Bühneneingang
Was am Bühneneingang passiert, wenn ihr anklopft - mit Fabian Burstein
In dieser Episode blickt der Bühneneingang auf seine eigene noch junge Geschichte und Positionierung: Woher kommt dieser Podcast, was bedeutet sein Claim „Kultur von innen“ und welche Rolle möchte er im Diskurs rund um Macht, Strukturen und Verantwortung im Kulturbetrieb spielen? Folge 86 lädt Hörer:innen ein, Themenwünsche, Kritik, persönliche Beobachtungen und Hinweise aus dem Inneren der Szene zu teilen und so künftige Folgen mitzugestalten. Außerdem: Warum Unabhängigkeit für diesen Podcast zentral ist und wie Weiterempfehlungen und Mitgliedschaften dazu beitragen können, den Blick hinter die Kulissen langfristig zu sichern.
Fabian Burstein
Hallo und herzlich willkommen am Bühneneingang. Mein Name ist Fabian Burstein, ich bin Kulturmanager und Autor, und in diesem Podcast zeige ich euch den Kulturbetrieb von innen, so wie er wirklich ist.
In dieser Folge des Bühneneingangs schaue ich kurz in die Vergangenheit und dann die allermeiste Zeit in die Zukunft. Denn seit dem Versuch, verborgene Strukturen der Kultur über Gespräche und Recherchen in Podcast-Form sichtbar zu machen, sind mittlerweile eineinhalb Jahre, genau genommen ein Jahr und acht Monate vergangen. Das entspricht 85 Folgen mit mehr als 90 Gästen, die sich geöffnet und ihre Erfahrungen geteilt haben. Der Bühneneingang ist dadurch zu einem Ort geworden, an dem Geschichten erzählt werden, die sonst zu wenig Raum bekommen. In dieser Solo-Episode spreche ich darüber, was das Format aus meiner Sicht ausmacht, warum es unabhängig bleiben muss und welche Rolle ihr dabei spielt.
Ja, nach mittlerweile 85 Folgen möchte ich heute kurz innehalten und den Fokus ganz bewusst eben auf euch, die Menschen, die diesen Podcast hören und mittragen richten. In den vergangenen Monaten haben wir ja wirklich viele Perspektiven auf Macht, Strukturen, Verantwortung und glücklicherweise eben auch Lösungsansätze gehört. Wir waren, ich weiß nicht, wie es euch da geht, aber ich glaube, wir werden das ähnlich sehen. Wir waren erstaunt, wie inspiriert Menschen mit den Herausforderungen des Hier und Jetzt umgehen. Und gleichzeitig waren wir sicher an der einen oder anderen Stelle auch entsetzt, welche Missstände sehr hartnäckig die Arbeitsbedingungen rund um Kunst und Kultur erschweren. Kulturpolitiker:innen haben sich hier erklärt, andere wiederum haben sich der Debatte entzogen. Es war zeitweise wirklich ein durchaus Wechselbad der Gefühle, bei dem ich enorm viel gelernt habe, auch dank dem zugewandten Umfeld hier bei Missing Link, das auf redaktionelle Qualität besteht und gleichzeitig dabei hilft, diese Qualität zu liefern.
Das ist auch ein kurzer Einblick in die Werkstatt des Bühneneingangs. Ich profitiere hier sehr von der technischen Infrastruktur, von den Menschen, die sich supergut mit Podcasts und Podcast-Vermarktung auskennen, von den Hosts hier, die auch immer wieder schon bei mir zu Gast waren und mit mir auch schon gemeinsam recherchiert haben. Das ist ein unglaublich wertvoller Austausch.
Ja, und inmitten der Vielzahl an Positionen und Schilderungen am Bühneneingang ist mir eigentlich immer klarer geworden, dieser Podcast sollte abseits der durchaus intimen Studioatmosphäre kein geschlossener Raum sein, sondern vielmehr ein Gesprächsangebot in alle Richtungen. Darum hier jetzt meine explizite Einladung an euch alle, die ihr hier zuhört: Wenn ihr Themen habt, die euch bewegen, Dinge, die ihr euch schon lange für eine Bühneneingang-Folge wünscht, dann meldet euch einfach. Das kann der Wunsch nach bestimmten Gästen oder ein kulturpolitischer Aspekt sein, der bislang vielleicht zu kurz gekommen ist. Oder eine Frage zu Arbeitsbedingungen, zu Ausbildungsthemen, zu Kulturfinanzierung. Genauso relevant kann natürlich auch eine persönliche Beobachtung aus eurem Umfeld sein.
