Ist das wichtig?
Die beste Nachricht des Jahres bisher
- hochgeladen von Georg Renner
Die Statistik Austria hat die Inflationsrate im Jänner mit 2,0 Prozent beziffert - weit niedriger als irgendwann im vergangenen Jahr. Warum das vor allem auch für Österreichs Politik eine gute Nachricht ist, erklären wir in dieser Folge in unseren sieben Fragen: - Was ist passiert? - Wer sind die alle? - Warum disktuieren wir darüber? - Wie betrifft das uns? - Ist es schon fix? - Woher wissen wir das? - Ist das wichtig?
Wollt ihr mehr wissen?
- Hier die Info der Statistik Austria über die Schnellschätzung für Jänner:
https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2026/02/20260204VPIFlashEstimateJaenner2026.pdf
Transkript:
Hi, grüß euch, herzlich willkommen bei „Ist das wichtig?" vom 4. Februar, und zwar ausnahmsweise einmal mit ausnehmend guten Nachrichten. Die Inflation ist im Jänner deutlich gesunken gegenüber dem Jänner des Vorjahres auf nur 2,0 %. Warum das nicht unbedingt mit der Politik der derzeitigen Regierung zu tun hat, warum die das Ganze trotzdem feiert und was Inflation eigentlich überhaupt ist, das werden wir jetzt in den nächsten paar Minuten besprechen in unseren üblichen sieben Fragen.
Mein Name ist Georg Renner, ich bin seit 18 Jahren politischer Journalist, und das hier ist „Ist das wichtig? – Politik für Einsteiger", ein Podcast, in dem wir aktuelle politische Fragen so besprechen, dass man sie auch nebenbei gut verstehen kann.
Also Georg, was ist passiert?
Die Statistik Austria, das ist die österreichische Bundesanstalt für Statistik, die hat heute ihre monatliche Schnellschätzung zur Inflation veröffentlicht. Und die zeigt: Im Jänner 2026, also im vergangenen Monat, lagen die Preise in Österreich im Schnitt nur noch 2 % über den Preisen vom Jänner des Vorjahres. Klingt nach einer ganz, ganz trockenen und kleinen Zahl, ist aber eine ziemliche Trendwende. Denn im Dezember, also Dezember 2025, vor zwei Monaten, lag die Inflation noch bei 3,8 %, und das ganze Jahr 2025 war überhaupt von einer hohen Inflation, von einer hohen Teuerung geprägt. Im Jahresschnitt hat die Teuerung etwa 3,6 % ausgemacht, deutlich mehr als in den meisten anderen europäischen und Euro-Ländern.
Was heißt das konkret? Inflation bedeutet nicht, dass die Preise sinken, sondern nur, dass sie langsamer steigen als zuvor. 2 % Inflation heißt: Wenn etwas vor einem Jahr 100 € gekostet hat, kostet es jetzt 102 €, oder wenn es vor einem Jahr 50 € gekostet hat, kostet es jetzt 51 € und so weiter. Das ist immer noch teurer, als im Vorjahr die Sachen gekostet haben, aber es ist eben nicht mehr so viel teurer, als von 2024 auf 2025 geworden ist.
Aber bevor wir uns jetzt alle freuen: Dieser Rückgang, oder ein großer Teil dieses Rückgangs der Inflation, ist kein Verdienst irgendeiner Regierungsmaßnahme der jetzigen Regierung, sondern ein statistischer Effekt. Erinnert ihr euch noch an genau vor einem Jahr, im Jänner 2025? Da ist die Inflation von einem Monat auf den anderen von 2 %, also dort, wo sie jetzt wieder ist, von 2 % auf 3,2 % gesprungen, weil damals ganz, ganz viele Maßnahmen des Staats, der damaligen türkis-grünen Bundesregierung, ausgelaufen sind, die die Strompreise künstlich niedrig gehalten haben: Strompreisbremse und andere Unterstützungsmaßnahmen. Und dieser Preissprung beim Strom, der damals von 2024 auf 2025 im Preis ziemlich hochgeschnalzt ist, ist jetzt wieder aus der Rechnung herausgefallen, weil wir ihn ja eben mit dem Jänner 2025 vergleichen, wo er schon teurer war als noch im Jahr davor. Dieser statistische Effekt heißt Basiseffekt, ein statistisches Phänomen, kein politisches.
