Die Dunkelkammer
Der Spionageprozess gegen Egisto Ott: „Staatsfeind Nummer eins“

Am 22. Jänner wurde vor dem Wiener Straflandesgericht der Spionageprozess gegen den früheren BVT-Verfassungsschützer Egisto Ott und einen ehemaligen Kollegen eröffnet. Die Staatsanwaltschaft Wien wirft Ott vor, verdeckt und illegal für Jan Marsalek und dessen russisches Agentennetzwerk gearbeitet zu haben – Amtsmissbrauch im Abtausch für Anekennung und Geld.

Ott bestritt die Vorwürfe der StA am ersten Verhandlungstag vehement, er bekannte sich nicht schuldig und ordnete das Geschehene grundsätzlich anders ein als die Staatsanwaltschaft Wien. Ein Bericht.

Michael Nickbakhsh

Herzlich willkommen zur 281. Ausgabe der Dunkelkammer. Mein Name ist Michael Nikbakhsh und für heute macht der Fall Pilnacek kurz Pause. Diesen greifen wir alsbald wieder auf. Für den 28. und den 29. Jänner sind die nächsten Befragungen im Parlamentarischen U-Ausschuss angesetzt. Da werden zwei Polizisten, die Ärztin Dagmar W. Und eine Kremser Staatsanwältin als Auskunftspersonen erwartet und wir werden berichten. Heute geht es um einen anderen Fall, der uns hier schon mehrfach beschäftigt hat. Das ist der Fall Egisto Ott. Vorneweg aber noch zwei kleine Hinweise in eigener Sache.

Die Dunkelkammer wird auch 2026 wieder live auf der Bühne zu sehen sein. Da haben wir mehrere Termine in Planung. Zwei konkrete nahende gibt es schon und die habe ich anzubieten.

Der erste ist am 16. Februar. Da starten Stefan Kaltenbrunner und ich ein neues Format in der Kulisse Wien. Mit Stefan Kaltbunner habe ich Peter Hochegger und dessen Schuld Schattenrepublik im Podcast und im Theater aufgearbeitet. Stefan und ich haben uns dann überlegt, was wir da noch gemeinsam raushauen könnten, weil es irgendwie gut geklappt hat mit uns beiden. Und so sind wir bei einem neuen Format gelandet, das sich vor allem an Leute richtet, die sich sagen wir mal, für die Justiz im allerweitesten Sinne interessieren. Das Format heißt Einspruch die Justiz von innen und wir wollen Leute aus dem Justizbetrieb auf die Bühne holen und und mit ihnen dann vor Publikum über eben jenen Justizbetrieb reden.

Anfangen wollen wir mit Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, die wir nach und nach einladen werden und wir haben uns überlegt, wie legen wir das jetzt inhaltlich an vom Start weg und dann haben wir uns gedacht, fangen wir am besten von unten an, fangen wir mit der Unterwelt an. Und so lautet der vollständige Titel unseres ersten Abends am 16. Februar in der Kulisse Wien. Einspruch Die Justiz von innen, Zuhälter, Strizis und Mörder. So verteidigt man die Unterwelt. Und wer wüsste das besser als unser erster Gast, der Wiener Strafverteidiger Werner Tomanek. Werner Tomanek hat uns zugesagt am 16.02 mit Stefan Kaltenbrunner und mir auf der Bühne der Kulisse Wien Einblick in sein Schaffen zu geben. Danke an dieser Stelle an Werner Tomanek.

Das wird, so viel getraue ich mich zu sagen, ein heiterer Abend und wir zeichnen das selbstverständlich auch für den Podcast auf. Karten dazu gibt es unter anderem auf und für unsere Abonnentinnen und Abonnenten Auf Steady und Apple Premium gibt es wieder welche zu gewinnen und zwar 5 mal 2 Karten. Schreibt bitte wie gehabt bis 31. Jänner an redaktion@diedunkelkammer at und dann hätten wir noch einen zweiten Event in unmittelbarer Nähe, Das ist am 25. Februar, da sind wir mit der Dunkelkammer dann zu Gast bei der Missing Link Podcast Nacht der zweiten.

