Die Dunkelkammer
Wie geht ein Bauer mit Hitze, Wassernot, Ernteausfällen um?

Von Edith Meinhart. Das Wasser wird knapp. Die Hitze trocknet die Felder aus. Ernten schwinden oder fallen ganz aus. Jürgen Hutsteiner, 53, ist Bauer im oberösterreichischen Steyr. „Es kippt gerade“, warnt er. Auf seinen Äckern wachsen heute Kürbisse, Sonnenblumen, Soja; Pflanzen, die in seiner Kindheit hier undenkbar gewesen wären, und von denen niemand sagen kann, ob sie dem extremen Wetter auf Dauer standhalten werden. In dieser Episode geht es darum, wie ein ganz normaler Bauer mit Wassernot, schwindenden Ernten und wachsenden Verzweiflung umgeht.

Edith Meinhart
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Dunkelkammer. Mein Name ist Edith Meinhart. Wenn im Sommer die Temperaturen in ungewohnte und zunehmend unerträgliche Höhen steigen, leiden nicht nur Menschen, vor allem die verwundbarsten, alte Kinder, chronisch Kranke, sondern auch Tiere, Bäume, Felder und das Essen, das darauf wächst.
Eine Einsicht, die vielen ins Bewusstsein kommt, aber: Erstens ist das für viele von uns nicht richtig fassbar, und zweitens neigen wir dazu, das schnell wieder zu vergessen, kaum dass die Hitze abklingt. Oder das Hochwasser, oder der Hagelsturm, oder die Waldbrände.
Doch es gibt Menschen, für die Sonne, Regen, Wind und die Natur das Um und Auf sind, die existenzielle Grundlage, die man nicht beiseiteschieben kann, wenn das Wetter einmal wieder gerade angenehm ist. Dazu gehören allen voran die Landwirte.
Ich rede heute mit Jürgen Hutsteiner, er ist im oberösterreichischen Steyr zu Hause und Bauer. Das heißt, er registriert seit Jahr und Tag aus nächster Nähe, was viele von uns vorwiegend aus Medien oder aus eher zufälligen Beobachtungen mitkriegen.
Herr Hutsteiner, wir haben es geschafft, uns per Videocall zu verbinden. Ich freue mich, dass wir einander sehen und hören, und vielen Dank, dass Sie Zeit für ein Gespräch haben.
Jürgen Hutsteiner
Hallo, freut mich auch.
Edith Meinhart
Herr Hutsteiner, wir werden über nie dagewesenes Wetter reden, über schwindende Erträge und wachsende Verzweiflung, auch über das Trotzdem-Weitermachen. Der Sommer, in dem wir uns gerade befinden, ist von Rekordhitze gekennzeichnet. Wie gehen Sie als Bauer damit um, und was haben Sie die vergangenen Tage und Wochen erlebt?
Jürgen Hutsteiner
Ja, ich bin, wie Sie schon gesagt haben, im Alpenvorland zu Hause, in Oberösterreich. Wir sind da eigentlich relativ begünstigt, nur in der Lage. Also, wir haben schwere Böden, die gut Wasser halten, und wir haben immer gesagt, bei uns braucht man sich nicht Türe versichern, weil bei uns ist in der Trockenheit immer noch was gewachsen.
Und da sind wir jetzt in einem Punkt angelangt, wo wir wirklich Angst haben müssen. Ich rede viel mit Standardskollegen, mit anderen Bauern, und die sind schon sehr arg überrascht, was alles möglich ist, dass bei uns auf unseren schweren Böden, wie gesagt, auch bis zu Totalausfällen kommen kann.
Und auf meinen Feldern muss ich ehrlicherweise sagen, schaut es noch nicht ganz so schlimm aus. Also, ich habe mich mit den Früchten schon ein bisschen angepasst, weil ich mich schon länger mit dem Thema beschäftigt und weiß, in welche Richtung das geht. Die Winterfrüchte sind halbwegs rechtzeitig geerntet worden, die sind halbwegs mit relativ kleinen Ertragsverlusten gewesen.
Und was jetzt noch draußen steht, sind bei mir Sonnenblumen, die ich extra schon für das Klima angebaut habe. Denen passt das ganz gut. Der Soja eigentlich auch, nur den würde ich jetzt nicht ganz verkaufen. Also, da werden wir schätzungsweise schon 30 bis 50 Prozent weniger ernten.
Und der Kürbis ist auch dasselbe, den haben wir auch, den hätten wir vor 20 Jahren nicht anbauen können, weil es bei uns viel zu kalt ist. Und den haben wir angebaut, und das Thema mal, wo es warm ist und es trocken wird, ist eher unwahrscheinlich, aber es schaut so aus, als würde es heuer auch nicht recht gut ausgehen für den Kürbis.
Edith Meinhart
Ist das heuer ein Jahr in der Reihe der schlimmen Jahre, das noch einmal aus der Reihe fällt?
Jürgen Hutsteiner
Auf alle Fälle, ja.
Edith Meinhart
Sie sind ja auf einem Hof aufgewachsen. Ihre Eltern haben eine 40 Hektar große Landwirtschaft geführt. Wie war denn Ihre Kindheit?
Jürgen Hutsteiner
Wie man sich das ein bisschen vorstellt. Also, wir sind bei den Großeltern im Kirchstall auseinandergerennt, haben geholfen beim Füttern und haben alles miterlebt, auch die nicht so schönen Sachen, haben live zuschauen dürfen, müssen, wie Tiere geschlachtet werden, haben halt wirklich das absolut miterlebt. Und auch die Schwierigkeiten.
Und wie gesagt, auch, wie es auch oft gesagt wird, ich kann mich noch erinnern, wie ich als kleiner Bub bei den Eltern gesessen bin, sie haben sich im Fernsehen was angeschaut, und da hat es geregnet, und dann hat mein Vater aufgestanden: "Hey, da regnet es!" Also, das war scheinbar ein recht trockenes Jahr.
