Stets Bereit
Trump´s Grönland Deal
- hochgeladen von Felix Keiser
Diese Episode analysiert Donald Trumps Vorstoß in der Grönland-Frage und beleuchtet das im September 2026 geschlossene Abkommen zwischen den USA, Dänemark und Grönland. Dabei werden die militärisch-strategischen Vorteile zur Abwehr der wachsenden arktischen Aktivitäten Russlands und Chinas sowie der Ausbau der Raketenfrühwarnung untersucht. Zudem bewertet der Beitrag die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Rohstoffprojekte, die Eindämmung konkurrierender Großmächte und die ungelösten Umweltaltlasten vergangener Militärbasen.
Herbert Bauer
Sie hören "Stets bereit", den Podcast über Militär- und Sicherheitspolitik. Mein Name ist Herbert Bauer, ich bin Generalmajor im Ruhestand und werde in meinem Podcast militärische und sicherheitspolitische Themen allgemein verständlich erläutern.
Grüß Gott und einen guten Tag. Heute möchte ich mit Ihnen die Entwicklungen zu und rund um Grönland betrachten und beginne, wie immer, mit einer fiktiven Szene, die sich aber genau so oder ähnlich täglich abspielt und uns deutlich macht, welche zentrale Bedeutung Grönland für Nordamerika hat.
Auf der US-Basis Pituffik im Nordwesten Grönlands beginnt eine neue Schicht, die nächste Besatzung übernimmt in der Zentrale, die Überwachung gemäß Grundauftrag läuft weiter. Draußen liegt die Arktis, drinnen könnte sich die Aufmerksamkeit auf etwas richten müssen, das weit jenseits dieser Landschaft beginnen würde: auf anfliegende Raketen. Sollten sie kommen, wären zum Zeitpunkt der Erfassung durch den Radar diese Raketen bereits gestartet und unterwegs. Dann zählen ihre Flugbahn, ihre Geschwindigkeit, ihr mögliches Ziel und die Zeit, die noch verbleibt. Pituffik gehört zu den vorgeschobenen Augen der amerikanischen Raketenfrühwarnung. Die Mannschaft hier überwacht einen Zugang zu Nordamerika, der auf vielen unserer Landkarten ganz oben am Rand verschwindet.
Auf einem Globus sieht das allerdings anders aus: Zwischen Russland und Nordamerika liegt die Arktis. Für eine Interkontinentalrakete kann der Weg über den hohen Norden die direkte Verbindung zum Ziel sein. Aber eine Rakete kann nicht nur aus einem Raketensilo oder von einer mobilen Landbasis kommen, sie kann auch von einem U-Boot starten. Gedanklich sind wir also jetzt im System der Mutual Assured Destruction, also der gegenseitig gesicherten Vernichtung. Das ist ein Grundgedanke der nuklearen Abschreckung: Wer zuerst angreift, muss damit rechnen, selbst trotzdem vernichtet zu werden. Eine beklemmende Form der Sicherheit, die aber seit den 60er-Jahren bis heute funktioniert hat.
Wenn die Sensoren in Pituffik gestartete Raketen erfassen, müssen aus diesen Messungen rasch verlässliche Informationen werden. Die Daten gehen an die amerikanische Warnzentrale und an NORAD. NORAD steht für North American Aerospace Defense Command, die gemeinsame Luft- und Weltraumverteidigungszentrale der USA und Kanadas. Auf der Peterson Space Force Base in Colorado Springs, mit dem bekannten unterirdischen Cheyenne Mountain Complex, der als atombombensichere Kommandozentrale dient. Dort werden sie mit den Meldungen anderer Sensoren zusammengeführt und erfolgt die Bewertung: Ist es ein Angriff? Wie groß? Gegen welche Ziele? Wie viele Raketen sind unterwegs? Ist es eine Fehlanzeige? Die Mannschaft in Grönland entscheidet nicht über einen nuklearen Gegenschlag, aber ihre Arbeit kann dazu beitragen, dass diejenigen, die entscheiden müssen, überhaupt erst rechtzeitig ein aussagekräftiges Lagebild erhalten.
In unserer Szene bleibt es bei der Routine: Die Übergabe ist abgeschlossen, die Nachtwache geht, die nächste Mannschaft übernimmt die Bildschirme, tausende Kilometer entfernt beginnt für andere Menschen ein gewöhnlicher Morgen. Hier in Grönland beginnt eine weitere Wache, über die Minuten, die im Ernstfall noch bleiben. Pituffik, früher Thule, also ein Ort, an dem die Vereinigten Staaten bereits seit Jahrzehnten präsent sind, und ein Ort auf jener Insel Grönland, die Donald Trump unbedingt haben wollte.
