
Tine Wesp
Ja, auch, dass viele Häuser sich ja auch schon bemühen und teilweise auch schon tolle Projekte irgendwie an den Start gebracht haben und Veränderungen versuchen zu leben und weiterzutragen. Das ist super wichtig, dass wir ja deswegen auch nicht nur auf taube Ohren stoßen. Also es ist ja auch so, dass dann Interesse da ist für Veränderungen und für eine Weiterentwicklung in den Institutionen.
Charlotte Koppenhöfer
Da würde ich mir jetzt eben wünschen, dass das auch von den Fördergebern und Fördergeberinnen unterstützt wird. Also dass es dafür Ressourcen gibt. Dann kommen wir wieder zu den Vereinten Nationen. Genau.
Fabian Burstein
Haben sich bei euch auch, ihr habt es jetzt gesagt, die, die euch die Dinge mit euch geteilt haben, die kamen im Wesentlichen aus allen möglichen Theaterstrukturen. Haben sich auch die Theaterstrukturen selbst bei euch gemeldet? Ist zum Beispiel ein, ich sage jetzt irgendein Theater, ist das Burgtheater zu euch gekommen und hat gesagt: Hm, das klingt ja aufregend, kommt es mal rein, lasst uns austauschen, reflektieren, was wir gemeinsam tun können? Nur als Beispiel jetzt.
Charlotte Koppenhöfer
Ja, tatsächlich sind wir mit zwei größeren Institutionen im Kontakt. Da wir nicht abgesprochen haben, ob wir darüber reden können, werden wir es dabei belassen müssen.
Fabian Burstein
Okay. Das sind große Theater?
Tine Wesp
Ja.
Fabian Burstein
Okay. Bundestheater oder Landestheater?
Tine Wesp
Lieber Fabian, kein Kommentar.
Fabian Burstein
Okay, gut. Gab es Gespräche mit Politik und Verwaltung?
Tine Wesp
Ja, auch das. Also wir haben auch gelernt, tatsächlich, dass jeder, der einen Termin möchte, im Kulturministerium einen Termin bekommen kann. Das wurde uns auch gespiegelt.
Fabian Burstein
Gilt das für euch oder für?
Charlotte Koppenhöfer
Das gilt für jeden. Ganz wichtig.
Tine Wesp
Für jeden. Das war tatsächlich die Aussage. Und wir waren dort, wir haben darum gebeten, weil wir einfach einen Austausch forcieren wollten. Und das, ja, ich weiß gar nicht, inwieweit das jetzt wirklich produktiv war, aber es war interessant, einfach mal deren Sichtweise auch zu hören und mitzubekommen, wie die arbeiten, wenn sie sagen, sie sprechen mit Kulturschaffenden.
Also das war für uns ganz, ganz interessant, weil wir hatten das eigentlich sehr als etwas sehr Innovatives im Empfinden, dass die wirklich mit Theaterschaffenden reden. Also ich bin jetzt ein sehr, sehr kleines Glied in einer theaterschaffenden Kette als Maskenbilder:in. Und uns wurde gesagt: Ja, wir sprechen einfach mit Theaterschaffenden. Und wir dachten so: Ja, wir sind doch das erste Mal da.
Und natürlich, was die darunter verstanden haben, war, dass sie mit den Direktor:innen und der Aufsicht sprechen. Und da ist natürlich dann schon eine große Lücke, was die Wahrnehmung angeht. Also natürlich nimmt eine Geschäftsführung eines Theaters eine Stimmung an einem Haus ganz anders wahr als die Arbeiter:innen, die am Abend unten auf der Bühne stehen. Und diese Stimmungslage auf einen Nenner zu bringen, ist, glaube ich, sehr schwer für eine Institution. Und da wären eben auch Erhebungen natürlich irgendwie eine schöne Maßnahme. Das war auf jeden Fall interessant für uns. Ja. Möchtest du was ergänzen?
Charlotte Koppenhöfer
Nicht unbedingt.
Fabian Burstein
Also ich sage ja zum Beispiel, so interessant klingt ja jetzt nicht so super, wenn ich ehrlich sein darf. Also wenn ich sage, das war interessant, ja, dann schwingt da etwas mit nach dem Motto: Ja, man hat da schon Erkenntnisse gewonnen, aber wirklich schlau daraus ist man nicht geworden.
