Die Dunkelkammer
Hocheggers „Schattenrepublik“ #9: Live aus der Kulisse Wien

Fotocredit: Katharina Pagitz

Von Michael Nikbakhsh. Die 270. Ausgabe der Dunkelkammer erscheint am 24. Dezember - und da lassen wir uns nicht bitten. Es ist der fast zweistündige Mitschnitt einer Dunkelkammer-Aufzeichnung vor Publikum.

Am 21. Dezember saßen Peter Hochegger, Stefan Kaltenbrunner und ich zum mittlerweile sechsten Mal gemeinsam auf der Bühne der Kulisse Wien, um über Hocheggers „Schattenrepublik“ zu sprechen. Das Haus war abermals voll, die Stimmung gut, das Interesse an den Erzählungen des Lobbyisten scheint ungebrochen.

Nun verdichten sich auch die Hinweise, dass unsere Serie zu Hocheggers „Schattenrepublik“ kommendes Jahr eine Fortsetzung findet. Und das hat mit Walter Meischberger beziehungsweise mit Meischbergers Anwalt Michael Dohr zu tun. Was genau, das gibt es hier zu hören.

Ich darf mich im Namen des Dunkelkammer-Teams bei allen Hörerinnen und Hörern für das fortgesetzte Vertrauen bedanken.

Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr!

Wir sind ab Jänner wieder da und haben uns für 2026 einiges vorgenommen.

Michael Nikbakhsh

Herzlich willkommen zur 270. Ausgabe der Dunkelkammer. Mein Name ist Michael Nikbakhsh und mit dieser Episode lege ich den Hörerinnen und Hörern der Dunkelkammer Hohoho ein kleines Packerl unter den Weihnachtsbaum. So vorhanden. Die heutige Ausgabe ist wieder ein Mitschnitt einer Dunkelkammeraufzeichnung vor Publikum. Am 21. Dezember waren Peter Hochegger, Stefan Kaltenbrunner und ich wieder gemeinsam auf der Bühne der Kulisse Wien, Stichwort Hocheggers Schattenrepublik. Wir waren dazu mittlerweile sechsten Mal und dennoch war die Hütte voll.

Das hat uns dann doch ein wenig überrascht. Aber das Interesse an Hocheggers Erzählungen scheint ungebremst. Peter Hochegger saß übrigens noch ohne Fußfessel, da er schätzt, dass er diese im März oder April kommenden Jahres bekommt. So oder so verdichten sich die Hinweise, dass unsere Serie zu Hocheggers Schattenrepublik eine Fortsetzung findet. Und das hat mit Walter Maischberger bzw. Mit Maischbergers Anwalt Michael Dohr zu tun. Was genau, das spoilere ich jetzt nicht, denn das und noch viel mehr, das gibt es gleich zu hören. Ich darf ganz unabhängig davon ankündigen, dass Stefan Kaltenbrunner und ich an einem neuen Dunkelkammer Live Format arbeiten, das wir ab dem kommenden Jahr ebenfalls in der Kulisse Wien ausspielen werden. Ein Dank an dieser Stelle an Direktorin Alexa Oetzlinger und ihr Team. Ein Dank an euch, die Hörerinnen und Hörer der Dunkelkammer für das Vertrauen und die viele Zeit, die ihr mit uns im Ohr verbringt. Ich darf im Namen des Dunkelkammerteams eine gute Zeit und ein bisschen Einkehr wünschen. Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr. Wir sind ab Jänner wieder da. Bleibt uns gewogen. Wir haben uns für 2026 einiges vorgenommen. Und jetzt ab in die Kulisse. Wien zu Peter Hocheggers Schattenrepublik.

Stefan Kaltenbrunner

Peter, bevor wir anfangen und ein bisschen in deine Biografie eintauchen, müssen wir mal klären, was ist eigentlich die Schattenrepublik? Ist das ein Geheimbund, der die Geschicke des Landes so von dunklen Kanälen aus regiert, oder sind das eher lose Interessensverbände, die sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern?

Peter Hochegger

Letzteres Ich habe die Schattenrepublik von mir abgeleitet, nämlich von meinem Erfolgsstreben, von meiner Gier. Und wenn man so denkt, dann trifft man auf Gleichgesinnte. Und dieses Aufeinandertreffen von Gleichgesinnten findet in unterschiedlichen Variationen in unserem Lande statt. Und viele dieser Begegnungen habe ich dann auch anhand von Beispielen im Buch beschrieben.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt eher lose Interessensverbände und keine dunklen Mächte, die uns da regieren

Peter Hochegger

Es treffen Menschen aufeinander, die zum eigenen Vorteil Dinge aufsetzen und die dann meistens zum Nachteil der Allgemeinheit sind.

Michael Nikbakhsh

Sie werden heute einige Namen hören, ich darf vorausschicken, soweit wir sie namentlich nennen. Da geht es konkret um Unternehmen und Personen. Diese wurden im Zusammenhang mit der Erstellung des Buches alle angefragt. Da wo es nicht geht, werden wir medienrechtlich werden wir anonymisieren. Peter fliegen wir mal durch deine frühe Biografie. Geboren 1949 im steirischen Mürzzuschlag.

Stefan Kaltenbrunner

Ja, Zuschlag.

Michael Nikbakhsh

Aufgewachsen in Mürzsteg.

Peter Hochegger

Genau.

Michael Nikbakhsh

Fürstenfeld zur Schule gegangen, dann HTL in Waidhofen an der Ybbs, dann BWL Studium in Wien und daraufhin dann die ersten unternehmerischen Gehversuche, auf die wir gleich zu sprechen kommen. Am Ende dieser unternehmerischen Karriere standen dann zwei rechtskräftige Haftstrafen wegen korrupter Taten. Dazu kommen wir dann auch noch. Aber um die Person Hochegger und auch dieses Land letztlich besser zu verstehen, empfiehlt sich meines Erachtens ein Blick auf die vielfältigen Mitgliedschaften des Peter Hochegger. Peter Hochegger war im Laufe seines Lebens als junger Mann schlagender Burschenschafter. Dann war er bei der SPÖ Mitglied, dann war er bei der FPÖ Mitglied. Er hat bei Scientology mitgemacht und Freimaurer war er auch. Peter Was erzählt das über dich?

Peter Hochegger

Das Leben ist eine spannende Lernreise und ich bin dankbar dafür, dass ich an vielen Stationen lernen durfte. Aber du hast mich gefragt, wo ich noch nicht dabei war oder nicht dabei war.

Michael Nikbakhsh

Peter, wo warst du nicht dabei?

Peter Hochegger

Ich war nicht bei der ÖVP.

Stefan Kaltenbrunner

Aus moralischen Gründen, nehme ich an.

Peter Hochegger

Die war mir nie sympathisch.

Stefan Kaltenbrunner

Peter, wir müssen aber bei dieser Biografie, glaube ich, auf zwei Punkte eingehen. Erstens SPÖ und FPÖ. Du warst damals ein glühender SPÖ Anhänger, hast Bruno Kreisky selbst getroffen, warst begeistert von ihm und plötzlich wechselt der Peter Hochecker zur FPÖ. Warum eigentlich? Ich mein, heute ist das ganz normal mittlerweile. Damals war das schon ein bisschen etwas Ungewöhnliches.

Peter Hochegger

Im letzten Schuljahr in Waidhofen an der Ybbs sitze ich bei meinem Bruder im Kaffeehaus im Hotel Inföhr. Die Tür geht auf und Bruno Kreisky kommt mit einem Tross herein, geht von Tisch zu Tisch, begrüßt die Leute, verwickelt sie in ein kurzes Gespräch und dann schaut er zu unserem Tisch herüber, sieht meinen Bruder und mich und kommt schnurstracks auf uns zu und wie es uns geht und was wir da machen und ob wir uns eh seinen Vortrag anhören.

Und hatten wir nicht vor, haben aber dann ja gesagt. Und dann war für mich die Frage, warum ist er gerade zu uns hergekommen? Und dann sehe ich, ich hatte an diesem Tag eine rote Krawatte umgebunden. Das heißt, Bruno Kreisky hat mich wahrscheinlich als braven Genossen erkannt und wir haben uns dann seine Wahlkampfrede angehört und das war für mich ein Vortrag aus einer anderen Welt.

Also das war nicht das typische Politsprech der damaligen Zeit, sondern da ist es darum gegangen, um Reformen, um die Fenster aufzumachen, um Experten einzubinden, um das Land neu aufzustellen. Und das war für junge Menschen einfach faszinierend. Und das war dann auch der Grund, warum mein Bruder und ich während des Studiums den Sozialdemokraten gegangen sind.

Stefan Kaltenbrunner

Erklärt nicht, warum du dann zur FPÖ gewechselt bist.

Peter Hochegger

So, wir waren selbstständig, ich hatte das Bundesheer noch nicht absolviert und einer meiner Studienkollegen hat mir erklärt, wie er mit der Hilfe eines Abgeordneten, ÖVP es geschafft hat, nicht zum Bundesheer zu müssen. Und dann habe ich mir überlegt, na, vielleicht gibt es diesen Weg für uns auch und wir hatten damals einen Freund des Parteichefs Norbert Steger, FPÖ, kennengelernt, der war Geschäftsführer einer Computerfirma und den habe ich gefragt, Du, gibt es da nicht irgendwie eine Möglichkeit, aus wirtschaftlichen Gründen nicht zum Bundesheer zu müssen? Sagt er ja, das ist überhaupt kein Problem. Er kommt zu uns ins Büro und wird uns das erklären. Dann hat er uns gesagt, da gehst du zum Herrn sowieso im Parlament, parlamentarischer Mitarbeiter, da bringst du diese und diese Unterlagen mit. Und dann hat er ein Beitrittsformular zur FPÖ herausgezogen und ich habe es unterschrieben und habe mir gedacht, das ist ein gutes Geschäft.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt so ein kleines Beispiel der Schattenrepublik. Die Hocheggers wollen nicht zum Militär gehen, zur FPÖ. Und das Preisschild war die Mitgliedschaft der FPÖ bei mir.

Peter Hochegger

Ja.

Michael Nikbakhsh

Deine ersten unternehmerischen Gehversuche hast du unter dem Eindruck von Scientology gemacht. Mehr noch, die erste Hocheggerfirma in Wien war eine Scientology Bude. Erzähl mal, wie es dazu kam.

Peter Hochegger

Mein Bruder war ja bei diesem Verein dabei und hat auch in einer Beratungsfirma mitgearbeitet, die Scientologen gehört hat. Und eines Tages hat er mich eingeladen und die wollten mich dort als Mitarbeiter gewinnen. Mir war aber schnell klar, dass das nicht so das Gelbe vom Ei ist. Die haben jemanden gebraucht, der einen Aufträge bringt und ich habe das dankend abgelehnt.

Und einige Monate später beim Frühstück erklärt mir mein Bruder Peter, ich habe die Firma übernommen. Und dann habe ich gesagt, wie ist das gegangen? Ja, ich bin draufgekommen, dass der Geschäftsführer dort Geld abgezweigt hat, das im Casino verspielt hat, angenommen hat, dass er mit seinen übernatürlichen scientologischen Fähigkeiten gewinnen wird. War nicht der Fall.

Mein Bruder war clever genug, hat ihm meinen Wechsel unterschreiben lassen, Den hat er dann dem Eigentümer gegeben und der war so schockiert, dass mein Bruder das Angebot gemacht übernimm die Firma, die Kunden kannst du auch haben. Dann gab es noch ein bisschen Barvermögen und mein Bruder hat mich gefragt machen wir das gemeinsam? Und ich habe letztendlich dann ja gesagt.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt aber, das war eine Scientology Firma, das waren lauter Mitglieder von Scientology und du bist da reingekommen. Aber welchen Zugang hast du dann gehabt dazu?

Peter Hochegger

Mein Bruder hat zu mir gesagt Peter, du kannst aufgrund deines Studiums und deiner Praxis den Gewerbeschein als Unternehmensberater beantragen und bekommen und dann machen wir die Firma gemeinsam. Und das habe ich gemacht. Und das waren so kleinere, mittlere Unternehmen, die halt auch alle Mitglieder bei Scientology waren. Das waren unsere ersten Kunden.

Michael Nikbakhsh

Eine Eigenheit von Scientology ist es nach meinem Verständnis, dass man wahnsinnig viel Geld einzahlt und die Wahrscheinlichkeit, da jemals wieder Geld zurück zurückzubekommen bei Null ist. Es gibt allerdings offenbar in der Geschichte von Scientology einen Menschen, dem es tatsächlich gelungen ist, Geld zurückzubekommen und der sitzt heute vor einem im Theater. Wie kam es dazu?

Peter Hochegger

Also die Scientology, das war wirklich eine inszenierte Geschichte. Der Anspruch oder das Verkaufsargument,wWir machen die Fähigen fähig, damit sie noch erfolgreicher sind. Und ich bin halt so in diese Gruppe hineingekommen und da gab es einen Verkäufer, der hat es schon auf mich abgesehen gehabt und hat mir erzählt, wie toll das in den USA ist.

Da gibt es den Tom Cruise, den John Travolta und wie sie alle heißen und dort musst du auch hinfahren. Ja und was kostet sowas? Ja, ich hab mir das bei dir ausgerechnet, waren es ungefähr 270.000 Schillinge? Hab gesagt, das kann ich mir nicht leisten. Ich bin Jungunternehmer, sagt du, das ist kein Problem. Da gibt es einen Boss-Credit Kredit bei der Kreditanstalt Bankverein. Dort gehst du hin, erklärst denen, was du machst, du kriegst den Kredit und die Sache ist erledigt.

Stefan Kaltenbrunner

Moment, es hat auf der Bank einen Bildungskredit für Scientology-Ausbildung gegeben. Also das ist ganz offiziell dort gelaufen, richtig?

Michael Nikbakhsh

Ja, die Kreditanstalt war damals eine staatliche Bank, die hat also Scientology Betriebsgründungskredite angeboten, mehr oder weniger.

Stefan Kaltenbrunner

Ja gut, du hast viel Geld ausgegeben, hast Kurse gemacht, auch in Amerika und irgendwann ist einmal gekommen, dass das doch kein Ponyhof ist und dir nichts bringt. Wie war dann der Weg, dass du wieder dich abgewendet hast?

Peter Hochegger

Ich bin einmal dorthin gefahren, nach Florida, nach Clearwater und habe dann dort verschiedene Kurse gemacht und das war für mich sehr spannend. Da gab es einen Kursraum, Da waren ungefähr 100 Leute drinnen und einer, der sozusagen diese 100 Leute betreut hat. Da gab es Checklisten und du hast die Punkte abgearbeitet, dir Tonbänder angehört. Und wenn du eine Frage hattest, dann war die Antwort, naja, es liegt an dir selbst draufzukommen wie das alles funktioniert.

Hab mir gedacht, ein cooles Modell, also wie man den Leuten Geld aus der Tasche zieht. Und irgendwann war mir dann klar, es ist nicht so ganz meines und ich habe mich dann entschlossen, dort nicht mehr weiterzumachen. Dann gab es eine Möglichkeit oder eine Gelegenheit, wo ich Geld brauchte, nämlich habe ich mit meiner damaligen Frau ein Reihenhaus gekauft und haben uns geteilt und haben so, jetzt fahre ich dorthin und hole mir das Geld zurück.

Stefan Kaltenbrunner

Wie ist dir das gelungen? Es ist sehr ungewöhnlich, dass man von Scientology Geld zurückkriegt.

Peter Hochegger

Naja, ich habe mich natürlich vorbereitet. Was muss ich machen, damit ich mein Geld wieder zurückbekomme? Bin dorthin gefahren, habe gesagt ja, ich habe ein riesen Steuerproblem, Wenn ich die Steuer nicht zahle, dann ist es sozusagen um meine Zukunft nicht gut bestellt und deswegen brauche ich jetzt das Geld. Da war die Frage, war ich nicht zufrieden, sage nein, ich war sehr zufrieden, war alles toll, war alles super, aber ich habe jetzt das Steuerproblem und wie eine tibetanische Gebetsmühle habe ich das fünf Tage vorgetragen und irgendwann haben sie sich gedacht, okay, jetzt zahlen wir ihm das Geld zurück.

