Bühneneingang
Die Kunstkurie, das Ehrenzeichen und die Causa Currentzis - mit Peter Noever

Das Ansinnen, den umstrittenen Dirigenten Teodor Currentzis mit dem Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und damit auch mit der Aufnahme in die Kurie für Kunst zu würdigen, war eines der großen Aufregerthemen des Kulturherbstes 2025. Insbesondere der zuständige Vizekanzler Andreas Babler geriet in die Kritik, weil er den Antrag an den Bundespräsidenten übermittelte. Aber wer ist wirklich verantwortlich? In Folge 76 meldet sich Peter Noever zu Wort. Der ehemalige Direktor des MAK in Wien ist Vorsitzender der Kunstkurie und gibt erstmals Einblicke in einen Vorgang, der bereits 2023 seinen Lauf nahm, aber vom damals zuständigen Vizekanzler Werner Kogler offenbar nicht prioritär behandelt wurde. Und er liefert Innenansichten aus einem sagenumwobenen Gremium, das gesetzlich reguliert und dennoch weitgehend entkoppelt von allen politischen Instanzen die künstlerischen Ehrungen der Republik entscheidend beeinflusst.

Fabian Burstein

Hallo und herzlich willkommen am Bühneneingang. Mein Name ist Fabian Burstein, ich bin Kulturmanager und Autor und in diesem Podcast zeige ich euch den Kulturbetrieb von innen, so wie er wirklich ist. Mein heutiger Gast ist Peter Noever. Als Designer, Ausstellungsmacher und Museumsdirektor, zählt er zu den wichtigsten Protagonisten der österreichischen Gegenwartskunst. Eine Rolle, die er laut Selbstcharakterisierung chronisch obsessiv anlegt. Noch in seiner Zeit als künstlerischer Leiter des MAK in Wien wurde an die Kurie für Kunst aufgenommen. Seit 2 2025 ist Peter Noever Vorsitzender dieses sagenumwobenen Gremiums und erlebte in dieser Funktion prompt turbulente Zeiten.

Denn im vergangenen Herbst wurde bekannt, dass das Gremium den umstrittenen Dirigenten Teodor Currentzis für ein Ehrenzeichen und damit auch für die Aufnahme in die Kurie vorgeschlagen hat. Wie steht Peter Noeverzu dieser politisch heiklen Causa?

Welche Funktion hat die Kurie für Kunst eigentlich im kulturellen Gefüge Österreichs und unter welchen künstlerischen bzw. organisatorischen Rahmenbedingungen werden dort Entscheidungen getroffen? Lieber Herr Noever, vielen Dank, dass Sie all das mit mir heute am Bühneneingang besprechen.

Peter Noever

Gerne.

Fabian Burstein

Ich möchte gleich mit einer vielleicht banalen Frage einsteigen, aber viele Menschen wissen ja gar nicht Bescheid über organisatorische Rahmenbedingungen, über grundsätzliche Aufgaben etc. Was ist denn diese Kurie? Was hat sie für Aufgaben? Wie konstituiert sie sich?

Peter Noever

Naja, ich denke, wir leben ja jetzt in einer sehr stark polarisierenden Augenblick oder Zeit, wo auch sehr viel manipuliert wird. Also gerade in Kriegszeiten hat sozusagen die Manipulation Saison und emotional wird das sehr stark gesteuert. Also es ist sozusagen vorgegeben, wie man sich auch in unseren Kreisen, wie man sich zu verhalten hat, welche Vorstellungen man haben kann.

Also was ich zum Beispiel. Ich persönlich habe eine sehr gute Beziehung zu Russland seit Jahrzehnten und war der erste, der in den Westen den russischen Konstruktivismus in den Westen gebracht hat und und ich glaube, dass man überhaupt nicht verzichten kann natürlich auf diese Kultur, auf diese Menschen und man muss da sehr auffassen und überhaupt die Kunst, die Kunst kann man nicht sozusagen festnageln an der Herkunft oder an anderen Dingen.

Und das ist sozusagen diese Angelegenheit mit Currentzis. Es werden ja sehr viele in die Kurie aufgenommen. Wir können da noch einmal zu sprechen kommen, sozusagen über das System oder über die Organisation, aber im Prinzip, glaube ich, ist das eine schreckliche Überbewertung und es geht um ganz andere Dinge und vor allem, die Kurie ist ja politisch in keiner Weise interessiert. Hier geht es auch nur bei der Entscheidung, welche Künstler ausgewählt werden, geht es ausschließlich um die Kunst. Und natürlich ist die Kunst eingebettet in gewisse Zusammenhänge, aber ich glaube, das ist ganz entscheidend, dass es um die Kunst als Kunst, für die Kunst, zur Kunst geht.

Fabian Burstein

Lassen Sie uns auf dieses Thema gleich noch einmal näher eingehen. Die Kunst, die Kunst, die Kunst und dass es nur um die Kunst geht. Aber noch einmal kurz zur Funktionsweise. Die Kurie. Wer kommt in diese Kurie?

Peter Noever

Naja, die Kurie wird auch bezeichnet als die höchste Auszeichnung, nicht die die Republik vergibt, sondern die höchste Auszeichnung in der Republik. Das heißt, sie ist völlig autonom, ist selbstgesteuert und ist auch zum Unterschied vom Staatspreis. Vorgeschlagen wird die Kurie, also es gibt eine bestimmte Mitgliedsanzahl. Es gibt nämlich Kurie, Inland und Ausland.

Fabian Burstein

Das sind, glaube ich 18, 18 Inland, 18 Ausland.

Peter Noever

Und wenn Sie sich die Liste anschauen, das sind eigentlich sehr interessante, wichtige, maßgebende, Künstler, involviert. 

Fabian Burstein 

Valli Export, Olga Neuwirth, Franz Schuh auch im Ausland, Wolf Briggs, Marina Abramovic im Ausland, Michael Olebeck.

Peter Noever

Entscheidende Künstler, die sozusagen maßgeblich in ihrem Bereich sind. Und daher ist auch sozusagen die Frage, wenn man sich natürlich jeder kann seine Meinung sich selbst bilden, aber ich glaube, es wird etwas überzogen. Die Leute, die in der Kurie sitzen, wissen genau, was sie machen. Also noch einmal zurück auf Ihre Frage. Die Kurie entscheidet entscheidend, wer in der Kurie aufgenommen wird. Das ist kein Politiker, es ist auch nicht der Herr Babler oder jemand anderer, es ist die Kurie selbst. Und es ist so vorgesehen, dass wenn einer, es ist lebenslänglich sozusagen diese Mitgliedschaft in der Kurie und wenn einer stirbt, wird eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger von der Kurie autonom gewählt.

