Ganz offen gesagt
Wie politisch sind unsere Berge? - mit Alpenvereinspräsident Wolfgang Schnabl
- hochgeladen von Felix Keiser
Es war kein leichter Sommer für die österreichischen Berge: Hitze, schwindende Gletscher und zunehmende Wasserknappheit zeigen, wie stark sich die Alpen verändern. Anna-Lisa Bier spricht mit Alpenvereinspräsident Dr. Wolfgang Schnabl darüber, was diese Veränderungen für die Zukunft der Schutzhütten und den Verein bedeuten, welche Rolle der Naturschutz spielt und wie sich Bergsport und Tourismus mit dem Schutz der Alpen vereinbaren lassen damit auch kommende Generationen sie noch erleben können.
Anna-Lisa Bier
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von "Ganz offen gesagt", dem Podcast für Politikinteressierte. Mein Name ist Anna-Lisa Bier. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt.
Ja, der letzte Hitzesommer hat nicht nur bei uns Menschen, sondern auch in den Bergen deutliche Spuren hinterlassen. Auf Schutzhütten wurde das Wasser knapp, der Gletscherbericht kennt mittlerweile kaum noch gute Nachrichten, und die alpinen Vereine Österreichs werben gemeinsam mit einer Petition für ein 95-Millionen-Euro-Rettungspaket für Hütten und Wege.
Mittendrin steht der Österreichische Alpenverein, ein 160 Jahre alter, ehrenamtlich geführter Verein, der sich politisch positioniert, etwa gegen Gletscherverbauung, und sich aber zugleich seiner eigenen Geschichte stellt, zuletzt etwa mit der Aberkennung eines Gipfelnamens, weil der Namensgeber eine nationalsozialistische Vergangenheit hatte.
Über genau diese Themen spreche ich heute mit Dr. Wolfgang Schnabl, dem Präsident des Österreichischen Alpenvereins. Ich möchte von ihm wissen, wie sein Verein mit Klimakrise, Geldnot und der eigenen Vergangenheit gleichzeitig umgeht.
Schönen guten Tag, Herr Dr. Schnabl. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch nehmen.
Wolfgang Schnabl
Gerne.
Anna-Lisa Bier
Bevor wir ins Gespräch einsteigen, kommen wir zur Transparenzpassage, für die unser Podcast bekannt ist. Dabei geht es darum, offenzulegen, woher wir beide uns kennen. Das kann gleich ich vorwegnehmen: Wir kannten uns vor diesem Interview noch nicht. Der Kontakt ist quasi durch die Interviewanfrage von meiner Seite entstanden. Und die zweite Frage ist, ob Sie für eine Partei oder eine parteinahe Organisation jemals tätig waren oder sind.
Wolfgang Schnabl
Ich bin weder für eine parteinahe Organisation noch war ich tätig, und das ist auch eine Voraussetzung für den Alpenverein, eine sehr wichtige.
Anna-Lisa Bier
Okay. Ja, Parteien und politische Zugehörigkeiten können wir dann auch noch im Rahmen der Folge besprechen. Herr Schnabl, Sie sind Präsident des Österreichischen Alpenvereins, dem größten alpinen Vereins Österreichs. Können Sie kurz umreißen, was der Alpenverein heute eigentlich ist?
Wolfgang Schnabl
Der Alpenverein ist schon eine sehr alte Institution, 1862 gegründet, und wir haben uns einerseits weiterentwickelt, aber andererseits erstaunlich fest in unseren Werten. Der Alpenverein vertritt inzwischen eine Dreiviertelmillion Mitglieder, und ich sage auch ganz gerne: Wir gehen eben gegen 10 Prozent der Bevölkerung. Und auch vielleicht hier ganz gut anzumerken: Wir haben mehr Mitglieder als alle politischen Parteien zusammen, was auch unsere Breite erklärt und die Breite der Themen, die wir ansprechen.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Und ich meine, wie Sie haben es eh schon gesagt, der Verein wurde 1862 gegründet, also über 160 Jahre gibt es diesen Verein schon. Wie hat sich denn dieses Selbstverständnis von damals gewandelt mit den Jahren?
Wolfgang Schnabl
Unsere Werte sind erstaunlich konstant geblieben, und damals waren einfach auch der Wert, Menschen in die Berge zu bringen, Menschen in eine intakte Natur zu bringen. Der Fokus liegt heute vielleicht mehr auf intakter Natur. Damals war einfach die Erschließung, Wegebau, Hüttenbau sehr prominent.
Wobei man auch sagen muss: Bereits vor 100 Jahren, ziemlich genau 1923, hat der Alpenverein erklärt und auch beschlossen, dass der Ausbau der Alpen abgeschlossen ist. Das heißt, wir bauen auch keine neuen Hütten, wir ersetzen bestehende, aber keine zusätzlichen Hütten und auch keine zusätzlichen Wege.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Zusätzlich zum Alpenverein gibt es ja noch andere alpine Vereine in Österreich, wie zum Beispiel die Naturfreunde oder den Österreichischen Touristen Club. Wie unterscheidet sich der Alpenverein davon? Können Sie das einfach nur kurz beschreiben?
