Stets Bereit
Ist Europa bereits im Krieg?
- hochgeladen von Felix Keiser
Wird Europa bereits angegriffen und befindet es sich damit im Krieg? Diese Episode untersucht Sabotage, Anschlagspläne und Desinformation, ihre möglichen Auftraggeber und strategischen Ziele. Was ist belegt, wo bleiben Fragen offen? Und wie kann Europa seine Gesellschaften schützen und einen Gegner abschrecken, der seine Beteiligung bestreitet?
Herbert Bauer
Sie hören "Stets bereit", den Podcast über Militär- und Sicherheitspolitik. Mein Name ist Herbert Bauer, ich bin Generalmajor im Ruhestand und werde in meinem Podcast militärische und sicherheitspolitische Themen allgemein verständlich erläutern.
Grüß Gott und einen guten Tag. Heute möchte ich mit Ihnen prüfen, ob sich Europa bereits im Krieg befindet. Zum Einstieg: Eine Geschichte mit realen Informationen, erzählt anhand eines fiktiven Journalisten. Wir sind in New York, September 2026, die Generalversammlung der Vereinten Nationen bringt Staats- und Regierungschefs, Minister und Journalisten aus aller Welt zusammen. Einer dieser Journalisten ist ein Korrespondent, den wir auf einer fiktiven Reise zu zwei realen politischen Ereignissen begleiten. Er ist seit Tagen unterwegs: Reden, Gespräche, Presseauftritte. In seinem Notizbuch stehen Forderungen, Warnungen und diplomatische Formeln.
Am Rande der Generalversammlung spricht der polnische Außenminister Radosław Sikorski über die Sicherheit Europas, über Brandstiftungen, Explosionen, Drohnen, die Grenzen überqueren. Dann fällt ein Satz, den die Nachrichtenagentur Reuters am 23. September veröffentlicht. Ich zitiere: "Das sind nicht nur Drohungen, das sind tatsächliche Angriffe." Zitat Ende. Der Korrespondent unterstreicht das letzte Wort: Angriffe. Sikorski spricht über Vorgänge in Europa, über Länder, deren Regierungen weiter ihren Geschäften nachgehen, deren Flughäfen geöffnet sind, deren Menschen morgens zur Arbeit fahren. Der Journalist schreibt eine Frage an den Rand: "Was bedeutet das für uns?"
Knapp 2 Wochen später: Berlin, Deutscher Bundestag, 5. Oktober 2026. Das Parlamentarische Kontrollgremium hört die Spitzen der deutschen Geheimdienste an. Öffentlich. Was gewöhnlich hinter verschlossenen Türen erörtert wird, ist heute zumindest in Teilen für die Bevölkerung bestimmt. Der Korrespondent hat seine New Yorker Aufzeichnungen mitgebracht. Vor den Abgeordneten spricht Martin Jäger, Präsident des Bundesnachrichtendienstes. Sein Dienst soll erkennen, was außerhalb Deutschlands vorbereitet wird und die Sicherheit des Landes bedroht. Jäger beschreibt die Gefahr durch Russland. Dann sagt er, ich zitiere: "Russland führt einen Schattenkrieg gegen uns." Zitat Ende.
Der Journalist hält beim Schreiben inne: "In New York waren es Angriffe. Hier fällt das Wort Krieg." Jäger erklärt aber zugleich, es gebe aktuell keine Hinweise auf einen großgelegten russischen Angriff gegen NATO-Staaten. Aber diesen Satz notiert der Korrespondent. Er nimmt der Warnung ihre einfache Erklärung: Ein Schattenkrieg, während ein großer militärischer Angriff nicht erkennbar bevorsteht.
Bei derselben Anhörung spricht Sinan Selen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz. Seine Behörde blickt auf Bedrohungen im Inneren Deutschlands. Selen nennt Sabotage, Desinformation und die Bereitschaft zu Tötungsdelikten. Er erinnert an die mit Sprengstoff präparierte Drohne, die am Flughafen Leipzig Halle neben ukrainischen Frachtmaschinen gefunden wurde. Der Korrespondent kennt den Fall, doch heute steht er in einem größeren Zusammenhang. Zitat: "Wir werden jetzt angegriffen, nicht erst 2029." Anführungszeichen.