Als Donald Trump 2019 Grönland kaufen wollte, sorgte das für Spott und Empörung. Dabei war der strategische Gedanke nachvollziehbar: Die Insel liegt zwischen Nordamerika, Europa und der Arktis. Sie bietet Zugang zu militärisch wichtigen Räumen und besitzt bedeutende Rohstoffvorkommen. Die Amerikaner waren zwar längst dort, aber während sie ihre bestehende Präsenz fortführten, veränderte sich das Umfeld dramatisch. Russland baute seine militärische Infrastruktur in der Arktis stark aus, China suchte Zugang über Forschung, Infrastruktur und Rohstoffinvestitionen und verstärkte seine Zusammenarbeit mit Moskau.
Das Pentagon beschrieb diese Entwicklung 2024 ausdrücklich als sicherheitspolitische Herausforderung. Besonders deutlich könnte man den amerikanischen Nachholbedarf anhand der Eisbrecherflotte darstellen: Die US-Küstenwache bezifferte ihre Polarflotte Ende 2025 auf "drei Schiffe". Russland verfügte noch hier in Angraum über mehr als 40 Eisbrecher, darunter die größten der Welt und viele davon atombetrieben. Auch die Chinesen beschafften Eisbrecher. Unterschiedliche Schiffstypen und Aufgaben machen zwar daraus keinen direkten Vergleich militärischer Kampfkraft, aber die Größenordnung zeigt, wie unterschiedlich beide Staaten ihre Fähigkeiten entwickelt hatten, um im eisbedeckten Gewässern präsent zu sein.
Und China hatte bereits wirtschaftlich Fuß gefasst: Bei einem grönländischen seltenen Erden-Projekt stand hinter einem australischen Lizenzinhaber auch ein chinesischer Rohstoffkonzern. Das Projekt wurde durch Grönlands Uranverbot blockiert, es zeigte aber, dass chinesisches Interesse längst in konkrete Unternehmensbeteiligungen übergegangen war. Aus amerikanischer Sicht war daher der Hinweis "Wir sind doch schon dort" immer weniger wert. Bestehende Rechte ersetzen weder zusätzliche Fähigkeiten noch eine Antwort auf wachsenden wirtschaftlichen Einfluss von Konkurrenten. Trump wollte den amerikanischen Zugriff dauerhaft absichern.
Die Kaufüberlegung war seine radikalste Antwort darauf. In seiner zweiten Amtszeit verschärfte er den Druck und schloss im Januar dieses Jahres auf Nachfrage sogar militärischen oder wirtschaftlichen Zwang zur Erlangung der Kontrolle über Grönland nicht aus. Damit wurde aus dem strategischen Interesse eine Krise unter Verbündeten. Nun, am 22. September 2026 unterzeichneten Trump und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen und Grönlands Regierungschef Jens Frederik Nielsen schließlich ein Abkommen. Es bekräftigt die Souveränität des Königreichs Dänemark sowie Grönlands Selbstbestimmungsrecht und erweitert die amerikanischen militärischen Möglichkeiten.
Schauen wir uns an, wie viel Washington damit gegenüber Russland und China tatsächlich gewinnt. Dafür müssen wir unterscheiden, welche Rechte die USA schon besaßen und welche neuen Handlungsmöglichkeiten hinzukommen. Der Spott, Trump habe nur bekommen, was die Amerikaner längst hatten, greift militärisch zu kurz. Zwar erlaubte schon das Abkommen von 1951 den USA, in vereinbarten Verteidigungsgebieten Anlagen zu errichten, Material zu lagern und Personal zu stationieren. Dazu kamen auch weitreichende Flug- und Landerechte sowie Bewegungsrechte zwischen den Gebieten, und auch amerikanische Bodentruppen waren grundsätzlich längst möglich.
