Die Dunkelkammer
ORF. Das System Schöber: Ein 75.000 Euro-Geburtstagsfilm für Erwin Pröll

Von Michael Nikbakhsh. Das System Peter Schöber, eine Fortsetzung. Im Dezember 2021 lief auf ORF III erstmals die Dokumentation „Erwin Pröll von A bis Z“ – der einzige Anlass war Prölls 75. Geburtstag. Realisiert wurde der Film von einer externen Produktionsfirma. Kostenpunkt laut Vertrag: rund 75.000 Euro netto. Wie sich jetzt herausstellt, floss rund um diese ORF-III Doku Geld des niederösterreichischen Bauernbunds. Aus einer gemeinsamen Recherche mit dem STANDARD.

Michael Nikbakhsh
Herzlich willkommen zur 317. Ausgabe der Dunkelkammer. Mein Name ist Michael Nikbakhsh, und heute geht es einmal mehr um den ORF. In der Ausgabe Nummer 307 hatte ich mich erstmals mit dem Wirken von Peter Schöber als Geschäftsführer von ORF III beschäftigt. Das setze ich heute fort, die vorliegende Recherche habe ich ein weiteres Mal mit den Kollegen vom STANDARD gemacht. Ein Gruß an Fabian Schmid und Kollegen. Peter Schöber, der hat gerade wieder für Schlagzeilen gesorgt, weil er verhindern will, dass der ORF-Stiftungsrat Einschau in einen für ihn offenbar kritischen Untersuchungsbericht nimmt, der Schöbers Führungsstil als ORF III-Geschäftsführer zum Gegenstand hat. Wie schon mal erzählt, hatten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ORF III Ende 2024 teils gravierende Vorwürfe gegen Peter Schöber erhoben. Der damalige Generaldirektor Roland Weißmann hatte daraufhin eine sogenannte Compliance-Untersuchung angeordnet, und dazu gab es dann einen Compliance-Bericht. Und Roland Weißmann hat damit nicht viel mehr gemacht, als den Bericht wegzusperren. Peter Schöber, der durfte weitermachen.

Im Stiftungsrat hat sich, soweit ich das überblicke, mehr als ein Jahr lang niemand ernsthaft für diesen Schöber-Bericht interessiert. Für den Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer war das offensichtlich einer dieser "Cold Cases", wie er es in einem ZIB2-Interview vor einigen Wochen ausgedrückt hat. Cold Cases. Lederer hat dabei übersehen, dass Cold Cases nicht alte Fälle sind, es sind alte, ungelöste Fälle. Aber egal.

Jetzt scheint sich der Stiftungsrat zwar endlich für den Schöber-Bericht zu interessieren, das will jetzt aber wiederum Peter Schöber mittels gerichtlicher einstweiliger Verfügung verhindern. Das berichtete unter anderem der STANDARD am 30. April unter Berufung auf eine E-Mail von ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurn her an die Stiftungsräte. Der Manager eines Unternehmens will also unter Androhung rechtlicher Schritte verhindern, dass das Aufsichtsgremium des Unternehmens Zugang zu einem Bericht bekommt, der Fehlverhalten des Managers dokumentiert. Ich mache den Job jetzt schon ein paar Jahre, aber so etwas habe ich in der Form noch nie gehört. Willkommen in der Welt des ORF.

Einer der Vorwürfe, der auf Peter Schöber lastet, ist ja eine, sagen wir mal, eine gewisse Durchlässigkeit gegenüber Wünschen aus der Politik. Peter Schöber soll in der Vergangenheit immer wieder unsachlichen Einfluss auf die Themen- und Gästeauswahl bei ORF III genommen haben, einerseits im Kulturbereich und andererseits bei Dokumentationen. Wie sich das in der Praxis ausprägt, das hatte ich bereits in Ausgabe Nummer 307 anhand zweier Dokus beleuchtet, die 2023 erstmals auf ORF III ausgestrahlt wurden. In beiden Fällen handelt es sich um Produktionen, die von externen Produktionsfirmen hergestellt wurden, und beide Filme sorgten zumindest ORF-intern für ziemliche Aufmerksamkeit.

