Die Dunkelkammer
Die Nonnen von Goldenstein #16: Einmal Rom — und zurück

Mit den über 80jährigen Nonnen von Goldenstein auf Pilgerfahrt in den Vatikan — das ist ein Abenteuer für sich. In dieser Episode geht es darum, warum die Klosterschwestern diese besondere Reise nach Rom zuerst abgesagt und dann doch angetreten haben; welche medialen Wogen das geschlagen hat und warum sie sich den Herzenswunsch erfüllen wollten, Papst Leo XIV zu treffen. Ihrer Ordensobrigkeit hat das übrigens nicht gefallen. Dunkelkammer-Host und Buchautorin Edith Meinhart begleitete die Nonnen auf ihrer Wallfahrt nach Rom.

Edith Meinhart
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Dunkelkammer. Mein Name ist Edith Meinhart. Der heutige Podcast ist nicht nur im Studio entstanden, sondern teilweise unterwegs; ich bin vor kurzem, genau genommen am 28. April, mit den Nonnen von Goldenstein und ihren engsten Helferinnen nach Rom geflogen, wo sie der Generalaudienz von Papst Leo XIV. beiwohnten, die jeden Mittwoch auf dem Petersplatz stattfindet. Schwester Bernadette, Schwester Regina und Schwester Rita wurden in ihren Rollstühlen in einen abgeschirmten Sektor gebracht, nahe der Hauptbühne. Ich war unterdessen gemeinsam mit der Sprecherin der Nonnen, Christina Wirtenberger, an einem für die Allgemeinheit zugänglichen Platz. Ermöglicht hat diese Reise, die für die Nonnen eine Pilgerreise war, der Vatikan-Journalist Andreas Englisch, vor allem auch finanziell; er hat dafür Spenden aufgetrieben. Das mediale Interesse rund um diese Romreise war enorm. Die Ordensschwestern fürchteten nicht zu Unrecht, von Journalisten belagert zu werden; deshalb hat der Vatikan, Berichterstatter Englisch, im Vorfeld dafür gesorgt, dass nur ein kleines Team die Nonnen begleiten wird. Dazu gehören ein Kameramann, ein Tonmann und der Fotograf Quirin Leppert. Die Fotos und Videos werden Medien kostenlos zur Verfügung gestellt. Es gab schlussendlich aber Ausnahmen; so durfte etwa der ORF vor Ort berichten. Warum? Aus Sicht der Nonnen von Goldenstein war einiges zu Recht zurücken, denn kaum waren sie in Rom gelandet, gingen die medialen Wogen hoch. Der Ordensobere, Probst Markus Grasel, und sein per Romdekret hochoffiziell eingesetzter Assistent, Erzabt Jakob Auer, zeigten sich verwundert, verärgert und besorgt über das vermeintlich unerklärliche Verschwinden der Augustiner-Chorfrauen. Vermutungen und Gerüchte machten die Runde, bis hin zu einer möglichen Entführung der Nonnen; davon wird gleich die Rede sein. Davor möchte ich Sie ein wenig auf diese für die Ordensschwestern besondere Reise mitnehmen.