Wolfgang Schnabl
Wir sind sehr breit aufgestellt. Wir arbeiten auch sehr, sehr eng mit den anderen alpinen Vereinen zusammen. Ich glaube, das ist auch etwas, was sich in den letzten Jahren, Jahrzehnten massiv gestärkt hat. Und das freut mich besonders, weil ich denke, wir haben alle sehr ähnliche Ziele oder die gleichen Ziele, und da gemeinsam aufzutreten, stärkt uns natürlich insgesamt.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Auf die Ziele und auch Herausforderungen kommen wir noch zu sprechen. Generell auch noch fürs Verständnis: Der Alpenverein ist ja ein ehrenamtlicher Verein. Können Sie da vielleicht kurz aufgliedern, wie sich das Budget des Alpenvereins zusammensetzt?
Wolfgang Schnabl
Das Budget kommt einerseits aus den Mitgliedsbeiträgen, wobei hier insbesondere die Erwachsenen zahlen. Jugend und Kinder in Familien sind ja gratis bis zum 18. beziehungsweise solange sie studieren. Und einen großen Teil des Budgets brauchen wir für die Hütten, und da kriegen wir auch Unterstützung vom Staat.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Okay. Wir haben alle gemeinsam einen Hitzesommer hinter uns, sind jetzt im Herbst angekommen. Da wird sich wahrscheinlich der eine oder die andere sehr freuen über die milderen Temperaturen. Und der Sommer hat ja auch die Berge nicht ausgelassen. Es gab Wasserknappheit, wir reden auch von Gletscherschmelze und so weiter. Was hat Sie denn als Präsident des Österreichischen Alpenvereins dieses Jahr im Sommer am meisten alarmiert, oder was war so das Hauptthema?
Wolfgang Schnabl
Ich denke, es ist sicher der Klimawandel, den wir einfach in den Bergen viel, viel massiver spüren. Und es ist einfach für uns nicht ein abstraktes Thema, sondern ganz konkret in der täglichen Arbeit. Sie haben den Wassermangel erwähnt. Wir müssen Hütten teilweise zusperren, weil kein Wasser mehr da ist, weil es nicht mehr regnet.
Die Temperaturen steigen. Dadurch gehen vielleicht auch mehr Leute höher hinauf, um angenehmere Temperaturen zu haben. Also auch der massive Ansturm in die Berge, und das wird in den nächsten Jahren mehr, ist sicher auch ein Thema, wo wir Besucherstromlenkung machen müssen auch, und ja.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Ich habe in einer früheren Folge, habe ich mit Michaela Reiterer über den nachhaltigen Tourismus gesprochen. Der Alpenverein selbst hat eben, wie Sie schon gesagt haben, circa 750.000 Mitglieder. Es gibt 272 Hütten, und das Ganze hat ja eine enorme Anziehungskraft, Sie haben es eh schon gesagt. Das ist ja eigentlich was Tolles oder was Gutes. Aber wie sehr beschäftigt sich dann trotzdem der Alpenverein mit dem Thema Übertourismus, wenn natürlich immer mehr Menschen in die Berge pilgern?
Wolfgang Schnabl
Einerseits ist es insofern gut, dass immer mehr Mitglieder werden, und so haben wir auch die Chance, Ausbildung und Awareness zu schaffen. Nicht nur auf den Wegen bleiben und Besucherstromlenkung zu machen dadurch, sondern auch die Natur zu respektieren. Wir haben ein eigenes Programm "Respektiere deine Natur", ja. Und dadurch, glaube ich, ja, das ist letztendlich unsere Aufgabe und unser Ziel, Menschen bewusst zu machen, was sie hier haben an einem Schatz, die Berge und die Natur.
Anna-Lisa Bier
Sie haben, oder generell der Alpenverein versteht sich als Anwalt der Alpen, kann man das dann quasi so als Rolle zwischen Berg und den Touristen oder generell Wanderern und allen Bergmenschen quasi verstehen?
Wolfgang Schnabl
Ja, ich sehe es sogar ein bisschen größer, weil auch die großen Projekte, und da kommen wir sicher noch drauf, wenn es jetzt um Windkraft oder Kraftwerke geht: Die Natur hat keinen Fürsprecher. Und letztendlich muss man bei so großen Projekten eine Interessensabwägung machen und schauen: Was sind die Vorteile auf der einen Seite, und was zerstören wir uns auf der anderen Seite? Und letztendlich müssen wir das auf den Menschen beziehen: Was ist unsere Zukunft?
Anna-Lisa Bier
Mhm. Apropos Mensch, gerade eben auf den Hütten, haben Sie eh gerade angesprochen, herrscht eine Wasserknappheit oder hat eine Wasserknappheit geherrscht. Wie schätzen Sie das ein? War das jetzt ein Randphänomen, einzelne Hütten, oder ist das eigentlich jetzt schon ein flächendeckendes Problem, das uns auch noch die nächsten Jahre beschäftigen wird?
Wolfgang Schnabl
Das Problem wird größer werden, bin ich überzeugt, weil es einfach, und das haben wir ja gerade diesen Sommer gesehen, monatelang nicht regnet. Andere Hütten haben wieder aus Gletscherwasser das Wasser, und Gletscherschmelzen sind dann nicht mehr da für die Wasserversorgung. Also das Problem wird größer werden.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Und wie kann man sich da als Verein rüsten für die kommenden Sommer?
