Ganz offen gesagt
Über "Acht Tische für die vierte Gewalt" - mit Gabriela Bacher und Sebastian Loudon

In dieser Folge spricht Host Stefan Lassnig mit Gabriela Bacher und Sebastian Loudon über die Veranstaltung „Acht Tische für die vierte Gewalt“ auf Schloss Hernstein und deren Anspruch, Medienpolitik in Österreich neu zu denken. Im Zentrum stehen Medienfreiheit, unabhängige Medienförderung und der Versuch, sehr unterschiedliche Akteur:innen – von Chefredaktionen über Zivilgesellschaft bis zur Politik – auf Augenhöhe ins Gespräch zu bringen. Die drei diskutieren, welche Lehren aus der Tagung für ein künftiges, sturmsicheres Mediensystem gezogen werden können und wo Widerstände liegen.

Sebastian Loudon

Der Hintergrund war wirklich, einen zivilgesellschaftlichen Beitrag zu leisten, der die Medienpolitik begleiten soll, weil wir ja alle wissen als geprüfte Beobachter oder Betroffene, dass Medienpolitik in Österreich sehr schwierig ist.

Es ist fast unmöglich für Politiker und Politikerinnen, selbst wenn sie noch so guten Willens sind, aus der Tagespolitik heraus eine langfristige Medienpolitik zu machen, weil man damit automatisch immer jemanden auf die Füße steigt. Daher war es in der Vergangenheit relativ einfach. Man hat ORF und die Verleger in ein Zimmer gesperrt hat gesagt, macht euch das aus. Und was ihr euch ausgemacht habt, das schreiben wir dann in ein Gesetz hinein. Sehr überspitzt formuliert, aber über viele Jahrzehnte hat das so stattgefunden.

Gabriela Bacher

Es waren Gespräche auf Augenhöhe. Und um auch das schon ein bisschen vorwegzunehmen, das ist vielleicht das, was für viele, die da waren, fast am interessantesten war, dass in dieser Form nicht paritätisch hinter Vertretungen gestellte oder geschützter Diskurs, sondern jeder direkt und auf Augenhöhe. Das ist vielleicht sehr zeitgemäß gewesen und hat auch große Freude gemacht.

Stefan Lassnig

Herzlich willkommen bei Ganz offen gesagt, dem Podcast für Politikinteressierte. Mein Name ist Stefan Lassnig und meine heutigen Gäste sind Gabriela Pacher und Sebastian Loudon. Mit ihnen spreche ich über die Veranstaltung Acht Tische für die vierte Gewalt. Unter diesem Motto haben sich im November 2025, 64 Menschen in einem Schloss in Niederösterreich getroffen, um disziplinübergreifend über Lösungsansätze für die kriselnde Medienlandschaft und insbesondere neue Ansätze in der Medienförderung zu sprechen. Wer an dieser Veranstaltung teilnahm, besonders interessant, wer nicht teilnahm, wie die Atmosphäre war, welche Ergebnisse erzielt wurden und welche positiven und negativen Reaktionen es danach gab, darüber sprechen wir heute in dieser Folge von Ganz offen gesagt.

Liebe Gabriela, lieber Sebastian, herzlichen Dank, dass ihr euch Zeit für dieses Gespräch nehmt. Ein Grundmotiv bei unserem politischen Podcast ist Transparency is the new objectivity. Und in diesem Sinne beginnen wir unseren Podcast immer mit der traditionellen Transparenzpassage, in der wir definieren, woher wir uns kennen und ob ihr aktuell für Parteien oder deren Vorfeldorganisationen tätig seid. Ich darf mit dir anfangen, Gabriela. Zuerst darf ich anmerken, dass du derzeit in den USA bist und uns daher von dort aus zugeschaltet bist. Und meiner Erinnerung nach haben wir uns erst bei der Veranstaltung 8 Tische für die 4. Gewalt kennengelernt. Und genau über die Veranstaltung werden wir heute sprechen.

Gabriela Bacher

Ja, wunderbar. Und genau so ist es.

Stefan Lassnig

Gut, danke. Dann damit gleich zur zweiten Frage an dich, Gabriella. Bist du aktuell oder warst du für Parteien oder deren Vorfeldorganisationen tätig?

Gabriela Bacher

Nein.

Stefan Lassnig

Gut. Kurze, prägnante Antworten. Das mag ich sehr. Sebastian, wir kommen gleich zu dir. Wir kennen uns ja schon länger. Meine Erinnerung nach kennen wir uns aus der Zeit, in der du Chefredakteur beim Branchenmedium Horizont warst.

Sebastian Loudon

Ja, und Du warst ein hohes Tier bei der Regionalmedia Austria.

Stefan Lassnig

Ja, jetzt bin ich nur mein kleines Tierchen, aber aber es freut mich umso mehr, dass wir wieder in Kontakt sind und dass wir wieder miteinander zu tun haben. Auch dir darf ich nur die Frage nach der Arbeit für Parteien oder deren Vorfeldorganisationen stellen.

Sebastian Loudon

Nein.

Stefan Lassnig

Gut, das ist eine gute Voraussetzung für unser Gespräch insofern, weil heute geht es um Medien und es geht darum, wie kann eine funktionierende Medienlandschaft in Österreich ausschauen. Und Ausgangspunkt unseres Gespräches ist eine Veranstaltung, die ihr zwei organisiert habt, federführend, nämlich am 13. Und 14. November 2025 auf Schloss Herrnstein in Niederösterreich.

Die Veranstaltung hat geheißen acht Tische für die vierte Gewalt, Transparenz halber sofort erwähnt, auch ich habe an dieser Veranstaltung teilgenommen, wurde dazu eingeladen und herzlichen Dank dafür. Das war wirklich eine tolle Veranstaltung und wir wollen über die heute sprechen, weil wir wollen ja den ganz offen gesagt Hörerinnen und Hörern die Möglichkeit geben, die Hintergründe zu dieser Veranstaltung zu erfahren.

Vielleicht fangen wir ganz am Anfang an. Wie ist es denn zu dieser Idee gekommen, diese Veranstaltung zu organisieren?

Gabriela Bacher

Ja, erstens einmal vielen Dank, dass du gekommen bist und dass du dabei warst und dass du mitgearbeitet hast. Wie ist es dazu gekommen? Ich glaube, ich sage nichts Wunderliches, wenn ich meine, dass wir in schwierigen Zeiten sind, dass wir uns im Delta einer digitalen industriellen Revolution befinden, wo Ungewissheit und berechtigte Sorge auf Angstmache und auf Hetze stößt und demokratisches Miteinander gern als zu kompliziert denunziert wird. In dieser Gemengenlage halten wir eben Medienfreiheit für ein hohes Gut, das es gilt zu bewahren. Wir haben uns überlegt, was wir tun können, um mit dafür zu sorgen, dass wir nicht überrumpelt werden. Medienfreiheit hat aber auch immer viel mit Medienfinanzierung und in Österreich besonders viel mit Medienförderung zu tun. Und mit dem Sebastian ist aus diesem Wunsch gemeinsam Antworten zu erforschen, wie Journalismus und Medien auf diese technologischen Herausforderungen eingehen und auf die autokratischen Bedrohungen sich davor schützen können. Mit dem Sebastian zusammen ist daraus eben die acht Tische geworden.

Sebastian Loudon

Ja, das war wirklich eigentlich ein unglaubliches Ping Pong, wenn ich mich zurückerinnere, es war circa genau vor einem Jahr, also So im Spätwinter, 25 und wir haben uns im Café Einfahrt getroffen im Karmeliterviertel und wir sind beide mit ähnlichen Ideen schwanger gegangen und haben dort sozusagen eigentlich hat das alles super zueinander gepasst und der Energie und der Umsetzungskraft der Gabriela ist es geschuldet, dass das tatsächlich und relativ schnell, nämlich innerhalb von, also im Sommer haben wir dann die Einladungen verschickt, alles innerhalb von weniger Monaten sozusagen die Finanzierung, die Location und so weiter, alles auf die Beine gestellt wurde.

Aber das war der Hintergrund. Der Hintergrund war wirklich einen zivilgesellschaftlichen Beitrag zu leisten, der die Medienpolitik begleiten soll, weil wir ja alle wissen als geprüfte Beobachter oder Betroffene, dass Medienpolitik in Österreich sehr schwierig ist. Es ist fast unmöglich für Politiker und Politikerinnen, selbst wenn sie noch so guten Willens sind, aus der Tagespolitik heraus eine langfristige Medienpolitik zu machen, weil man damit automatisch immer jemanden auf die Füße steigt. Daher war es in der Vergangenheit relativ einfach. Man hat ORF und die Verleger in ein Zimmer gesperrt, hat gesagt, macht euch das aus und was ihr euch ausgemacht habt, das schreiben wir dann in ein Gesetz hinein. Sehr überspitzt formuliert, aber über viele Jahrzehnte hat das so stattgefunden.