Also, trockene Jahre hat es schon immer gegeben, nur wie sich das entwickelt hat in den letzten, wie gesagt, ich bin jetzt 53 Jahre alt und erlebe mit offenen Augen die Landwirtschaft schon gut 40 Jahre. Also, was sich da in den letzten 40 Jahren geändert hat, ist schon gigantisch.
Edith Meinhart
Das war für Ihren Vater klar, dass Sie den Hof übernehmen werden. War das für Sie auch immer so klar?
Jürgen Hutsteiner
Das ist mir schon ziemlich bald gesagt worden, dass das in der Sache ist. Und ich habe das so angenommen und akzeptiert und bin nicht ganz unglücklich darüber. Also, es passt schon, aber natürlich, diese Wahlfreiheit habe ich damals nicht gehabt.
Edith Meinhart
Wie ist denn dann die Übergabe des Hofs vonstatten gegangen? Sind die Eltern Ihnen noch zur Seite gestanden? Und wie ist das heute?
Jürgen Hutsteiner
Das hat man fast nicht gespürt.
Also, wir haben zusammen geholfen. Bevor ich übernommen habe, habe ich ihnen geholfen. Und nachher, wie ich übernommen habe, haben sie mir genauso weitergeholfen.
Ich habe halt keinen Lohn mehr bekommen. Vorher habe ich nur einen Lohn bekommen, nachher nicht mehr, weil es eben mir gegehört hat. Aber meine Eltern sind in Pension gegangen, habe ihnen auch keinen Lohn zahlen müssen. Und solange sie arbeiten konnten, haben sie mir geholfen.
Das ist eigentlich bis zum 2020er Jahr so recht gut funktioniert. Haben wir super geholfen, und das hat auch zum wirtschaftlichen Erfolg unseres Betriebs einfach beigetragen.
Wenn da, ich sage es einmal böse, wenn da zwei gratis Arbeitskräfte da waren, das hat dem Wirtschaftlichen schon ganz gut getan. Aber das ist leider heutzutage in der Landwirtschaft fast ein Muss, dass eine Landwirtschaft gut funktioniert.
Edith Meinhart
Aber Sie sind heute alleine für den Betrieb jetzt verantwortlich. Sie haben immer noch 40 Hektar, aber von der Größe abgesehen ist nicht viel gleich geblieben. Was haben Sie denn alles geändert im Laufe der Zeit?
Jürgen Hutsteiner
Eigentlich ist schon relativ viel gleich geblieben. Also, meine Eltern, wie sie übernommen haben, haben sie die gemischte Landwirtschaft, die in den 1980er Jahren gang und gäbe war, mit Rindern und Schweinen, haben sie umgestellt auf Hühner, auf Legehühner, haben da die Eier selber vermarktet, den Raum versteuert, in Gastronomie, Bäckereien, Konditoreien und Betriebe, die es heutzutage oft gar nicht mehr gibt.
Also, wir haben da auch schon ziemlich ein Branchensterben miterleben müssen. Und wie ich dann übernommen habe, habe ich das eigentlich schon relativ so weitergeführt. Wir haben dann auf Freilandhühner umgestellt, und ich habe dann auch die Eier weiterverkauft, bin dann sogar ein bisschen nach Linz gefahren.
Das ist mir dann auch schon stolz geworden und habe dann mit schweren Herzen das letzte Jahr, wie ich gesehen habe, dass mir die Aufstellung für die Hühnerställe schon einfach wegroschen, habe ich mich entschieden, dass wir dann mit den Hühnern aufhören und lasse dann jetzt meine letzten paar Jahre noch ausklingen in die Richtung, also in den Ackerbau betreibe ich genauso weiter oder eben mit mehr solchen Früchten wie Kürbis und Soja und Sonnenblumen.
Und die Eier kriege ich von befreundeten Bauern, tue ich die weiter den Wirten verkaufen und habe da noch ein bisschen mein finanzielles Auskommen damit.
Edith Meinhart
Und das geht sich aus unterm Strich?
Jürgen Hutsteiner
Das geht sich aus. Es ist nicht mehr so viel wie vorher, aber ich bin jetzt, wie gesagt, 53, und die Wochen waren vorher noch viel länger, und jetzt geht sich auch ein bisschen mehr Freizeit aus, was mir persönlich sehr gut tut.
Edith Meinhart
Sie sind ja verheiratet und Vater von vier Söhnen. Wie prägt denn das den Blick in die Zukunft?
Jürgen Hutsteiner
Das ist eben mit ein Grund. Also, wie gesagt, ich habe mich in der Landwirtschaft immer wohlgefühlt und habe dann vor zehn Jahren erfahren, dass da über meine Felder eine Straße gebaut werden soll. Daraufhin haben wir natürlich probiert, herauszufinden, was das soll, wofür das gut ist. Das ist die Westspange Steyr, falls es wen interessiert.
Und ab da habe ich mich ganz konkret wirklich stark damit beschäftigt, mit der Klimakrise, und bin drauf gekommen, also wie gesagt, ich habe das Wetter schon die letzten 40 Jahre beobachtet, aber da habe ich dann besser rückblicken können mit Berichten, was die Klimaforscher alle sagen, was auf uns zukommt und was war. Und dann habe ich eben herausgefunden, für mich, ich meine, für die Allgemeine, oder eigentlich ist das Allgemeine, das wissen schon viel länger da, wegen der Klimakrise, aber seit zehn Jahren ist es wirklich ein ganz wichtiges Thema in meinem Leben und was, wo ich mir eben Gedanken mache oder wofür ich gekämpft habe, jahrelang, dass wir da in die richtige Richtung Sachen machen, eben für eine gute Zukunft für meine Söhne.