Vergangenes Jahr gab es schon eine und da wird heuer unter anderem auch der sehr supere Podcast von Standard Spiegel Inside Austria dabei sein. Karten dafür gibt es auf Missing-Link-Media/Podcastnacht und für unsere Abos gibt es da auch welche zu gewinnen. Wieder 5 mal 2 Karten. Wenn ihr auf diese Veranstaltung Lust habt, dann schreibt redaktion@didunkelkammer.at bis zum sagen wir 10. Februar genug geschwafelt in eigener Sache. Zurück zum Fall Egisto Ott.

Egisto Ott, vormals Beamter des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, heißt heute DSN. Er muss sich seit dem 22. Jänner vor dem Landesgericht für Strafsachen Wien in einem Schwurgerichtsverfahren, das ich rausbekomme, verantworten. Die Anklage führt die Staatsanwaltschaft Wien und diese wirft Egisto Ott Amtsmissbrauch, Bestechlichkeit und vor allem Spionage für Russland vor. Egisto Ott steht nicht mehr in den Diensten des BVT bzw. der Nachfolgeorganisation DSN, aber ist weiterhin formell Polizist, wenn auch suspendiert. Mit ihm angeklagt ist ein weiterer Polizist, ein Ex Arbeitskollege von Ott im BVT und auch er ist derzeit suspendiert. Bei ihm sind es im Wesentlichen drei Anklagepunkte. Er soll im Rahmen einer der Informationsbeschaffungen von Ott einen informellen Botengang erledigt haben, um so den offiziellen Amtsweg zu umgehen. Da geht es um Amtsmissbrauch und so auch bei einer illegalen Handyauswertung. Und daneben ist dann auch wegen illegalen Waffenbesitzes angeklagt.

Beide Angeklagte sind gerichtlich unbescholten, beide haben sich zum Prozessauftrag nicht schuldig erklärt und dazu komme ich noch. Es sind unter Anführungszeichen nur zwei Angeklagte und die Anklageschrift ist mit 172 Seiten jetzt auch nicht überbordend lang, aber wir reden hier dennoch von einem großen Verfahren. Laut der Anklageschrift sind erst einmal 89 Zeuginnen und Zeugen vorgesehen, darunter viele Beamte aus dem In und Ausland. Einige wurden in der Anklageschrift mit ihren Dienstnummern anonymisiert. Bisher sind zehn Verhandlungstage bis in den März hineingesetzt, aber das wird eher nicht reichen.

Ich war zum Prozessauftakt am 22. Jänner im Verhandlungssaal Nummer 401 und darf das Geschehen des ersten Tages so zusammenfassen. Vereinfacht gesagt wirft die Staatsanwaltschaft Wien Egisto Ott vor, aus Enttäuschung Frustration heraus unter Geldbeschaffungsabsicht Landesverrat begangen zu haben. Also es geht konkret darum, dass er Informationen und Datenträger, die er nicht besitzen hätte dürfen, auch den russischen Geheimdienst FSB verkauft haben soll. Die Zusammenarbeit mit den Rußen soll 2017 begonnen haben und laut der Anklageschrift bis 2021 gegangen sein, wobei am ersten Verhandlungstag ergänzende Informationen dazukamenen. Laut der Staatsanwaltschaft soll Ott den rußen auch noch 2022 zugearbeitet haben.

Der fallführende Staatsanwalt nannte in seinem Anklagevortrag 2 Motive, Ott sei beruflich frustriert gewesen, habe Enttäuschungen erlebt und vor allem sei er auch pleite gewesen, also durchaus empfänglich für Geschäfte dieser Art. Ott selbst habe aber keine besondere Beziehung zu Russland oder zu Putin gehabt. Es ging ihm einfach nur um Anerkennung und um Geld. Laut der Anklage hat Egisto Ott über mehrere Jahre hinweg im Auftrag des russischen FSB Informationen beschafft. Er soll die Namen von Exilrussen bekommen haben und diese Namen dann in Polizeidatenbanken im In und Ausland abgefragt haben, teils selbst, teils unter Zuhilfenahme von Kollegen im Ausland.

Abklären nennt man das im Geheimdienstjargon oder im Polizeijargon Landesverrat nannte das der Staatsanwalt. Für die Datenbankabfragen brauchte Ott teilweise Aktenzahlen. Da soll er Spuren verwischt haben, so der Vorwurf der Anklage, indem er einfach fremde Aktenzahlen genommen hat, um seine eigenen Abfragen zu tarnen. Ein Teil seiner Abfragen für die Rußen soll unter einer BVT Aktenzahl gelaufen sein, in der es eigentlich um die Gefahrenerforschung im linksextremistischen Milieu ging. Unter einer anderen von ihm benutzten Aktenzahl waren eigentlich laut der Staatsanwaltschaft BVT Dienstreisen abgelegt. Seine Aufträge soll er von seinem früheren Vorgesetzten im BVT, Martin Weiß, bekommen haben.

