Die Dunkelkammer
Der Fall Pilnacek #26: Der U-Ausschuss, Tag 4

Fotocredit: Katharina Pagitz

Von Michael Nikbakhsh. Am 29. Jänner waren im Pilnacek-Untersuchungsausschuss die Ärztin Dagmar W und eine frühere Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Krems geladen. Die Ärztin war an den Auffindungsort von Pilnaceks Leichnam gerufen worden und berichtete seither wiederholt von polizeilichem Druck, nur ja keine Obduktion in Gang zu setzen. Die Staatsanwältin war es dann aber, die eine Obduktion auch tatsächlich anordnete. Dazwischen lag ein aufschlussreiches Telefonat.

Michael Nikbakhsh
Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe der Dunkelkammer. Mein Name ist Michael Nikbakhsh und mit dieser Folge wird unsere Berichterstattung zum Fall Pilnacek und zum Pilnacek-Untersuchungsausschuss fortgesetzt. Am 29. Jänner gab es die nächsten Befragungen im Ausschuss mit zwei weiteren Auskunftspersonen, und ich weiß jetzt, warum ich pausenlos über dieses Wort stolpere: Auskunftspersonen hat in der Mitte fünf Konsonanten hintereinander, nfz ist nicht ohne. Aber ich arbeite dran: Auskunftspersonen. Also zwei weitere. Mit dabei war Maximilian Langer, er sitzt mir gegenüber. Hallo Maximilian.

Maximilian Langer
Grüß dich, Nik.

Michael Nikbakhsh
Ich rekapituliere eingangs: Wir hatten bisher eine Exkursion der Abgeordneten nach Rossatz und drei darauffolgende Befragungstage. Bisher geladen waren der Baggerfahrer, der Pilnaceks Leichnam am Morgen des 20. Oktober im Wasser erblickt und die Polizei verständigt hatte. Anschließend hatten wir vier Polizisten, die an dem Tag am Ufer des Seitenarms waren, einer von ihnen allerdings in seiner Rolle als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr.

Am 29. Jänner war nun die Gemeindeärztin Dagmar W. dran. Sie hat am 20. Oktober 2023 Pilnaceks Tod festgestellt und war hier schon öfter mal ein Thema. Das vor allem auch deshalb, weil sie sich nach eigenen bisherigen Aussagen von den anwesenden Polizisten unter Druck gesetzt gefühlt hat, nur ja keine Obduktion anzuregen. Nach der Ärztin war dann jene damalige Kremser Staatsanwältin dran, die an dem Morgen Dienst hatte und die Obduktion Pilnaceks schlussendlich auch angeordnet hat.

Der gestrige Ausschusstag war vergleichsweise schnell wieder vorbei. Manches wurde klarer, in anderen Fällen bleiben Widersprüche, das wollen wir jetzt ausrollen. Legen wir los, Maximilian. Fangen wir mit der Ärztin an. Sie war die Erste an dem Tag. Wann ist sie am 20. Oktober angerufen worden und von wem, und was wurde ihr gesagt?

Maximilian Langer

Sie sagt aus, dass sie gegen halb neun angerufen wurde von der Feuerwehr. Sie ist dann gleich aus ihrer Ordination losgestartet. Zehn Minuten später sei sie dann eben eh schon am Fundort von der Leiche von Christian Pilnacek gewesen.

Michael Nikbakhsh

Hat sie beschrieben, wie viele Leute ihrer Schätzung nach zu diesem Zeitpunkt dort waren?

Maximilian Langer

Ja, sie hat gesagt, es waren so 15 bis 20 Leute. Sie hat auch gesagt, dass das vergleichsweise schon sehr viel ist. Normalerweise wären da so drei bis fünf Personen, und an diesem Tag waren eben deutlich mehr.

Michael Nikbakhsh

Hat sie die zuordnen können, wer die alle waren?

Maximilian Langer
Jein. Sie hat schon gesagt, es waren Polizisten da. Ob die jetzt in Zivil da waren oder uniformiert, kann sie nicht wirklich sagen. Was sie auch gesagt hat, es war zumindest ein Feuerwehrmann da. Mehr konnte sie da eigentlich auch nicht sagen. Sie wurde auch gefragt, ob Journalistinnen und Journalisten anwesend waren. Auch da hat sie nicht wirklich was dazu sagen können.