Ein Film heißt "Die österreichische Arbeiterbewegung", und rund um diesen Zweiteiler, da gab es vor der Veröffentlichung offenbar eine politisch motivierte Intervention. Ein Vertrauter von Peter Schöber aus der ORF III-Redaktion, der versuchte, bei der Produktionsfirma nachträglich ein Interview mit dem Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig in den bereits fertig abgedrehten Film hineinzureklamieren. Der ORF-Mitarbeiter gab dem Produzenten an, es gebe bei ORF III den dringenden Wunsch von oben, Michael Ludwig in den Film hineinzunehmen. Der Produzent weigerte sich mit Hinweis auf Parteiewerbung, und Michael Ludwig kam schlussendlich dann doch nicht in den Film hinein. Anders gelagert war das bei der ORF III-Doku "40 Jahre Donauinselfest". Die entstand nämlich überhaupt in Kooperation mit dem Team der damaligen Wiener SPÖ-Landesparteisekretärin Barbara Nowak. Und das führte auch dazu, dass der zuständige Redakteur bei ORF III den Film als "nicht sendbar" einstufte, weil er, ich zitiere, "übertrieben SPÖ-lastig" sei. Gesendet wurde der Film dennoch. Und das gilt auch für einen weiteren Film, und um den soll es heute gehen. Auch dieser Film ist auf ORF III gelaufen, die Erstausstrahlung war am 12. Dezember 2021 um 22:20 Uhr, und auch diese Dokumentation wurde von einer externen Produktionsfirma realisiert.

Der Film führt allerdings nicht zur SPÖ Wien, sondern vielmehr zu einem Urgestein der ÖVP Niederösterreich, konkret zu Erwin Pröll, vormals Niederösterreichs ÖVP-Chef und Landeshauptmann eben da, und das zwischen 1992 und 2017. Und der Film führt auch zum Niederösterreichischen Bauernbund, dem Erwin Pröll seit den 1970er Jahren eng verbunden ist. Am 12. Dezember 2021 also wurde auf ORF III ein Film über Erwin Pröll erstmals ausgestrahlt, und schon der Titel verspricht viele Streicheleinheiten: "Erwin Pröll von A bis Z". Tatsächlich kein Jux, der Film heißt wirklich "Erwin Pröll von A bis Z", und schon zum Einstieg sieht man Erwin Pröll mit Familie aufgestellt im Garten, unterlegt mit dem Song "My Way". Der Film ist 58 Minuten und 53 Sekunden lang und kostete in der Produktion laut dem uns vorliegenden Produktionsvertrag rund 75.000 Euro netto vor Umsatzsteuer. In dem Fall gab es aber eine bemerkenswerte Querfinanzierung, und zwar durch den Niederösterreichischen Bauernbund. Der hat nämlich von der Filmproduktionsfirma nach eigener Darstellung die Rechte zur DVD-Vervielfältigung des Films "Erwin Pröll von A bis Z" erworben. Der Reihe nach. Wenn ich mit Blick auf diesen Film von einer Dokumentation spreche, dann ist das ein großes Wort, denn ganz ehrlich, "Erwin Pröll von A bis Z" ist keine Dokumentation. Es ist ein Geburtstagsfilm, der wohl im Spätsommer 2021 aufgezeichnet, aber jedenfalls zwei Wochen vor Erwin Prölls 75er auf ORF III ausgestrahlt wurde.

Die Sendung lief, wie gesagt, am 12. Dezember 2021. Am 24. Dezember hatte Pröll dann seinen 75. Geburtstag. Geburtstagsfilm, das sage nicht ich, das sagte der ORF damals selbst. Ich zitiere aus der Inhaltsangabe des ORF zu dem Film "Erwin Pröll von A bis Z": "Zum 75. Geburtstag von Erwin Pröll geben Weggefährten aus Kunst, Kultur, Politik, Freunde und Familie Einblick in das Leben und Wirken des langjährigen niederösterreichischen Landeshauptmanns. Von A wie Anfang bis Z wie Zukunft spannt sich der Bogen. In Kapiteln beschreiben Persönlichkeiten wie Franz Wranitzky, Wolfgang Schüssel, Doris Bures, Jean-Claude Juncker, der Autor Robert Menasse sowie Künstler wie André Heller und Hermann Nitsch ihr ganz persönliches Verhältnis zu ihm." Zitat Ende. Tatsächlich ist dieser Film auch nichts anderes als eine Aneinanderreihung von Nettigkeiten und Komplimenten an die Adresse des Jubilars Erwin Pröll von Parteifreunden, aber nicht nur. Hören wir mal rein, was zum Beispiel Doris Bures über Erwin Pröll zu sagen hatte.