Aber die Medienwelt ist eine ganz andere. Es gibt ganz neue Realitäten. Und ich glaube, was auch so wichtig war im Vorfeld der Veranstaltung und deshalb war das auch ein bisschen fast wie eine paradoxe Intervention, auch unsere Einladungspolitik wurde als solche wahrgenommen, ist, dass wir diese neue Realität berücksichtigt haben. Also Journalismus als Dienstleistung an der Gesellschaft ist ja das, worum es sich eigentlich dreht, auch wenn wir über Medienförderung reden. Wenn wir über Medienförderung reden, dann wollen wir ja nicht, dass das tägliche Horoskop in einer Tageszeitung gefördert wird, sondern dass sozusagen die politische Debatte mit qualifizierten Informationen angereichert wird und sich daher Bürgerinnen und Bürger eine bessere Meinung bilden können und klügere Wahlentscheidungen treffen können.

Und je größer die Probleme werden, desto wichtiger wird es, diesen Debattenraum zu haben. Also Klima, Sicherheit, Migration, noch viel mehr Integration, Bildung, alle diese Bereiche brauchen eine qualifizierte öffentliche Debatte. Und jetzt ist es so, dass diese Dienstleistung Journalismus nicht mehr ausschließlich von großen Medienunternehmen geliefert wird. Noch vor wenigen Jahrzehnten oder Sagen wir vor 15, 20 Jahren war das So, da lief Journalismus über große Fernsehsender und große Zeitungen und Magazine und heute, und dass wir hier sitzen, ist ein gutes Beispiel dafür, ist es geradezu explodiert. Es gibt Podcast Unternehmen, es gibt Newsletter, es gibt freie Journalistinnen und Journalisten, die wie multimediale Bauchläden durch die Welt gehen. Es gibt Influencer, die extrem journalistisch interessant arbeiten, auch solche, die das Gegenteil davon sind, aber auch die gibt es.

Und diese neuen Medienrealitäten wollten wir von Anfang an berücksichtigen. Und das war der Punkt. Deswegen Stakeholders, Stakeholder Klausur. Stakeholder sind eben nicht nur der ORF und der Verlegerverband, so wichtig und wertvoll die auch sind, sondern Stakeholder sind viel mehr. Und das war sozusagen ein bisschen das Neue daran. Und ich glaube, deshalb ist das auch auf viel Neugier, auch Skepsis gestoßen. Aber insgesamt im Nachhinein, ich glaube, das können wir schon vorwegnehmen auf sehr viel Wohlwollen und Begeisterung.

Gabriela Bacher

Und ich würde gern noch ein bisschen mehr auf diese Stakeholder eingehen, weil es eben nicht nur der Journalismus und alle die neuen Formen des Journalismus war, sondern eben wirklich acht da ja auch die acht Tische, acht Gruppen, die da waren, das Medienmanagement von Großprint bis zum Start up, Herausgeberschaft und Chefredaktion, Journalistinnen, ja, aber eben auch Brancheninstitutionen und ganz wichtig, die Wissenschaft, die Politik, die Zivilgesellschaft und das Recht.

Es waren Gespräche auf Augenhöhe. Und um auch das schon ein bisschen vorwegzunehmen, das ist vielleicht das, was für viele, die da waren, fast am interessantesten war, das in dieser Form des nicht paritätisch hinter Vertretungen gestellte oder geschützte Diskurs, sondern jeder direkt und auf Augenhöhe. Das ist vielleicht sehr zeitgemäß gewesen.

Stefan Lassnig

Ihr seid mir jetzt ein bisschen zu schnell, weil wir sind jetzt schon bei der Frage, was war bei der Veranstaltung? Ich bin immer noch bei der Vorgeschichte, aber wir wollen auf alle diese Punkte nur eingehen, die ihr jetzt erwähnt habt. Lasst uns davon auch der Transparenz halber bitte für unsere Hörerinnen und Hörer erzählen, wer die Veranstaltung finanziert hat. Auf eurer Website steht es eh, aber ich wollte es auch im Podcast noch einmal erwähnt haben. Also ich zähle es jetzt einfach auf, wie es auf eurer Website steht und ich gehe davon aus, das ist nach wie vor gültig. Also die erste Stiftung, die RD Foundation Vienna, ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was das ist.

Gabriela Bacher

Das ist der Christian Reder.

Stefan Lassnig

Aha, okay.

Gabriela Bacher

Das war überhaupt das Interessante. Also neben der ersten Stiftung, die wirklich unsere Hauptunterstützung war und da möchte ich auch gern einen Namen erwähnen, und das ist die Maribel Königer, mit der es einfach so großartig war zusammenzuarbeiten, die wirklich so was wie ein fehlendes Eda war.

Für uns waren es eben auch Entrepreneurs und was man heutzutage Citoyens nennen würde, die diese Zeit als eine nicht ungefährliche sehen und unsere Bemühungen unterstützen wollten. Und das war eben Christian Reder und Ingrid Reder und Anton Schneider, um zwei davon zu nennen.

Stefan Lassnig

Auf eurer Website ist nur aufgeführt die Industriellenvereinigung, die Wirtschaftskammer Wien und die Initiative Aufstehen.

Sebastian Loudon

Genau, das ist eine tolle Mischung. Also es sind Privatpersonen, es sind zivilgesellschaftlich organisierte oder engagierte Privatpersonen, es sind fast staatstragende Institutionen, aber wie gesagt, wie es die Gabriela gesagt hat, den Großteil oder einen Gutteil des Finanzbedarfs hat die erste Stiftung beigeschickt.

Stefan Lassnig

Finanzbedarf deswegen für unsere Hörerinnen und Hörer. Wir waren ja da auf Schloss Hernstein, das ist ein ganz tolles Seminarhotel in Niederösterreich, wir sind dort sehr gut verpflegt worden und haben auch dort einmal übernachten dürfen und diese Kosten haben diese Sponsoren übernommen. Ich möchte an der Stelle...

Sebastian Loudon

Es war jetzt kein Luxusaufenthalt, sondern es war eine angemessene Verpflegung, sagen wir so.

Stefan Lassnig

Ja, aber ich war ja schon öfters dort auf Seminaren und ich weiß, dass die dort wirklich gut ist.

Sebastian Loudon

Toll.

Stefan Lassnig

Und was mir noch wichtig ist an der Stelle anzumerken, ich habe von diesen Sponsoren gar nichts gespürt. Die waren überhaupt nicht präsent dort vor Ort, weil das ist auch, finde ich, wichtig zu wissen, Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind da nicht davon beeinflusst worden. Ich habe sogar erst im Nachhinein eigentlich nachgelesen, wer da alle mitgezahlt hat. Also das ist wichtig an der Stelle anzumerken. Trotzdem gehört es der Transparenz halber auch erwähnt.

Jetzt ist schon die Einladungspolitik angesprochen worden und ich teile übrigens deine Einschätzung, Sebastian. Also diese Einladungspolitik an sich war schon, eure Einladungspolitik war schon einzigartig, weil sie eben bestimmte Dinge berücksichtigt hat, die normalerweise nicht berücksichtigt werden. Auch diese hohe Diversität von den Beteiligten. Gabriela du hast das aufgezählt. Recht, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und so weiter war aus meiner Sicht einzigartig. Ich habe das so noch nie erlebt. Vielleicht ist auch interessant die Frage, wer wurde eingeladen und kam nicht?

Sebastian Loudon

Wer wurde eingeladen und kam nicht? Also ganz, ganz wenige. Wir waren überrascht, als wir im Sommer die Einladungen verschickt haben, wussten wir wirklich nicht, was passiert, weil das war für alle ein erstes Mal und wir wussten nicht, wer sich da sozusagen drauf einlässt.

Und dann kamen sekundenschnell die Zusagen von echten Kapazundern. Ich weiß nicht, ob es eine weibliche Form von Kapazunder gibt. Kapazunderinnen, Ja, Kapazund, ja. Wo wir gesehen haben, hoppla, okay, Also das scheint nicht unser Problem zu werden, dass wir dort Mühe haben werden, 64 Teilnehmende dazu zu bekommen.

Insofern gab es wirklich auch von den gut etablierten Brancheninstitutionen von der Politik, von den großen Verlagshäusern, hatten wir wirklich sehr schnell fantastische Vertreterinnen und Vertreter, die zugesagt haben. Wir hatten fast keine Absagen.

Wir hatten natürlich sozusagen, weil wir damit gerechnet haben, dass Leute absagen werden, dann quasi eine Art, also Warteliste ist das falsche Wort, aber halt, das mussten wir., also das war eigentlich mit dem ersten Schwall an Einladungen, war die Crowd dort eigentlich definiert.

Stefan Lassnig

War auf Seiten der Politik, wären wir tot abgegangen ist war die FPÖ, war die nicht eingeladen oder wollte die nicht kommen?

Sebastian Loudon

Die war nicht eingeladen. Das war eine intensive Diskussion mit dem Ergebnis, dass wir gesagt haben, wir haben hier eindeutig eine Partei, die gerade in diesem Bereich und muss sagen, als das Projekt Gestalt angenommen hat, sind ja gerade bei der FPÖ einige medienpolitisch zutiefst problematische Aussagen gefallen in Richtung Standard und in Richtung Medienförderung etc., dass wir gesagt haben, die können wir nicht zu einem ernsthaften Diskurs über unabhängigen und sorgfältigen Journalismus und welche Rolle der Staat dabei hat, ihn zu fördern einbinden.