Weil für mich, es wird zwar auch schon langsam knapp, aber für mich wird es schon halbwegs ausgehen. Aber für meine Söhne und deren Frauen und eventuell auch meine Kinder wird das eine ganz schwere Aufgabe werden. Das ist mir ganz sicher, ich bin mir ganz sicher.
Edith Meinhart
Sie haben das im Vorgespräch ein Damoklesschwert genannt, dieses Umfahrungsstraßenprojekt. Geht es da nicht nur um Ihren Grund, oder? Also nicht die Tatsache, dass das Ihr Grundstück betrifft, ist für Sie so dramatisch, sondern insgesamt, dass man eine Straße baut, deren Sinnhaftigkeit Sie nicht sehen?
Jürgen Hutsteiner
Ehrlich gesagt, als erstes schäme ich mich, dass ich über meinen Grund und Boden drüberfahre. Wie gesagt, man entwickelt mit 40 Jahren oder 50 Jahren auf diesem Hof zu leben einfach das Heimatsgefühl. Der Bauernhof ist meine Heimat, die Felder sind meine Heimat. Ich bin in der Saison, gehe ich fast alle zwei, drei Tage mal über die Felder drüber.
Und das war schon, wie ich das erfahren habe, dass was mir da zerstört werden soll, habe dann noch psychologisch relativ was Dummes gemacht und habe die Trasse der Westspange, haben wir dann direkt angebaut mit Sonnenblumen, haben wir damals auf engler Aktion gemacht. Und wie ich dann die Felder bewirtschaften müssen habe in diese zerschnittenen Felder, da ist mir wirklich die eine oder andere Träne runtergekullert, weil einfach die Felder komplett entwertet werden.
Also ehrlicherweise war natürlich mein Grund und Boden das wichtigste Thema für mich zuerst, aber natürlich, je länger wir daran gearbeitet und überlegt haben, sind wir drauf gekommen, was da wirklich los ist. Und eben, wie wir auch im Vorgespräch gesagt haben, Österreich ist fast Weltmeister in den Straßenkilometern oder Metern pro Einwohner. Warum wir nur über Straßen bauen, ist die große Frage.
Und wenn man bedenkt, was für Aufgaben in Investitionen, in Klimawandelanpassung und theoretisch auch Klimaschutz, wie gesagt, da hinterfrage ich ein wenig, ob das auch wirklich gewollt wird, aber Klimawandelanpassung, das wird uns nicht ausbleiben, was da Investitionen notwendig werden. Also dieses Geld, was da so heutzutage in Neubaustraßen, wie es noch ist, weil in Österreich gibt es noch einige so Projekte wie Lobautunnel,
Linzer Westring, mitten durch Linz Autobahn und Steyr-Westspange und einige andere weitere, wenn man bedenkt, was da noch an Geld in die falsche Richtung investiert wird, wenn man das Geld für etwas Gescheites nehmen würde, dann fänden die schon wesentlich gescheiter.
Edith Meinhart
Die Statistik zählt in Österreich 155.000 bäuerliche Betriebe mit einer durchschnittlich rein landwirtschaftlich genutzten Fläche von 24 Hektar ungefähr, mit Wald sind es 45 Hektar. Also Sie liegen da eigentlich sehr im Durchschnitt.
Fast ein Viertel der Betriebe wirtschaftet biologisch. Sie haben nicht umgestellt und brechen ein bisschen mit dem Klischee, dass sich unter Anführungszeichen "normale" Bauern eher weniger für den Schutz des Klimas, der Böden und der ökologischen Lebensgrundlagen einsetzen.
War diese Umfahrungsstraße der Anlass oder gab es da auch persönliche Erfahrungen, was Sie einfach sehen auf den Feldern im Wald?
Jürgen Hutsteiner
Also, die Straße war der Beginn und meine Augenöffner. Und seitdem war es einfach, also im Wald natürlich schon länger, dass wir da mit der Fichte keine Zukunft mehr haben werden.
Aber auf den Feldern, muss ich ehrlich sagen, hat es auch die letzten 40 Jahre positive Effekte durch den Klimawandel bisher bei mir gegeben. Also, wir können Früchte anbauen, die wir vor 40 Jahren noch nicht anbauen können haben. Es hat damals noch nicht die Möglichkeit gegeben, Soja anzubauen, Sonnenblumen, Kürbis, eben das, was ich gerade anbaue. Die Erträge beim Mais sind besser geworden.
Aber schon langsam fängt es zum Kippen an. Also, die letzten zehn Jahre ist der Weizenertrag eher gesunken als gestiegen, weil eben diese heißen Junitage kommen, die einfach nicht normal sind. Und wenn solche Wetter wie heute sind, ist sogar der sehr ertragsreiche Mais oder Kukuruz, wie man bei uns sagt, also bis zu Totalausfällen, was man sieht bei uns. Also, das war, also es kippt gerade ein bisschen.
Wie gesagt, es hat bei mir war es so, dass wir immer nasse Herbste gehabt haben. Also, es war oft eine Schlammschlacht mit dem Traktor und mit dem Pflug. Also, das sind Sachen gegangen, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann, was wir da herumgeschmiert haben. Dann haben wir zum Glück den Winter gehabt, den harten Winter, der mit der Frostgare den Boden wieder halbwegs repariert hat. Und so war halt jedes Jahr der Kampf.
Und so war auch ein Kampf, aber jetzt ist es halt ein anderer Kampf. Jetzt haben wir das Wasser, das einfach nicht mehr da ist. Also, wir haben, also es ist jetzt kein Einzelfall wie heute, dass wir im Herbst, also heute, wie es im Herbst ausschaut, weiß ich noch nicht, aber die Herbste, dass wir da geruppert haben und dass dann die Staubwolken da vorblasen haben, das hat es vor 40 Jahren nicht annähernd gegeben. Also, das hat sich gravierend geändert.