Michael Nikbakhsh
Das ist ein bisschen ein Rätsel rund um die potenziell anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Medien, weil einerseits hat es geheißen, die seien da gewesen, aber wirklich bestätigt hat das im bisherigen Ausschuss eigentlich niemand oder hat jemand irgendwo Journos wahrgenommen?

Maximilian Langer
Die letzten beiden Befragungstage, an denen ich eben anwesend war, auch beim U-Ausschuss, da hat niemand gesagt, dass da Journalisten anwesend gewesen wären.

Michael Nikbakhsh
Vielleicht, um das auf der Zeitachse noch mal einzuordnen: Ich habe es schon in einer früheren Ausgabe erwähnt, also der Baggerfahrer verständigt um 07:51 Uhr die Polizei via Festnetz, die Polizeiinspektion Mautern ruft nicht den Notruf. In weiterer Folge kommt eine Streife, und dann treffen nach und nach zusätzliche Polizeikräfte ein. Es ist letztlich aber auch der Baggerfahrer, der die Feuerwehr verständigt um 08:37 Uhr, und zwar über seinen Nachbarn, der bei der Gemeinde arbeitet. Die Rettungskette ist an sich schon sehr interessant, auch wenn man berücksichtigt, dass tatsächlich niemand die Rettung angerufen hat. Die Ärztin wurde darauf angesprochen?

Maximilian Langer

Ja, das konnte sie jetzt aber nicht wirklich beantworten.

Michael Nikbakhsh
Ich habe nachgelesen. Sie hat gesagt: "Gut, normalerweise wird die Rettung verständigt". Das sei in dem Fall einfach eben nicht passiert. Warum auch immer. Okay, Zeitachse. Schlussendlich verständigt also der Baggerfahrer über seinen Nachbarn, der bei der Gemeinde arbeitet, die Feuerwehr, den örtlichen Feuerwehrkommandanten, und der ist es dann, der die Ärztin verständigt, nachdem sie offenbar Anrufe von der Polizei zuvor nicht entgegennehmen konnte. Der Feuerwehreinsatz wird um 08:37 Uhr protokolliert. Ich gehe davon aus, die Ärztin sagt halb neun, sei sie verständigt worden. Das geht sich so ungefähr aus. Und so gegen neun Uhr morgens sind dann offenbar einige Leute am Ufer des Seitenarms. Hat die Ärztin geschildert, wie sie ihre Arbeit aufgenommen hat und was genau der Umfang ihrer Arbeit dort war?

Maximilian Langer
Sie hat erzählt, sie ist dort zum Fundort gekommen und hat eine Totenbeschau gemacht, eben keine kriminalpolizeiliche Leichenbeschau. Sie hat gesagt, als Gemeindeärztin ist sie nur dafür zuständig, eine Totenbeschau zu machen.

Michael Nikbakhsh
Und die Totenbeschau besteht im Wesentlichen darin, den Tod festzustellen?

Maximilian Langer
Genau.

Michael Nikbakhsh
Hat sie darüber noch ausgeführt, wie es so und weil das ist natürlich im Wege der Totenbeschau auch von Relevanz, die Frage Fremdverschulden, ja oder nein? Welche Wahrnehmungen hat sie dazu gehabt? Hat sie Feststellungen getroffen in diesem Zusammenhang?

Maximilian Langer
Nicht wirklich. Sie hat auch, sie war sich eben nicht sicher, woran Christian Pilnacek am 20. Oktober oder in der Nacht vom 20. Oktober verstorben sein könnte. Deswegen wollte sie auch eine Obduktion anregen.

Michael Nikbakhsh
Genau, dazu kommen wir noch, nämlich auch zu dem bereits vielfach geschilderten Widerstand, den sie da wahrgenommen hat von Seiten der Polizei gegen eben diese Obduktion. Okay, sie hat eine Totenbeschau gemacht. Laut den Protokollen hat das Ganze um 09:30 Uhr begonnen. Da lag der Leichnam am Ufer des Seitenarms. Da war er geborgen. Da war er auch schon entkleidet oder wurde entkleidet, und da hat eben die Ärztin den Tod festgestellt.

09:30 Uhr ist deshalb eine interessante Uhrzeit, weil zu dem Zeitpunkt wurde der Tod festgestellt, aber schon zwei Minuten zuvor, um 09:28 Uhr, hatte der Anwalt von Sebastian Kurz im Falschaussageverfahren, das damals lief, eine Nachricht bekommen, dass Pilnacek tot sei und womöglich Suizid eben vorliege. Da waren schon Tatsachen geschaffen, noch bevor Christian Pilnacek formell überhaupt für tot erklärt worden war.

