Stets bereit
Trumps Wunsch nach Grönland

Fotocredit: Missing Link

Grönland war immer wichtig, das hatte man nur vergessen und nun setzt ein Wettlauf ein, der seinesgleichen sucht.

Herbert Bauer
Grüß Gott und einen guten Tag, heute möchte ich das Thema Grönland behandeln, keine Sorge ich wiederhole jetzt nicht das, was wir seit Tagen in unendlichen Portionen vorgesetzt bekommen, sondern ich möchte, wie schon in meiner Episode 10 im Jahre 2022, als das Thema Arktis noch exotisch war, ein bisschen tiefer und auf Hintergründe eingehen. Wie immer starte ich mit einer szenischen Darstellung, um Sie, verehrte Hörerinnen und Hörer mit in die Arktis zu nehmen.

Ostgrönland, es ist Nacht. Langsam schiebt sich ein Schiff durch schwimmende Eisplatten Richtung Küste. Ein Transport und die Anlandung des mehrere Mann starken Trupps erfolgen mit Beibooten. Der Trupp geht mit Bewaffnung, Funkgerät, Antenne, meteorologischen Messinstrumenten und reichlich Vorräten an Land. Der Auftrag: Errichtung und Betrieb einer heimlichen Wetterfunkstation. Die Station wird eingerichtet, getarnt und in Betrieb genommen. Die Messungen beginnen planmäßig und die ersten Wetterdaten werden über Funk nach Hause übermittelt – es ist der 30. August 1942 - das Unternehmen „Holzauge“ – ja so hieß es wirklich - war gestartet.

Das Unternehmen „Holzauge“ war eine Operation der deutschen Wehrmacht in Ostgrönland. Ziel war die Gewinnung meteorologischer Daten für den Nordatlantik, insbesondere zur Unterstützung von Marine- und U-Boot-Operationen. Der umgerüstete Fischdampfer „Sachsen“ brachte 17 Mann mit Ausrüstung von Tromsø in die Hansa Bugt. Fast 8 Monate, bis zum März 1943, bleibt die heimliche deutsche Station in Grönland unbehelligt, dann wird sie von einer dänisch-grönländischen Schlittenpatrouille entdeckt. Es folgte ein Katz-und-Maus-Spiel mit Beobachtungen, Ausweichbewegungen und gegenseitigen Gefangennahmen. Auf Seiten der dänischen Patrouille kam es sogar zu einem Todesfall mit der eigenen Waffe.

Nach der Entdeckung durch die Dänen griffen die USA vertragskonform – wir kommen noch dazu - militärisch ein. Ende Mai 1943 erfolgte ein US-Luftangriff. Je 2 schwere Bomber der US-Air-Force vom Typ B-24 „Liberator“ und B-17 „Flying Fortress“ starteten in Island und bewirkten durch ich Bombardement und den Beschuss eine entscheidende Beeinträchtigung des Betriebs. Daraufhin wurde deutscherseits die Evakuierung angefordert, angeordnet und durchgeführt. Die Station wurde aufgegeben und zerstört, Teile des Personals wurden per Flugboot ausgeflogen. Der Betrieb endete endgültig im Juni 1943.

Der Zweck von Unternehmen "Holzauge" lag in der frühzeitigen Gewinnung verlässlicher Wetterdaten aus dem arktischen Raum. Messpunkte in Grönland verschafften einen entscheidenden zeitlichen Vorlauf in der Vorhersage. Dieser war operativ relevant für den Luftkrieg über See ebenso wie für den U-Boot-Krieg. Wetterinformationen waren damit kein Nebenfaktor, sondern ein wirkmächtiges Führungsmittel. Genau das rechtfertigte den hohen Aufwand und das Risiko verdeckter Stationen wie "Holzauge" auf Grönland oder Unternehmen "Haudegen" auf Spitzbergen.

Angesichts der Aussagen von Präsident Trump diese Woche schauen wir noch ein bisschen mehr in die Geschichte und damit auch in die geopolitische Bedeutung Grönlands: Seit den Aussagen von Trump in Davos zur „Übernahme“ Grönlands bei gleichzeitigem Verzicht auf Gewalt hilft der Blick zurück, weil genau dort in der Vergangenheit das Muster entstand.