Wolfgang Schnabl
Ja, es werden Zisternen gebaut, es werden verschiedene Möglichkeiten einfach auch technischer Art evaluiert. Einerseits, wo man mehr Wasser speichern kann, länger, aber andererseits ganz klar auch unser Appell an unsere Gäste hier, zum Beispiel nicht zu duschen jeden Tag oder einfach Wasser zu sparen. Das Bewusstsein, dass Wasser sehr, sehr kostbar ist, insbesondere in den Bergen, muss in die Köpfe der Menschen hinein.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Ja, das ist ein wichtiger Punkt, den Sie da ansprechen, weil der Alpenverein lebt ja einerseits eben von dieser touristischen Nutzung der Berge. Aber ich finde, dass dieser Grad zwischen Bergsport und dann diesem Ansturm auf die Alpen ein ganz, ganz schwieriger irgendwie ist. Wie schätzen Sie das ein?
Wolfgang Schnabl
Der ist definitiv schwierig, weil natürlich, wir betreiben Infrastruktur, und wir sind ein sehr, sehr wichtiger Teil des österreichischen Tourismus. Wenn man Statistik Austria anschaut: Zwei Drittel unserer Sommergäste kommen der Berge wegen. Wir haben etwa eine Million Besucher auf unseren Hütten pro Jahr. Und wenn diese wegfallen, fällt nicht nur in den Bergen der Tourismus weg, fällt das Tourismusland Österreich weg.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Generell mit den Hüttenarbeiten und so weiter: Wer schultert denn die tägliche Arbeit des Alpenvereins eigentlich?
Wolfgang Schnabl
Sie sprechen ein sehr großes Thema an, das ist nämlich das Ehrenamt.
Anna-Lisa Bier
Mhm.
Wolfgang Schnabl
Und ich möchte vielleicht ein ganz kleines Beispiel jetzt nur für die Wege zeigen. Uns kostet hauptsächlich das Material pro Wegkilometer pro Jahr etwa 40 Euro.
Anna-Lisa Bier
Mhm.
Wolfgang Schnabl
So querbeet, das ist so. Wenn man das professionelle Wegebautrupps machen lässt, kostet das etwa 400 Euro. Und die Schweiz ist ein besonderes Beispiel: Da sind die Wege, Erhaltung ist dort verstaatlicht, und denen kostet es circa 800 Euro pro Kilometer pro Jahr.
Anna-Lisa Bier
Okay.
Wolfgang Schnabl
Also, wir sehen schon, und wir haben österreichweit gesehen über alle alpinen Vereine 50.000 Kilometer Bergwege, und die zu erhalten, kann man schon leicht überschlagen.
Anna-Lisa Bier
Ja, ja. Also, das ist ja nicht ein kurzer Weg.
Wolfgang Schnabl
Das ist einerseits nicht kurz, andererseits auch massive Kosten, was hier durch ehrenamtliche Tätigkeit einfach geleistet wird.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Das heißt, das ist einerseits dieses Wegnetz, was da quasi fürs Ehrenamt wichtig ist. Was sind sonst noch so Stützen, die vom Ehrenamt getragen werden, eigentlich?
Wolfgang Schnabl
Ja, auch ich möchte als Erstes vielleicht gleich die Jugendarbeit ansprechen. Wir haben ja, wir sagen auch, wir sind die größte Jugendorganisation Österreichs, weil wir 200.000 Jugendliche als Mitglieder haben. Und vielleicht auch ein interessantes Detail: Über die letzten Jahre, wenn man das Durchschnittsalter der Mitglieder anschaut, werden wir jünger.
Anna-Lisa Bier
Mhm.
Wolfgang Schnabl
Das heißt, das Durchschnittsalter nimmt ab. Das heißt, unsere Jugend ist sehr, sehr stark involviert, und unsere Jugend ist nicht nur Teil oder, sondern sie gestaltet letztendlich den Alpenverein aktiv mit. Und das ist, glaube ich, auch ein Grund, warum wir sehr stark hier mit und der Jugend vertreten sind.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Das wollte ich eh sowieso fragen, weil gerade bei jungen Menschen muss man ja auch wie eine Art, ja, Bildung muss man da ja eigentlich auch ein bisschen betreiben, dass man den Menschen lehrt: Okay, wie verhält man sich am Berg, was gibt es für Regeln, was sollte man nicht machen, wie kann man der Natur respektvoll begegnen, solche Sachen. Also, das ist auch wahrscheinlich dann Teilgebiet, nehme ich an, haben Sie eh schon vorher erwähnt.
Wolfgang Schnabl
Definitiv, ja.
Anna-Lisa Bier
Okay. Okay.
Wolfgang Schnabl
Und wir haben auch eigene, es ist mehrschichtig. Wir haben Jugendleiterausbildung zum Beispiel, und hier lernen Jugendliche, andere Gruppen zu führen, letztendlich auch.
Anna-Lisa Bier
Was auch sehr, sehr wichtig ist, ja.
Wolfgang Schnabl
Das ist sehr wichtig. Und das ist so ein niederschwellig, man kann einfach, wenn man sich nicht auskennt, in die Berge gehen, indem man einfach mit einer Gruppe mitgeht, wo ausgebildete Jugendleiter drinnen sind und dann vielleicht auch schnuppert und selbst Gefallen dran findet.