Okay, sie hat keine kriminalpolizeiliche Leichenbeschau vorgenommen. Wir haben das bereits mit Katharina diskutiert und auch schon davor. Die Polizei sagt, wenn die Kriminalpolizei vor Ort ist, das war der Fall, dann ist die kriminalpolizeiliche Leichenbeschau quasi eh schon gegeben. Tatsächlich aber fehlt ein Dokument, nämlich das Dokument kriminalpolizeiliche Leichenbeschau Ärztlicher Befund. Das hat die Ärztin nicht ausgefüllt, weil, wie sie sagt, sie auch gar nicht den Auftrag dazu hatte.

Maximilian Langer
Sie hat den Auftrag nicht bekommen, diese kriminalpolizeiliche Leichenbeschau durchzuführen. Sie kann das auch nicht, hat sie gesagt. Theoretisch vielleicht ja, aber praktisch hat sie das einfach noch nie gemacht. Sie erzählt dann auch, dass sie dieses Formular der kriminalpolizeilichen Leichenbeschau das erste Mal dann eigentlich von der WKStA deutlich im Nachhinein vorgelegt bekommen hat.

Michael Nikbakhsh
Ja, die einzigen medizinischen Indikationen, ich habe in der vorangegangenen Ausgabe daraus zitiert, hat letztlich der Tatortbericht enthalten, den ein Polizist verfasst hat. Die Ärztin hat demnach nichts beigetragen, soweit ich das verstanden habe. Kommen wir vielleicht zu der bemerkenswerten Feststellung, dass an dem Morgen irgendwie niemand ein Thermometer einstecken hatte. Wir haben schon gehört, die Polizei hat das im Tatortkoffer nicht drin. Glücklicherweise hat zumindest das Auto ein Thermometer gehabt. Die Ärztin hat aber offenbar in ihrem Koffer auch kein Thermometer mitgehabt.

Maximilian Langer

Absurd, oder? Sie erzählt, sie hat kein Thermometer dabei. Es sorgt dann auch ein bisschen für Gelächter im Ausschuss. Warum sie das nicht dabei hatte, begründet sie aber nicht wirklich. Sie meinte, sie bräuchte es nicht. Sie hätte es auch noch nie gebraucht.

Michael Nikbakhsh
Jedenfalls sorgt der Umstand, dass an diesem Morgen niemand ein Thermometer einstecken hat, dafür, dass eine Reihe von Messungen nicht gemacht wurden. Messungen, die jedenfalls auch im Rahmen einer kriminalpolizeilichen Leichenbeschau erforderlich gewesen wären. In dem Fall wurde auch ein Protokoll einfach nicht ausgefüllt, wie das eigentlich vorgesehen ist.

Gut, jetzt abgesehen davon habe ich, wir haben das in der Dunkelkammer auch schon mehrfach ausgerollt, sagt die Ärztin, sie habe die Todesursache nicht feststellen können, aber konsequenterweise auch Fremdverschulden nicht ausschließen können und habe deshalb eine Obduktion gewollt. Tja, und dann kam es zu dem bereits vielfach geschilderten angeblichen Widerstand am Ufer seitens der Polizei. Wie hat die Ärztin das erzählt im Ausschuss?

Maximilian Langer
Sie hat einmal gesagt, dass sie jetzt nicht mehr genau zuordnen konnte, mit wem sie da diskutiert hat. Es waren auf jeden Fall Polizisten. Sie hat auch erzählt, dass das eine Diskussion von circa zehn bis 15 Minuten war, was dann doch schon eher dafür spricht, dass es etwas länger ist. Und sie hat auch gesagt, wortwörtlich, sie hat in ihrem ganzen Leben noch nie so eine Situation gehabt, dass man wegen einer Obduktion so mit der Polizei streitet.

Michael Nikbakhsh
Ich habe bereits aus einem Protokoll zitiert im Zuge des Pilnacek-Medienverfahrens, wo es eben so weit ging, dass sie ausgesagt hat, unter Wahrheitspflicht die Polizisten hätten quasi eine andere Ärztin oder einen anderen Arzt herbeirufen wollen, weil sie dafür jetzt für die weiteren Prozedere nicht infrage komme. Wie hat sie denn konkret den behaupteten Widerstand am Ufer ausgeführt im Ausschuss? Was haben die Polizisten ihr konkret gesagt?