Tine Wesp
Na ja, wir hatten eigentlich tatsächlich Hoffnungen oder sind mit der Hoffnung auch in diesen Termin gegangen, dass unsere, vielleicht Forderung klingt immer sehr hochgestochen und sehr, aber wir hatten einfach auch Interesse daran, uns auszutauschen, was die Fördergeber:innen für Aufgaben sehen, die sie übernehmen können, für Verantwortungen, die sie übernehmen können, wo sie von den Häusern vielleicht auch eine Rechenschaftspflicht noch mal konkreter einfordern können. Und wir hatten eigentlich den Eindruck nach dem Termin, dass man da auch vielleicht weiter in einem Austausch ist, um sowas zu Papier zu bringen oder da weiterzuarbeiten. Ja, es gab keinen weiteren Termin.
Charlotte Koppenhöfer
Wir hätten auch ganz gerne über die veränderten Förderrichtlinien. Im Juli 2025 wurden die Förderrichtlinien verändert. Da gab es so drei Aspekte, die wir auch gerne besprochen hätten. Also Einjahresförderungen müssen jetzt ein Präventionskonzept geben, Machtmissbrauch erschaffen zum Beispiel, oder sie müssen irgendwie eine ordnungsgemäße GF haben. Dadurch, dass das nicht definiert ist, wäre es ja interessant gewesen, also für uns wäre wichtig gewesen zu verstehen, was versteht denn das Kulturministerium unter Machtmissbrauch? Was sind denn da die Risikofaktoren oder was ist eine ordnungsgemäße GF in einem künstlerischen Betrieb? Das war nicht von Interesse seitens des Kulturministeriums.
Und es gibt aber noch einen Punkt, den ich sagen muss, der ist für mich noch offen, denn im aktuellen Regierungsprogramm steht im Bereich des Kulturministeriums, dass eine, und das finde ich eine ganz tolle Sache, eine interministerielle Arbeitsgruppe entstehen soll zur Verbesserung der arbeits- und sozialrechtlichen Situation von Kulturschaffenden, also allen, die unter das TAG fallen, und natürlich noch anderen Branchen aus dem Kultursektor. Und dass da auch NGOs und Interessensvertretungen und Gemeinschaften hinzugezogen werden sollen. Das Regierungsprogramm ist jetzt ein Jahr alt. Bis dato laut unserem Netzwerk ist da noch nichts passiert, aber wir haben große Hoffnung, dass genau da der Dialog fortgesetzt wird.
Fabian Burstein
Ihr habt es da zwei wichtige Punkte angesprochen, das muss man, glaube ich, für die Hörer:innen noch einordnen. Seit genau Juli 2025 gibt es eben in Österreich neue Förderrichtlinien des Bundes, auch spezifisch mit einem Zuschnitt auf Kunst und Kultur. Das sind, glaube ich, nicht nur Präventionskonzepte zu Machtmissbrauch abgebildet, auch zum Beispiel Kinderschutzkonzepte spielen da eine ganz große Rolle. Also da sind schon sehr viele wichtige Punkte angesprochen. Sie sind in den meisten Fällen, bitte korrigiert es mich, weil ihr seid es jetzt wirklich sehr drinnen, sie sind meistens hinterlegt mit Fördersummen. Also ab einer Summe X ist Folgendes zu bringen. Also mit gewissen Größenordnungen ist das verbunden. Und genau, und es gibt ein Regierungsprogramm, wo auch sehr viel drinsteht über Transparenz und all diese Dinge. Habt ihr das Gefühl, dass sich in diesen, dass es da, dass sich der Geist eurer Initiative zumindest mal grundständig im politischen Willen widerspiegelt?
Charlotte Koppenhöfer
Im Willen mit Sicherheit. Mit Sicherheit. Ich kann mir überhaupt nicht andersweise vorstellen, dass irgendjemand ungute Arbeitsbedingungen irgendwo haben möchte. Die Frage ist tatsächlich noch die Frage nach dem Tabu. Möchte ich hinschauen, traue ich mich, in die dunkle Ecke zu schauen? Und auch die Frage von wem befrage ich zu diesen Themen? Und da haben wir sehr unterschiedliche Auffassungen tatsächlich.
