Cash or Crash
Die Kriegsgewinner: Wer von der Iran-Krise profitiert

Der Iran-Krieg verteuert unser Leben. Die Preise für Benzin und Diesel sind eine Belastung für die Menschen und die Unternehmen. Als nächstes werden die Preise in den Supermärkten steigen. Und generell wird die Inflation wieder anziehen. Gleichzeitig aber gibt es auch eine Reihe von Kriegsgewinnern. Und genau darüber berichte ich im heutigen Podcast.

Missing Link Original.Hallo zusammen, noch einmal herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von meinem Podcast "Cash or Crash". Ich habe jetzt schon länger nicht mehr über die Folgen des Irankriegs gesprochen. Dabei wirbelt er ja die Welt und die Weltwirtschaft ziemlich durcheinander. Vor allem belastet er unsere Geldbörse. Benzin und Diesel an den Tankstellen sind empfindlich teurer geworden, und das belastet die Menschen und die Unternehmen auch. Als Nächstes werden sicher die Preise in den Supermärkten steigen, und generell wird die Inflation wieder anziehen. Bei 3,3 % lag die Inflation ja im April. Nur zur Erinnerung: Zu Jahresbeginn lag die Inflation bei rund 2 %. Ja, gleichzeitig gibt es aber auch eine Reihe von Kriegsgewinnern, und über die möchte ich heute sprechen. Wer profitiert eigentlich von der Krise und vom Krieg im Iran und rund um den Persischen Golf? Ja, in erster Linie sind das einmal wenig überraschend die großen Öl- und Energiekonzerne, weil der Iran infolge der israelischen und amerikanischen Angriffe die wichtige Seefahrtstraße von Hormus gesperrt hat können dort keine Öltanker mehr durch. Ja, und in der Region befinden sich aber, wie ihr wisst, wichtige Staaten für den Öl- und Gasexport in alle Welt. Die Vereinigten Arabischen Emirate zum Beispiel, der Irak, Kuwait oder Katar und auch Saudi-Arabien, die versorgen die Welt mit insgesamt rund einem Fünftel des weltweiten Bedarfs an Öl und Gas, und diese Menge fehlt jetzt. Wenn das Angebot zurückgeht und die Nachfrage aber gleich hoch bleibt, dann steigen bekanntlich die Preise, und das lässt die Gewinne der Öl- und Tankstellenriesen ordentlich sprudeln.

Kommen wir da gleich einmal nach Europa. Die drei größten europäischen Ölkonzerne in Europa, Shell, PP und Total, erzielten im ersten Quartal, also in den ersten drei Monaten des heurigen Jahres, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Mehreinnahmen von mehreren Milliarden Euro, hat die Financial Times neulich berichtet. Ja, und diese Mehreinnahmen gehen zurück hauptsächlich auf die Einnahmen im März, wo der Irankrieg seinen ersten Höhepunkt hatte. So hat der britische Konzern BP im ersten Quartal einen Gewinn von 2,7 Milliarden Euro eingefahren, um eine Zahl gleich einmal zu nennen. Und das Interessante dabei ist, das hat sogar die Optimisten überrascht, die Börseoptimisten, denn der Gewinn war damit gleich einmal doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Und auch der zweite Ölriese aus Großbritannien hat seinen Gewinn in den ersten drei Monaten deutlich erhöht. Dabei handelt es sich um Shell, die sind ja auch in Österreich aktiv, so wie BP, und der Gewinn lag bei Shell gleich einmal bei 5,9 Milliarden Euro. Das war um ein Viertel mehr als in den ersten drei Monaten von 2025. Ja, und dann ist da noch eben der französische Riese Total, der hat seinen Gewinn um ein Drittel erhöht auf 4,6 Milliarden Euro. Also Milliardenbeträge. Ja, diese Milliardenbeträge sind aber noch gar nichts im Vergleich zu Saudi Aramco, das ist der staatliche Öl- und Gasriese von Saudi-Arabien, und die profitieren auch vom Irankrieg. Warum? Weil Saudi Aramco umgeht die Blockade der Straße von Hormus mit Hilfe einer Pipeline quer durch das Land Richtung Rotes Meer. Und Saudi Aramco erzielte im ersten Quartal 2026 einen Gewinn von sage und schreibe 28 Milliarden Euro. Ja, also das sind unvorstellbare Summen. Unsere österreichische OMV kann da natürlich bei weitem nicht mithalten. Die hat im ersten Quartal gar nicht einmal eigentlich zu den Profiteuren des Irankriegs gezählt. Der Gewinn lag zwar auch bei einer Milliarde Euro, ist aber sogar im Vergleich zum Vorjahr ganz leicht gesunken.