Maximilian Langer
Konkret hat sie sich dazu nicht geäußert. Sie hat eben nur erzählt, dass es Diskussionen mit der Polizei gegeben hätte, dass sie so was noch nie erlebt hat.

Michael Nikbakhsh
Okay, dass die, wie sie im Medienverfahren Pilz gesagt hat, dass man sich quasi austauschen wollte gegen einen anderen Arzt, das kam nicht zur Sprache im Ausschuss?

Maximilian Langer
So genau wurde sie nicht.

Michael Nikbakhsh

Es gibt dann jedenfalls einen Telefonanruf, einen Telefonanruf der anwesenden Kontrollinspektorin bei der damals zuständigen diensthabenden Staatsanwältin in Krems, zu der wir ja dann auch noch kommen. Dieses Telefonat beginnt also unter zwei Ohren. Die Polizistin, das ist auch protokolliert, ruft die Staatsanwältin an, entfernt sich ein wenig auch von der Ärztin. Über den Inhalt dieses Gesprächs gehen, das habe ich im Grunde die Wahrnehmungen dann auch auseinander, aber schlussendlich bekommt die Ärztin dieses Telefon in die Hand und spricht mit der Staatsanwältin. Wie hat die Ärztin das Telefonat mit der Staatsanwältin rekapituliert?

Maximilian Langer
Sie hat gesagt, dass das ein ganz kurzes Gespräch war, zwei, drei Sätze. Diese Staatsanwältin ist auch eine alte Bekannte von ihr. Deswegen haben sie wohl sehr vertrauenswürdig miteinander geredet. Sie hat auch gesagt, dass sie die Todesursache von Christian Pilnacek nicht deuten könnte, jetzt eindeutig, und deswegen gesagt, sie bräuchte eine Obduktion. Die Staatsanwältin hat gesagt: "Passt, okay, wir machen diese Obduktion."

Michael Nikbakhsh
Ich zitiere dazu aus dem Hauptverhandlungsprotokoll im Medienverfahren zum Pilnacek-Buch, wo ja die Ärztin bereits einmal unter Wahrheitspflicht ausgesagt hatte, und sie rekapituliert den Inhalt damals des Telefonats mit der Staatsanwältin wörtlich wie folgt: "Schnucki, wenn ich jetzt einen Haken habe, hast du sie auch, und ich brauche eine Obduktion."

Daraufhin soll aber die Staatsanwältin ihr gesagt haben: "Nur weil der bekannt ist, brauchen wir keine Obduktion." Daraufhin soll die Ärztin wieder gesagt haben: "Es geht nicht darum, ob er bekannt ist oder nicht. Ich weiß nicht, woran er gestorben ist. Wir brauchen eine Obduktion." Die es dann auch schlussendlich gegeben hat. Hat die Ärztin den Verlauf des Gesprächs im Ausschuss etwa so dargestellt?

Maximilian Langer

Ja.

Michael Nikbakhsh
Nun ist es aber so, dass offenbar die Staatsanwältin eine zunächst andere Information bekommen hätte, nämlich von der Polizistin, die sie angerufen hat, weil warum hätte sie sonst gesagt: "Nur weil der bekannt ist, brauchen wir keine Obduktion"? Was hat die Ärztin da mitbekommen von dem Gesprächsinhalt zwischen der Polizistin und der Staatsanwältin?

Maximilian Langer
Von dem Gespräch selber, glaube ich, wenig, weil sich die Polizistin eben entfernt hätte. Vielleicht dazu noch einmal ganz kurz, als da müssen wir jetzt zeitlich ein bisschen zurückgehen, leider. Als die Ärztin an den Fundort gekommen ist, habe ja die Polizistin auch gesagt, dass man jetzt wahrscheinlich davon ausgehe, Pilnacek sei von einer Brücke gesprungen. Ich war ja vor Ort. Wo diese Brücke genau ist, kann ich jetzt nicht sagen. Weiß nicht, weißt du, wo diese Brücke ist?

Michael Nikbakhsh
Ich habe mir das auch angeschaut. Ich kann mich jetzt ehrlich nicht erinnern, dass in räumlicher Nähe zu dem Auffindungsort eine Brücke gewesen wäre. Die Brücke kam tatsächlich schon vor als Ort, wo es kam auch im Ausschuss schon am vorangegangenen Tag zur Sprache, dass tatsächlich irgendjemand zunächst einmal angenommen habe, Pilnacek sei von einer Brücke gesprungen. Das ist aber auch bald wieder verschwunden. Aber damals war das offenbar an dem Morgen, war das zumindest vorübergehend ein Thema.