Michael Nikbakhsh

Der Scientology Betriebskreditberater bei der CA ist aber nicht nervös geworden, als du mit Geld aus den USA zurückgekommen bist.

Peter Hochegger

Nein, der ist nicht nervös geworden, weil ich habe ja die monatlichen Raten, die Rückzahlungsraten immer bedient. 

Michael Nikbakhsh

Obwohl du da kein Scientologe mehr warst.

Peter Hochegger

Ich glaube, das ist einer Bank egal. Die wollen, die vergeben Kredite und dann schauen sie wird regelmäßig zurückbezahlt und sie verdienen ja an den Zinsen.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt aber du hast Scientology eine Geschicht erzählt.

Peter Hochegger

Ja, das ist ja so. Wir leben in einer Inszenierungswelt und die Zukunft oder gehört den Geschichtenerzählern. Und das habe ich schon sehr früh erkannt.

Stefan Kaltenbrunner

Gut, wir haben jetzt gelernt, wo Peter Hochegger ideologisch verortet ist, eigentlich überall und wir gehen jetzt zurück, machen jetzt eine kleine Reise in den 70er Anfang der 80er Jahre. Ihr habt diese Firma übernommen, habt sich einen Namen gemacht, erste Kunden bekommen und dann tritt plötzlich ein gewisser Herr Steinhauser in euer Leben. In deinem Buch schreibst du, das war so eine Art Mentor für dich. Wer war dieser Steinhauser, der sehr geholfen hat, diese Firma groß zu machen.

Peter Hochegger

Der Herr Karl Steinhauser, war eine sehr skurrile Persönlichkeit. Er hat Jus studiert, Politikwissenschaften und war dann bei der Tageszeitung Kurier als innenpolitischer Redakteur tätig, hat aber sehr früh erkannt, dass er andere Talente hat und hat dann verschiedene Organisationen gegründet. Und eine dieser Organisationen war die Gemeinschaft Freier Selbstständiger, die sich zum Ziel gesetzt hat, dem damaligen Wirtschaftskammerpräsidenten in Wien das Leben schwer zu machen. Und er hatte viele Unternehmer, die ihn dabei unterstützt haben und seinen Verein gefördert haben. Eines Tages ist er bei uns im Büro aufgetaucht und wollte uns als Mitglieder für seine Plattform Gemeinschaft Freier Selbstständiger anheuern. Das war aber nicht so unsere Intention. Aber aus dem Gespräch heraus hat er dann erkannt, dass wir sehr kreative Burschen sind und hat uns dann das Angebot gemacht, hat gesagt, okay, machen wir eine Firma gemeinsam, ich bringe euch die Kunden und ihr arbeitet das Ganze ab. Und so war es dann auch.

Michael Nikbakhsh

Karl Steinhauser, eine skurrile Persönlichkeit, wie du ihn eben genannt hast. Da steht es auch im Buch, Peter, das ist ein glatter Euphemismus. Karl Steinhauser, Jahrgang 1936 Wenn ich nicht irre. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands nennt in einen antisemitischen Verschwörungsmystiker und die Plattform stopptdie Rechten nannte ihn in einem Artikel 2021 einen mehrfach verurteilten Hitler Bewunderer. Er wäre gern mal Nationalratsabgeordneter geworden, was heißt mal, nicht nur einmal, wurde er nie. Und er nannte sich bei öffentlichen Auftritten immer wieder auch mal Volksanwalt. Es klingt nach einem gefälligen Umgang.

Peter Hochegger

Diese Zuschreibungen waren uns damals überhaupt nicht bewusst oder bekannt. Ganz im Gegenteil. Wir haben gesehen, dass von vielen namhaften und erfolgreichen Unternehmern unterstützt wurde und daher hatten wir überhaupt keine Bedenken. Und einer unserer ersten Aufträge war von der Wirtschaftskammer Niederösterreich. Und da ist es darum gegangen, dem Kammeramtsdirektor und dem Präsidenten sozusagen ein gutes Profil zu verpassen. Das waren 200.000 Schillinge, das war damals sehr, sehr viel Geld und wir haben dafür schöne Konzepte geschrieben und vermittelt hat es der Karl Steinhauser.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt, wir haben jetzt gelernt, die Hochegger Brüder übernehmen eine abgewrackte Scientology Bude und engagieren als Berater einen Hitlerbewunderer und Antisemiten. Das heißt es ist eine typisch österreichische Firmengeschichte, könn man sagen, oder?

Peter Hochegger

Ja, wenn du das so siehst, ja.

Stefan Kaltenbrunner

Aber dieser Herr Steinhauser hat euch ja einige Kunden gebracht und ich glaube, wir tauchen jetzt in das System Hochegger ein. Wie gesagt, wir sind Ende der 70er, anfang, der 80er Jahre, Bruno Kreisky am Höhepunkt seiner Macht. Es entstehen schon verschiedene Bewegungen, die Gesundheitsbewegung, Frauenbewegung, Umweltbewegung und die Hocheggers bekommen die ersten Kunden und etablieren ein System, das sie über Jahre perfektionieren. Und ich möchte mit einem Kunden beginnen, das ist die Firma Ovomaltine, kennen Sie alle, Frühstücksgetränk. Und das hat euch der Herr Steinhauser indirekt gebracht. Was hat es mit dieser Firma auf sich und wie habt ihr da gearbeitet?

Peter Hochegger

Also bevor wir ins Beratungsgeschäft eingestiegen sind, haben wir uns natürlich ein bisschen schlau gemacht, wie funktioniert das Ganze international? Und dort, wo die PR wirklich perfektioniert wurde, das war in den USA. Und da haben wir gesehen, dass es sozusagen gewisse Türöffner gibt, damit du in die Medien hineinkommst. Das ist Angst, das sind große Namen, das sind Konflikte, das ist Kriminalität, das ist Sex. Und wenn eine Geschichte eines von diesen Attributen hat, dann ist es einfach relativ leicht in die Medien hineinzukommen.

Und das Zweite, was wir gelernt Du brauchst glaubhafte Testimonials oder Experten, die deine Geschichte mit schlüssigen Argumenten untermauern und dann ist es überhaupt ganz leicht in die Medien zu kommen. Und das war sozusagen unser theoretischer Anspruch, wie wir an die Dinge herangehen.

Und der Karl Steinhauser, also eine seiner großen Fähigkeiten war die Formulierung von Headlines. Und er hat uns unterstützt, dass wir eine Aussendung gemacht haben. Der hat sich genannt Erfolg trotz Krise 1982-1983 gab es ein bisschen wirtschaftliche Schwierigkeiten und wir haben in diesem Vierseiter dargelegt, dass es Entwicklungen in der Gesellschaft, ob das jetzt Umwelt oder Gesundheit oder andere sind, Unternehmen nutzen können, um daraus für sich einen Erfolg zu machen. Und ein Unternehmen hat sich auf diese Aussendung hin gemeldet und das war die Firma Ovomaltine.

Stefan Kaltenbrunner

Gut, was habt ihr gemacht mit denen? Die haben ein Problem gehabt und die Hochrücker sollten das lösen.

Peter Hochegger

Wir sind dort zum Gespräch hingekommen mit dem Geschäftsführer und der hat uns erklärt, ja, er ist jetzt seit kurzem aus der Schweiz nach Österreich gekommen, ist mit vielen Problemen konfrontiert, die Produktkonsistenz hat nicht gepasst und die Konkurrenz am Markt ist viel erfolgreicher.

Dann haben wir gesagt, okay, wer sind die Konkurrenten? Das war damals Nesquik, Sigi Benco. Und dann haben wir gesagt, wo liegt der Unterschied zu eurem Produkt? Ja, unser Produkt, wir haben Malz, Vitamine, Honig, Milchzucker und die anderen bestehen nur aus Kakao und aus Zucker. Und da war für uns schon klar, das ist das mögliche Differenzierungsmerkmal.

Und dann haben wir ihm gesagt, ja, wir sehen eine Möglichkeit, sein Produkt zu unterstützen und wir werden in drei bis vier Wochen kommen mit einem konkreten Vorschlag. Und dann war die Überlegung, wo setzen wir an? Und wer trinkt Kakao? Das sind meistens Kinder. Und da war für uns klar, wir müssen irgendwo in die Schulen hineinkommen.

Und das Zweite war wie können wir ein System aufsetzen, das glaubhaft diese Produktvorteile von Ovomaltine transportieren kann? Und wir hatten damals eine Kundin, die hat den ersten Bioshop in Wien eröffnet und der habe ich die Geschichte von Zucker erzählt und ob sie sich vorstellen kann, so einen Verein zu unterstützen und mitzumachen. Die hat sofort ja gesagt und hat auch angeboten, einen Experten, den sie kannte, der Bücher sozusagen über die Problematik des zu hohen Zuckerkonsums geschrieben hat, mit dazu zu nehmen. Und dann hatten wir das Brainstorming mit dem Steinhauser, haben gesagt, ja, wir brauchen da einen Verein und so. Und hat gesagt, hat er schon einen Namen? Vorrang für Volksgesundheit?

Michael Nikbakhsh

Entschuldige, Vorrang für Volksgesundheit. Den Namen hat sich der Karl Steinhaus ausgedacht.

Peter Hochegger

Genau.

Michael Nikbakhsh

Der war sicher kein Nazi.

Peter Hochegger

Mein Bruder hat sofort gesagt, das ist ja Nazi Diktion. Er hat auch Nein, die Volksgesundheit betrifft uns alle, hat das gut argumentiert und wir haben das so akzeptiert.

So, und dann ging es noch darum, wie komme ich an junge Leute heran? Und über unseren Verein war es nicht so schwierig, in Schulen hineinzukommen und abzufragen, wie sind die Frühstücksgewohnheiten bei den Kindern? Wir haben 700 ausgefüllte Fragebögen bekommen und das Ergebnis war ganz in unserem Sinne. Also total ungesundes Kinderfrühstück, Weißmehl, Semmeln, Marmelade, viel Zucker und ab und zu oder vielfach Kaokau und keine Ovomaltine. Und dann haben wir das zusammengefasst in einem Bericht. Steinhausers Schlagzeile war Kinderfrühstück, also ungesundes Kinderfrühstück, Doppelpunkt Zuckerbombe mit Kakaogeschmack. Und im Fließtext haben wir dann geschrieben und einzige Ausnahme dabei ist die Ovomaltine. Und unser Vereinssekretär ist damit zur größten Tageszeitung gegangen, zum Leiter des Gesundheitsmagazins.

Michael Nikbakhsh

Müssen wir da jetzt raten, welche das ist?

Peter Hochegger

Das ist Ja die Kronen Zeitung. Und zwei Tage später hatten wir eine halbe Seite mit diesen, mit dieser Schlagzeile und mit der Erwähnung von Ovomaltine. Und das war ein Wahnsinn. Also dann hat Ovomaltine selbst das aufgegriffen, hat damit die berühmten P1 Rate konzipiert, hat das in anderen Zeitungen geschaltet und das war ein durchschlagender Erfolg. Also die haben dann die Manager aus Deutschland, aus der Schweiz nach Österreich hergeholt und wir mussten ihnen vortragen, wie man über die Bande, ohne sozusagen darzustellen, dass die Firma dahintersteht, so einen Effekt kreiert. Und die hatten in diesem Jahr einen Wertzuwachs von 15 Prozent.

Michael Nikbakhsh

Über die Bande. Ist ja auch ein Euphemismus für Manipulation.

Peter Hochegger

Richtig.

Stefan Kaltenbrunner

Aber was haben wir jetzt gelernt, Peter? Ihr habt einen Verein gegründet, diesen Verein für Volksgesundheit. Der hat natürlich mit der Agentur nichts zu tun gehabt, hat man keine Verbindungen herstellen können. Und über diesen Verein habt ihr eine Studie gemacht, die von Ovomaltine bezahlt worden ist. Haben das die Medien gewusst, wie dieses Konstrukt aufgebaut ist?

Peter Hochegger

Nein, natürlich nicht, weil hätten sie das gewusst, hätten sie nie darüber geschrieben.

Stefan Kaltenbrunner

Klare Antwort

Michael Nikbakhsh

Und was einmal geht, geht noch einmal und noch einmal und noch einmal ein bisschen was davon werden wir heute aufarbeiten. Dieser erfolgreiche Ovomaltine Auftrag hatte tatsächlich einen Nachfolgeauftrag aus einer anderen Branche.

Peter Hochegger

Richtig. Wir haben schon während wir für die Ovomaltine gearbeitet haben, einen Kontakt bekommen zu jemanden von der Firma Wienerberger. Und wir haben den Marketingvorstand ja

Stefan Kaltenbrunner

Auch kurz erklären. Wienerberger, Ziegelhersteller. 

Peter Hochegger

Ziegelhersteller, ja immer versucht zu erklären, dass man nach demselben Schema auch für den Ziegel das machen könnte. Die Idee hat ihm gefallen, nur er konnte sich das nicht vorstellen. Und dann haben wir das dem Herrn Steinhauser erzählt, überhaupt kein Problem. Da habe ich einen Unterstützer in Linz, das ist der Christoph Leitl, späterer Wirtschaftskammerpräsident, überlegt euch was, was wir dem für einen Vorschlag machen. Und Ziegeldecken.

Stefan Kaltenbrunner

Genau. Man muss dazu sagen, damals kam der Ziegel unter großem Druck durch Stahlbeton und Fertigteilbeton.

Peter Hochegger

und wir haben uns überlegt, was können wir da machen? Ziegeldecken und haben so ein bisschen in der Literatur recherchiert und da ist uns irgendwo aufgefallen, ein in sich geschlossener faradäischer Käfig. Und wenn das alles in Stahlbeton sozusagen sich abspielt, das ist nicht gut für die Gesundheit. Und dem Herrn Leitl hat das ganz gut gefallen und hat Wie legt ihr das an? Und haben gesagt ja, wir machen da eine Befragung. Und die Frage war an die österreichische Bevölkerung, Ist Stahlbeton in Zimmerdecken ein Krankmacher? Und was haben die Leute darauf gesagt? Ist ein Krankmacher? 56 Prozent. Dann Schlafstörungen, macht impotent und und und. Das Ganze, diese Ergebnisse einer Meinungsbefragung haben wir dann in eine Presseaussendung gegossen. Absender war unser Vereinssekretär und am nächsten Tag komme ich ins Büro und meine Sekretär sofort bei Wienerberger anrufen und dann habe ich einmal in die Zeitungen hineingeschaut und habe mir die Nachrichten angehört. Jede Stunde ist das Ergebnis dieser Studie in den Nachrichten gewesen. Große Schlagzeilen in den Tageszeitungen. Also das war unglaublich.

Michael Nikbakhsh

Gab es je eine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Stahlbeton Zimmerdecken krank machen? Punkt 1. Gab es je eine wissenschaftliche Evidenz, dass Stahlbeton zimmerdecken faradäische Käfige bilden?

Peter Hochegger

Nein, natürlich nicht. Aber wir haben eine Frage gestellt an Herrn und Frau oder Frau und Herrn Österreicher und die haben gesagt, ja, Stahlbeton Zimmerdecken ist ein Krankmacher.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt aber in dem Fall hat es nicht mal eine Studie in Auftrag gegeben, auch wenn sie gefakt ist, sondern nur eine Meinungsumfrage.

Peter Hochegger

Eine Meinungsumfrage. So, und dann haben wir uns einen Auftrag am nächsten Tag bei Wienerberger abgeholt und das ist dann über fünf Jahre gegangen, waren dann zwei bis drei Millionen Schillinge im Jahr. Und wir haben nach allen Regeln der Kunst den Ziegel inszeniert und den Stahlbeton zu Grabe getragen.