Und um das noch einmal zu betonen: Ebenso wichtig sind Widerspruch und Kritik. Wenn euch eine Perspektive fehlt, wenn ihr findet, dass ein Gespräch zu einseitig war oder eine Gruppe zu selten vorkommt, sagt es mir einfach. Nach Möglichkeit halt freundlich, weil herumgepöbelt wird eh schon genug. Aber ich darf berichten, ich bekomme mittlerweile doch relativ viel E-Mail-Post und es ist toll und schön, mit welcher Substanz ihr mir Feedback gebt, auf was ihr mich hinweist, wie ihr mir helft, einfach auch mein Tun hier am Bühneneingang zu reflektieren.
Insgesamt passt das gut in meinen Ansatz. Ich wünsche mir für den Bühneneingang nämlich eine Gesprächskultur, in der nicht nur ich frage und andere antworten, während ihr still zuhört, sondern in der wir eben gemeinsam überlegen, welche Geschichten fehlen noch, welche Fragen müssen wir uns noch stellen, wo müssen wir vielleicht noch genauer hinschauen. Ihr könnt den Bühneneingang per Mail erreichen, konkret über treffpunkt@buehneneingang.at, buehneneingang mit UE bitte. Aber keine Sorge, ihr müsst jetzt nicht schnell was zum Notieren holen. Die Adresse findet ihr in den Shownotes und auf den diversen Plattformen, wo der Bühneneingang auch präsent ist. Schreibt in eurer Nachricht kurz dazu, wie ihr angesprochen werden möchtet oder ob ihr lieber anonym bleiben wollt. Eure Nachrichten fließen auf die eine oder andere Art direkt in die Überlegungen zu kommenden Folgen ein.
Der Bühneneingang hat ja einen sogenannten Claim, der das inhaltliche Terrain absteckt. Er lautet: Kultur von innen. Und davon lebt dieser Podcast, von Menschen, die Einblicke ermöglichen, die man von außen eben nicht hat. Ein ganz wunderbares Beispiel ist Folge 13 mit Michael Nikbakhsh, in der es um einen Whistleblower am Musiktheater an der Wien ging und darum, was passiert, wenn interne Probleme plötzlich sichtbar werden. Oder Folge 27 über die Arbeitsatmosphäre in einem renommierten Theater erzählt aus der Perspektive eines Anwalts, der sich wiederum auf ein arbeitsrechtliches Gutachten mit Sprengkraft stützt. Solche Folgen entstehen, weil Menschen den Schritt wagen, sich zu melden und etwas anzuvertrauen. Meistens ist das etwas, das lange auch unausgesprochen geblieben ist.
Vielleicht arbeitet ihr ja in einem Theater, einem Konzertbetrieb, einer Kulturverwaltung, an einer Hochschule oder in der freien Szene und habt das Gefühl, hier passiert etwas, das nicht einfach Routine ist, sondern ein strukturelles Problem. Oder aber hier passiert etwas, das nicht einfach Routine ist, sondern einfach grenzgenial auf menschlicher, künstlerischer oder institutioneller Ebene. Es sind also immer bewusst diese beiden Perspektiven, eine kritische, aber auch eine sehr positive. Wenn ihr euch damit an den Bühneneingang wendet, passiert nichts automatisch und schon gar nicht überstürzt. Das war mir wichtig, mal zu erzählen, weil diese Frage durchaus oft kommt, so eine Art Teaser-Mail: "Ich würde gerne was erzählen, aber ich habe Angst, dass ich was damit lostrete." Aber da kann man ganz entspannt sein. Mit einer E-Mail an mich tritt man zunächst mal gar nichts los. Das ist zunächst einmal einfach ein Durchlesen und in Kontakt kommen. Ich prüfe dann gegebenenfalls Hinweise sehr sorgfältig, suche nach Bestätigungen, überlege gemeinsam mit vertrauenswürdigen Menschen, aber immer erst nach Rücksprache, ob und wie eine Geschichte erzählt werden kann, ohne dass jemand Schaden nimmt. Es geht also nicht um irgendeine Form von Skandalisierung um ihrer Selbst willen, sondern eigentlich um Aufklärung, um Sichtbarkeit, um einen Startpunkt natürlich für lebendige Diskussionen.