Fabian Burstein

Das heißt, wir haben 18 Personen und wenn jemand nicht mehr ist, stirbt, dann nominiert die Kurie sein...

Peter Noever

Es ist ein Wahlvorgang per Abstimmung und das muss mehrheitlich erfolgen. Und das erfolgt sehr oft einstimmig und natürlich immer mehrheitlich. Und der ist sozusagen, das funktioniert dann bürokratisch so, dass das zuständige Ministerium, da wechseln ja die Namen laufend, das ist jetzt das Ministerium für Küche oder nicht, für Wohnen, Wohnen, Sport, Sex, sehr überfordert jeder Minister, der das macht. Und Kunst kommt auch vor. Also es ist das sogenannte Kunstministerium, das kein Kunstministerium ist, weil es nur unter Fernsten, unter aller Fernsten liefen. Das ist auch irgendwo ein Skandal, dass die Republik Österreich, die sich bei Selbstdeklaration als Kunststaat erklärt, es bis heute nicht zusammengebracht hat, ein Kunstministerium auf die Beine zu setzen. Und ich, ich spreche nicht von einem Kulturministerium.

Ich unterscheide das sehr wohl sehr stark zwischen Kunst und Kultur. Kultur ist das Allgemeine, aber ich glaube, was hier fehlt, wäre ein Kunstministerium. Man tut also den Herrn Babler sicher zu Unrecht, wenn man jetzt in die Schuhe schiebt, dass er da irgendetwas damit zu tun hat. Das Ministerium ist ausschließlich damit befasst, einen Akt zusammenzustellen.

Das kann oft Tage, Monate oder im Falle von Currentzis Jahre dauern, bis so ein Akt fertig ist, gestellt wird. Bei Currentzis war das unter der Herrschaft des ehemaligen Vizekanzlers, Vizekanzler,

Fabian Burstein

es war 2023

Peter Noever

Also Vizekanzler der Grünen Partei, Kogler, Kogler, Kogler, Vizekanzler Kogler, der hat den Akt sehr lange sozusagen unter Verschluss gehabt oder aufgearbeitet, das kann man von außen nicht sagen. Und dieser Akt ist dann dem Bundespräsident vorzulegen.

Und der Bundespräsident gibt dann im Rahmen eines Empfangs, meistens gibt es jährlich einen Empfang für die Kurie für Kunst und Wissenschaft in der Hofburg und im Rahmen dieses Empfangs wird diese Auszeichnung übermittelt.

Fabian Burstein

Und wenn ich das richtig verstanden habe, es gibt quasi die Auszeichnung, dass man dieses Ehrenzeichen der Republik bekommt für Kunst. Und das ist aneinander gekoppelt.

Peter Noever

Das heißt für Kunst und Wissenschaft.

Fabian Burstein

Für Kunst und Wissenschaft. Das ist aber aneinander gekoppelt. Das heißt, ich kann nicht in die Kurie kommen, ohne dieses Ehrenzeichen zu bekommen. Ich kann nicht das Ehrenzeichen bekommen, ohne in die Kurie berufen zu werden.

Peter Noever

Richtig. Aber die Entscheidung trifft sozusagen die Kurie und das Prozedere, also die Vergabe, die Überreichung obliegt dem Bundespräsident der Republik Österreich.

Fabian Burstein

Wie reagieren Sie auf die Kritik, dass das im Grunde ja ein bisschen was feudalistisches hat, wenn nicht von außen jemand vorgeschlagen werden kann, sondern dass der Kreis sich nur aus sich selbst heraus erneuern kann. Das ist ja im Prinzip ein Privileg. Das haben ja nicht einmal Staatsanwälte oder so.

Peter Noever

Ich glaube, das muss man sehr pflegen, auch gerade in einer Zeit, ich gebe Ihnen da völlig recht, das kann man natürlich vehement, könnte man das auch kritisieren oder kann es kritisieren, wird auch kritisiert. Aber im Prinzip ist es natürlich ganz wichtig, dass im Rahmen der Wissenschaft und der Kunst, dass der Einfluss von Politikern, die zum überwiegenden Teil einen sehr kurzfristigen Vorstellung oder Denkmechanismus haben, dass es hier längerfristige Dinge gibt und Dinge, die sich wirklich dann fokussieren, konzentrieren auf das eigentliche Thema, auf die Kunst.

Und das ist dann in dem Fall ist es die darstellende Kunst, die bildende Kunst, die Musik und die Literatur und vieles andere. Und das glaube ich, dass das hygienisch ein ganz wichtiger Punkt ist. Wir leben ja sozusagen in einem Augenblick und einer Zeit, wo alles ist mediokrat, gleichgeschaltet. Es darf niemand sozusagen jemand, der den Kopf rausschlägt, der Kopf ist schon rasiert, der ist weg.

Hier besonders in Österreich ist alles gleich, alles nivelliert, gibt keine Kunst. Künstler werden nicht geduldet, werden nicht akzeptiert. Ein barbarischer Akt in vieler Hinsicht. Und da ist es ganz wichtig, dass es ein Gremium, glaube ich, gibt, das sich konzentriert auf das Eigentliche und sich nicht in der Tagespolitik verästelt.

Und die Kurie ist auch überhaupt nicht in keiner Weise sozusagen berechtigt oder aufgerufen, sich jetzt zu erklären, warum sie etwas macht. Das glaube ich, ist wichtig, dass es so etwas parallel zu allen Vorstellungen von überaus demokratischen anliegen, glaube ich, ist das ganz wichtig, gerade in der jetzigen Zeit, wo alles sozusagen den Bach runterläuft.

Fabian Burstein

Dazu hätte ich aber schon eine Frage, weil die Genese dieser Kurie ist ja eine gesetzliche. Da gibt es ein eigenes Ehrenzeichengesetz und in diesem Ehrenzeichengesetz ist ja diese Arbeit sehr genau auch geregelt und Gesetze sind, sage ich mal, Instrumente der repräsentativen Demokratie und dementsprechend sehe ich da schon eine direkte Verbindung und frage mich natürlich, warum darf sich ein Gremium entkoppeln quasi dieser Willensbildung?

Peter Noever

Ich verstehe nicht ganz genau Ihre Frage. Ich weiß auch nicht, was Sie jetzt genau meinen mit Willensbildung. Wie erfolgt eine Willensbildung in einer Gesellschaft, die ständig manipuliert wird von einer Richtung in die andere? Das müssen Sie mir jetzt erklären, wie diese Willensbildung funktioniert jetzt im Status quo der Republik Österreich. Wer hat den Willen und wer versucht Dinge überhaupt durchzuführen?