Die Pilgerfahrt der Nonnen von Goldenstein startet am Dienstag, 28. April, in Salzburg. Mit zwei Autos geht es zum Flughafen München, wo gegen 17 Uhr mit leichter Verspätung das Flugzeug Richtung Rom abhebt. Der erwähnte Fotograf und der Tonmann sind mit an Bord. In Rom angekommen, erwartet uns der Vatikan-Journalist Andreas Englisch. Gemessen an den Turbulenzen, die rund um die Romreise anhoben, zeigt er sich fast ein bisschen verwundert, dass die Nonnen leibhaftig vor ihm stehen. Um die Ecke parkt ein großer schwarzer Bus, der die Nonnen, ihre 24-Stunden-Betreuerin Willi, die auch auf Reisen an ihrer Seite ist, sowie ihre Sprecherin Christina Wirtenberger, eine weitere Helferin, das erwähnte Medienteam und mich in die Stadt bringt. Wir halten vor einem alten, schönen Haus, das in der Nähe des Vatikans liegt. Hier kommen die Ordensschwestern für die nächsten Tage unter. Sie beziehen ihre Zimmer, danach wird gemeinsam gegessen. Eine Helferin macht Schnitzel und Erdäpfel, Willi, die 24-Stunden-Betreuerin, bereitet zwei große Schüsseln Salat zu. Am nächsten Tag heißt es dann früh aufstehen. Um 8 Uhr wartet der Taxibus vor dem Haus; er bringt die Augustiner-Chorfrauen auf die Piazza di San Pietro. Ich breche mit dem Rest der Gruppe zu Fuß Richtung Vatikan auf, die einzigen sind wir nicht. Schon von weitem erspähen wir eine Menschentraube, die vor den Sicherheitschecks auf Einlass wartet. Rucksäcke, Taschen, Gürtel müssen durch das Röntgengerät. Schließlich stehen wir auf dem berühmten Petersplatz. Der Journalist Englisch, Tonmann Valentin und eine Nonnenhelferin schieben die Klosterfrauen von Goldenstein auf eine eigens für Menschen mit Behinderung vorgesehene Rampe, und dann heißt es: Warten auf den heiligen Vater.

Junge Männer, deren auffällige, bunte Uniform sie als Angehörige der päpstlichen Schweitergarde ausweist, lotsen herum irrende Besuche in geordnete Bahnen. Ihr gelb-rot-blauer Wams, die Puffärmel und Puffhosen verleihen den Gardisten etwas Karnevaleskes, doch der Eindruck täuscht. Die Anfang des 16. Jahrhunderts gegründete Leib- und Palastwache ist die letzte bewaffnete Militäreinheit des Heiligen Stuhls und das älteste Armeechor der Welt. Kurzum: In der Tracht stecken gut ausgebildete Elitesoldaten. Schnell füllt sich der Platz. Von der Bühne dringt Musik an unser Ohr, irgendwo wird getrommelt.

Christina Wirtenberger und ich halten uns an den Rat, der Vatikan-Auskenner nicht nach vorne zu drängen, sondern uns an einer Absperrung in der ersten Reihe zu postieren. Die Chance auf freie Sicht auf den vorbeiziehenden Papst Leo XIV. soll hier am höchsten sein. Wie geht es der Sprecherin der Nonnen heute an diesem Ort?

Christina Wirtenberger
Im Prinzip war das der große Wunsch der Schwestern, und damit ist eigentlich unser Auftrag erfüllt. Sie dürfen zu Hause bleiben, das ist gesichert, und der letzte große Wunsch war einmal, in den Vatikan zu kommen und den Papst zu sehen. Und dadurch, dass diese Pilgerreise zum Heiligen Vater jetzt passiert ist, ist alles somit erledigt.

Edith Meinhart
Im Juli 2025 hatte die ehemalige Goldenstein-Schülerin Wirtenberger an die Dunkelkammer gemailt und damit jene Podcast-Folge angestoßen, mit der das Schicksal der Nonnen von Goldenstein erstmals öffentlich wurde. Seither ist sie in die Rolle ihrer Sprecherin hineingewachsen und kaum zur Ruhe gekommen. Monatelang hat sie im Kloster gelebt, was also bedeutet die Romreise für die heute 66-Jährige?

Christina Wirtenberger

Also, irgendwo habe ich innerliche Befriedigung, weil ich versucht habe, die Schwestern erstens nicht nur zurückzubringen, sondern auch, dass sie ein Erlebnis noch haben im Leben, wo sie wahrscheinlich, wenn sie noch lange leben, hoffe ich, darüber sprechen können.

Edith Meinhart
Wie mag es den Nonnen gerade gehen? Die Helferin, die bei ihnen vor Ort ist, postet erste Handyfotos in einen Gruppenchat.

Christina Wirtenberger

Die sind glücklich, das sehen wir an den Bildern, die wir jetzt geschickt bekommen haben, und eine schönere Geschichte kann es zum Abschluss gar nicht geben.