1941 kam der Grönland-Vertrag zustande, weil Dänemark seit dem 9. April 1940 von Deutschland besetzt war und in Washington die Sorge bestand, Grönland könne in den Krieg hineingezogen oder als Sprungbrett im Nordatlantik missbraucht werden. In dieser Lage unterschrieb der dänische Gesandte in den USA, ein gewisser Henrik Kauffmann mit den USA ein Abkommen. In diesem wird die dänische Souveränität formal anerkannt, zugleich erhalten die USA aber das Recht, Verteidigungsgebiete einzurichten, Anlagen zu bauen und Streitkräfte in Grönland zu stationieren, also Grönland faktisch als vorgelagerte Sicherheitszone für die Verteidigung Nordamerikas zu nutzen.

Kauffmann handelte dabei bewusst eigenmächtig mit der Begründung, ein Deutsch besetztes Kopenhagen könne nicht frei entscheiden und Dänemarks Interessen in Grönland nicht schützen, er wolle im Sinne eines „freien Dänemarks“ handeln. Die unter deutscher Aufsicht stehende Regierung in Kopenhagen erklärte nun natürlich den Vertrag zunächst für ungültig und ging gegen Kauffmann wegen Hochverrat vor, weil er ohne Mandat einen militärisch weitreichenden Vertrag schloss. Nach der Befreiung 1945 wurde diese Bewertung aber praktisch gedreht, Kauffmann rehabilitiert und das dänische Parlament ratifizierte das 1941er Abkommen, allerdings in der Erwartung, diese aus ihrer Sicht provisorische Kriegslösung später durch eine saubere Nachkriegsregelung zu ersetzen.

Diese Nachkriegsregelung ist das Abkommen von 1951: Es ersetzt das 1941er ausdrücklich, stellt die US-Präsenz in Grönland auch auf einen NATO-Rahmen, erlaubt weiterhin „defense areas“ und die Nutzung durch NATO-Kräfte, und bildet bis heute die rechtliche Basis der amerikanischen Militärpräsenz. Auch die späteren großen Ausbauten wie Thule beziehungsweise seit 2023 heißt sie Pituffik Space Base gehen darauf zurück. Das 1951er Abkommen ist damit der Punkt, an dem aus der Notlösung unter Besatzung eine dauerhafte Bündnisarchitektur wurde, bei weiterhin klarer Anerkennung dänischer Souveränität. Und genau hier ist der Bezug zu Davos gegeben: Trumps strategische Linie „Souveränität formal ja, aber die Sicherheitslogik macht Grönland zu unserem Problem“ klingt neu, ist aber in der Grundstruktur 1941 bereits angelegt.

Nun was geschah auf dieser Basis im 2. Weltkrieg und danach im Kalten Krieg in Grönland: Im Zweiten Weltkrieg wurde Grönland rasch Teil der alliierten Kriegslogik im Nordatlantik. Die USA errichteten entlang der Küsten eine Kette von Stützpunkten und Flugplätzen, die sogenannten Bluie-Plätze (Bluie West und Bluie East). Bluie deswegen, weil die Amerikaner die einheimischen Namen nicht aussprechen konnten. Sie dienten der Luftüberführung von Flugzeugen, der U-Boot-Abwehr, der Wetteraufklärung und der Sicherung der Seewege. Einer dieser Plätze, Bluie East Two, also Bluie Ost Zwei, bei Ikateq, endete sehr unrühmlich. Nach dem Krieg wurde er überstürzt aufgegeben, zurück blieben Flugzeuge, Treibstoff, Munition und Infrastruktur, ein Problem, das bis heute als ökologisches Altlastenthema fortwirkt.

Im Kalten Krieg verlagerte sich der Fokus dann von Logistik zu strategischer Abschreckung. Mit Camp Century errichteten die USA ab 1959 eine unterirdische Basis im Inlandeis, offiziell als Forschungsstation, tatsächlich aber als Testfeld für Project Iceworm. Das Konzept sah vor, mobile nukleare Mittelstreckenraketen unter dem Eis zu stationieren. Da wäre man dann bereits auf dem halben Weg nach Russland mit eklatant verkürzten Flug und Vorwarnzeiten. Technisch ging das Projekt erstaunlich weit, mit Tunnelnetzen unter Eis und einem Reaktor-Dauerbetrieb. Aber das Projekt scheiterte letztlich an der dynamischen Bewegung des Eises. Camp Century wurde aufgegeben. Was blieb, sind keine militärischen Anlagen mehr, wohl aber Altlasten: radioaktive Materialien, Treibstoffe und Bauschutt, die damals im Eis eingeschlossen wurden und heute im Zuge des Klimawandels wieder relevant werden. Grönland ist damit nicht nur strategisch, sondern auch historisch und ökologisch durch die USA belastet – ein Aspekt, der in aktuellen Debatten oft ausgeblendet wird.