Es kommen, muss man aber zur Ehrenrettung der Regierung sagen, noch ein paar andere Effekte dazu, zum Beispiel der Verzicht auf die Elektrizitätsabgabe, der trägt auch ein bisschen dazu bei, dass die Inflation niedriger ist. Aber ein ganz großer Teil dieses Rückgangs von 3,2 % Teuerung im Jänner 2025 auf 2,0 % im Jänner 2026 ist eben dieser sogenannte Basiseffekt, dass damals die Preise so hoch gestiegen sind, dass sie jetzt nicht mehr hoch weiter gestiegen sind.
Und wer sind die alle?
Fangen wir mit der Statistik Austria an. Das ist die Bundesanstalt, die in Österreich – nomen est omen – für alle möglichen Statistiken zuständig ist, von der Volkszählung bis eben hin dazu, die Inflation zu messen. An der Spitze steht seit vergangenem Jahr Manuela Lenk als Generaldirektorin, und die Statistik Austria erhebt monatlich die Preise von rund 700 Waren und Dienstleistungen an etwa 4.000 Erhebungsstellen in ganz Österreich, vom Supermarkt bis zur Tankstelle, vom Friseur bis zum Stromanbieter. Und aus diesen Erhebungen, aus diesen Preisen, die die Statistik da immer automatisiert erhebt, wird dann der sogenannte Verbraucherpreisindex errechnet, kurz VPI. Das ist die wichtigste Maßzahl für die Inflation. Da ist drinnen: Wie viel kostet Strom, wenn du ihn als Privathaushalt kaufst, wie viel kostet Benzin, wie viel kosten so Einkäufe des täglichen Bedarfs, wie viel kostet die Mietwohnung und so weiter. Und aus all diesen Zahlen ergibt sich eben dieser Verbraucherpreisindex, dieser Wert, wie viel teurer das Leben in Österreich in einem bestimmten Zeitraum geworden ist.
Dann haben wir abseits der Statistik Austria, die zwar für die Republik arbeitet, aber weitgehend unabhängig von der Regierung arbeitet – die kann denen nicht sagen: „Schreibt diese und diese Zahl da hinein", sondern die Leute dort arbeiten fachstatistisch und auch mit bestimmten Checks and Balances, dass die Regierung nicht einfach in diese Statistiken eingreifen kann. Abseits von der Statistik Austria haben wir eben die Bundesregierung, geführt von Christian Stocker von der ÖVP, Andreas Babler von der SPÖ und Beate Meinl-Reisinger von den NEOS.
Die haben in ihrer Regierungszusammenarbeit, in ihrer Regierungskoalition, den Kampf gegen die Teuerung, den Kampf gegen die Inflation zu einem der höchsten Ziele erklärt. Also die haben ein hohes Interesse daran, dass diese Inflationsrate sinkt. Diese 2 %, auf die die Inflation im Jänner gefallen ist, ist sogar genau der Zielwert, den sie erreichen wollen, weil das auch ziemlich der Wert ist, den andere Eurostaaten haben.
Die Regierung freut sich natürlich und schreibt sich auf die Fahnen, dass sie selber große Maßnahmen gegen die Teuerung gesetzt hätte, die jetzt eben zum Tragen kommen. Das stimmt, wie gesagt, zum Beispiel bei der Elektrizitätsabgabe, die eben jetzt nicht mehr anfällt und damit den Strom nicht mehr teurer macht, aber insgesamt muss man halt schon sagen: Der große Teil des Kampfs gegen die Inflation ist quasi automatisiert passiert, weil eben die Elektrizität nicht mehr so viel teurer geworden ist, als sie 2025 gegenüber 2024 teurer geworden ist, sondern eben nur ein kleines bisschen der Preis sich verändert hat im Verbraucherpreisindex.
Kritik kommt wiederum von der Opposition, also den Parteien im österreichischen Parlament, die nicht Teil der Regierung sind, zum Beispiel Sigrid Maurer von den Grünen. Die sagt ziemlich frech, dass sich die Regierung jetzt selbst auf die Schultern klopfe: Die habe ja selber mit dem Auslaufenlassen der Strompreisbremse und anderen Maßnahmen die Menschen ein Jahr lang höhere Preise zahlen lassen und eben zu wenig gegen die Teuerung getan.