Edith Meinhart
Schwester Rita, Schwester Regina und Schwester Bernadette bilden eine verschworene Gemeinschaft. Aber die drei Frauen, alle weit in ihren Achtzigern, sind höchst unterschiedliche Charaktere. Christina Wirtenberger kennt ihre ehemaligen Lehrerinnen seit Jahrzehnten.

Christina Wirtenberger
Also, Schwester Rita ist ja sehr mit den Kindern verbunden, die zeigt ihm ihre Freude zuerst. Schwester Regina wird wahrscheinlich ganz ruhig und still bleiben und das innerlich genießen. Und Schwester Bernadette, ich glaube, dass sie sehr ehrfürchtig ist im Moment, weil das war immer so ein Punkt von ihr, wo sie gesagt hat: "Wenn ich noch einmal in den Vatikan kommen würde und den Papst sehen könnte oder vielleicht auch sprechen, das wäre für sie der Höhepunkt ihres Lebens."

Edith Meinhart
Kurz bevor die Nonnen am 27. April in Rom gelandet sind, hat ihr Helferteam kundgemacht, dass sie ihren Lebensabend im Kloster verbringen dürfen, mit dem Sanctus von höchster Stelle im Vatikan. Zur Erinnerung: Die Augustiner-Chorfrauen hatten sich im Dezember an den Vatikan gewandt und gebeten, Probst Markus Grasel als ihren Ordensoberen abzusetzen. Das ist nicht passiert. Grasel, der sie gegen ihren Willen ins Altersein bringen hat lassen, bleibt in Amt und Würden, allerdings stellt ihm das Dikasterum in Rom einen Assistenten zur Seite. Es handelt sich um Jakob Auer, den 35-jährigen Erzbabt der Salzburger Benediktinerabtei St. Peters. Im Gegenzug wollen die Nonnen zunächst auf ihre Teilnahme an der päpstlichen Generalaudienz verzichten - und dann doch nicht. Warum dieser Sinneswandel? Nun, Erzbabt Jakob Auer hat sie im Kloster aufgesucht und eine Art Verzichtserklärung vorgelegt. Die Schwestern unterzeichneten. Die Flüge und die Unterkunft waren gebucht und konnten nicht storniert werden. Am Tag vor der Abreise war ich im Kloster, um einen seit Monaten ausgemachten Termin wahrzunehmen. Mein Buch mit dem Titel "Nicht mit uns - Über die unglaubliche Geschichte der Nonnen von Goldenstein", das vor Weihnachten noch in der Edition "Lauter" erschienen ist, kommt Ende Mai als Paperback heraus. Diese Softcover-Ausgabe erscheint im Deutschen Kösel Verlag mit ein paar neuen Kapiteln, denn die Geschichte der Klosterschwestern ging ja noch weiter. Sigrid Fortcourt, die Leiterin des Kösel Verlags, wollte die Nonnen von Goldenstein persönlich kennenlernen. Sie reist am 26. April aus München an, ich komme mit dem Zug aus Wien. Die Pilgerfahrt scheint zu diesem Zeitpunkt geplatzt zu sein und kommt dann in letzter Minute doch zustande. Dazu gleich noch mehr. Die Aufregung darüber ist groß: Probst Markus Grasel lässt Journalisten wissen, die Schwestern seien "unauffindbar" (Zitat: "ohne jegliche Information an die zuständigen Ordensoberen"). Und er stellt auch gleich die Route ins Fenster. Zitat: "Sollten die Schwestern bis morgen nicht wieder im Kloster auftauchen, sehen wir uns gezwungen, die Behörden zu informieren und Anzeige zu erstatten." Zitat Ende. Sein Sprecher Harald Schiffel erklärt gegenüber der Austria Presse Agentur: "Die Gespräche über einen weiteren Verbleib der Ordensfrauen im Kloster Goldenstein wären sehr gut verlaufen, man sei kurz vor einer Vereinbarung gestanden, umso unverständlicher sei das Verschwinden der Nonnen."

