Ist das wichtig?
Armin Wolfs Vorschlag für eine neue ORF-Aufsicht

In dieser Folge von Ist das wichtig? geht es um die Zukunft des ORF – und damit um die Zukunft unserer Medienlandschaft. Georg Renner analysiert die aktuelle Debatte um die Wahl des nächsten Generaldirektors (Amtsantritt: 1. Jänner 2027, Wahl am 11. Juni):

  • Armin Wolfs Reformvorschlag: Wie der ORF-Stiftungsrat unabhängiger werden könnte – mit 15 statt 35 Mitgliedern, mehr Profis statt Parteifraktionen und geheimer Wahl.
  • Der inoffizielle Deal: Warum ÖVP und SPÖ angeblich schon Clemens Pig (APA-Vorstand) als Kandidaten favorisieren – obwohl die Bewerbungsfrist noch bis 28. Mai läuft.
  • Die erste offizielle Kandidatin: Lisa Totzauer (ORF-Insiderin) bewirbt sich erneut.


Warum ist das wichtig? Der ORF ist mit 1,1 Mrd. Euro Jahresumsatz das einflussreichste Medienunternehmen Österreichs – finanziert durch unsere Haushaltsabgabe. Doch wer garantiert, dass er unabhängig bleibt? Eine Folge über Macht, Medien und Demokratie.

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Transkript

Hi, grüß euch, herzlich willkommen bei „Ist das wichtig?" am 19. Mai. Wir haben ja schon lange nicht mehr über den ORF geredet, seine diversen Skandale, Probleme und so weiter sind in den vergangenen Wochen ein bisschen in den Hintergrund gerückt, weil er, man muss sagen, sehr, sehr professionell und gut den Eurovision Song Contest veranstaltet hat. Jetzt, nachdem der vorbei ist, geht es aber wieder ans Eingemachte, nämlich mit der Wahl des nächsten Generaldirektors oder der nächsten Generaldirektorin. Und da gibt es einige neue Entwicklungen. Einerseits hat sich die ÖVP de facto öffentlich festgelegt, welchen Kandidaten sie zu unterstützen scheint bei dieser Generaldirektorenwahl, die eigentlich mit der Politik nichts zu tun haben sollte.

Zweitens hat der bekannte ORF-Moderator Armin Wolf einen Vorschlag gemacht, wie man diese Politikferne des ORF in Zukunft ein bisschen besser gewährleisten könnte. Und drittens hat sich eine Kandidatin für diesen Generaldirektorsposten heute öffentlich deklariert: Lisa Totzauer will Generaldirektorin ab 1. Jänner 2027 werden. Ganze Menge, über die wir in unseren üblichen sieben Fragen in den nächsten paar Minuten reden können.

Mein Name ist Georg Renner, ich bin seit 18 Jahren politischer Journalist, und das hier ist „Ist das wichtig?" – Politik für Einsteiger, ein Podcast, in dem wir aktuelle politische Begebenheiten so besprechen, dass man sie auch nebenbei gut verstehen kann. Und wie immer: Wenn ihr Anregungen, Wünsche, Beschwerden, Kritik oder was auch immer, irgendwelche Anmerkungen zu den heutigen Themen habt, dann freue ich mich über eine Mail an podcast@istdaswichtig.at oder auch gerne über die WhatsApp-Nummer in den Shownotes. Und jetzt geht es los mit der heutigen Folge.

Also Georg, was ist passiert?

Wir schauen uns heute drei Dinge an, die inhaltlich ganz gut zusammenpassen, weil sie inhaltlich zusammengehören. Es geht bei allen dreien um den ORF. Heute Vormittag, Dienstagvormittag, hat Armin Wolf auf seinem Blog, sinnigerweise arminwolf.at, einen Text mit dem Titel „Guter Rat ist anders" veröffentlicht, einen sehr konkreten und, ich finde, gut durchdachten Vorschlag, wie man den ORF-Stiftungsrat neu aufstellen könnte, also das Aufsichtsgremium des ORF. Wolfs Eckpunkte sind: 15 statt 35 Mitglieder, Profis statt Parteifraktionen, die dort derzeit den Ton angeben, und eine geheime Wahl des Generaldirektors mit einer Dreiviertelmehrheit, um diesen ORF-Chef zu bestimmen, der dann die wichtigen Entscheidungen im Unternehmen treffen kann.