Und dann gibt's noch Wirtschaftsforscherinnen und Wirtschaftsforscher, zum Beispiel das IHS, das Institut für Höhere Studien, die Inflation in einem gesamtwirtschaftlichen Kontext anschauen und da Prognosen abgeben. Ihre Prognose für heuer ist auf 2,2 % gesenkt worden, also auch eine ziemlich gute Nachricht. Das heißt, selbst wenn dieser 2-%-Inflationswert im Jänner nicht halten sollte, dürfte es in die richtige Richtung gehen bei der Teuerung in Österreich.
Und warum diskutieren die darüber?
Die Frage, wer für die Inflation, wer für die Teuerung verantwortlich ist und wer sie bekämpft hat und mit welchem Erfolg, ist politisch immer schon heiß umkämpft.
Die Regierung sagt, wie gesagt: „Unsere Maßnahmen wirken und die Inflation sinkt unsretwegen", und sie hat ja tatsächlich einiges getan, wie zum Beispiel die schon ein paar Mal erwähnte Elektrizitätsabgabe. Sie hat den Erneuerbaren-Förderbetrag reduziert, es gibt einen Mietpreisstopp ab Juli 2026, ab Sommer soll die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel halbiert werden und und und.
Aber wie gesagt: Der große Inflationsrückgang im Jänner ist zu einem erheblichen Teil einfach Statistik, einfach Mathematik. Laut IHS-Ökonomen macht allein der Wegfall dieses Basiseffekts der Strompreisbremse, die eben mit 2025 ausgelaufen ist, 0,8 Prozentpunkte aus, also den größten Teil von diesem Abfall von 3,2 % auf 2,0 %.
Die aktiven Regierungsmaßnahmen, also das, was die Regierung wirklich selbst gemacht hat, soll laut dem IHS die Inflation ebenfalls dämpfen, aber erst im Lauf des Jahres, ebenfalls um einen kleinen Anteil von 0,7 Prozentpunkten. Es ist auch nicht nichts, aber es ist eben nicht der Hauptgrund für die heutige Zahl, also man muss da einfach ein bisschen den Maßstab im Kopf behalten, wenn die Regierung sich selber feiert für diese Zahl im Jänner.
Jetzt hat sie noch nicht so viel getan. Und ja, die Grünen und die ganze Opposition kritisieren: Hätte die Regierung die Strompreisbremse vielleicht verlängert, gar nicht auslaufen lassen, wäre die Inflation im Vorjahr schon gar nicht so hoch gewesen. Typischer Fall, wo alle Seiten ein bisschen recht haben und alle natürlich auch ein bisschen übertreiben und sich selbst in die Auslage stellen.
Okay, und wie betrifft das uns?
Ganz, ganz grundsätzlich: Was misst Inflation überhaupt? Die Statistik Austria stellt sich einen durchschnittlichen Warenkorb zusammen, also sozusagen das, was ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt so braucht: Friseurbesuche, Benzin, Strom, Heizung, irgendwelche Spielsachen und und und. Lebensmittel drin, Miete, Strom, Sprit, Kleidung, Versicherungen, Restaurantbesuche, you name it.
Und jeden Monat wird geschaut: Was kostet dieser Warenkorb, wenn man eben an diesen 4.000 Punkten, die die Statistik Austria da beobachtet, einkauft? Und das wird dann immer mit dem jeweiligen Monat des Vorjahres verglichen. Und die Differenz in Prozent, was das heute teurer oder theoretisch auch billiger ist als vor einem Jahr, das ist diese Inflationsrate.
Zusammen ergeben all diese Raten der Teuerung aus diesen allen Waren und Dienstleistungen in diesem sogenannten Warenkorb die gesamte Inflationsrate. Das heißt: Wenn die Inflation jetzt bei 2 % liegt, im Jänner bei 2 % gelegen ist, dann ist das die durchschnittliche Teuerung, die der Warenkorb teurer geworden ist seit einem Jahr. Für euch persönlich kann das natürlich ganz anders ausschauen: Wenn ihr viel Auto fahrt, zum Beispiel, profitiert ihr davon, dass Treibstoff an den Tankstellen gerade ein bisschen billiger geworden ist, oder ich mit meinem E-Auto, weil der Strom jetzt weniger kostet als noch vor einem Jahr. Wenn ihr zur Miete wohnt und die Miete gerade erhöht worden ist, spürt ihr die Inflation natürlich stärker. Diese 2 % sind eben ein Durchschnittswert und ein Durchschnittswert unterschiedlichster Waren.