Schauen wir uns nun jene US-Einrichtung auf Grönland an, die damals entstand und auch noch heute von entscheidender Bedeutung ist: die heutige Pituffik Space Base. Sie geht direkt auf das US-dänische Verteidigungsabkommen von 1951 zurück. Dieses Abkommen schuf erstmals eine saubere Nachkriegsgrundlage für eine dauerhafte amerikanische Militärpräsenz in Grönland. Unmittelbar nach der Unterzeichnung begannen und unmittelbar nach dem Krieg begannen die USA mit dem Aufbau eines großen arktischen Stützpunkts: 1951 bis 1953 entstand im Rahmen der geheim vorbereiteten Operation Blue Jay die Thule Air Base. In den frühen Jahren war Thule vor allem ein strategischer Luftwaffenstützpunkt und logistischer Knoten im hohen Norden.

Mit dem Übergang vom Bomber- zum Raketenzeitalter änderte sich die Rolle grundlegend. Ab den späten 1950er-Jahren wurde Thule zu einem zentralen Frühwarnstandort: Das Ballistic Missile Early Warning System, also ein Radarfrühwarnsystem gegen anfliegende Raketen überwachte die Polarroute möglicher sowjetischer Interkontinentalraketen und wurde später auch für Weltraumüberwachung genutzt. Thule war damit Sensor für Zeitgewinn. Ein politischer Einschnitt folgte 1968, als ein mit Nuklearwaffen beladener B-52-Bomber nahe Thule abstürzte. Der Unfall machte die nukleare Dimension der Basis öffentlich sichtbar und belastete das Verhältnis zwischen Dänemark und den USA nachhaltig, aber natürlich ohne die strategische Bedeutung des Standorts aufzuheben.

Mit dem Ende des Kalten Krieges schrumpfte dann die klassische Militärpräsenz, der Sensor- und Weltraumauftrag blieb. In der Gegenwart ist der Standort ein Schlüsselbaustein für Raketenwarnung, für Raketenabwehr und für Weltraumüberwachung. Diese Entwicklung wurde 2023 auch symbolisch vollzogen: Thule Air Base wurde in Pituffik Space Base umbenannt – als Ausdruck der neuen Rolle unter der US Space Force und zugleich als Rückgriff auf den lokalen grönländischen Ortsnamen.

Schauen wir uns nun die nationale Militärpräsenz auf der größten Insel der Welt an. Mit rund 2,17 Millionen Quadratkilometern ist diese Landmasse über 100-mal so groß wie Österreich oder mehr als sechsmal so groß wie Deutschland. Die dänische Militärpräsenz in und um Grönland ist allerdings klein gehalten. Kern ist das Joint Arctic Command mit Sitz in Nuuk. Es erfüllt wohl auch klassische Militärfunktionen, agiert aber zugleich wie eine Küstenwache im Bereich Souveränitätsdurchsetzung, Lagebild, Such- und Rettungsdienste sowie Unterstützung ziviler Behörden. An Land ist die Präsenz minimal, aber dauerhaft, vor allem durch die – Achtung kein Hörfehler - immerhin 14 Mann starke - Sirius-Schlittenhundepatrouille in Nordostgrönland. Übrigens Elitesoldaten, die jeweils zu zweit mit 12 Hunden monatelang im Eis unterwegs sind. Auf See operieren rotierend einzelne dänische Marineeinheiten, ergänzt durch punktuelle Luftüberwachung und Transportflüge. Das Prinzip ist nicht Masse, sondern Sichtbarkeit und Kontrolle in einem riesigen Raum mit sehr begrenzten Mitteln.

Die NATO selbst unterhält in Grönland keine eigenen permanenten Stützpunkte. Ihre Rolle entsteht indirekt: über Dänemark als Bündnispartner, über gemeinsame Lagebilder im Nordatlantik und über die strategische US-Präsenz auf Grönland. Der entscheidende Fixpunkt ist dabei die Pituffik Space Base, die auf bilateraler Grundlage betrieben wird und deren Sensor- und Frühwarnfunktion unmittelbar in die NATO-Sicherheitsarchitektur hineinwirkt. Grönland ist damit aber im klassischen Sinne wenig geschützt.