Anna-Lisa Bier
Ja. Ja. Ich meine, wir haben es eh diesen Sommer auch mitbekommen, da ist ja ein Video quasi viral gegangen von einem Bergführer, der jetzt nicht mit dem Alpenverein irgendwie verbunden war, aber der ja auch da eigentlich einen Skandal ausgelöst hat, wie der Umgang in den Bergen eigentlich wie nicht angemessen ist und wie er angemessen ist.
Das heißt, es ist umso wichtiger, dass man sich gerade in den Bergen oben, wo man der Natur ausgesetzt ist, umso mehr Regeln respektvoll verhält.
Wolfgang Schnabl
Also, die Ausbildung, und jetzt nicht nur Jugendleiterausbildung, sondern auch Tourenführerausbildungen, haben nicht nur technische Teile, wie erkenne ich das Wetter und anderes, sondern eben auch Dynamiken in der Gruppe. Wie verhalte ich mich, wenn irgendwas überschwappt, ist einfach auch Teil der Ausbildung, um eben auch die Gruppendynamik in den Griff zu bekommen.
Anna-Lisa Bier
Ja. Die auch sehr wichtig sein kann oder ausschlaggebend in diesen Fällen, ja.
Wolfgang Schnabl
Ja. Gerade wenn das Wetter schlecht wird, wenn irgendwer Probleme hat, mitzukommen, hier sensibel reagieren zu können.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Alleine 2025 haben Sie knapp 22.000 Menschen für den Verein gewonnen, sind 22.000 Menschen beigetreten. Ich wollte eh eigentlich fragen, wie sich das gestaltet, aber das heißt, es treten immer mehr junge Menschen ein. Kann man das so verallgemeinern, oder haben Sie da einen Einblick, wer weiterhin eintritt?
Wolfgang Schnabl
Ich glaube, es geht eigentlich über alle Gesellschaft und alle Altersgruppen hinweg.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Mhm.
Wolfgang Schnabl
Ältere Menschen sind vielleicht einfach schon länger dabei, deswegen treten sie nicht so häufig bei.
Anna-Lisa Bier
Das ist wahr. Das ist wahr.
Wolfgang Schnabl
Aber gerade Jugendliche und Familien, Familien sind wir auch sehr stark. Wir haben auch eigene Ausbildungen für Familien, Gruppenleitung quasi, um mit Familien in den Berge zu gehen. Das kommt auch sehr gut an.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Passt eh auch dazu, dass man im Berg, eh, am Berg trifft man eh jeden, also auf jeden und jedes Alter, jede Herkunft und so weiter. Das heißt, das spiegelt das ja dann eigentlich eh perfekt wider.
Wolfgang Schnabl
Genau.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Ich möchte auch noch auf das Thema mit den Hüttenwirtinnen zu sprechen kommen. Gibt es da aktuell auch eine gewisse Knappheit, oder wie gestaltet sich das? Man muss ja auch Menschen finden, die diese Schutzhütten dann bewirten und dort sind.
Wolfgang Schnabl
Genau. Also, die Hütten gehören üblicherweise einer Sektion. Wir haben etwa 200 Sektionen in Österreich. Das sind eigene Vereine, und die Hütten gehören diesen Sektionen. Und diese Sektionen suchen, es gibt verschiedene Modelle, aber meistens gibt es Pächter für die Hütten. Das sind unabhängige Menschen, die einfach eine Hütte pachten.
Früher war das noch relativ einfach. Ich sage da, hat man mit Hammer und Nagel sehr viel reparieren können. Heute sind das sehr oft Hightech-Anlagen. Wenn ich eine PV-Anlage, sehr viele Hütten haben PV-Anlagen, Abwasser wird oder Trockenklos zum Beispiel, das sind wirklich hochtechnisierte Einheiten. Und wenn die Probleme machen, muss man schon ein bisschen mehr technisches Verständnis haben.
Und es ist nicht mehr vielleicht diese Bergromantik, die man sich gerne vorstellt, so als Aussteiger möchte ich eine Hütte betreiben. Man muss Wirt sein, man muss oder Wirtin vom Kochen bis Gäste nett betreuen, bis Hütte instandhalten. Ist es anspruchsvoller geworden und dadurch auch schwieriger geworden, Menschen zu finden, die nicht nur das wollen, sondern auch geeignet sind.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Ja, das glaube ich Ihnen sofort. Und auch mit Instandhaltung oder einfach auch Sanierung zum Beispiel von diesen Hütten, da muss ich ja vorstellen, das sind ja nicht einfach Häuser, die sind ja auch eben in der Natur, teilweise auch wirklich auf Höhen, die eben auch nicht so leicht erreichbar sind, wenn man von Umbauarbeiten oder so weiter spricht. Also, das muss man ja dann eigentlich auch noch zwecks auch mit den Kosten mit einberechnen.
Wolfgang Schnabl
Ja, also der Bau am Berg kostet das Drei- bis Vierfache wie im Tal. Also, hier haben wir schon bei einfachen Sachen immense Kosten.
Und das andere Thema ist auch letztendlich die Professionisten. Wenn ich Handwerker brauche, kriegt man die oft gar nicht, weil die haben im Tal genug zu tun.
Und dann brauche ich aber auch Handwerker, die gewohnt sind, in den Bergen zu arbeiten. Weil wenn ich, ich sage jetzt ein bisschen überspitzt, einen Schraubenzieher vergesse und dann drei, vier Stunden ins Tal muss und wieder hinauf, ist ein ganzer Tag vorbei.