Er schreibt diesen Satz auf, dann legt er den Stift ab. In seinem Notizbuch stehen nun die Worte eines polnischen Außenministers und zweier deutscher Geheimdienstchefs, gesprochen an zwei Orten aus unterschiedlichsten Verantwortungsbereichen. Das entscheidende Wort ist für ihn das kürzeste: Jetzt. Der Korrespondent blättert zurück in seinen Aufzeichnungen aus New York. Neben Sikorskis Aussage steht noch seine Frage: "Was bedeutet das für uns?" Er hatte sie für eine spätere Recherche notiert. Jetzt zieht er einen Strich unter die drei Aussagen und schreibt darunter: "Welche Vorfälle stehen hinter diesen Warnungen?"
Er öffnet seinen Laptop, sucht Meldungen, vergleicht Orte und Daten. Manche Vorfälle kennt er, andere hat er überlesen. Damals schienen sie weit voneinander entfernt. Sein Flug nach Hause geht am Abend. Er beginnt eine Liste: "Und wir machen das auch." Zunächst ergibt sich ein widersprüchliches Bild: Ein Zug entgleist, eine Rüstungsfirma brennt, neben einem Transportflugzeug liegt eine Drohne mit Sprengstoff, Politiker werden bedroht, Bahnstrecken blockiert, Nachrichten gefälscht.
Wer die Meldungen der vergangenen Wochen nebeneinanderlegt, bekommt den Eindruck, dass Europa von einer ganzen Serie von Angriffen getroffen wird. Doch was gehört tatsächlich zusammen? Wo sprechen Ermittler von russischen Auftraggebern? Wo gibt es lediglich einen Verdacht? Und wo hat sich eine zunächst bedrohlich wirkende Meldung inzwischen ganz anders aufgeklärt? Diese Unterschiede sind entscheidend, denn ein Gesamtbild wird nicht genauer, wenn man jeden Brand, jede Drohne und jede Gewalttat demselben Gegner zurechnet.
Beginnen wir dort, wo Europa die Ukraine unterstützt: bei Rüstungsunternehmen, Transportwegen und den Menschen, die diese Unterstützung organisieren. In der Nacht zum 5. August wird am Flughafen Leipzig Halle eine mit Sprengstoff bestückte Drohne in der Nähe des ukrainischen Transportflugzeuges entdeckt. Anfang September macht die Bundesregierung Russland für den versuchten Anschlag verantwortlich. Spätere Medienberichte beschreiben eine mutmaßliche Verbindung zum russischen Militärnachrichtendienst GRU. Damit handelt es sich um einen Fall, bei dem die staatliche Zuschreibung erheblich weitergeht als ein bloßer Anfangsverdacht.
Auch in Estland benennen die Behörden einen Auftraggeber. Mitte August brennt es beim Rüstungsunternehmen Milrem Robotics in Tallinn, das unter anderem unbemannte Landfahrzeuge herstellt. Das Feuer wird rasch gelöscht. Ende September erklärt der estnische Inlandsgeheimdienst, dieser Anschlag sei von russischen Nachrichtendiensten bestellt worden. Drei Verdächtige werden in Lettland festgenommen und nach Estland überstellt. Moskau weist die Anschuldigungen zurück.
Ende August wird über einen vereitelten Brandanschlag auf einen Drohnenhersteller in der Ostslowakei berichtet. Spätere Recherchen bringen auch diesen Vorgang mit der GRU in Verbindung. Am 7. Oktober erklärt schließlich der dänische Geheimdienst, Russland habe Sabotage gegen dänische Unternehmen im Verteidigungsbereich versucht. Einzelheiten zu den betroffenen Firmen und Vorgängen werden öffentlich nur begrenzt genannt. Die Aussage ist aber eine ernstzunehmende behördliche Zuschreibung.
Am 10. August kommt es beim bulgarischen Rüstungsunternehmen EMCO in Belizar zu Explosionen und einem Brand. Der Innenminister hält zunächst interne Ursachen in der Munitionsfabrik für wahrscheinlicher. Ein ausländischer Eingriff ist damit nicht belegt. Drei Tage später brennt es im italienischen Coleferro, auf dem Gelände des dortigen Rüstungsunternehmens. Und am 3. September beschäftigen zwei Brände in Südfrankreich die Feuerwehr, darunter im Bereich des Rüstungsstandorts Alenco.