Hintergrund des Ganzen: Ganz, ganz viele Medien in Österreich haben in den vergangenen Tagen ziemlich einhellig berichtet, dass ÖVP und SPÖ, also die beiden größeren Regierungsparteien, sich inoffiziell bereits auf einen Kandidaten geeinigt haben, wer der nächste ORF-Generaldirektor sein soll. Der tritt ja mit 1. Jänner 2027 an. Ingrid Thurnher, die nach dem Abgang von Roland Weißmann – wir haben schon oft darüber gesprochen – derzeit Generaldirektorin ist, hat ihre Amtszeit ja nur bis Ende 2026. Mit 1. Jänner 2027 übernimmt dann ein neuer Generaldirektor oder eine neue Generaldirektorin. Theoretisch könnte sich auch Thurnher wieder bewerben, die dürfte aber weniger Lust drauf haben, hört man. Und die Bewerbungsfrist für diesen einflussreichen Posten, mit großem Abstand das mächtigste und wichtigste Medienamt in Österreich, läuft noch bis 28. Mai. Die Wahl im Stiftungsrat soll in ein paar Wochen stattfinden, nämlich am 11. Juni.

Das ist eben dieser Stiftungsrat, derzeit 35 Mitglieder, die praktisch alle parteipolitisch klar zugeordnet werden können und die auch in parteinahen Freundeskreisen organisiert sind. Dieser Wunschkandidat, auf den sich ÖVP und SPÖ da geeinigt haben, ist Clemens Pig. Derzeit ist das der Vorstand der APA, der Österreichischen Presseagentur. Der hat also auch eine ganz zentrale Funktion am Medienwirtschafts- und Ökosystem in Österreich. Und ganz besonders in der ÖVP, der Österreichischen Volkspartei, maßgeblich bestimmt von Bundeskanzler und Parteichef Christian Stocker und dem Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle, dort gilt die Linie ziemlich klar: Pig soll der nächste ORF-Chef werden. Das sagt jetzt niemand so ganz offen, aber ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti hat am Wochenende der „Presse am Sonntag" verraten, er fände es auf alle Fälle super, wenn Clemens Pig sich bewerben würde.

Und die SPÖ soll damit ganz gut leben können und bekommt dafür andere wichtige Posten im Direktorium, also auf der Führungsebene des ORF, zugesprochen. Und das sollte natürlich eigentlich überhaupt nicht so laufen. Eigentlich sollte ja der ORF von der Politik nicht beeinflussbar sein und schon gar nicht vor Ende der Bewerbungsfrist. Also, wenn man noch gar nicht weiß, welche Kandidaten es eigentlich gibt, sollte nicht schon lange feststehen, wer welche Jobs bekommt und welche Entscheidungen der oder diejenige dann treffen sollte.

Das sind die ersten beiden Sachen: Armin Wolfs Vorschlag für die Neubesetzung dieses Stiftungsrats und zweitens, dass die ÖVP mehr oder weniger durch die Blume schon kommuniziert, sie wüsste eigentlich schon, wer Kandidat werden sollte. Das Dritte, was gerade jetzt noch dazugekommen ist: Lisa Totzauer, derzeit in dieser Führungsebene des ORF Hauptabteilungsleiterin für Magazine und Service-Sendungen, hat ihrem Team und den ORF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitgeteilt, dass sie sich, wie schon 2021, wieder als ORF-Generaldirektorin bewerben wird. Offiziell ist sie damit die einzige Person, die ihre Bewerbung bereits öffentlich gemacht hat. Clemens Pig hat offiziell überhaupt noch nichts eingereicht und verlauten lassen, es gilt aber als sehr wahrscheinlich, dass er sich bewirbt.