Wie schaut der Bahnhof aus, wie schaut der Flughafen aus? Es sind alles Willensbildungen sozusagen auf einer Ebene, wo nichts, nichts mehr passiert. Es gibt überhaupt keine Äußerung. Und das ist sozusagen der Zusammenbruch einer Kommune, wenn es nicht etwas gibt, was über das hinaus gibt, was man kennt. Und daher, glaube ich, ist es noch einmal hygienisch ein wesentlicher Akt, auf den man nicht verzichten sollte oder vielleicht auch gar nicht verzichten kann.

Fabian Burstein

Nein, ich verstehe schon Ihren Ansatz natürlich, dass es unabhängige Instanzen gibt, die quasi nicht ständig in der Verhandlungsmasse der Tagespolitik sind. Gleichzeitig, also dafür sind ja auch Kuratoren da und so weiter. Gleichzeitig frage ich mich,

Peter Noever

Es sind zu viele Kuratoren.

Fabian Burstein

Ja, vor allem, man sieht auch, da gebe ich Ihnen schon recht, man sieht auch an Kuratoren wie dem ORF-Kuratorium, dass die ja dann im Endeffekt auch nicht unabhängig sind,

Peter Noever 

Weder unabhängig noch besonders. Clever, wenn man das ausrichten kann. Es passiert nichts wie ein Hamster im Rad. Das Ganze ist ein Kreislauf, der nichtdurchbrochen wird.

Fabian Burstein

Aber ich muss schon sagen, es ist natürlich schon noch ein sehr selbstbewusster Zugang zu Just wir als Kurie, wir sind der Hort der nicht Manipulation, die wirklich verstehen, wie es läuft und so weiter und so fort.

Peter Noever

Die Kurie hat ja gesellschaftlich, ich meine, die war ursprünglich noch in der Monarchie, hat es ja diese Institution, keine Institution, sondern diese Art der Auszeichnung gegeben, die aber dazu vorhanden war, um sozusagen das Kaiserhaus oder den Kaiser zu beraten in kulturellen und künstlerischen Belange.

Der Bundespräsident, glaube ich, sehr beschäftigt, hat viele andere Dinge zu tun, der braucht jetzt nicht unbedingt die Beratung der Kurie. Also die Kurie, anders ausgedrückt, hat ja keine ihr zugewiesene Aufgabe, die hat sie ja überhaupt nicht. Daher ist Ihre Frage, würde ich einmal sagen, eine absolut rhetorische Frage, die nicht ankommt, weil die Kurie ist ja nirgends eingebunden wo sie sozusagen ein Mandat hat, etwas vorzuschlagen.

Fabian Burstein

Genau dieser Widerspruch oder diese rhetorische Frage tobt in mir natürlich

Peter Noever

alles gut, toben Sie sich bitte aus.

Fabian Burstein

Weil ich natürlich auf der einen Seite sehe, dass es unabhängige Gremien braucht und auch laute Stimmen, die sich auch am Es braucht laute Stimmen.

Peter Noever
Aber die werden sofort fertig gemacht. Besonders hier in Wien, wo alles wird alles gleich gemacht, alles gleich. Und auf dem Zustand sind wir. Und das ist daher Wien ist so etwas wie die Provinzhauptstadt der ganzen Welt. Das muss man immer wieder wiederholen, sonst versteht man es, glaube ich, nicht Genau.

Fabian Burstein

Aber um jetzt mal mein rhetorisches In mir Toben zu Ende zu bringen.

Peter Noever

Finden Sie ein gutes Medium in mir?

Fabian Burstein

Nein, habe ich eben tatsächlich neben diesem Verständnis für Es braucht unabhängige Gremien, die sich nicht sofort ängstlich versteck, stelle ich mir die Frage als Staatsbürger, der sich unglaublich interessiert für Kunst und Kultur, auch daran interessiert ist, dass es solche Auszeichnungsmechanismen gibt, tolle unabhängige Beratungsgremien, frage ich mich ist das nicht zu hermetisch?

Und ich habe noch eine Frage, die mich umtreibt. Sie haben ja gesagt, es geht in dieser Kurie nur um die Kunst. Die Kunst und nichts anderes. Die Kunst. Jetzt habe ich mir, das ist das Privileg, das ich habe, wenn ich Leute wie Sie treffe, Ich muss mich vorbereiten. Gut, habe ich das Ehrenzeichengesetz genau gelesen.

Peter Noever

Sie kennen es wahrscheinlich genauer, als ich es kenne, aber deswegen ist es noch interessanter das Gespräch.

Fabian Burstein

Und da habe ich einen interessanten Punkt gefunden, nämlich den Paragraph, ich glaube 21 ist es, wo sehr genau Ausschlusskriterien auch genannt werden. Also diese Kriterien zum einen, die zur Aberkennung führen, plus.

Peter Noever

Also sprechen Sie was sind die Ausschlusskriterien?

Fabian Burstein

Kriterien. Da steht auch drinnen, diese Kriterien, die zum Ausschluss führen.

Peter Noever

Interessantes Gespräch.

Peter Noever

Das Wichtigste, glaube ich, ist immer, was zum Ausschluss führt. Eine Zeit lang war der Anschluss, jetzt sind wir beim Ausschluss.

Fabian Burstein

Und da sind sehr wohl auch Dinge der persönlichen Lebensführung, nennen wir es mal so, angeführt.

Peter Noever

Wie muss die sein?

Fabian Burstein

Da geht es vor allem, es ist sehr interessant formuliert, vor allem um gewisse strafrechtliche Aspekte. Also das ist das Wichtigste hat im Übrigen, um das vorwegzunehmen, ich glaube, da steht nichts drinnen, was zum Beispiel Currentzis ausschließen würde, also das mal vorausgeschickt, aber.

Peter Noever

Was ist der Ausschluss?

Fabian Burstein

Gewisse Strafdelikte, Sexualdelikte und so weiter.

Peter Noever

Das ist aber überall der Fall, also bei den meisten Kräften.

Fabian Burstein

Ja, aber das sind wir schon an einem sehr interessanten Punkt, weil ich glaube, nach dem hier hätte ein Otto Mühl nicht Teil der Kurie werden können.

Peter Noever

Der Otto Mühl ist nicht Teil der Kurie. Genau. Den Otto Mühl habe ich Ausstellungen gemacht, aber ist nicht Teil der Kurie.

Fabian Burstein

Genau.

Peter Noever

Jetzt reden wir wieder über ganz rhetorisch über Grundsätzliches natürlich emotional eine Gewichtung haben. Verstehe ich, verstehe ich. Aber wir haben die Walli Export zumindest.