So, wer zählt noch zu den großen Profiteuren? Na, die Rüstungskonzerne. Wobei man da sagen muss, die haben eigentlich schon seit dem Ukrainekrieg Hochkonjunktur, und jetzt hat der Krieg im Nahen Osten natürlich die Nachfrage nach Raketen und Drohnen weiter befeuert. Und da blicken wir jetzt nach Amerika. Vor allem die drei großen US-Rüstungsunternehmen profitieren vom Irankrieg. Das sind Northrop, dann Lockheed Martin und Boeing. Ja, Boeing baut nicht nur Flugzeuge, sondern auch Rüstungsgüter, und die Auftragsbücher sind voll. Aufträge im Wert von 73 Milliarden Euro sind bei Boeing gerade gelistet. Und wie schaut es da in Europa aus? Da werfen wir einen Blick vielleicht nach Deutschland. Einer der bekanntesten Rüstungskonzerne, den wir auch hierzulande kennen, der kommt aus Deutschland und heißt Rheinmetall. Rheinmetall hat übrigens auch eine Produktion in Wien, und der Umsatz ist in den ersten drei Monaten um 8 % auf knapp 2 Milliarden Euro gestiegen. Und unterm Strich hat Rheinmetall dann einen Gewinn von 224 Millionen Euro verbucht. Das klingt im Vergleich zu den US-Giganten fast ein bisschen armselig, aber dafür hat Rheinmetall ehrgeizige Ziele. Heuer will man um 40 bis 45 % wachsen. Und gerade am Beispiel von Rheinmetall sieht man, wie die Rüstungsindustrie von Kriegen profitiert, speziell vom Krieg in der Ukraine in diesem Fall. Vor dem Ukrainekrieg war Rheinmetall, ich sage das jetzt ein bisschen ironisch, zynisch vielleicht sogar, eine kleine Nummer. 2021 machte man einen Gewinn von knapp 656 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr waren es dann mit 1,8 Milliarden Euro schon rund dreimal so viel.

Zu den Profiteuren der Irankrise zählen auch die internationalen Großbanken, weil an den Börsen alle nervös sind. Dort wird dann ständig verkauft und gekauft, und bei diesen Transaktionen verdienen die Bankriesen natürlich kräftig mit. Und außerdem haben sehr viele Großkunden rund um die Welt ihre Gelder aus der Golfregion aktuell abgezogen und in den Westen verlagert. Dazu habe ich wieder eine Zahl: Die sechs größten US-Banken haben in den ersten drei Monaten zusammen 40 Milliarden Euro verdient. 40 Milliarden Euro, nur zum Vergleich, damit könnte man fast schon das ganze österreichische Gesundheitssystem für ein Jahr finanzieren.