An dieser Stelle ein Vorgriff: Die Helferinnen der Nonnen werden diese Darstellung am 1. Mai, dem Tag der Rückkehr aus Rom, mit einer Presseerklärung konterkarieren. Darin heißt es, die Nonnen würden noch lange von den bewegenden Eindrücken und den damit verbundenen geistlichen Erfahrungen auf ihrer Romreise zehren. Doch sei ihre Freude wesentlich dadurch getrübt worden, dass der Pressesprecher des Apostolischen Kommissars (Zitat: "ohne jede Rücksprache mit den Schwestern Unwahrheiten über sie verbreitet hat") Zitat Ende. Und weiter: "Die schon vor Tagen von Herrn Schiffel verbreiteten Verschwörungstheorien, wonach die Schwestern gegen ihren Willen nach Rom verbracht oder gar entführt worden seien, waren so offenkundig unwahr, dass sie allenfalls für Erstaunen und Erheiterung gesorgt haben." Einige Äußerungen bedürften jedoch einer Richtigstellung, ist weiter zu lesen: Erstens: Nicht der Wahrheit entspreche vor allem, dass es den Schwestern verboten gewesen sei, nach Rom zu pilgern. Herr Schiffel selbst habe noch am 23. April bestätigt, dass es weder von Seiten des Apostolischen Kommissars noch von dessen Assistenten ein solches Verbot gebe. Diese Aussage sei schriftlich dokumentiert. Zweitens: Ebenfalls unwahr sei, dass die Schwestern für ihre Wallfahrt eine ausdrückliche Erlaubnis des Dikasteriums gebraucht hätten. Dieses habe am 24. April, also vier Tage vor der Abreise, auf die Zuständigkeit des Apostolischen Kommissars verwiesen. Drittens: Unwahr sei auch, dass Gespräche über die von Rom angeordnete Vereinbarung bezüglich der näheren Umstände des Verbleibs im Kloster kurz vor dem Abschluss gestanden wären. Tatsächlich hätten solche Gespräche noch nicht einmal begonnen. Das Dikasterium habe angeordnet, den Anwalt der Schwestern und zwei Helferinnen einzubeziehen. Diese Personen seien bisher noch nicht einmal kontaktiert worden. Viertens: Unwahr sei zudem, dass die Schwestern in Rom nicht erreichbar waren. Ihre Helferinnen seien ständig bei ihnen gewesen und jedenfalls erreichbar. Unterzeichnet ist das Pressestatement mit "Helferinnen der Augustiner-Chorfrauen von Goldenstein".

Edith Meinhart
Zurück zur päpstlichen Generalaudienz in Rom. Während wir uns auf dem sich in der Sonne allmählich aufheizenden Petersplatz die Beine vertreten, poppen ständig neue Nachrichten auf dem Handy auf. Werden die Nonnen instrumentalisiert? Hat man sie gegen ihren Willen nach Rom gebracht, vielleicht sogar gekidnappt? Wirtenberger dazu:

Christina Wirtenberger
Also, die Schwestern würden sich nie entführen lassen. Wir haben den Schwestern noch nie was aufgezwungen, es wurde alles besprochen. Oder sie haben uns ihre Wünsche mitgeteilt, die wir dann versucht haben, umzusetzen.

Edith Meinhart
Kameraleute und Fotografen postieren sich und ihre Gerätschaften zwischen heiligen Statuen auf Dächern und blicken von oben auf die erwartungsvollen Pilgerscharen herunter. Gegen 10 Uhr beginnt der Papst das Bad in der Menge. Auf Bildschirmen kann man in Echtzeit mitverfolgen, wo sich Leo XIV. auf seinem Papamobil gerade seinen Weg bahnt. Auf Nahaufnahmen sieht man, wie sich das Oberhaupt der katholischen Kirche nach allen Seiten dreht, winkt, lächelt. Wir recken die Hälse, um den Moment nicht zu verpassen, in dem der Papst bei den Nonnen von Goldenstein sein müsste. Und dann geht es in unserer Nähe plötzlich ganz schnell: Der Papst ist da und kaum sind die Handys gezückt, auch schon wieder weg. Nicht ganz eine Stunde dauert die päpstliche Generalaudienz: Begrüßung der Pilger, Lesung aus der Schrift in mehreren Sprachen und apostolischer Segen inklusive.