Und wer sind die alle?

Bevor wir jetzt die Personen einzeln durchgehen: Wir müssen über den ORF reden. Der ORF ist mit großem Abstand das wichtigste, größte Medienunternehmen des Landes, mit einem Jahresumsatz von rund 1,1 Milliarden Euro, die großteils aus der sogenannten Haushaltsabgabe kommen, also einem Beitrag von rund 15 Euro im Monat, den jeder Haushalt und fast jedes Unternehmen zwangsweise zahlen muss. Geführt wird der ORF derzeit von Ingrid Thurnher, nachdem ja Roland Weißmann nach einem Skandal Anfang März zurückgetreten ist. Und mit 1. Jänner 2027 wird eine neue Führung an der Spitze des ORF stehen. Dafür werden derzeit Kandidatinnen und Kandidaten gesucht. Diese Ausschreibung läuft, und die Bewerbungsfrist endet Ende Mai.

Warum ist das eine wichtige Funktion? Weil der ORF kein Medienunternehmen wie jedes andere ist, nicht wie eine Zeitung oder ein kleiner Podcast, sondern eben ein öffentlich-rechtliches Medienunternehmen, eine Anstalt öffentlichen Rechts. Das ist nicht einmal ein ganz normales Unternehmen, das der Republik gehört, sondern eine eigens eingerichtete Stiftung, die genauso eingerichtet ist, damit sie unabhängig von der Politik ist. Es ist kein Staatssender, wo die Regierung diktiert, was gesendet wird, was berichtet werden darf und was nicht, sondern eben eine Konstruktion, die eine unabhängige öffentlich-rechtliche Berichterstattung gewährleisten soll, wo nicht Regierungspolitikerinnen und -politiker einfach durchgreifen und diktieren können.

Das ist eine wichtige Unterscheidung, weil daraus eigentlich hervorgeht – und auch aus den Verfassungsbestimmungen, die einen unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorschreiben –, dass die Politik dort nicht direkt hineinregieren sollte. Weil der ORF aber so konstruiert ist, wie er ist – der Stiftungsrat wird derzeit überwiegend auf Vorschlag der Regierungsparteien bestellt, das sind vor allem ÖVP und SPÖ, die haben dort gemeinsam eine Mehrheit –, können sich Politikerinnen und Politiker über den Umweg dieses Stiftungsrats eben doch wieder einmischen. Und das ist, da sind sich eigentlich alle Journalistinnen und Journalisten, Medienexpertinnen und -experten und auch die Oppositionsparteien ziemlich einig, keine gute Konstruktion.

Dieser Stiftungsrat ist ein 35-köpfiges Gremium, das man lose mit einem Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft vergleichen kann. Eigentlich sollte der ja unpolitisch und unabhängig sein. Faktisch orientieren sich diese Stiftungsräte aber in sogenannten „Freundeskreisen", was ein eher verschämter Begriff dafür ist, dass man halt so abstimmt, wie man sich es mit der Partei, die einen bestellt hat, ausgemacht hat.