Stefan Lassnig

Das war durchaus ein Kritikpunkt im Nachgang, der mir zugetragen worden ist. Ich kann jetzt nur sagen, die, die dort waren, waren tatsächlich dann alle konstruktiv und haben sich eingebracht. Insofern ist es eure Entscheidung als Veranstalterinnen und Veranstalter des so zu machen. Es hat auch noch eine andere Geschichte gegeben rund um die Einladungen, nämlich ein Teil der Einladungen wurde zwar angenommen, aber dann kurz vor Veranstaltung wieder abgesagt. Könnt ihr da was dazu erzählen?

Sebastian Loudon

Ja, natürlich. Also das war der Standard hat das eh berichtet, das waren die Vertreter und Vertreterinnen der Styria Medien, die uns sehr knapp vorher abgesagt haben, obwohl sie zugesagt hatten. Das war natürlich eine kurze Irritation, weil wir nicht wussten, was da dahintersteckt oder ob überhaupt etwas dahintersteckt. Mancherorts war die Rede davon, dass das ein Boykott gewesen ist. Also das hat sich Gott sei Dank alles als Blödsinn herausgestellt. Im Gegenteil, die haben uns Glück gewünscht für die Veranstaltung, die haben uns nachher gratuliert zu den Ergebnissen teilweise. Und das war, dürfte sozusagen eine konzerninterne Diskussion gewesen sein, dass die auch mit dem Format sozusagen ein bisschen so Unklarheiten hatten, was das da jetzt konkret wird. Und haben dann im letzten Moment entschieden, sie sind durch den FÖZ, also durch den Verband der österreichischen Zeitungen, so gut dort vertreten mit dem Präsidenten Maximilian Tasch und dem Geschäftsführer Gerald Grünberger, dass es nicht notwendig ist, dort zwei Tage sozusagen mitzudiskutieren. Und die Entscheidung haben wir natürlich zur Kenntnis genommen. Wir haben dann sogar noch, kamen dann noch ein paar spontane Einspringer dazu, die sich gefreut haben, dabei zu sein. Und insofern war das dann trotzdem eine tolle Runde. Und mehr gibt es dazu eigentlich nichts zu sagen, oder? Gabriela?

Stefan Lassnig

Gabriela lacht.

Gabriela Bacher

Nein, da hast du vollkommen recht. Dazu gibt es nicht mehr zu sagen. Vielleicht wollen wir noch kurz eingehen auf die Pressemitteilung des FÖZ.

Stefan Lassnig

Das kommt später. Gabriela, das kommt später in dem Themenblock. Was war nach der Veranstaltung? Wir sind ja jetzt in der Veranstaltung selbst bzw. Sogar noch bei den Einladungen.

Sebastian Loudon

Ja, und dann hatten wir natürlich, weil es war November und es war kalt und neblig, hatten wir natürlich ein paar krankheitsbedingte Absagen. Das ist immer so, das hat uns leid getan. Wir haben aber das antizipiert und hatten sozusagen die Veranstaltung ein bisschen überbucht, sodass sie sich dann letztendlich genau, wir waren fast punktgenau diese 64 Personen, also 8 Tische mit je 8 Personen und ging sich eigentlich gut aus. Also das ist normal, dass bei 70 Menschen im November dann an dem Tag 3 oder 4 krank sind. Das ist ganz normal.

Stefan Lassnig

Vielleicht bleiben wir jetzt gleich bei dem.

Gabriela Bacher

Ich glaube, man kann noch eines schon noch dazu sagen und das ist, dass wir, weil das ja auch so ein bisschen ein Vorwurf war, der im Raum stand, wir haben wirklich in alle Richtungen eingeladen und wir haben schon eine größere Präsenz des Boulevards vermisst.

Stefan Lassnig

Das ist mir auch aufgefallen und das ist einfach wichtig an der Stelle zu betonen, das war keine Folge der Einladungspolitik, sondern die sind halt nicht aufgetaucht.

Sebastian Loudon

Unsere Mission war, die relevanten Stakeholder an nicht einen Tisch, sondern acht Tische zu bekommen. Und auch wenn das für andere Länder paradox erschiene, in Österreich sind die Boulevardmedien im Bereich der Medienförderung und der Medienpolitik Stakeholder. Ein sehr wuchtiger Stakeholder, weil auch in Österreich auch Boulevardmedien sehr ansehnlich von staatlichen Förderungen profitieren. Das ist, glaube ich, wirklich nur in Österreich so. Also dass Boulevardmedien öffentlich gefördert werden, das gibt es sonst nirgends. Das sind sehr profitable Wirtschaftsbetriebe, die keine Förderung brauchen normalerweise.

Und wir wollten uns aber eben nicht, wir wollten bewusst alle Stakeholder einladen. Und da haben wir auch Vertreter und Vertreterinnen der Boulevardmedien eingeladen. Sie waren in gewisser Weise am Tisch, nämlich über ihre Verbände. Es war sowohl der FÖZ als auch der Verband der Regionalmedien, wo beispielsweise Heute die Gratis Tageszeitung Heute Mitglied ist, die waren am Tisch. Also insofern waren sie eh da, zumindest ihre Vertreterinnen und Vertreter.

Stefan Lassnig

Ich würde da gerne abschließendes Kommentar noch von meiner Seite aus dazu sagen. Ich glaube, es war teilweise tatsächlich eine gewisse Unsicherheit, was bei der Veranstaltung passiert dabei, weil es die halt in der Form auch noch nie gegeben hat und weil es etwas sehr Unösterreichisches war. Ich habe es jetzt angesprochen, diese Parität und diese Gleichbehandlung von Kleinen und Großen, das ist in Österreich jetzt einfach nicht gelernt. Und ich glaube, daraus ist auch viel Unsicherheit entstanden im Vorfeld.

Ich würde nämlich gerne, das ist eine gute Überleitung zur Veranstaltung selbst, weil das Format war ja sehr interessant. Die Veranstaltung hat ja nicht nur geheißen acht Tische für die vierte Gewalt, sondern es waren tatsächlich am Anfang acht Tische aufgeteilt nach den Kriterien, die ihr davor gesagt habt, also Chefredakteurinnen, Medienmanagerinnen, Zivilgesellschaft, Recht, Wissenschaft, jetzt habe ich noch welche vergessen, aber jedenfalls, das waren acht Tische, mit denen jeweils Themen besetzt waren.

Und dann ist im Zuge der Veranstaltung die Tische aber durchgemischt worden. Man hat versucht, oder man hat versucht, man hat versuchen, man hat müssen mit anderen Disziplinen in Diskussion treten, was total spannend war, weil am ersten Tisch hat man eigentlich fast alle gekannt und ist eigentlich sehr schnell auf sehr gleichem Niveau gewesen. Zumindest ist es bei uns am Tisch so gewesen. Und dann nach der Durchmischung war es schon ein bisschen mühsamer, weil Demokratie ist mühsam. Gabriela, du hast es heute schon irgendwie gesagt und da war es dann schon schwieriger, zu Konsens zu finden. Aber genau das hat es auch spannend gemacht. Ich denke, das war euer Ziel, oder?

Sebastian Loudon

Ja, und das war auch das Experiment, Weil wir natürlich nicht wissen, nicht wissen, nich gewusst haben, was dabei rauskommt.

Gabriela Bacher

Und dieses ganze Vorhaben zu Menschen, die ja alle viel zu tun haben, zu sagen, bitte nehmen Sie sie sich ein bisschen mehr als 24 Stunden Zeit für uns. Und das meinen wir auch wirklich so. Kommen Sie zu uns eine Stunde außerhalb von Wien. Wir verbringen den Abend zusammen, wir arbeiten an runden Tischen zu sehr genauen Themenvorgaben und dann gibt es auch noch ein Termingespräch und am Schluss versuchen wir, Handlungsempfehlungen gemeinsam erarbeitet zu haben.

Das ist ja auch ein großes Entgegenkommen von denen, die gekommen sind. Ich meine, du hast ja auch eineinhalb Tage aus deinem Arbeitsleben rausgeschnitten, um da dabei zu sein. Das war schon toll.

Stefan Lassnig

Wie habt ihr die Atmosphäre empfunden jetzt als Veranstalterin und Veranstalter?

Sebastian Loudon

Also ich war sehr aufgeregt davor, muss ich sagen. Da hat sich eine irrsinnige Spannung aufgebaut, weil ich habe ja relativ viel schon Medientage, Medienonketten, Podiumsdiskussionen und so weiter mitgemacht und das Projekt mit der Gabriela war wirklich sozusagen one of a kind. Und da war eine große Aufregung. Und als dann der erste Shuttlebus vom Bahnhof kam und diese ganzen Kapazunder, die ich seit fast 30 Jahren in der Branche erlebe, also ich weiß nicht, mir fallen jetzt Hans Peter Lehofer, Horst Birker, Stefan Lassnig, also kommen mit ihren Rollköfferchen, roten Backen und ihr Zimmer suchen in Hernstein und sagen hast du schon dein Zimmer und Ding und wann geht's los? Und auf welchem Tisch sitzt du? Und ich weiß nicht was. Das war unglaublich.