Die mögliche Bedrohung beschränkt sich zudem nicht nur auf Fabriken. Sie richtet sich auch gegen einzelne Menschen. Im August werden in Polen zwei unterschiedliche Fälle bekannt. Ein am 5. August festgenommener Ukrainer soll nach Angaben der Ermittler im Auftrag russischer Dienste versucht haben, einen Vertreter der ukrainischen Rüstungsindustrie in Irpin mit einer Autobombe zu töten. Davon zu unterscheiden ist die Festnahme eines russischen Staatsangehörigen in Warschau am 7. August. Ihm wird die Vorbereitung eines Mordes an einem amerikanisch-ukrainischen Staatsbürger vorgeworfen. Auch diesen Fall bringt die polnische Regierung mit russischen Diensten in Verbindung.
Am 11. Oktober berichtet die Financial Times außerdem über Warnungen von möglichen russischen Mordanschlägen auf Führungskräfte europäischer Rüstungsunternehmen. Solche Warnungen zeigen, wie ernst Nachrichtendienste die Gefahr einschätzen. Am selben Tag wird in Polen die Bedrohung von Ministerpräsident Donald Tusk und Verteidigungsminister Wladimir Kosjniak kamisch veröffentlicht. Die Polizei nimmt einen Mann in Niederschlesien fest. Die Behörden behandeln den Vorgang als ernst. Der polnische Innenminister sorgt jedoch ausdrücklich für die Annahme einer ausländischen Verbindung, sei es noch zu früh.
Am 23. September brennt die Stromversorgung einer Starlink-Bodenstation im polnischen Wohler Grabowska. Die polnische Regierung spricht von Sabotage. Hier gibt es inzwischen eine wichtige Entwicklung: Am 12. Oktober wird die Festnahme zweier türkischer Staatsangehöriger in Deutschland bekannt. Der für die Nachrichtendienste zuständige polnische Minister erklärt, hinter der Sabotage stünden russische Nachrichtendienste.
In Großbritannien wird im August über einen Cyberangriff berichtet, durch den ein kleiner Stromerzeuger 4 Tage lang ausfällt. Die Angreifer werden mit Iran in Verbindung gebracht. Betroffen ist nicht das gesamte britische Stromnetz. Nach Regierungsangaben besteht keine Gefahr für die übergeordnete Energieversorgung. Der Vorfall zeigt dennoch, wie ein digitaler Zugriff eine reale Anlage stilllegen kann. War es vielleicht ein Testlauf für mehr?
Ein möglicher iranischer Hintergrund spielt auch bei den Ermittlungen rund um den britischen Luftwaffenstützpunkt Fairford eine Rolle. Die britische Regierung erklärt am 12. Oktober, der mutmaßliche Anschlagsplan gegen den Luftwaffenstützpunkt sei höchstwahrscheinlich aus dem Iran koordiniert worden. Ende September waren dort 5 Männer festgenommen worden.
Besonders unmittelbar wird aber die Verwundbarkeit beim Bahnverkehr. Am 11. September entgleist in der Normandie ein Personenzug, 44 Menschen werden verletzt. Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Schienenstück, mit dem der Zug kollidiert. Die Behörden prüfen ein absichtliches Herbeiführen des Unglücks.
4 Tage später führen absichtlich auf Gleisen platzierte Gegenstände zu erheblichen Störungen in den Niederlanden. Nach Angaben des Infrastrukturbetreibers ProRail verursachen unter anderem Rohre und Kabel Kurzschlüsse in der Gleisfreimeldung. Das Sicherungssystem behandelt Streckenabschnitte dadurch als besetzt. Man muss also keinen Zug zum Entgleisen bringen, um den Bahnverkehr empfindlich zu treffen. Wer hinter dieser Aktion steht, ist noch nicht geklärt.
Über den Bahnverkehrswegen liegt ein weiterer Raum, in dem sich die Vorfälle häufen: der Luftraum. Doch auch eine Drohne ist zunächst ein Fluggerät, noch keine Erklärung ihrer Herkunft oder ihres Auftrags. Am 8. August explodiert in Bulgarien eine über Rumänien eingeflogene Drohne in der Nähe einer Gasverdichteranlage. Nach Regierungsangaben gibt es weder Verletzte noch Schäden.
In der Nacht zum 15. September dringt eine Drohne aus Belarus nach Litauen ein und wird nahe dem Pumpspeicherkraftwerk Kronis abgeschossen. Nach Angaben des litauischen Verteidigungsministers enthielt sie Sprengstoff. Italienische Eurofighter im NATO-Auftrag haben die Drohne abgeschossen. Moldau wiederum protestiert nach mehreren Luftraumverletzungen am 30. September bei Russland und bestellt den russischen Botschafter ein. Hier geht es um die unmittelbaren Auswirkungen des russischen Kriegs auf den Luftraum eines weiteren europäischen Staates.