Ja, und zu den Personalentscheidungen: Armin Wolf ist 60, bekannter Moderator, wahrscheinlich der bekannteste Journalist des Landes. Und er gilt als großer Kritiker der Schwächen des ORF-Gesetzes und als ein starker Proponent eines wirklich politikfernen und unabhängigen ORF. Er ist Tiroler, genauso wie eben Clemens Pig. Der ist 51 und seit 2016 alleiniger Vorstand der Austria Presse Agentur, der Österreichischen Nachrichtenagentur, deren größter Gesellschafter der ORF ist. Und Pig gilt unumstritten als profilierter Medienmanager und durchaus nicht als steuerbar von einer Partei. Er hat erst 2024 seinen APA-Vertrag eigentlich bis Ende 2030 verlängert bekommen. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, steht die ÖVP hinter ihm und macht das, wie wir zuerst besprochen haben, so halb verschämt, halb öffentlich, dass man eine Bewerbung von ihm sehr, sehr begrüßen würde. Statt einfach zu sagen: „Na ja, der ORF ist parteifern, dazu habe ich keine Meinung, wer den führen soll", sagt der Generalsekretär der Volkspartei und Mediensprecher Nico Marchetti eben: „Na ja, ich fände das schon gut, wenn der Herr Pig sich bewirbt."

Und dann ist jetzt noch dazugekommen Lisa Totzauer, 55, fast seit 30 Jahren beim ORF, eine Insiderin. Sie war lang Sendungsverantwortliche der Zeit im Bild und hat ganz, ganz unterschiedliche Führungsfunktionen im ORF schon gehabt, so blumige Titel wie Channel-Managerin, und jetzt ist sie eben für die ORF-Magazine zuständig. Sie ist 2021 schon einmal angetreten, wollte damals schon Generaldirektorin werden, ist aber Roland Weißmann unterlegen, hat damals nur fünf der 35 Stimmen bekommen.

Und warum diskutieren die da darüber?

Weil bei allen diesen drei Neuigkeiten – dem Vorschlag von Armin Wolf, der De-facto-Festlegung der ÖVP auf Clemens Pig und der Bewerbung von Lisa Totzauer – es bei allem um dasselbe geht, nämlich: Wer trifft die Entscheidungen im mit großem Abstand wichtigsten und größten Medienunternehmen des Landes, das über Gebühren finanziert wird und das eigentlich parteiunabhängig und neutral organisiert sein sollte? Und dieser Bestellungsprozess zeigt in einer sehr, sehr konzentrierten Form, was viele Leute gerade an diesem ORF, wie er real existiert, kritisieren.

Armin Wolf rechnet in seinem Blog zum Beispiel vor: Der ÖVP-Freundeskreis hat derzeit 13 Mitglieder, der SPÖ-Freundeskreis elf, macht zusammen 24 von 35 Mitgliedern, also eine Zweidrittelmehrheit. Wenn man jetzt die drei NEOS-Vertreterinnen und -Vertreter noch dazurechnet, kommt die Regierungskoalition sogar auf 27 von 35 Mitgliedern. Das sind 77 Prozent, obwohl diese drei Parteien bei der letzten Nationalratswahl im September 2024 zusammen nur etwa 59 Prozent der Stimmen bekommen haben. Das sieht, wie Wolf trocken vorrechnet, ein bisschen nach Regierungsfunk aus, weil der Stiftungsrat derzeit eben nach Regeln zusammengesetzt ist, die die regierenden Parteien sehr stark begünstigen. Und eben dieser Mehrheit wird seit Tagen unterstellt, dass sie schon einen Deal haben, obwohl die Bewerbungsfrist für diesen Posten des Generaldirektors noch nicht einmal abgelaufen ist.

Man weiß nicht, bewerben sich gute Leute, exzellent qualifizierte Leute, vielleicht aus dem Ausland. Stattdessen kommuniziert man jetzt schon in dieser laufenden Bewerbungsfrist, dass man eigentlich eh schon weiß, wer es wird und dass es da eben hinter den Kulissen einen Deal geben soll. Dafür, im Gegenzug, soll sich die SPÖ, zweitgrößte Regierungspartei, wichtige Direktorenposten aussuchen dürfen, die eigentlich nach den normalen Organisationsregeln des ORF-Gesetzes dann der neu bestellte Generaldirektor frei entscheiden dürfte. Stattdessen soll jetzt schon fix sein, dass die derzeitige FM4-Chefin als Wunschkandidatin des Medienministers Andreas Babler, auch SPÖ-Chef, für die Radiodirektion gilt. Und die ÖVP bekommt zusätzlich zur Generaldirektion noch den Programmdirektor und so weiter.