Michael Nikbakhsh

Kann man auch stolz sein drauf. Wieder ist hier ein Verein in Erscheinung getreten? War das wieder der Verein Vorrang für Volksgesundheit?

Peter Hochegger

Das war unter anderem auch der Verein Vorrang für Volksgesundheit. Das war sozusagen das Flaggschiff. Aber dann haben wir dazu noch andere Vereine gemacht. Das war der Verein für ein umweltfreundliches Wirtschaftswachstum, Natur und Wirtschaft. Und da ist es darum gegangen, die Energiebilanz des Stahlbetons zu thematisieren. Damals gab es ja noch keine Wärmedämmung. Und dann gab es einen Verein für humanes Wohnen. Das heißt, in diesen Stahlbetonbauten haben sich die Menschen nicht wohlgefühlt. Und der Verein für humanes Wohnen hat Alternativen vorgestellt, verdichteter Flachbau und über diese drei Schienen haben wir sozusagen die Vorteile des Ziegels kommuniziert. Da haben wir eine Umfrage gemacht, welche Baustoffe bevorzugen Politiker? Wie wohnen die: natürlich Ziegel. Und das alles ist von den Medien freudig aufgegriffen worden.

Michael Nikbakhsh

Es ist nie offengelegt worden, dass hinter diesen Vereinen Konzerninteressen und Konzerngeld steht

Peter Hochegger

Nein 

Stefan Kaltenbrunner

Vielleicht gehen wir zu einem anderen Beispiel, wo Sie das noch weiter perfektioniert habt, wo ihr auch Wissenschaftler und Journalisten eingekauft habt oder bezahlt habt und über diese Vereine beschäftigt habt. Es geht um ein Joghurtgetränk, das Sie in diesem Fall nicht nennen dürfen. Sie werden aber relativ rasch draufkommen, um was es sich handelt, dass ihr nicht nur am Markt neu lanciert habt, sondern auch in den Medien platziert habt und zwar in einer Art und Weise, wie man es sich eigentlich heute nicht mehr vorstellen kann. Erzähl ein bisschen, was war das?

Peter Hochegger

Wir waren damals schon relativ erfolgreich, waren auch Teil eines internationalen Agentur Netzwerkes, Börsenmastella. Und der Vorteil von internationalen Netzwerken ist oder war, dass die ganz große Kunden hatten, die weltweit tätig sind oder waren und einer von diesen großen Konzernen, ein Marketing Manager ist bei uns ins Büro und ja, toll, dass es euch da in Österreich gibt es und wir wollen jetzt ein neues Produkt auf den Markt bringen, hat ganz ganz tolle Fähigkeiten für die Gesundheit, für die Darmflora und wir stellen uns eine Geschichte vor, die sozusagen den Boden aufbereitet für den Zeitpunkt, wenn das Produkt dann am Markt erhältlich ist und was wir uns da vorstellen können.

Und zu diesem Zeitpunkt haben wir schon mit einigen Experten aus dem Gesundheitsbereich zusammengearbeitet und da war relativ schnell klar für uns, die werden wir da einbinden.

Stefan Kaltenbrunner

Welche Experten aus dem Gesundheitsbereich waren das?

Peter Hochegger

Wir hatten einmal einen Professor eines institutes von der MedUni Wien.

Stefan Kaltenbrunner

Auch diesen Namen dürfen wir nicht nennen. Ich kann nur sagen, er ist ein sehr prominenter Professor, der hat für euch gearbeitet und eure Studien produziert, so wie ihr es haben wolltet. Korrekt?

Peter Hochegger

Ja, wir haben bei vielen Dingen zusammengearbeitet, hat immer bestens funktioniert. Und dann hatten wir einen zweiten Professor, aber einen Honorarprofessor, der sozusagen im Fernsehen ein Anchorman war, der über Kräuter, über Vitamine gesprochen hat und das wirklich sehr, sehr toll. Und die Leute haben ihm geglaubt.

Stefan Kaltenbrunner

Den Namen dürfen wir nennen. Das ist der Hademar Bankofer. Der hatte damals war der Gesundheitspapst in Österreich, hat eine sehr erfolgreiche Sendung gehabt im ORF, die Sendung Wir und dann später, glaube ich, Willkommen Österreich. Und mit dem habt ihr zusammengearbeitet, respektive der stand auf eurer Payroll in einem der Vereine. Korrekt?

Peter Hochegger

Korrekt. Und da war die Idee so vom Hademar, da machen wir eine Aufnahme in der Produktion dieses Joghurtgetränkes und während dieser Aufnahme in der Produktion erklären der Herr Professor und ich, wie toll dieses Produkt für die Gesundheit der Menschen ist. 

Dann war nur das Problem, diese Produktion war nicht in Österreich, sondern in Rosenheim in Deutschland. Und dann habe ich mit dem Produktmanager gesprochen und Naja, gibt es da irgendwie ein Möglichkeit? Überhaupt kein Problem, Das wird alles bezahlt. Und dann sind die beiden Professoren nach Rosenheim gefahren mit einem Team der Fernsehsendung Wir oder später Willkommen Österreich, haben dort das aufgenommen. Die beiden Professoren haben über diese tollen Fähigkeiten des Produktes für die Gesundheit der Menschen und für die Darmflora gesprochen und das hat einen Impact gehabt. Unglaublich.

Michael Nikbakhsh

Also ich fasse das jetzt zusammen. Es sind in deinem Umfeld oder im Umfeld deines Bruders und dir Vereine entstanden, die mit Geld von Unternehmen gefüllt waren, die gewisse Interessen hatten. Mit diesem Geld wurden unter anderem Wissenschaftler bezahlt, die dieser Arbeiterverein einen wissenschaftlichen Anstrich geben sollten. Die Inhalte, die da entstanden sind, wurden dann in Medien hineingekippt, die das gerne übernommen haben. Ihr hattet aber zur Verstärkung dann eben auch ein Gesundheitsapostel wie Hademar Bankofer, der soweit ich das verstanden habe, ich habe das als Kind habe ich Wir gesehen, aber ich kann mich jetzt nicht erinnern, dass er an seine Werbetätigkeit kann ich mich nicht erinnern. Aber du schreibst im Buch auch, dass in der Konsumentensendung Wir in der Gesundheitsschiene offensiv von Bankofer für eure Produkte geworben wurde. Wurde das je offengelegt?

Peter Hochegger

Das wurde nicht offengelegt und der ORF hatte damals sozusagen eine Schiene, wo man Wirtschaftsunternehmen angeboten hat, ihre Produktinteressen in redaktionellen Formaten zu transportieren. Es gab ein eigenes Preisschema dafür, da gab es auch einen Verkäufer beim ORF und hat alles perfekt funktioniert.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt, diese gekauften Beiträge waren nicht gekennzeichnet. Die sind so gelaufen, wie ihr das wolltet.

Peter Hochegger

Also letztendlich sind die so gelaufen, wie wir das wollten.

Michael Nikbakhsh

Szenenapplaus.

Peter Hochegger

Das sind ja Beispiele aus den 80er Jahren. Aber wir leben eine Inszenierungswelt, da geht es um Brot und Spiele und Teile und Herrsche und es hat sich heute nichts geändert. Nur wenn man sich große internationale NGOs anschaut und die sind optimal für Großkonzerne, um dort ihre Botschaften hinein zu positionieren. Also es hat sich nichts geändert, nur die Dimension ist um ein Vielfaches größer geworden.

Stefan Kaltenbrunner

Eine Frage, habt ihr euch nie Gedanken darüber gemacht? Ihr manipuliert, ihr betrügt, ihr tut mit falschen Tatsachen operieren. Ist da nicht irgendwann einmal ein kleiner Moment aufgekommen, wo ihr Selbstzweifel gehabt habt, dass ihr gesagt habt, okay, da gehen wir zu weit?

Peter Hochegger

Also bei diesem Beispiel überhaupt nicht. Also im Gegenteil, wir waren stolz darauf, wie es uns gelungen ist, durch verschiedene das Verknüpfen von verschiedenen Elementen, Personen, Möglichkeiten, einfach für unsere Kunden den Nutzen zu vereinen.

Stefan Kaltenbrunner

Also einfach gesagt, wie ihr die Leute betrügt?

Peter Hochegger

Ja, also das ganze Wirtschaftsleben ist unterm Strich, wenn man die Maßstäbe sehr anlegt, ein inszenierter Betrug.

Michael Nikbakhsh

Ich wünschte, es wäre beim Wirtschaftsleben geblieben. Ihr seid jetzt sind wir Anfang der 1980er Jahre dann ins politische Leben eingestiegen. Ganz konkret sind wir Anfang 1983 im April wird Österreich wählen, Nationalratswahlen. Die Grünen treten damals mit zwei Listen an, sind noch zerstritten. Das wird sich dann erst in den Jahren darauf begradigen. Auftritt Peter Hochegger, und zwar mit einer Scheinpartei. Ist tatsächlich passiert. Hören Sie sich das an.

Peter Hochegger

Eines Tages kommt der Steinhauser zu mir, Ich habe ein Projekt streng vertraulich, sage na, was ist das streng vertraulich, Aber in einer Woche kann ich sie vielleicht einweihen. Das war seine Masche. Wenn etwas streng vertraulich war, hat er beim Gegenüber sofort Interesse geweckt, auch bei mir. Nach einer Woche weiht er mich ein, sagt ja.

Er hat den Auftrag von seiner Gemeinschaft freier Selbstständige und auch vom Gewerkschaftsbund und von der Industriellen Vereinigung eine Partei in den Wahlkampf zu schicken, mit dem Ziel, die Grünen und die Alternativen sozusagen argumentativ zu bekämpfen, damit die nicht ins Parlament kommen. Naja, das ist aber kein einfaches Unterfangen, das kostet ja viel Geld. Sagt er, machen Sie sich keine Sorgen, alles vorhanden. Und dachte, okay.

Und dann hab ich gesagt, naja, aber da braucht man ja auch Kandidaten. Sagt er, überhaupt kein Problem. Er hat schon mit zwei Gespräche geführt und gesagt, aha, und wer sind die? Sagt er, das eine ist der Franz Ohler. Ich weiß nicht, vielleicht viele von Ihnen werden sich an den Namen noch erinnern können. Der Franz Ohler war ein Hero, weil er den kommunistischen Aufstand 1950 sozusagen niedergeschlagen hat. Er war dann ein führender Funktionär in der SPÖ, Innenminister und wollte sozusagen auch den Laden übernehmen, Ist ihm nicht gelungen. Und er hatte sozusagen, um seine Macht abzusichern, auch Gelder, Gewerkschaftsgelder dafür verwendet, um einer der größten Tageszeitungen eine Starthilfe zu geben, der Kronen Zeitung. Und er hat ja auch die FPÖ unterstützt, nämlich mit dem Hintergedanken, aus dieser großen Koalition irgendwann ausbrechen zu können. Das alles ist ihm nicht gelungen. Er wurde dann aus der Partei ausgeschlossen, aber er war eine bekannte Persönlichkeit und das war der Spitzenkandidat der Österreichpartei und war für mich ein Geschichtsunterricht. Habe da den Herrn Ohla gefragt und was haben Sie für Fehler gemacht? Den einzigen Fehler, den ich gemacht habe, ich habe meine Feinde in der Partei unterschätzt. Das war der einzige Fehler. Der zweite Mann war der Gesatzky, der war Justizminister in der ÖVP Alleinregierung. Und dann war die Aufgabe an mich, Kennen aus dem FPÖ Lager habe ich ja, da habe ich an nämlich den Präsidenten unseres Vereins Natur und Wirtschaft, der wollte bei der FPÖ auf die Nationalliste, hat aber nicht geschafft. Und ich hab zu ihm gesagt, Du, komm zu uns Spitzenkandidat. Und der hat das gemacht. Dann haben wir drei Leute gehabt.

Stefan Kaltenbrunner

Wer waren die Finanziers? Und die zweite hatte die österreichische Partei irgendein Programm.

Peter Hochegger

Das Programm war sehr reduziert, einfache Bilder, nämlich dass sich Österreich in Richtung Kommunismus bewegt und durch die Grünen und Alternativen wird es vom normalen Zug zum Schnellzug und das muss verhindert werden.

Michael Nikbakhsh

Wie trat diese Partei in Erscheinung?

Peter Hochegger

Durch Inserate, also in der Kronenzeitung ganzseitige Inserate. Also das hat wirklich viel Geld gekostet. Steinhauser hat mir nie erzählt, was es gekostet hat, wo das Geld hergekommen ist. Aber letztendlich sind die beiden Parteien dann nicht ins Parlament gekommen und er hat das als großen Erfolg verkauft.

Stefan Kaltenbrunner

Aber so eine Partei, um überhaupt antreten zu können, braucht ja Unterstützungserklärungen, braucht eine gewisse Menge in ganz Österreich, um am Wahlzettel zu stehen. Wie habt ihr diese Unterstützungserklärungen bekommen?

Peter Hochegger

Der Herr Steinhauser hat das natürlich ein bisschen unterschätzt, weil in Wien braucht man 500 in der Steiermark brauchte man 400 in Tirol 200 weil dort haben wir es ja bekommen. Und in der Steiermark hat er jemanden gefunden, hat er gesagt, können Sie mir diese Unterstützungserklärungen besorgen? Und hat gesagt ja, was kostet das? Der hat gesagt ja, Summe X. Und der Herr Steinhauser hat das bezahlt.

Stefan Kaltenbrunner

Ist mir gekauft worden. 

Peter Hochegger

Ist gekauft worden. In Tirol hat er einen Bürgerrechtler, das war so auch eine sehr skurrile Persönlichkeit. Und dem hat er gesagt, besorg mal die Unterschriften. Du hast einen Fixplatz im Parlament. Der hat das geglaubt, der hat es geglaubt. Und dann habe ich zu Herrn Steinhauser gesagt wir werden da nie ins Parlament kommen. Ausschließen können wir es aber auch nicht.

Stefan Kaltenbrunner

Gut, dann bleibt noch Wien übrig. Wie habt ihr das in Wien geschafft?

Peter Hochegger

In Wien war es ein bisschen schwieriger. Wir hatten ungefähr 300 Unterstützungserklärungen und dann ist natürlich die Frage, wie kommst du zu den restlichen? Und ich habe schon gelernt, wenn du dich in Szenen einklinken kannst und die Leute ein bisschen überzeugst und so, dann helfen sie dir vielleicht. Und eine Wir hatten eine Mitarbeiterin und ihr Ehemann war Mitglied bei den Hells Angels und dann habe ich sie gefragt und du könntest einmal mit dem Mann reden, ob die uns da ein bisschen unterstützen könnte. Sagt überhaupt kein Problem. Haben wir uns einen Zeitpunkt ausgemacht, Bezirksamt, Lerchenfelder Straße, ich habe dort gewartet, Anzug, Krawatte und dann kommen so 30,40 Motorräder daher, die Jungs in Lederjacke mit Ketten und so. Mit denen bin ich dann ins Bezirksamt hineinmarschiert. Die haben das unterschrieben. Der Beamte hat uns nur angeschaut, wie von einem anderen Stern. So haben wir wieder Unterstützungserklärungen bekommen.

Stefan Kaltenbrunner

Das war auch noch nicht genug. Ihr habt dann noch eine Idee gehabt, die ihr besonders originell finde.

Peter Hochegger

Wir sitzen im Büro am Wochenende und überlegen und überlegen. Und dann sind wir draufgekommen eigentlich, da gibt es ja viele Taxistandplätze und wir könnten jetzt bei den Standplätzen anrufen, den Taxifahrern und sagen, wollt ihr zwei schöne Fuhren haben? Die meisten haben natürlich auch gefragt, was müssen wir dafür tun? Kommt her, holt sich das Formular ab, lasst es unterschreiben, bringt es wieder zurück. Und so haben wir die restlichen Unterstützungserklärungen bekommen von Wiener Taxifahrern.