Fabian Burstein
Um es beim Namen zu nennen, es gibt auf ministerieller Ebene offenbar die Auffassung, dass man das mit den Führungskräften bespricht?
Charlotte Koppenhöfer
Wir waren ja im, also im Ministerium, ja, waren wir. Und das kann ich eigentlich nicht sagen, um ehrlich zu sein, mit wem die das genau besprechen möchten. Was wir rausgefunden haben, ist, dass sie in einem guten Austausch mit den Direktionen sind.
Fabian Burstein
Das würde das ja aber bedeuten, weil das sind ja Führungskräfte. Mit wem habt ihr da gesprochen im Ministerium? Waren das Kabinettsmitarbeiter, waren das Abteilungsleiter? Wer war das? Wie darf man sagen?
Charlotte Koppenhöfer
Das war die stellvertretende Sektionsleitung und Kolleg:innen aus der Abteilung für darstellende Kunst.
Fabian Burstein
Okay. Und ihr habt ja dieses interessante Thema der interministeriellen Arbeitsgruppe aufgeworfen. Wart ihr auch im Sozialministerium?
Charlotte Koppenhöfer
Tatsächlich waren wir im Arbeitsministerium. Dadurch, dass so ein Kern unseres Themas ist, ein gesunder Arbeitsplatz und so auch arbeitsrechtlich angehaucht ist, haben wir im Arbeitsministerium beim Sektionschef deutlich mehr Verständnis erhalten. Das müssen wir schon auch sagen. Nichtsdestotrotz wartet, glaube ich, auch das Arbeitsministerium jetzt auf die Anfrage oder so. Wobei da spekuliere ich jetzt im Moment herum.
Tine Wesp
Ja, das wissen wir natürlich nicht. Auf jeden Fall war das, der positive Eindruck im Arbeitsministerium war deutlich gegeben und auch das Interesse von deren Seite, die Kulturbranche im Hinblick auf ILU 190 einmal unter die Lupe zu nehmen. Ja, und diese interministerielle Arbeitsgruppe, auf die wir sehr hoffen, ja, wir haben davon noch nichts gehört. Das heißt natürlich jetzt nichts, aber.
Charlotte Koppenhöfer
Ja, wobei wir haben in der Arbeiterkammer nachgefragt. Also wir haben schon an ein paar relevanten Stellen nachgefragt, wo wir jetzt auch die Vermutung hätten, da ist einfach noch nichts passiert. Ist auch in Ordnung. Also ein paar Jahre ist die Regierung ja hoffentlich noch im Amt.
Fabian Burstein
Aber das ist ja eine interessante Beobachtung. Das heißt, für die, ihr hattet das Gefühl, dass eure Anliegen als Kunst- und Kulturschaffenden dieser Initiative im Arbeitsministerium mehr Resonanz gefunden haben als im eigentlichen Fachministerium? Also dass man sich da mit größerer, wie soll ich sagen, faktischer Intensität darum bemüht hat? Oder wie darf ich das verstehen?
Charlotte Koppenhöfer
Na ja, es ist ja so, dass wir ja, wir stehen ja für die Kulturbranche ohne Kunst sozusagen. Also wir interessieren ja und fokussieren ja auf gesetzeskonforme Arbeitsbedingungen in den Betrieben. Und das ist natürlich fachlich sehr viel näher im Arbeitsministerium angesiedelt als in der Kultur. Das ist ja klar. Also deswegen, glaube ich, war das Verständnis, also mit Verständnis meine ich nicht, dass man sich mag, sondern das Verstehen war einfach sehr viel ausgeprägter.
Fabian Burstein
Gab es eigentlich auch offene Abwehrreaktionen?
Charlotte Koppenhöfer
Ja, das ist eine Frage der Interpretation. Aber wir hätten uns natürlich von einigen Playern ein anderes oder eigentlich hätten wir uns ein Willkommen und Danke und cool und wie können wir Synergien schaffen erwünscht. Aber das hat es nicht gegeben. Ob ich das jetzt gleich als offene Abwehr beschreiben würde, weiß ich jetzt eben nicht.