Also das war und diese Atmosphäre hat sich über diese 24 Stunden oder ein bisschen mehr eigentlich durchgezogen. Es war ein bisschen wie eine Branchenklassenfahrt, Schullandwoche oder wie man das nennt. Und deshalb war es so wichtig, die mal rauszuholen und auch zu sagen nein, Das geht nicht, dass du nur bei der ersten Runde dabei bist oder nur zur dritten kommst. Das ist ganz oder gar nicht. Und das hat sich extrem ausgezahlt.

Was ich extrem bereichert, was mich sehr positiv überrascht oder überrascht, aber sozusagen meine Erwartungen übertroffen hat, war der Abend, nämlich sowohl das Abendessen als auch das Kamingespräch mit dem dänischen Wissenschaftler Aske Kammer, den die Gabriela nach Herrnstein gebracht hat und der uns dort das dänische Fördersystem oder überhaupt die skandinavischen Fördersysteme erklärt hat. Das war noch mal eine super Reflexionsübung und war für die Atmosphäre auch ganz wichtig.

Aber Gabriela, wie hast du, ich habe dich, wir haben da eigentlich nie so wirklich drüber gesprochen nachher. Wie hast du die Atmosphäre so erlebt?

Gabriela Bacher

Glückhaft. Also für mich war das so aufregend wie für dich und vielleicht noch aufregender in dem Sinne, dass ich viele ja nicht so gut kannte wie du und dass das für mich zum Teil auch wirklich ein Kennenlernen von Leuten, von denen man viel gelesen, viel gehört hat und jetzt verantwortlich zeichnen dafür, dass die dich nicht langweilen. Nein, dass das eine gute Veranstaltung wird, das war schon sehr aufregend.

Ich fand die Gespräche extrem produktiv, auch das ins kalte Wasser springen, dass man hier jetzt nicht Referaten zuhört und dann vielleicht eine kleine Podiumsdiskussion macht, sondern dass man sich wirklich fortlaufend einbringt, dass da ein roter Faden durch diese eineinhalb Tage geht, die dazu führen sollen, dass man sich wirklich gemeinsam überlegt, wie kann man es besser und anders machen und was sind die großen Themen, weil ja, das war, also ich habe mich sehr glücklich geschätzt dort.

Sebastian Loudon

Für mich war ein bemerkenswerter am zweiten Tag bei der ersten Runde, ich war Tisch Host für den Tisch Brancheninstitutionen. Das hat sich dann, wie gesagt, gemischt. Und in der zweiten Runde saß dann auf meinem Tisch ein sozusagen alteingesessener Verleger und hat geschwärmt vom Vorabend, wo er am Tisch saß mit einer jungen Journalistin aus dem Social Media Bereich und da einmal wirklich eine andere Welt kennengelernt hat in diesem Gespräch und fern von allen und der hat das sogar so formuliert, fern von allen eigenen Lobbying-Zwängen und Schubladendenken und Interessensdings und so weiter.

Und da habe ich mir gedacht, obwohl wir da noch lang nicht fertig waren, habe ich mir okay, ein Riesenziel ist erreicht, nämlich einmal diese neue Form der Debatte auf Augenhöhe zu ermöglichen. Das ist schon mit dem ersten Tag und dem Abend gelungen und hat sich dann aber natürlich am zweiten Tag noch fortgesetzt.

Stefan Lassnig

Ich kann das als Teilnehmer nur bestätigen. Ich habe es eben interessant gefunden, diese verschiedenen Disziplinen an gemeinsamen, dann später Tischen zu haben.

Also was mir zum Beispiel also der rechtliche Input, den habe ich extrem wichtig gefunden, weil wir leben ja nicht in einem rechtslosen Raum, wobei man manchmal, speziell wenn wir nach Amerika schauen zu dir, Gabriela, könnte man den Eindruck haben, es geht in die Richtung rechtsloser Raum. Aber Gott sei Dank in Österreich ist es ein nicht so oder noch nicht so. Und deswegen diese Inputs von den Juristinnen und Juristen habe ich super spannend gefunden, weil sie einmal sehr konstruktiv und lösungsorientiert waren.

Auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ja oft in solchen Diskussionen vernachlässigt werden, die haben dort eine gleichberechtigte Stimme gehabt und das war auch irrsinnig bereichernd. Also ich glaube, einer eurer großen Verdienste ist das, was du gesagt hast, Sebastian, dass ihr verschiedene, ich sage jetzt mal, Mediendisziplinen und Mediengrössenordnungen an Tische gebracht habt, nicht an einen Tisch, sondern an 8 in dem Fall.

Und ein zweites Verdienst ist, dass es diese interdisziplinäre Zusammensetzung In der Form habe ich es noch nie erlebt, nämlich schon auf Podien, so wie du sagst, bei den Medientagen. Aber da diskutiert man halt eine halbe Stunde, aber da gibt es nicht so klare Sachzielvorgaben, wie es jetzt bei der Veranstaltung gegeben hat. Und das war der große Unterschied.

Diese Sachzielvorgaben sind nämlich von euch immer wieder eingefordert worden und dann an den Tischen diskutiert worden und dann hat man sich immer auf eine Tischmeinung, ich nenne es jetzt einmal so, einigen müssen oder zumindest auf mehrere Punkte einigen müssen und die sind dann wieder in die Allgemeinheit eingebracht worden. Also so ist dieser Prozess abgelaufen, iterativ immer wieder öffnend und dann wieder schließend und dadurch sind wir auch zu Ergebnissen gekommen.

Aber wollt ihr vielleicht zum Prozess noch was sagen oder habe ich das jetzt eh richtig wiedergeben?

Sebastian Loudon

Na, ich würde gerne für die Hörerinnen und Hörer vielleicht nur ganz kurz die Reise, die wir gemacht haben, erzählen. Die Reise war also ein Problemaufriss, der stattgefunden hat in den eigenen, in den Stakeholdergruppen sozusagen. Also die Juristen haben sich Gedanken gemacht, was sind die größten Hürden und Probleme im Moment mit dem bestehenden Medienfinanzierung, Medienförderungssystem etc. Und das geht von Inseratenpolitik bis zu wirklich den existierenden oder möglichen neuen Medienförderungen. Das war der erste Punkt, der Problemaufriss.

Der zweite Punkt war der Wunschzustand. Wie wäre es eigentlich, wenn es gut wäre, Wo kann man ruhig ins Träumen geraten und so weiter. Das war am Ende des ersten Tages und dann am zweiten Tag in der dritten Runde ging es eben darum, wenn wir jetzt sagen, wir haben den Wunschzustand erreicht und jetzt blicken wir zurück ins Jahr 2025, welche Maßnahmen, die damals gesetzt wurden, nicht nur von der Politik, sondern auch von der Branche, von den Medienschaffenden selbst, von der Zivilgesellschaft, wem auch immer, welche Maßnahmen, wenn wir zurückblicken, haben dazu geführt, dass wir heute in diesem wunderbaren Wunschzustand leben. Das ist sozusagen der Trick dieser Reise.

Und gespickt war das mit Einzelvorträgen. Wir hatten einen Vortrag über das Beihilferecht der EU, weil das ein ganz wichtiger Rahmen ist, in dem Medienförderungen existieren müssen. Wir hatten einen Beitrag über die Frage, wie lässt sich Journalismus abgrenzen von anderen Kommunikationsformen? Und wir hatten eine Studienpräsentation von einer Studie, die die das Zielgruppenbüro für uns für diese Veranstaltung durchgeführt hat, wo Österreich repräsentativ abgefragt wurde, das Vertrauen in Medien, aber auch so ganz spezifische Fragen, die eigentlich noch nie abgefragt wurden. Wie sehr glauben die Menschen, dass Inserate die Berichterstattung beeinflussen, wie groß ist das Problembewusstsein, was politische Inserate betrifft und so weiter. Das heißt, wo haben wir auch ein bisschen das das Publikum, also die eigentlichen Stakeholder hereingebracht?

Gabriela Bacher

Der neunte Stakeholder damit auch mit an den Tischen.

Sebastian Loudon

Genau. Und das war eigentlich sozusagen die Reise, wo wir am Anfang nicht wussten, was am Ende rauskommen wird. Aber darüber werden wir jetzt sicher sprechen.

Stefan Lassnig

Möchtest du noch was zum Prozess sagen, Gabriella? Weil sonst würde ich gerne zu den Ergebnissen kommen.

Gabriela Bacher

Die Frage würde ich gerne an dich zurückgeben. Ist es klar genug oder soll ich noch auf irgendwas eingehen?

Stefan Lassnig

Nein, ich denke, das passt gut so, weil speziell mit dieser Reise hast du das jetzt ja gut, beschrieben. Sebastian lasst uns zu den Ergebnissen kommen.