Maximilian Langer
Der Ärztin wurde das gesagt, weil man hätte dort Zigaretten gefunden, was das bedeutet.

Michael Nikbakhsh
Moment, der Ärztin wurde gesagt, man habe bei der Brücke Zigaretten gefunden.

Maximilian Langer
So hat sie es ausgesagt.

Michael Nikbakhsh
Interessant, weil was immer mit Zigaretten gemeint ist, was gefunden wurde oder jedenfalls fotografiert wurde von der Polizei, ist eine leere Zigarettenschachtel. Darüber hinaus gibt es, was den Inhalt betreffe, gibt es keine Hinweise, keine Stummel oder Sonstiges. Gut, okay, Brücke, Zigaretten, wir nehmen das mal mit. Ergibt jetzt ehrlicherweise so keinen Sinn. Dokumentiert ist es jedenfalls nicht.

Okay, die Ärztin telefoniert also mit der Staatsanwältin und bekommt die Obduktion, die sie anregen wollte. Wenn ich es richtig verstanden habe, war Inhalt der Diskussion womöglich, kann die Ärztin sie anordnen, was sie nicht kann, das kann nur die Staatsanwaltschaft, aber anregen kann sie sie. Offenbar ging es da um Begrifflichkeiten, aber die Ärztin hat schon die Behauptung aufrechterhalten, dass sie sich unter Druck gesetzt gefühlt hat an diesem Morgen am Ufer.

Maximilian Langer

Genau, sie hat sich sehr unter Druck gesetzt gefühlt. Dieses zehnminütige Gespräch spricht ja mehr oder weniger dafür, dass die Polizei jetzt nicht so ganz einverstanden war damit, dass die Ärztin da jetzt einfach eine Obduktion will.

Michael Nikbakhsh
Die Ärztin hat das Formular kriminalpolizeiliche Leichenbeschau ärztlicher Befund nicht ausgefüllt, aber sie hat im Rahmen der Totenbeschau schon einen Zettel ausgefüllt, den sie dann nach meinem Verständnis dem Bestatter mitgegeben hat. Ist darüber weitergesprochen worden im Ausschuss?

Maximilian Langer
Ja, ich nehme an, du sprichst jetzt von diesem berühmten Zweizeiler. Die Ärztin hat ausgesagt im Ausschuss, dass ihr die Staatsanwältin eben aufgetragen hätte Zitat: "Na, dann schreiben wir bitte einen Zweizeiler." Das habe sie auch gemacht. Damit war das Gespräch dann vorbei. Die Staatsanwältin hatte diesen Zettel eigentlich nie bekommen.

Michael Nikbakhsh
Das ist tatsächlich so, der ist irgendwo verloren gegangen. Es war ein handschriftlicher Zweizeiler. Den habe ich allerdings tatsächlich nicht gemeint. Ich meinte, es gibt jetzt ein Formular, das der Bestatter mitbekommt infolge der Totenbeschau, das aber hier jetzt bisher keine Rolle gespielt hat, wird auch nicht wahnsinnig viel drin gestanden sein.

Anyhow, ja, also der Zettel, von dem du da jetzt sprichst, eine handschriftliche Notiz der Ärztin an die Adresse der Staatsanwaltschaft Krems, wo drinsteht: "Kann Todesursache nicht feststellen, kann Fremdverschulden nicht ausschließen." Ich hätte ihn sogar wörtlich irgendwo, aber wir haben ihn oft wieder einmal besprochen.

Der spielt insofern im weiteren Verlauf der Ereignisse eine Rolle, weil er niemals in den Akt der Staatsanwaltschaft gekommen ist, inhaltlich aber nur bedingt, weil es die Obduktion ja schlussendlich auch gegeben hat, wenn auch erst sechs Tage danach. Hat die Ärztin, nachdem sie mit der Staatsanwältin telefoniert hat, noch irgendwas getan dort?

Maximilian Langer
Nein, damit war ja mehr oder weniger ihre Aufgabe beendet. Die Obduktion wurde dann eben sechs Tage später, wie du schon gesagt hast, durchgeführt, und sie ist dann auch bald einmal von dem Fundort wieder weg.