Pope Leo XIV
Buonasera a tutti e a tutte. Pillera di visione con Vaticano, ho pensato a un piano in Africa. Ringrazio il Signore che mi ha concesso di compiere come pastore per incontrare e incoraggiare il popolo di Dio ***Mithilfe von KI transkribiert. Im Original nachhören.

Edith Meinhart
Danach geht das Geschehen auf der Bühne noch lange weiter. Es dauert Stunden, bis sich der Platz vor dem Petersdom wieder leert. Wir treffen die Nonnen in einem Restaurant in der Nähe. Schwester Bernadette und Schwester Rita sitzen vor ihrer Pasta Carbonara, Schwester Regina hat eine Pizza Margherita bestellt. Schwester Bernadette schildert ihre frischen Eindrücke:

Schwester Bernadette
Ja, wunderbar, Frau Professor. Und wir wussten ja nicht, wie es wirklich vor sich geht. Im Fernsehen hat man früher schon gesehen, aber das ist nie die Echtheit, wenn man dabei sein kann. Und es gibt immer wieder Neuigkeiten, dass so viel Polizei da war, dass wir so peinlich durchgecheckt wurden, aber im positiven peinlichen Sinne. Und dass so viel Polizei stand und auch die Schweizer Garde vorhanden ist, überall, und dass jeder Weg schon durch Absperrung oder Leitung vorgegeben ist. Also, man kann gar nicht so gehen, wie man will, sondern man muss den Weg gehen, der die Absperrung vorgibt.

Edith Meinhart
Nicht erfüllt hat sich der Wunsch, ein paar persönliche Worte mit dem Papst zu wechseln. Doch das tut der Freude an der Begegnung kaum einen Abbruch.

Schwester Bernadette
Wie ist der Papst vorbeigefahren ist: Dieses Antlitz, dieses Lächeln von ihm. Ich sage, dieser Mann ist voll des Glaubens.

Edith Meinhart
Schwester Rita sagt:

Schwester Rita
Ja, es war für mich so ein Höhepunkt meines Lebens. Und so sieht man den Papst halt im Fernsehen. Aber jetzt, wo man ihn so wirklich live erleben darf und so nahe, nicht direkt, aber ja, wir durften bei der Audienz, bei der Öffentlichen dabei sein, und das war einfach eine unvergessliche Freude für mich.

Edith Meinhart
Zurück in der Unterkunft ruhen sich die Augustiner-Chorfrauen aus. Zeit für die Helferin, die mit ihnen auf der Besuchertribüne war, die Ereignisse Revue passieren zu lassen.

Helferin
Also, es war wunderbar. Wir waren so zweite, dritte Reihe neben der Absperrung, wo der Papst mit dem Papamobil vorbeigefahren ist. Die Schwestern waren komplett außer Häusel, wie der Papst vorbeigefahren ist und wie er ihnen gewunken hat. Und einfach die Freude in ihren Gesichtern war unbeschreiblich.

Edith Meinhart
Haben die Augenkontakt gehabt?

Helferin
Ja.

Edith Meinhart
Wie hat sie die Schwestern vor Ort erlebt?

Helferin
Die Schwester Rita obligatorisch mit ihrer puren Freude und voller Emotion, gerade den Tränen nahe. Die Schwester Regina ganz aufgeregt, aber ruhig und ganz fest gewunken. Und die Schwester Bernadette, am liebsten hätte sie alles mit dem Handy fotografiert.

Edith Meinhart
Welche Szene bleibt der Helferin im Kopf?

Helferin
Am meisten, wie die Schwester Rita ihren Papst gesehen hat, ihren Mantel vor sich hergenommen hat und dann wie ein kleines Kind vor lauter Freude auf und abgehüpft ist.

Edith Meinhart
Dass sich für die Nonnen ein Herzenswunsch erfüllt hat, steht für die Helferin außer Zweifel.

Helferin
Unglaublich. Ohne Worte. Wenn man sieht, wenn man das Video sieht, wie die Schwester Rita ihren Papst gesehen hat, dann braucht man keine Worte dafür.