Tine Wesp
Nein, also offene Abwehr ist mir persönlich jetzt auch nicht entgegengekommen. Ich glaube tatsächlich, wenn jemand damit gar nichts anfangen kann, dann wird es halt ignoriert. So. Und oder ja, ich glaube tatsächlich einfach ignoriert. Das ist dann das Meiste, was man damit machen kann, wenn man damit nichts anfangen kann. Aber erst mal so im Umgang mit den Menschen, die an Theatern arbeiten, war sehr viel Offenheit. Sehr viel Offenheit, sehr viel Interesse und auch sehr viel Wille zu Austausch da. Das fand ich total.
Charlotte Koppenhöfer
Genau. Also alle Praktiker:innen, alle, die wirklich im Feld aktiv sind und wirklich in der Branche arbeiten, haben wir eigentlich gute Resonanz. Ja.
Fabian Burstein
Wobei man schon sagen muss, das ist natürlich ein Phänomen, erstens unserer Branche, der Kunst- und Kulturbranche, aber auch des Feldes, in das ihr da vorgestoßen seid, dass das nicht so ist, wie man sich das vorstellen würde, so nach dem Motto: Wow, wir haben ja alle dasselbe Ziel, dass lass uns was zusammen machen, sondern im Gegenteil, dass in diesem positiven Engagement so ein komisches Konkurrenzdenken aufkommt. Plus, und das ist vielleicht noch so eine österreichische Komponente, so: Was glauben die eigentlich? Wir machen schon so lange das und jetzt wollen die uns erzählen, wie eigentlich diese Awareness-Arbeit am Theater funktionieren soll. Ich kenne das jetzt zum Beispiel von meinen Büchern. Da ist das so ähnlich gewesen, vor allem im kulturjournalistischen Milieu so nach dem Motto: Was würde er jetzt eigentlich da mit seinem Zeug? Ist das ein Gefühl, das bei euch auch durchgebrochen ist?
Charlotte Koppenhöfer
Ich kann natürlich nicht in andere Leute Köpfe schauen und ich weiß natürlich nicht, Entschuldigung, warum die Menschen so reagieren, wie sie reagieren. Was mir definitiv aufgefallen ist, was ich als Indikator verstehe, ist, dass irgendwie um die Deutungshoheit gerangelt wurde. Und das finde ich beim Thema Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt und Diskriminierung und Mobbing und bei all diesen Themen finde ich das schon interessant, dass in den eigentlich stützenden Strukturen plötzlich Deutungshoheiten diskutiert werden. Das ist schon.
Fabian Burstein
Wer hat das mit euch diskutiert? Ihr wollt euch lieber nicht dazu äußern, habe ich recht? Okay.
Charlotte Koppenhöfer
Ja, ich kann das auch ganz positiv sagen. Auch wenn wir andere Erwartungen gehabt hätten und Solidarität erwartet hätten, weil wir sehen uns ja auch als solidarisch, haben wir immer noch die Hoffnung, dass unsere gereichte Hand genommen wird eines Tages.
Fabian Burstein
Habt ihr Kontakt zur Beratungsstelle Vera?
Charlotte Koppenhöfer
Zu Vera haben wir keinen Kontakt.
Fabian Burstein
Alles klar. Ich hätte noch ein paar andere Fragen, die mich wirklich umtreiben mit dem, was ihr da getan habt. Nämlich in der praktischen Arbeit von solchen zivilgesellschaftlichen Initiativen zeigen sich ja oft Handlungsbedarfe, die man gar nicht am Schirm hatte. Was war vielleicht für euch die überraschendste Erkenntnis aus diesem Wissen heraus, das ihr bekommen habt? Das kenne ich ja auch vom Bühneneingang. Man kriegt ja E-Mails zu Themen, wo du denkst, das hätte ich nie im Leben am Schirm gehabt, dass das ein Thema sein könnte. Was habt ihr da auch so Überraschungseffekte, wo man sagt: Wow, interessant, das hätte man nicht gedacht?
Tine Wesp
Ich glaube, was uns total überrascht hat, war, dass wir eigentlich dachten, wir setzen dieses Wissen jetzt in die Welt. Wir möchten Aufklärungsarbeit leisten. Wir haben das mit unserer Website jetzt getan. Und alles, was danach passiert ist, endete darin, dass wir noch mehr Lücken gesehen haben und dass man so ein bisschen, ich weiß nicht, ob das das richtige Wort ist, aber so in so einen unfreiwilligen Lobbyismus und Aktivismus verfallen musste, Hashtag wollen musste, weil irgendwie keine andere Wahl mehr blieb.