Weiß wird in der Anklage ausgiebig genannt, er ist aber selbst nicht angeklagt. Er wird laut der Anklage gesondert verfolgt. Er ist für die Justiz nicht greifbar, soll sich in Dubai aufhalten. Martin Weiß wiederum soll die Aufträge von Jan Marsalek bekommen haben, der für die Justiz ebenso wenig greifbar ist, weil er jetzt in Russland lebt. So sitzt da jetzt also Egisto Ott in Wien auf der Anklagebank des Verhandlungssaals 401 die wie schon gesagt, tatsächlich eine Bank ist und neben ihm auf einer zweiten sein Ex Kollege H. Egisto Ott machte zum Auftrag übrigens einen gefestigten Eindruck, also er ließ sich vor Beginn der Verhandlung zunächst geduldig fotografieren und abfilmen. Der Zweitangeklagte wollte das erkennbar nicht. Er ist keine Person des öffentlichen Lebens, das ist Egisto Ott mittlerweile allemal und deswegen wird der Zweitangeklagte auch nicht genannt.

Also Marsalek interessierte sich für bestimmte Russen, die in Europa leben, gab diese Aufträge laut Anklage an Martin Weiß weiter und er spannte Egisto Ott ein, um Informationen zu beschaffen, die Auftragskette, wie das die Staatsanwaltschaft in einem Schaubild nannte. Martin Weiß ist zwar selbst nicht greifbar, aber er hat vor Jahren in der Causa in Wien ausgesagt und damals zugegeben, dass er bei Ott Abfragen für Marsalek bestellt hatte und ihm dafür 6.000 Euro gegeben habe. Weitere 50.000 Euro soll Ott für den Verkauf der drei ominösen Kabinettshandys aus dem Innenministerium bekommen haben. Das waren jene Mobiltelefone, die bei einem Ausflug des Kabinetts von Innenminister Sobotka ins Wasser gefallen waren und dann kaputt gegangen waren. Zumindest war das die Version, die da offiziell transportiert wurde.

Das eine Handy war das Handy des damaligen Kabinettschefs Michael Kloibmüller. Das andere war das Handy von Michael Takacs, heute Bundespolizeidirektor. Den Namen hatten wir in anderem Zusammenhang hier schon öfter. Und dann noch das Handy von Gernot Maier, heute Direktor des Bundesamts für Fremdenwesen und und Asyl. Die Handygeschichte war in der Dunkelkammer bereits ausführlich Thema. Sie wird auch im weiteren Prozessverlauf zur Sprache kommen. Noch einmal 20.000 Euro soll Ott dann von den Rußen für den Verkauf eines speziell verschlüsselten sogenannten Sina-Laptops des deutschen Herstellers Seconet bekommen haben. Auch der Laptop war hier schon Thema. Und der ursprüngliche Besitzer des Laptops, nämlich Alexander Surowiec, der war hier auch schon zu Gast. Auch das wird im weiteren Prozessverlauf mit Sicherheit ausführlich noch zur Sprache kommen.

Die Vorwürfe der Anklage bauen auch auf Beweismitteln aus England auf, wo eine Gruppe Bulgaren wegen Spionage für Russland verurteilt wurde. Und im Handy eines der Bulgaren konnten tausende Chats gesichert werden, die auch zu Jan Marsalek, den österreichischen Handys und der Wiener Wohnung von Egisto Otts Schwiegersohn führen. So viel mal zur Anklage. Im Anschluss an die Anklage waren dann die Verteidiger dran. Für Ott sind das Anna Maier und Michael Ofner.

Verteidigerin Meier brachte vor, dass die Staatsanwaltschaft nicht mit Beweisen arbeite, sondern bloß mit Vermutungen. So sei zum Beispiel die Echtheit der Marsalek Chats, von denen ich gerade gesprochen habe, aus dem britischen Fund, die sei überhaupt nicht erwiesen. Sie seien auch erst nach der Anklage und das nur in englischer Sprache, zum Akt gekommen. Es gäbe auch keinen einzigen Beleg dafür, dass Ott Handys oder Laptop übergeben hätte und dafür Geld bekommen hätte.