Edith Meinhart
Dabei wären diese besonderen Momente fast nicht zustande gekommen. Tatsächlich gaben die Nonnen zunächst bekannt, auf die Generalaudienz im Vatikan zu verzichten. Was die Öffentlichkeit nicht wusste: Der von Rom eingesetzte Assistent ihres Ordensoberen, Probst Markus Grasel, hatte darauf gedrängt, eine Verzichtserklärung zu unterzeichnen. In das, was besprochen wurde, waren weder ihr Anwalt noch die Helferinnen eingeweiht. Selbst die Altschülerin, Helferin der ersten Stunde und Sprecherin der Nonnen, Christina Wirtenberger, wusste nichts davon. Die Nonnen gingen davon aus, dass ihnen Rom diese Reise verboten hatte, wie Wirtenberger erklärt.

Christina Wirtenberger
Circa vor zwei, drei Wochen habe ich von den Schwestern erfahren, dass sie dem Erzherzog Jakob ein Schriftstück unterzeichnet haben, diese Romreise nicht anzutreten. Ich war zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz, nicht in Österreich. Ich habe jetzt nicht verstanden, warum sie nicht nach Rom reisen sollten. Weil eine Pilgerreise zum Heiligen Vater, vor allem, weil unsere Schwestern schon sehr betagt sind, das wäre natürlich ein Glück für sie, wenn sie das noch erleben würden. Darum haben wir, nicht ich alleine, nicht verstanden, warum sie nicht nach Rom reisen dürfen. 

Edith Meinhart
Aber haben sie das unterschrieben?

Christina Wirtenberger
Sie haben das unterzeichnet oder unterzeichnen müssen. Und zustande gekommen ist, weil wir uns dann rechtlich abgesichert haben. Eine unserer Helferinnen hat sich an den Herrn Schiffl gewandt, wo wir zweimal eine E-Mail-Bestätigung erhalten haben, dass kein Verbot besteht seitens von Prälat Grasel und auch nicht vom Erzherzog Jakob Auer, dass die Schwestern nicht reisen dürften.

Edith Meinhart
Harald Schiffl ist Sprecher des Ordensoberen. Als mir wenige Tage vor der Abreise nach Rom zu Ohren gekommen ist, dass ihnen die Pilgerfahrt untersagt worden sei, habe ich ihn ebenfalls kontaktiert und per Mail nachgefragt, ob diese Information korrekt ist sowie falls ja, wie Probst Markus Grasel das Reiseverbot begründet. Am 23. April, fünf Tage vor dem geplanten Abflug, habe ich folgende schriftliche Auskunft erhalten: Zitat: "Probst Markus Grasel ist mit Fragen einer allfälligen Romreise der Schwestern nicht befasst. Eine Genehmigung dafür kann einzig vom zuständigen Dikasterium erteilt werden. Bei dieser Stelle müssen die Schwestern selbst ansuchen. Dort wird entschieden." Zitat Ende. Dass die Augustiner-Chorfrauen, die einem ordenspäpstlichen Rechts angehören, ihren Traum wahrmachen wollen, in den Vatikan zu reisen, ist seit Wochen publik. Ich selbst habe am 7. April in der ORF I-Sendung "Aktuell nach Eins" davon erzählt. Wie es weitergegangen ist, schildert Christina Wirtenberger so:

Christina Wirtenberger
Laut Kirchenrecht ist nicht das Dikasterium zuständig, sondern der Apostolische Kommissar. Wir haben auch ins Dikasterium geschrieben. Die haben uns das schriftlich bestätigt, dass sie eigentlich nicht dafür zuständig sind. Wir haben aber dann noch persönlich telefoniert. Und das Dikasterium hat gesagt: "Eigentlich hat der Erzabt abgesagt, aber natürlich können die Schwestern selbstverständlich eine Pilgerreise zum Heiligen Vater antreten."

Edith Meinhart
Das heißt, es gab keine Einwände vom Dikasterium? Es gab keine Einwände vom Apostolischen Kommissar, also von ihrem Ordensoberen oder dessen neu bestelltem Assistenten?

Christina Wirtenberger
Richtig.

Edith Meinhart
Deshalb haben die Nonnen dann gesagt: "Wir fahren doch"?