Ich habe am Schluss der Veranstaltung wurden 10 Punkte auch immer wieder über digitales Tool abgestimmt und das war sozusagen das, wo sich die Mehrheit der Anwesenden darauf verständigt hat, dass das mögliche Ergebnis oder dass das die Ergebnisse dieser eineinhalb Tage sind oder diese ein bisschen mehr als 24 Stunden sind. Und ich verweise da auf einen Bericht im Standard, wo diese Punkte noch einmal aufgezählt sind. Ich werde ihn dann in den Shownotes verlinken und würde jetzt mit euch die gerne durchgehen. Wir müssen es nicht im Detail jetzt machen, aber nur damit unsere Zuhörerinnen und Zuhörer ein Gefühl dafür kriegen, was der Grundkonsens dann war am Schluss.

Also der erste Punkt war ein einheitliches Förderwesen und dass diese Förderung vergeben wird, so steht es in dem Ergebnis drin, durch eine unabhängige, und das gefällt mir sehr gut, sturmsichere Institution. Ich gehe davon aus, dass es vor allem in die Richtung einheitliches Förderwesen, es ist ja momentan ein irrsinniger Dschungel in dem Bereich Medienförderung.

Und der zweite Punkt ist, es soll möglichst politikfern sein.

Gabriela Bacher

Und da geht es vor allem eben auch um die Gremien, die diese Förderungen vergeben.

Sebastian Loudon
Genau.

Gabriela Bacher

Da geht es nicht um Institutionen, sondern da geht es um, wie diese Institutionen funktionieren, ob das Einzelpersonen sind, ob das ein größerer Rahmen ist, welche Rolle der Beirat spielt. Alle diese Dinge, die es in anderen Ländern ja auch gibt, die dafür sorgen sollen, dass man zwar dieses sehr willkommene Staatsgeld und damit auch Steuergeld vergeben kann, aber möglichst staatsfern.

Stefan Lassnig

Genau. Der zweite Punkt war dann, wenn es Förderungen gibt, wovon ja auszugehen ist, dann sollte das möglichst nach einem Kriterienkatalog definiert sein. Es war für mich ein super spannendes Thema, weil da gibt es ja auch dazu Publikation bereits, Sebastian, die du mit  herausgegeben hast, auf die werde ich auch in den Shownotes verlinken. Da ist ja der Weg gewählt. Lasst uns nicht das Thema Förderung an einzelnen Kriterien aufhängen. Also ich nenne jetzt als Beispiel Mitglied im Presserat oder andere Einzelpunkte, sondern der Versuch, das über einen Kriterienkatalog, dieses komplexe Thema zu erfassen.

Ich habe den Eindruck, dass an dem Thema jetzt tatsächlich gearbeitet wird. Wir kommen vielleicht dann am Schluss noch zu den möglichen Auswirkungen der Veranstaltung, aber ich gehe davon aus, dass euch dieser Punkt auch gefreut hat, dass der am Schluss in den Erkenntnissen drinnen war.

Sebastian Loudon

Ja, also das war ganz interessant. Ich weiß nicht, wie es dir ging, Gabriela, aber für mich ist das auch ganz wichtig hier. Was eine große Rolle gespielt hat bei dieser Veranstaltung und in den Diskussionen war, und das war auch ein wichtiger Impetus von unserem Freund aus Dänemark, dem Aske Kammer, der gesprochen hat, nä Kann eine Mitgliedschaft in einem Presserat oder Medienrat oder also in einem Art Selbstregulierungsinstrument Voraussetzung sein für den Erhalt staatlicher Förderungen? Das heißt, wenn man sich nicht an ethische Grundstandards hält und sich dazu bekennt, dann kommt man gar nicht erst in Frage für staatliche Förderungen bzw. wenn man sich dazu bekennt, aber sich nicht daran hält, dann fliegt man irgendwann einmal raus und kriegt keine Förderungen mehr.

Und das hat man wirklich gemerkt. Also wie sagt man, das hat manche ganz wurlert gemacht, sowohl positiv als auch negativ. Das ist etwas, da sind welche aufgesprungen und bei anderen hat man gemerkt, wie sich die Nackenhaare aufstehen und sozusagen eher eine Abwehrhaltung entsteht. Und auch wenn dieser Journalismusrat oder Medienrat, wie immer man es nennt, also es ist ja dann mehr als ein Presserat, sich explizit nicht da findet, aber da steckt er drinnen. Also das ist sozusagen mit diesem Kriterienkatalog und einer Mitgliedschaft bei so einem Ding gemeint. Das war eine der spannendsten inhaltlichen Diskussionen eigentlich und wenn das im medienpolitischen Prozess der nächsten Monate eine Rolle spielt, fände ich das gut, aber konkret weiß ich da nichts.

Stefan Lassnig

Der nächste Punkt war eigentlich ein Punkt, der sich sehr stark mit dem ersten bereits erwähnten Punkt überschneidet, nämlich eine Förderungsarchitektur aus einem Guss. Das würde ja das einheitliche Förderwesen ist da sehr neu und eben auch diese Anwendung und Kontrolle in größtmöglicher Unabhängigkeit. Gabriela das ist ja das, was du da vorgeschildert hast. Also der dritte Punkt geht in eine ähnliche Richtung wie der erste.

Sebastian Loudon

Ja, das überschneidet sich und vielleicht nur für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, du hast es vorher Dschungel genannt. Also da muss man einfach dazu sagen, das ist der Historie geschuldet, das hat niemand absichtlich so gemacht. Es kamen immer wieder neue Förderfonds hinzu. Es gibt den Digitalisierungsfonds, es gibt den Privat Rundfunkfonds, es gibt den Fonds für freien Rundfunk und es gibt die Qualitätsjournalismusförderung, es gibt Digital Transformationsfonds es gibt den Podcast Förderung Neu und die sind alle entweder bei der RTR oder bei der KommAustria angesiedelt. RTR und KommAustria sitzen in einem Haus, die erste Geschäftsapparate KommAustria, aber es ist eigentlich ein bisschen unübersichtlich und es ist sehr viel angewachsen.

Und es steht ja auch im Regierungsprogramm, dass die Regierung sich vorgenommen hat, mögliche Zweigleisigkeiten sozusagen sich anzuschauen. Und es gab ja auch einen Rechnungshofprüfbericht dazu, der auch empfohlen hat, dass man sich das sozusagen anders aufsetzen kann. Aber da gibt es gute Gründe dafür. Jeder Förderfonds hat einen spezifischen Hintergrund und auch jeder Fonds musste eigens bei der Europäischen Kommission notifiziert, also genehmigt werden. Das heißt, das ist alles ein schwieriger Prozess und das so leicht zu vereinheitlichen, das würde ein großes Stück Arbeit werden.

Und der Grund, warum sich manche Dinge in dieser Ergebnisliste überschneiden, ist, dass in der Endredaktion wir sozusagen uns nicht viel Zeit genommen haben, diese Punkte sozusagen aufzulisten und die dann abgestimmt wurden. Und das sind dann letztlich in diesen zehn Punkten, welche die teilweise deckungsgleich sind. Das ist aber gar nicht so wichtig, weil steckt alles Wesentliche da drinnen, aber es sind nicht so wie die 10 Gebote oder die 10 Forderungen oder die 10 Thesen, sondern es ist mehr ein Konvolut sozusagen.

Gabriela Bacher

Und wir sehen das ja auch als einen Anfang. Das ist ja nicht das End All and Be All, sondern das ist der Anfang zum gemeinsamen Nachdenken.

Stefan Lassnig

Genau zu dem kommen wir später noch.

Gabriela Bacher

Ich weiß, ich bin wieder zu schnell.

Stefan Lassnig

Entschuldige, Gabriele, du bist generell für uns zwei alte Männer einfach zu schnell.

Gabriela Bacher

Ja, genau.

Stefan Lassnig

Der vierte Punkt, den ich da entnehme, war, dass sich die Medienförderung auf zukunftsfähige und resiliente Geschäftsmodelle fokussieren soll. Das geht sehr stark darin, dass es um den Ursprungszweck geht, den eine staatliche Medienförderung meiner Ansicht nach verfolgen sollte, nämlich eine möglichst resiliente Medienlandschaft. Und resiliente Medienlandschaft beruht sehr stark auf resilienten Geschäftsmodellen. Und da habe ich auch das Gefühl gehabt, dass das im Raum eine große Zustimmung findet, weil das war wirklich ein ganz starker Grundkonsens.

Gabriela Bacher

Das stimmt.

Stefan Lassnig

Wo schon weniger Grundkonsens spürbar war, war beim Thema Regierungsinserate. Da hast du Sebastian schon was dazu gesagt davor. Da war aber trotzdem eine Mehrheit dafür, dass Regierungsinserate werden im europäischen Benchmarking gedeckelt und die frei werdenden Mittel werden dazu genutzt, die Medienförderung aufzustocken. Also speziell die, die damit ein Problem haben, glaube ich. Wir waren jetzt nicht unmittelbar im Raum, aber das ist durchaus, Das war ein polarisierendes Thema, zumindest an meinen Tischen.