Doris Bures
Er ist ein sehr werteorientierter Mensch. Er hat auch so als christlich-soziale und aus dem ländlichen Sektor Kommende eine klare Wertehaltung und hat auch immer harte Interessenspolitik vertreten. Was ich an ihm immer geschätzt habe, war, dass er das auch seinem Gegenüber zugestanden hat und dass, wenn wir Verhandlungen geführt haben und er die Ernsthaftigkeit gemerkt hat und auch gute Argumente, dass es möglich war, einen ganz gemeinsamen österreichischen Weg, nämlich der konsensorientierten Politik, auch zu gehen.

Michael Nikbakhsh
Oder hören wir mal rein, was zum Beispiel der Künstler André Heller zu sagen hatte.

André Heller

Ich glaube, er ist im Großen und Ganzen, weil er eben sich doch entscheidend immer wieder weiterentwickelt hat, ein gelungener Mensch. Das ist das, wie ich Gelungenheit beschreiben würde, dass man eben als Entwurf zu einem Menschen geboren wird und dann entwickelt man sich jede Stunde und jeden Tag in etwas, das, wenn man es halbwegs verantwortungsvoll und klug macht, dann das Potenzial, das man hat, am Schluss wirklich genützt hat.

Michael Nikbakhsh

Ja, und dann wäre da noch zum Beispiel der Schriftsteller Robert Menasse.

Robert Menasse

Für ihn war Europapolitik ein wichtiger Bestandteil der Landespolitik im Gegensatz zur Bundespolitik. Und das war in Wirklichkeit oder ist nach wie vor visionär, weil die Zukunft Europas wird sein, eben eine Aufwertung der Regionen und eine Aufwertung der Gemeinschaftspolitik der Europäischen, also auch Aufwertung des Europäischen Parlaments.

Michael Nikbakhsh

Ja, und mein Favorit ist der Moderator Andi Marek, Österreichs bekannteste Fußballstadion-Stimme. Der hatte Prölls letzten Wahlkampf in Niederösterreich begleitet.

Andreas Marek

Ich habe versucht, halt diese Atmosphäre, wie ich es im Stadion gemacht habe, wie ich im Stadion die Stimmung versucht habe, mit den Fans gemeinsam da zum Brodeln zu bringen, so war es auch beim Wahlkampf. Es war meine Aufgabe, oder darum hat man mich geholt, dass ich versuche, eben, wenn es dann so weit ist, wenn dann der Cristiano Ronaldo des Wahlkampfs kommt, dass er dann dementsprechend begrüßt wird.

Michael Nikbakhsh

Ja, Erwin Pröll, der Mann mit Handschlagqualität, der gelungene Mensch, der Visionär, der Cristiano Ronaldo des Wahlkampfs. So geht das knapp eine Stunde lang dahin, Interviewschnipsel an Interviewschnipsel. Eine redaktionelle Einordnung seitens des ORF unterbleibt völlig, kritische Töne sind kaum zu vernehmen, wenn man davon absieht, dass André Heller Pröll an einer Stelle einen Hundling nennt und Robert Menasse Prölls schlechtes Händchen bei der Personalauswahl von Ernst Strasser oder Wolfgang Sobotka thematisiert. Es will schon etwas heißen, wenn der Wikipedia-Eintrag zu Erwin Pröll kritischer ausfällt als eine 75.000 Euro teure Dokumentation, die im ORF gelaufen ist. Stichwort Erwin Pröll Privatstiftung, Stichwort Wohnbaugelder und Sobotka, Stichwort Prölls Umgang mit Medien und da im Speziellen mit dem ORF Niederösterreich. Es geht bei diesem Film aber nicht nur um inhaltliche Auslassungen, es geht auch um das Rundherum.