Anna-Lisa Bier
Ja. Das stimmt. Das ist eigentlich, ja, sehr banal, aber es ist so, ja. Okay. Das ist ein gutes Beispiel, das Sie da nennen.
Sie haben in einem APA-Interview von explodierenden Preisen gesprochen und dass die Sektionen quasi dieser Sanierungen, auch die da mit den Hütten und so einhergehen, nicht mehr gewachsen sind.
Der Verband Alpiner Vereine hat auch ein Rettungspaket eben von 95 Millionen Euro für die kommenden Jahre gefordert.
Die Regierung hat die Förderung für 2026 und 2027 nun auf jeweils 7,72 Millionen Euro erhöht, quasi.
Reicht das, um dieses Budgetloch quasi zu schließen, oder braucht es da noch mehr?
Wolfgang Schnabl
Es reicht.
Anna-Lisa Bier
Ich meine, mehr ist natürlich immer, wäre natürlich immer gut, muss ich an der Stelle auch dazu sagen, aber.
Wolfgang Schnabl
Nein, es reicht auch so nicht. Es gibt mehrere Probleme hier. Einerseits unsere, und hier geht es nicht, die 7,5 Millionen sind jetzt nicht nur für den Alpenverein, sind eben für alle alpinen Vereine Österreichs. Das heißt, wir kriegen einen Bruchteil davon. Und wenn man denkt, ein einziger Hüttenneubau kostet, ja, drei, vier Millionen, wenn es eine einfache Hütte ist, dann weiß man schon, dass man mit dem nicht weit kommt.
Wir haben grundsätzlich ein sehr gutes Verhältnis und eine sehr gute Gesprächsbasis, sage ich mal, zu der Regierung, zu den zuständigen Ministerien. Und es ist auch das Problem sehr gut erkannt worden, aber wir kennen alle unsere Budgetlage in Österreich als Gesamtes. Und deswegen können wir froh sein, dass wir hier nicht gekürzt wurden.
Aber ein Problem möchte ich hier schon ansprechen: Wir müssen praktisch von Jahr zu Jahr, ich würde fast sagen, betteln gehen, dass wir wieder Geld bekommen fürs nächste Jahr. So ein Hüttenprojekt, das muss zwei bis drei Jahre im Vorhinein geplant werden, bevor es umgesetzt werden kann. Und wir haben nur sehr, sehr kurze Saisonen. Und wenn wir hier keine finanzierungsfixe, Finanzierungszusage haben, dann tun wir uns massiv schwer.
Das ist eher ein politischer Wille, dass man hier auch gesetzmäßig zum Beispiel was verankert. Weil, ich habe ja schon erwähnt, die Infrastruktur, die wir zur Verfügung stellen, die besuchen ja Abermillionen Leute pro Jahr. Ja. Wenn wir eine Million Besucher auf Hütten haben, alle alpinen Vereine zusammen, gibt es schon überhaupt zwei Millionen Nächtigungen, sind das für alle alpinen Vereine. Das heißt, es gehen ja dreimal so viele in die Berge.
Anna-Lisa Bier
Mhm.
Wolfgang Schnabl
Und hier, das wurde schon erkannt von der Regierung, dass hier ein Bedarf besteht, nur die finanziellen Mittel sind begrenzt.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Gerade eben, weil Sie auch vorher angesprochen haben, wie dass der Tourismus sehr, sehr wichtig ist in Österreich. Das ist überall bekannt, sage ich jetzt mal. Und wenn dann eben ein großer Teil auch auf Berg und Bergtourismus eigentlich abfällt, ist es umso wichtiger, dass man da dann eigentlich das erkennt und eigentlich langfristig dann absichert. Das ist eigentlich so die Hauptforderung, oder?
Wolfgang Schnabl
Genau, das ist unsere Hauptforderung. Und warum das jetzt besonders auftritt, sind zwei Sachen. Einerseits sind unsere Hütten 100 bis 150 Jahre alt, insofern schon in die Jahre gekommen. Und was wir ganz massiv merken, ist wirklich der Klimawandel, dass viel mehr Renovierungsarbeiten als in unserer 160-jährigen Geschichte einfach in den letzten Jahren, dass sie passiert sind, und das ist steigend, die Tendenz.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Wie ist da das Zusammenspiel mit dem heimischen Tourismus? Weil einerseits bekommen Sie natürlich vom Bund ein gewisses Budget, auf der anderen Seite.
Wolfgang Schnabl
Auch von den Ländern teilweise.
Anna-Lisa Bier
Genau, von den Ländern auch. Auf der anderen Seite betrifft es ja eigentlich auch den Tourismus, wenn man jetzt da über die Infrastruktur und so weiter redet. Wie ist da das Zusammenspiel?
Wolfgang Schnabl
Die Tourismusgemeinden benutzen unsere Wege sehr gerne.
Anna-Lisa Bier
Ja.
Wolfgang Schnabl
Das Problem, glaube ich, ist, dass es sehr zersplittert ist mit den einzelnen Tourismusverbänden und man nicht wirklich mit Tausenden vielleicht irgendwo einen gemeinsamen Nenner finden kann. Deswegen gehen wir schon über das Tourismusministerium beziehungsweise Staatssekretärin. Aber eine engere Kooperation mit dem Tourismus generell wäre definitiv wünschenswert.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Dass man da noch mehr zusammenarbeitet.