Oder ein anderes Beispiel: Wir haben früher immer gelernt, vor dem 1. Mai baut man keinen Kugelrosa, weil das ist einfach zu gefährlich vom Wetter her. Und jetzt sind wir schon fast am 1. April, wo wir sagen, wir bauen einen Mais an. Wie gesagt, das ist eigentlich was Positives, aber einfach nur, dass man einfach das Gespür hat.
Oder auch im Wald, wir haben einen Wald, der ist ein nasser Wald, da sind viele Quellen drin. Und da haben wir halt früher öfter Holz arbeiten können, weil es einfach längere Phasen gegeben hat mit minus 10 Grad und kälter. Und seit 20 Jahren gibt es das nicht mehr. Also, da kannst du im Wald nicht mehr arbeiten. Also, jetzt geht es vielleicht, weil es so trocken ist, aber die Quellen gibt es trotzdem noch. Aber da sieht man es einfach.
Und wie gesagt, vom Wald ist es eigentlich so, dass jetzt das schon, also bis auf wenige Ausnahmen, die Bauern, dass uns das klar ist, dass die Fichte, die halt unser Brotbaum ist, oder gewesen ist bis jetzt, dass das keine Zukunft mehr hat. Das ist so jetzt.
Edith Meinhart
Welche Bäume setzt man heute?
Jürgen Hutsteiner
Da sind die Diskussionen noch recht konträr. Also, da gibt es Duklastainen, dann gibt es Eichen, dann gibt es Ahorn.
Aber da ist die Diskussion gerade auch Biologen. Also, es sind oft Antworten, zum Beispiel irgendwelche türkischen oder kontinentalen Tannen, die einfach mehr Richtung Russland und so, also Südrussland daheim sind.
Nur haben da unsere Biologen keinen Freitag mit, weil es dann die natürlichen Nutzer dieser Bäume nicht gibt. Es gibt dann kein Insekt, das sich da mit dieser Pflanze, die das bestäubt und so weiter und die Nahrung dafür genießt.
Also, da sind die Diskussionen ziemlich nicht ganz fein.
Edith Meinhart
Also, es gibt auch Ratlosigkeit, so klingt das für mich.
Jürgen Hutsteiner
Also, im Wald ist ziemlich Ratlosigkeit da. Also, ich meine, es ist für die meisten Bauern bei uns in der Gegend, da war jetzt nicht wirklich ein großartiger Erwerbsanteil. Es ist ja, wie soll man sagen, es ist ein bisschen nebenbei, ein bisschen das Hobby. Und darum nehmen es die meisten nicht ganz so tragisch.
Aber es gibt natürlich in den Bergen drinnen schon große Betriebe, und die müssen sich wirklich großartige Gedanken machen. Ich meine, für meinen Betrieb, wir haben sechs Hektar Wald, und da ist wirtschaftlich relativ wurscht, ob wir fast gar nichts ernten oder von mir aus nur Brennholz für unseren Winter haben. Also, das ist der wirtschaftliche Riesenfaktor, ist das ehrlicherweise nicht.
Und darum nehme ich das auch relativ, also locker ist das falsche Wort, aber ich möchte einen Wald haben, der zukunftsfit ist. Nur das kann dir keiner versprechen. Weil, ich meine, ich will jetzt nicht nur Dinge aufmachen, aber es könnte auch sein, dass in 30 Jahren der Golfstrom weniger wird und dass die Winter wieder härter werden. Dann sind die Bäume, die wir jetzt setzen, vielleicht für zukünftige trockene Sommer wieder genau das Verkehrte.
Also, mir hat einmal ein Bankmanager gesagt, also ein Wald pflanzen, ein Baum pflanzen, ist für einen Bankmanager das Letzte, was er tun kann, weil ich kann da nicht was investieren, was ich dann in 100 Jahren ernte. Das ist in den unter Anführungszeichen normalen Wirtschaft no go.
Edith Meinhart
Aber mit den Bänkern hätte man nicht überlebt. Es gibt eine viel beachtete Studie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, AGES, die aufzeigt, wie schwierig es künftig werden könnte, Essen anzubauen. Wie gehen Sie denn mit den Ergebnissen um? Sie kennen die Studie, ja.
Jürgen Hutsteiner
Ich habe die Studie, ich teile sie gerne ganz vielen Menschen. Es ist eigentlich, es gibt eine Kurzfassung mit unter Anführungszeichen nur 13 Seiten. Und die ist auch dann was, was die meisten sich nicht freut durchzulesen. Es sind aber ein paar schöne Bücher drin, vielleicht genügt das auch. Vielleicht, wenn ihr den Link teilen könnt.
Diese Studie sagt eben aus, dass es im Osten von Österreich ganz schlimm wird, wenn es nicht eine Bewässerungsmöglichkeit gibt. Und wir eigentlich im alten Vorland noch am längsten vernünftigen Ackerbau betreiben können, was mir ja als Steirer grundsätzlich Hoffnung macht.
Nur andererseits, wenn ich sehe, wie in Oberösterreich mit den besten Böden umgegangen wird, dann wird mir eben schlecht. Da sind wir erstens wieder bei den Straßen und zweitens bei neuen Industriegebieten aufstellen und besten Böden verbetonieren, wie wenn man gerade mitgeht von Google und dem in Kronstorf und so weiter und so fort. Also, wenn ich mir denke, und das sind wirklich die besten Böden Oberösterreichs, dann wird mir schon sehr schwammig.
Und diese Studie, da gibt es ja ein Resümee quasi, und da wird eben gesagt, dass man halt genau in unserem Bereich am besten aufpassen muss wegen der Verbauung. Und da hält sich die Politik null dran.