Und genau da setzt Armin Wolf jetzt mit seinem Blogbeitrag an. Es könne nicht sein, sagt er sinngemäß, dass täglich gut informierte Medien berichten könnten, wer am 11. Juni gewählt werden soll, weil das sollte nicht feststehen, solange man noch nicht einmal weiß, wer die Bewerberinnen und Bewerber eigentlich sind. Und Armins Vorschlag in groben Zügen ist: Statt 35 soll es nur noch 15 Mitglieder des Stiftungsrats geben. Zehn davon sollen über die Länder bestellt werden – jedes Bundesland bekommt eins, plus einen Sitz noch der Bund. Und die restlichen fünf sollen, wie üblich in Aktiengesellschaften, ein Drittel der Mandate im Aufsichtsrat, von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ORF bestellt werden.

Und noch weiter gedacht: Diese zehn entscheidenden politisch bestellten Mitglieder sollen in den Landtagen, in den Bundesländern, bestellt werden, und zwar nicht mit einfacher Mehrheit, sodass sich dort die Regierungsparteien immer aussuchen können, wer Stiftungsrat wird, sondern mit Zweidrittelmehrheit. Das hieße, man muss auch die Opposition einbinden, und das würde, argumentiert Armin Wolf, begünstigen, dass dort wirklich unumstrittene Persönlichkeiten gewählt werden und nicht nur Leute, die die Linie der jeweiligen Landesregierung automatisch mittragen. Außerdem sollten noch weitere Bestellungsvoraussetzungen gelten, zum Beispiel sollten das profilierte Profis aus Medien, Justiz und Management sein und idealerweise Leute, die Erfahrung in echten Aufsichtsräten haben.

Und ob es jetzt dieses Modell wird oder ein anderes – Wolf räumt schon ein, auch sein Modell habe natürlich Schwächen, aber es würde eines garantieren: dass wir nicht jeden Tag in der Zeitung lesen müssten, wer in zwei Wochen auf welchen ORF-Posten kommt. Idealerweise, schreibt er weiter, wäre es nicht nur so, dass jedes Bundesland und vielleicht die Bundesregierung oder der Bundespräsident – wer auch immer – einen Kandidaten nominiert, sondern zwei Kandidatinnen oder Kandidaten, aus denen dann nochmal einer ausgewählt wird. Und so sollen diese zehn Leute zusätzlich zu den fünf Belegschaftsvertretern des ORF dann endgültig bestellt werden. Und das würde eine maximale Politikferne gewährleisten, ohne den Einfluss der Politik, die ja auch ein Faktor ist in einer ordentlichen Republik, komplett auszuschalten.

Okay, und wie betrifft das uns?

Na ja, zum einen zahlen wir den Laden alle. Wir zahlen alle über die Haushaltsabgabe derzeit knapp 15 Euro im Monat dafür, dass wir einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben. Ich persönlich finde das ja sehr, sehr gut, dass es so etwas gibt, weil ein solches Medium gerade in einer immer unübersichtlicheren Medienlandschaft tatsächlich ein toller Standortfaktor ist – dass es eine Institution gibt, auf die man sich verlassen kann, dass sie gute, solide, handwerklich gut gemachte und recherchierte Informationen bereitstellt, und zwar im Wesentlichen kostenlos für alle Bürgerinnen und Bürger, weil eben nicht über Abos finanziert, sondern durch diese Haushaltsabgabe.

Und genau dass das gewährleistet wird, dass das wirklich solide Information ist, dass dort handwerklich gut gearbeitet wird und werden kann, unabhängig vom Einfluss der Regierungsparteien – das ist eben eine der zentralen Funktionen des ORF-Generaldirektors: dass der irgendwelche Interventionen und Wünsche aus den Bundesparteien abblockt und sagt: „Nein, wir arbeiten unabhängig, wir sind so eingerichtet, wie es ist." Aber damit das gewährleistet ist, muss der Generaldirektor oder die Generaldirektorin eben auch unabhängig bestellt werden können.