Wer aber auch profitiert, das sind die Hersteller von erneuerbaren Energien. Ja, die Welt sieht gerade, wie abhängig wir wieder einmal von Öl und Gas sind, und einer, der davon, glaube ich, ganz gut profitiert, ist aktuell der börsennotierte Windturbinenhersteller Vestas aus Dänemark. Das ist auch gut für Vestas, weil die haben momentan sogar ein kleines Problem mit der Zahlungsfähigkeit. Ja, das sieht man an einer börsetechnischen Kennzahl - am Cashflow nämlich. Und im Gegensatz zum Gewinn zeigt der Cashflow nämlich die tatsächliche Zahlungsfähigkeit an. Ein Unternehmen kann nämlich durchaus - kurzer Sidestep - auf dem Papier profitabel sein, aber dennoch ein Zahlungsproblem haben, wenn Kunden nämlich ihre Rechnungen nicht bezahlen. Aber, und hier muss man sagen, könnte Vestas von der aktuellen Situation profitieren. Ja, im ersten Quartal haben sie einen Nettogewinn einmal von 70 Millionen Euro erzielt. Ja, das ist ein Vielfaches gegenüber dem Vorjahr, da lag er nämlich nur bei 5 Millionen. Vor allem aber, und das ist jetzt wichtig auch für die aktuelle Situation bei Vestas, die Bücher, die Auftragsbücher sind voll, nämlich mit sage und schreibe 76 Milliarden Euro. Das könnte also für Vestas, ich zitiere dieses Unternehmen deswegen, weil es ein sehr wichtiges Unternehmen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energie ist, also ein starker Vorteil sein, was die Zahlungsfähigkeit angeht.

Auch die Hersteller von E-Autos zählen zu den Kriegsgewinnern, weil der Anstieg der Spritpreise die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen natürlich steigen lässt. Insbesondere profitieren hier die Hersteller aus China. Die Ausfuhren von Elektroautos aus China sind in den ersten drei Monaten demnach angeblich um rund 100 % in die Höhe geschossen, und davon profitiert vor allem BYD. Autos von BYD sieht man ja übrigens auch immer öfter in Österreich, und BYD hat gemeldet, dass die Einnahmen gerade eben jetzt gegenüber dem Vorjahr um 71 % gestiegen sind. Viele fragen mich auch immer wieder: "BYD, ist das nicht ein staatliches chinesisches Unternehmen?" Ja, also BYD ist ein chinesisches börsennotiertes Technologieunternehmen. Wie sehr da das Regime jetzt im Hintergrund mitmischt in Peking, ist unklar. Offiziell haben aber die eigenen Führungskräfte dort das Sagen, sind auch Teileigentümer, genauso wie private, nationale und internationale Investoren. Der größte Aktionär ist der Firmengründer. BYD ist schon ein etwas älteres Unternehmen, wurde 1995 gegründet von Wang Chuangfu, und der, wie gesagt, hat dort noch immer das Sagen.

China, kommen wir vielleicht zu einem geostrategischen Aspekt in diesem Podcast, profitiert nämlich politisch oder wirtschaftspolitisch auch sehr stark aktuell vom Irankonflikt, weil die Blockade von Hormus China nämlich nicht so trifft, wie man sich das vielleicht am Anfang gedacht hat. Die Regime in Teheran und Peking, sage ich einmal, sind jetzt nicht die besten Freunde, aber sie verstehen sich irgendwo. Ja, und mittlerweile weiß man, dass der Iran also immer wieder Tanker aus China die Straße von Hormus passieren lässt. Dann ist China, das muss man auch sagen, nicht so stark vom Öl aus den Golfstaaten abhängig wie andere asiatische Länder. China bezieht ungefähr ein Drittel seines Rohöls aus der Golfregion. Zum Vergleich: Südkorea und Japan beziehen 70 % Öl aus der Golfregion, und außerdem haben die Chinesen große Vorräte angelegt, die angeblich über mehrere Monate reichen. Und laut der Internationalen Energieagentur hängt Chinas Wirtschaft auch weniger von Öl ab als wir im Westen. In China hat Öl da nur einen Anteil von 18 % am gesamten Energiemix. In Europa zum Vergleich sind es 33 %, also ein Drittel, und in den USA 36 %. Warum ist das jetzt so? Haben die Chinesen da irgendeinen Dreh heraus, den wir noch nicht haben? Nein, nicht ganz. Im Gegenteil, die chinesische Wirtschaft funktioniert noch eher so wie bei uns im 20. Jahrhundert, weil China setzt auf Kohle. Zwar werden dort extrem viele Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke gebaut, aber 60 % der gesamten Stromerzeugung stammen in China noch immer aus Kohlekraft, und deshalb ist China auch in absoluten Zahlen der größte Emittent von Treibhausgasen weltweit und für etwa 30 % des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Aber kommen wir jetzt zurück zu den Profiteuren des Irankrieges. Ja, wer auch von den gestiegenen Ölpreisen profitiert, ist Wladimir Putin. Das russische Finanzministerium hat nämlich erst unlängst gemeldet, dass im April die Rohstoffsteuereinnahmen 10 Milliarden Euro betragen haben. Jetzt muss man natürlich Meldungen aus Moskau immer kritisch betrachten, aber internationale Analysten haben das dann bestätigt, und diese 10 Milliarden, ja, das wäre gegenüber März eine Verdoppelung. Und nicht zuletzt profitiert auch das Mullah-Regime in Teheran vom Krieg, den Donald Trump und der israelische Premier Netanjahu angezettelt haben. Das Regime profitiert zunächst einmal politisch. Der Krieg schweißt die religiöse Elite zusammen, Kritik und Proteste gelten als Hochverrat, und wir lesen ja täglich Berichte, dass immer wieder auch im Iran derzeit die Todesstrafe vollzogen wird. Dann militärisch ist es sicherlich auch eine Stärkung für die Revolutionsgarden. Die Revolutionsgarde ist ja die eigentliche Armee im Land, neben der offiziellen Armee, und die Revolutionsgarden kontrollieren sehr stark die Wirtschaft im Land, unter anderem die Rüstung und auch die Ölindustrie. Und der Iran profitiert natürlich auch von den gestiegenen Ölpreisen. Offiziell gibt es zwar Sanktionen gegen das Land, ja, aber natürlich schon seit Jahren schmuggelt eine Schattenflotte immer wieder Öl und Gas aus dem Iran, vor allem in die asiatischen Länder. Und geostrategisch profitiert das Land natürlich auch enorm, und zwar durch die Blockade der Straße von Hormus, denn damit kann das Regime in Teheran den Westen richtig erpressen.