Nicht alle gefährlichen Begegnungen bleiben aber unbemannt. Am 14. September feiert eine russische Fregatte bei Gäßna 2 Leuchtsignale in Richtung eines dänischen Militärhubschraubers. Dänemark bezeichnet den Vorgang als gefährlich. Russland kritisiert seinerseits das Verhalten der dänischen Besatzung.
Noch schwerer wiegen die Ereignisse vom 6. Oktober in der bulgarischen Wirtschaftszone im Schwarzen Meer. Ein koordinierter Drohnenangriff traf 2 zivile Handelsschiffe. Der Getreidefrachter Able wurde schwer beschädigt und geriet in Brand, aber die Besatzung konnte evakuiert werden. Das Frachtschiff Alfa Vatan erlitt bei der Attacke schwerste strukturelle Schäden, sank innerhalb von 3 Minuten, und die Besatzung wird seitdem vermisst.
Präsident Wolodymyr Selenskyj beschuldigt Russland. Bulgariens Regierungschef erklärt dagegen, dafür liegen zunächst keine Beweise vor. Russland bestreitet die Verantwortung. Die Schwere des Ereignisses steht fest, seine Zuschreibung bleibt umstritten.
Neben diesen physischen Vorfällen läuft eine zweite Auseinandersetzung, nämlich die um die Deutung dessen, was geschieht. Ein Beispiel ist Ceuta. Ende August wirft die spanische Regierung russischen und pro-israelischen Informationsnetzwerken vor, die Ereignisse von Ende Juli im Internet verstärkt und politisch ausgeschlachtet zu haben. Das ist ein Vorwurf der Einflussnahme auf die öffentliche Wahrnehmung. Es ist kein Nachweis, dass Russland oder Israel die Grenzübertritte organisiert hätten.
In Frankreich kommen zu tatsächlichen Verletzungen bei Protesten irreführend verbreitete ältere Bilder dazu. Wer Aufnahmen früherer Polizeieinsätze als aktuelle Szenen ausgibt, verändert die Wahrnehmung eines realen Konflikts. Ein russischer Ursprung solcher einzelnen Falschdarstellungen ist aber nicht nachgewiesen.
CERT EU, das Cyberabwehrzentrum der EU, berichtet für August über die mit Russland verbundenen Netzwerke Matroschka und Storm-1516 mit erfundenen Beiträgen im Stil bekannter Medien. Sie zielen auf politische Debatten in Deutschland und in Frankreich. Hier besteht der Angriff darin, falsche Behauptungen den Anschein journalistischer Glaubwürdigkeit zu geben.
Damit entsteht ein differenziertes, aber keineswegs beruhigendes Bild. Es gibt konkrete behördliche Zuschreibungen an Russland. Es gibt vereitelte Vorhaben, Festnahmen und Ermittlungen gegen mutmaßliche Auftragstäter. Daneben stehen schwere ungeklärte Ereignisse, mögliche Auswirkungen des Krieges über die Ukraine hinaus und Fälle, bei denen sich ein erster Sabotageverdacht nicht bestätigt hat.
Die ausführenden Personen müssen dabei keine hoch ausgebildeten Nachrichtendienstoffiziere sein. Wer einen Brand legt oder ein Objekt auskundschaftet, kann angeworben und für eine begrenzte Aufgabe eingesetzt werden. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie professionell ein Täter wirkt. Entscheidend ist, wer ihn beauftragt, informiert, bezahlt und mit den nötigen Mitteln versorgt. Ob das in einem konkreten Fall geschehen ist, müssen die Ermittlungen zeigen.
Für die politische Bewertung bedeutet das: Wir müssen nicht jeden ungeklärten Vorfall Russland zurechnen, um die belegten Angriffe ernst zu nehmen. Wir dürfen die belegten Angriffe aber auch nicht dadurch verharmlosen, dass andere Verdachtsfälle ungeklärt bleiben oder sich anders erklären. Ein Rechtsstaat muss die Verantwortung für jede einzelne Tat sorgfältig feststellen.