Neu sind aber jetzt konkrete Zusagen, wie die erweiterten Aktivitäten in Pituffik, zusätzliche Verteidigungsgebiete in Nassau-Schwab und Mestresvik, beschleunigte Prüfung unbemannter Anlagen und ausdrücklich getauchte Fahrt amerikanischer staatlicher Schiffe in Territorialgewässern. Hinzu kommen ein starkes NATO-Engagement und weitere dänische Verteidigungsanstrengungen: Militärische Anlagen und dauerhafte Truppenpräsenz von Nicht-NATO-Staaten werden ausgeschlossen, sofern also die Vertragsparteien keine Ausnahmen vereinbaren.
Nun, was bringt das operativ? Pituffik dient bereits der Raketenfrühwarnung, Raketenabwehr und Weltraumüberwachung. Sein Wert liegt im Zusammenspiel mit weiteren Sensoren und Warnzentralen, um Angriffe zuverlässig zu erkennen und Entscheidungszeit zu gewinnen. Das Abkommen nennt auch das geplante Raketenabwehrsystem Golden Dome, legt aber weder zusätzliche Radartypen noch konkrete Abfangstellungen fest. Nassau-Schwab im Süden und Mestresvik im Nordosten Grönlands könnten als Verlegungs- und Versorgungsstützpunkte Reichweite, Präsenz und Durchhaltefähigkeit militärischer Kräfte erhöhen. Mestresvik verfügt bereits über eine kleine dänische Militärstation mit Landebahn, die unter anderem die dänische Sirius-Schlittenhunde-Patrouille unterstützt.
Besonders interessant ist auch die Regelung bezüglich getauchter Fahrten von US-Booten in den Territorialgewässern. Bei der Durchfahrt durch Territorialgewässer müssen U-Boote gemäß internationalem Abkommen grundsätzlich aufgetaucht fahren und ihre Flagge zeigen. Dieses Abkommen erlaubt aber amerikanischen U-Booten nun ausdrücklich die getauchte Fahrt in grönländischen Territorialgewässern, was ihre Verborgenheit erhält und operative Vorteile bieten kann. Für Europa reicht die Bedeutung dieser Vereinbarung direkt und indirekt bis zur Geoglücke. Diese Abkürzung bildet sich aus den Anfangsbuchstaben von Grönland, Island und United Kingdom. Russische U-Boote können nämlich durch diesen Raum, durch die Geoglücke in den Atlantik gelangen und dort die Verbindungen bedrohen, über die amerikanische Verstärkungen nach Europa kämen. Eine bessere Überwachung schützt deshalb beide Seiten des Atlantiks. Die neue Territorialwasserregelung erweitert die Optionen in einem Teil dieses Operationsraums.
Auch die Europäer erkennen zunehmend die militärische Bedeutung des arktischen Raums. Bei Arctic Shield 2026 übten im September Soldaten aus 11 Ländern, darunter französische Infanterie, belgische Drohnenspezialisten und finnische Spezialkräfte. Entscheidend sind gemeinsame Führung, Versorgung und Verwundetenbergung unter arktischen Bedingungen, bei gewaltigen Entfernungen und kaum vorhandenen Straßen. Dänemark beschloss auch 2025 zwei Arktis-Pakete über insgesamt 42 Milliarden Kronen, das sind 5,6 Milliarden Euro. Das beinhaltet fünf neue arktische Marineschiffe, Langstreckendrohnen, Satellitenüberwachung, maritime Patrollenflugzeugkapazität, Zugang zu Eisbrecherkapazität, ein Luftüberwachungsradar in Ostgrönland sowie zusätzliche militärische Einheiten und ein neues Hauptquartier in Nuuk. Trumps Druck hat die europäische Reaktion sicher beschleunigt. Russland und China hatten den Handlungsbedarf zwar bereits geschaffen, zugleich unterstützten aber die Europäer und Dänemarks Souveränität gegenüber Washington.
Moskau reagierte zunächst zurückhaltend. In einer Erklärung vor der Unterzeichnung wurde festgestellt, die Einigung sei Sache der Beteiligten und eine arktische Zusammenarbeit mit Washington stehe nicht auf der Tagesordnung. Für Russland entsteht der operative Nachteil durch zusätzliche Sensoren, länger durchhaltefähige Kräfte und schnellere westliche Reaktionen, sofern diese Fähigkeiten auch aufgebaut werden. Für China erschwert die Vereinbarung eine künftige Verankerung auf Grönland. Damit kommen wir auch zu der wirtschaftlichen Bedeutung. Grönlands Rohstoffe sind von strategischem Interesse, doch ein Vorkommen liefert noch keine Versorgung und keinen Gewinn. Dafür braucht es Finanzierung, Genehmigungen, Infrastruktur und Verarbeitung. Das Abkommen überträgt den USA weder Bodenschätze noch Förderrechte, aber es begrenzt den Einfluss sicherheitspolitischer Konkurrenten.