Da gibt es ein paar Auffälligkeiten. Erstens, es ist nicht erkennbar, wer den Film "Erwin Pröll von A bis Z" beim ORF redaktionell begleitet oder die eigentlich zwingend vorgesehene redaktionelle Abnahme gemacht hat. Im Abspann des Films ist weder ein Sendungsverantwortlicher genannt, noch ein verantwortlicher Redakteur oder eine Redakteurin. Genannt ist nur ein Gesamtleiter des Films, und das war Peter Schöber. Zweitens, der Produktionsvertrag. Realisiert wurde auch dieser Film von einer externen Filmproduktion. Den Auftrag dazu hatten wiederum Peter Schöber und seine damalige Geschäftsführungskollegin Eva Schindlauer erteilt. Sie ist mittlerweile kaufmännische Direktorin des ORF. Dieser sogenannte Koproduktionsvertrag aus dem Jahr 2021, der liegt uns vor. Er ist ein Teil der ORF-Datensammlung, die uns zugespielt wurde. Das war ja schon Thema. Der Vertrag ist in mehrerlei Hinsicht interessant. Da wäre mal das Datum. Tatsächlich wurde dieser Produktionsvertrag zwischen dem ORF und der Filmproduktion erst unterschrieben, als der Film längst fertig war.

Wie bereits erwähnt, wurde "Erwin Pröll von A bis Z" am 12. Dezember 2021 auf ORF III Uhr aufgeführt. Und genau an dem Tag setzte der Geschäftsführer der Filmproduktionsfirma seine Unterschrift unter den Produktionsvertrag, also am Tag der Ausstrahlung. Auf Seiten des ORF unterschrieben Peter Schöber und Eva Schindlauer überhaupt erst zehn Tage nach der Erstausstrahlung, nämlich am 22. Dezember 2021. Fragen: Warum wurde der Produktionsvertrag erst nach der Fertigstellung beziehungsweise nach der Erstausstrahlung des Films unterschrieben, und auf welcher vertraglichen Grundlage wurde der Film dann hergestellt? Das haben wir die handelnden Personen natürlich gefragt. Dazu komme ich gleich.

Drittens, die Kosten. Laut dem Produktionsvertrag hätte der Film "Erwin Pröll von A bis Z" rund 75.000 Euro netto gekostet. Im Vertrag wurden exakt 74.905,30 Euro exklusive USt veranschlagt. Der ORF hatte davon immerhin rund ein Drittel zu übernehmen, genauer 24.200 Euro. Demgegenüber waren aber zwei Drittel der Kosten von der Filmproduktionsfirma alleine zu schultern, genauer 50.705 Euro. Es ist zwar üblich, dass Filmproduzenten einen Eigenanteil in die Produktionen einbringen, aber in den diversen ORF III-Produktionsverträgen, die ich vorliegen habe, und es sind einige, da sind die Eigenanteile bei anderen externen Produktionen sehr viel kleiner gewesen. Also zwei Drittel erscheinen da ungewöhnlich hoch, und das ist noch etwas ungewöhnlich. Üblicherweise werden Filmförderungen in den Produktionsverträgen ausdrücklich erwähnt. In aller Regel ist es der Fernsehfonds Austria der staatlichen RTR. Laut diesem Vertrag gab es für den Film "Erwin Pröll von A bis Z" aber keine Filmförderung oder, sagen wir so, keine ausgewiesene Filmförderung. Denn einen Förderer gab es dann doch. Das haben allerdings erst unsere Recherchen zutage gefördert, denn das war bisher so nirgends erkennbar. Und das führt eben zum Niederösterreichischen Bauernbund. Der hat nämlich nach Auskunft des Pressesprechers die DVD-Rechte an dem Pröll-Film erworben, und zwar von der Filmproduktionsfirma. Die wird jetzt in der Antwort, die ich gleich verlesen werde, auch namentlich genannt. Ich nenne sie erst mal nicht, die Filmproduktionsfirma, daher an der Stelle nur Punkt, Punkt, Punkt. Ich zitiere also aus der Stellungnahme des Niederösterreichischen Bauernbunds, die wir auf Anfrage erhalten haben: "Der Niederösterreichische Bauernbund ist die größte bäuerliche Interessensvertretung mit rund 100.000 Mitgliedern und 15.000 Funktionärinnen und Funktionären. Die Wertschätzung gegenüber verdienten beziehungsweise langjährigen Mitgliedern war und ist uns ein großes Anliegen.