Und politisch wird hier eine ganz, ganz grundsätzliche Frage verhandelt: Gehört der ORF wirklich uns allen? Also ist er nicht ein Regierungsfunk, kein Staatsfunk, wo die Politik jeden Tag reinregieren kann, oder kann er eben, wie es sein sollte, unabhängig arbeiten und gute Informationen bereitstellen? Und das ist eine ganz, ganz zentrale Frage, die sich natürlich gerade im Vorfeld einer Bestellung eines solchen Generaldirektors, einer Generaldirektorin, der oder die sich dann genau seine Mitarbeiter aussuchen kann und bestimmen kann, wie der ORF arbeitet, ganz stark stellt.

Und ist das schon fix?

Nein, das ist ja das Irre an dem Ganzen. Es läuft noch die Bewerbungsfrist. Bis 28. Mai um Mitternacht können sich Kandidatinnen und Kandidaten noch um diese Generaldirektion bewerben. Und idealerweise wäre der ORF als milliardenschweres Medienunternehmen ein total attraktives Umfeld für Top-Managerinnen und Top-Manager, internationale Medienexpertinnen und -experten, die handwerklich besten Leute aus Österreich und natürlich auch aus dem ORF. In einem idealen Umfeld würden sich die alle bewerben, und am Ende würde der oder die Bestqualifizierte das Rennen machen.

Aber was sendet man für ein Signal, wenn da schon im Vorfeld rausposaunt wird, wen sich die Regierungsparteien wünschen, und jeder, der sich ein bisschen damit beschäftigt, weiß: „Ja, okay, die können das theoretisch machen, wenn es diesen Deal zwischen ÖVP und SPÖ gibt, weil die haben einfach so viele Stiftungsrätinnen und Stiftungsräte in ihrem Freundeskreis, dass sich die das ausdealen können." Das ist kein professionelles Umfeld, das ist ein Sauhaufen. Und das wird den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ORF nicht gerecht, die dort wirklich handwerklich gute Arbeit leisten. Und das wird vor allem uns Bürgerinnen und Bürgern nicht gerecht, die den ganzen Laden per Haushaltsabgabe zahlen.

Da braucht es tatsächlich einen besseren Bestellungsmodus, der nicht vorwegnimmt – noch bevor die Bewerbungsfrist auch nur zur Hälfte vorbei ist –, wie das Ganze ausgehen wird. So ein Modus sollte nicht existieren, und es wäre wünschenswert, dass da demnächst eine Reform kommt, in der es einen besseren Bestellungsmodus geben wird. Der Medienminister Andreas Babler, der gleichzeitig auch SPÖ-Chef ist – und die SPÖ hält sich nach wie vor ihren Freundeskreis –, hat für den Herbst eine große Enquete oder ein großes Forum angekündigt, in dem auch über Reformen im ORF nachgedacht werden soll. Und vor diesem Hintergrund sollte man diese ganze Debatte jetzt sehen und natürlich ganz besonders auch darauf achten, wie sich die SPÖ und die von ihr bestellten Stiftungsrätinnen und Stiftungsräte verhalten – ob die sich an diesen Machtspielchen und Deals tatsächlich beteiligen oder ob sie das in Abrede stellen und tatsächlich einmal die Bewerbungsfrist abwarten, wer sich da bewirbt. Aber nein, fix ist damit eigentlich noch nichts.

Und woher weißt du das eigentlich?