Was heißt das jetzt für unsere Geldbörse? Na ja, wo es Gewinner gibt, gibt es auch immer Verlierer, bekanntlich, und das sind, wenig überraschend, wir, die einfachen Bürgerinnen und Bürger. Wie ich schon eingangs gesagt habe, wird die Inflation weiter steigen. Ich schätze, dass jetzt die Maizahlen in Richtung 4 % gehen werden, und damit ist das Leben also für uns alle wieder so teuer wie etwa in den vergangenen Jahren. Wie gesagt, Anfang des Jahres gab es hier noch viel Hoffnungsschimmer, dass wir die Inflation endlich in den Griff bekommen. Damit ist es jetzt vorbei. Wenn ihr so wollt, der einzige Trost ist vielleicht der, dass es nicht nur uns in Österreich so geht, sondern das gilt für die ganze Welt, auch für Amerika. Auch dort sind die Spritpreise enorm in die Höhe gestiegen, und die Republikanische Partei befürchtet, da bei den Zwischenwahlen im November, bei den Parlamentswahlen, dafür ordentlich bestraft zu werden. Aber ja, das mag für viele von uns nur ein schwacher Trost sein. Wir müssen jetzt jedenfalls einmal mit der Teuerungswelle, die uns bevorsteht, fertig werden. Ja, trotzdem alles Gute, wo immer ihr auch seid, eine schöne Zeit. Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt "Cash or Crash". Das war's für heute, liebe Hörerinnen und Hörer. Danke, wenn ihr "Cash or Crash" weiterempfehlt und abonniert. Wenn ihr mir schreiben wollt, schickt mir bitte eine Mail an cashorcrash@missing-link.media. Für Anregungen, Fragen und auch Kritik bin ich dankbar. Bis bald, euer Wolfgang Unterhuber.

LINKS

https://www.journal21.ch/artikel/wer-sind-die-gewinner-und-verlierer-im-iran-krieg

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/industrie-diese-branchen-und-firmen-profitieren-vom-iran-krieg/100224434.html

https://www.merkur.de/wirtschaft/energie-wendepunkt-wie-der-iran-krieg-die-welt-veraendert-zr-94310716.html

Autor:in:

Wolfgang Unterhuber

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