Fabian Burstein

Ja, ja, aber es geht, mich interessiert eben Ihr Ansatz, Es geht nur um die Kunst und die Kunst ist von der Person zu trennen. Und das ist nicht der Anspruch, der da zumindest formuliert ist, sondern da steht sehr wohl, die Kunst ist eben nicht zu 100 Prozent von der Person zu trennen. Und die Kurie soll sich auch damit befassen, um bestimmte Aspekte der Lebensführung. Da geht es im Übrigen auch, das liest man ganz klar raus, dass das in der Nachkriegszeit gemacht wurde. Also da geht es auch um NS-Persönlichkeiten, die nicht wieder in den.

Peter Noever

Ich glaube, das ist, ich kenne das jetzt nicht so genau wie Sie, aber ich glaube, das ist der springende Punkt bei dem Ganzen. Aber wenn ich nur eine Sache sagen darf, in Wirklichkeit ist es ja, ist es ja weder sozusagen, weder ein Verein noch eine Stiftung.

Es ist eine sozusagen willkürliche Zusammenkunft von Individuen und die natürlich, und glaube, das ist das Interessante daran, dass es wirklich individuelle Persönlichkeiten sind, die sehr schwer auch auf einen Nenner zu bringen sind. Und das Einzige, der gemeinsame Nenner ist dann die Wahl eines Mitglieds.

Also ich glaube, auch wenn sozusagen das Interesse der Öffentlichkeit ist ja ausschließlich oder der Medien ist ja ausschließlich, so um das irgendwas zu skandalisieren. Aber kein Mensch, kein Medium interessiert sich, was machen die Einzelnen, die haben schon ihre Ausstellungen, die Künstler und so weiter. Aber jetzt die Mitglieder der Kurie, jetzt schauen wir uns einmal an, was macht der? Es interessiert niemand, niemand. Aber jetzt die Currentzis ist, das ist high life. Jetzt haben wir endlich irgendjemand, den können wir da sezieren, auf den Tisch legen und so. Und das, glaube ich, ist unanständig.

Es ist insofern, weil es überhaupt nichts mit der Sache wirklich zu tun hat. Es ist ein mediales Spiel, was man natürlich macht man nicht nur in Österreich, sondern es ist global, aber das ist sozusagen, es geht immer, wenn es keine Skandale gibt, versucht man natürlich solche mit irgendwelchen Mitteln darzustellen.

Und ich glaube, wenn man zurück zu dem Currentzis, ist es natürlich eine eine besonders interessante Figur, weil es jemand ist, der sich oder einer der ganz wenigen, der sich mit klassischer Musik auseinandersetzt und die immer wieder versucht neu zu interpretieren wie niemand anderer. Also eine Persönlichkeit, die umstritten ist, aber durchaus sehr interessant ist im Bereich der Kunst, weil er auch mit der klassischen Musik eigentlich anstrebt, sozusagen ein Gesamtkunstwerk und man muss ihn einfach erleben auch.

Und das glaube ich ist wichtig, dass gerade diese Art, die noch keinen Raum erkämpft hat, so mehrere, also ich finde, bin ich ganz stolz für die Kurie, dass man Leute aufnimmt, die extrem exponiert sind und das ist wirklich die Aufgabe der Kunst. Und da muss ich allen Respekt vor der Kurie, dass sie das geschafft hat, eben einfach mit so viel individuellen Vorstellungen, dass man sich auf sowas einigen kann, auf so eine Persönlichkeit. Es sind ja viele andere Persönlichkeiten, aber wir sprechen jetzt leider nur über den Corensis.

Fabian Burstein

Sie haben finde ich recht, der Mechanismus hatte im Herbst wirklich was Unanständiges, unter anderem auch deshalb, weil tatsächlich, da haben Sie völlig recht, die Genese dieser Bestellung völlig ignoriert wurde. Also das heißt, da hat man gesagt, der Babler hätte vorgeschlagen, dass der Currentzis sein Ehrenzeichen kriegt, den ganzen Prozess dahinter, also was macht diese Kurie, wann war der Vorschlag, mit welchen Begründungen wurde das vorgeschlagen und so weiter. Das hat keine Rolle gespielt, aber deshalb reden wir ja dazu. Und das ist ja das Spannende, wenn.

Peter Noever

Ich nur sagen darf, interessant ist, dass die Medien, also bei allen Respekt, aber es gibt eigentlich keine Research, also dass man jetzt, ich bin ja nicht dazu da, den Herrn Babbler zu verteidigen, aber der hat damit überhaupt nichts zu tun und dass das der gemeinsame Nenner ist und dass keiner, keiner der Journalisten die Seiten, Seiten schreiben, also ob die in München sitzen oder in Amsterdam oder in Wien sie schreiben, aber keiner macht sich die Mühe festzustellen, was wirklich passiert ist.

Und das ist das, was ich meine. Wir leben in einer Zeit einer sehr starken Manipulation, wo es sehr schwierig ist, überhaupt herauszufinden, um was es geht.

Fabian Burstein

Da gebe ich Ihnen recht. Das ist der Grund, warum ich mich auf das Gespräch mit Ihnen sehr gefreut habe und auch dankbar bin, dass Sie da hergekommen sind, weil mich das eben auch umgetrieben hat, dass man nicht die strukturellen Hintergründe so einer Benennung beschrieben hat. Und darüber kann man ja eine interessante Debatte führen.

Ich finde, dass Sie die Rolle der Kurie fast da ein bisschen kleiner machen, als sie ist. Ich bin nämlich der Meinung, dass die Kurie groß auch politische Symbole aussetzt und ich verstehe, was sie sagen. Das ist im Übrigen auch eine Diskussion, die ich mit Currentzis Kritiker innen auch schon geführt habe. Ich verstehe, was sie sagen auf der künstlerischen Ebene.

Ich verstehe aber auch, dass da eine große politische Symbolkraft dahintersteckt. Und gerade von der Kurie hätte ich gedacht, dass das interessanten Debatten mündet, wie dieses Verhältnis gegeneinander wirkt, miteinander wirkt, wie man damit umgeht. Also ich finde, man hat auch, da muss ich auch die Kurie kritisieren, die Chance liegen gelassen, mal grundsätzlich zu besprechen, wie gehen wir mit solchen Themen eigentlich um. Wir sehen das, aber wir wollen auch mitdiskutieren, wie wir damit umgehen.

Peter Noever

Wie gesagt, nur so gestreift. Es berührt mich sehr, was Sie sagen, aber die Kurie ist natürlich kein Körper, kein juridischer Körper. Es ist keine Aktie, keine ag, ist keine GmbH, kein Verein und hat eben, es ist eine lockere Zusammenfindung und Zusammenkunft von wirklich extrem unterschiedlichen Individuen. Und ich glaube, das ist auch das Interessante und das Entscheidende an der Kurie. Aber die ist jetzt nicht dazu angetan, sozusagen sich diesen Diskurs, das wäre vielleicht, ich glaube, das wäre sicher interessant und ich kann jetzt auch nicht und möchte auch nicht jetzt sozusagen das völlig vereinheitlichen. Da gibt es einfach unterschiedliche Meinungen. Ich sehe mich auch jetzt nicht als der Sprecher im traditionellen Sinn, sondern es ist auch sehr stark meine Vorstellung, aber auch die natürlich akzeptiert ist.