Michael Nikbakhsh
Maximilian, ein Punkt noch zur Ärztin. Hat sie Verletzungen am Leichnam wahrgenommen?

Maximilian Langer
Sie hat Verletzungen am Leichnam wahrgenommen. Das war zum einen eben eine Wunde auf der Stirn und zum anderen Aufschürfungen am Schienbein.

Michael Nikbakhsh
Und dann ist da noch die Sache mit dem ominösen tiefblauen, bläulich gefärbten, wie auch immer man das nennen mag. Der Baggerfahrer hat ihn überhaupt als kaltweiß wahrgenommen, Kopf von Christian Pilnacek. Was hat die Ärztin dazu gesagt?

Maximilian Langer
Genau, sie hat eben diesen blauen Kopf wahrgenommen. Der ganze Kopf soll blau gewesen sein, sonst kein einziger Totenfleck. Es soll bis zum Hals tiefblau gewesen sein. Was das bedeutet, die Gerichtsmedizinerin hat schon gemeint, dieser blaue Kopf ist eigenartig. Woran er aber dann gestorben ist, kann sie dadurch jetzt nicht wirklich schließen.

Michael Nikbakhsh
Ich korrigiere nicht, die Gerichtsmedizinerin, sondern die Gemeindeärztin hat sich an der tiefblauen Färbung des Kopfes gestoßen.

Maximilian Langer
Die Gemeindemedizinerin, genau.

Michael Nikbakhsh
Genau. Okay, gut. Ist dann im Zuge ihrer Befragung noch was Substanzielles herausgekommen, oder konnte sie dann gehen?

Maximilian Langer
Sie hat noch erzählt, dass es schon jetzt zu eigenartigen Vorfällen gekommen sei nach diesem 20. Oktober. Zum einen sind eben die Reifen von ihrem Sohn zerstochen worden, zum anderen eben Scheiben zu Bruch gegangen, schon von Fremdverschulden auszugehen. Genau.

Michael Nikbakhsh
Hat sie das angezeigt?

Maximilian Langer
Nein.

Michael Nikbakhsh
Interessant. Gut, zweite Auskunftsperson, das Wort habe ich jetzt auch nicht viel besser rausgebracht als am Anfang, war die damals diensthabende Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Krems, die örtlich für diesen Fall zuständig war. Ja, und im Kern ihrer Befragung stand ja wohl das Telefonat mit der Polizistin respektive dann später auch mit der Ärztin. Wie hat die Staatsanwältin die Stunden am Vormittag des 20. Oktober dargestellt?

Maximilian Langer
Stunden ist vielleicht gut. Sie redet sowieso davon, dass es eigentlich nur ein Telefonat gegeben hat. Mehr war da gar nicht. Es gab ja diese Journalstaatsanwältin, die nicht erreichbar war, deswegen wurde sie zugezogen. Sie meinte auch, dass das völlig gewöhnlich sei. Kann sein, dass die Journalstaatsanwältin kurz draußen war, Kaffee holen, was auch immer. Sie hat das Telefon abgenommen und war dann eben für diesen einen Anruf mit dem Fall vertraut.

Michael Nikbakhsh
Okay, und der Anruf ist von der Kontrollinspektorin, die zu diesem Zeitpunkt am Ufer des Seitenarms steht. Die ruft also die Staatsanwaltschaft Krems an. Wie hat die Staatsanwältin dieses Telefonat, die einleitenden Worte der Polizistin, rekapituliert?

Maximilian Langer
Sie sagt, dass die Polizistin schon gemeint hätte, er sei ertrunken, er sei sicher ertrunken, und eben nur weil er berühmt ist, müsste man keine Obduktion machen. Daraufhin hat die Staatsanwältin gesagt, sie will mit der Ärztin reden.

Michael Nikbakhsh
Okay, also die Polizistin hat die Prominenz des Toten ins Spiel gebracht, nach Darstellung der Staatsanwältin, um keine Obduktion zu argumentieren, sondern eben zu sagen, wenn nur weil er prominent ist, braucht man keine. Wie die Polizistin auf die Idee gekommen ist, hat das die Staatsanwältin ausgeführt?

Maximilian Langer
Davon hat sie jetzt nicht wirklich eine Wahrnehmung gehabt.

Michael Nikbakhsh
Okay, dann geht das Telefon von der Polizistin auf die Ärztin über. Was hat die Staatsanwältin zum Gespräch mit der Ärztin erzählt?