Christina Wirtenberger
Diese letzte Entscheidung war noch eine rechtliche Absicherung mit dem Anwalt, der gesagt hat, wenn laut Kirchenrecht nichts dagegenspricht, das Dikasterium eigentlich nicht zuständig ist. Und der Pressesprecher vom Apostolischen Kommissar der Schwestern sagt, es gibt kein Verbot, nach Rom zu reisen. Für die Schwestern dann klar war, dass sie eigentlich kein Verbot haben und reisen dürften. Und haben sich natürlich sehr auf diese Pilgerreise zum Heiligen Vater gefreut.

Edith Meinhart
Also, die Nonnen sagten die Reise ab, disponierten dann aber um, woraufhin der Apostolische Kommissar verlautbaren ließ, er wäre nicht im Bilde gewesen. Wirtenberger dazu:

Christina Wirtenberger
Soviel ich weiß, hat der Anwalt den Erzabt Jakob Auer verständigt. Es soll daraufhin auch ein Telefonat stattgefunden haben. Das heißt, ich vermute, dass der Erzabt Jakob Auer sicherlich den Prälat Grasel informiert hat, dass die Schwestern nun doch die Reise angetreten haben.

Edith Meinhart
Die Ordensobrigkeit wandte sich umgehend an die Öffentlichkeit. Die Botschaft lautete, die Nonnen seien verschwunden, es bestehe "Anlass zur Sorge".

Christina Wirtenberger
Das verstehen wir selber nicht ganz. Weil wenn der Erzabt davon weiß, dass die Schwestern geflogen sind, vom Anwalt, und ich vermute schon, dass der Prälat Grasel auch davon wusste, sie am nächsten Tag eine Pressemitteilung rausgeben oder auch Schlagzeilen verwenden: "Wir wissen nicht, wo die Schwestern sind, sie wurden entführt" und so weiter. Also, es ist sehr fraglich, was hinter diesen Mauern lauft.

Edith Meinhart
Also, um jetzt auch die Frage zu beantworten: Ich bin ja selbst in Rom mitgewesen. Ich kann sagen, den Nonnen geht es prächtig.

Christina Wirtenberger
Denen geht es sehr gut. Sie haben Freude. Schwester Rita vor allem hat sich wahnsinnig gefreut, endlich, wie soll man sagen, in der Stadt des Glaubens zu sein, die ewige Stadt, quasi den Heiligen Vater zu sehen, der sie auch gegrüßt hat mit einem Handzeichen. Ich glaube, dass der größte Wunsch der Schwestern oder der letzte große Wunsch erfüllt worden ist.

Edith Meinhart
Und jetzt geht es noch darum, dass der Verbleib der Nonnen im Kloster noch auf eine Vertragsbasis gestellt wird.

Christina Wirtenberger
Diese Verhandlungen laufen im Moment noch. Wobei es gibt ein Dekret aus Rom, was bestätigt, dass die Schwestern im Kloster bleiben dürfen.

Edith Meinhart
Das ist definitiv?

Christina Wirtenberger
Das ist definitiv, ja.

Edith Meinhart
Das heißt, es geht nur mehr um die Details?

Christina Wirtenberger
Korrekt.

Edith Meinhart
Wie wird das Leben ausgestaltet? Wer ist wann zu informieren? Wer ist wofür zuständig? Aber dass sie im Kloster bleiben, da führt dann kein Weg mehr dran vorbei?

Christina Wirtenberger
Nein, sie dürfen im Kloster verbleiben.

Edith Meinhart
Am zweiten Tag der Romreise besuchen die Augustiner-Chorfrauen eine für sie ausgerichtete Messe. Schwester Rita erzählt hinterher:

Schwester Rita
Das war einfach eine Andachtsstimmung, ja, bewegend zum Innerlichwerden. Also, das ist zum Danksagen einfach.