Edith Meinhart
Es sind nicht nur die besten Böden in Oberösterreich, sondern überhaupt landesweit, bundesweit.
Jürgen Hutsteiner
Mein Feld ist im Augenblick noch besser. Aber wie gesagt, da wird es in Zukunft laut dieser AGES-Studie eben nicht mehr sein, weil einfach das Wasser zu eng wird da unten.
Edith Meinhart
Wie wurde denn die AGES-Studie in der Bauernschaft insgesamt aufgenommen?
Jürgen Hutsteiner
Ich habe es öfter geteilt. Es haben ehrlicherweise, glaube ich, die wenigsten noch angeschaut.
Wobei ich das einerseits schon komisch finde, dass man sich das nicht anschaut, weil es um unsere Zukunft geht. Aber ich glaube auch, dass es in der Politik die wenigsten angeschaut haben.
Ich habe mit dem Studienleiter für diese Studie einmal geredet. Er hat schon angesucht darum, dass er die weiterführen darf, diese Studie. Ich hätte ihn jetzt gefragt, ob er jetzt schon einmal ein grünes Licht gekriegt hat, weil ich das letzte Mal, als ich ihn gefragt habe, hat er noch eine Quote drauf.
Ich bin gespannt, ob er es darf, weil im Grunde ist halt die Frage, was macht es für einen Sinn, wenn sich dann eh keiner dran hält. Weil im Grunde war so eine Studie für Politik ein Werkzeug, um richtige Maßnahmen zu setzen.
Edith Meinhart
Und was wären die Maßnahmen, die da zu setzen wären?
Jürgen Hutsteiner
Ja, der allerwichtigste, und ich habe heute ein paar Bauern geredet, die haben die eindeutige Antwort, dass einmal Klimaschutz wirklich ernst genommen wird. Das wäre einmal die allerwichtigste.
Wenn man aber davon ausgeht, dass wir es nicht schaffen werden, dann sind die nächsten Schritte einfach wirklich schauen, wie schaffen wir das, dass auf unseren Feldern noch aktiv Landwirtschaft betrieben werden kann. Und da wird es gerade jetzt in naher Zukunft schon im Osten von Österreich einfach zu diskutieren werden, Bewässerungssysteme zu mitfinanzieren. Und irgendwann auch bei uns.
Ich weiß nicht, wann das sein wird. Ist das bei uns in 20 Jahren, in 50 Jahren? Ich weiß es nicht.
Aber auf jeden Fall in Osten Österreichs ist das, glaube ich, schon jetzt dringend an der Zeit. Und dass sich das halt die Bauern selber nicht leisten können, das muss ein Klar sein.
Ich habe vor ein Jahr, einmal oder zwei Jahren, mit einem Bundesheeroffizier darüber gesprochen, und der sagt, wir müssen schauen, dass wir unsere halbwegs die meisten Lebensmittel selber erzeugen können, weil das fällt unter Landesverteidigung, dass wir eben unabhängig sind von Lebensmittelimporten. Und das muss einfach der Politik einmal bewusst werden.
Also, wie gesagt, das eine ist Bewässerung und das andere ist Versicherung. Also, wir haben jetzt eine sehr gute Sache mit der österreichischen Hagelversicherung. Die haben wir gut abgedeckt. Nur jedes dürre Jahr, so eins wie heute, wird die Versicherungsprämien massiv steigen lassen. Da kann die österreichische Hagelversicherung noch so lieb sein, das wird nicht helfen. Die werden die Prämien steigern müssen.
Und im Augenblick ist der Staat so nett und finanziert 55 Prozent unserer Prämien. Das ist Versicherungsprämien, was wir zahlen mit. Nur ich bin davon überzeugt, dass trotzdem für uns im Laufe der Zeit das zu teuer werden wird. Und ich denke mir, dass es sehr klug wäre, die Versicherungsprämie bis zu 100 Prozent, dass die der Staat zahlt.
Also, es gibt Staaten, ich habe einmal gelesen, dass sogar die USA so eine ist, die 100 Prozent dieser Vorsorge zahlt, weil es einfach für uns einfach immer schwieriger wird, das zu leisten. Und weil es ja eigentlich auch die Ursache dieser ganzen Unwetter, der Verursacher ist die Allgemeinheit. Da sind wir alle miteinander schuld. Und warum dann der Bauer die Versicherungsprämie dafür zahlen muss, ist die Frage.
Und wie gesagt, natürlich kann man sagen, das tun wir nicht. Nur dann wird halt die Konsequenz in wenigen Jahren sein, dass große Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden. Weil, wenn ich jetzt das zweite oder dritte Jahr die Gefahr eines Totalausfalls habe, wir irgendwann nicht mehr meine Felder bepflanzen, düngen, pflegen, und am Schluss habe ich sowieso Ernte, sowieso nichts.
Also, das muss einfach der Politik bewusst sein. Wenn ich eine eigene Lebensmittelversorgung haben will, muss ich die Bauern unterstützen und nicht, sage ich ein bisschen zynisch, nicht allein im Regen stehen lassen.
Edith Meinhart
Werfen wir kurz einen Blick auf die globalen Verflechtungen des Agrarsektors. Es könnten sich ja die wenigsten Länder über eine längere Zeit selbst versorgen.
Die meisten verlassen sich darauf, dass die Lieferketten funktionieren und dass sie das Fehlende dann schon irgendwo auf der Welt beschaffen werden können. Sie sind ein kleiner Bauer und könnten sich einfach die Hände reiben, wenn es weltweit zu Missernten kommt, die Lebensmittel knapp werden, die Preise steigen, Sie mehr verdienen.
Aber Sie denken halt über die großen Zusammenhänge nach. Warum eigentlich?
Jürgen Hutsteiner
Weiß ich nicht. Aber natürlich, wenn uns, also mir ist das schon bewusst geworden.