Michael Nikbakhsh

Die Nationalratswahl 83 wurde dann schlussendlich geschlagen. Die Österreichpartei trat tatsächlich an und hat Erdrutsch kann man jetzt wahrscheinlich nicht sagen, hat tatsächlich knapp mehr als Stimmen auf sich vereinigen können. Man fragt ja wirklich, wer hat diese Partei, die es eigentlich nicht gab, Ich glaube, Franz Ohler hat bis zuletzt nicht verstanden, dass das eine Scheinpartei war. Perzentueller Anteil 0,12 Prozent. So, jetzt kann man darüber streiten im historischen Kontext, welchen Anteil die Österreichpartei tatsächlich daran hatte, die Grünen am Einzug in den Nationalrat zu hindern. Tatsächlich sind die Grünen und die damals noch rivalisierenden Alternativen beide nicht in den Nationalrat gekommen, vorübergehend muss man sagen, weil bei der nächsten waren sie dann schon dabei. Und auch das hat wiederum mit Peter Hochegger zu tun, mittelbar zumindest. Denn, du schreibst im Buch Steinhauser war sehr happy mit diesen 0,12 Prozent. Also sprich, man hat ja gar nicht in den Nationalrat einziehen müssen, um dann doch gute Geschäfte zu machen. Denn aus diesem Politprojekt wurde dann ein weiteres Projekt, das in die Rüstungsindustrie hineinführt.

Peter Hochegger

Also für uns, für meinen Bruder, für mich war nach der Wahl klar, wir werden uns vom Herrn Steinhauser trennen, weil er war so ein Schwarz-Weiß Maler und dazwischen hat es bei ihm nichts gegeben. Aber er hat viele Briefe ausgeschickt, hat gesagt, jetzt holen wir uns die Aufträge aus der Wirtschaft ab, haben gesagt, okay, nehmen wir den einen oder anderen Termin noch wahr. Und ein Termin war bei der Firma Steyr Daimler Buch und der Marketing Manager hat sich eigentlich einen Spaß draus gemacht und hat gesagt, meine Herren, ich habe da ein Problem. Wir sind Waffenproduzent und exportieren das in die ganze Welt und werden nur behindert von der Friedensbewegung und von Konkurrenten. Und machen Sie mir uns einen Vorschlag, wie wir das lösen können.

Und der Steinhauser hat halt begonnen seine politischen Vorträge und das hat aber den überhaupt nicht interessiert. Und da habe ich mir gedacht, jetzt ist sozusagen für mich die Zeit gekommen und habe die beiden Fallbeispiele Ovomaltine und die Ziegelindustrie anonymisiert vorgetragen. Und dann hat er gesagt na und, was hat das gekostet? Und schauen Sie, wenn Sie uns einen Auftrag geben und ich erzähle allen anderen über diese Dinge, das würden Sie auch nicht schätzen.

Dann habe ich auf die Uhr geschaut, hab tut uns leid, wir haben noch einen Termin, danke vielmals. Und wir sind aufgestanden und gegangen. Der war völlig perplex, aber die Frechheit hat ihn irgendwie ein bisschen beeindruckt. Einige Monate später sitze ich mit meinem Bruder in unserer Stammsauna im dritten Bezirk und wer liegt neben uns? Dieser Marketingchef der Firma Steyr Daimler Buch. Er sieht uns und ah Burschen, gut, dass ich euch sehe. Ich habe einen Auftrag für euch.

Michael Nikbakhsh

Diese Sauna in der Baumgasse wird in weiterer Folge eine gar nicht unwichtige Rolle bei der Rettung der Haimburger Au spielen. Vielleicht zur Steyr Daimler Buch war in den er Jahren einer der größten Industriekonzerne des Landes, Landmaschinenfahrzeuge, Anlagen, Baumotoren, Rüstung, Panzer im Besonderen. Und Anfang der ER Jahre hatte Steyr ein Problem, war ein staatlicher Konzern, gehörte der Kreditanstalt. Dort hatte damals Hannes Androsch das Sagen. Der war als Politiker bzw. Finanzminister, um genau zu sein, nicht mehr gut genug, aber als CA.Chef eben doch, hat mit seiner SPÖ eine Rechnung offen gehabt. Der Chef von Steyr Daimler Buch war Hans Michael Malzacher, auch ein einflussreicher Mensch seiner Zeit.

Steyr hat Anfang der 1980er Jahre ein Problem, weil es Panzer in den globalen Süden exportieren will, Dort wo viele grausliche Leute an der Macht kann das aber nicht so gut, wie man es gern möchte, weil die Friedensbewegung damals erstarkt war. Kalte Krieg hat schon ewig und einen Tag gedauert. Die Leute waren dessen ein bisschen überdrüssig. Man hat vor den Werkstoren demonstriert, wollte diese Panzerexporte verhindern. Auftritt Peter Hochegger.

Peter Hochegger

Der Marketingchef von Steyr Daimler Puch war ja vorher Kommunikationschef bei der SPÖ, weil er ein Androsch Freund war, musste er gehen. Und der Androsch hat ihn dann eingesetzt bei der Firma Steyr Daimler Puch. Und der ist sehr klug ans Werk gegangen und hat sich von einem bekannten Sozialwissenschaftler eine Studie oder eine Untersuchung machen lassen. Überschrift war, Bindung der postmaterialistischen Kräfte. Das heißt die Frage war, wo kann ich die Friedensbewegung hinschicken, damit sie nicht mehr stören? Und das war ganz klar das Thema Umwelt, Gesundheit und Umwelt.

Und dann war die Aufgabenstellung oder die Frage an Wie können wir das machen? Hab gesagt, ja, es gibt ein Projekt, das uns schon bekannt war, das war das Kraftwerk Hainburg. Und wenn es uns gelingt, das auf eine nationale Ebene zu heben, dann glaube ich, könnten wir sozusagen das als Kristallisationsprojekt hernehmen, um die Friedensbewegung dorthin zu schleusen.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt, ihr wollt jetzt die Friedensbewegung Richtung Umweltbewegung umleiten und ihr habt da Methoden angewandt, die man vielleicht ein bisschen fragwürdig einstufen könnte. Ihr habt zwei Spioninnen engagiert und in diese Friedensbewegung eingeschleust. Was war die Aufgabe von den beiden Frauen?

Peter Hochegger

Am Anfang war mal die Frage, wie ist die Friedensbewegung in Österreich strukturiert? Wo kriegen die ihr Geld her, mit wem kommunizieren sie? Und wir hatten ja keine Ahnung, wie sowas funktioniert, aber aus Spionagefilmen weiß man, dass sich Frauen für solche Dinge gut eignen. Und wir haben halt da zwei fesche Mädels hingeschickt, haben gesagt, arbeitet dort mit, erzählt uns halt immer, wie die Dinge laufen und so.

Und nach einigen Wochen dann haben wir diese Informationen, die wir von den beiden bekommen haben, in ein Dossier zusammengefasst und Schaubilder gezeichnet. Wie laufen die Kontakte international, wie schauen die Geldströme aus? Und dem Marketingmanager von Steyr hat das sehr gut gefallen, hat gesagt, aber ich kann das selber nicht machen. Und da hat er einen Freund, der war Nationalratsabgeordnete und Betriebsratschef der VOEST, das war der Herr Wimmelsberger. Und das war dann die Wilmmsberger Studie, die im Profil Groß veröffentlicht wurde mit unseren Schaubildern.

Stefan Kaltenbrunner

Nik, da musst du jetzt antworten. Ich war nicht dein Profil.

Michael Nikbakhsh

Ich war beim Profil 23 Jahre, aber 1984 war ich 14 also ich bin tatsächlich auch außer Obligo.

Stefan Kaltenbrunner

Aber was genau ist in dieser Studie drinnen gestanden? Das muss man schon ein bisschen erklären, dass diese Friedensbewegung hatte laut Studieverbindungen in die ehemalige UdSSR.

Peter Hochegger

Also. wir haben den Schluss gezogen, dass sozusagen diese Friedensbewegung ein verlängerter Arm der Interessen des Warschauer Paktes war und einfach weil das Steyr war am internationalen Weltmarkt, hat ja gestört. Und das haben wir skizziert und das ist durchaus auch so dann in den Medien verstanden worden.

Michael Nikbakhsh

1984 ist für die Haimburger Au ein wichtiges Jahr, denn am Ende des Jahres 1984 wird die Hainburger Au gerettet sein, die Umweltbewegung gestärkt, hervorgegangen sein, letztlich auch die geeinten Grünen. Im späteren Frühjahr 1984 das kann man auch nachlesen, gab es in Wien eine Demonstration, um das Kraftwerk eben zu verhindern. Es gab auch das Dschungelfest am Hof, ein großes Volksfest, wo es viel um den Umweltschutz gegangen ist, was man bis vor kurzem nicht wusste. Finanziert wurde das von der Rüstungslobby.

Peter Hochegger

Schritt davor, also um das sozusagen zum nationalen Anliegen zu machen. Und wir waren schon in dieser Szene gut vernetzt und da habe ich heute einen unserer Partner überzeugt, habe gesagt, schau, du kannst einen schlanken Fuß machen, kannst dich bekannt machen, such dir einen Wissenschaftler, geht gemeinsam ins Café Landmann, macht eine Pressekonferenz und stellt die Forderung auf und wir brauchen ein Volksbegehren gegen Hainburg. Dem hat die Idee sehr gut gefallen, den Wissenschaftler hat er sofort bei der Hand und die Beiden haben dann im Rahmen einer Pressekonferenz gesagt, wir brauchen ein Volksbegehren gegen das Kraftwerk Hainburg. Und das war sozusagen der Startschuss für diese Idee. Und etwas später dann wurde daraus das Conrad Lorenz Volksbegehren.

Stefan Kaltenbrunner

Der Nik hat schon gesagt, ihr habt auch eine Demonstration organisiert vorm Kanzleramt, das heißt, ihr habt da Leute hingeschickt, die für Hainburg oder gegen den Bau des Kraftwerks demonstrieren. Die habt ihr gekauft, die Leute, oder wie sind die da hingekommen?

Peter Hochegger

Man muss ja wissen, dass dieser Marketing Manager, es war ja sozusagen ein enger Verbündeter von Hannes Androsch und dem war es ein großes Anliegen, die Feinde vom Androsch, das waren damals Blecher, Fischer, Sinovac, denen ans Zeug zu flicken und alles zu machen, dass die politisch Probleme hatten. Und indem man sozusagen gegen das Kraftwerk war oder inszeniert hat, hat man natürlich auch massiv der Regierung geschadet. Und eine unserer Aufgabenstellungen war, eine große Demonstration vom Bundeskanzleramt zu machen. Und das haben wir organisiert. Wir haben VW Buße organisiert, wir haben Transparente gemacht, wir haben Leute motiviert über unseren Kollegen, der auch das Volksbegehren angesprochen hat. Und Dann sind halt 170, 180 Leute vom Bundeskanzleramt gewesen mit großen Transparenten und hat bestens funktioniert.

Michael Nikbakhsh

Auch hier wurde natürlich nicht offengelegt, dass im Hintergrund Steyr Daimler Puch stand.

Peter Hochegger

Das ist ja nur eine rhetorische Frage.

Stefan Kaltenbrunner

Gut, dann war dieses Dschungelfest, ich glaube die Kronenzeitung war dort, Vera Russwurm hat das, glaube ich, moderiert, soweit ich das in deinem Buch gelesen habe. Und am Tag der Vorstandssitzung in Steyr Daimler Puch, wo Demonstrationen erwartet worden sind, war es eigentlich er vor den Werkstoren, die waren alle am Dschungelfest, es war.

Peter Hochegger

Eine Aufsichtsratssitzung und der Marketingmanager hat nichts dem Zufall überlassen, gesagt, genau an dem Tag brauchen wir irgendeine Geschichte, die sozusagen davon ablenkt, dass es bei uns diese Aufsichtsratssitzung gibt.

Und dann haben wir am Hof ein Dschungelfest organisiert, haben Biobauern eingeladen, die dort ihre Produkte ausgestellt haben. Wir haben eine Diskussion gemacht, die ist moderiert worden von der Vera Russwurm, die war damals noch bei der Kroner Zeitung, um sozusagen auch das Kraftwerksprojekt in den Mittelpunkt zu stellen und allfällige Leute halt dort zu konzentrieren und nicht vor Steyr Daimler Puch. Hat bestens funktioniert.

Michael Nikbakhsh

Fürs Protokoll, die Hainburger Au war Steyr Daimler Puch eher wurscht.

Peter Hochegger

Also dem Unternehmen war es sicher wurscht. Also die haben halt eine Ablenkungsstrategie gefahren und wir haben ihnen dabei geholfen, das zu inszenieren.

Stefan Kaltenbrunner

Aber zusammenfassend, indirekt hat die Waffellobby, die österreichische, mitgeholfen, dass die Grünen ins Parlament gekommen sind.

Dann würde ich vorschlagen, mit diesem Gedanken entlassen wir sie in die Pause. Und bevor wir nach der Pause den Niedergang des Peter Hochegger

Bevor wir dann den Niedergang des Peter Hochegger besprechen, müssen wir noch über ein kleines Tier sprechen, das die Peter Hocheggers ganz, ganz groß gemacht haben und vor dem alle hier Angst haben. Und zwar ist das die Zecke. Viel Spaß in der Pause.

Michael Nikbakhsh

Dankeschön.

Stefan Kaltenbrunner

Ja, ich hoffe, Sie hatten eine schöne Pause und ich habe schon angekündigt vorher, wir müssen jetzt, bevor wir den Niedergang des Peter Hocheggers besprechen, über ein kleines Tier sprechen, das die Peter, die Hocheggeragentur sehr groß gemacht hat. Die Zecke. Sehr sensibles Thema, ein Impfthema. Die einen werden sagen, wir haben es schon immer gewusst, die anderen werden sagen, Impfung ist notwendig. Peter, wie bist du zur Zecke gekommen?

Peter Hochegger

Es gab Anfang der 90er Jahre, sind wir schon in Insiderkreisen bekannt gewesen und da gab es einen Bericht in der Wirtschaftswoche, die diskreten Regisseure, da ist es gegangen um diese Ovomaltine, um die Ziegelgeschichte und auch wie wir ein Gesetz formuliert haben für den Verband der institutionellen Immobilieninvestoren. Und diesen Bericht in der Wirtschaftswoche hat ein Berater der Firma Immuno gelesen, der meinen Bruder gut kannte und der hat angesprochen und du genau so was brauchen wir für die Firma Immuno für die Zeckenschutzimpfung. Könnt ihr euch vorstellen, für das Pharmaunternehmen Immuno zu arbeiten? Wir haben gesagt, ja, können wir.

Stefan Kaltenbrunner

Was haben die für Probleme damals gehabt? Die Durchimpfungsrate war zu niedrig, nehme ich an.

Peter Hochegger

Es hat ja in Österreich schon sehr gut funktioniert. Die Durchimpfungsrate lag ungefähr bei 60 Prozent, also im Vergleich zu anderen Ländern viel, viel höher. Aber man wollte mehr. Man wollte auch noch die Omas, die Babys und die Durchimpfungsrate nach oben hin steigern. Und dann war die Frage an uns, wie können wir das machen? Und aus unseren anderen Beispielen hatten wir die Erfahrung gemacht, man muss mit Angst und Schrecken operieren. A und B, man braucht viele, viele Experten, die erklären, dass es unbedingt notwendig ist, dass sich alle Österreicher Zeckenschutz impfen lassen.

Michael Nikbakhsh

Du schreibst im Buch dein Auftrag war, die Zecke zu dämonisieren. Wie macht man das?

Peter Hochegger

Das ist so ein kleines Tierchen. Und indem man so ein kleines Tierchen so riesengroß macht, dann kann man damit auch Angst und Schrecken verbreitern. Das heißt, wir haben Großplakate gemacht und da war sozusagen eine Zecke in Fach vergrößert drauf und der Satz Gefahr lauert überall.