Einen zentralen Anklagepunkt stellt die Anwältin überhaupt völlig anders dar. Laut der Anklage hatte Ott für die Russen unter anderem hinter dem abtrünnigen FSB Offizier S. hinterherpioniert. Laut der Verteidigung hat Hott er aber ganz im Gegenteil für einen damaligen Vorgesetzten gearbeitet, nämlich für Wolfgang Zörer. Der war damals stellvertretender Direktor des BVT. Das war für mich eine in der Form neue und überraschende Information. Demnach hätte ein westlicher Geheimdienst sich für den abtrünnigen ehemaligen FSB Agenten S. Interessiert, nämlich um ihn anzuwerben und um an ihn ranzukommen, habe sich an Wolfgang Zöhrer gewandt, der wiederum Egisto Ott ersucht habe, Informationen zu es zu beschaffen. Soll heißen, die Abfragen von Ott werden grundsätzlich nicht bestritten, aber die Verbindung zu den Russen wird bestritten. Ott hatte die Informationen zu S. übrigens abgelegt, privat abgelegt als Operation doktor In den Ermittlungen waren einige Leute aus dem BVT befragt, ob sie denn irgendwas zu einer Operation Doktor Wüssten. Da war nämlich die Frage dahinter, war das jetzt quasi ein amtlicher, wenn auch geheimer Vorgang oder war das das Privatvergnügen von Egisto Ott? Und jedenfalls bis auf Ott kannte niemand von den Befragten, soweit ich das Überblicke, diese Operation Doktor. Ich bin gespannt, ob sich das im Verfahrensverlauf anders darstellen wird. Wir werden insbesondere sehen, was Wolfgang Zöhrer selbst dazu im Zeugenstand sagen wird, wenn er überhaupt etwas sagt. Letztlich berührt der Fall ja auch nationale Sicherheitsinteressen und es geht auch immer wieder um die Amtsverschwiegenheit. Schauen wir mal, wie viel hier wirklich zu erfahren sein wird.

Der Anwalt des zweiten Angeklagten ist Klaus Heinzinger und der wies gleich eingangs auf Diskrepanzen am Anfang des Ermittlungsverfahrens gegen seine Mandanten hin. Der damalige Staatsanwalt habe eine starke Nähe zur ÖVP gehabt, womit er, glaube ich, insinuieren wollte, dass hier aus parteipolitischen Erwägungen heraus in eine Richtung bestimmt ermittelt wurde. Er wies auch darauf hin, dass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen auf Grundlage eines Anlassberichts des BVT eingeleitet wurden, der offenbar in mehreren Versionen mit unterschiedlichen Datierungen vorliegt. Laut dem Anwalt Heinzinger hat der Zweitangeklagte damals die drei ins Wasser gefallenen Handys im BVT tatsächlich übernommen. Er war auch zuständig für Handyangelegenheiten im BVT, insbesondere für Auswertungen. Er hat aber nicht versucht, diese auszuwerten, sondern wieder in Gang zu setzen, also zu sichern bzw. zunächst einmal zu trocknen. Das sei nicht gelungen. Eine Auswertung habe er nicht vorgenommen und er habe die Handys auch nicht an Ott übergeben, was ja auch ein Anklagevorwurf ist. In dem Botengang, den er da für Ott erledigt hat, im Zuge einer bestimmten Informationsbeschaffung. Da ging es um einen Fingerabdruck, der informell im Bundeskriminalamt abgeglichen werden sollte. Da konnte der Anwalt keine strafrechtliche Relevanz erkennen und soweit es die Waffen betrifft, ist da die Rede von einer kaputten Schrotflinte. Die habe aber nicht dem Zweitangeklagten gehört, sondern seinem Opa und nach dessen Tod dann seiner Oma. Und eine weitere Waffe sei ein Schlagring. Und dieser Schlagring sei aber ein Anschauungsobjekt gewesen, das der Zweitangeklagte bei internen Polizeischulungen gezeigt habe und eben dann irgendwann zu Hause abgelegt habe.

Am Nachmittag des ersten Tages wären dann die beiden Angeklagten dran gewesen. Tatsächlich war dann nur Egisto Ott dran. Der zweite Angeklagte H., dessen Befragung wurde auf den nächsten Verhandlungstag, den 23. Jänner, verschoben. Deswegen konzentriere ich mich heute auf das, was Egisto Otto selbst gesagt hat.