Ich habe, der Syrien-Konflikt ist entstanden durch Armut in Syrien, durch eine große Dürre. Und der ägyptische Frühling war auch ein Grund, wo er, ich meine, da war ja grundsätzlich nichts Schlechtes, aber die Revolution, dieser Bürgerkrieg, ist ja entstanden dadurch, dass die Leute Hunger gehabt haben.
Und Hunger haben sie deswegen gehabt, weil damals die Preise sehr stark gestiegen sind und sehr stark steigende Lebensmittelpreise macht halt in ärmeren Ländern gleich einmal einen Unterschied zwischen Leben und Tod aus und zwischen Krieg und Frieden.
Und ehrlicherweise habe ich frei mich nicht darüber, wenn ich jetzt, unter Anführungszeichen, jetzt ein reicher Bauer wäre und auf der anderen Seite irgendwo auf der Welt deswegen ein Krieg entsteht. Also, das bin ich absolut nicht. Und so weit muss man halt schon sehen.
Aber wie gesagt, es braucht schon was, dass wir Bauern von unserer Produktion leben können. Weil im Augenblick, ich sage jetzt einmal, im Jahr, letztes Jahr und heuer gibt es in Österreich quasi keinen Ackerbauern, der was wirklich, was verdient hat. Also, natürlich hat er was verdient, aber nicht in dem Vergleich zu jedem anderen Menschen, der was in Österreich ordentlich arbeitet.
Edith Meinhart
Weil die Weltmarktpreise auch so niedrig sind.
Jürgen Hutsteiner
Im Augenblick sind die Weltmarktpreise sehr gering, weil sie eben letztes Jahr, einerseits zum Glück, aber weil es eine Rekordernte gegeben hat, das kann man sich eh schon nicht trennen, weil jetzt ist gerade in Südamerika der El Niño-Anmarsch.
Und wenn Südamerika ausfällt, dann, oder vielleicht größer ausfällt, dann schaut die Sache eh gleich anders aus. Aber natürlich, wie gesagt, immer auf irgendwelche schlechten Wetter warten, dass wir davon leben können.
Wir müssen sich da schon irgendwas anderes einfallen lassen, ehrlicherweise.
Edith Meinhart
Kommen wir wieder zurück in Ihr Umfeld nach Steyr. Sie gehören zu den Menschen, die lieber anpacken als jammern, und Sie haben auch viele Ideen. Was würden Sie denn machen, wenn Sie auch das nötige Geld zur Verfügung hätten?
Jürgen Hutsteiner
Ich beschäftige mich mit erneuerbarer Energie schon länger. Ich habe selber meinen Bauernhof ein paar Jahre zupflastert mit Photovoltaikmodulen und kann ordentliche Strommengen erzeugen. Ich habe auch schon unseren Steirer Bürgermeister und sämtliche Parteien an mir am Hof eingeladen und habe ja das gesagt, wie das schön geht.
Und habe dann, weil mein Dach voll war, habe ich mir dann ein paar andere Kollegen, Freunde zugefangen und haben Veranstaltungen gemacht und haben überlegt, was könnte man machen. Und sind dann draufgekommen, wir wollen eine Genossenschaft gründen. Und mit dieser Genossenschaft, die heißt Ströme, suchen wir sich Dächer, hauptsächlich Bauernhöfe. Eine Stockhalle haben wir auch, wo wir mit Photovoltaik angeführt haben.
Und da können wir mit Bürgergeld, also mit Geld von Steirern zum Beispiel, die was kein eigenes Dach haben, oder wir haben viel Denkmalschutz in Steyr, die was keine PV-Anlage aufs Dach machen dürfen, die können da investieren. Und dann haben wir ein bisschen eine Win-Win-Situation. Die Bauernhöfe haben wieder eine Möglichkeit, ein bisschen zusätzliches Geld zu lukrieren, ihre riesigen Dachflächen irgendwie zu finanzieren. Und andere Menschen haben die Möglichkeit, bei der Energiewende mitzumachen, die was einfach sonst nicht haben.
Und da sind wir gerade fest dabei, dass wir da vielleicht noch weitere Projekte machen. Und die Idee gefällt vielen Leuten. Und da probieren wir auch, dass das, also es gibt es auch im Mühletal schon, der Interesse da hat, bei dem Projekt da mitzumachen. Also, es schaut recht gut aus, dass das interessant ist.
Aber wie sie schon richtig sagen, da braucht man halt das nötige Kleingeld. Und das ist ein bisschen an dem, was wir, unsere tägliche Arbeit, was ich praktisch nebenbei als Hobby ein bisschen mache. Hobby heißt jetzt zwar unprofessioneller, aber grundsätzlich muss man das, ich sehe das als Start-up.
Und als Start-up muss man am Anfang einmal ein bisschen Zeit investieren. Und das tun wir gern. Und unsere Freundschaft wächst dadurch auch.
Edith Meinhart
Und wie groß ist da das Einzugsgebiet für Interessenten?
Jürgen Hutsteiner
Ist nicht so groß. Grundsätzlich von überall. Also Österreich. Also, wir dürfen, wir sind ja da in Österreich gerade eigentlich Weltmeister.
Wir dürfen ja den Strom österreichweit teilen. Da sind wir besser als fast alle anderen Länder auf der Welt. Also von Bürger zu Bürger.
Es gibt gerade die ersten Schritte in Deutschland und andere Länder, aber richtig so weit wie wir sind, ist nirgends. Und da haben wir einen gewissen Vorsprung. Und Österreich hat das zum Glück gemacht.
Und da schauen wir, dass wir miteinander die Energiewende vorbringen, weil es soll einfach so sein, dass die Leute kapieren, dass der Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt.