Michael Nikbakhsh

Ich bin ein Kind der 1980er Jahre. Ich kann mich an die Plakate erinnern. Ab den 1990er Jahren war das, oder? Also wir reden jetzt von Anfang der 1990er Jahre. Es würde mich jetzt sehr überraschen, wenn ich ein Teil dieses Projekts, ein Verein war.

Peter Hochegger

Das waren dann schon wirklich perfekte Organisationen. Also verantwortlich für dieses Projekt war mein Bruder Paul und der hatte guten Zugang zu dieser Expertenszene, also Gesundheitsexperten und seine Idee war, dass man eine ARGE Gesundheitsvorsorge macht. Da waren dabei die Ärztekammer, die Apothekerkammer, das Ministerium, verschiedene Experten. Und er hat die Firma Immuno überzeugt und später, später dann Bexter, ein System aufzubauen, wo alle Impfschäden registriert wurden. Also nicht nur die von der Zeckenschutzimpfung, sondern auch von anderen Impfschäden. Und damit wurde die Firma Immuno zum Themenführer auf diesen Sektor.

Und am Anfang waren sie ein bisschen skeptisch, aber das hat bestens funktioniert. Und da gab es jedes Jahr Symposien, mehrere, wo Top Experten aufgetreten sind. Und das war in sich ein geschlossenes System, wo die Menschen die Botschaft bekommen, lass dich Zeckenschutzimpfung, das ist gut.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt, ihr habt schweres Geschütz aufgefallen. Muss dazu sagen, wir bezweifeln nicht den Nutzen dieser Zeckenimpfung. Die Frage ist, ob es jedes Jahr notwendig gewesen ist, wie viele du zum Beispiel, aber ich habe es ein schweres. Geschütz aufgefahren, die Auffrischungsimpfungen. Und natürlich war das wichtig, sich oft impfen zu lassen.

Stefan Kaltenbrunner

Was ich ja sehr perfide finde. Du schreibst in deinem Buch, ihr habt euch gefreut im Büro jedes Jahr, wenn es ein Todesopfer gegeben hat, habt ihr mit Sekt angestoßen. Ist euch da nicht schlecht voneinander geworden oder wie war das?

Peter Hochegger

Nein, man hat es ein bisschen, man hat es halt eben so gesehen, wie es ist, wenn jemand aufgrund eines Zeckenbisses gestorben ist, dann war das eine ganz tolle Geschichte, nämlich um Angst zu verbreiten. Und daher hat man sich immer gefreut, wenn es einen Toten gegeben hat.

Michael Nikbakhsh

Hast du dich selber Zecken impfen lassen?

Peter Hochegger

Nein, natürlich nicht.

Michael Nikbakhsh

Deine Familie ist Zecken geimpft?

Peter Hochegger

Also meine Frau, meine Tochter, die sind genauso auf diese Angstmache hineingefallen und haben sich brav impfen lassen.

Michael Nikbakhsh

Aber dieses Zeckenthema ist nicht unheikel. Wir haben das natürlich in den Podcasts besprochen, hier auch im Theater. Dazu haben wir dann auch Reaktionen bekommen über unseren YouTube Kanal bzw. auch in E Mails. Stefan Kaltenbrunner ist da gar nicht gut ausgestiegen. Dieser Kaltenbrunner hat jemand geschrieben, wie viel bekommt er von der Impflobby bezahlt?

Stefan Kaltenbrunner

Ich habe die Abrechnung noch nicht bekommen, aber schauen wir mal.

Michael Nikbakhsh

Ein ander hat geschrieben, euch woken, Journalisten wasteln, kann man wirklich alles erzählen. Wir haben überhaupt interessante Reaktionen auf diese Gesprächssituation bekommen. Ein paar werden Sie noch im Laufe dieses Nachmittags erfahren. Aber eine wirklich interessante Erkenntnis aus dem, was wir mit Peter Hochegger bisher gemacht haben und es sind ja doch einige Stunden gewesen, die wir verbracht haben miteinander, ist insbesondere was die Theatervorstellungen betrifft, die Leute gehen ins Theater, um sich zu empören. Das haben wir mehrfach gehört.

Also kommen rein und wollen sich über Korruption und Peter Hochegger empören. Und dann gehen sie nach zwei Stunden raus und sind mehrheitlich angetan von Peter Hochegger, weniger von uns beiden übrigens. Also mir hat eine Dame gesagt, nach einer der also dieser Herr Hochegger, so ein sympathischer Mann, aber Sie zwei da, Sie müssen alles besser wissen, oder?

Stefan Kaltenbrunner

Ja, so ist es. Ich glaube, wir beenden jetzt einmal die Zecken und fangen an mit deinem Abstieg, Peter, und mit einer unheilvollen Begegnung. Und wo könnte die anders sein als im Café Landmann? Ich Glaube im Jahr 1998, 97 Entschuldigung, du triffst Walter Maischberger. Wie war die Begegnung damals?

Peter Hochegger

Ich bin ins Café Landmann gegangen, um dort einen Branchenkollegen zu treffen und wir sitzen dort und plaudern angeregt. Plötzlich steht ein Herr Walter Maischberger vor unserem Tisch, der meinen Branchenkollegen kannte und sagt, Grüß euch, ich setze mich daher, ohne auf irgendeine Einladung zu warten. Ich habe das ein bisschen unhöflich empfunden, aber dann hat er begonnen, so ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern und er war dort bei einer Stiftungsratssitzung des ORF und er war Teil des Stiftungsrates und hat so ein bisschen erzählt, wie das Ganze funktioniert.

Und das war dann doch für mich interessant, da ein bisschen Einblicke zu gewinnen und wie er sich dann verabschiedet hat. Da ist meine Visitenkarte, wenn Sie mal was von mir brauchen, können Sie mich gerne jederzeit anrufen und hat miterwähnt, naja, Sie haben große Kunden wie die Telekom, die Mobilkom und wenn es was braucht im Parlament, kann ich euch jederzeit dabei helfen. Man gut, warum nicht?

Michael Nikbakhsh

Wir versuchen ja zu ergründen, wie diese Codes unter Korruptionisten so ausschauen. Woher weiß man, dass das Gegenüber empfänglich ist, gehört es dazu, dass wenn ein Abgeordneter einem Lobbyisten sagt, da ist meine Karte, wenn Sie was brauchen, rufen Sie mich an. Ist da schon so eine Grunddisposition zu erkennen?

Peter Hochegger

Es ist einmal eine klare Botschaft, wenn du für deine Kunden ein Anliegen hast, komm zu mir, ich kann dir und deinen Kunden dabei helfen.

Stefan Kaltenbrunner

Und wie es der Zufall so will, hattest du damals wirklich ein Problem und hast den Walter Maischberger wenige Wochen gleich gebraucht.

Peter Hochegger

Einige Tage nach dieser Begegnung ruft mich unser Partner vom ORF, der diese Produktplatzierungen verkauft hat, ganz aufgeregt an. Sagt du, der Maischberger, der haut uns unser Geschäft zusammen. Aha, ja, der hat thematisiert diese Kooperationen der Ö3-Clubs mit der Wirtschaft. Und auch mit der Sendung Willkommen Österreich. Kannst du denn nicht irgendwie einfangen? Sage ich okay, ich habe den kennengelernt, ich werde mich mit ihm sofort treffen.

Wir haben uns am nächsten Tag getroffen in einem schönen tollen Restaurant, Wiener Innenstadt und ich bin gleich zur Sache gegangen. Herr Maischberger, wollen Sie unser Geschäft zusammenhauen? Sagt nein, nein, überhaupt nicht, Da geht es nur um die Ö3-Clubs.
Und dann hat er mich eingeweiht, hat er mir nämlich erklärt, dass ihn der damalige Generalintendant des ORF versucht hat, das politisch zu thematisieren, auf die Ö3-Clubs und ihre Kooperationen mit der Wirtschaft hinzuhacken. Damit musste er es nicht selbst machen und konnte dann Naja, da gibt es ein Riesenaufruhr und Politik und das müssen wir abstellen. Und dann habe ich ihn gefragt, verstehe ich. Aber was ist mit der Sendung Willkommen Österreich? Nein, nein, die ist überhaupt nicht in unserem Fokus und das wird sicher so weiterlaufen wie bisher. Und damit war ich dann zufrieden.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt, dieses Geschäftsmodell, was wir im ersten Teil dieses Nachmittags gelernt haben, dass hier Produktplatzierungen in ORF Sendungen macht, die nicht gekennzeichnet sind, dieses Geschäftsmodell ist weitergegangen. Das heißt, Maischberger hat euch einen Persilschein gegeben, hat gesagt, okay, alles gut, ich bin Stiftungsrat, da schauen wir schon drauf.

Peter Hochegger

Er hat nicht mehr weiter kritisiert und damit war sozusagen dieser Sturm ein Sturm im Wasserglas.

Michael Nikbakhsh

Das heißt, es wurden noch bis in die 1990er Jahre hinein nicht deklarierte Produktplatzierungen in ORF Sendungen. Also du hast wir genannt Willkommen Österreich, vielleicht Information gemeint ist jetzt nicht die Sendung von Stermann und Grissemann, sondern das Nachfolgeformat von Wir, das tatsächlich ein Nachmittagsformat war, das Willkommen Österreich hieß.

Peter Hochegger

Genau, wir hatten ja einen Kunden, haben wir schon erwähnt, dieses gesunde Milchgetränk und dann hatten wir auch das Tiefkühlgemüse, wir hatten die Zeckenschutzimpfung und auch noch verschiedene andere Pharmakunden. Und das konnten wir alles in Form von redaktionellen Beiträgen in der Sendung Willkommen Österreich platzieren.

Michael Nikbakhsh

Aus der Begegnung mit Walter Maischberger wurde alsbald mehr, nämlich eine Freundschaft. Und aus dieser wiederum hat sich ein relativ unmittelbarer Kontakt zu Karl Heinz Grasser ergeben. Wie war das?

Peter Hochegger

Eines Tages ruft mich Walter Maischberger an und sagt, du mein Freund, der Karl Heinz Grasser ist aus seinem Job in der Kärntner Landesregierung ausgeschieden und er dockt jetzt bei der Magna an und den können wir beraten. Machst du da mit? Habe ich gesagt, interessiert mich. Wir haben uns getroffen im Büro im vierten Bezirk bei Walter Maischberger. Der Karl Heinz Gasser hat schon im Besprechungsraum auf uns gewartet. Coole Erscheinung, lässig gekleidet, gleich auf mich zugekommen. Hallo, servus Peter. Walter hat mir schon viel von dir erzählt und das Eis war gebrochen.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt, die Freundschaft zwischen dir, Walter Maischberg und Karl Heinz Grasser hat begonnen. Ihr habt intensiv zusammengearbeitet. Du hast gesagt, Grasser war bei Stronach und er hat deine Hilfe gebraucht. Was hättest du ihm helfen sollen?

Peter Hochegger

Der war frisch bei Stronach, war zuständig für interne Kommunikation, hatte so einen schönen Titel, Vice President for International Relations. Und dann hat er mal gefragt, wie wir aus unserer Sicht seinen Job dort sehen.

Michael Nikbakhsh

Also dass ich das jetzt richtig verstehe. Also der Vice President für International Relations hat dich gefragt, wie er seinen Job ausführen soll?

Peter Hochegger

Und ich gehe immer an diese Dinge, an die Fragestellung sehr locker heran, habe gesagt, na schau, das Umfeld, das du jetzt hast, ist ein ganz anderes als in der Politik. In der Politik geht es darum, flotte Sprüche zu klopfen, sich zu inszenieren. In der Wirtschaft ist es jetzt anders, Dort bist du ein Neuling. Da geht es darum, einmal zuzuhören und dir Verbündete zu schaffen.

Also das Stronach hat dich dorthin geholt. Aber es geht auch darum, dass die Nummer 2 des Konzerns, nämlich der Siegfried Wolf, dass du sozusagen auch seine Aufmerksamkeit gewinnst und seine Unterstützung und Dieser Zugang hat ihm einmal sehr gut gefallen.

Stefan Kaltenbrunner

Ihr seid sehr dicke Freunde geworden, habt privat miteinander verkehrt, wart Mittagessen, habt euch gegenseitig besucht und dann spielt ein Auto eine große Rolle. Deine Freundschaft mit Karl Heinz Grasser sehr vertieft hat. Um was ist es gegangen?

Peter Hochegger

Es gab ja einen Auftrag von Magner und zwar wollte der Frank Stronach in Ebreichsdorf einen riesen Park hinbauen, Hat er dann auch gemacht, aber im Zentrum stand sozusagen eine Weltkugel, ein Globus. Und man hat jetzt dann eine Agentur gesucht, die das Ganze begleitet und wir haben ein bisschen eine Recherche gemacht und sind draufgekommen, dass die Widerstände gegen diese Weltkugel enorm sind und dass die Wahrscheinlichkeit, dass diese Weltkugel umgesetzt werden kann, gegen null geht.

Und dieser Zugang und diese Analyse hat ihnen ganz gut gefallen. Wir haben einen Auftrag bekommen und damit waren wir natürlich auch schon im Magna Konzern verankert und wir haben uns immer wieder getroffen, eines Tages auch im Restaurant Motto im fünften Bezirk.

Und Karl Heinz Grasser beginnt ganz euphorisch zu erzählen, was er für ein tolles neues Auto hat, nämlich einen Jaguar S Type. Dieses Modell war neu in Österreich. Und dann fragt er so flapsig wann kaufst du dir ein gescheites Auto? Und ich habe ein bisschen überlegt und hab mir gedacht, der will mir jetzt ein Auto verkaufen. Und dann habe ich okay, was kostet so einer?  Hat er gesagt 800.000 Schillinge. Ich hab gesagt, gut, wenn du mir dein Auto als Vorführwagen um 600,000 verkaufst, dann kaufe ich es dir ab. Dann hat er wieder geschaut und ein bisschen überlegt und hat okay, in 5 Wochen kannst du mein Auto um 600.000 Schillinge haben. Ich hab ihm die Hand hingehalten und der Deal war perfekt.

Michael Nikbakhsh

Wieder die Frage nach Korruptionistencodes. Also wenn dich jemand fragt, ob du dir ein neues Auto kaufen willst, dann ist das die Botschaft, dass du sein Auto kaufen sollst.

Peter Hochegger

Ich habe gelernt, in Bildern zu denken und ich habe in dem Moment gewusst, ich das Auto von Karl Heinz Grasser. Diese Botschaft wird vielfach erscheinen und wird einfach zum Ausdruck bringen, die zwei, die sind ganz eng miteinander Und so war es dann auch.

Stefan Kaltenbrunner

Jetzt springen wir ins Jahr 1999 Neuwahlen in Österreich. Die ÖVP wird stimmenstärkste Partei, geht mit der FPÖ in eine Regierung und Karl Heinz Grasser wechselt wieder zurück in die Politik und wird plötzlich Finanzminister und du schreibst in deinem Buch, das war dir gar nicht so recht, dass er Finanzminister wird. Warum?

Peter Hochegger

Also mir war im Jahr 1999 im Sommer klar, dass Grasser wieder in die Politik gehen wird. Warum war mir das klar? Ich war in Kärnten, schönes Wochenende, Probefahrt mit meinem neuen Auto und am Abend waren wir dann in einem schönen Restaurant am See und dann sagt mir der Gasser ganz im Vertrauen, ich habe mich mit Jörg Haider wieder versöhnt. Und in der Sekunde war mir klar, der Mann schlägt wieder in der Politik auf. Und so war es dann auch.