Sebastian Loudon

Das ist ein polarisierendes Thema.

Gabriela Bacher

Das ist auch ein polarisierendes Thema, aber ich glaube, wir können das ein bisschen weiter fassen. Worum es hier ja geht, ist, wenn man sich zum Beispiel anschaut, was bei den neunten Stakeholdern, also bei der Meinungsumfrage rausgekommen ist, dann war da schon sehr klar, dass die Medienkonsumenten den Eindruck haben, dass Politiker mit Inseraten Berichterstattung beeinflussen oder beeinflussen können.

Was die Studie aber auch gezeigt hat, ist, dass eine Mehrheit der Bevölkerung bejaht, dass der Staat Geld in die Hand nimmt, um den Medienstandort zu sichern. Das heißt, worum es uns geht, ist, dass wir eine neue Kultur in der Inseratenvergabe beginnen, dass wir da ein neues Zeitalter einläuten können, dass wir versuchen zu verstehen, welche Inserate haben informativen Charakter, welche Inserate haben vielleicht auch noch einen anderen Hintergrund, eine Hidden Agenda, wenn man so will.

Und das ist ein großes Thema und es ist auch gar nicht leicht, da wirklich dahinter zu steigen. Und da gibt es sehr viel verschiedene Haltungen dazu, aber es ist eines, das wir angehen müssen.

Stefan Lassnig

Absolut. Die nächste Erkenntnis war, dass die journalistische Creator Economy und Neugründungen teil des Fördersystems waren. Das ist ja eine Forderung, die ich sehr stark immer wieder von dir oder naja, nicht nur von mir, aber auch von mir, die auch von mir sehr stark vertreten wird, weil mein Vorwurf an das derzeitige Fördersystem, das genauso wie du gesagt hast, Sebastian, ja jetzt kein großer Plan war, sondern halt über die Jahrzehnte so entstanden ist, aber ein großer Vorwurf, den ich dem bestehenden System mache, ist, dass es vor allen Dingen bestehende Strukturen fördern will und nicht unbedingt jetzt neue Strukturen unterstützen will.

Und das war aber zu meiner Freude auch bei der Tagung durchaus ein Konsens, dass man lasst uns auch jetzt abseits der bewährten Pfade auf Innovationen schauen.

Sebastian Loudon

Ja, ich glaube, das ist auch ganz wichtig, aber ich freue mich auch darüber, dass das drinnen ist, weil die Art und also wenn man nur den Bestand fördert, dann macht man ja eigentlich Innovationen noch schwieriger. Wenn man sozusagen über Medienvielfalt, wie sie im Jahr 2010 ist, einfach einen Glassturz drüber stellt und sagt, das ist die Medienvielfalt, die wir erhalten wollen, wird es sozusagen mit den Innovationen auch schwierig. Also ich bin auch ganz happy, dass das drinnen ist.

Stefan Lassnig

Die nächsten zwei Punkte würde ich gerne zusammenfassen. Denen stehe ich persönlich sehr ambivalent gegenüber, auch wenn ich sie inhaltlich vertreten kann. Aber es geht natürlich sehr stark darum, regulieren wir mal wen anderen und dann wird alles besser. Aber da geht es in erster Linie darum, dass der Konsens war, dass Big Tech Plattformen effizient reguliert werden.

Da geht es sehr stark um den Begriff des Level Playing Fields, also die Unternehmen, die Inhalte produzieren oder Inhalte verbreiten, sollten alle nach den gleichen Spielregeln spielen. Und das geht in erster Linie wahrscheinlich nur über eine Regulierung. Und parallel dazu sollten wir an europäischen Alternativen arbeiten zu den Big Tech Angeboten, zum Beispiel durch den Ausbau des European Public Open Space oder im Schulterschluss zwischen öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten, Verlegerinnen und privaten elektronischen Medienanbieter:innen. Also das war ein Punkt, der sich sehr stark an die, sag ich mal, Big Tech Realität adressiert hat.

Gabriela Bacher

Der auch sehr stark mit der Realität zu tun hat, wie abhängig wir hier von den ich nicht hier, weil ich bin ja gerade dort, aber wie wir eben so stark abhängig sind von den Plattformen und von den Traffic Providern, größtenteils amerikanischer Provenienz. Und wahrscheinlich geht es dir ähnlich wie mir. Regulierungen sind immer wichtig, aber noch wichtiger ist, Alternativen aufbauen, die uns aus dieser Abhängigkeit im möglichst kürzesten Zeitrahmen, den wir uns vorstellen können, zumindest ein bisschen herausführt.

Sebastian Loudon

Ich verstehe, was du meinst, Stefan, wenn man sagt, es ist immer so ein bisschen einfach zu Ja, tun wir mal, da müsste man und dann ganz hinaufgreift. Aber ich glaube, in dem Fall ist es wirklich extrem relevant und ich habe auch viel dort gelernt, was es alles für Möglichkeiten gibt. Es ist nicht so, dass wir wehrlos sind und uns unsere Gesellschaft und unseren gesellschaftlichen Diskurs von TikTok und Co. vergiften lassen müssen und nur zum Zuschauen verdammt sind. So ist es einfach nicht. Es gibt schon viele Regulierungsansätze. Man muss sich einfach trauen und das ernst nehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade ein kleines Land wie Österreich mit einer guten Idee und einem klaren Weg in der EU derzeit sozusagen Mittäterinnen finden kann, um da Forscher vorzugehen. Aber es muss was passieren und wir können es nicht ausblenden. Insofern war das ganz wichtig, dass das eine große Rolle gespielt hat. Aber wir kommen ja dann nächsten Punkt, jetzt greife ich vor. Da geht es um Medienkompetenz.

Also mir gefällt sehr gut, dass es uns gelungen ist, diese Spange darzustellen. Es geht sozusagen von ganz oben von Dinge, die wir scheinbar nicht beeinflussen können, bis hin zu wie gehen wir mit uns selber um? Wie lernen wir selber mit diesem digitalen Wahnsinn umzugehen und falsch von richtig zu unterscheiden und vertrauenswürdigen Quellen vertrauen zu können. Und da rede ich jetzt nicht über die Jugend. Ich mache mir derzeit eher mehr Sorgen über die älteren Semester, weil die ganz Jungen, die wachsen jetzt sowieso.

Sie sind die Ersten auf der Welt, die aufwachsen und wissen, nur weil ich was sehe, heißt das noch lange nicht, was es stimmt. Wir wurden noch geprägt. Das habe ich im Fernsehen gesehen, das muss stimmen. Und wenn nicht, dann ist es ein irrer Skandal. Das habe ich in der Zeitung gelesen, das muss stimmen. Und wenn nicht, dann ist es ein irrer Skandal. Und die Kinder jetzt, die haben diese Prägung nicht, Die haben eine andere Prägung.

Aha, das schaut gut aus, aber war das echt? War das fake? Ist das KI? Ist das nicht? Das ist eine komplett andere Denkart. Und in dieser Grundskepsis, in der die aufwachsen, ist es dann wiederum vielleicht eine irrsinnige Chance für journalistische Profis, sich sozusagen als glaubwürdige Quellen, Einordner, Orientierungshilfen zu positionieren und zu sagen Hey, ich kann dir sagen, ich habe das geprüft, das ist tatsächlich so und mir kannst du glauben. Also daher bei Medienkompetenz. Aber jetzt habe ich vorgegriffen, geht es mir, da mache ich mir mehr Sorgen um die, die noch aus der alten Welt kommen und alles glauben, was sie sehen. Die Jungen werden das nicht mehr tun.

Stefan Lassnig

Auf jeden Fall bin ich sehr, sehr froh, dass dieses Wort Medienkompetenz in diesen zehn Punkten drinnen ist, weil das tatsächlich ein entscheidender Punkt sein wird. Und ich bin voll deiner Meinung, dass das eben nicht nur eine Frage für Schulen ist oder für Kinder und Jugendliche, sondern das ist auch sehr stark inzwischen eine Frage für Erwachsene. Aber das Wort Medienkompetenz ist glaube ich wichtig, dass es da drinnen steht.

Sebastian Loudon

Auf alle Fälle.

Stefan Lassnig

Und das macht überhaupt nichts. Sebastian wenn du ein bisschen die Moderation gehabst. Ich kenne dich ja auch als Moderator aus sehr guten, also wenn das mich ein bisschen entlastet, ich hab da kein Problem damit.

Sebastian Loudon

Du bist lieb.

Stefan Lassnig

Wir sind aber schon beim zehnten Punkt jetzt. Und zwar, das war schon auch interessante Diskussion und durchaus intensive Diskussion an verschiedenen Tischen. Du hast es ja schon erwähnt, es waren auch die großen Player mit im Raum, also auch der ORF und auch der FÖZ. Es hat aber großer Konsens darüber geherrscht, dass ein unabhängiger und öffentlich-rechtlich finanzierter ORF für die Medienlandschaft in Österreich sehr bedeutend ist und sehr wichtig ist. Und deswegen hat der letzte Punkt auch die Pluralität der Medienlandschaft und die Existenz des ORF mit Programmnormen und gesicherter Finanzierung sind ins BVG, also ins Bundesverfassungsgesetz aufzunehmen.

