Die Dunkelkammer
Aus der Dunkelkammer. Programmhinweise - und Hass im Netz
- hochgeladen von Felix Keiser
Von Michael Nikbakhsh. In dieser Ausgabe: Eine Vorschau auf Projekte und Events im Herbst, dazu Reaktionen auf unsere dreiteilige Serie zu Hass im Netz.
Michael Nikbakhsh
Herzlich willkommen zur 350. Ausgabe der "Dunkelkammer". Mein Name ist Michael Nikbakhsh, und heute gibt es mich mal wieder solo zu hören. Es gibt ein paar Dinge in eigener Sache, über die ich sprechen möchte: Programmhinweise, Ankündigungen und Inhaltliches.
Vorneweg gleich einmal die Ankündigung, dass wir über den Sommer ein wenig kürzer treten werden, im Sinne von weniger Episoden produzieren werden. Wir haben zuletzt ziemlich viel veröffentlicht, 3 bis 4 Ausgaben pro Woche, waren oft auch live im Theater. Das schrauben wir jetzt ein bisschen zurück: Ab September sind wir dann wieder quasi im Vollbetrieb.
Und da will ich auch gleich hin, denn im September, da geht unsere Justizserie "Einspruch: Die Justiz von innen" in der Kulisse Wien weiter. Wir haben da einiges vor, drei Termine stehen bereits. Am 4. September eröffnen Stefan Kaltenbrunner und ich unsere Herbstsaison mit einer Frau, die von Berufs wegen in die Abgründe der menschlichen Psyche schaut. Sie heißt Sigrun Rosmann, sie ist Fachärztin für Psychiatrie, psychotherapeutische Medizin und Neurologie, und dazu Gerichtssachverständige für Psychiatrie und psychiatrische Kriminalprognostik. Und als solche war sie in zahlreichen Kriminalfällen als Gutachterin tätig, unter anderem im aufsehenerregenden Fall des fünffachen Mörders Reinhard S. aus dem Jahr 2008. Und wir wollen an dem Abend unter anderem die Frage ergründen, wie viel Böses in jedem von uns steckt. "Einspruch: Die Justiz von innen", unser Jura-Pro-Seminar der anderen Art mit Sigrun Rosmann, 4. September, Kulisse Wien. Wir starten um 20:00 Uhr.
Am 11. Oktober sind wir dann erneut in der Kulisse, dieses Mal für eine Matinee. Da ist der Start um 14:00 Uhr. Unser Gast ist der Präsident der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn. Die Finanzprokuratur, das ist eine staatliche Behörde, da arbeiten Anwältinnen und Anwälte, die die Republik Österreich in rechtlichen Fragen beraten und vertreten. Aber wann braucht denn der Staat nun tatsächlich einen Anwalt? Diese und andere Fragen wollen wir mit Wolfgang Peschorn diskutieren. 11. Oktober, 14:00 Uhr, Kulisse Wien.
Und eine weitere Matinee hätten wir dann noch am 15. November fix, Start ebenfalls um 14:00 Uhr. Da besucht uns die frühere Justizministerin und nunmehrige Nationalratsabgeordnete der Grünen, Alma Sadić. Und weil jeder unserer Geeks einen Arbeitstitel hat, stellen wir da unter anderem die Frage: Wie viel Politik verträgt die Justiz? Kulisse Wien mit Alma Sadić, 15. November, 14:00 Uhr.
Das ist jetzt mal als Vorankündigung gedacht. Termine und weitere Details folgen noch. Und für unsere Abonnentinnen und Abonnenten bei Apple Premium und Steady machen wir wieder Gewinnspiele. Jetzt lassen wir mal den Sommer vorbeiziehen und dann bald mehr dazu.
Die Freimaurer, die haben uns im Frühjahr 2025 erstmals beschäftigt. Damals war mein Cousin Peter Gneiger zweimal in der Dunkelkammer zu Gast, einmal in der Folge 170 und dann in der Ausgabe Nummer 182. Peter ist Journalist und Buchautor, er ist Redakteur bei den Salzburger Nachrichten, und er war viele Jahre ein Freimaurer, ehe er dann im Unfrieden aus seiner Salzburger Loge ausgestiegen ist.
Auf den Absprung folgten zunächst zwei Podcast-Episoden in der Dunkelkammer, und jetzt arbeitet Peter Gneiger mit Hochdruck an einem Buch, das im Herbst in unserem neuen kleinen Verlag Edition Lauter erscheinen soll. Es heißt "Unter Brüdern: Die Freimaurer-Leaks", und ich darf erstmal nur so viel verraten: unbedingt lesenswert.