Alle spüren wir es momentan natürlich beim Einkaufen im Supermarkt, wo die Güter in den letzten drei Jahren ganz, ganz signifikant teurer geworden sind. Die gute Nachricht, die uns alle betrifft jetzt, ist: Die Energiepreise drücken gerade diese Inflation. Strom, Gas, Heizöl, Treibstoff, das alles ist im Jahresvergleich ein bisschen günstiger geworden. Allein der Energiebereich hat die Inflation laut Statistik Austria um 1,2 Prozentpunkte gedrückt, also eigentlich schon fast die ganze niedrigere Inflation gegenüber vor einem Jahr. Das merkt ihr eben an der Tankstelle, an euren Stromrechnungen und so weiter.
Weniger gut schaut's auf der anderen Seite bei Dienstleistungen aus: Die sind immer noch um 3,8 % teurer als vor einem Jahr, also Dinge wie beim Friseur sich die Haare schneiden lassen, im Restaurant essen gehen, Handwerkerinnen und Handwerker und so weiter. Da schlagen einfach auch die gestiegenen Löhne durch, die in Österreich im Normalfall, nicht immer, ungefähr im Ausmaß der Inflation oder ein bisschen drüber erhöht werden. Und das schlägt sich natürlich auch wieder in den Preisen nieder, weil die Unternehmen müssen das Geld eben erst einmal verdienen, das ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen haben.
Und die Lebensmittel, die sind um 2,7 % teurer geworden, wie gesagt eine Steigerung, die niedriger ist als noch im Vorjahr, aber immer noch spürbar. Und deshalb plant die Regierung – wenn wir in einem der nächsten Tage drüber reden – ja gerade, die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel zu senken.
Und ist das schon fix?
Diese heute veröffentlichte Zahl von der Statistik Austria ist eine sogenannte Schnellschätzung, das ist eine erste Berechnung. Die Zahlen vom Jänner sind jetzt alle da, die müssen noch einmal überprüft und bereinigt werden. In neun von zehn Fällen bei der Statistik Austria ist es aber so, dass diese Schnellschätzung schon sehr exakt ist und dann nichts mehr bereinigt wird. Wenn dann noch bereinigt wird, geht's dann im Normalfall um 0,1, 0,2 Prozentpunkte, also wirklich kleine Werte. Also ungefähr diese 2 % Inflation für Jänner ist ziemlich fix.
Was die Prognose fürs ganze Jahr betrifft, diesen Wunsch des Bundeskanzlers und der Regierung, auf 2 % Inflation runterzukommen: Ja, das schaut momentan ganz gut aus, das IHS, Ökonominnen und Ökonomen dort, rechnen mit 2,2 %. Das wäre ein deutlicher Rückgang gegenüber den 3,6 % von 2025 und wird Österreich wieder in die Nähe des EZB-Ziels von 2 % bringen.
Aber fix ist gerade in Zeiten wie diesen natürlich nichts: Geopolitische Unsicherheiten könnten zum Beispiel Öl- und Gaspreise wieder steigen lassen, oder wenn plötzlich österreichische Unternehmen Zölle zahlen müssen, höhere anderswo, dann holen sie sich vielleicht das Geld hier bei Konsumenten im Land zurück und so weiter. Also das kann durchaus alles noch zu Verschiebungen führen. Auch eine große Frage ist natürlich, wie viel die Löhne dieses Jahr steigen werden, wie die Lohnverhandlungen ausgehen, weil erfahrungsgemäß höhere Löhne auch wiederum höhere Inflation bedeuten und umgekehrt.
Auf der anderen Seite, wie gesagt, etliche Regierungsmaßnahmen, zum Beispiel die Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel, weitere Energieentlastungen, die Mietpreiserhöhungsbeschränkung, das wird alles erst dieses Jahr in Kraft treten. Und das ist alles noch nicht so beschlossen, oder zumindest viele davon sind noch nicht beschlossen und auch noch nicht fix, aber es gibt einfach diese erste Zahl im Jänner, die dank des Basiseffekts und ein bisschen auch dank politischer Entscheidungen im Inland tatsächlich niedriger ausgefallen ist als im Vorjahr.