Dazu besuchen unsere Vertrauensleute vor Ort jedes Jahr rund 5.000 Mitglieder, führen Ehrungen durch und sprechen Dank aus. Im Zuge dieser persönlichen Ehrungen werden Urkunden, Münzen, Bücher, Krawatten, aber auch Filme (DVDs) als Ehrungsgeschenke überreicht. Dazu haben wir bei der Punkt, Punkt, Punkt die Rechte für die Vervielfältigung von DVDs des Films "Erwin Pröll von A bis Z" erworben." Zitat Ende. Soll heißen, der ORF war an einer Produktion beteiligt, die der Niederösterreichische Bauernbund letztlich mitfinanziert hat, ohne dass das offengelegt worden wäre. Laut dem vorliegenden Produktionsvertrag lagen die DVD-Rechte für Österreich übrigens ursächlich nicht bei der Filmfirma, sondern beim ORF, und das für zehn Jahre. Der Vertrag erlaubt es dem ORF allerdings auch, die Rechte an Dritte zu übertragen, was offenbar geschehen ist. Wir haben beim Bauernbund auch gleich nach Einlagen der Antwort nachgefragt, wann denn der Niederösterreichische Bauernbund die DVD-Rechte von der Filmproduktionsfirma erworben hat und das zu welchem Preis und wie viele DVDs der Bauernbund bis heute herstellen beziehungsweise verbreiten hat lassen. Darauf haben wir dann unmittelbar keine Antwort mehr erhalten.

Der Niederösterreichische Bauernbund kommt im Film übrigens gleich eingangs zu Ehren. Bereits nach eineinhalb Minuten Laufzeit kommt Erwin Pröll selbst darauf zu sprechen. Und gleich im Anschluss hören wir die Stimme von Stephan Pernkopf, Prölls ÖVP-Freund in Niederösterreich, damals wie heute Landeshauptfrau-Stellvertreter und Obmann des Niederösterreichischen Bauernbundes. Bitte sehr.

Erwin Pröll
Politisch interessiert war ich immer, sodass man mich angesprochen hat. Ich war schon studieren an der Universität für Bodenkultur, habe Landwirtschaft studiert, dass ich in den Bauernbund hier eintrete und hier im Ortsbauernrat eine Funktion übernehmen möge. Und ich habe das natürlich getan, auf der einen Seite deswegen, weil ich einfach gemerkt habe, dass letztendlich das auch während des Studiums etwas ganz Wichtiges ist, auch ein wenig die politischen Interessen mitzudenken und mitzuverfolgen. Und so hat mich politisch auch der Bauernbund geprägt. Und dann in der nächsten Phase ist einfach dieses Gefühl dazugekommen, es ist eine Ungerechtigkeit zwischen dem ländlichen Raum und dem Dorf und den städtischen Lebensmöglichkeiten. Und dann ist schön langsam aus der reinen Interessenspolitik des Niederösterreichischen Bauernbundes für mich eine zusätzliche Facette dazugekommen, die vor allem dann auch im Bauernbund und bis heute eine sehr große Rolle spielt, nämlich die Politik für den ländlichen Raum, eine umfassende Politik, weil sich natürlich auch in der Struktur der Dörfer vieles verändert hat.

Stephan Pernkopf
Ich würde mal sagen, als ein Kind des Bauernbundes in seinem Geburtsjahr war Leopold Fiegl auch ein großer Bauernbündler Bundeskanzler, und das hat ihn sein Leben lang begleitet. Er hat mir oft darüber erzählt, welche Persönlichkeiten ihn geprägt haben aus dem Bauernbund: Sixtus Lander, Andreas Maurer. Und das war schon seine Heimat. Er hatte aber auch immer die Sehnsucht nach Weltoffenheit. Und für mich als Bauernbundobmann spiegelte auch die Vielfalt des Bauernbundes wider, heimatverbunden, aber auch wirklich in die Zukunft denkend und immer die richtigen Entscheidungen getroffen.