Der Hintergrund dazu war, dass man gesagt hat, man möchte verhindern, dass mit einer einfachgesetzlichen Regelung im Prinzip der ORF umgebracht werden kann. Habe ich das richtig verstanden?

Sebastian Loudon

Ausgehöhlt werden kann und ja, genau.

Stefan Lassnig

Und das war für mich schon interessant, dass es darüber zumindest einen mehrheitlichen Konsens gegeben hat, weil das ist, glaube ich, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern schon klar gewesen, wenn diese Bastion fällt, fällt halt vieles.

Sebastian Loudon

Auf alle Fälle. Und das wissen wir auch aus anderen Ländern, dass der öffentlich rechtliche Rundfunk immer das erste Ziel ist, von autoritären Anwandlungen. Und da gäbe es auch Dinge sturmsicher zu machen.

Und da ist eben, das war dann eine lustige juristische Diskussion noch ganz am Ende, da haben sie mir ganz schön die Ohren geschnackelt, weil da plötzlich wirklich, also da waren wir plötzlich in einem juristischen Pro Seminar auf allerhöchsten Ebene, aber das hat mir auch wahnsinnig gefallen. Das war nochmal so ein Energieschub am Schluss.

Stefan Lassnig

Ja, kann ich bestätigen. Gabriela, jetzt war die Veranstaltung vorbei. Wir haben diese 10 Punkte noch einmal vergemeinschaftet, sind dann alle ins Auto oder in den Bus gestiegen und wieder zurück nach Wien oder wo auch immer hingefahren. Was habt ihr nach der Veranstaltung für Reaktionen bekommen, die jetzt in Erinnerung geblieben sind?

Gabriela Bacher

Erstaunlich viel Positives und Unterstützendes und was mich auch so unheimlich gefreut der Wille, dass das keine Einzelveranstaltung wird, sondern wirklich dieses okay, jetzt haben wir angefangen, miteinander zu reden, das werden wir fortführen und das ist auch eine Aufgabe für uns.

Ich habe das ein bisschen als einen Auftrag verstanden, wie genau wir jetzt mit dem umgehen werden, da sind wir noch nicht ganz fertig. Aber dieses es annehmen und nicht als eine Nörgelei sehen, sondern als ein positiv Denken an ein gemeinsam versuchen, Lösungen zu finden, neue Ansätze zu finden, das war schon sehr schön zu spüren, dass das absolut gewünscht ist.

Sebastian Loudon

Mich hat beeindruckt, wie mir jemand gesagt hat, sie hätte nie gedacht, dass so etwas in Österreich möglich ist, nämlich auch, dass sich die Leute darauf einlassen. Und das hat mich gefreut. Ich habe schon gedacht, dass es in Österreich möglich ist, sonst hätten wir uns nicht getraut, das zu machen. Aber das war schon cool.

Stefan Lassnig

Als Teilnehmer kann ich wieder sagen, mir ist es ähnlich gegangen, nämlich im Sinne von ich habe das als also die 10 Punkte waren wichtig, auch nochmal um eine Art Zusammenfassung zu machen. Aber ich finde die große Errungenschaft der Veranstaltung, ich weiß nicht, ob du das nach der Veranstaltung auch so gesagt hast, die große Errungenschaft der Veranstaltung war ja, dass man überhaupt diesen Weg jetzt einmal angetreten hat.

Also wer sich erwartet hat, dass in diesen knapp 24 Stunden die großen Lösungen entstehen und alle Ja, genau so machen wir das jetzt. Das wäre ja absurd. Aber dass man überhaupt diesen Weg eingeschlagen hat, gemeinsam disziplinübergreifend, konstruktiv sich in diese Dinge einzubringen, das war die wahre Kraft dieser Veranstaltung. Und dass dieser Weg auch von so vielen mitgegangen worden ist.

Also das war für mich teilweise echt erstaunlich, wer da alle an den Tischen durch diese konstruktive Konstruktion der Veranstaltung, also durch diese Konstruktion der Veranstaltung so konstruktiv war.

Sebastian Loudon

Man konnte gar nicht aus.

Gabriela Bacher

Weil die Leute auch so toll waren. Also das ist jetzt so viel Lob für uns. Diese Tische waren einfach mit lauter wirklich interessanten, offenen, tollen Menschen besetzt, die Ja.

Stefan Lassnig
Aber jetzt waren wir so positiv.

Gabriela Bacher

Wirklich was weiterbringen wollen.

Stefan Lassnig

Es ist jetzt super, Gabriele, dass wir jetzt gerade so positiv sind, weil ich möchte jetzt auf eine negative Reaktion eingehen. Ja, circa zwei Tage nach der Veranstaltung hat es eine Presseaussendung gegeben vom VÖZ, also vom Verband Österreichischen Zeitungen. Ich verlinke die Aussendung dann in den Shownotes, könnt ihr gerne nachlesen, liebe Hörerinnen und Hörer. Aber wir können kurz darauf eingehen, nämlich die Kritikpunkte, in dem Fall vom Geschäftsführer Gerald Grünberger, waren, dass bei der Veranstaltung die rechtliche Machbarkeit nicht wirklich gesehen hat und ihm hat auch die Ausgewogenheit und Repräsentativität im Sinne der gesamten österreichischen Medienbranche gefehlt. Und es ist auch so die stärkste Formulierung in dieser Aussendung, finde ich. Die Veranstaltung war von einer gewissen Praxisferne gekennzeichnet. Was sagen wir jetzt dazu?

Gabriela Bacher

Also ich würde gerne auf die rechtliche Machbarkeit eingehen, denn obwohl wir dort wirklich einen unheimlich hoch besetzten Tisch von Legisten hatten, habe ich nicht im geringsten damit gerechnet, dass wir nach knapp 24 Stunden hier Gesetzesentwürfe werden liefern können. Das ist, glaube ich, wir sind zwar sehr ehrgeizig, aber so ehrgeizig waren wir nicht.

Auf den zweiten Punkt der Ausgewogenheit haben, glaube ich, Sebastian und ich beide schon, davon haben wir schon vorher gesprochen, dass wir eben wirklich in alle Richtungen eingeladen haben. Und ich weiß nicht, Sebastian, möchtest du was zur Praxisferne?

Sebastian Loudon

Ich meine ja, also ich habe mich gewundert über die Aussendung, weil ich war wirklich begeistert zu sehen, wie engagiert sowohl der Präsident vom VÖZ, der Maximilian Tasch von den Salzburger Nachrichten, als auch der Geschäftsführer Gerald Grünberger an diesen zwei Tagen mitdiskutiert. Ich hatte sie teilweise an meinem Tisch und das war wirklich toll. Die haben das ernst genommen, die haben sich darauf eingelassen, das hat mich wahnsinnig gefreut.

Die Reaktion danach, ich glaube, die ist sozusagen so vielleicht auch ein bisschen dem der FÖZ ist ja ein Politikum in sich, der hat auch Mitglieder von Kronenzeitung bis Standard mit durchaus divergenten Interessen und politischen Vorstellungen. Vielleicht hat das auch ein bisschen dazu geführt, dass er sich distanzieren musste, dass mit der Praxisferne natürlich, wenn der Geschäftsführer des Verlegerverbandes, der nichts anderes tut, als den ganzen Tag das ganze Jahr über das Business von Tageszeitungen nachzudenken, dann auf einem Tisch sitzt mit jemandem aus der Zivilgesellschaft, der einen viel breiteren Scope hat auf das Thema Medienvielfalt, Medienfinanzierung, Freiheit, welche Rolle hat Journalismus?

Da prallen schon Welten aufeinander. Das ist für den einen vielleicht Praxisferne, aber es ist einfach das Ergebnis einer Multiperspektivendarstellung oder Multiperspektivendebatte. Und daher finde ich das gar nicht. Also ich finde diese Aussendung auch nicht bös oder negativ. Das Einzige, was ich im Übel nehme, ist, dass da steht, den Veranstaltern war ein Bemühen, nicht abzusprechen. Darüber habe ich mich ein bisschen geärgert.

Stefan Lassnig

Das schreibt man so in Dienstzeugnisse rein, wenn man nicht sagen will, war scheiße.

Sebastian Loudon

Aber dann zum Schluss, wir bedanken uns für das gesetzte Engagement und begrüßen weiterhin Initiativen, um die Zukunft des Medienstandorts Österreich nachhaltig abzusichern, betont Grünberger.

Also für mich ist das so ein bisschen, für mich ist das ein bisschen Folklore. Das muss halt sein, weil da auch Dinge drin sind, mit denen manche VÖZ-Mitglieder überhaupt nicht einverstanden sind. Und daher sagt man, das können wir leider nicht mittragen.

Und als Grund dafür nennt man, dass es nicht fertige, umsetzbare Gesetzesvorschläge sind. Das mit der Ausgewogenheit, das müssen wir wirklich zurückweisen, weil hätten die Vertreterinnen und Vertreter das Styria Media nicht am Vorabend abgesagt, dann glaube ich, wäre dieser Vorwurf wirklich ins Leere gegangen. Und dafür können wir nichts, dass die abgesagt haben.