Und woher weißt du das eigentlich?
Die Zahlen kommen direkt von der Statistik Austria, die veröffentlicht monatlich, einmal im Monat, Anfang jedes Monats, eine Meldung: wie diese Schnellschätzung und ein paar Tage später dann die endgültige Zahl der Inflation im Vormonat ausgefallen ist. Die habe ich mir angeschaut, die schaue ich mir regelmäßig an, auch für meine sachpolitischen Textformate, die ich ja immer nebenbei schreibe. Ich verlinke euch diese Aussendung der Statistik Austria in den Shownotes.
Dann kamen auch super schnell Reaktionen von der Bundesregierung, die sich natürlich sehr, sehr freut über diese vergleichsweise niedrige Inflationszahl. Ich verlinke euch da auch Aussendungen des Bundeskanzleramts, des Vizekanzlers und der Außenministerin, der Parteichefs jeweils von ÖVP, SPÖ und NEOS, was die alles dazu sagen.
Und falls ihr euch fragt, wie diese Inflation genau berechnet wird und wie euer persönlicher Warenkorb ausschaut: Die Statistik Austria hat da einen sehr, sehr tollen individuellen Warenkorb, einen persönlichen Inflationsrechner, mit dem ihr das ein bisschen besser nachvollziehen könnt. Link dazu findet ihr ebenfalls wieder in den Shownotes.
Also, ist das wichtig?
Ja, sehr, sehr wichtig. 2 % Inflation, das bedeutet für die meisten von uns: Wir können mal ein bisschen aufatmen nach diesen hohen Inflationsraten im letzten Jahr. Die schlimmste Phase dieser Teuerungskrise, die uns letztendlich alle ärmer macht, die scheint jetzt einmal fürs Erste vorbei. Löhne und Gehälter, die in den letzten Jahren durch kräftige Kollektivvertragsabschlüsse gestiegen sind, werden jetzt nicht mehr so schnell von der Inflation aufgefressen, und auf der anderen Seite besteht wahrscheinlich auch nicht mehr die Notwendigkeit, so hohe Lohnabschlüsse zu machen, weil eben die Inflation nicht so hoch ist. Das bedingt sich in Österreich, in der Art, wie in Österreich Gehälter verhandelt werden, ja immer gegenseitig.
Aber man muss das natürlich auch alles ein bisschen nüchterner sehen: Die Preise sinken in einem Großteil der Warenkorbelemente nicht. Wie gesagt, Energie ist ein bisschen billiger geworden gegenüber Dezember, gegenüber letztem Jahr, aber in den meisten Bereichen, vor allem Dienstleistungen, steigen die Preise weiter. Sie steigen nur nicht mehr ganz so schnell wie noch im letzten Jahr. Das ist gut, wenn man es gesamtwirtschaftlich sieht, aber es ist natürlich immer noch ein hohes Niveau, von dem die Preise weiter steigen.
Das heißt: Ja, es ist uns da ein bisschen Wohlstand, ein bisschen Leistbarkeit in Österreich abhandengekommen, und das hat natürlich Auswirkungen auf die Politik, weil unzufriedene Menschen tendenziell eher Oppositionsparteien wählen, obwohl die jetzige Regierung vielleicht nicht ganz so viel für diese hohe Teuerung kann, wie es die Opposition gerne sagt. Aber natürlich, als Opposition, die nichts entscheiden muss, sagt man gern: „Okay, die tun viel zu wenig und lassen diese Preise durchrauschen", während man als Regierung natürlich will, dass die Inflation möglichst niedrig bleibt, damit die Wählerinnen und Wähler glücklich bleiben.
Was aber tatsächlich positiv ist: Österreich nähert sich jetzt eben wieder der europäischen Durchschnittsinflation an. In der Eurozone ist sie zuletzt bei 1,7 % gelegen, noch ein bisschen niedriger als bei uns, aber wir waren lange das Inflationsschlusslicht in der Eurozone und das zumindest dürften wir jetzt abgeben. Und das tut vor allem auch der Wirtschaft in Österreich gut, die ja mit ihren Preisen trotz Teuerung konkurrenzfähig bleiben muss mit anderen Staaten, mit Firmen in anderen Ländern. Und das ist, wie gesagt, insgesamt mal eine gute Nachricht.
Autor:in:Georg Renner |