Aber ich glaube, dass jeder zu, obwohl glaube ich, ein gemeinsamer Nenner ist, dass man auch Kunst, wenn sie noch so spröde, wenn sie noch so weit, so abseits von dem Gewohnten liegt, dass die Mitglieder der Kurie in einem höheren Maß interessiert, sich mit solchen Personen zu beschäftigen. Und das sieht man auch an der Auswahl der Kurie. Aber das könnte man erwarten. Aber ich glaube, das ist, vielleicht ist es auch ein Prozess, der der länger dauert. Aber im Prinzip, auch wenn sie die Kurie, wenn sie das rückblickend weiß ich die letzten 20-25 Jahre sind eher die Staatspreisträger sind dann eher in die Öffentlichkeit gegangen als die Kurie, wenn ich das so richtig sehe. Ich habe nachgeschaut, sie sind erst 1997, glaube ich, bestellt worden.

Peter Noever

Kann sein, weiß ich jetzt nicht auswendig, aber vielen Dank für alle Ihre Hinweise.

Fabian Burstein

Sie feiern jetzt bald 30-jähriges Kurienjubiläum.

Peter Noever

Ich feier mehrere Jubiläen, erschreckt mich sehr, aber okay, danke.

Fabian Burstein

Und Sie haben dementsprechend, das ist natürlich ein Fundus, weil Sie haben nicht nur diese Arbeit erlebt als Vorsitzender, sondern auch als Kurien Mitglied. Sie haben extrem viele Entwicklungen mitgemacht, unterschiedliche Persönlichkeiten erlebt. Erzählen Sie doch einfach einmal, wie verläuft diese Arbeit? Kommen Sie, Ist das so, dass man sagt, wir treffen uns jetzt einmal im Jahr in einem abhörsicheren Raum und dann reden wir zur Lage, der es gibt.

Peter Noever

Also ich muss enttäuschen, es gibt keinen abhörsicheren Raum, das weiß man in der Zwischenzeit. Das wäre ganz interessant, aber das wäre glaube ich, sozusagen.

Fabian Burstein

also wie machen Sie das?

Peter Noever

Im Prinzip hat es immer Zusammenkünfte gegeben, wo sich locker und wir haben jetzt seit seit zwei Jahren oder eineinhalb Jahren machen, haben wir einen Jourfic, das heißt, wir treffen uns jourfix kann man auch sagen.

Ist das schon sehr abgenutzt, oder? Aber ich glaube, es ist als Kommunikation intern ganz gut, wenn man weiß, wann man sich alle zwei Monate trifft man sich also sechsmal im Jahr und die sind ja sehr viele, sind sehr beschäftigt und sind auch sehr viel unterwegs. Also es ist auch unterschiedlich und es werden aber alles über diese Zusammenkünfte informiert. Ich weiß nicht, welches Gespräch sie mit mir jetzt führen soll.

Fabian Burstein

Ich bin oft einfach an unterkomplexen Informationen interessiert.

Peter Noever

Aber man trifft sich und das hat natürlich eine große Bandbreite. Es ist sehr humorvoll, es ist sehr ernsthaft und so wie eben ein Spiegelbild der Gesellschaft, da ist nicht.

Fabian Burstein

Entschuldigen Sie, dass ich weiterfrage. Und wie machen Sie das? Machen Sie dann so eine Art Tagesordnung?

Peter Noever

Gibt alles. Es gibt auch was, was man sich so vorstellt, ist ja besser, man stellt sich Dinge vor, Man muss ja nicht immer, man kann viele Dinge erahnen, muss nicht alles wissen, aber es ist kein Geheimnis, das ist keine geheime.

Fabian Burstein

Und Da kommt dann zum Beispiel der Moment, was weiß ich, im Jahr 22 oder so, jetzt nur um, jetzt kommt dann zum beispiel der Moment, dass der Vorsitzende sagt damals noch der Wolf D. Prix, sehr bekannter Architekt, dass der okay, wir müssen ein neues Mitglied nachbesetzen, ich habe da jetzt ein Vorschlagsrecht oder fragt in die Runde, möchte jemanden vorschlagen.

Peter Noever

Im Prinzip hat jeder das Vorschlagsrecht und das wird auch sozusagen noch in meiner Erinnerung, wird auch sehr ausgenutzt. Die Vorschläge kommen von unterschiedlichsten Mitgliedern. Also der Vorsitzende hat nichts anderes zu tun, als darauf aufmerksam zu machen, dass man jetzt endlich das nachbesetzen muss.

Und es hat zum Beispiel die Kurie für Wissenschaft, wo der Herr Zeilinger kürzlich mit dem Nobelpreis also noch einen Preis ausgezeichnet, der ist sozusagen der Vorsitzende der Wissenschaftskurie und die haben jetzt, glaube ich, längere Zeit nicht nachbesetzt. Und bei diesem jüngsten Empfang beim Bundespräsidenten sind dann ich kann jetzt nicht die Zahl genau sagen, aber es waren mindestens 10 neue Mitglieder der Kurie Wissenschaft, die da vorgestellt wurden.

Fabian Burstein

Das war quasi ein Grosseintritt in die Kurie.

Peter Noever

Es war sozusagen ein Grosseintritt, weil entweder sind alle auf einmal verstorben oder hat sozusagen das Prozedere länger gedauert oder war der Vorsitzende der Kurie mehr mit dem Nobelpreis dadurch belastet und beschäftigt, dass er sich nicht die Zeit nehmen konnte? Das weiß ich nicht.

Fabian Burstein

Ich habe bereits in meinem Intro gesagt, dass Sie diese leidenschaftliche Obsession ja zu ihrem...

Peter Noever

Das haben Sie gesagt.

Fabian Burstein

Das stimmt, übrigens, haben Sie mal über sich gesagt.

Peter Noever

Also habe ich recherchiert, aber Sie wissen, Recherchen muss man gründlich machen.

Fabian Burstein

Stimmt. Darum habe ich Sie gleich darauf angesprochen.

Peter Noever

Wir können über alles reden.

Fabian Burstein

Wenn dann jetzt so eine Personalie kommt, die umstritten ist, machen wir es ganz allgemein, machen es gar nicht jetzt nur an der Person kohärent, Wir haben ja.

Peter Noever

Schon konkrete Sache, dann ist es ganz gut, wenn wir allgemein .