Bei Rohstoffgewinnung und kritischer Infrastruktur sollen Staaten und Investoren außerhalb von NATO, NATO-Partnerschaften und EU keinen sicherheitsgefährdenden Einfluss erhalten. Erfasst werden dabei Kontrolle, erheblicher Einfluss und Zugang zu nicht öffentlichen Informationen. Ausnahmen bedürfen gemeinsamer Zustimmung. Grönland setzt dies durch Investitionsprüfungen mit Dänemark um, und Washington wird konsultiert. Das erschwert jetzt besonders China den Zugang über Beteiligung an Finanzierung und Infrastruktur. Ein vollständiges Geschäftsverbot oder eine automatische Enteignung bestehender Beteiligungen enthält der Vertrag jedoch nicht. China war bereits beteiligt. Bei einem seltenen Erden-Projekt investierte China in den australischen Lizenzinhaber. Grönlands Uranverbot blockierte dann das Projekt schon vor dem Abkommen. China wird damit künftig stärker eingegrenzt, seine bisherigen Interessen sind dadurch allerdings nicht beseitigt.
Auf westlicher Seite steht Tambris im Mittelpunkt. Die Nasdaq-notierte Critical Metals Core hält nach eigenen Angaben 92,5 Prozent der Projektgesellschaft als Unternehmenseigentum und ist damit nicht im amerikanischen Staatsbesitz. Die staatliche US-Export-Import-Bank erwägt einen Kredit von bis zu 120 Millionen Dollar. Erste Erzproduktion strebt das Unternehmen Ende 2028 beziehungsweise Anfang 2029 an. Für die anschließende Verarbeitung der daraus gewonnenen seltenen Erdenkonzentrate plant es unter anderem eine Raffinerie in Rumänien. Erst eine funktionierende Kette vom Bergwerk bis zum nutzbaren Material könnte die Abhängigkeit von China verringern. Die gemeldeten technischen Fortschritte sind allerdings Unternehmensangaben, noch keine laufende industrielle Produktion.
Europa verfolgt ebenfalls konkrete Projekte. Die EU-Rohstoffpartnerschaft besteht immerhin schon seit 2023. Das Graphitprojekt Ametzok mit Verarbeitung in Norwegen erhält 2025 sogar strategischen EU-Status. Hinzu kommt das Molybdänprojekt Malmberg. Das im September 2026 angekündigte 200-Millionen-Euro-Paket umfasst Rohstoffe, Energie, digitale Verbindungen und weitere Investitionen. Es ist kein reines Bergbaubudget. Trumps Druck dürfte die Aufmerksamkeit erhöht haben. Für Grönland zählt, was daraus vor Ort entsteht: Einnahmen, Arbeitsplätze, Infrastruktur und eigener Entscheidungsspielraum. Trump sichert westliche Zugangsmöglichkeiten und begrenzt konkurrierenden Einfluss. Verlässliche Rohstoffversorgung entsteht aber, wie gesagt, erst durch erfolgreiche Förderung und Verarbeitung.
Schauen wir nun aber auch noch auf Altlasten und Umweltsünden. Wer beseitigt die Hinterlassenschaften der früheren amerikanischen Präsenz? Zwei Fälle zeigen das Problem. Camp Century, die aufgegebene Anlage unter dem Inlandeis, hinterließ Abfälle und radioaktiv belastetes Material. Camp Century war eine 1959 errichtete und 1967 aufgegebene amerikanische Militär- und Forschungsanlage unter dem Inlandeis Nordwestgrönlands, die auch als Versuchsbasis für das nie verwirklichte Projekt Iceworm zur Stationierung nuklear bestückter Raketen unter dem Eis diente. Nach den Beurteilungen von 2021 werden die Hinterlassenschaften bis 2100 weder freigelegt noch vom oberflächlichen Schmelzwasser erreicht. Der Standort wird also überwacht, was zwar die erwartete Gefährdung begrenzt, aber die Altlasten nicht beseitigt.