Und in Zeiten wie diesen, wo wir erst gestern gehört haben, dass das Atomkraftwerk in Ungarn notreit werden muss und Ungarn dann nur mehr zu 50 Prozent eigenversorgt ist, sieht man, die Zukunft für Photovoltaik wird meiner Meinung nach trotzdem rosig werden.
Edith Meinhart
Da gibt es einen Zusammenhang zum Wasser, und zwar sowohl bei den Atomkraftwerken, die Wasser für die Kühlung brauchen, als auch bei zum Beispiel dem Rechenzentrum in Kronstorf, das ist nicht weit weg von Ihnen, das auch sehr viel Wasser für die Kühlung braucht.
Die Landwirtschaft wird vermehrt Wasser brauchen, braucht es in Teilen des Landes schon, vielleicht bei Ihnen noch nicht, aber irgendwann doch. Das heißt, Grundwasser und Flusswasser wird auch ein Riesenthema sein.
Haben Sie da auch Ideen?
Jürgen Hutsteiner
Ich habe Ideen. Ich weiß jetzt überhaupt nicht, wie man das finanzieren kann. Aber da wird es halt, wie gesagt, das ist eine Frage der Lebensmittelsicherheit.
Also zum Beispiel bei uns ist es relativ hügelig. Und da könnte man relativ einfach einen Speichersee bauen, wo ziemlich viel Wasser drin Platz hat, dass man unsere, also ich habe mir es ausgerechnet, da könnte man theoretisch 100 Hektar damit gießen. Das Problem ist, wie gesagt, erstens für die Kosten. Da müsste man für irgendeinen Fluss der Einz oder Steyr in Hochwasserzeiten ein Wasser aufholen.
Und das sind Investitionen in Millionenhöhe, die kein Bauer stemmen kann. Wo man dann überlegen muss, wie schafft man das, dass das die Allgemeinheit macht. Wenn man weiß, was jetzt gerade los ist, finanziell, also ich war heute bei einem Eierliefern in einem Altersheim und habe gefragt, wo habt ihr Klimaanlagen? Hat er mir gesagt, nirgends, kein Geld da.
Da denke ich mir schon, also wie lange müssen wir noch warten, bis da die richtigen Maßnahmen gesetzt werden? Also mir ist schon bewusst, dass das eine Frage des Geldes ist. Das Geld wächst nicht auf den Bäumen. Aber da halt nur mehr Appell.
Die Baufirmen können in Zukunft solche Speicherseen bauen und Wasserrohre bauen statt Straßen. Ja, wäre so ein bisschen ein Appell.
Edith Meinhart
Es gibt ja sehr viele Kollegen, Kolleginnen in der bäuerlichen Community, die aufgeben. Kennen Sie diese Momente der Hoffnungslosigkeit auch?
Jürgen Hutsteiner
Jein. Ich selber, also wie gesagt, ich habe grundsätzlich das Gefühl, irgendwie geht es schon immer weiter. Und ich habe eben auch deswegen, weil ich da jetzt diese Angst vor diesen Baggern auf meinen Feldern habe, habe ich einfach versucht, mich sowieso ein bisschen vom Betrieb abzunabeln und genauso auch meinen Kindern da diese Verbundenheit nicht zu vermitteln, weil ich eben diesen Schmerz denen ersparen will, meine Kinder.
Und darum sehe ich das schon eigentlich schon relativ ruhig, wenn wir wirklich unsere Landwirtschaft aufgeben müssen. Mir ist wichtig, dass meinen Kindern gut geht und wie es im Hof geht. Es ist im Grunde trotzdem nur Gebäude und Felder und Wiesen. Ich schaue mir zwar drum herum, aber es wird mir, also wie gesagt, wenn meinen Kindern was passieren würde, wäre es wesentlich schlimmer.
Und das Nächste ist aber, was ich auch noch hinweisen möchte, ist, wenn wir die Landwirtschaft aufgeben, heißt das aber eben, wie ich zuerst gesagt habe, das ist die Sicherheit im Land, in Großstädten mit Versorgungssicherheit. Es wird, also diese Dürre, diese Ertragsverluste spüren jetzt wir Bauern, aber irgendwann spürt es auch der Konsument, der was bei irgendeinem Supermarkt in Wien einkaufen geht. Solange es noch vielleicht irgendwelche brasilianischen oder sonst was Lebensmittel gibt, vielleicht nur in der Qualität, aber irgendwann einmal im Preis, wenn einfach, wie gesagt, das war gerade die AGES-Studie für Österreich, sagt sowas gibt es ja leider für die Welt nicht.
Aber es wird, die großen Getreidebauerregionen werden an der Klimakrise leiden. Und es wird vielleicht ein paar Eckerl geben, im Norden von Kanada, im Norden von Russland, wo es vielleicht ein bisschen mehr Getreideernte geben wird. Aber in großen Teilen der Welt werden die Getreideernten zurückgehen. Und das macht mir schon für uns als Welt, als Weltfrieden, also macht den Weltfrieden schon sehr viel unwahrscheinlicher, wenn es Streit um Essen geben wird.
Edith Meinhart
Wie schlimm muss es denn noch werden, bis die Politik den Ernst der Lage erkennt und diese Erkenntnis auch in der Bevölkerung sickert? Wagen Sie da eine Prognose?
Jürgen Hutsteiner
Eher nicht, aber wenn man es jetzt nicht kapiert, was gerade in Österreich los ist, was gerade in Deutschland am Rhein los ist, also das betrifft ja dann auch die, also die Landwirtschaft wird ja im Wirtschaftsbereich nicht ganz, der wird groß im Wirtschaftsbereich gesehen, aber auch in diesen Wirtschaftsbereichen wie Stallindustrie, wie Chemieindustrie, also die haben jetzt wirklich, oder Autoindustrie in Rumänien werden gerade Betriebe geschlossen, zumindest einmal kurzfristig, weil kein Strom da ist. Also wenn man jetzt nicht wach wird, weiß ich es nicht. Und dann endlich diese richtigen Maßnahmen setzt.