Fabian Burstein

Gut dann machen wir es an der Personalie fest.

Peter Noever

Ich finde es allgemein ist es offener, weil da ist es dann immer aber wie Sie wollen.

Fabian Burstein

Gut.

Peter Noever

Also Sie führen das Gespräch und ich unterwerfe mich gut, gehen wir.

Fabian Burstein

Das kann ich mir nicht vorstellen.

Peter Noever

Das machen wir jetzt eine halbe Stunde, Aber.

Fabian Burstein

Na gut, da habe ich aber noch nicht viel von Unterwerfung gespürt, Gott sei Dank, oder?

Peter Noever

Also wir sind ja demokratisch hier unterwegs.

Fabian Burstein

Gibt es dann auch, nehme ich an, noch kontroverse Diskussionen, weil dafür ist ja Kunst da, dass man richtig auch herzhaft streitet, oder?

Peter Noever

Ja, absolut.

Fabian Burstein

Also das ist da nicht so eine in Watte gepackte.

Peter Noever

Es ist unterschiedlich natürlich, aber ist klar und das ist glaube ich weniger beim Currentzis, sondern bei anderen Dingen gibt es natürlich sehr, sehr unterschiedliche Vorstellungen. Das sind ja auch einfach die Bereiche, das sind exzellente Filmemacher, der Kubelka sozusagen weltweit sein ganzes Leben damit beschäftigt, 16 Minuten Film zu machen, aber die muss jemand einmal machen und schwört auf eine ganz bestimmte und konnte sich durchsetzen mit seiner Vorstellung und es war sicher nicht leicht und hat unterrichtet im Städel in Frankfurt auf amerikanischen Universitäten.

Also das sind interessante interessant, die alle etwas zu sagen haben und das ist manchmal sehr schwierig natürlich das unter einem Hut oder unter einem Nenner zu bringen, aber das ist auch gar nicht die Aufgabe der Kurie sich da.

Fabian Burstein

Könnte ich jetzt als Kunstinteressierter Sie bitten zum Beispiel, dass ich sage, kann ich die Protokolle sehen, weil mich interessiert das einfach brennend oder ist das ganz vertraulich?

Peter Noever

Das können sie natürlich absolut nicht, weil bei einer Aktiengesellschaft oder so, also da müssen sie Aktien haben und bei der Kurie müssen sie halt Mitglied, aber das würde auch keinen Sinn machen, da würden Dinge dann besprochen werden, die ja nichts anderes sind als ein Dialog und das ist natürlich ein Fressen für die Medien.

Da können sie zwei Jahre wieder leben, aber ich kann sie beruhigen, diese Protokolle sind harmlos und es wird auch nicht, wird sicher wahrscheinlich, ich protokolliere ja nicht, es wird sicher nicht alles protokolliert und das ist gut so.

Fabian Burstein

Und eine Sache und da habe ich gehofft, Sie können mich da aufklären, wie das funktioniert. Ich habe mir das dann alles genau durchgelesen und ich sehe das immer.

Peter Noever

Erschreckend, aber angenehm.

Fabian Burstein

Die Kurie kann vorschlagen, wissen Sie zufällig könnte theoretisch der zuständige Bundesminister ihren Vorschlag ablehnen. Naja, die können das absolut nicht ablehnen, nur formal. Sie haben das schon angesprochen. Was gibt es für Gründe, jemanden aus der Kurie zu entfernen? Und das Gleiche betrifft natürlich auch, wenn man es ist ein juristischer Akt natürlich, dann kann man sagen, der oder der ist gar nicht mündig oder was immer bei der Kunst ist man leichter, sagt man das unmündig, was macht der eigentlich ist es nicht zu verstehen und so.

Also da ist man aber ich glaube, das ist grundsätzlich so, das ist auch nie vorgekommen. Meines Wissens ist das nie vorgekommen und ich hoffe auch, dass das nie vorkommt, weil ich glaube, das muss schon möglich sein, dass wenn und wenn Sie sich einfach die Liste der Künstler anschauen, auch international, das sind alles Menschen, die sozusagen, in der Kurie geht es ja auch immer um ein Gesamtwerk, deswegen sind ja junge Künstler, was ich schade finde. Aber das ist natürlich sozusagen die Vorstellung der Kurie oder auch die Satzungen, dass das Lebenswerk ausgezeichnet wird. Und das ist meistens bei Bob Dylan war das vielleicht schon früher erkennbar oder bei manchen, Aber normalerweise kann man das erst ab einem gewissen Alter.

Fabian Burstein

Ich verstehe, was Sie sagen. Also das ist schon so eine, sagen wir mal, ein Mantra, das sich die Kure selbst gegeben hat. Wir tun jetzt nicht irgendeine zeitgeistige positive Entwicklung auszeichnen, sondern wir sagen, da muss ein Lebenswerk da sein bis zu einem gewissen Grad.

Peter Noever

Und das ist auch abseits von modischen Strömungen, also eine verbindliche. Deswegen glaube ich auch, dass man das jetzt in der Bewertung oder Beurteilung oder dem, was man den zuschreibt, der Kurie, muss man das berücksichtigen.

Es ist ein Unterschied, ob man jetzt 30-jährige Künstler, die sozusagen versuchen, sozusagen die Gesellschaft platzulegen zu verändern, passiert heute ja leider nicht, Aber es geht schon um einen nicht Abschluss, will ich es nicht sagen, aber immerhin eine Darstellung eines Werkes, was nachvollziehbar ist.

Fabian Burstein

Jetzt möchte ich natürlich, weil ich sie immer, seit ich jung bin, als Homo Politikus auch wahrgenommen habe, also als jemand, der auch kulturpolitisch mitredet, nicht nur kunstpolitisch, sondern kulturpolitisch.

Peter Noever

Na gut, es hat aber mit dem Land zu tun, weil das ja schreckende Entwicklungen hier immer sind, immer wieder.

Fabian Burstein

Jetzt mal einfach wirklich ganz unter uns diskutiert.

Peter Noever

Wie bei uns, aber hören ja dann noch stimmt, ganz unter uns ist nicht.

Fabian Burstein

Oder nennen wir es ad Personen diskutiert, also gar nicht jetzt mal nur in ihrer Funktion, sondern Sie als Homo Politikus, als die, als diese Debatte im Herbst aufgekommen ist. Haben Sie in Ansätzen verstanden, dass man sich daran stößt oder war das für Sie einfach nur wieder ein Hinweis dafür, was Sie gesagt haben, dass es nur noch Einheitsbrei gibt?