Sicherheitspolitik muss zugleich erkennen, ob sich aus den belegten Fällen ein Muster ergibt. Genau dort liegt Europas Herausforderung: auf Angriffe zu reagieren, ohne sich von Vermutungen treiben zu lassen und handlungsfähig zu bleiben, obwohl nicht jeder Auftraggeber sofort öffentlich nachgewiesen werden kann.
Bei Betrachtung all dieser hier ausgewählten und beileibe nicht aller Vorfälle in Europa wird also klar, dass die Gesellschaft selbst zum Angriffsziel wird. Ein Anschlag kann über den Tatort hinaus Angst verbreiten, Misstrauen säen und politische Konflikte verschärfen. Desinformation verstärkt diese Wirkung. Den erfundenen Nachrichten und irreführenden Bildern folgen zwangsläufig Empörung, Verdächtigungen und gegenseitige Beschuldigungen. Die Gesellschaft wird gespalten.
In Spanien liefern reale Missstände wie die Wohnungsnot den Anlass für Proteste. In Frankreich protestieren Schülerinnen und Schüler. Ähnliche Aktionen folgen in Belgien und Italien. Verletzungen bei damit verbundenen Polizeieinsätzen verschärfen die Empörung, und ältere Aufnahmen werden dann als aktuelle Bilder verbreitet. Fremde Akteure können also dadurch vorhandene Wut aufgreifen und anheizen. Entstehung und Verstärkung sind dabei zwei verschiedene Vorgänge.
Aber gerade auch ungeklärte Vorfälle bieten Raum für Gerüchte, und so wird die Unsicherheit selbst zur Waffe. Die möglichen strategischen Ziele liegen auf der Hand: Die Ukraine hilft, wenn Misskredit bringen, behindern und verteuern. Die Sicherheitsbehörden beschäftigen, staatliche und private Unternehmen einschüchtern und vor allem das Vertrauen in den Staat schwächen und Europas Geschlossenheit untergraben.
Jeder verzögerte Transport, jede unterbrochene Produktion und jede politisch ausgenutzte Krise kann dazu beitragen. Russland wird dabei in mehreren Fällen von europäischen Behörden als Auftraggeber benannt. Solche und andere Verbindungen aufzuklären, verlangt also Ermittlungen, die vom ausführenden Täter, oft nur ein Proxy, über Vermittler und Geldflüsse bis zum Auftraggeber oder auch einem Nachrichtendienst reichen müssen. Sie können sich vorstellen, wie schwierig das ist.
Probieren wir wieder ein Fazit: Europa muss seine kritische Infrastruktur besser schützen und nach Angriffen rasch wieder funktionsfähig machen können. Das bedeutet auch, unwirtschaftliche Reserven vorzuhalten. Polizei und Nachrichtendienste müssen gemeinsam über Grenzen hinweg ermitteln. Eine gesicherte Beweisführung bis hin zu den Geldgebern und Auftraggebern ist schwierig. Das gilt gerade auch dort, wo es vielleicht um False-Flag-Operationen geht, die einen anderen als den wirklichen Täter vorgaukeln.
Streitkräfte müssen militärische Einrichtungen sichern und im gesetzlichen Rahmen Unterstützung leisten. Wer hinter einem Angriff steht, muss auf Grundlage belastbarer Erkenntnisse öffentlich benannt werden. Und darauf müssen Konsequenzen wie Strafverfolgung, gezielte Sanktionen und die Zerschlagung der beteiligten Netzwerke folgen. Europas Staaten müssen gemeinsam handeln, damit ein Angriff auf einen von ihnen die Antwort aller auslöst.
Die inzwischen belegten, verdeckten staatlichen Angriffe rechtfertigen inzwischen auch wohl die Bezeichnung "Schattenkrieg", in dem sich Europa offensichtlich befindet. Daraus folgt die Forderung, auch unterhalb der Schwelle zum offenen militärischen Krieg entschlossen handeln zu können und auch zu wollen. Abschreckung beginnt dort, wo Angriffe scheitern und Auftraggeber Folgen spüren. Der Gegner soll vor seinem nächsten Auftrag damit rechnen müssen, dass Europa ihn aufklärt, seine Mittel beschränkt und den Preis für weitere Angriffe erhöht.
Sie hörten "Stets bereit", den Podcast über Militär und Sicherheitspolitik. Sollten Sie Fragen zu Militär oder zu sicherheitspolitischen Themen haben, schreiben Sie mir bitte eine E-Mail an stetsbereit@missing-link.media. Vielen Dank fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal, Ihr Herbert Bauer.
Autor:in:Livio Koppe |
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