Michael Nikbakhsh
Quizfrage: Wie oft kann man in einer Minute und 54 Sekunden, das war der eben gehörte Clip, das Wort "Bauernbund" unterbringen? Ich habe es nicht gezählt, war wohl einige Male. Zuschriften gerne an redaktion@dunkelkammer.at. Ja, apropos Zuschriften, wir haben natürlich auch Peter Schöber angeschrieben und einmal mehr keine Antwort erhalten. Das kannten wir schon. An Schöber hatten wir folgende Fragen: Erstens, haben andere Ex-Politiker in der Vergangenheit zum Geburtstag einen ORF III-Film bekommen? Wenn ja, wer und wann? Zweitens, auf wessen Initiative hin ist der Film "Erwin Pröll von A bis Z" entstanden? Drittens, warum wurde der Produktionsvertrag erst nach Fertigstellung des Films geschlossen, und auf welcher vertraglichen Grundlage ist der Film dann entstanden? Viertens, im Abspann des Films ist kein ORF-Sendungsverantwortlicher ausgewiesen. Warum und wer hat den Film dann abgenommen? Und fünftens, trifft es zu, dass der Niederösterreichische Bauernbund an dem Film finanziell beteiligt war? Wie gesagt, keine Antworten. Wir haben die Fragen, die wir an Schöber hatten, auch an das Büro von Generaldirektorin Ingrid Thurn geschickt. Antworten: Nun ja, brauchbare Antworten haben wir ein weiteres Mal nicht bekommen. Genau genommen haben wir aus dem Generaldirektorinnenbüro die Antworten zur Causa Schöber bekommen, die wir schon einmal bekommen hatten, dass nämlich bei ORF III mittlerweile Organisation und Struktur weiterentwickelt worden seien, die Redaktionen mittlerweile einer unabhängigen und weisungsfreien redaktionellen Leitung unterstünden und die ORF III-Geschäftsführung keinen direkten Zugriff mehr auf das Programm habe. Ja, und dann haben wir auch dem Produzenten und Regisseur des Films eine Anfrage per Mail geschickt. Von ihm wollten wir auch wissen, warum der Vertrag erst so spät unterschrieben wurde und ob seine Filmproduktion tatsächlich 50.000 Euro Produktionskosten allein gestemmt hätte oder ob nicht auch der Niederösterreichische Bauernbund an dem Film finanziell beteiligt war. Der Filmproduzent hat das Mail bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beantwortet. Daraufhin habe ich ihn angerufen und auch erreicht und versucht, eine telefonische Stellungnahme zu erhalten.

Das Telefonat war ein kurzes. Er sei im Ausland bei einem Dreh, er habe meine Mailanfrage nicht gelesen, er habe viel um die Ohren und auch keine Zeit und keinen Geist, sich mit dem Pröll-Film auseinanderzusetzen. Das sei ja schon ein paar Jahre her. Sobald er die Zeit findet und sofern er Stellung nimmt, werde ich das selbstredend nachreichen. Ich fasse zusammen: 2021 läuft auf ORF III eine Hagiografie über Erwin Pröll. Einziger Anlass: Prölls Geburtstag. Der Film entsteht ohne erkennbare Einbindung der ORF III-Redaktion und auf Grundlage eines Vertrags, der, soweit erkennbar, erst nach der Fertigstellung des Films geschlossen wird. Der ORF beteiligt sich an dem Projekt mit immerhin 24.000 Euro, was den Begriff "Public Value" völlig neu interpretiert. Und dann wäre da eben noch der Niederösterreichische Bauernbund, eine Vorfeldorganisation der ÖVP, der sich in eben diese ORF-Produktion über die Bande finanziell einbringt. Mit unabhängigem Journalismus hat das meines Erachtens nur bedingt zu tun, mit etablierten Machtstrukturen allerdings sehr wohl.

Michael Nikbakhsh
Und konsequenterweise lasse ich das Schlusswort dieser Ausgabe einem Mann, der mal mein Chefredakteur bei "Profil" war. Es ist Herbert Lackner, und auch er kommt im Film "Erwin Pröll von A bis Z" zu Wort. Wir hören Herbert Lackner über die Macht des Erwin Pröll. Bitte sehr.

Herbert Lackner
Er war ein Politikertypus, der Journalisten dazu verleitet hat, bei der Nennung seines Namens immer das Wort "mächtig" davorzusetzen. Wenn er vorgekommen ist in einem Zeitungsartikel oder in einem Magazinartikel, ist immer gestanden: "Der mächtige Erwin Pröll". Das war für mich verwunderlich, dass das eigentlich völlig automatisch bei vielen Kollegen gekommen ist, dass sie ihn immer mit dem Attribut "mächtig" bezeichnet haben. Er war natürlich mächtig, kein Zweifel. Er war in der Niederösterreich ist für die ÖVP das wichtigste Bundesland, es ist das größte Bundesland Österreichs. Und wenn man dort Landeshauptmann mit einer absoluten Mehrheit ist, dann ist man mächtig. Aber diese Macht endet auch irgendwo, und das war ihm, glaube ich, schon auch bewusst. Und das hat er, wenn er sich dessen nicht bewusst gewesen wäre, wäre er nicht so erfolgreich gewesen.

Autor:in:

Felix Keiser

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