Peter Noever

Na, ich glaube, das ist eine grundsätzliche Geschichte, wo man das ist auch das Problem der Demokratien heute. Ich glaube, das muss man noch schärfen, die Demokratie, aber man muss einen gewissen Freiraum sich erkämpfen und der ist ganz wichtig, dass Dinge möglich sind, wo die Allgemeinheit das nicht sofort wahrnehmen kann und sonst kann sich die Demokratie auch nicht weiterentwickeln. Und das sieht man jetzt in anderen Ländern oder in anderen Kontinenten und so.

Und ich glaube, dass das ganz wichtig ist, dass man einfach das Experiment und Kunst ist Experiment, immer wenn es Kunst ist und Kunst ist natürlich auch politisch in dem Sinn, dass es eine Stellung bezieht, aber sehr wohl hat das nichts zu tun mit Tagespolitik oder mit Einschreibungen. Was man sagen darf. Also man darf heute sozusagen, das haben wir zuerst, das ist ja auch diese Geschichte mit dem Currentzis, ist sozusagen die Tabuisierung einer Nation Russland. Also das darf man, wenn man sagt Russland, sagt man Putin Versteher.

Ich glaube, man muss auch dringend, dringend versuchen, aus dieser Kriegsgeschichte herauszukommen. Ich glaube nicht, dass die Kunst jetzt die Welt retten kann, aber ich glaube sehr wohl und bin überzeugt davon, dass es nicht nur militärische Lösungen gibt und muss zumindest zumindest parallel, gleichzeitig gibt es überhaupt keine Diplomaten mehr. Was machen die sind die Früchtigen und Jausenern, also gibt es da nichts mehr und wir fokussieren uns jetzt nur mehr Und jeder kleine Politiker, auch hier in diesem Land, hat nur mehr militärische Strategien.

Also das ist unangenehm grauenhaft, wenn man nur die Nachrichten hört, wie sich die Leute gebärden. Also jeder weiß, wie man Kriege führt, aber keiner weiß, wie man sie beendet.

Fabian Burstein

Ich habe jetzt teilweise Ihnen bei Ihrer Medienkritik auch zugestimmt.

Peter Noever

Es war keine Kritik. Im Gegenteil.

Fabian Burstein

Ich muss nur an einer Stelle ein bisschen die mediale Debatte zu dieser Cause in Schutz nehmen. Das Problem.

Peter Noever

Aber vielleicht können Sie mich einmal in Schutz nehmen.

Fabian Burstein

Ich nehme sie die ganze Zeit, ich tue die ganze Zeit mich hineinversetzen, wieder den Kontrapunkt einnehmen. Es ist ein Hin und her.

Peter Noever

Bin sehr berührt. Vielen Dank.

Fabian Burstein

Und meiner Wahrnehmung nach ging es ja jetzt zum Beispiel bei der Causa Currentzis gar nicht um, wie sich der jetzt positioniert zu Putin oder Russland so verstanden habe, sondern es geht ja um gewisse nachweisliche finanzielle Verstrickungen.

Peter Noever

Ja gut, das Gleiche. Ich meine, es sind gewisse Nachweise. Ich glaube, ich möchte mich in diese Geschichte nicht. Ich weiß nicht, ob man das so endgültig alles erklären kann, Selbst wenn.

Also eines glaube ich, kann ich sagen, auch im Rahmen der Kurie und im Einverständnis mit allen, dass es wirklich gegangen ist und man darf nicht vergessen, dass darstellende Künstler, auch Schauspieler, die können zum Unterschied von Literaten, die brauchen halt Orchester, sie brauchen einen Regisseur, sie brauchen ein Team und das ist einfach notwendig, um seine Kunst machen zu können und das muss man endlich einmal und ob die da und da und weiß ich nicht, alles sehr schön, aber es wird Russland weitergeben, die Kultur, auch wenn es Putin nicht mehr gibt. Man muss ein bisschen, zumindest eine Sekunde über den Zaun denken und über die Zeit hinaus.

Das ist erbärmlich. Es ist wirklich erbärmlich und das führt immer zu neuen Konflikten, zu einem absoluten Unsinn. Und deswegen die Kunst, die muss man wirklich einmal in Ruhe lassen und es ist völlig okay, was hier passiert ist. Da passiert gar nichts. Nichts ist passiert. Es tut niemandem weh. Es ist nur irgendein Unsinn hat jemand in die Welt gesetzt und es ist verpflichtend für alle. Das geht nicht. Das ist auch sehr undemokratisch.

Fabian Burstein

Also da sind Sie jetzt sehr streng.

Peter Noever

Ich bin überhaupt nicht streng, im Gegenteil, ich versuche mich nur zu wehren.

Fabian Burstein

Ja, ja, nein, nein, aber das, also ich glaube schon und ich find, da darf man und vielleicht haben Sie da wirklich auch eine andere Meinung, da darf man der Kunst auch meiner Meinung nach mehr zutrauen.

Also nämlich, dass man sagt, wenn man diese Entscheidung trifft und vielleicht ist das ja die positive Ableitung aus dem, was Sie da beschreiben, dann muss man sagen, oder kann man sagen, legt das auf den Tisch, die Rahmenbedingungen erkennt auch meiner Meinung nach muss man auch anerkennen, dass über die VTB Bank etc., dass es diese Verstrickungen gibt.

Peter Noever

Also ich kenne die Bank, bitte tun Sie mich nicht mit diesen Dingen, muss der gleiche Unsinn, den ich ununterbrochen lese, da gibt es Spezialisten, die wissen genau, wie viel Konto einzahlt und das wissen die alles. Wir wissen das nicht, es interessiert uns nicht, sondern es ist ein Ausnahmekünstler der Currentzis und stopp aus mehr ist nicht zu sagen.

Fabian Burstein

Wir haben das ja schon ein bisschen hergeleitet. Deshalb meine Frage, muss vielleicht das Profil der Kurie einfach noch mehr geschärft werden? Wie gesagt, da widerspreche ich Ihnen ja, dass die Kurie per se unpolitisch sein soll oder muss sogar, das glaube ich nicht. Also ich glaube, das ist so nicht gedacht. Das heißt, das kann ja eine positive Ableitung sein, dass man sagt, okay, man muss einfach die Aufgaben schärfen, man muss die Kurie vielleicht bewusst von gewissen Aufgaben entbinden denn eins, ich glaube, da sind wir uns einig, es herrscht offenbar eine Rollendiffusion, um es jetzt mal hochtrabend zu sagen, dass man nicht weiß, was ist das Selbstverständnis der Kurie, was ist das Fremdverständnis, was hat sie für Aufgaben, wie schaffen wir es, diesen Diskurs, den sie vielleicht intern total konstruktiv führen, auch in die Gesellschaft zu tragen, dass die an diesem Diskurs teilhaben kann.