Die Frage ist natürlich, was sind die richtigen Maßnahmen und was können wir sie leisten? Aber absolut überzeugt bin ich davon, wenn man das Jahr 2026 nicht dafür nutzt, dass man das sieht und dass auch die, ich sage jetzt direkt, spreche ich im Bauernbund an, Steyr-Organisation der ÖVP, wenn die jetzt nicht endlich laut werden, weiß ich es nicht, ganz ehrlich.
Also jetzt schreien schon die Bauernvertreter der FPÖ um Dürrehilfen, finde ich eigentlich recht lustig, weil da ist ja nur Sommer für die FPÖ. Aber das finde ich schon einmal cool. Aber auch die ÖVP-Bauern sind, finde ich, noch viel zu brav. Und ich hoffe, dass sich das einmal ändern wird.
Und das Gefühl, also ich habe heute mit ein paar Bauern geredet und da war die Hauptaussage, Klimaschutz endlich ernst nehmen. Nur es ist faszinierend, dass diese Bauern, die selben, was sagen, Klimaschutz endlich ernst nehmen, Parteien wählen, die was den Klimaschutz nicht ernst nehmen.
Edith Meinhart
Sie haben schon gesagt, Sie haben Ihre Beziehung zur Landwirtschaft ein bisschen abgekühlt. Also es ist jetzt nicht mehr ganz unvorstellbar, dass es auch ein Leben ohne Hof gäbe. Ihre Söhne sind jetzt zwischen 12 und 20 Jahre alt. Was würden sie Ihnen denn antworten, wenn sie sagen würden, Papa, ich oder wir übernehmen den Hof?
Jürgen Hutsteiner
Ich wäre natürlich trotzdem froh. Und ich würde ihnen sagen, dass ich so lange helfen werde, bis dass ich nicht mehr laufen kann.
Edith Meinhart
Welche Zukunft hat denn die Landwirtschaft aus Ihrer Sicht?
Jürgen Hutsteiner
Ja, also grundsätzlich bin ich davon überzeugt. Also ich habe sehr technikaffine Söhne, dass man mit Spezialrobotern auf der Felder umeinander fahren würde, die die Arbeit erleichtern, oder vielleicht sogar humanoide Roboter, die was ungerade ausreißen würden. Ich weiß es nicht, wie es ausschauen wird, aber auf jeden Fall sehe ich grundsätzlich, wenn das Wasser da ist. Und das ist das große Aber.
Ich sehe schon in der Landwirtschaft noch immer was Schönes. Und es gibt nicht mehr die Landwirtschaft vor 50 Jahren. Es ist wesentlich weniger anstrengend wie damals. Also ich habe es noch ein bisschen mitgekriegt, habe noch tagelang auf dem Kronfeld hängen dürfen in der größten Hitze. Und die Zeiten sind eh zum Glück vorbei.
Es ist auch nicht mehr, leider, das Miteinander, das, was noch in Generationen vor uns gegeben hat, wo 30, 40 Leute den ganzen Tag miteinander gearbeitet haben und auf der Nacht gefeiert haben. Das gibt es auch nicht mehr. Man ist am Bauernhof relativ allein, was auch wieder traurig ist. Aber so ändert sich die Zeit.
Und vielleicht ändert es sich in den nächsten 30, 40 Jahren in die Richtung, dass wir körperlich sicher noch viel weniger machen werden, aber dass wir eben mit der sogenannten Präzisionslandwirtschaft auch viel weniger Pestizide brauchen. Und also grundsätzlich, glaube ich, ist schon noch möglich, dass das in die richtige Richtung geht.
Aber, wie gesagt, das große Fragezeichen werden einerseits die Unwetter, wie häufig das werden. Weil wenn da jedes Jahr ein Hagelsturm kommt, dann gefällt es einem auch nicht mehr. Und das andere, die Wasserknappheit. Also das sind, glaube ich, zwei wichtige Sachen.
Und natürlich die Unterstützung der Landwirtschaft durch die heimische Bevölkerung und Politik. Weil, wie gesagt, mit einem brasilianischen Betrieb mit 10.000 Hektar zu konkurrieren, das wird sich nicht ergeben.
Edith Meinhart
Sie haben jetzt die Bevölkerung auch angesprochen. Was wünschen Sie sich denn von den Konsumentinnen? Können Einzelne dazu was beitragen, dass vielleicht nicht ganz so schlimm kommt, wie es kommen könnte?
Jürgen Hutsteiner
Natürlich. Mein Einkaufsverhalten, wie gesagt, ist natürlich jetzt eine Floskel grundsätzlich, aber wenn ich im Supermarkt zum österreichischen Fleisch oder zum österreichischen Gemüse greife oder zur österreichischen Gurke, dann ist das jeder Griff ins Regal eine Wahlentscheidung.
Und noch viel wichtiger ist, also das ist eine wichtige Wahlentscheidung und nebenbei auch die richtigen Parteien wählen, die das forcieren, wohin die österreichische Landwirtschaft leben kann. Und da sehe ich nicht in erster Linie die Interessensvertretungsparteien der Landwirtschaft, sondern wirklich die, die sich um den Klimaschutz umschauen.
Weil ohne Klimaschutz wird es keine vernünftige Landwirtschaft geben. Und, wie gesagt, wird es knapp genug für uns alle.
Edith Meinhart
Herr Hutsteiner, ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.
Jürgen Hutsteiner
Dankeschön.
Edith Meinhart
Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, ich bedanke mich, dass Sie dabei waren und freue mich, wenn Sie das nächste Mal wieder zuhören.

Autor:in:

Livio Koppe

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