Egisto Ott erklärte sich, wie schon gesagt, nicht schuldig und bezeichnete die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als falsch. Er sei schon mehrfach angeklagt und immer wieder freigesprochen worden, sagt er auch. Das stimmt allerdings nur zum Teil. Also vergangenes Jahr wurde Ott in einem Prozess wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses und von Datenschutzbestimmungen in erster Instanz freigesprochen, aber der Oberste Gerichtshof hat den Freispruch dann teilweise wieder aufgehoben. Und wenn ich das am 22. am Ende im Gerichtswahl. Richtig verstanden habe, dann hat die Staatsanwaltschaft Wien die Anklage da jetzt auch um den offenen Anklagepunkt aus dem früheren Verfahren ergänzt. Das wird also nun auch mitverhandelt.

Otts Verantwortung lässt sich jetzt im Wesentlichen so Die Vorwürfe der Anklage sind falsch. Er hat niemals für die Russen gearbeitet, er fühlt sich zu Unrecht systematisch verfolgt und sieht sich selbst als Zitat Staatsfeind Nummer eins. Er wollte bei seiner Befragung auch keine Fragen der Staatsanwaltschaft beantworten, nur des Richters der Privatbeteiligten fragte, die es auch gibt. Es gibt eine Gruppe von Leuten, die sich geschädigt fühlt durch die Bespitzelungen von Egisto Otto. Die angelasteten Bespitzelungen, die haben sich Anwälte genommen und haben sich als Privatbeteiligt an das Verfahren angeschlossen, also Fragen des Richters, Fragen der Privatbeteiligten Vertreter, allenfalls der Geschworenen, aber eben nicht der Staatsanwaltschaft.

Das ist das Recht der Angeklagten, das so zu handhaben. Das hatten wir in jüngerer Vergangenheit in Verfahren auch immer wieder ist auch ein Signal, die Staatsanwaltschaft hat voreingenommen gegen mich ermittelt, deswegen will ich mich Ihren Fragen jetzt auch nicht stellen. So ein bisschen eine Verfahrenstaktik. Also erstens Vorwürfe der Anklage falsch. Zweitens auch darauf legt der Wert, er sei nie pleite gewesen. Die Staatsanwaltschaft sagt, er hat ein dringendes Geldmotiv gehabt. Nein, er war nicht pleite. Ich muss allerdings dazu sagen, er wurde eingangs zu seinen Vermögensverhältnissen befragt. Viel Vermögen habe er nicht. Das hat allerdings genauso wenig beziffert wie seine Schulden, von denen er sagt, dass er sie hat. Aber er hat deren Höhe nicht beziffert, was ihm noch wichtig war. Er war immer gerne Polizist, so viel zum Einwand, er sei frustriert und enttäuscht gewesen. Dem widerspricht er, soweit ich das mitgenommen habe.

Und drittens, das BVT mag zwar nie ein Geheimdienst gewesen sein, aber dennoch waren da manche Dinge dann doch streng geheim, auch wenn man das natürlich besser nicht auf einen Akt drauf geschrieben hätte. Weil es aber eben streng geheim war, kam es vor, dass man Abklärungen zu bestimmten Personen eben dann unter fremden Aktenzahlen machte und Kommunikation dazu nur mündlich lief. Dass er sich dienstliches Material an eine private E Mail Adresse geschickt hat, das nannte Ott auf Befragen des Richters dann halblegal. In dem Verfahren werden noch einige Zeuginnen und Zeugen aus dem damaligen BVT zu ihren Arbeitsroutinen befragt werden und da wird sich dann zeigen, wie belastbar die Aussagen zu Egisto Otts Workflow und dem Umgang mit Informationen waren.

Egisto Ott gesteht, ich habe es schon gesagt, auch seine Anwältin tut das, die Datenbankabfragen zwar zu, er sagt aber, dass er dafür entweder dienstliche Zuständigkeiten hatte oder legale Aufträge von oben, aber nicht von den Russen. Auch er hat über diese Operation Doktor gesprochen. Also noch einmal, der zentrale Anklagevorwurf Ott hat für die Russen einen abtrünnigen FSB Agenten S. abgeklärt ausspioniert. Man nenne es wie man will. Ott sagt aber, das habe er auf Anweisung von Wolfgang Zöhrer gemacht, damals stellvertretender BVT Direktor, und zwar im Rahmen einer legalen und streng geheimen Operation mit einem westlichen Nachrichtendienst. Welcher Dienst? Welches Land? Okay, das bleibt offen. Das hat Ott nicht gesagt. Er hat auf eine Verschwiegenheitspflicht gegenüber diesem Drittstaat verwiesen, von der er nicht entbunden sei, was man alles lernt.