Also es ist dann, dann sind dann immer mehr Sachen aufgefallen, eben auch mit den Gesprächen mit anderen Kulturschaffenden, wo man dachte so: Ja, ja, das ist auch noch mal ein Gesprächspartner, mit dem es sich lohnen würde auszutauschen. Ach ja, an dieser Ecke, da haben wir vielleicht noch gar nicht so genau hingeguckt. Interessant. Also dass immer mehr aufgetaucht ist, wo man dachte: Ja, okay, da ist ein Anknüpfungspunkt, da ist eine Gesprächsbasis, da ist ein Interessenaustausch, ein Ideenaustausch, eine Möglichkeit, auf Synergien zu schaffen. Da, also das war wirklich, ja, das ist so, wie du sagst, es kommen E-Mails oder Begegnungen und man denkt so: Ach ja, Mensch, toll.
Fabian Burstein
Aber das ist ja, ich glaube, das ist eine interessante Beobachtung, dass die Leute euch nicht in der passiven Rolle lassen, sondern dass sie sagen: Okay, wie geht es weiter? Was bedeutet das jetzt? Was kannst du auch für mich tun? Und so weiter und so fort. Also das muss jedem bewusst sein, glaube ich, das ist auch interessant, wenn es um das Thema Aktionismus, Engagement geht. Es gibt nicht den Punkt, wo man sagen kann: So, und jetzt hört es wieder auf. Das funktioniert sehr schlecht.
Tine Wesp
Ja, und auch was ich bei mir persönlich bemerkt habe, ist, dass man auch radikaler wird in seinen, in seinen, also ich will jetzt nicht sagen Aussagen, aber schon, also immer klarer, immer ausdifferenzierter, immer auch vielleicht fordernder in dem, was man ausdrückt und was man fordert. Ja, das war eine interessante Beobachtung, glaube ich, für uns auf jeden Fall, weil wir eben dachten, wir senden das jetzt in die Welt und.
Charlotte Koppenhöfer
Und dann sind wir fertig damit. Ja, das war irgendwie naiv, wenn man es heute anschaut.
Tine Wesp
Es war eigentlich eher der Start zu weiterer sehr, sehr viel Arbeit und auch sehr, sehr viel Lernen. Also für mich auf technischer Seite tatsächlich.
Fabian Burstein
Was ich dann gesehen habe, ich bin euch, also ihr habt es ja auch sofort einen Social-Media-Auftritt gehabt, konkret auf Instagram. Dem bin ich dann gefolgt, umso mehr, nachdem wir die Folge bestritten haben. Und ich habe gesehen, ihr habt euch dann sehr schnell im internationalen Umfeld rumgetrieben. Warum?
Charlotte Koppenhöfer
Ja, auch ein bisschen zufällig. Der Verein wurde empfohlen, auf einer Konferenz in Frankreich, in Straßburg, teilzunehmen. Dort hat der Verein sich eben vorgestellt, was er eben so macht und wie er eben versucht, das Thema in die Welt zu bringen, so wie viele andere europäische Vereine auch. Und schließlich ist auch daraus, man denkt, man fährt auf eine Konferenz und geht wieder. Daraus ist eine EU-weite Initiative entstanden, die sich des Themas, vor allem mit dem Schwerpunkt Gender Based Violence, tatsächlich auseinandersetzt, aber auch genauso Fairness, Equal Pay, Equal Show, also diese ganzen Themen, die ehrlich gesagt, ich sage dann immer, die einfach demokratisch unsere Basis sein sollten, die sich damit befasst.
Diese EU-Initiative wächst rasant im Moment. Immer neue Vereine und Assoziationen treffen hinzu. Natürlich wollen wir ganz Europa abbilden und den ganzen Kultursektor abbilden eines Tages. Und da gibt es auch schon einen Austausch mit der EU-Kommission. Ja, da ist jetzt die nächste Ebene sozusagen. Also wie Tine es gesagt hat, wir klettern so durch die Hierarchien und.
Fabian Burstein
Aber da geht es darum, einfach zu lernen von anderen Ländern, von anderen Modellen, sich auszutauschen, Erfahrungen zu teilen, oder? Oder geht es da um politischen Lobbyismus?