Nun schauen wir einmal, wie sich die chinesischen Interesse an Grönland darstellen: China denkt die nördlichen Seewege politisch, wirtschaftlich und infrastrukturell als „die arktische Seidenstraße“, strategisch perspektivisch, lange bevor sie militärisch relevant werden. Es ist kein einzelnes Projekt, sondern die arktische Erweiterung der Belt-and-Road-Strategie. Für China ist die Arktis nämlich folgendermaßen wichtig: Nördliche Routen können aufgrund der Polschmelzung Transporte zwischen Asien und Europa verkürzen und Abhängigkeiten von südlichen Engpässen reduzieren. Dann, wer Häfen, Infrastruktur, Forschung und Standards mitprägt, sitzt später bei Nutzung und Regeln mit am Tisch.

Und drittens eine Hebelwirkung: Die arktische Seidenstraße verbindet Rohstoffe, Logistik und Daten zu einem System, das politischen Einfluss erzeugt, ohne formale oder territoriale Kontrolle auszuüben. Grönland ist für China attraktiv, weil die Lage strategisch ist, die grönländischen Eigenkapazitäten gering und externe Absicherung notwendig ist. Genau deshalb ist das chinesische Interesse kein Nebenprojekt, sondern Teil einer langfristigen strategischen Raumplanung. Europa und die USA sind hier eindeutig Nachzügler, was eine Relevanz für Trumps Haltung hat.

Nun schauen wir uns natürlich auch die Interessen Russlands an. Klarerweise gibt es für den größten Anrainerstaat der Nordostpassage auch wirtschaftliche Interessen, aber die sicherheitspolitische Bedeutung ist für Russland wesentlich höher. Russlands Interesse an der Arktis und an Grönland ist primär militärisch-strategisch. Es geht nicht um Entwicklung, Handel oder Kooperation, sondern um Kontrolle und Beherrschen des Kernraums zwischen Russland, Nordamerika und Europa. Für Moskau ist die Arktis zentraler Schutz- und Operationsraum seiner strategischen Kräfte.

Das Bastion-Konzept zielt darauf ab, strategische Kernkräfte – insbesondere atomar bewaffnete U-Boote – in räumlich begrenzten, stark geschützten Seegebieten nahe der Heimatbasen zu halten und dort durch Luft-, See- und Sensorabschirmung ihre Überlebens- und Zweitschlagsfähigkeit sicherzustellen. Grönland spielt in dieser Logik vorallem eine Rolle als Teil des gegnerischen Sensorsystems. Radar, Weltraumüberwachung, Unterwasseraufklärung und Frühwarnketten, die von Nordamerika über Grönland nach Europa reichen, verkürzen russische Reaktionszeiten und gefährden die Glaubwürdigkeit der Abschreckung. Es geht also um den Nordatlantik-Zugang. Sollte es zu einem großen Konflikt kommen, wäre Russlands Fähigkeit, NATO-Verstärkungen zwischen Nordamerika und Europa zu stören, sehr zentral. Die arktischen Zugangswege und ihre Engstellen sind dafür militärisch relevanter als klassische Seerouten weiter südlich. Der entscheidende Punkt ist: Russland denkt hier nicht in Projekten, sondern in Operationsräumen. Grönland ist für Moskau kein politisches Objekt und kein wirtschaftliches Ziel, sondern ein Fixpunkt im militärischen Lagebild – als Teil der Frühwarnkette des Gegners und als Faktor, der über Zeit, Sichtbarkeit und Eskalationsdynamik entscheidet.

Nun, schauen wir uns auch noch die Ressourcenlage Grönlands an. Grönland verfügt über geologisch nachgewiesene kritische Rohstoffe – insbesondere Seltene Erden, Graphit, Zink, Nickel, Kupfer und Gold – sowie über große, bislang unerschlossene Offshore-Potenziale für Erdöl und Erdgas. Entscheidend ist jedoch nicht ihre Existenz, sondern ihre Erschließbarkeit. Bergbau und Energiegewinnung sind kapital-, energie- und infrastrukturlastig; Grönland und Dänemark können das alleine nicht stemmen. Die grönländische Wirtschaft ist weiterhin stark auf Fischerei konzentriert und durch einen dänischen Finanzzuschuss stabilisiert – ein Modell, das kurzfristige Sicherheit bietet, aber strukturelle Abhängigkeiten festschreibt und Diversifizierung bremst.
Vor diesem Hintergrund trat Grönland 1985 aus der Europäischen Gemeinschaft aus, obwohl es zum Königreich Dänemark gehört: Möglich war das, weil Grönland als eigenständiges Gebiet mit weitgehender Selbstverwaltung in einem völkerrechtlich geregelten Sonderabkommen ausscheiden konnte und seither als assoziiertes Überseegebiet angebunden ist, ohne der EU-Rechtsordnung zu unterliegen.