Überraschend war auch die Erklärung, warum Egisto Ott persönlich in Kärnten die Wiener Meldeadresse des kremlkritischen Journalisten Christo Grozev beschafft hatte, bei dem dann später eingebrochen wurde, wobei der Einbruch bei Grozev wiederum dem FSB zugerechnet wird. Ott sagt dazu, er habe sich die Adresse nur deshalb beschafft, um Grozev zu kontaktieren, um sich mit ihm auszutauschen. Dieser Anklagepunkt ist einerseits brisant, weil es um die Sicherheit eines kremlkritischen Journalisten geht, in strafrechtlicher Hinsicht allerdings insofern kurios, als Egisto Ott ja lediglich die Schädigung des Staates angelastet wird, und zwar um die Bundesverwaltungsabgabe in der höhe von 3,30 das ist quasi der Vermögensschaden, der hier geltend gemacht wird. Denn laut der Anklage hat die Egisto Ott am Meldeamt, den Spital an der Draußen eine Dienstkokarde vorgezeigt und so eine gebührenfreie Meldeauskunft bekommen, weil die Meldeauskunft an sich ist keine besondere Sache, das kann jeder Mensch machen. Das zentrale Melderegister ist öffentlich zugänglich, man muss halt für jede Abfrage bezahlen.

Ott bestreitet übrigens, eine Dienstkokarde oder einen Ausweis vorgezeigt zu haben. Er sagt, er hatte die damals zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr und er hat eine Zeugin dazu angekündigt. Die belegen wird seiner Darstellung nach, wie das damals gelaufen ist, soweit es jetzt die drei BMI Handys betrifft, die erst im Wasser, dann beim BVT und dann bei Egisto Ott landeten und laut der Anklage schlussendlich bei Jan Marsalek. Egisto Ott wiederholt im Verfahren eine Aussage, die er schon im in den Ermittlungen gemacht hatte, dass er sie nämlich eines Tages im Briefkasten hatte, diese drei Handys, und zwar von unbekannter Seite. Wie gesagt, der vermeintliche Übergeber ist der Zweitangeklagte H., der neben Ott im Verfahren sitzt. Der hatte die Handys zwar, aber er will es nicht gewesen sein. Jedenfalls landeten die Handys laut Ott nicht bei den Russen, sondern bei ihm im Müll. Er hat sie zerstört, aber offenbar nicht mit dem Bunsenbrenner, sondern mit handelsüblicher Säure für sanitäre Verstopfungen, was immer genau das wäre.

Im Verfahren legte die Verteidigung dann auch Fotos und Bankauszüge vor, die als Beleg dafür dienen soll, dass Egisto Ott am Tag der vermuteten Handyübergabe in der Wohnung seines Schwiegersohns gar nicht in Wien war, sondern in Kärnten, soweit es diesen Sina Laptop betrifft, der laut der Anklage ebenfalls an die Russen verkauft worden sein sollte. Da kündigte Egisto Ott eine Überraschung an, die könnte jetzt aber eigentlich nur darin bestehen, dass der vermeintlich verkaufte Laptop wieder auftaucht. Das sollte sich alsbald herausstellen.

An dieser Stelle mache ich erstmal Schluss für heute. Wie gesagt, es war eigentlich noch geplant, dass der Zweitangeklagte H. befragt wird an diesem 22. Jänner, aber das ist sich zeitlich nicht mehr ausgegangen. Die Verhandlung wurde gegen dreiviertelvier geschlossen, die Befragung des Zweitangeklagten auf den nächsten Verhandlungstag, den 23. Verlegt. Ich muss den Podcast an dieser Stelle schließen, sonst erscheint er nicht und werde das, was danach passiert, dann in den kommenden Ausgaben mit einfangen. Also der Fall Egisto Ott wird uns jetzt noch eine Zeit begleiten, so auch der Fall Pilnacek würde sagen, fad wird uns hier nicht. Vielen Dank fürs Zuhören.

Autor:in:

Michael Nikbakhsh

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