Charlotte Koppenhöfer
Ein konkretes Beispiel, was mich sehr interessiert, ist die Frage, zum Beispiel Catcalling, also das Hinterherpfeifen oder jemanden nette Namen sagen, die nicht nett ankommen. Das ist strafbar in einigen europäischen Ländern und in anderen wie Deutschland und Österreich nicht, zum Beispiel. Und solche Vergleiche finde ich zum Beispiel ganz, ganz interessant. Also das ist so was ganz Konkretes, woran wir arbeiten, dass wir uns austauschen. Was ist denn bei euch die Lage?
Tine Wesp
Dass man da auch wieder in den Austausch von Daten geht, hauptsächlich tatsächlich erst mal, um ein Lagebild zu haben, wie unterschiedlich das in den europäischen Staaten organisiert ist, wie die nationalen Gesetzeslagen sind und dann vielleicht auch irgendwann eine EU-Gesetzeslage.
Fabian Burstein
Im Prinzip war ja auch ein Posting der Anlassfall, dass ich euch zu einer Nachgefragt-Folge eingeladen habe, nämlich es gab einen Call, ihr habt so einen Open Call ausgerufen. Ihr sucht nun konkret die zeitgemäßen Theater der Saison. Worum geht es da?
Tine Wesp
Ja, wir möchten positiv Beispiele sichtbar machen, wie zu Beginn der Folge auch schon angeteasert. Wir sind ja auch mit der Idee an den Start gegangen, dass das zu wenig passiert. Und die Idee, das zeitgemäße Theater der Saison zu küren, war ziemlich schnell schon in der Entwicklung unserer Initiative eine Idee, die wir dann weiterverfolgt haben. Und wir rufen dazu auf, dass sich Theater oder Bereiche eines Theaters, die schon Erfahrungen gemacht haben, die Prozesse geändert haben, die positiv in der Entwicklung sind, die die Kommunikation vielleicht verbessern, die da Erfahrungen haben, und das können sie bei uns einreichen. Wir sind auch sehr stolz, dass wir diesen Preis sogar dotieren können mit 2.500 Euro und womit dann vielleicht so ein Projekt auch wieder weiterleben kann oder in einem Theater wieder sich weiter entfalten kann oder auf andere Ebenen sich weiterentwickeln kann. Genau. Und dieser Call, also wir haben ein Formblatt und das kann man ausfüllen und auf unserer Website sich bewerben, einfach. Wir haben eine ganz tolle Jury.
Charlotte Koppenhöfer
Genau, das war mir jetzt auch noch wichtig, dass nicht Tine und ich dann unsere Freunde auswählen..
Tine Wesp
Auf gar keinen Fall.
Charlotte Koppenhöfer
Sondern wir haben eine unabhängige Jury. Niemand davon ist auch im Verein. Das ist mal die Annette Dasch, die Opernsängerin ist an der Volksoper hier in Wien vornehmlich.
Tine Wesp
Dann die Julia Riedler, die Schauspielerin des Jahres geworden ist und freischaffende Schauspielerin ist diese Saison noch.
Fabian Burstein
Entschuldigung, noch Nachtrag: Annette Dasch ist ja, glaube ich, auch wird am Jungen Ensemble an der Volksoper Chefin werden, oder?
Charlotte Koppenhöfer
Die Leitung übernehmen.
Fabian Burstein
Die Leitung übernehmen, ja, okay.
Charlotte Koppenhöfer
Genau.
Fabian Burstein
Also auch in der Nachwuchsarbeit engagiert.
Charlotte Koppenhöfer
Ganz genau.
Fabian Burstein
Ja, okay.
Charlotte Koppenhöfer
Die Julia Riedler.
Tine Wesp
Genau, Schauspielerin des Jahres und freie Schauspielerin, gerade mit ihrer ersten Regiearbeit auch betraut.
Charlotte Köppenhofer
Dann die Caroline Exner, die ist Dekanin der MUK-Uni Wien, Fakultätsleitung Schauspiel.
Tine Wesp
Und der Murali Perumal, auch ein freier Schauspieler, der auch selber in der Bildungsarbeit an Theatern engagiert ist, in Antirassismus-Themen.