Peter Noever

Ich glaube, es hängt natürlich immer von den handelnden Personen ab. Also man kann die Kure per se, aber es ist sozusagen die, das Kräfteverhältnis, wie eine Kurie, das hat jeder Zeitpunkt wahrscheinlich hat das ein anderes Output oder eine andere Vorstellung, eine andere Äußerung. Ich gebe Ihnen völlig recht, ist auch ein interessanter Faktor, aber ich glaube nicht, dass das realistisch ist für das ist ja nicht, wenn man sich nur überlegt, wie die Zusammenstellung ist, das ist ja nicht einmal, also man kann es ablehnen, wenn man sozusagen vorgeschlagen wird für die Kurie, jetzt glaube ich, ist der Franz Schuh, zwei neue, also kann man das ablehnen, aber im Prinzip ist es dann eine sehr unterschiedlich gewürfelte Zusammenfindung und es ist eben genau das Gegenteil von allen anderen, wenn ich das so sagen darf. Ich glaube auch der Staatspreis funktioniert ganz anders, ohne mich da jetzt in allen Details, dass ich informiert bin. Aber die Kurie ist wirklich ein spezieller Fall und ich kann mir vorstellen, dass man sich das wünscht oder so, dass die Kurie da in das Geschehen einschreitet. Das glaube ich ist weder machbar noch die Intension.

Fabian Burstein

Aber eine Debatte zur Rolle ist doch spannend, auch für die Kurie. 

Peter Noever

Aber ja, wir haben ja jetzt sozusagen, wir haben eine Friedenskonferenz gemacht, haben die japanischen Friedensnobelpreisträger 94 eine Zuschaltung, einen Livestream versuchen auch die Kurie, also die in- und ausländische, auch das ist absurde Trennung, wenn man sagt Inland und Ausland, aber es ist eine Trennung, wo die Politiker jetzt ja ganz scharf sind.

Es wird immer mehr getrennt. Es wird ja alles getrennt, es wird nur mehr getrennt. Und das ist, wenn man sagt Inland, Auslandscorps, wir versuchen das zu homogenisieren, irgendwie zu vereinen und haben jetzt immer wieder Livestreams mit den ausländischen Mitgliedern vor zwei Monaten mit den Architekten in Los Angeles.

Also das ist, glaube ich, da ist schon ein Prozess einfach um diese Dinge und das ist eher ein Prozess, der heute politisch eine absolute Isolierung die Vorstellung ist, dass man alles sozusagen immer mehr isoliert.

Ist das nicht wichtig in diesem Zusammenhang? Aber ich glaube, es ist wichtig, dass man, wenn es schon diese wild zusammengewürfelte, diesen Körper gibt, dass man versucht, das ein wenig auszunützen untereinander.

Fabian Burstein

Jetzt mache ich das, was Sie von mir gerade gefordert haben, Sie verteidigen. Es gibt nämlich eine Sache, die finde ich sehr bemerkenswert im positiven Sinne. Ich habe mir die Kurienmitglieder angeschaut und mir ist aufgefallen, dass da ein sehr großer Anteil wirklich an angewandten Künstlern ist.

Peter Noever

Ich weiß nicht, was ein angewandter Künstler ist, aber das erklären Sie mir gerne. Das ist, glaube ich, ein Widerspruch in sich.

Fabian Burstein

Menschen, die vielleicht,

Peter Noever

ich verstehe ja was Sie meinen

Fabian Burstein

In einem elitären Kunstbild.

Peter Noever

Es gibt keine angewandte Kunst. Ja, aber ich hab versucht, die Kunst dort einzuführen, wird wieder ausgeführt.

Fabian Burstein

Das angewandte haben.

Peter Noever

Ein Kunstmuseum ohne Kunst ist ein Problem und angewandte Kunst muss man sich einmal überlegen, was das sein könnte.

Fabian Burstein

Gut, also meine Beobachtung ist jedenfalls diese starke Verankerung auch in, eh in so Felder wie zum Beispiel Modedesign, dass der Helmut Lang Teil der Kurie ist oder die Elfie Semutan, über die ich mal ein großes Porträt geschrieben habe, dass die als Fotografin auch Teil der Kurie ist. Das finde ich sehr bemerkenswert und gut und wichtig und richtig. Ist das ein Akzent, den Sie sozusagen auch mitbegleitet haben?

Peter Noever

Also wenn ich das sagen darf, es haben alle mitbegleitet. Also das ist jetzt nicht spekulativ, was ich sage, sondern das ist tatsächlich so. Elfi Semutan wäre nicht in der Kurie, wenn nicht die überwiegende Mehrheit.

Und das ist nie sozusagen nur mit einer Überstimmung. Es war immer fast einstimmig und ich weiß nicht, vielleicht war es bei ihr einstimmig, das kann ich nicht sagen, Aber im Prinzip sind das Zeichen, die man auch Patti Smith oder so, das sind.
Glaube ich, so seit 10, 15 Jahren.

Das hat aber auch sehr stark versucht, aber da war andere Konstellation der Roland Rainer, das Ganze ein bisschen aufzufrischen, dass es nicht so ein alter Herrenclub ist. Und ich glaube, das sind auch, dass man der Anteil von Frauen ist nicht übermächtig, aber es ist relativ ein guter Anteil, aber es geht ja weder um Männer, um Männer schon gar nicht und auch nicht um Frauen, sondern es geht um Künstlerinnen und Künstler auch das ist glaube ich ganz wichtig. Da war nie die Idee, dass man da jetzt irgendeine Quote erfüllt, sondern es war immer die Idee, dass man den Auftrag erfüllt, die besten, die allerbesten, die interessantesten Künstler hier zu gewinnen. Das war die Idee.

Fabian Burstein 

Lieber Herr Noever.

Peter Noever

Wir können sagen növer oder no ever oder es gibt da noch viele Spielvarianten, aber an sich mir ist es egal. Aber im Prinzip "Növer" ist sozusagen das Übliche.

Fabian Burstein

Interessant.

Peter Noever

Sie können aber auch no ever. So könnte man es abschließen.

Fabian Burstein
Also fad wars...

Peter Noever

Ich würde es jetzt nicht übernehmen.

Fabian Burstein
Vielen lieben Dank für eine wirklich alles andere als langweilige Dreiviertelstunde.

Peter Noever

Ich habe mich bemüht, es so langweilig wie nur möglich zu machen.

Fabian Burstein

Ist Ihnen nicht gelungen. Jedenfalls herzlichen Dank und auch vielen Dank, dass Sie zu dem Thema einfach mit mir so ausführlich gesprochen haben. Ist auch nicht selbstverständlich.

Peter Noever

Danke, my pleasure. Danke, danke.

Autor:in:

Fabian Burstein

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.