Peter wird alsbald wieder in der Dunkelkammer vorbeischauen, um das Projekt vorzustellen, und ich darf dazu auch gleich auf den Termin zur Buchpräsentation verweisen: 18. Oktober, 20:00 Uhr, erraten. Kulisse Wien. Diese Bühne ist ja längst so etwas wie unser Außenstudio. Großes Dankeschön an Direktorin Alexandra Öztlinger und ihr Team an dieser Stelle.
Ich habe vor einiger Zeit angekündigt, dass wir mit der Dunkelkammer mehr regionale Kompetenz aufbauen wollen. Und nach Franz Bickler aus Inkernten wird demnächst auch Michael Steeger in Tirol Beiträge verfassen. Sein Erstling ist bereits im Werden. Ich freue mich sehr darauf. Ja, hoffentlich auch mehr von Michael Steeger demnächst.
Und es gibt demnächst auch mehr über den ORF zu hören. Wir haben da so eine kleine lose Serie zu den Zuständen am Küniglberg gestartet. Die ist mitnichten beendet. Da kommt noch was.
Das gilt auch für den Pilnacek-Untersuchungsausschuss, der uns wohl bis zum Jahresende beschäftigen wird. Am 16. September werden die Befragungen fortgesetzt. Bis Anfang November sind sieben Tage geplant, mit politischem Personal ist zu rechnen. Und für die Dunkelkammer werden wiederum Katharina Pagitz und Maximilian Langer unterwegs sein.
Hass im Netz. Das Thema hat mich zuletzt dreimal beschäftigt. Entstanden sind drei Gespräche: eines mit dem Ehepaar Veronika und Sebastian Bohrn Mena, eines mit Falter-Chefredakteur Florian Klenk und eines mit dem Anwalt der Bohrn Menas, Robert Kerschbaumer. Dazu gab es Reaktionen.
Bevor ich dazu aber komme, noch ein Hinweis auf unser YouTube-Kommentarforum. Das habe ich nämlich vor einiger Zeit geschlossen, übrigens noch bevor ich mit dieser Hass-im-Netz-Geschichte begonnen habe. Die Dunkelkammer, die wird ja über alle großen Podcast-Plattformen ausgespielt. Am Anfang waren das für uns hauptsächlich Apple Podcasts und Spotify und Simplecast, diese drei großen Plattformen. Ende 2023 haben wir dann zusätzlich einen YouTube-Kanal angelegt. Stefan Lassnig und ich haben zum Start überlegt, ob wir die Kommentarfunktion zulassen sollen oder nicht. Stefan war skeptisch, ich war neugierig, also haben wir die Kommentare zugelassen. Und heute muss ich sagen, Stefan Lassnig hatte mit seiner Skepsis recht.
Ich habe die Kommentarfunktion immer mehr bereut, bis zu dem Punkt, wo ich einfach nicht mehr wollte. Es war mir zu viel Arbeit, dieses Forum zu moderieren. Am Anfang war noch nichts los, und dann ist es immer mehr geworden und auch immer ärger. Und immer wieder bin ich am Abend gesessen und habe mir gedacht, ich würde jetzt gerne Zeit mit der Familie haben, aber nein, ich musste das Forum moderieren. Im Sinne von rechtlich problematische Beiträge entfernen und selten aber doch auch noch User sperren. Eine professionelle Forenmoderation, die kostet Geld, das können wir uns nicht leisten. Deshalb musste ich das machen.
YouTube hat zwar angeblich einen Forenfilter, ich hatte den auch eingestellt, aber seit dem Start 2023 wurde nach meiner Erinnerung kein einziges Posting von YouTube entfernt. Das musste ich immer händisch machen. Und gerade bei den Folgen Pilnacek, Hochegger und ORF, da gab es immer wieder Handlungsbedarf. Da wurden teils wüste Verdächtigungen und Beleidigungen unter unsere Beiträge gesetzt. Und immer wieder habe ich mir gedacht, warum machen Leute das? Nehmen sich einen anonymen Account, hauen irgendeinen unsäglichen Kommentar ins Forum und zwingen mich dann dazu, das wieder zu löschen. Weil stehen lassen hieße rechtliche Konsequenzen auch für mich als Betreiber des Forums.
Zwischendurch bin ich mir wirklich vorgekommen wie ein Erwachsenenvertreter. Und irgendwann war es mir einfach zu blöd, also habe ich das Forum erst einmal geschlossen. Vielleicht drehe ich es wieder auf, vielleicht nicht. Wir werden das noch besprechen. Kommentare, Anregungen und Beschwerden gerne weiterhin auf unsere Mailadresse redaktion@dedunkelkammer.at.