Und Grasser war vorgesehen als Infrastrukturminister und das war für mich und meine Kunden ideal. Infrastrukturminister ist verantwortlich für die Telekom, für die ÖBB, für große Infrastrukturunternehmen. Und dann war es aber so, dass der Spitzenkandidat der FPÖ, der Thomas Prinzhorn, im Zuge des Wahlkampfes irgendwelche verletzlichen Botschaften von sich gegeben hat. Und der Thomas Klestil wollte diese Regierung nicht haben, konnte sie aber nicht verhindern. Aber er hat das zum Anlass genommen, den Thomas Klestil nicht als Finanzminister anzubeloben.

Stefan Kaltenbrunner

Prinzhorn.

Peter Hochegger

Prinzhorn, ja. So, und dann musste Grasser als Finanzminister einspringen.

Michael Nikbakhsh

Gut, auch daraus habt ihr dann was gemacht. Dazu kommen wir noch. Also du hattest die Visitkarte von Maischberger und das Auto von Karl Heinz Gaser und als er Finanzminister wurde, war das schon eine echte Männerfreundschaft unter euch dreien? Kann man das so sagen?

Peter Hochegger

Also es war eine Männerfreundschaft, Wiewohl man sagen muss, dass am Anfang die Kontakte sich etwas reduziert haben, weil wenn du neu in eine Regierung kommst, musst du auch mal ein Kabinett zusammenstellen und und und. Und nachdem diese Anfangshürden genommen wurden, dann gab es natürlich für uns auch eine Möglichkeit, dort als Berater tätig zu werden. Und wir haben einen Auftrag bekommen für 150.000 Euro im Jahr die Reformbestrebungen des Finanzministeriums entsprechend medial zu inszenieren.

Stefan Kaltenbrunner

Zu dem kommen wir gleich. Wir müssen jetzt einen kleinen Exkurs in die Telekom machen. Du bist in der Telekom Affäre verurteilt worden, bist auch im Gefängnis gesessen und Ende der 90er Jahre, Anfang der 200034 war die Agentur Hochegger, einer der mächtigsten PR Agentur in Wien.

Ihr habt dutzende Mitarbeiter gehabt und habt die Telekom betreut, sein eigenes Büro in der Telekom gehabt. Ich glaube 20 Mitarbeiter von dir waren ausschließlich für die Betreuung der Telekom zuständig. Und über die Telekom hast du sehr gute Geschäfte gemacht, auch in die Politik hinein. Und du warst so eine Art Schattenvorstand der Telekom und der Mobilkom und hast dort sehr viele Dinge bewirkt, die im Nachhinein nicht so ganz koscher waren, wie wir wissen. Kannst du ein bisschen erklären, deine Rolle in der Telekom und wir werden dann auch zu Karl Heinz Grasser und Walter Maischberger noch kommen. Aber was warst du für die Telekom damals?

Peter Hochegger

Wir hatten in den Konzern einen sehr guten Einstieg. Ursprünglich waren wir die Berater eines Konsortiums, die sich für die zweite Mobilfunklizenz beworben haben. Die haben es nicht bekommen. Wir waren sehr enttäuscht. Dann war für mich die Frage, was machen wir mit diesem Wissen, das wir uns angeeignet haben? Und dann war die Antwort ganz einfach, wir bieten es dem Monopolisten an. Und ich habe dem Herrn Sund einen Brief geschrieben und wusste, der wird sich dann recht rasch bei mir melden. So war es dann auch.

Und wir haben ihm erklärt, mit welchen Dingen er konfrontiert sein wird, nämlich mit Angriffen des neuen Marktteilnehmers, haben wir selbst entworfen und wir können ihm die Medizin geben, das Ganze abzuwehren. Und das hat ihn wirklich fasziniert. Wir haben da maßnahmen formuliert für 23 Millionen schillinge und nach einer Stunde Präsentation hat er gesagt, meine Herren, wir gehen da kurz hinaus. Fünf Minuten später ist er reingekommen, haben sich beraten und gesagt, wir arbeiten mit ihnen zusammen. Wir haben im ersten Jahr diese Vorschläge eins zu eins umgesetzt.

Michael Nikbakhsh

Ich möchte kurz eine Frage einwerfen, weil mich das immer schon mal beschäftigt hat. Ich glaube, ich habe dich das noch nicht gefragt. Also du hast Karl Heinz Grasser gegen Geld seinen Job erklärt und du hast dem Herrn Sund gegen Geld sein Geschäft erklärt. In Wahrheit hast du denen Sachen verkauft, die sie eigentlich selber wissen hätten müssen.

Peter Hochegger

Das glaubst du aber jetzt selber nicht. Also wir nehmen an, dass die Leute, die in tollen Funktionen tätig sind, dass die wissen, wie das funktioniert. Ganz im Gegenteil, die haben teilweise überhaupt keine Ahnung. Und deswegen brauchen sie auch Berater. Und wenn man sich jetzt anschaut, die Berater Riege, die jetzt die jetzige Bundesregierung hat, es hat sich überhaupt nichts geändert. Ganz im Gegenteil ist es noch schlechter geworden, weil einfach die Welt komplexer wird.

Und was hat den Sund so fasziniert? Wir haben gelernt, es gibt in jeder Branche auf der Produktleiter die oberste Sprosse für den Themenführer. Und wir haben Wollen sie nicht der Themenführer einer ganzen Branche sein? Hat er ja, warum nicht? Und dann haben wir ihn als Themenführer inszeniert und das hat wirklich toll hingehaut.

Stefan Kaltenbrunner

Du bist ja für die Telekom immer wichtiger geworden. Das Profil hat man vorgerechnet, du hast insgesamt um die 30,40 Millionen Euro Umsatz. Mit der Telekom, mit deiner Agentur gemacht. Das ist, glaube ich, nicht wenig Geld. Und vielleicht kannst du uns ein bisschen erklären, wie die Telekom intern auch getickt hat, was Gefälligkeiten und sonstiges betrifft und welche Rolle du dabei gespielt hast.

Peter Hochegger

Also das Problem von staatlichen oder teilstaatlichen Unternehmen ist, dass die Politik hineinregieren kann und dass sich gewisse Politiker denken, Naja, da können wir ein bisschen Geld abholen. Und wie funktioniert das? Das heißt, sie haben die Möglichkeit, Vorstände zu besetzen, zu bestimmen, wer dort sitzen wird. Und dann, wenn die dort sitzen, nämlich auf einem Ticket, das parteiabhängig ist, dann kommen die Politiker und sagen, wir hätten gern Geld für dieses und für jenes. Und das ist sozusagen dann dieses unheilige Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Politik.

Und ich war an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik und irgendwann hatte ich genug Vertrauen auf beiden Seiten. Und dann hat man halt mich ersucht, ich soll den Mediator spielen und diese Abrechnungen mit koordinieren.

Michael Nikbakhsh

Den Mediator spielen? Ist das jetzt wieder ein Euphemismus für ich soll Bestechungsgelder verteilen?

Peter Hochegger

Rudi Fischer saß auf einem ÖVP Mandat. Im Jahr 2001 ist der Herr Lobotka zu ihm gekommen und der Fischer hat den Prozess ausgesagt. Dann ist der zu mir gekommen und hat mir die Welt erklärt.

So, was war diese Erklärung dieser Welt? Wir hätten gern jedes Jahr von der Telekom 100.000 Euro für unterschiedliche Projekte, Wahlkampffinanzierung, Interessensverbände, Sponsoring eines Fußballvereins und und und. Und am Anfang war das immer schwierig, sozusagen diese Gelder Projekten zuzuordnen und dann zu sagen, ja, das war für das und für das.

Und im Jahr 2005 hat man gesagt, ja, jetzt machen wir das viel einfacher. Wir geben dem Peter Hochegger jedes Jahr eine Million Euro für Projekte, die er ohnehin für uns abwickelt, packen da einen ordentlichen Betrag noch drauf und dieser Betrag wird dann von unterschiedlichen Organisationen abgerufen. Die haben gesagt, wir hätten gern 100.000 für den Wahlkampf, gut, habe ich das mit der Telekom abgesprochen, habe eine Rechnung bekommen von einer Media Agentur und schon sind die 100.000 Euro geflossen.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt, die Telekom hat die Korruption outgesourct an den Peter Hochegger und du hast eine eigene Firma gegründet, die Valora Solution damals, und die war eigentlich nur dafür da, Begehrlichkeiten der Politik und anderen von der Telekom wegzukriegen und über diese Agentur abzurechnen.

Peter Hochegger

Also du hast vollkommen recht, die Korruption wurde outgesourct. Es war nicht die Valora Solution, sondern die Valora, die ich irgendwann einmal für einen anderen Zweck gegründet habe, nicht mehr gebraucht habe. Da haben wir gedacht, es ist genau ideal, um diese Telekom Gelder abzuwickeln.

Stefan Kaltenbrunner

Ein Beispiel zum Beispiel der Herr Molterer, der war Präsident eines Fußballclubs, den FC Sierning, wenn Sie es nicht kennen, damals am Weg Richtung Champions League. Und die haben ein bisschen Geld gebraucht, neuen Verteidiger oder Stürmer 80.000 Euro. Und der Herr Molterer hat dann bei der Telekom angerufen und Können wir schwer verbuchen, schaut komisch aus, FC Sierning. Und das macht er, Herr Hochegger. So hat das funktioniert.

Peter Hochegger

Oder das ist jetzt so ein perfektes Beispiel dieser Schattenrepublik, der Lopatka kommt und sagt, wir hätten gern jedes Jahr 100.000 Euro. Dann sagt der ja in meiner Heimatgemeinde, er war nicht Präsident, da gibt es diesen Fußballclub und dem muss man irgendwie helfen. Könntest du dem nicht irgendwo 80.000 Euro geben? Das heißt, hätte die Telekom selbst in irgendeinem Budget Euro für den Fußballklub Sierning verbucht, hätte ihnen jeder gesagt, seid ihr wahnsinnig, das ist ja hinausgeschmissenes Geld. Indem das über mich abgewickelt wurde, wurden diese Fragen nicht gestellt.

Am Ende einer Funktionsperiode hat Herr Molterer einen verdienten Mitarbeiter der ÖVP irgendwo versorgen müssen. Der hat beim Herrn Fischer angerufen, okay, nehmt meinen Freund und setzt irgendwo ins Marketing hinein oder ins Lobbying. Und die Telekom musste das machen. So und das ist sozusagen typisch für die Schattenrepublik. Netzwerke aus Wirtschaft und Politik spielen zusammen, um eigene Vorteile zu generieren zum Nachteil der anderen.

Michael Nikbakhsh

Das heißt dieses Schattenfinanzsystem der Telekom, das gab es schon, bevor du für sie tätig geworden bist, aber ab da, wo du für sie tätig warst, ist es einfach professioneller gelaufen.

Peter Hochegger

Genauso. Weniger Aufwand, administrativer und schnellere Umsetzung.

Michael Nikbakhsh

Also du warst so eine Art Korruptions One Stop Shop.

Peter Hochegger

One Stop Korruption. Ja, das klingt gut.

Stefan Kaltenbrunner

Vielleicht nehmen wir ein Beispiel noch dazu, bevor wir zu Karl Heinz Grasser kommen, weil der hat ja auch von der Telekom profitiert. Damals war ja Goldgräber Stimmung im Telekombereich, Handys, Internet etc. und Börsengang der Telekom zu ein bisschen ungünstigen Zeitpunkt. Die Dotcom Blase ist geplatzt, die Kurse wurden nicht erreicht und die Telekom ist auf die Idee gekommen, wir müssen die Kurse manipulieren, damit wir zu unserem Boni kommen und haben da einen Finanzinvestor engagiert, der im Prinzip im Hintergrund Aktien gekauft hat, um die Kurse dermaßen in die Richtung zu bewegen, wie es für die Telekom von Vorteil gewesen ist und der musste dann schlussendlich auch bezahlt werden. Auftritt Peter Hochecker, was hast du damals gemacht?

Peter Hochegger

Also man hat mit diesem Finanzinvestor die Vereinbarung getroffen, bitte kauf Aktien auf deinen Namen, auf deine Rechnung und du kriegst dann von uns ein schönes Honorar. Hat aber nicht nachgedacht, wie man das Honorar bezahlt. So, und dann war die Frage, wie machen wir das jetzt?

Und dann ist man auf die glorreiche Idee gekommen, das machen wir über den Peter Hochegger. Und dann ist der damalige Finanzvorstand zu mir gekommen, der Gernot Schiessler. Du Peter, wir haben da einen Berater, dem müssen wir 500.000 Euro Cash geben, du kriegst jetzt einen Auftrag von 1,1 Millionen. 100.000 Euro für dich, 500.000 Euro für die Steuer, 500.000 brauchen wir.

Ich habe die Rechnung gestellt, das Geld ist auf die Bank gekommen und ich habe 500.000 Euro der Telekom übergeben. Bei mir in meiner Bürowohnung sind sie zu zweit gekommen, das war so ein dickes, großes Kuvert, 500 Euro Scheine. Und die zwei haben das in Empfang genommen, sind dann hinuntergegangen in das Restaurant Oberlaa, haben dort das Kuvert dem Finanzinvestor gegeben.

Michael Nikbakhsh

Ich hatte die Möglichkeit, Gernot Schießler, den verantwortlichen Telekom Manager, Jahre später zu interviewen und er hat mir dann erzählt, dass er rund um diese Bargeldübergaben sehr schlecht geschlafen hat. Also davor und danach. Wie hast du geschlafen?

Peter Hochegger

Ich hab hervorragend geschlafen und zwar auch deswegen. Ich habe meinen damaligen Steuerberater befragt und gesagt, du, die Telekom will, dass ich da die 500.000 Euro übergebe. Das ist für jemanden, für einen Investor aus Osteuropa und ich kann das nicht direkt zahlen. Hat er gesagt, ja, Korruption, Schmiergeld in Osteuropa ist nicht strafbar, Kannst du ruhig machen. Habe ich gut geschlafen.

Stefan Kaltenbrunner

Gut, wir wechseln jetzt wieder zu Karl Heinz Grasser. Auch Karl Heinz Grasser, damals jetzt Finanzminister, hat auch profitiert von der Telekom. Und zwar habt ihr Überraschung, Meinungsumfragen in Auftrag gegeben, die die Telekom bezahlt hat. Also alle, die jetzt geglaubt haben, das wäre eine Erfindung von Sebastian Kurz gewesen, für ihn gibt es eine Unschuldsvermutung, der irrt. Auch Werner Faymann hat das nicht erfunden. Es war im Prinzip der Peter Hochegger mit Karl Heinz Grasser. Was habt ihr damals gemacht? Welche Umfragen habt ihr in Auftrag gegeben?

Peter Hochegger

Das Ganze hat ein bisschen eine Vorgeschichte. Wir sitzen im Büro beim Grasser, Maischberger und ich und haben auch das Thema vor uns, dass es eine Auseinandersetzung gibt in der Kronenzeitung zwischen dem Hans Dichand und der Wazgruppe, die sich eingekauft hat und der Maischberger und ich, wir schauen uns an Karl Heinz ruf den Dichand an und bitte um deine Hilfe an.

Was, ich kann meine Hilfe nicht? Es ist die Geste. Ich hab gesagt OK gewählt. Die Sekretärin war ein bisschen verwundert, stellte ihn aber durch zum Herrn Dichand, der war auch verwundert, aber er hat sich sehr gefreut und hat Nein, mit denen wäre ich schon alleine fertig, aber danke, dass sie an mich gedacht haben und hat dem Karl Heinz Grasser seine Telefonnummer gegeben.

Peter Hochegger

Und das war sozusagen der Anstoß für unsere nächste Idee, nämlich die Popularität von Karl Heinz Grasser durch Meinungsbefragungen, Ergebnisse weiter nach oben zu pushen. Und jetzt geht es natürlich auch darum, wer bezahlt sowas? Da war mein Vorschlag an die Telekom. Zahlt dem Grasser diese Studien, damit macht sie euch sozusagen, schafft ihr euch gut Willen oder wenn ihr was braucht, dann wird sie jederzeit ein offenes Ohr beim Finanzminister haben. Botschaft gut angekommen Und wir haben dann über fünf Jahre sechs oder sieben oder acht Meinungsbefragungen durch die Telekom finanziert und die Methodik war so. Also da gab es das Ergebnis und das vom Market und das ist dann exklusiv vom Market an die Krone geschickt worden und die haben das in einer großen Geschichte veröffentlicht. Und so ist der Herr Minister Immer populärer geworden.