Maximilian Langer
Zum Gespräch mit der Ärztin hat die Staatsanwältin gesagt, dass es eben nur ein kurzes Telefonat war. Sie erzählt eben auch, sie hat die Ärztin gekannt, so wie es die Ärztin halt vorher auch schon ausgesagt hatte, und redet davon, dass die Ärztin sich eben unsicher war, woran Pilnacek gestorben ist und deswegen eine Obduktion brauche.

Michael Nikbakhsh
Und sie hat auch bestätigt, dass ihr die Polizistin gesagt hat, nur weil er berühmt ist, brauchen wir jetzt keine Obduktion.

Maximilian Langer
Genau.

Michael Nikbakhsh
Wer hat jetzt insistiert? Hat die Ärztin insistiert, diese Obduktion zu bekommen gegenüber der Staatsanwältin? Ich bilde mir ein, die Ärztin hat auch im Zuge ihrer Befragung gesagt, sie musste schon quasi ein bisschen Nachdruck verleihen dem Wunsch. Wie ist das bei der Staatsanwältin angekommen?

Maximilian Langer
So hat sie das gar nicht geschildert. Nachdem die Ärztin eben gemeint hätte, sie ist sich unsicher, hat die Staatsanwältin gesagt: "Ja, wir machen diese Obduktion." Sie redet aber auch davon, dass es diesen Zweizeiler, von dem wir vorher schon gesprochen haben, dass sie den gar nicht erbeten hätte.

Michael Nikbakhsh
Okay, wieder so ein Widerspruch, der jetzt vermutlich keine zentrale Bedeutung hat, aber ich rekapituliere. Die Ärztin sagt, sie habe im Auftrag der Staatsanwältin einen Zweizeiler verfasst, handschriftlich, den sie per Fax hätte übermitteln sollen. Der ist dann aber tatsächlich offenbar der Polizei übergeben worden und dann nie bei der Staatsanwaltschaft angekommen. Die Staatsanwältin wiederum sagt, sie habe einen derartigen Zettel niemals beauftragt und auch nicht per Fax schicken lassen wollen. Okay, gut. Aber so sieht man, wie die Erinnerungen dann auseinandergehen. Gab es ein weiteres Telefonat mit dieser Staatsanwältin seitens der Polizei an diesem Morgen, nach Erinnerung der Staatsanwältin?

Maximilian Langer
Die Staatsanwältin sagt aus, dass es kein weiteres Telefonat mehr gegeben hat. Sie meint auch, dass dieses zweite Telefonat mit dem Polizisten, das ja angeblich veraktet wurde, dass es das nie gegeben hätte.

Michael Nikbakhsh
Ja, es ist tatsächlich, es soll ein zweites Telefonat gegeben haben, aber ob es das wirklich gab, die Staatsanwältin sagt, es gab es offenbar nicht, und so wissen wir jetzt eigentlich auch nicht, was der Gegenstand dieses zweiten Telefonats gewesen wäre. Die weitere Befragung der Staatsanwältin gestaltete sich kurz, weil sie dann den Fall eigentlich schon wieder mehr oder weniger los war.

Maximilian Langer
Genau, es war eben genau für dieses eine Telefonat. Mehr war von Seiten dieser Staatsanwältin, mehr hatte sie bei diesem Fall gar nicht beizutragen. Sie wurde dann auch nicht weiter beauftragt mit dem. Sie meinte aber, das hätte schon passieren können. Es gibt so ein Radl, hat sie erzählt, aber sie hat diesen Fall dann eben nicht bekommen, und damit war es für sie auch vorbei dann.

Michael Nikbakhsh
Wer hatte an diesem Morgen nach Darstellung der Staatsanwältin Gewissheit, dass Christian Pilnacek ertrunken war?

Maximilian Langer
Die Staatsanwältin sagt, dass die Polizistin, mit der sie telefoniert hätte, war sich sicher ist, dass er ertrunken ist.

Michael Nikbakhsh
Womit weiterhin unklar ist, wann eigentlich die Suizidversion von wem nun festgestellt wurde. Das bleibt jetzt noch ein bisschen unklar. Wie gesagt, ich habe es schon erwähnt, zwei Minuten bevor die Totenbeschau/vermeintliche kriminalpolizeiliche Leichenbeschau durch die Ärzte begonnen hat, gab es schon die Nachricht an den Anwalt von Sebastian Kurz.