Fabian Burstein
Jetzt bin ich ja mal frech und sage: Der Jury sind ja auch Machtflaschenhälse. Also über die Jurys kann man auch sehr gut steuern, was man dann am Ende eigentlich auch auszeichnen will. Wie habt ihr versucht, da einen Zugang zu wählen, dass das wirklich eine unabhängig agierende Organisationseinheit ist?
Charlotte Koppenhöfer
Also das zeitgemäße Theater befindet sich ja im digitalen Raum und unsere wunderbaren Jurymitglieder arbeiten ehrenamtlich. Das heißt, die sehen sich einmal zum Hallo sagen im Zoom-Call und dann ein zweites Mal, um zu erfahren, wer die Gewinner:innen sind. Und ansonsten arbeiten die alleine natürlich. Und es gibt eben einen ersten Teil, wo die Teams sich natürlich äußern müssen, wie wir sie kontaktieren können, wenn sie denn gewonnen haben. Und das ist der Teil, den die Jury auch blind bekommt. Also das werden sie nicht sehen. Genau. Und dann gibt es einfach ein Punktesystem, wo bestimmte Kriterien geprüft werden sollen. Eben also mit dem notwendigen Maß an Objektivität, aber eben auch der Subjektivität dieser vier wunderbaren Personen. Genau.
Fabian Burstein
Aber ich habe es richtig verstanden: Es geht dann nicht darum, dass eine künstlerische Leistung an sich ausgezeichnet wird, sondern es geht darum, dass ein Ansatz, eine Idee, ein neu implementierter Mechanismus präsentiert wird, der für ein zeitgemäßes Theater steht und das begünstigt. Und dafür wird man auch ausgezeichnet.
Charlotte Koppenhöfer
Genau. Also alle vier Künstlerinnen sind aus verschiedenen Gründen sehr versiert mit internen Strukturen, Prozessen und Maßnahmen und werden diese dann eben beurteilen.
Fabian Burstein
Und bei der Einreichung, das ist wurscht, ob ich jetzt ein freies Ensemble bin oder ein Bundestheater. Es ist, glaube ich, auch wurscht, ob ich jetzt in Österreich, Deutschland oder der Schweiz bin, oder? Also es ist eine DACH-Geschichte.
Tine Wesp
Absolut.
Fabian Burstein
Um einen Überblick zu kriegen, wo sind die Best Practice?
Charlotte Koppenhöfer
Ja, und vielleicht auch wieder Daten zu sammeln, wer weiß.
Tine Wesp
Und dann ja auch Inspiration zu schaffen. Also wenn dann wir mit positiven Beispielen aufwarten können und vielleicht auch drei, die ersten drei, präsentieren können, dass man sagen kann: Hey, das hier sind Beispiele, die sind so toll, schaut euch das doch mal an, vielleicht ist das für euer Theater auch was.
Fabian Burstein
Nein, sehr interessant. Auch vor dem Hintergrund, ich kann mich zum Beispiel erinnern, wie ich bei euch in Konstanz war, bin ich ja weitergefahren nach Zürich, weil dort die erste Ensemble-Psychologin etabliert wurde an einem Schauspielhaus. Und mit der habe ich damals länger gesprochen, wie sie diese Rolle auslegt. Also ich bin sehr gespannt, was sie da an Projekten bekommt, was da eingereicht wird. Es kann ja so ein bisschen wie so ein Weißbuch zeitgemäßes Theater werden, oder?
Charlotte Koppenhöfer
Auf jeden Fall. Und hast du die Kollegin schon mal für eine Nachgefragt-Folge eingeladen? Weil das würde mich tatsächlich auch interessieren.
Fabian Burstein
Gute Idee. Mache ich noch. Liebe Tine, liebe Charlotte, vielen herzlichen Dank, dass ihr gekommen seid und noch einmal erzählt habt, was bisher geschehen ist. Und ich bin gespannt, wo ihr steht dann in einem Jahr oder so oder in einem halben Jahr, wenn ihr einjähriges Jubiläum feiert. Ich hoffe, ich darf dann wieder nachfragen. In diesem Sinne alles Gute für den Call und danke, dass ihr da gewesen seid.
Tine Wesp
Ja, vielen Dank.
Charlotte Koppenhöfer
Dankeschön.
Autor:in:Fabian Burstein |