Wolfgang Schnabl
Ja.
Anna-Lisa Bier
Okay. Okay. Ich möchte jetzt auch auf dieses politische Thema zu sprechen kommen. Der Alpenverein ist ja an sich ein ehrenamtlicher Verein, muss sich aber immer wieder politisch positionieren. Sie haben es eh auch vorher schon angesprochen mit der Parteizugehörigkeit und so weiter. Das, wie fließt da dann die Politik in den Verein mit ein?
Wolfgang Schnabl
Ja, ich möchte es vielleicht erwähnen: Der Alpenverein ist auch laut Statuten parteipolitisch neutral und unabhängig. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt bei uns. Und es geht sogar so weit, dass höhere Alpenvereinsfunktionen auch nicht besetzt werden können mit Leuten, die sehr nah an der Politik sind. Also, wir versuchen ja wirklich, und das gelingt uns, glaube ich, sehr, sehr gut, parteipolitisch unabhängig zu sein.
Ich sage dann auch ganz gern, wir sind sehr stark politisch, nur wir sind gesellschaftspolitisch sehr stark. Um jetzt auf die einzelnen Parteien zurückzukommen: Wir haben einfach sehr unterschiedliche, sehr zahlreiche Themen, die wir bearbeiten. Und für mich zeigt sich auch sehr schön diese parteipolitische Unabhängigkeit darin, dass unterschiedliche Themen von unterschiedlichen Parteien aufgegriffen werden und versucht werden, hier, werden wir versucht, hier vereinnahmt zu werden. Und das zeigt eigentlich auch, dass wir sehr unabhängig sind.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Ich glaube eigentlich, dass die Bergnähe am wichtigsten ist und nicht die Parteiennähe dann eigentlich, oder?
Wolfgang Schnabl
Für mich ganz klar.
Anna-Lisa Bier
Ja.
Wolfgang Schnabl
Berg, Natur, das ist, und auch Jugendausbildung ist völlig parteiunabhängig.
Anna-Lisa Bier
Ich möchte eh auf darauf zu sprechen kommen, dass Sie sich halt trotzdem immer wieder auch politisch positionieren müssen, gerade wenn es um so Themen geht wie Gletscherverbauung, Skigebietserweiterung, zum Beispiel im Kaunertal. Da müssen Sie ja trotzdem immer wieder Stellung beziehen. Das heißt, man kann das ja trotzdem nicht ganz weglassen.
Wolfgang Schnabl
Definitiv nicht. Und wir haben auch sehr viele Gespräche, auch mit der Politik in den Ländern und auch im Bund. Das Problem ist aus meiner Sicht, wenn so Kraftwerksprojekte oder ähnliches gemacht werden, dass das nicht sachlich diskutiert wird, sondern dass da hier ein politischer Druck erzeugt wird. Und dadurch kommen wir in die Politik hinein. Wenn das sachlich diskutiert werden würde, wäre auch unser Politikzugang nicht notwendig.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Mhm. Weil eben jetzt auch in den nächsten Jahren gibt es ja auch generell für unser Land Nachhaltigkeitsstrategien und so weiter. Der Alpenverein hat ja eine eigene Klimastrategie. Wie beeinflusst sich das dann gegenseitig? Weil natürlich will der Bund versuchen, zum Beispiel mit Windkraft und so weiter auch der Nachhaltigkeit zu dienen. Auf der anderen Seite ist das dann wieder mit der Natur schwierig zu vereinbaren.
Wolfgang Schnabl
Also, eins möchte ich vorwegnehmen: Wir sind sehr, sehr stark für Windkraft.
Anna-Lisa Bier
Ja. Ja.
Wolfgang Schnabl
Und das, es wird leider sehr vereinfacht, ja. Windkraft ja oder Windkraft nein. Und das kann man nicht machen bei so komplexen Themen. Wir sind für Windkraft, aber sie ist einfach nicht überall möglich. Und mit den Risiken, die wir haben, mit, und wir haben andere große Themen. Biodiversität ist für mich hier auch bei Windkraft ein schlagendes Argument.
Wenn wir hier einfach Lebensräume zerstören, unwiederbringlich nämlich zerstören, dann muss ich Abwägungen machen für einzelne Windräder, die dann nur Energie erzeugen, aber dafür, ich möchte schon ein bisschen pointiert formulieren, das Weiterleben der Menschheit oder der Menschheit in Gefahr bringen, dann müssen wir hier Abwägungen machen.
Und da sehe ich dann Interessenskonflikte, und dafür treten wir ein. Das heißt, für Windkraft, aber eben differenziert und nicht überall.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Gerade weil man da, man muss ja eigentlich dann kommunizieren und sagen: Okay, wir sind, wir sehen ja die Auswirkungen in den Bergen. Vor allem jetzt in den, zum Beispiel im letzten Sommer hat man es, glaube ich, das erste Mal so richtig auch mitbekommen mit dieser Wasserknappheit, zumindest medial auch.
Wolfgang Schnabl
Medial auf jeden Fall, ja.