Edith Meinhart
Die Helferinnen posten Bilder von der Romreise, die sich für die Nonnen von Goldenstein als eine Wallfahrt darstellt, mit der sie Danke sagen wollen dafür, dass sie ihren Lebensabend im Kloster verbringen dürfen. Medial geht es nicht ganz so friedlich zu. Die Ordensobrigkeit pocht darauf, es habe kein grünes Licht für die Reise gegeben und spielt das von den Schwestern unterfertigte Verzichtsschreiben an die Öffentlichkeit. "Leider entspricht diese Reise nicht unserer klösterlichen Lebensordnung, die in den Konstitutionen unseres Ordens festgelegt ist", steht da wörtlich. Reichlich verwirrend, das Ganze. Ich habe deshalb den Priester, Theologen und Kirchenrechtler Dr. Dr. Wolfgang Rothe, der die Ordensschwestern berät, nochmals um eine Einordnung gebeten.

Dr. Dr. Wolfgang Rothe
Zunächst einmal sollte man die Kirche im Dorf lassen. Drei Ordensfrauen fahren nach Rom, um ihrem Höchsten Oberen, dem Papst, zu begegnen. Absolut nichts daran ist ungewöhnlich und absolut nichts daran ist skandalös. Natürlich sollten Ordensleute Reisen, die über das übliche Maß hinausgehen, immer mit ihren Oberen abstimmen. Aber genau das ist im konkreten Fall ja auch geschehen. Über die Romreise wurde seit Langem diskutiert und gesprochen, es gab Für und Wider. Aber die konkrete Anfrage, ob die Schwestern nach Rom reisen dürfen, wurde noch am 24. April vom Pressesprecher des Apostolischen Kommissars dahingehend beantwortet, dass für diese Reise kein Verbot ausgesprochen wurde, und zwar weder vom Apostolischen Kommissar noch von dessen Assistenten. Die Schwestern haben sich dann über ihre Helferinnen auch noch beim römischen Dikasterium für die Ordensleute versichert, denn der Sprecher des Apostolischen Kommissars, Harald Schiffel, hatte ausdrücklich erklärt, dass für diese Reise eine schriftliche Genehmigung des zuständigen Dikasteriums erforderlich sei. Das aber ist nicht der Fall. Denn das Dikasterium hat ausdrücklich geantwortet, ich zitiere: "Die von Ihnen angesprochene Frage wird von Assistent Erzabt Jakob beantwortet, der als zuständiger Ansprechpartner für die Schwestern fungiert." Zitat Ende. Mit anderen Worten ausgedrückt: Das Dikasterium für die Ordensleute gibt die Entscheidung an den Assistenten des Apostolischen Kommissars zurück, also an Erzabt Jakob Auer. Und von Erzabt Jakob Auer liegt laut dem Pressesprecher des Apostolischen Kommissars keinerlei Verbot vor. Mit anderen Worten: Die Schwestern durften reisen.

Edith Meinhart
Auf dem Instagram-Kanal der Nonnen @realnonnengoldenstein fiebern Tausende Menschen währenddessen mit, wie aufgeregt ergriffen und glücklich die Augustiner-Chorfrauen in Rom sind.

Schwester Rita
Ich bin ganz bewegt, dass ich jetzt ein zweites Mal da sein darf. Ich kann es einfach nicht fassen. Das letzte Mal war 1968, ich kann mich erinnern. Genau. Ich bin so dankbar. Wirklich wahr. Ich kann nur Vergesslichkeit sagen. Wirklich wahr.

Edith Meinhart
Das Gros ihrer Gefolgschaft gönnt ihnen diese Momente von Herzen. "So möchte ich auch einmal entführt werden", heißt es. "Herrlich, in dem Orden wäre ich auch gern", postet jemand. "Sie sehen alles andere als pflegeeigenbedürftig aus." Oder so eine Freude, die drei tapferen Nonnen in Rom zu sehen. Zwischen die aufmunternden und bewundernden Kommentare mischen sich kaum missgünstige Töne. Am 1. Mai geht es zurück nach Elsbeten, in ihr Kloster. Noch am selben Abend veröffentlichen die Helferinnen der Nonnen das bereits erwähnte Pressestatement. Es schließt mit der Hoffnung, dass die Schwestern, Zitat: "Nun endlich wieder ein Leben unter Achtung ihrer Würde und Freiheit führen können und nicht länger den patriarchalen Machtspielen Außenstehender ausgesetzt sind."

Autor:in:

Felix Keiser

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