Okay, die Staatsanwältin hat ihrerseits auch eine U-Ausschussvorbereitung bekommen. Das ist deshalb erwähnenswert, der Vollständigkeit halber, weil wir ja schon besprochen haben, dass von den vier bisher befragten Polizisten drei tatsächlich eine solche Vorbereitung seitens des Innenministeriums bekommen haben. Ein Vierter hat es zumindest angeboten bekommen, ist ihm aber nicht nachgekommen, und die Staatsanwältin aus Krems hat ebenfalls eine bekommen, in dem Fall vom Justizministerium.

Maximilian Langer
Genau, sie hat vom Justizministerium eine, Schulung ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ihr wurde eben auch eine Veranstaltung angeboten, die sie auch wahrgenommen hat, wie man sich eben auf so einen U-Ausschuss vorbereitet. Die Vertrauensperson hat sie aber selbst mitgebracht. Auch das hat kurz für Gelächter gesorgt beim Ausschusstag gestern. Das hat sie nämlich gesagt, ist ihr Ex-Mann, mit dem sie sich noch immer gut versteht.

Michael Nikbakhsh
Das ist doch schön, wenn man das von sich selber behaupten kann. Gut, der Tag endete dann vergleichsweise früher. Wann war Schluss?

Maximilian Langer

Viertel nach drei circa. Als Abschluss hat es dann noch Pressestatements gegeben, und der Abgeordnete Kai Jan Kreiner hat dann noch erwähnt, dass man auch etwas ökonomischer wird und dass man ein bisschen eingespielter wird und dass es nicht mehr alle Fragenrunden braucht.

Michael Nikbakhsh
Wir haben ja das Vorhaben, dass wir zu den Ausschusstagen jeweils die Abgeordneten, Fraktionsführerinnen, Fraktionsführer der ÖU, ob wer halt eben Zeit hat, vors Mikro bekommen. Stichwort, wer halt Zeit hat.

Das war jetzt zuletzt natürlich nicht ganz einfach, weil nach einem, gerade nach einem Ausschusstag, wollen dann auch alle heim, verständlicherweise, und warten jetzt nicht notwendigerweise darauf, dass die Dunkelkammer Statements einholt. Wie wurde das denn gestern, wenn wir so drüberfliegen, seitens der Fraktionen das Geschehen zusammengefasst? Hast du die Statements verfolgt?

Maximilian Langer
Ich habe die Statements verfolgt. Ich fasse das jetzt einmal kurz zusammen. Statements hat es von ÖVP, SPÖ und Grünen gegeben. Die ÖVP hat gesagt, es gibt wieder mal keine Hinweise darauf, dass es zu einer politischen Einflussnahme gekommen ist. Die SPÖ, also Kai Jan Krainer sagt, dass es eben schon Druck auf diese Ärztin gegeben hat im Zusammenhang mit der Obduktion, und die Grünen reden eben von diesem Tatort-Leitfaden, dass die Polizei sowieso eine Obduktion machen hätte müssen, wenn man die befolgt hätte.

Michael Nikbakhsh
Ich habe noch ein Statement der NEOS gefunden. Fraktionsführerin Wotschke stellt vor allem auf die Arbeit am Auffindungsort ab. Das hat sie jüngst auch quasi im Statement in der Dunkelkammer gesagt, dass da einfach nicht alles glatt gelaufen ist, verweist unter anderem eben auf die Differenzen zwischen Ärztin und Polizei rund um diese Obduktion.

Ja, und das Handy, über das wir jetzt heute nicht weiter gesprochen haben, weil es ohnehin im weiteren Verlauf des Untersuchungsausschusses von Relevanz sein wird, da haben die Fraktionen zumindest teilweise auch darauf hingewiesen, dass das eben ein Beweismittel hätte sein müssen, eingedenk der damals noch unklaren Todesumstände und auch als solches behandelt hätte werden müssen. Tatsächlich ist es aber an die Witwe ausgefolgt worden. Von der es heißt, sie habe es mit einem Bunsenbrenner vernichtet.

Okay, Maximilian, wir machen Schluss an dieser Stelle zum Befragungstag im Untersuchungsausschuss, 29. Jänner. Weiter geht es im Ausschuss am 11. Februar mit den Befragungen von Anna P. und Karin Wurm, und Katharina und Maximilian werden wieder dabei sein. Maximilian, vielen Dank fürs Kommen.

Maximilian Langer
Ja, vielen lieben Dank.

Autor:in:

Michael Nikbakhsh

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