Anna-Lisa Bier
Das heißt, man muss ja eigentlich auch immer mitzukommunizieren. Das heißt, Nachhaltigkeit ist ja das eine. Auf der anderen Seite darf man ja dann genau deshalb nicht die Natur zerstören. Das ist ja eigentlich sehr, sehr schwierig, auch da irgendwie das alles so zu vereinbaren.
Wolfgang Schnabl
Wir haben auch ein Positionspapier erstellt zum Thema Windkraft. Und vielleicht, wie entstehen unsere Positionspapiere? Das ist ja auch nicht, dass sich zwei Leute hinsetzen und eine Position machen, sondern wir machen das sehr, sehr breit. Wir involvieren hier die Sektionen, die Menschen, die Funktionäre und Funktionärinnen, und machen große Workshops, und dann destillieren sich Positionen heraus. Und die vertreten wir dann.
Und unser Positionspapier Windkraft hat einfach, ja, man kann es Sieb nennen, ja. Grundsätzlich ja, und dann gibt es einfach Einschränkungen bis hin zu: Wo geht es gar nicht? Ich sage jetzt Nationalpark oder ähnliche Sachen.
Anna-Lisa Bier
Und ich nehme an, in dem Verein, Sie haben ja zum Beispiel auch, verfassen ja auch Gletscherberichte, jährliche. Sind da so schon von Zeit Anbeginn der Zeit des Vereins eigentlich mit der Gletscherforschung auch beschäftigt? Das heißt, das ist ja nicht so, dass sich da einfach jemand eine Position bezieht, sondern dass Sie das ja auch alles quasi belegen können.
Wolfgang Schnabl
Das sind wissenschaftlich, kann das belegt werden.
Anna-Lisa Bier
Genau. Das muss man an der Stelle auch dazu sagen. Okay. Auf das ist das eine. Mit dem Aktuellen natürlich hat auch der Alpenverein seit 160 Jahren oder 164 Jahren, um genau zu sein, eine große Geschichte. Im Fall jetzt auch im August 2026 haben Sie einem Gipfel den Namen aberkannt, weil der Namensgeber ein Ex-Parteimitglied war. Wie geht ein Verein mit so einem Kapitel der eigenen Geschichte um?
Wolfgang Schnabl
Ich glaube, wir haben das sehr gut aufgearbeitet. Es gibt ja das Buch "Berg heil", das eben nicht vom Alpenverein, sondern wirklich von Wissenschaftlern aufgearbeitet wurde, unsere Geschichte. Man kann sagen, sie war unrühmlich, und das kann man sehr deutlich nachlesen. Und das, denke ich, ist schon auch ein Zeichen, wie offen wir sind, weil wir einfach versuchen zu sagen, wie es war, aber auch zu sagen, wie wir weiter tun und wie wir jetzt sind.
Und das kann man einfach auch nicht mehr vergleichen. Wir sind jetzt wirklich sehr offen, sehr inklusiv, das ist auch ein starker Fokus. Und ja, vereinen letztendlich einen großen Teil unserer Bevölkerung, also zehn Prozent würde ich schon sagen, einen großen Teil.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Ja, 750.000. Und wenn man da eben dazu sagt, dass da keine Parteizugehörigkeit oder wie auch immer, da sind unterschiedlichste Menschen Teil des Vereins, ohne jetzt da auf Parteien oder so etwas zu achten.
Wolfgang Schnabl
Ganz genau.
Anna-Lisa Bier
Ja. Ich möchte eigentlich jetzt so ein bisschen auf diese Lösung oder eine gewisse Zukunftsaspekte eigentlich zu sprechen kommen. Wenn Sie jetzt den Alpenverein und auch alle unsere Berggeschehnisse und so in Österreich am besten im Blick haben, welche Schritte müssten denn jetzt kurzfristig passieren, damit die Naturumstände und alles langfristig auch abgesichert werden können?
Wolfgang Schnabl
Ich denke, hier müssten vor allem gesetzliche Maßnahmen getroffen werden, und zwar solche, die auch wirksam sind. Ich spreche jetzt unser Klimaschutzgesetz an, wo halt der Goodwill da ist, definitiv, aber wo wir einfach noch nicht sehen, was das konkret bedeutet, wo Verantwortung wirklich liegt, wie man das wirklich auch rechtlich einfordern kann. Eben, für mich ist hier die Politik einfach am Zug, hier auch die Interessen.
Und wenn ich jetzt das Beispiel Windkraft herausnehme: Es gibt einfach eine sehr starke Lobby für Windräder in den Bergen. Und ich möchte hier die Unternehmen, die das vorantreiben, die verstehe ich. Ja, weil den Unternehmen die Aufgabe ist es, überhaupt, wenn es eine Aktiengesellschaft ist, Geld zu verdienen. Ja.
Die brauchen sich nicht, um Natur zu kümmern. Ja, es steht in ihren vielleicht machen sie es, aber letztendlich, der schwarze Peter für mich ist hier die Politik. Wir haben über Österreich zum Beispiel kein gesamtheitliches Konzept, wie wir mit Energie umgehen. Jedes Land ist hier selbst zuständig und versucht.
Anna-Lisa Bier
Das Beste draus zu machen, ja.