Und da habe ich auch einiges an Reaktionen zu den drei Hass-im-Netz-Folgen bekommen. Es gab einerseits Applaus dafür, dass ich das Thema überhaupt aufgegriffen habe und den Bohrn Menas, Klenk und Kerschbaumer viel Raum gelassen habe. Und andererseits gab es Kritik, dass ich vor allem Robert Kerschbaumer zu viel Raum gelassen hätte.
Sie haben ihm zu viel Raum gegeben und meiner Meinung nach viel zu wenig kritisch hinterfragt, schreibt etwa Hörer Edwin. Auch Hörerin Susanne hätte sich mehr Zwischenfragen gewünscht. Hörer Bernhard fand das Gespräch insgesamt enttäuschend, weil ich Kerschbaumer zu viel durchgehen habe lassen. Und Hörer Dominik schrieb, ich zitiere: "Das Interview mit Herrn Kerschbaumer hat mich extrem irritiert. Es war ein Dauermonolog ohne kritische Rückfragen ihrerseits. Es hat mich deshalb irritiert, weil ich ansonsten sehr mutige und auch kritische Berichterstattung und Fragen gewöhnt war. Diese minutenlangen Monologe sind nicht nur ärgerlich, sondern auch langweilig.“ Zitat Ende.
Ja, und dazu Folgendes: Man kann natürlich jedes Gespräch so und so führen, und natürlich läuft nicht jedes Gespräch so, wie sich das Gesprächspartner und/oder Zuhörer vielleicht gewünscht hätten. Abgesehen davon bekomme ich Kritik auch dann, wenn es mal schärfer zur Sache geht. Siehe zum Beispiel Egisto Ott, der war ja bei mir im Studio vor einigen Wochen. Darauf habe ich ebenfalls gemischte Reaktionen bekommen. Da haben mich dann Leute für den harten Interviewstil gelobt, andere haben sich beschwert, das sei doch kein Interview gewesen, sondern vielmehr ein Verhör.
Soweit es jetzt Robert Kerschbaumer betrifft, der sitzt auf keiner Anklagebank, gegen den bestehen auch keine strafrechtlichen Vorwürfe. Insofern war die Ausgangslage sowieso eine andere. Um genauer zu sein: Die Bohrn Menas, Florian Klenk und Robert Kerschbaumer sind einerseits Akteure in rechtlichen Auseinandersetzungen, andererseits reicht diese Geschichte mittlerweile tief ins Persönliche und Emotionale hinein. Und mit Blick auf diese Gemengelage hatte ich mir fest vorgenommen, in den Gesprächen eine möglichst neutrale Rolle einzunehmen, weil ich mich da in nichts hineinziehen lassen wollte. Am Ende waren alle drei Gespräche knapp mehr als eineinhalb Stunden lang. Und wenn man mir anlastet, Kerschbaumer sei zu ausführlich zu Wort gekommen, dann muss das auch für die vorangegangenen beiden Gespräche mit den Bohrn Menas und Florian Klenk gelten.
Florian hat sich jedenfalls nicht bei mir darüber beschwert, dass er zu wenig Text gehabt hätte. Eine Beschwerde von Klenk gab es dann allerdings doch. Kerschbaumer hatte an einer Stelle im Podcast eine Formulierung verwendet, die eine recht heftige Wertung in Klenks Richtung war. Klenk hat das ziemlich betroffen gemacht. Er hat mich daraufhin angerufen und mich ersucht, das rauszunehmen. Kerschbaumer habe da einen auch rechtlich problematischen Wertungsexzess begangen, und damit hatte der Florian ehrlicherweise recht. Also habe ich diese eine problematische Wertung Kerschbaumers nach Rücksprache mit ihm aus dem ursprünglichen Podcast rausgeschnitten.
Ich habe anschließend gehört, dass Leute auf Social Media spekuliert hätten, Klenk habe bei mir interveniert, woraufhin ich die gesamte Kerschbaumer-Episode offline genommen hätte. Das ist natürlich völliger Quatsch. Alle drei Folgen sind weiterhin online. Eine Kollegin hat mich übrigens angerufen und gemeint, sie habe sich alle drei Hass-im-Netz-Folgen angehört und sei jetzt irgendwie meinungslos. Und dann hat sie noch gefragt: "Und bist du jetzt Team Klenk oder Team Bohrn Menas, Kerschbaumer? Das war nämlich nicht so klar herauszuhören."
Ja, ey. An dieser Stelle schließe ich für heute und sage danke fürs Zuhören und wünsche vorsorglich schon mal einen feinen Sommer.
Autor:in:Livio Koppe |
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