Genau hier entsteht ein wirtschaftliches Vakuum. Sensible politische Debatten in Grönland über Umwelt, Souveränität und Risiken ersetzen keine Investitionsentscheidungen, solange Kapital, Fachkräfte, Energie und Logistik fehlen. Warum sichert sich Europa nicht diese Rohstoffoptionen? Während die Europäische Union lange gezögert und fragmentiert agiert hat und bis heute überwiegend reaktiv bleibt, setzen andere Akteure gezielt an: China arbeitet über Finanzierung, Infrastruktur und Lieferkettenzugang; Russland liest Grönland primär militärisch als Teil der gegnerischen Sensor- und Abschirmkette; die Vereinigte Staaten betrachten den Raum zunehmend als sicherheits- und rohstoffpolitischen Schlüssel, den man nicht dem Einfluss Dritter überlassen will. In diesem Kontext gibt es auch bislang begrenzte, aber relevante Hinweise auf ein Interesse von Silicon-Valley-nahen Akteuren, die auf Rohstoffzugang sowie Einfluss über Infrastruktur und Lieferketten zielen, teils sogar verbunden mit der Idee einer deregulierten „Freedom City“ als politischem und technologischem Experimentierraum.

Die ökonomische Realität ist damit klar: Nicht formale Souveränität entscheidet, sondern wer bereit ist, Vorleistungen zu finanzieren und Risiken zu tragen. Grönland selbst kann es nicht und solange Europa diese Rolle nicht glaubwürdig übernimmt, bleibt Grönland eben Spielfeld für externe Hebel. Die Debatte über Rohstoffsouveränität Grönlands bleibt dann zwar politisch laut, wirtschaftlich jedoch wirkungslos. Auch das erkennt jeder Stratege und was niemand brauchen kann, sind Räume die als Vakuum gelten.

Nun, in Davos ist viel passiert, ich greife hier nur das Treffen zwischen Donald Trump und dem NATO-Generalsekretär Mark Rutte heraus. Es brachte zwar kein bindendes Abkommen, aber eine politische Verständigung: einen Rahmen für weitere Gespräche zur Sicherheitslage im Nordatlantik und in der Arktis. Rutte stellte zugleich klar, dass jede Lösung innerhalb bestehender Bündnis- und Souveränitätsstrukturen liegen müsse. Kurz gesagt: Deeskalation nach außen, Positionssicherung nach innen – mehr Prozess als Ergebnis, aber immerhin. Trump nahm akuten Druck von den europäischen Verbündeten, insbesondere bei angekündigten Zöllen, was vermutlich systemisch sofort wieder zu entspannter Inaktivität führen wird. Man bedankt sich bei Trump und sieht nicht welch lächerliche Figur Europa damit abgibt.

Nun, wieder der Versuch eine Fazits: Wer Völkerrecht, Moral, Anstand und ein stark normatives Pazifismusverständnis zum Maßstab macht, verzweifelt an Trumps Politik. Wer seine Schritte hingegen nüchtern und machtpolitisch analysiert, erkennt eine innere Logik: Nicht ob Staaten interessengeleitet handeln, ist entscheidend, sondern welche Interessen dominieren. Die USA, China, Russland aber auch Indien denken in strategischen Räumen, maritimen Linien, der wachsenden Bedeutung des Weltraums und langfristiger Positionierung, während die EU ihre Politik häufig uneinheitlich an kurzfristigen Kompromissen und sektoralen Lobbyinteressen ausrichtet. Sie ist stärker darauf ausgelegt, über Regulierung, Abgaben und Marktmechanismen Erträge zu generieren und zu verteilen, als strategisch in sicherheitsrelevante Vorsorge zu investieren. In diesem Umfeld sind Trumps Maßnahmen konsistent, auf die strategischen Interessen der USA ausgerichtet und erfüllen genau das, was er mit "Make America Great Again" angekündigt hatte. Egal, ob man das gutheißt oder nicht, würden die USA diese Linie nicht verfolgen, stünde „der Westen“ angesichts eigener Verzettelung, fehlender Perspektiven und fragmentierten Denkens strategisch deutlich schwächer da.

Es gibt da einen gravierenden Unterschied in der Organisation der Macht: Die politischen Eliten in den Vereinigten Staaten, China und Russland bedienen ihre Gefolgschaften, um Macht zu bündeln und Strategien durchzusetzen; die Europäische Union hingegen bedient ihre Gefolgschaften uneinheitlich, angstgetrieben, entscheidungsschwach und verliert dabei ihre Strategien für die Weltbühne.

Autor:in:

Herbert Bauer

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.