Michael Nikbakhsh

Karl Heinz Grasser wusste, dass die Telekom Austria das bezahlt?

Peter Hochegger

Der Karl Heinz Grasser wusste das. So und jetzt, das habe ich ja auch im Buch gegenübergestellt, Grasser und Kurz. Und der Grasser hat es gewusst, aber er hat es nicht angeschafft. Und weil er es nicht angeschafft hat und kein sozusagen Anstifter für die Untreue war, ist er auch im Telekom Prozess nicht angeklagt geworden.

Und jetzt stellt sich die Hat der Sebastian Kurz das gewusst, dass der Thomas Schmidt das mit Geldern des Finanzministeriums finanziert hat? Und wenn er es gewusst hat oder wenn er es angeschafft hätte, dann ist es Anstiftung zu Untreu. Nur ich glaube nicht, dass dem so war, sondern ich glaube, dass der Schmitd genauso gesagt hat, wie es wir gesagt Naja, machen wir das und wir machen uns einen schlanken Fuß dadurch.

Michael Nikbakhsh

Das ist Gegenstand von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Darauf lässt sich jetzt noch keine valide Antwort geben. Selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung.

Stefan Kaltenbrunner

Ihr habt Karl Heinz Grasser nicht nur als Freund betrachtet, sondern wie du in deinem Buch schreibst, ihr habt ein Produkt daraus gemacht. Also du hast Grasser als Produkt gesehen, das man verkaufen muss und hast dann einige Aktivitäten gesetzt. Unter anderem hast du für Grasser eine Roadshow durch Österreich inszeniert, die wir alle gemeinsam, die wir hier sitzen, bezahlt haben. Was hat es mit dieser Roadshow auf sich gehabt?

Peter Hochegger

Es ist so, wenn du irgendwo tätig bist als Unternehmer oder auch als Politiker, du musst mit deinem Umfeld und mit deinen Kunden einen Dialog starten. Und damals stand ja eine Steuerreform vor der Tür und ich habe dem Grasser vorgeschlagen und sag, schau deine wichtigsten Kunden vom Steueraufkommen, Arbeitsplätze sind die Klein und Mittelbetriebe. Und wenn du die Unternehmen in die Steuerreform mit einbindest, kannst du unsterblich werden. Und die Idee hat ihm gut gefallen und er hat gut Das muss ich ausschreiben. Macht einen Vorschlag, den haben wir gewonnen Und dann haben wir das umgesetzt und in Großveranstaltungen in ganz Österreich und 110.000 Unternehmer wurden eingeladen, die konnten sich anmelden und dann hatte jeder Unternehmer bei der Veranstaltung so ein Abstimmungsgerät mit vier oder fünf Möglichkeiten. Und wir haben zu der Steuerreform verschiedene Kapitel gemacht und man konnte Maßnahmen auswählen und das war genial. Also die Leute aus der Wirtschaft haben das Gefühl gehabt, wir werden gefragt, wir werden eingebunden und das war sozusagen der Grundstein seiner Popularität.

Michael Nikbakhsh

Was hat das gekostet?

Peter Hochegger

Ja, 2,3 Millionen Euro.

Michael Nikbakhsh

Wer hat es bezahlt?

Peter Hochegger

Das Finanzministerium für die Republik Österreich.

Michael Nikbakhsh 

Gern geschehen.

Stefan Kaltenbrunner

Ihr habt ja nicht nur diese Roadshow inszeniert, sondern auch das Nulldefizit per se schon ein Begriff, der völlig unsinnig ist. Es gibt kein Nulldefizit. Und was hat es mit diesem Nulldefizit auf sich gehabt? Wer hat das erfunden? Und Zusatzfrage gleich, wie stellen wir uns eigentlich diese Treffen vor, die du, Maischberger und Grasser im Finanzministerium wöchentlich abgehalten habt?

Peter Hochegger

Die Treffen haben so stattgefunden, also es waren auch größere Runden andere Experten mit dabei und Karl Heinz Grasser hat halt die Themen, die ihn berührt haben, zur Diskussion gestellt und eines Tages sagt er ah, wir haben ein ausgeglichenes Budget und was können wir damit machen? Und mir war natürlich sofort klar, dass das sozusagen eine Möglichkeit ist, den Erfolg der Regierung entsprechend zu inszenieren.

Und das Wort ausgeglichenes Budget, das ist halt ein bisschen sperrig und wir haben intern ein bisschen diskutiert, was könnte das für eine Alternative sein? Und irgendwann ist Halt der Ausdruck Nulldefizit entstanden. Ich weiß nicht von wem, aber mir war klar, das ist es.

Und dann habe ich gesagt, machen wir. Wir bedanken uns bei allen Österreichern, die fleißig mitgearbeitet haben, dass wir ausgeglichenes Budget haben. Das Ganze haben wir in einem Brief formuliert, den der Bundeskanzler, der Finanzminister und die Vizekanzler unterschrieben haben. Und dieser Brief wurde transportiert in ganzseitigen Inseraten in allen großen österreichischen Tageszeitungen.

Stefan Kaltenbrunner

Was hat das gekostet?

Peter Hochegger

Ja. 550.000 Euro.

Stefan Kaltenbrunner

Und bezahlt vom Steuerzahler.

Peter Hochegger

Richtig.

Michael Nikbakhsh

Wie war das? Ihr habt du hast vorher, bevor wir den Telekom-Blog gemacht haben, hast du von einem Auftrag, einem 150.000 Auftrag erzählt fürs Finanzministerium. Es gab die Roadshow, es gab einige Aktivitäten für das Finanzministerium, die da gesetzt wurden und die Agentur Hochegger hat sich da immer im Zuge vollkommen transparenter, fairer Ausschreibungen gegen Konkurrenten durchgesetzt. Trifft das zu?

Peter Hochegger

Trifft zu, ja.

Michael Nikbakhsh

Also ihr habt nie selbst an Ausschreibungsformulierungen gearbeitet?

Peter Hochegger

Nein, das war nicht notwendig.

Michael Nikbakhsh

Warum war das nicht notwendig?

Peter Hochegger

Es ist so, wenn du an Ideen oder Konzepten schon in der Entstehung mitarbeitest, hast du einen Informationsvorsprung und das reicht dann aus, um diese Aufträge zu gewinnen.

Michael Nikbakhsh

Das heißt, du weißt, wie eine Ausschreibung ausgestaltet sein wird, noch bevor es die Ausschreibung gibt?

Peter Hochegger

Naja, man muss den Vorschlag kennen und muss den Nutzen kennen, der durch dieses Projekt entsteht. Und es ist so, es geht immer um den Nutzen. Was hat ein Politiker, was hat ein Ministerium davon? Und wenn die sehen, das dient mir am meisten, dann wollen die das haben.

Michael Nikbakhsh

Du hattest ein besonderes Bedürfnis, Karl Heinz Grasser glücklich zu machen. Es gibt in dem Buch eine Begebenheit, die du schilderst. Karl Heinz Grasser ist Finanzminister. Es gibt eine Charity im Rathauskeller, glaube ich, zu welcher du eingeladen bist. Und du bekommst, bevor der Event losgeht, einen Auftrag von Walter Maischberger. Wie lautete der?

Peter Hochegger

Ich wurde eingeladen zu diesem Abendessen und dann kommt Walter Maischberger zu mir, sagt du Peter, der wird heute Abendessen versteigert. Kannst du das bitte ersteigern? Abendessen ersteigern. Sagt er, du kannst dort Kunden hin einladen, also Abendessen mit Fiona, mit Karl Heinz, mit der Familie Meindl und mir Doch gut, wenn ich da Kunden mit einladen kann, dann kann ich sie auch dem Kunden verrechnen und habe zugestimmt.

Peter Hochegger

Und diese Versteigerung hat dann bei 8.000 Euro ihr Ende gefunden. Und das hat halt dann die Telekom gekostet.

Michael Nikbakhsh

Die Telekom Austria hat dafür bezahlt, damit du mit Karl Heinz Gasser Abendessen gehen kannst.

Peter Hochegger

Der Vorstand war ja auch mit eingeladen.

Michael Nikbakhsh

Und das ändert natürlich alles.

Peter Hochegger

Jetzt stellt sich die Frage, was hat die Telekom davon gehabt, so ein enges Verhältnis zu Grasser zu haben? Und ich nenne das an einem Beispiel. Es gab die Ausschreibung der IP Telefonie für die ganzen Ministerien und natürlich war das für die Telekom ein ganz wichtiger Auftrag. Jetzt waren die aber technologisch zum Zeitpunkt der Ausschreibung noch nicht so weit. War der Auftrag an mich. Peter du musst schauen, dass die Ausschreibung um ein Jahr verschoben wird. Wir haben den Herrn Finanzminister davon überzeugt, in der Regierung Stimmung zu machen, diese Ausschreibung um ein Jahr zu verschieben.

Peter Hochegger

So und dann kam die Ausschreibung und dann ist es darum gegangen, wer macht mit, was haben die für Assets im Gegenüber der Telekom, wie schaut deren Angebotsstruktur aus? Und alle diese Informationen hat die Telekom bekommen und hat die Ausschreibung gewonnen. Und allein dieses Beispiel zeigt, wie wichtig sozusagen die enge Beziehung zu Grasser und zu einigen anderen Regierungsmitgliedern war.

Stefan Kaltenbrunner

Hat bei diesem Fall, wer profitiert, ist da Geld geflossen?

Peter Hochegger

Also wir haben entsprechende Honorare in Rechnung gestellt und die Telekom war glücklich, dass das umgesetzt wurde. Und die haben ja über verschiedene andere Kanäle Gelder an die Regierung fließen lassen. Also das ist die Schattenrepublik, eine Hand wäscht die andere, beide waschen das Gesicht.

Michael Nikbakhsh

Das heißt, hier wurde von Seiten der teilstaatlichen Telekom Geld bezahlt dafür, dass ein Minister, in dem Fall der Finanzminister, etwas im Sinne des Unternehmens tut oder eben nicht tut, je nachdem.

Peter Hochegger

Ja, es ist nicht nur der Grasser, nehmen wir den für das Projekt, was ich dann verurteilt wurde. Gorbach kam zum Gernot Schiessler oder zur Telekom gesagt, bitte, ich habe mich entschlossen wieder zu kandidieren, möchte in der Politik bleiben für das BZÖ damals für das BZÖ, könnt nicht meinen Wahlkampf finanzieren. Frage an mich, Peter, was machen wir mit diesem Ansinnen? Dann habe ich gesagt, gut, der ist Vizekanzler, der ist Infrastrukturminister, der sitzt sicher noch ein paar Monate in der Regierung, also es würde schon Sinn machen, seinem Wunsch zu entsprechen. Na gut, aber wie machen wir das?

Wir machen eine Testimonheld Kampagne. Ah, wie geht das? Ihr macht Glasfasernetzausbau und der Herr Vizekanzler sagt, für den Standort Österreich ist es unbedingt wichtig, dass das Glasfasernetz rasch ausgebaut wird und ihr zahlt die Inserate und die Werbespots, wo der Herr Minister das kundtut. Die Idee ist auf fruchtbaren Boden gefallen.

Dann hat mir der Schiessler gefragt, was kostet sowas? Ungefähr Million. Ah ja gut. Und sie haben diese Million Euro budgetiert. Dann ist der Gorbach aber nicht angetreten und das budgetierte Geld wurde dann für eine andere Ministerin und für einen BZÖ Abgeordneten verwendet. Und dafür bin ich zu Recht verurteilt worden, weil ich habe nämlich den Vorschlag gemacht, nämlich Telekom Gelder für politische Interessen zu verwenden. Und das ist auch sozusagen, das ist nichts Außergewöhnliches, das ist alltäglich.

Stefan Kaltenbrunner

Wir sind schon sehr weit in der Zeit, wir müssen jetzt zur BUWOG kommen und das Ende von Grasser als Finanzminister. Es war ja die Zeit unter Karl Heinz Grasser, wo sehr viel privatisiert worden ist, unter anderem die BUWOG-Wohnungen. Andere mehr noch. Wie war das jetzt damals? Du hast ja vor Gericht ein Teilgeständnis abgelegt.

Wir sind ja heute unter uns. Du könntest jetzt komplett gestehen und zu Jahresende und dein Gewissen erleichtern. Erklär uns ein bisschen noch von deiner Warte aus, wie das damals war mit der Bubok Privatisierung, wie das Geld geflossen ist, wie die Kommunikation zwischen dir, Grasser und Maischberger war und wie es dann auch schlussendlich zum Bruch gekommen ist.

Peter Hochegger

Eines Tages, ich sitze mit Walter Maischberger im Seitenblicke Büro, ich war dort beim Verlag auch beteiligt, sagt er, Peter Du, da gibt es ein Projekt, da könnte man dich vielleicht brauchen. Um was geht es? Ja, um die Privatisierung der Bundeswohnungsgesellschaften. Sage ich, ja gut, sag mal, wenn es soweit ist. Und dann sage ich was könnte ich dabei verdienen? Sagt Ja du locker eine Million Euro. Und das war eine riesen Karotte. Und ich hab schon gedacht, na hoffentlich, Fragt er mich in einer Woche. Tatsächlich hat er mich gefragt, du du bist ja auch Berater der Immofinanz und die sind in einem Konsortium drinnen, im Österreich Konsortium.

Michael Nikbakhsh

Da war auch dabei Raiffeisen Oberösterreich...

Peter Hochegger

Vienna Insurance Group und noch irgendeine kleinere oberösterreichische Bankengruppe. Und dann sagt er, es ist der politische Wunsch, dass dieses Konsortium den Zuschlag kriegt. Sag ich, politischer Wunsch, aha, sagt er ja, der Molterer hat beim Karl Heinz angerufen und gesagt Du bitte Karl Heinz, schau, dass unser Konsortium, das Österreich Konsortium, den Zuschlag bekommt. Und dann hat ihm der Grasser gesagt, Jja, aber da muss man den höchsten Preis bieten. Und da kam ich ins Spiel, nämlich das Österreich Konsortium zu beraten, den höchsten Preis zu bieten.

Michael Nikbakhsh

Die dramatische Pause soll ausdrücken es gelang. Es wurde dann der höchste Preis geboten. Der nur knapp hörer war als der andere.

Peter Hochegger

Meine Aufgabe war es natürlich auch, mit dem Österreich Konsortium einen Erfolgsvertrag abzuschließen, haben wir gemacht, ein Prozent von der Barsumme und sie zu beraten, in welcher Höhe sie ihren Preis hinlegen sollen.

Und die Empfehlung war immer geht es in Richtung Milliarde, weil nämlich es Unterlagen im Finanzministerium gegeben hat, die davon ausgegangen sind, dass diese Bundeswohngenossenschaften ungefähr Milliarde Euro Barangebot wert sind.

Insgesamt 2,5 Milliarden Übernahme noch der Kredite, nur die knausrigen Banker haben nicht auf uns gehört und haben nicht diese Milliarde angeboten, sondern halt nur 850 Millionen und die anderen der Mitkonkurrenz, die haben halt 927 Millionen angeboten und dann war Feuer am Dach.

Stefan Kaltenbrunner

Auftritt wieder Maischberger und Hochegger.

Peter Hochegger

Maischberger ruf mich an, ganz enttäuscht, wir haben das verloren und warum haben die nicht mehr geboten? Und dann sage ja, ich habe immer wieder gesagt, geht es in Richtung Milliarde? Die haben halt nicht auf mich gehört und haben mich dann auch nicht eingebunden in das letztendliche Angebot, das ich gelegt habe. Und ist der Zug jetzt abgefahren, Sagt er ja, du, das ist schwierig, weil die Differenz so groß ist.