Gabriela Bacher

Vielleicht müssen wir auch einmal jetzt vom FÖP reden, weil es war jetzt immer nur vom FÖZ die Rede.

Sebastian Loudon

Genau, der Verband Österreichischer Privatsender, kurz FÖP, ist ja auch eine sehr wesentliche und mächtige Interessensvertretung im medienpolitischen Zirkus. Und ja, und da gab es keine Distanzierungspresseaussendung danach. Auch deren Vertreterin Corinna Trumm war wirklich toll und engagiert und auch für sie war das eine ungewohnte Übung und hat sich voll drauf eingelassen und hat irrsinnig beigetragen zu dem guten Spirit. So etwas kann nur funktionieren, wenn jeder sich ein bisschen traut, auch so aus seiner Sicherheit, aus seiner Komfortzone herauszutreten und sich zu öffnen. Dann kann etwas entstehen. Und ich finde wirklich, mir ist dort niemand aufgefallen, der sich nicht darum bemüht hat, aus dieser Höhle ein bisschen herauszukommen oder aus seiner Komfortzone.

Stefan Lassnig

Das habe ich auch so erlebt. Und insofern ist das jetzt, glaube ich, spannt das jetzt den Bogen zu unserem Anfang, wo du gesagt hast, Sebastian, dass wie früher medienpolitische Entscheidungen gefallen sind. Also man hat den FÖZ und den ORF einigt euch und dann kommt es wieder zu uns und dann werden wir das so beschließen. Es ist völlig logisch, dass wenn der Zugang der, sage ich mal, sehr hinterzimmergeprägt war, natürlich in den 70er, 80er, 90er Jahren und vielleicht auch noch Anfang der 00er Jahre, wenn der Zugang plötzlich ganz anders gestaltet wird, dass das bei dem einen oder anderen auf Irritationen stößt. Also das ist ein völlig logischer Vorgang. Da würde ich diese Reaktion auch einordnen.

Jetzt interessiert mich natürlich, wie es weitergeht. Ich habe den Eindruck und der ist fundiert, würde ich sagen. Ich kann jetzt nicht alles erzählen, aber es wird ja derzeit ernsthaft an einer Überarbeitung des Medienfördersystems gearbeitet in Österreich. Also unser Medienminister Andreas Babler und Vizekanzler hat ja bereits angekündigt, er will keinen Stein auf dem anderen lassen. Dazu gibt es einen, gibt es eine Aussendung, die werde ich auch in den Shownotes verlinken, kann jeder nachlesen. Also sehr ambitioniert und mein Eindruck ist, dass diese Ambition ernst gemeint ist und auch mit einer wissenschaftlichen Studie jetzt begleitet wird, wo man wirklich die Sachebene erheben will und wirklich erheben will, was ist denn aus wissenschaftlicher Sicht Status quo? Gibt es Empfehlungen internationaler, gibt es internationale Best Practice Beispiele und so weiter. Ich habe den Eindruck, man geht ernsthaft und sachlich dieses Thema an. Tu mir schwer damit zu glauben, dass es wirklich so kommen wird als gelernter Österreicher, aber ich sehe eine ernsthafte Bemühung bei den handelnden und auch entscheidenden Personen. Da würde mich eure Einschätzung interessieren und vor allen Dingen, was kann da eure Veranstaltung dazu beitragen und was sind da die weiteren Schritte?

Gabriela Bacher

Also ich sehe das so positiv wie du. Ich finde, dass diese Zusammenarbeit von den Zuständigen im Medienministerium Answer Lang und Evelyn Hemmer, aber auch eben der wissenschaftlichen Seite, also dem Andi Kaltenbrunner mit seinen Kollegen, dass hier an einem wirklich grundsätzlichen Entwurf gearbeitet wird. Das ist meine große Hoffnung.

Und jetzt gehe ich noch ein Stückchen weiter, Sebastian und ich, wir haben ja natürlich auch die Gelegenheit gehabt, mit Teilnehmenden unserer Veranstaltung so eine Feedbackrunde zu machen. Und ich glaube, so viel können wir schon sagen, dass wir auch bei den anderen Parteien durchaus ein Wohlwollen, durchaus eine Neugierde, durchaus ein, da muss etwas Großes passieren und wir haben jetzt eine Chance, das zu tun, durchaus zu finden ist. Und wenn das unsere Aufgabe ist, wenn wir da ein bisschen dazu beitragen dürfen, dann finde ich das schon sehr toll.

Sebastian Loudon

Ja, ich sehe das auch so. Man muss wirklich aufpassen, dass einem, wie heißt es in Kalifornien, hold your horses. Also dass man nicht sozusagen die Hoffnung mit einem durchgeht. Und da ist auch, aber es ist wirklich so wie die Gabriela gesagt hat, aus allen drei Parteien, aus allen vier Parteien, also aus den drei Regierungsparteien, aber auch von den Grünen, die die in Herrnstein dabei war, kam sozusagen auch im Engagement und in der Ernsthaftigkeit hat man das Gefühl gehabt, da kann jetzt was passieren.

Sebastian Loudon

Die Grünen sind halt deshalb wichtig, weil es vielleicht um Maßnahmen geht, die einer Zweidrittelmehrheit bedürfen und daher hätten die da eine sehr große Rolle.

Was wir nicht machen wollen, ist Politik machen. Das sollen die Politikerinnen und Politiker machen. Was wir mit Hernstein versucht haben und was uns geglückt ist und was wir gerne weitermachen wollen, ist sozusagen einen Raum für eine qualifizierte Multiperspektiven Debatte ermöglichen, die der Politik sozusagen Impulse liefert, aber auch einen gewissen Druck macht, zu sagen, es ist nicht wurscht, also bleibt dran und inhaltliche Impulse liefern. Und das werden wir fortsetzen. Wie genau sind wir noch am Tüfteln, aber werden wir auf jeden Fall begleiten.

Stefan Lassnig

Das ist doch diese Aussicht, dass was im positiven Sinne weitergeht und dass dieser Weg, den ihr da initiiert habt. Und an der Stelle ein persönliches Danke von mir. Ich habe mich zwar am Anfang von Veranstaltungen mit einer sehr kritischen Wortmeldung bemerkbar gemacht, die auch kurz für Irritation gesorgt hat, weil ich ein bisschen Angst gehabt habe, dass das Ziel ist, dass man einen Forderungskatalog an die Politik stellt und zu wenig darauf achtet, was man selber machen kann, weil ich es immer ganz wichtig finde, nicht die Verantwortung abzugeben als Medienunternehmer oder auch als Stakeholder, sondern zu sagen, sich auch zu überlegen, was kann man denn selber machen.

Und das ist in der Veranstaltung dann sehr gut gelungen, finde ich. Also ein persönliches Danke von meiner Seite aus. Und eben gerade dieser konstruktive Zugang hat vielleicht auch dazu beigetragen, dass auch jetzt tatsächlich an den entscheidenden Stellen auch dieser konstruktive Weg gewählt wird. Und vielleicht werden wir irgendwann einmal sagen, die Veranstaltung war der Anfang einer wirklich guten Entwicklung.

Sebastian Loudon

Hold your horses, hold your horses. Aber vielleicht nur ganz kurz, weil du hast jetzt, Stefan, einen ganz wichtigen Punkt angesprochen, der bei dem Thema Medienförderung einfach bis jetzt zu wenig beachtet wurde.

Wenn wir glauben, dass Medienjournalismus in Österreich gefördert werden soll mit Steuergeld, mit öffentlichen Mitteln, noch dazu in einer Zeit, wo die öffentlichen Mittel nicht sprudeln, sondern eher sehr sparsam behandelt werden muss, da müssen wir uns doch auch Gedanken darüber machen. Okay, aber was tun wir dafür? Was leisten wir? Also es kann ja nicht sein, dass wir es einfach, weil es uns gibt. Das ist zu wenig.

Und ich glaube, dieser Gedanke zu sagen, das ist ein Abtausch. Wir behaupten, wir sind wichtig für die Gesellschaft, wir sind wichtig für die Demokratie, aber dann müssen wir es auch sein und dann müssen wir uns auch am Riemen reißen, diese Leistung zu bringen. Und wenn nicht, dann haben wir auch einfach kein Steuergeld verdient. Das muss man einfach sagen.

Stefan Lassnig

Ja, also das ist jetzt fast noch das bessere Schlusswort. Gabriella herzliche Grüße in die USA. Danke, dass du bei diesem Call dabei warst.

Gabriela Bacher

Ich danke dir.

Stefan Lassnig

Ja, ich gehe davon aus, dass das nicht die letzte Folge war, die wir zu dem Thema gemeinsam aufgenommen. Also danke an euch zwei, würde mich freuen.

Sebastian Loudon

Danke sehr für die Einladung, Stefan.

Gabriela Bacher

Sehr gerne, danke sehr.

Autor:in:

Stefan Lassnig

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.