Wolfgang Schnabl
Das Beste draus zu machen, aber teilweise auch widersprüchliche Sachen entstehen dadurch. Und das sind Sachen, die wir uns langfristig nicht leisten können als Gesellschaft.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Mhm. Wie kann der Verein jetzt, auch auf den Verein bezogen, dieses Wachstum und Zuwachs an Leuten, die in die Berge gehen und auch gleichzeitig diesen Naturschutz langfristig miteinander vereinbaren? Gibt es da die Lösung?
Wolfgang Schnabl
Ja, also, ich denke schon, dass wir hier als Alpine Vereine die Aufgabe wahrnehmen, auch Awareness zu schaffen, Bewusstsein zu schaffen, was wir hier haben an Natur.
Und wir sehen das, glaube ich, auch seit Corona sehr, sehr stark, und hier haben wir massive Zuwächse auch an Mitgliedern bekommen. Den Menschen ist bewusst geworden: Wir müssen raus. Eingesperrt, das liegt uns nicht. Das liegt nicht in unserer Natur.
Und dadurch haben wir eben Mitglieder gewonnen, sehr stark in den letzten Jahren. Und dadurch haben wir aber auch die Chance, hier wirklich Bewusstsein, Ausbildung, Schulungen zu machen, um, und in all unseren Schulungen ist das drinnen: Die technische Seite, wie gehe ich in den Berg, wie erkenne ich Gefahren, wie schätze ich das Risiko ein, aber auch: Was habe ich hier an Natur? Wie man so schön sagt.
Anna-Lisa Bier
Ja. Ja. Das beschreibt es eigentlich eh auch ganz gut, weil ja die meisten Mitglieder auch in Wien ansässig sind, zumindest von der Vereinszugehörigkeit. Danach ist Tirol und danach ist Oberösterreich. Ich glaube, das zeigt eigentlich eh sehr gut, dass man nicht komplett direkt im alpinen Raum sein muss, weil eben auch sehr viele Wiener, also auch generell das ganze Land und eben nicht nur gewisse Bundesländer.
Wolfgang Schnabl
Ja, auch in den Bundesländern ist es sehr stark an die urbane Struktur gebunden, also gerade die großen Städte.
Anna-Lisa Bier
Ah, okay.
Wolfgang Schnabl
Sehr stark Mitglieder.
Anna-Lisa Bier
Okay. Das ist spannend. Okay. Die Alpen, die ja in Österreich einen Großteil, oder ich glaube, 65 Prozent der Fläche Österreichs ausmachen, generell die Berge, dienen ja einerseits als Wasserreservoir, sie dienen als Weidefläche für die Viehzucht und sie dienen eben auch als, ja, Ort, um mit der Natur wieder ein bisschen runterzukommen, wie Sie es gerade vorher schon gesagt haben, rauszukommen und so weiter.
Ich bin sehr bergverbunden, das heißt, ich habe Gott sei Dank durch meine Familie auch gelernt, wie man sich am Berg verhält. Es kann aber sein, dass das bei anderen nicht so ist. Welche Botschaft geben Sie denn den Menschen mit auf ihren quasi auf dem Weg, auf dem Wanderweg, wie sie selbst über den Zustand und den Zustand der Alpen und die Rollen des Alpenvereins quasi sich Gedanken machen sollten?
Wolfgang Schnabl
Das sind mehrere Punkte, die man beachten muss, wenn man in die Berge geht. Es ist einfach ein erhöhtes Risiko hier, und das wird definitiv mehr durch den Klimawandel. Wir haben teilweise Wege, die nicht mehr begangen werden können, wo wir Umleitungen brauchen.
Das heißt, Ausbildung, und ich habe schon erwähnt, wenn ich keine Ausbildung machen möchte, sondern mich einfach mal schnuppern möchte, geht man einfach mit einer Gruppe mit, wo ein Trainer oder ein Guide, ein Tourenführer, Tourenführerin ist, die diese Ausbildung gemacht hat. Und da komme ich in die Natur hinein und lerne sie schätzen.
Und ja, so einfache Sachen: Am Weg bleiben, den Müll, den ich hinaufnehme, oder das, was ich hinaufnehme, als Müll auch wieder selbst mit hinunterzunehmen, weil oft die Hüttenwirtsleute das dann in der Trage hinuntertragen müssen. Ja, kann man sehr viel Arbeit vermeiden für Ehrenamtliche auch.
Anna-Lisa Bier
Mhm. Ich glaube, das ist auch Respekt, einfach auch gegenüber der Natur und dass man eigentlich dort zu Gast ist, extrem wichtig ist.
Wolfgang Schnabl
Das ist genau unser Ziel, diesen Respekt einfach herzustellen und bewusst zu machen den Menschen.
Anna-Lisa Bier
Ja. Ja, Sie haben in einer Rede einmal gesagt, die Alpen seien nicht nur Naturraum, sondern auch ein Raum für Werte und dass Berge keine Grenzen, keine Religionen und keine Hautfarben kennen. Und ich finde eigentlich, dass dieser Gedanke ein schöner Gedanke ist, den man sich auch nach diesem Gespräch gerne mit auf den nächsten Weg in die Berge nehmen sollte. Insofern sage ich, Herr Schnabl, vielen Dank für die Zeit und für die Einblicke.
Wolfgang Schnabl
Sehr gerne. Danke auch.
Anna-Lisa Bier
Das war die heutige Folge von "Ganz offen gesagt". Vielen Dank fürs Zuhören.
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Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Ciao.
Autor:in:Livio Koppe |
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