Dann habe ich gesagt, gibt es da nicht irgendwo noch eine Chance? Sagt ja, aber du musst zuerst abfragen, ob die überhaupt bereit sind noch mehr zu bieten. Ich ruf den Petrikovic an, der war auch völlig von den Socken, weil er nicht damit gerechnet hat, dass andere mehr bieten und dann sage ich, naja, seid ihr bereit mehr zu bieten, dann ist vielleicht noch eine Runde möglich.

Sagt ich werde mit den Oberösterreichern checken, rufen sie sich morgen wieder an, das war dann der Samstag. Samstag, wir gehen in Richtung Milliarde, was auch immer, aber wir hätten gerne von ihnen eine Summe, eine Indikationssumme, wo wir den Preis hinlegen sollen. Haben gesagt, okay, ich werde mich bemühen, ruf den Maischberger an und sage du Walter, die sind bereit mehr zu bieten, aber sie hätten gern von uns eine Summe. Sagt er gut, ich werde mich bemühen, Montag, Mittagszeit, Maischberger ruft mich an, sagt du sag deinen freunden nicht unter 960 aber sie sollen in Richtung Milliarde gehen.

Peter Hochegger

Ich treffe mich mit Petrikovic, sag Herr Dr. Petrikovic, ich habe die Information, die Sie brauchen nicht unter 960. Er ruft in Oberösterreich an und sagt ja, hat die information nicht unter 960. Der in Oberösterreich sagt na und wie sicher ist das Ganze? Petrikovic fragt mich, wie sicher ist das? Sage ich sehr sehr sicher, ich hatte ja keine Ahnung, was das für Zahl ist.

Ich hab mir gedacht, das ist das Angebot der Konkurrenz. So und dann bieten die Oberösterreicher 961 also das Österreich Konsortium, die CA Immo 960 und das war dann wirklich ein sehr sehr knappes Ergebnis. So und Wo ist die 960 hergekommen? Da gab es dieses berühmte Treffen im Gelben Salon, wo die Lehman Brothers diese Angebote halt gegenübergestellt haben und die CA Immo hat dort eine Zahl hineingeschrieben, nämlich von 960 Millionen Schillinge, das waren die Euro, das war die Summe, die sie angeboten haben, plus die Transaktionskosten. Damit ist man auf die 960 gekommen und das war die Zahl, die mir der Maischberger gegeben hat.

Michael Nikbakhsh

Die Geschichte endet mit einem teilweisen Geständnis, Stefan Kaltenbrunner hat es schon erwähnt, und mit rechtskräftigen Verurteilungen. Nun ist es ja so, dass Grasser und Maischberger ihre Verurteilung bis heute als großes Unrecht empfinden, also ein großer Justizirrtum passiert. Wie ist das mit dir? Wie bist du mit deinem Urteil zufrieden?

Peter Hochegger

Also ich bin mit meinem Urteil zufrieden. Ich habe sozusagen etwas falsch gemacht, habe mich dafür auch entschuldigt und bin davon ausgegangen, schon in der ersten Instanz, das hat mir mein Anwalt erklärt, hat gesagt Peter, du willst drei Jahre kriegen, davon ein Jahr unbedingt. Und das ist es dann letztendlich auch geworden. Und der Oberste Gerichtshof hat das damit argumentiert, dass ich einen Beitrag zur Wahrheitsfindung geleistet habe. Und so war's.

Stefan Kaltenbrunner

Walter Maischberger und Karl Heinz Grasser sehen das natürlich komplett anders. Wir haben sehr viele Zuschriften bekommen auf unseren Podcast und auf diese Aufführungen und dem Michael hat ein User geschrieben, vielleicht kannst du das kurz vorlesen.

Michael Nikbakhsh

Das mache ich sehr gerne. Und es hat ein User auf YouTube einen Kommentar hinterlassen, also richtigerweise zwei Kommentare, und zwar der User Walter M. 1959. Ich zitiere: unglaublich, was der Hochegger in diesem Podcast für einen Blödsinn erzählen darf. Die Herren Investigativjournalisten unter Anführungszeichen. Also das sind wir zwar, erhalten offensichtlich eine Einführung in das Fach der schwarzen PR. Im Kern sind zwar viele Dinge wahr, aber das Kriminelle rundherum behauptet und er lügt, der feine Herr. Wer ihm diesen Blödsinn glaubt, ist selber schuld. Und dann hat sich Walter M. 1959 noch eine Nachricht an sich selbst geschickt und die da Walter M. 1959 bin übrigens ich Walter Maischberger und ich müsste es wissen, ich war ja dabei.

Stefan Kaltenbrunner

Aber ich wäre sowieso generell ein bisschen vorsichtig, was du über Walter Maischberger sagst Peter, weil wir haben den Anwalt zufällig heute da, den Michael Dohr, den Doktor Dohr und vielleicht können wir den kurz befragen, was er davon hält. Also hier sitzt der Anwalt von Walter Maischberger.

Michael Nikbakhsh

Ich suche jetzt den Michael Dohr. Wo ist er?

Stefan Kaltenbrunner

In der Mitte sitzt er. Da sitzt er, genau. Und ist jetzt nicht geplant, aber wir haben ihn vorher entdeckt.

Michael Nikbakhsh

So, Herr Dohr, also ihr Mandant hat gesagt, das ist alles ein Blödsinn, was der Maischberg erzählt.

Michael Dohr

Nach wie vor. Das sagt er nach wie vor. Also ein Justizirrtum nach wie vor ist es. Aber zum Glück braucht er nie die Haft antreten bzw. nicht in Haft gehen. Also er kann das mit Fusssessel machen, weil das Gesetz wurde, das muss vielleicht allen erklären, wurde überraschenderweise geändert im Sommer. Ob das ein politisches Gesetz ist. Jedes Gesetz ist politisch, ob das für Politik gemacht worden ist, vielleicht weiß man nicht.

Auf jeden Fall in Österreich braucht jetzt niemand mehr in Haft gehen, also ins Gefängnis, wenn er vier Jahre bekommen hat. Und für vier Jahre musste er relativ viel anstellen in Österreich, vor allem bei Wirtschaftsdelikten. Und es ist jetzt so, dass das sich genau ausgegangen ist bei Herrn Maischberger, dass er gar nicht mehr sozusagen hinter die schwedische Gardine muss.

Michael Nikbakhsh

Stefan Kaltenbrunner hat Walter Maischberger in die Dunkelkammer eingeladen, um das aufzulösen, weil er sagt, Peter Hochegger, erzählt wird nur Blödsinn. Werden Sie Walter Maischberger empfehlen, in unseren Podcast zu kommen?

Michael Dohr

Unbedingt, unbedingt. Also wenn er dann die Fußfessel hat, dann hat er Freiheit und dann kann er dann schon mit euch wieder besprechen das Ganze.

Michael Nikbakhsh

Danke, Michael Dohr.

Stefan Kaltenbrunner

Peter, wir müssen zum Ende kommen. Wir sind jetzt 2006, 2007. Die Koalition zerbricht. Neuwahl. Karl Heinz Grasser scheidet aus der Politik aus und die drei dicken Freunde gründen eine eigene Firma, damals die Valora Solution. Und auch damals habt ihr gesagt, Maischberger und du, wir müssen uns erkenntlich zeigen und dem Karl Heinz Grasser ein Geschenk machen. Und habt ihm dann was geschenkt. Was war das und warum eigentlich?

Peter Hochegger

Na, es war ja so, die Schüssel Regierung hat keine Mehrheit gehabt mehr mit den BZÖ. Es hat sich abgezeichnet, eine große Koalition. Und unser Ansinnen war es, dass der Karl Heinz Grasser weiter in der Politik bleibt. Er wollte das gar nicht so unbedingt, Aber der Walter Maischberger und ich, wir haben die Erfahrung gemacht, dass man mit dem Herrn Minister als Produkt und mit den Wünschen aus der Wirtschaft ganz gut verdienen kann und habe wieder mal eine Umfrage in Auftrag gegeben, wer soll in der neuen großen Koalition Finanzminister sein?

Der Herr Van der Bellen, der Herr Marzenetter und noch irgendwer oder der Karl Heinz Grasser, also no Names, dem Grasser gegenübergestellt. Und natürlich wollten fast 60 Prozent, dassder Karl Heinz Grasser auch in einer ÖVP SPÖ oder SPÖ ÖVP Regung der Finanzminister machen. Und das haben wir natürlich wieder über die Kronen Zeitung inszeniert. Und das haben dann auch die Granden der ÖVP gelesen, der Herr Schüssel und der Herr Pröll.

Und die haben sich gedacht, eigentlich ja, wir sollten den Karl Heinz an die Spitze der ÖVP stellen. Und das war dann auch die Diskussion und wir sind zusammengesessen und haben uns das überlegt, wie könnte das ausschauen? Und dann sagt der Grasser, ja, die ÖVP, das ist so ein unstrukturierter Haufen, ich bin ja nicht von denen, wie soll ich den in den Griff bekommen? Sag ich ja, wenn du einen guten Generalsekretär hast, dann könnte das funktionieren.

Peter Hochegger

Ja, und wo kriegen wir den her? Sag ja, ich kenne jemanden, den Ernst Straßer. Ah ja, der Ernst, mit dem habe ich immer gut zusammengearbeitet. Ich rufe den Ernst Straßer an, der horcht sich das an, sagt, ja, lass mir ein paar Gespräche führen. Und einige Tage später hat er dem zugestimmt. Und womit niemand gerechnet hatte, nämlich der Grasser, dass der Willi Molterer im Hintergrund schon seine Fäden geknüpft hat, dass er die ÖVP übernimmt und den Finanzminister posten. Und so war es dann auch.

Stefan Kaltenbrunner

Das heißt Grasser ist aus der Politik ausgeschieden, ihr habt eine Firma gemacht, die ist dann relativ schnell gekracht, ihr habt euch zerstritten. Das war wegen der Meindl Bank, wo ihr euch gegenseitig faktisch Betrug vorgeworfen habt. Wann war das letzte Mal, dass du Maischberger und Grasser eigentlich gesprochen hast? Bzw. Es kam ja dann zu Ermittlungen in der BUWOG Affäre bis zum Prozess. Hattet ihr dann noch Kontakt, die dicken Freunde, oder war das vorbei?

Peter Hochegger

Also nachdem er aus der Politik ausgeschieden ist, hat der Walter den Vorschlag gemacht, wir müssen uns beim Karl Heinz bedanken und gesagt, okay, wie soll das ausschauen? Dann kaufen wir eine schöne Uhr und die teilen wir die Kosten zu dritt, diese Uhr haben wir überreicht beim Meindl am Graben und wir hatten dann auch die Firma gemeinsam, die Valora Solutions und wir haben alle möglichen Dinge versucht, da den Karl Heinz Grasser einzubinden und er war es gewohnt, als Politiker die Dinge am Silbertablett serviert zu bekommen und nicht allzu viel selbst zu machen. Hat halt nicht funktioniert.

Und dann hat Walter Mayschberger die Idee gesagt, du, ihr macht in Osteuropa Windpark Entwicklungen und da braucht es ja Geld. Und das könnte der Karl Heinz aufstellen. Super. Haben mit ihm Verträge ausgehandelt, unterschriftsreif, wer kam nicht? Der Karl Heinz Grasser.

Und er hat dann bei Meindl International Power angedockt und mit dem ganzen Wissen, dass er sich aus den Verhandlungen erworben hat, hat er sich dort einen schönen Vertrag ausgehandelt, haben wir auch noch verstanden. Und als er dann unsere Ingenieure abwerben wollte, dann haben wir uns gedacht, so jetzt ist eigentlich die Zeit reif, sich voneinander zu trennen. Wir haben alle voneinander sehr profitiert und ich bin aus der Firma ausgeschieden.

Michael Nikbakhsh

So gesehen wäre Karl Heinz Gasser aber ein gelehriger Schüler deiner selbst gewesen. Wir sind am Schluss. Meine sehr verehrten Damen und Herren, Ich habe allerdings heute erfahren, dass es eine gewisse Chance gibt, dass wir das nächstes Jahr nochmal machen hier in der Kulisse. Schauen wir mal.

Peter Hochegger

Ich habe noch eine wesentliche Botschaft und zwar die Schattenrepublik funktioniert ja nur, weil Leute mitspielen, nämlich zu ihrem eigenen Vorteil. Wir haben das schon am Beispiel von Telekom Vorständen gehört. Und es gibt aber auch Menschen, und die braucht man, die Zivilcourage haben, die stark genug sind, Nein zu sagen. Und so einer ist der Stefan Wenger gewesen, Vorstand in der ÖBB. Und von dem wollte man, dass er diese schönen Inserate für den Herrn damaligen Infrastrukturminister Faymann aus seinem Budget finanziert. Und er hat Nein gesagt. Er hat deswegen Nein gesagt, weil er gesagt Ich kann das mit meinem Job als Vorstand nicht vereinbaren. Das bringt mir keinen einzigen Fahrgast in den Railjet. Und der Herr Ostermeier hat zum Herrn Wenger. Naja, aber das wäre ja gut für Ihre Karriere. Und er hat trotzdem Nein gesagt.

Und eines Tages hat ihm der Herr Aufsichtsratsvorsitzende Böcher erklärt und Herr Wenger, Sie brauchen nicht mehr kommen. Suchen Sie noch was, was Ihnen Spaß macht. Wir zahlen es. Wir zahlen Ihnen auch den Vertrag aus, aber kommen Sie einfach nicht mehr sagt. Okay. Ja, hat dann einen MBA gemacht in Stanford, hat im Rahmen des MBA das Konzept für die Westbahn entwickelt und dann mit Investoren umgesetzt.

Michael Nikbakhsh

Bezahlt von den ÖBB.

Peter Hochegger

Bezahlt von den ÖBB. So, und der Mann hatte die Stärke, Nein zu sagen. Und das ist das, was man braucht in Österreich. Menschen, die einfach Nein sagen und bei diesen Gesellschaften nicht mitspielen.

Michael Nikbakhsh

Wir sind am Schluss. Ich möchte schließen mit zwei, drei Kommentaren von unseren Hörerinnen und Hörern. Über Peter Hochegger haben Leute geschrieben, unter anderem ein geiler Typ, ein Herz für die Steiermark, oder größten Respekt an Herrn Hochegger. Er legt die Karten auf den Tisch. Sehr beeindruckend, was er in seinem Leben alles erreicht hat und welche Leute er kannte und das Ganze nur mit Fleiß, Aufgeschlossenheit und Raffinesse ohne reiche Eltern. Gut, da fällt jetzt ein bisschen was, aber lassen wir es so. Hast du das selber geschrieben?

Peter Hochegger

Nein.

Michael Nikbakhsh

Ja, und dann kommt also wirklich x mal ist gekommen, Herr Hochegger kommt sehr sympathisch rüber, kommt sehr sympathisch rüber. Immer wieder. Peter Hochegger ist der Forrest Gump der österreichischen Innenpolitik. Irgendwie überall dabei gewesen.

Ich habe es ja so gesagt, Kaltenbrunner, Nikbakhsh haben da jetzt nicht so gut abgeschnitten. Ich bin von der Leistung der befragenden Journalisten nicht beeindruckt. Anstelle zu würdigen, dass offen über solche Geschäftspraktiken berichtet wird, gibt es viele unpassende Kommentare. Ein anderer hat geschrieben, das wirkliche Schockierende an diesem Podcast ist die Ahnungslosigkeit der beiden Journalisten. Aber einen Kommentar, den kann man wirklich ans Ende hinstellen. Ein User hat geschrieben, eh alles wie immer.

Stefan Kaltenbrunner

Herzlichen dank.

Autor:in:

Michael Nikbakhsh

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