Wenn ihr also das Gefühl habt, das, was gerade vor meinen Augen passiert, braucht breitere Reflexion, im Positiven wie im Negativen, dann meldet euch. Ganz ohne Druck, ohne Versprechen, dass daraus zwingend eine Folge wird. Auch das ist wichtig. Aber mit der ernst gemeinten Bereitschaft hinzuschauen beziehungsweise hinzuhören, wie ernst ich das nehme mit dieser sehr selektiven und vorsichtigen Wahrnehmung von Geschichten, die mir geschickt werden, zeigt der Umstand, dass wirklich der Großteil überhaupt nicht in einer der Folgen zur Sprache kommt. Das ist einfach manchmal Hintergrundwissen oder einfach manchmal nur ein kurzer Austausch von Positionen oder von Informationen, wo immer abgeklärt wird, was könnte man davon gegebenenfalls auch öffentlich nutzen.
Und das führt mich zum letzten Teil meiner Solo-Folge, in der es um Unabhängigkeit durch Unterstützung geht. Damit wir diesen Blick hinter die Kulissen ernsthaft pflegen können, braucht es eine gewisse Unabhängigkeit. Gerade dann, wenn es darum geht, die sehr seilschaftsgetriebene und vernetzte Kulturbranche zu durchdringen, wo Grenzen zwischen kritischem Gegenüber und Gegenstand der Berichterstattung leider oft verschwimmen. Ein Weg, diese Unabhängigkeit zu sichern, ist die konsequente Weiterempfehlung des Bühneneingangs. Viele Hörer:innen bedeuten viel Rückhalt, bedeuten viel Rückenwind für neue Geschichten und Folgen.
Und dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit einer Mitgliedschaft über Steady. Ich möchte jetzt mal kurz einen Blick in mein Herz gewähren. Es ist mir ehrlich gesagt immer ein bisschen peinlich. Ich geniere mich immer ein bisschen, damit auf Werbetour zu gehen. Und als ganz, ganz schlechter Keiler möchte ich euch gleich die Botschaft mitgeben, dass jetzt kein Rettungsaufruf kommt, der das Überleben des Bühneneingangs an rasant ansteigenden Abozahlen festmacht. Aber hey, ehrlich gesagt, ich freue mich einfach über jede Mitgliedschaft, weil das auch ein kleines Zeichen der Wertschätzung und Unterstützung ist.
Es geht außerdem nicht um große Summen, sondern um eine Art ideelle Verlässlichkeit, um Zeit für Recherche, Vorbereitung, Nachbereitung zu haben und um natürlich auch zunehmend die Freiheit zu gewinnen, diesen Podcast unabhängig wachsen zu lassen. Ein Steady-Abo bedeutet einfach, ihr macht sichtbar, dass euch dieser Blick von innen etwas wert ist. Ihr tragt dazu bei, dass Gespräche stattfinden können, in denen keine Institution im Hintergrund mitredet. Und ihr helft, dass ich mich auch an Themen heranwagen kann, die aufwendig, konfliktreich und ökonomisch wenig attraktiv sind, aber eben total notwendig.
So, zum Abschluss also noch einmal in aller Kürze: Ich freue mich auf eure Themenvorschläge, eure Kritik und eure Fragen. Ich nehme Hinweise aus dem Inneren des Kulturbetriebs sehr ernst und gehe sorgfältig mit ihnen um. Und ich bin dankbar für jede Form von Unterstützung, ob als Mitglied bei Steady oder als jemand, der diesen Podcast hört, teilt und weiterempfiehlt. Danke, dass ihr den Bühneneingang begleitet mit euren Ohren, eurer Zeit und vielleicht bald auch mit eurer Stimme. In diesem Sinne bis ganz bald am Bühneneingang. Und keine Sorge, beim nächsten Mal ist wieder ein Gast am Start.
Danke, dass ihr beim Bühneneingang vorbeigeschaut habt. Ich würde mich freuen, wenn ihr den Podcast abonniert, in eurem Netzwerk teilt und auf der Plattform eures Vertrauens mit fünf Sternen bewertet. Feedback und Geschichten aus dem Inneren des Kulturbetriebs sind natürlich herzlich willkommen. Schreibt mir am besten eine E-Mail. Die Adresse findet ihr auf www.buehneneingang.at, buehneneingang mit UE. Alle Nachrichten werden natürlich streng vertraulich behandelt.
Dort, auf www.buehneneingang.at, gibt es auch einen Link zu Steady. Mit einer Steady-Mitgliedschaft könnt ihr diesen Podcast unterstützen und habt ein garantiert werbefreies Hörerlebnis. Außerdem lasse ich mir immer wieder neue Packages für Mitglieder einfallen. In diesem Sinne bis hoffentlich bald am Bühneneingang.
Autor:in:Fabian Burstein |