Der zweite Fall ist Blue East Two in Ikatek, einem von 1942 bis 1947 genutzten amerikanischen Militärflugplatz in Ostgrönland, der im Zweiten Weltkrieg als Ausweichflugplatz sowohl zur Wetterbeobachtung, Navigation und Unterstützung von Such- und Rettungseinsätzen diente und heute mit verbliebenen Hinterlassenschaften brachliegt. Laut amtlichem Bericht seien rund 14.000 Fässer eingesammelt und abtransportiert worden. Teile des Materials bleiben aber aus kulturhistorischen Gründen erhalten. Das neue Abkommen bekräftigt den Umweltschutz, enthält aber keine konkreten amerikanischen Sanierungszusagen für diese Altlasten. Regierungschef Grönlands Nielsen betont, dass künftige Standorte Grönlands Umweltrecht und Lebensweise respektieren müssen. Zur alten Verschmutzung verweist er auf den fortgesetzenden Dialog. Die Reinigung werde weiterhin gebraucht. Die neue Zusammenarbeit ist vereinbart, die Umweltrechnung der früheren Präsenz bleibt jedoch offen.
Nun schauen wir noch kurz auf Grönlands Regierung. Grönland gehört zum Königreich Dänemark und verwaltet seit 2009 die ihm übertragenen Aufgaben weitgehend eigenständig. Für die Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik bleibt aber grundsätzlich Dänemark zuständig. Dänemark muss allerdings die grönländische Regierung bei Fragen einbeziehen, die Grönland betreffen. Nun, für Grönland zählt vor allem, dass die Insel in der Hand ihrer Bevölkerung bleibt und Grönland mitentscheidet. Regierungschef Jens Frederik Nielsen begrüßt die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts und die Beteiligung als Mitunterzeichner dieses neuen Vertrags. Zugleich übernimmt Grönland Verantwortung auch für die gemeinsame Sicherheit. Seine Zustimmung ist jedoch kein Schlussstrich.
Nielsen sagt selbst, dass Trumps Drohungen Vertrauen beschädigt haben und dessen Wiederaufbau Zeit braucht. Neue Standorte müssen Grönlands Lebensweise respektieren. Das gilt insbesondere für Fischerei, Jagd und die Nutzung der Natur. Die Gespräche über die alten Umweltlasten sollen, wie schon erwähnt, weitergehen. Die Regierung sieht im Abkommen einen Gewinn an Mitsprache und Sicherheit. Für die Bevölkerung wird jedoch entscheidend sein, wie diese Zusagen vor Ort umgesetzt werden. Probieren wir wieder ein Fazit. Strategische Kontrolle setzt also offensichtlich keinen territorialen Besitz voraus. Trump hat wesentliche amerikanische Ziele ohne den Erwerb oder die Eroberung Grönlands vorangebracht und zusätzlichen militärischen Handlungsspielraum und stärkere Grenzen für den Einfluss konkurrierender Großmächte ausgehandelt. Das ist ein strategischer Gewinn, dessen praktischer Wert allerdings erst mit der Umsetzung Bedeutung erhalten wird.
Für Europa folgt daraus: Wer im hohen Norden mitentscheiden will, muss Aufklärung, Versorgung und einsatzfähige Kräfte bereitstellen. Souveränität braucht auch militärische Fähigkeiten, denn zusätzliche europäische Leistungen stärken nicht nur die gemeinsame Verteidigung, sondern auch die eigene Verhandlungsposition gegenüber Washington. In der Wirtschaft gilt dasselbe. Wer chinesischen Einfluss begrenzen will, muss Grönland tragfähige Alternativen wie Kapital, Infrastruktur, Verarbeitung und verlässliche Abnehmer bieten. Die grönländische Bevölkerung braucht einen erkennbaren Nutzen, damit die Partnerschaft dauerhaft trägt. Trumps Druck hat die europäische Reaktion beschleunigt. Europa sollte lernen, strategischen Handlungsbedarf früher selbst aufzugreifen. Dann kann man Drohungen gegen Verbündete begegnen und muss sie nicht zum bewährten Geschäftsmodell des Partners werden lassen. Militärische Zusammenarbeit braucht aber auch Vertrauen, das, wenn es einmal geschädigt ist, sich durch einen Vertrag allein nicht wiederherstellen lässt. Europas Konsequenz muss also sein, mehr geopolitische Verantwortung zu übernehmen und damit mehr Einfluss auf Entscheidungen zu gewinnen. Wer erst auf amerikanischen Druck handelt, überlässt Washington die Initiative.
Autor:in:Livio Koppe |
|
| Livio Koppe auf LinkedIn | |