Armin Wolfs Blogpost ist auf seinem Blog arminwolf.at erschienen. Ich verlinke euch das genauso wie die Ausschreibung für den aktuellen ORF-Generaldirektor bzw. die ORF-Generaldirektorin in den Shownotes. Dort verlinke ich euch auch einen Artikel vom Kollegen Harald Fidler, der Lisa Totzauers Bewerbungsschreiben im Wortlaut veröffentlicht hat. Alles sehr, sehr spannend. Harald Fidler, wichtigster Medienjournalist des Landes, im STANDARD, hat überhaupt auch schon sehr, sehr viel über diese ÖVP- und SPÖ-Deals geschrieben und ist eine sehr, sehr gute Quelle für die Vorgänge im ORF.

Also ist das wichtig?

Ja. Medien, also die Art, wie wir uns vor allem über Politik, aber auch über Wirtschaft, über das allgemeine Leben in unserem Land informieren, sind einfach ein zentraler Faktor in jeder Demokratie. Es ist ganz, ganz wichtig, dass es allein die Möglichkeit gibt, dass man sich gut informieren kann und dass es da solide, handwerklich gut gemachte Arbeit von Journalistinnen und Journalisten gibt, die nicht auf Zuruf der Regierung oder irgendwelcher Parteien reagieren. Und das macht der ORF im Großen und Ganzen. Und jetzt geht es darum, das abzusichern gegen Einflüsse von allen möglichen Parteien, die den ORF vielleicht anders haben wollen, und vor allem auch gegen solche schmutzigen Deals, die entgegen dem Sinn eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sich jetzt schon ausmachen, wer da führen soll und wer wem was schuldet dafür, dass er einen wichtigen Posten bekommt. Ich finde das sehr, sehr wichtig.

Und es geht natürlich nicht nur um diesen demokratischen Gedanken, die Gewährleistung solider Informationen, sondern es geht letzten Endes auch um die Frage: Wie stark ist der Einfluss von Parteien? Können die einfach solche Posten mit Zuruf vergeben und sagen: „Ja, der ja, du nein", oder sollten nicht doch lieber gerade bei solchen Spitzenjobs, wo es um ein Milliardenunternehmen geht, die Qualifikationen mehr zählen? Ich finde Letzteres: Die Qualifikationen sollten den Ausschlag geben dafür, wer den ORF die nächsten Jahre führen soll. Und ich bin gespannt, wie das jetzt bis 28. Mai und dann bis 11. Juni noch weitergeht. Wir werden sicher noch ein paar Mal über den ORF sprechen bis dahin.

Und das war es mit dieser Folge. „Ist das wichtig? – Politik für Einsteiger." Die Idee dieses Podcasts ist, ein Einsteigerprogramm für Menschen zu bieten, die sich zwar für Politik interessieren, aber sich nicht jeden Tag damit beschäftigen. Ich freue mich über euer Feedback an podcast@istdaswichtig.at oder per Sprachnachricht an die WhatsApp-Nummer in den Shownotes. Und falls ihr in diesem Umfeld Werbung machen wollt, wendet euch bitte an office@missing-link.media.

Wenn ihr euch für Formate für Fortgeschrittene interessiert, möchte ich euch noch meine beiden E-Mail-Newsletter ans Herz legen: den Leitfaden, in dem ich immer dienstags aktuelle politische Themen für das Magazin Datum kommentiere, und „Einfach Politik", eine sachpolitische Analyse für die WZ, die jeden Donnerstag erscheint. Die Links zur kostenlosen Anmeldung für beide stelle ich euch in die Shownotes.

Und falls ihr mehr hören wollt: Ich gehöre auch zum Team von „Ganz offen gesagt", Österreichs bestem Gesprächspodcast für Politikinteressierte. „Ist das wichtig?" ist ein Podcast von mir, Georg Renner, in Kooperation mit Missing Link. Produziert hat uns Konstantin Kaltenegger. Die zusätzliche Audiostimme ist von Maria Renner, Logo und Design von Lilly Panholzer. Danke für Titel und Idee an Andreas Sator, Host des Podcasts „Erklär mir die Welt".

Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Adieu.

Autor:in:

Georg Renner

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